II. Annaberger Montanhistorisches Kolloquium
Wir freuen uns mitteilen zu können, dass in der Zeit vom Freitag, dem 4. Juni bis Sonntag, dem 6. Juni in Annaberg-Buchholz das 2. Annaberger Montanhistorische Kolloquium stattfindet.
Diese Veranstaltung sieht sich als Fortsetzung des erfolgreichen 1. Anaberger Montanhistorischen Kolloqium 2008. Das Kolloqium soll neben einem Vortrags- und einem Exkursionsteil bei den Abendveranstaltungen die Möglichkeit zum Kennelernen und lockerem Erfahrungsaustausch zwischen den Teilnehmern bieten.
Anmeldung – Kolloquium Annaberg 2010
{ FacileForms : Kolloquium2010 }
Freudenstein e.V. Halsbrücke – Jahresprogramm 2010
29. Januar
Jahresvollversammlung, (das Jahresprogramm gilt als schriftliche Einladung)
Holger Lausch, Halsbrücke
Bergbau Gelbe Birke Fundgrube bei Schwarzenberg
Bergbaugeschichte, Geologie, Mineralien, Fotodokumentation 1985 bis 2006
26. Februar
Volkmar Scholz, Freiberg
Mittelalterlicher Bergbau in Dippoldiswalde 12. und 13.Jh
Dokumentation im Rahmen von Sanierungsarbeiten des Oberbergamtes Freiberg
26. März
Reiner Sennewald, Freiberg
Einblicke Finnetunnel bei Eckertsberga
Vortrieb mit Vollschnittmaschinen
30. April
Sven Schreiter, Obergebirge
St. Briccius Die Spanier Gruben
Aufwältigung, Dokumentation, Fotos der letzten beiden Jahre
28. Mai
Silvio Stute, Freital
Steinkohlengewinnung im Raum Freital
Mit historischen Fotografien von über und unter Tage
Samstag 26. Juni
Thomas Liebisch, Schwarzenberg
Befahrung der Grube Gottes Geschick
mit anschließendem Grillen und Bergbier
Eigene Ausrüstung erforderlich, Stiefel, Helm, Geleucht, Umkostenbeitrag
Treffpunkt und Uhrzeit werden rechtzeitig bekanntgegeben
Juli und August Sommerpause
Juli Bergbauworkshop St.Andreasberg/Harz Grube Roter Bär
September Montanarchäologieworkshop in Dippoldiswalde Sächsisches Amt für Denkmalpflege
24. September
Jens Pfeifer, Freiberg
Bergbaugebiet Cornwall ein Exkursionsbericht
29. Oktober
Marco Drechsel, Dresden
Bergbau in Mexico ein Reisebericht
Bilder von über und unter Tage aus mehreren Reisen zusammengestellt
26. November
Dr. Klaus Erler, Berlin
Reise zu den tiefsten Bergwerken der Welt
Goldbergbau in Südafrika
Dezember unter Vorbehalt
Unsere monatlichen Fachabende finden am letzten Freitag im Monat im Huthaus von Beschert Glück in Zug statt. Einlass 19.00 Uhr, Beginn 20.00 Uhr
Beiträge und Spenden können auf unser Konto überwiesen werden.
BLZ: 85050300/ Ostsächsische Sparkasse KoNr: 4201497602
Presseartikel Kolloquium Untertagerettung 15.-17. Mai 2009
Rückblick: Kolloquium Untertagerettung 15.-17. Mai 2009
Das vergangene Kolloquium war wirklich eine erfolgreiche Veranstaltung !
Zuerst möchte ich ein paar Dankesworte loswerden.
Ein
ganz besonderes Dankeschön gilt unseren beiden
Geschädigtendarstellerinnen. Die waren einfach spitzenmäßig, haben sich
genau so verhalten wie ein verängstigter Verunglückter es eventuell
auch tun würde. An einigen Stellen zwar überspitzt aber genau das
wollten wir ja. Die beiden haben den Helfern ganz schön eingeheizt und
sie auf Trab gehalten. Eine wirklich professionelle Leistung !
Auch
den Freunden vom "Bären" ein herzliches "Glück Auf!" und vielen Dank
für die Unterstützung und die Bereitstellung des Tagungs- und
Übungsortes.
Hier wäre noch unbedingt Fauli für seine logistische
Unterstützung zu danken. Wilfried und Jörn natürlich, die sich aktiv
eingebracht haben und einen entscheidenden Anteil am Erfolg tragen.
Nicht zu vergessen die Kameraden des GAG-SAR-Teams/Bergwacht die jeder an seinem Platz eine super Leistung hingelegt haben.
Weiterhin
"AdM Michael" für seinen äußerst interessanten und bildreichen Bericht
über seine Tätigkeit als Oberführer der Grubenwehr.
Vor allem den Teilnehmern selbst, ihr ward einfach nur gut, quatsch viel, viel besser als gut !
Freitag
Neben
Bergrüßung und Vorstellungsrunde gab es den interessanten Vortrag von
AdM Michael, danach noch eine Menge schöner UT-Bilder und interessante
Gespräche.
Gegrilltes und Bergbier.
Samstag
Vormittags
den geplanten Vortrag zur Befahrungssicherheit, der sich teilweise zu
einem Erfahrungsaustausch entwickelte ohne dabei den "Faden" zu
verlieren. Also kein trockener Vortrag mehr, sondern teilweise schon
eine themenbezogene Gesprächsrunde, mit vielen Teilinfos.
Nach dem
gemeinsamen Mittagessen ging es dann zur Grube. Hier standen zwei
"Übungsdurchläufe" auf dem Plan. Dabei sollten sich alle die irgendeine
Ahnung von solchen Rettungswerken haben heraushalten, nur die
eigentlichen Teilnehmer waren die Aktuere.
Nach einem Moment der Ratlosigkeit ergriff Pfiff die Initiative und Brachte die Aktion in Gang.
Danach
ging alles zwar irgendwie, aber doch recht zügig und fast schon
problemlos, eben erstaunlich gut. Jeder im Team fand seinen "Platz" und
erfüllte seine Aufgabe so gut es eben ging.
Der Verletzte wurde gefunden, versorgt und nach übertage verbracht.
Nach
einer kurzen Verschnaufpause gab es eine gemeinschaftliche
Manöverkritik. Die Akteure zuerst, danach die Beobachter, denen aber
bereits viele Punkte von den Aktiven selbst "weggenommen" wurden.
Eigentlich
war vorgesehen, das gleiche Szenario noch einmal zu beackern. Da es
aber so gut funktioniert hat, wäre es nicht fordernd genug gewesen.
Deshalb haben wir entschieden, den Schwierigkeitsgrad etwas zu erhöhen
und hatten nun Zwei "Opfer" und längere Wege.
Auch dieser
Übungsdurchlauf verlief ausgesprochen gut, das Rettungswerk hatte nun
Struktur, Aufgaben wurden vorher festgelegt, Einsatzleiter und
Truppführer bestimmt, Suchtrupps, Kommunikation und Logistik
organisiert. Fast schon perfekt.
Danach war Zeit für schöne Befahrungen im "Wenns Glückt" und dem "Beerberger Tagesstollen"
Nach
dem Abendbrot gab es noch zwei Vorträge zu den sicherheitsrelevanten
Vorschriften in Besucherbergwerken und zu den Grundsätzen für eine
Notfallplanung. Das vorgestellte Muster-Notfallhandbuch steht demnächst
im Downloadbereich als xls-Datei zur Verfügung. (Anm. Das
Notfallhandbuch ist in keinem Fall ein fertiges Arbeitsmittel, es muss
auf jede Grube/Verein angepasst und eventuell erweitert werden)
Für den Sonntag war eigentlich nur eine Demonstration einer Schachtrettung vorgesehen.
Aber
den motivierten Teilnehmern nur eine "Theateraufführung", wobei sie nur
die Zuschauer sind, zu präsentieren war uns einfach zu lau.
Also
haben wir kurzer Hand ein neues Übungsszenario entwickelt. Dieses mal
Suche auf zwei Sohlen nach einer Person, lange Wegstrecke, äußerst
schwieriger Tragentransport durch enge Strecken. Bevor es im Schacht
nach oben ging, musste der Verletzte erstmal seilunterstützt in die
Radstube.
Das Übungsszenario
– Alle Teilnehmer sind Mitglieder des Vereins und wohnen auf der Seilscheibe.
– Sie treffen sich wie üblich gegen 0900 Uhr zum Anbeißen vor der Schicht.
–
Kurz nach 0900 ruft die Polizei an und bittet darum, die
Stollenmundlöcher zu überprüfen, da eine junge Frau seit gestern Abend
2100 Uhr vermisst wird. Es gibt Hinweise, dass Sie sich Zugang zu einem
Stollen verschafft hat.
– Die Kontrolle ergibt, dass das Schloss am "Wenns Glückt" aufgebrochen ist.
– Der Betriebsführer alarmiert sofort alle Mitglieder der Arbeitsgruppe.
der Ablauf
– gegen 0915 sind 12 Mitarbeiter an der Grube eingetroffen
– es wird sofort mit der Einsatzplanung begonnen, die Mitarbeiter legen ihre PSA an und bereiten ihre Ausrüstung vor.
– 0955 Einfahrt der Suchtrupps
ST 1 Aufschlagrösche
ST 2 13m Sohle
– 0957 akustischer Kontakt zur gesuchten Person durch ST 2, Seiltrupp beginnt mit dem Einbau der Seiltechnik
– 0958 meldet ST 1 "Aufschlagrösche frei"
– 1000 ST 1 zur Verstärkung in Absinken1 und Kontakt zum ST 2 herstellen.
– 1002 Kommunikation bis zum Absinken 1 steht
– 1008 Kommunikation bis zur 13m Sohle vorgezogen, Verbindung steht
– 1010 Person gefunden Schleifkorbtrage (SKT) wird benötigt
– 1015 Lagemeldung: Person ansprechbar, Schmerzen unklarer Ursache
– 1027 Transport mit SKT fraglich, Strecke zu eng
– 1034 Transport nur über Radstube möglich
– 1041 Verletzte trifft in Radstube ein, wird zur 13m Sohle abgeseilt
– 1054 Verletzte am Absinken 1 auf 13m Sohle angekommen
– 1106 Beginn der Schachtrettung
– 1130 Verletzte übertage angekommen, Übergabe an RettD.
Aus
Sicherheitsgründen haben wir die Geschädigtendarstellerin nicht im
Schacht fahren lassen, das "Vergnügen" im Schleifkorb an einem
Flaschenzug hängend, habe ich mir selbst gegönnt.
Fazit
Sehr
guter Ablauf, alle arbeiteten Hand in Hand, sehr schöne Kameradschaft,
für eine "zusammengewürfelte" Truppe ein hervorragender Ablauf. Das
meinten auch die externen Beobachter.
Allen Teilnehmern ein herzliches Oberharzer "fahrn se glicklich !"
Bilder: http://www.untertage.com/cms/component/option,com_zoom/Itemid,32/catid,85/
Neue Bergwachteinheit aufgestellt
Presseinformation des DRK-Landesverbandes Sachsen-Anhalt Halle (Saale), 24.April 2009
PM 12/09
Neue Bergwachteinheit aufgestellt
Am
Samstag den 18. April 2009 fand im Hüttenröder Zechenhaus die Gründung
der Bergwachtbereitschaft Hüttenrode statt. Schwerpunkt der Einheit ist
die Rettung von Menschenleben aus alten Bergwerksanlagen.
Die
Bergwacht ist ein Fachdienst im Deutschen Roten Kreuz und der Experte
in Deutschland für die Rettung aus schwierigem Gelände. Die Arbeit
erfolgt ehrenamtlich.
Die Bereitschaft unter Führung von
Friedhelm Cario setzt sich derzeit aus elf Kameraden zusammen. Ein
Großteil ist zugleich Mitglied in der "Grubenarchäologischen
Gesellschaft" – GAG – bzw. in der SAR-Abteilung (Search And Rescue –
Suchen und Retten) dieser Gesellschaft. Einige andere Kameraden sind
dem Hüttenröder Bergverein angehörig. Vier Männer sind auch beruflich
mit dem Bergbau verbunden.
Damit verfügen sie über die nötigen
technischen Kenntnisse im Befahren der Bergwerke und über die
speziellen Rettungstechniken. Erweitertes medizinisches Wissen wird im
Rahmen der bereits festgelegten Ausbildung vermittelt. Dieses
entspricht dann dem aktuellem Bergwachtstandard: Alpine Notfallmedizin.
Daneben
wird das Auf-, Ab- und Umsteigen am Seil, die verschiedenen
Möglichkeiten der Personenrettung unter Tage sowie der Gesamtablauf
eines Einsatzes trainiert.
Da derartige Notfallsituationen sehr
selten sowie bundesweit und die Rettungsmissionen äußerst langwierig
sind, müssen potentielle Bewerber nicht aus der unmittelbaren Umgebung
von Hüttenrode stammen.
Nächste Schritte werden die Sponsorensuche
und die Einbindung in die Alarmierungskette der Zentralen
Einsatzleitstelle für Feuerwehr und Rettungsdienst sein.
Benötigt
werden unter anderem Verschleißmaterialien wie Seile, Schlingen und
Karabiner sowie ein Schleifkorb oder eine Universaltrage UT 2000 sowie
Vakuummatratze und -schienen.
Finanzielle Hilfe für Einsatzbekleidung ist stets willkommen.
Spendenkonto: 3519500
Bankleitzahl: 86020500
Bank für Sozialwirtschaft
Kennwort: Bergwacht Grubenrettung
Informationen
erhalten sie Montag bis Donnerstag von 8.00 Uhr bis 16.00 Uhr und
Freitag von 8.00 Uhr bis 12.00 Uhr bei Andreas Fröhlich,
Landesbereitschaftsleiter der Bergwacht Sachsen-Anhalt unter 03941 5970
4344.
Kolloquium: 175 Jahre Erfindung des Drahtseils 22. Juli 2009
„Es käht su racht hibsch!"
Kolloquium: 175 Jahre Erfindung des Drahtseils
am Mittwoch, 22. Juli 2009
Drahtseile sind aus dem heutigen Alltag nicht mehr wegzudenken. Diesen Erfolg hätte sich Oberbergrat Albert im Jahr 1834 wohl kaum träumen lassen. Sein berechtigter Stolz richtete sich nur auf die Lösung eines brennenden, schon Existenz bedrohenden Problems im Bergbau. Am 22. Juli 1834 meldeten die Verantwortlichen der Grube Caroline stolz den erfolgreichen Betrieb eines erstmalig in ganzer Schachtlänge eingehängten Drahtseiles. Mit dem Kolloquium ist beabsichtigt, an die größte Erfindung zu erinnern, die Menschen des Harzer Bergbaus je hervorgebracht haben.
Dr. Wilfried Ließmann, Göttingen:
Eisenketten contra Hanfseile; die Entwicklung der Schachtförderung im Oberharzer Bergbau vor 1834
Hans-Heinrich Hillegeist, Göttingen:
Die Drahthütte der Königshütte in Lauterberg- Grundlage für die Drahtseilherstellung
Wolfgang Lampe, Clausthal-Zellerfeld:
Alberts Aufzeichnungen in der heißen Phase seiner Erfindung
Jens Kugler, Freiberg Sa.:
Die Einführung der Eisendrahtseile beim sächsischen Bergbau
Prof. Dr. Friedrich Balck, Clausthal-Zellerfeld:
Oberbergrat Albert als Entwickler in der Prüftechnik
Dr. Christoph Bartels, Bochum:
Die Verbreitung des Drahtseils im europäischen Bergbau nach 1834
Dr. Winfried Sindern, Bochum:
Stahldrahtseile – bewährte Leistungsträger von Schachtförderanlagen
Roland Verreet, Aachen:
Das Drahtseil im 21. Jahrhundert
Prof. Dr. Peter Dietz, Clausthal-Zellerfeld:
Das mechanische System Seil-Seiltrommel – Forschungen am Institut für Maschinenwesen.
Ort: Aula der Technischen Universität Clausthal
Zeit: 10.00 Uhr – ca. 16.00 Uhr
Während der Veranstaltung stehen Getränke zur Verfügung; mittags wird ein Imbiss gereicht. Wir bitten um Verständnis, wenn hierfür und andere organisatorische Aufwendungen eine Teilnahmegebühr von 20,-€ erhoben wird (zu entrichten bei der Ankunft im Tagungsbüro).
Auf der Veranstaltung werden die Vorträge als Begleitheft vorliegen und können erworben werden.
Anmeldungen an
Niedersächsisches Bergarchiv
An der Marktkirche 9
38678 Clausthal-Zellerfeld
email: wolfgang.lampe@nla.niedersachsen.de
Veranstalter:
- Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie
- Niedersächsisches Bergarchiv
- Institut für Bergbau der TU Clausthal
- Fritz Süchting Institut für Maschinenwesen der TU Clausthal
- Harzverein für Geschichte & Altertumskunde e.V.
- Förderkreis Königshütte Bad Lauterberg e.V
- St. Andreasberger Verein für Geschichte und Altertumskunde e.V.
- Arbeitsgemeinschaft Harzer Montangeschichte
Frauen im Erzbergbau – Dargestellt am Beispiel des Erzgebirges – Eine Analyse des Forschungsstandes
Einleitung
Die Thematik der Frauen im Bergbau erfreute sich bisher nur unzureichender Aufmerksamkeit. Dass Frauen am Berggeschrei beteiligt waren, steht spätestens seit dem Erscheinen des Begleitbandes zur Ausstellung „Frauen und Bergbau" außer Frage.[1] In welchem Ausmaße und inwieweit belegbar ist bisher nur sporadisch hinterfragt worden.[2] Der vorliegende Aufsatz beschäftigt sich auf landesgeschichtlicher Ebene mit den Frauen im erzgebirgischen Bergbau. Allerdings muss eine zeitliche Zensur vorgenommen werden, da es sich um den Betrachtungszeitraum der Frühen Neuzeit handelt. Begründet ist die Segmentierung mit der geschichtlichen Situation der Region. Das Erzgebirge bildet als Mittelgebirge die natürliche Grenze zwischen Sachsen und Böhmen. In den Jahren 1470 bis ca. 1550 erreichte der Bergbau eine Blütezeit in der die bedeutendsten Bergstädte gegründet wurden.[3] Diese sind Schneeberg, Marienberg, Schwarzenberg, Johanngeorgenstadt und natürlich Annaberg. Seine bedeutendste Phase hatte der Bergbau bereits Mitte des 17. Jahrhunderts verloren. Gründe lagen in den erschwerten Abbaubedingungen nach Erreichen der Zementationszone sowie in den Folgen des Dreißigjährigen Krieges[4]. Diese Arbeit bietet einen Einblick in den bisherigen Forschungsstand. Auf Archivrecherche wurde für diese Studie deshalb bewusst verzichtet. Alle zitierten Quellen sind bereits von den angegebenen Autoren rezipiert. Eine alleinige Beschränkung auf die Darstellung des bisher erforschten erschien nicht aussagekräftig genug um das Thema angemessen zu hinterfragen, da die eruierte Sekundärliteratur sehr beschränkt ist und sich nur all zu oft in ihren Aussagegehalt wiederholt. Aus diesem Grund ist eine Analyse der Primär- und Sekundärquellen zwingend. Zentraler Bestandteil der explorierten Quellen sind Abbildungen. Eine der Hauptquellen im Bezug auf die Situation der Frühen Neuzeit sind die Abbildungen in Agricolas „De re metallica" und der Annaberger Bergaltar. Die bisher maßgebendsten Arbeiten zur Thematik ist zum einen der Aufsatz Susann Karant-Nunns „The women of the Saxon Silver Mines"[5] und die Arbeiten Reinhard Ungers und Hanns-Heinz Kaspars zur Montanunternehmerin Barbara Uthmann.
Diese Arbeit beschränkt sich auf einen kleinen zeitlichen und geografischen Ausschnitt in der Sphäre Frauen und Bergbau, aber ohne außer Acht zu lassen, dass es in nahezu allen Regionen, in denen es Bergbau gab, auch Frauen ihren Beitrag leisteten. So ist u.a. im Wallonischen Bergbau Frauenarbeit bei der Steinkohlenförderung im Göpelwerk belegt.[6] Desweiteren arbeiteten Frauen an den Kohlenwaagen im englischen Bergbau. In den Steinkohlegruben von Newcastle waren im 19. Jahrhundert Frauen sogar zahlreich unter Tage beschäftigt.[7] Auch für den belgischen Bergbau finden sich ebenfalls Belege über Frauenarbeit.[8]
In diesem Aufsatz wurde auf Ausführungen zu den bergbaulichen „Hilfsarbeiten", wie Transport oder Versorgungsarbeiten verzichtet. Auf die zweite bedeutende Phase des erzgebirgischen Bergbaus, des Uranbergbaus nach dem Zweiten Weltkrieg, wurde in diesem Rahmen nicht eingegangen, da die hierfür vorliegende Sekundärliteratur zu beschränkt ist. Dieses Sujet verdient einer eigenständigen Betrachtung, nach einer elaborierten Auseinandersetzung mit dem vorhandenen Quellenmaterial.
Die für diesen Artikel letztendlich grundlegendste Frage lautet: In welchem Maße erfolgte die bisherige Erforschung der Thematik der Frauen im erzgebirgischen Bergbau?
Frauen im erzgebirgischen Bergbau
Die Erforschung der Geschichte der Frau ist eine junge Disziplin mit noch vielen offenen Fragen. Es ist immer noch nötig die „‚Besonderheit von Frauen‘ im Verhältnis zur ‚Universalität von Männern’"[9] zu betrachten. Daher hilft es zur Verdeutlichung des Kontextes der Frauenarbeit im Bergbau, Parallelen zum Arbeitsfeld der Frauen in der Frühen Neuzeit darzustellen.
In der Frühen Neuzeit spielten Frauen in allen Bereichen der Gesellschaft eine Rolle.[10] Aber der soziale Rahmen in dem sich ihr Leben abspielte war durch besondere Normen beschränkt. Das galt sowohl für die Bäuerin als auch für die Frauen der Oberschicht.[11] Der generelle Ausschluss der Frauen vom öffentlichen Handeln und politischer Herrschaft ist nicht zu leugnen. Eine prinzipielle Unterordnung lässt sich dennoch nicht konstatieren. Als Ungleich- behandlung von Mann und Frau fällt zunächst die Rechtslage in Ehegüter- und Erbrechten ins Auge. Hinzu kommt die häufige Unterordnung von Töchtern und Ehefrauen unter die Geschlechtsvormundschaft des Vaters bzw. des Ehe- mannes. Das galt auch im Bereich des Bergbaus. Im Zusammenhang mit den Bergbauaktivitäten der Niederrheinischen Familie Bachofen in Annaberg findet sich folgender Verweis: „Am Mittwoch nach Dionysii (15. Oktober) 1535 wird im Leipziger Ratsbuch beurkundet, dass die Brüder Arnold und Friedrich Bachofen von Johann Heymanns als ehelichen Vormund der Margaretha, Gerhard Merums Witwe, alle Bergteile, ’sovil si uf Sanct Annenberge, Schneberge, Marienberge, Sanct Joachimsthale und anderen gehabt‘, nach Ausweis eines zu Antwerpen geschlossenen Vertrags für 366 Guldengroschen erworben haben."[12] Eine solche Quelle scheint in Diskrepanz zu der Möglichkeit des öffentlichen Handelns oder gar der politischer Herrschaft von Frauen zu stehen.[13] Allerdings gilt: „In den frühneuzeitlichen Rechten war jedoch nicht generell von „der Frau" die Rede, vielmehr wurde sehr genau nach den verschiedenen Qualitäten von Mündigkeit, zeitgenössisch als „Stand" bezeichnet, differenziert."[14] Somit galt das Prinzip „jedem das Seine". Zu diesem Prinzip gehörte einerseits, dass der Haushalt als gesellschaftliches Ordnungssystem, der Ort war, der die „Hausmutter/Hauswirtin" zu öffentlichem Handeln berechtigte und verpflichtete.[15] Andererseits galt die Differenzierung der Stände zum Prinzip des „jedem das Seine". Daher erweist sich eine Unterteilung in verschiedene Stände, in diesem Fall in adlige Gewerkinnen, Montanunternehmerinnen und bürgerliche Gewerkinnen sowie Bergarbeiter- innen als durchaus zweckdienlich.
Adlige Gewerkinnen
Für Frauen aus dem Adelsstand finden sich Belege für ein breites Spektrum der Handlungen. Das Spektrum umfassten die Leitung des herrschaftlichen Haushalts über die Grund- und Gerichtsherrschaft bis zur Teilhabe an Landesherrschaft als vormundschaftliche Regentin oder regierende Fürstin. Alle diese Herrschaftsfunktionen manifestierten sich in unterschiedlichen Legitimierungsformen. Das Recht zur Herrschaft in einer Grund- und Gerichtsherrschaft oder zur Regentschaft fußte auf Hausgesetze und beim höheren Adel auf Erstgeburtsregelung (Primogenitur). In der Rechtsform des „Weiberlehns" eröffnete sich Töchtern nur dann die Möglichkeit des Erbens, wenn keine Söhne vorhanden waren. Doch selbst dann waren die „Erbtöchter" nicht zur Herrschaft in eigener Person berechtigt, sondern mussten diese dem Ehemann oder Sohn überlassen."[16] Adelige Witwen strebten, wie auch bürgerliche Witwen danach, die Vormundschaft über ihre Kinder zu erlangen.[17]
In den gesammelten Urkundenbüchern des Hermann Löscher[18] finden sich große Namen, wie dem der Herzogin Margaretha von Sachsen, der Mutter von Ernst und August, die sich aktiv am Bergbaugeschehen in Schneeberg und am Pöhlberg beteiligte. So findet man u.a. folgenden Aktenvermerk: „Die Landesherren gewähren den Gewerken des Bergwerks auf dem Pöhlberg bei Kleinrückerswalde auf Bitten der Mitgewerkin Herzogin Margaretha von Sachsen erneut eine zehnjährige Münzfreiheit."[19] Katharina von Bernstein, verliehen mit dem Schloss Bärenstein und den dazugehörigen Hämmern und Zinnbergwerken samt Zinnzehnten als Leibgut, gehört ebenfalls zu den eigenständigen Gewerkinnen.[20] Eine sehr streitbare und durchsetzungsstarke Frau war Anna von Schönburg, Herrin zu Glauchau. Sie scheute sich nicht von Herzog Georg die fällige Zubuße einzutreiben, die sein Vater, Herzog Albrecht, am Bergwerk zu Elterlein besaß. „Anna von Schonburg, frau zu Glauchaw etc., witwe, schreibt an Georg, Herzog zu Sachsen: … Es haben iczunder die vorsteher des pergkwerks zum Elterlen ein anlage uf ein kuks ein gulden gemacht. So denn der durchlauchte, hochgeborne furste, mein gnediger herr herczog Albrecht, auer gnaden herr und vater, ein halben teil uf gnannten pergkwerk hat und vor eim Jahre uf ein kuks zur einlage 2½ gulden reinisch ausgesatzt und von den mitgewercken gegeben, sol die ferdinge zupuße von auren gnaden auch noch ausenstehen. Wu auer gnaden den halben teil behalten und furter pauen wil, wirt auer gnade die funf gulden vor eim Jahre noch ausensteen und zu itziger einlage zcwen gulden bynnen den nechsten vier wuchen wol endrichten lasen … Gebn zu Glauchaw, am andrn Phingstage anno etc. 90º."[21] In einer weiteren Quelle schildert sie Herzog Georg „ …,dass sie verboten habe, die vom Bergmeister zu Schneeberg verliehenen Lehen zu Lößnitz weiterzubauen, da dadurch die Häuser in der Stadt zum Einsturz gebracht würden."[22] Der entsprechende Bergmeister hatte sich beim Herzog über das Verbot des weiteren Ausbaus der untertägigen Grubengebäude beschwert. Anna von Schönburg rechtfertigt sich und beschreibt, wie der Einsturz eines Hauses durch ungesicherten Bergbau bereits eine Familie in die Armut getrieben hatte. Leider ist bisher nicht bekannt wie dieser Streit zwischen dem Bergmeister und Anna von Schönburg vor dem Herzog Georg ausging. Aber diese Beispiele belegen die Handlungsfähigkeit der adligen Gewerkinnen. Eine Übersicht über die bisher dokumentierten im Bergwesen involvierten adligen Frauen zeigt die Tabelle 1.
|
Name |
Funktion |
Zeit |
|
Adlige |
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Katharina von Bärenstein¹
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Friedrich von Sachsen erteilt ihr Leibgedinge Anteile der Herrschaft Bärenstein samt Hämmern und Zinnbergwerken
Leibgedingebrief über die Hälfte des Schlosses Bärenstein samt Hämmern und Zinnbergwerken
Kurfürst Ernst von Sachsen verleiht zugleich für seinen Bruder Albrecht das Schloss Bärenstein samt Hämmern und Zinnbergwerken und Zinnzehnten als Leibgut
|
1454
1470
1479 |
|
Margarete von Sachsenº ¹ (Mutter von Ernst und August)
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Diverse Schiedssprüche über Gewerke in Schneeberg
Hauptgewerkin „unserer lieben Frauen" und Oberschar"
Mitgewerkin der Gewerke Fdgr. am Pöhlberg (Streit mit Landesherren um Münzbefreiung und Abgabenerleichterung)
Lehenträgerin in der „Gnädigen Frauen Zeche" |
1476 bis 1477
ab 1480 |
|
Witwe des Fritzschen von Maltitz¹ |
verliehen mit Erbe des Mannes (Bergwerk am Zeltenberg)
|
1488
|
|
Anna von Schönburg¹(Herrin von Glauchau) |
regelt Bergwerksangelegenheiten mit Herzog Georg von Sachsen
|
1490/1491 |
Tabelle 1 Adlige Gewerkinnen im erzgebirgischen Bergbau
º Laube, A. (1976), S. 97, S. 171, ¹ Löscher, H. (2003), (2005)
Montanunternehmerinnen und bürgerliche Gewerkinnen
Ein Schlüssel zu mehr Verantwortung und Handlungsspielraum der Frauen lag in der Aneignung von Wissen, das über das Lernen der elementaren Kulturtechniken des Lesens und Schreibens hinausging. Der Grundtyp der „gemeinen" städtischen Schule über die der Rat – in der Regel in Kooperation mit der Kirche – die Aufsicht ausübte war die Lateinschule. Bereits zwei Jahre nach Gründung der Stadt Annaberg 1498 eröffnete die erste Lateinschule in Annaberg.[23] Vor allem in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhundert wurde das städtische Bildungspotential wichtig die für Entwicklung des Gewerbes, Bergbau und Landwirtschaft.[24] In Sachsen existierten insgesamt um 1550 103 städtische Schulen, davon war der Großteil ein- bis dreiklassig.[25] Durch Bestimmungen des Generalartikels von 1557 wurde eine Vereinheitlichung und Erhöhung des pädagogischen Anspruchs an diesen Einrichtungen gestellt.[26] Die Ziele des Generalartikels standen in der Tradition der von Philipp Melanchton entworfenen Kursächsischen Schulordnung von 1528.[27] Anne-Kristin Kupnur untersuchte das Bildungswesen in Oschatz und Annaberg für die Zeit von 1670. Beide sächsischen Städte unterstanden dem gleichen Landesherr und unterlagen der gleichen seit 1580 gültigen Kirchenordnung. Sie stellte fest, dass die allgemein höhere Schuldichte im Annaberger Raum auch einen stärkeren Schulbesuch zur Folge hatte. Diese gegenüber dem landwirtschaftlich geprägten Oschatzer Gebiet besseren Schulverhältnisse seien auf die gewerbliche Struktur des bevölkerungsreichen Raums mit Silberbergbau, zahlreichen Handwerk und starken Handelsbeziehungen zurückzuführen.[28] Ebenso förderlich für die Inanspruchnahme von Selbstständigkeit war durchaus auch durch den Schutz der Kleinfamilie möglich. So war es für Frauen ausführbar als Kauffrau und Handwerksfrau selbständiger aufzutreten, privatrechtlich zu handeln oder einen Betrieb auf Zeit weiterzuführen. Die Stärkung der Kleinfamilie führt dabei zum Ehegattenerbrecht statt des germanischen Prinzips „das Gut rinnt wie das Blut", das die Ehefrau ausschloss und den Erbgang an die Kinder oder Rückfall an die Sippe vorsah. Die Lockerung des Prinzips der Geschlechtervormundschaft vollzog sich vor allem im städtisch-bürgerlichen Lebensbereich also im Stadtrecht. Aber zur günstigeren Stellung der Frau in der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadt sind Einschränkungen zu machen, u.a. erweist sich diese Stellung zumindest teilweise als konjunkturabhängig von den Bedürfnissen der männlich dominierten Wirtschaftsgesellschaft gesteuert. Eingeräumte Positionen, etwa in der zünftigen Wirtschaft, können wieder verlorengehen.[29] Dieser Prozess vollzog sich im Bereich der Bergarbeiterinnen, aber auf diese Thematik wird noch eingegangen. In Krünitz „Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft" aus den Jahren 1773 bis 1858 heißt es: „Es gibt demnach dreyerley Gattungen von Handelsfrauen: a) diejenigen, welche eigene Handlungen haben; b) die mit ihren Männern als Consortinnen in Handlung stehen; und c) die nur mit andern in Compagnie handeln. Es hat aber eine Kauf- und Handelsfrau, zu desto mehrerer Begünstigung der Handlung, nicht nur in Sachsen, sondern auch nach dem hamburgischen Rechte, ja, wie einige Rechtslehrer behaupten, durch ganz Deutschland, vor andern Frauenspersonen das Vorrecht, daß sie sich nicht allein für andere verbürgen, und Wechsel ausstellen, sondern auch überhaupt alle andere Contracte beständig und verbindlich vollziehen kann, ungeachtet sie keinen Curator bey sich gehabt hat, ihrer weiblichen Privilegien nicht erinnert ist, noch auch auf dieselben Verzicht gethan hat; wie man denn auch mit einer solchen Frau ganz sicher allerley Contracte schließen, und von ihr Bürgschaft oder Wechsel annehmen kann.[30]
Bürgerliche Frauen in Sachsen hatten im Bezug auf Bildung (soweit sie ihnen zugänglich war) und Rechte im Bereich der Wirtschaft prinzipiell mehr Freiraum für eigenständiges Agieren. Zwei in diesen Bereichen begünstigte Frauen möchte ich im Folgenden vorstellen. Dabei bleibt zu beachten, dass sowohl Uthmann als auch Schnorr erst als Witwe bzw. während der Abwesenheit des Ehemannes zu selbstständigen Handeln befähigt wurden.
Barbara Uthmann
Die wahrscheinlich bedeutendste und Montanunternehmerinnen im erzgebirg- ischen Bergbau ist Barbara Uthmann. Besonders auf ihre unternehmerischen Leistungen soll hier eingegangen werden. Bereits ihr Großvater, Johann von Elterlein, siedelte sich in Annaberg an. Zusammen mit Hans Hühnerkopf betrieb er erfolgreich Bergbau auf Silber. Er arbeitete seit 1499 als Schichtmeister.[31] In den Jahren 1500 bis 1505 bekleidete er das Richteramt. Nach seinem Tod 1516 hinterließ er ein nicht unbeträchtliches Vermögen. Ihr Vater, Heinrich von Elterlein, war ein erfolgreicher Unternehmer und handelte mit Kuxen und Immobilien. Er vermehrte somit sehr geschickt den vererbten Besitz. 1510 heiratete Heinrich Ottilie Arnolt. Sie stammte aus einer reichen Ratsherrenfamilie, ansässig in Chemnitz. Der Ehe entsprangen fünf Söhne und vier Töchter. Etwa 1514 wurde Barbara geboren.[32] In vielen Quellen wird angemerkt, dass Barbara Uthmann eine gute Schulbildung genoss. Zusammen mit ihrem Bruder Hans nahm sie (angeblich) Rechenunterricht bei Adam Ries. Als Barbara fünfzehn Jahre alt war heiratete sie den zweiundzwanzigjährigen Christoph Uthmann. Ihr Vater kaufte ihnen ein Haus, welches sie 1531 bezogen. Barbara gebar zwölf Kinder. Christoph Uthmann war ein erfolgreicher Berg- und Hüttenherr. Er besaß die Kupfergrube St. Briccius, diverse Hüttenwerke, ein Pochwerk und Beteiligungen an den ertragreichsten Gruben des Annaberger Reviers (u.a. Grube Beschert Glück und Himmlisch Herr). Im Jahre 1550 kaufte er das Saigerwerk Grünthal und erhielt ein Privileg.[33] Dieses Privileg besagte, dass ihm die Erze von allen Kupferzechen zu einem vom Landesherren fest gelegten Preis abgetreten werden mussten. Nach 24 Jahren Ehe verstarb 1553 Christoph Uthmann.
Von da an führte Barbara das Unternehmen mit Hilfe ihrer Söhne Heinrich, Hans und Paul und dem Schwiegersohn Hans Biener weiter, ohne jedoch in deren Vormundschaft zu stehen.[34] Barbara, deren ganzes Leben vom Bergbau geprägt war und die Kontakt zu allen Bergherren des Reviers unterhielt, hatte sich Laufe der Zeit das nötige Wissen angelernt. Am 19. Februar 1554 wurden Christoph Uthmanns Erben und Nachkommen zusätzlich zu den Gewerken am Pöhlberg, mit dem Privileg der Saigerhütte Grünthal durch den Kurfürsten August belehnt. In der Urkunde „gemelther Uthmanin vnnd iren kinderen" werden seine späteren Absichten bereits deutlich: „gnediglich gewilligt, das gedachte witbe vnnd ire kinder denn kupferkauff vonn dato an ein jar lang wie sie bishero gehabt, mit vorlage vnnd sonst noch habenn sollenn vnnd morgen, dergestallt das sie alle die Silber, so vonn den kupfernn inn der Seigerhütte gebracht, vnnd gemacht werden nirgent anders worhin, dann inn vnsern Zehendenn vf S. Annaberg antwortten vnnd die marck silber etwas meher denn sonnst geben."[35] Mit der Verleihung auf lediglich ein Jahr war unternehmerisches Agieren nicht möglich. Barbara ersuchte einen zeitliche Verlängerung des Privilegs. Mit Erfolg wie der Erlass vom 22. August 1555 belegt: „das sie solchen Kupfferkauf vor allen anderen die drey Jar lang haben sol, von menniglich daran unvorhindert,"[36] Aber in dem Schreiben stehen auch Bestimmungen über den Aufkaufpreis der Erze. August droht mit der Änderung des Privilegs, falls es aufgrund des Kupferkaufes zu Irrungen und Klagen käme. Damit war zwar die Gewinnspanne der Saigerhütte eingeschränkt, dennoch war die Sicherung eines reichen Einkommens ermöglicht. Regelmäßige Vorschriften für die Ankaufspreise folgten. Am 1. August 1559 erhielt Uthmann eine weitere Verlängerung auf acht Jahre mit der Begründung, sie habe den Bergbau zum allgemeinen Nutzen gefördert. Aber August verlangte eine jährliche Gebühr von 500 Gulden und kündigte an, den Handel nach Ablauf der acht Jahre in seine eigene Hände zu nehmen.[37] Dennoch folgte eine rege Bautätigkeit. So wurde 1563 eine neue Saigerhütte und ein neues Garmachhaus errichtet. Währenddessen kaufte der Kurfürst bereits waldreiche Gebiete im Bereich Grünthals. Infolge des Rückgangs der Einnahmen aus dem Bergregal in der Mitte des 16. Jahrhundert musste der Kurfürst Handeln. Von besonderer Bedeutung war die Kontrolle der Hüttenanlagen. Kurfürst August nutzte das Bergregal um diese Knotenpunkte in seinen Besitz zu bekommen.[38] August erkannte, welchen Gewinn Grünthal abwarf und wollte diese Geldquelle gerne in seinem Besitz wissen. Folglich gab es nach Ablauf der acht Jahre 1567 keine Verlängerung des Privilegs mehr, auch nicht auf den reinen Handel mit Garkupfer der Saigerhütte. Bei dieser Verweigerung der Verlängerung des Aufkaufsmonopols machte sich der Kurfürst die Klagen von großen Bergwerks- bzw. Kuxbesitzern zunutze, wie der Leipziger Kaufleute und Ratsherren Georg Helfreich und Kilian Külewein, von Simon Rost aus Weißenfels und vom Amtsverwalter Wolf Lindner von Pforta. Sie hatten sich über ungerechte Preise beschwert, die ihnen die Uthmann zahlte. Doch waren es letztlich die Reskripte des Kurfürsten vorgeschriebenen Beträge, die den Aufkauf des Schwarz- kupfers regelten. Diese „ungerechte Bewertung" wurde den Saigerhüttenbesitzern angelastet und diente mit zur Begründung, um die Verlängerung des Privilegs abzulehnen. Die Uthmanns waren somit von der Rohstoffzufuhr abgeschnitten. Als einzige Alternativen blieben der Aufkauf von Kupfer aus weiter entfernten Revieren oder der Verkauf der Saigerhütte an den Kurfürsten. Das Ende des Streites war leicht vorhersehbar. Uthmann verlor den ungleichen Kampf. Sie musste die Hütte zu einem extrem niedrigen Preis verkaufen. Hier nutzte August seine Macht aus, indem er das auf 13.665 Gulden geschätzte Anwesen mit lediglich 8.000 Gulden und die Metallvorräte mit 1680 Gulden bezahlte."[39] Paul Uthmann, ein Sohn der Uthmann, wurde ab 1579 Faktor der Saigerhütte in Grünthal. 1583 baute Kurfürst August die „Neue Hütte" in Dresden. Der Betrieb erfolgte mit Fachpersonal aus Grünthal.[40]
Uthmann baute außerdem ein Verlagswesen für Bortenproduktion auf. Zeitweise bezog sie Borten von 900 Bortenwirkerinnen. Sie war allerdings nicht allein mit dieser Geschäftsidee. Mit dem Niedergang des Bergbaus ging auch der Bedarf an Luxusartikeln wie eben Borten zurück. Nach sukzessiven Entlassungen folgte die vollständige Aufgabe des Geschäftes.[41] Als Barbara Uthmann am 15. Januar 1575 in Annaberg starb, starb sie als eine reiche, durchsetzungsstarke Unternehmerin und nicht als Beschützerin der Armen, wie es ihr im 19. Jh. ausgehend vom Göttinger Hofrat Beckmann angedichtet wurde.[42]
Rosina Schnorr
Eine weitere bedeutende Akteurin war Rosina Schnorr. Als Frau leitete und entwickelte sie über 15 Jahre ein sich auf das gesamte Westerzgebirge erstreckendes Bergimperium. Manfred Blechschmidt zeichnete in seinen Recherchen ihren Lebensweg nach.[43] Die Familie Schnorr, ursprünglich in Ilmenau und Werdau beheimatet, fasste ab 1620 endgültig Fuß in Schneeberg. Rosina Schnorr heiratete um 1635 den Bergherrn Veit Hans d.Ä.. 1648 unternahm ihr Mann eine Geschäftsreise zur Leipziger Messe. Auf dieser Fahrt wurde er Opfer eines Überfalls. Als Gefangener folgte die Verschleppung nach Russland. Rosina Schnorr nahm ohne Vormundschaft das Unternehmen ihres Mannes in die Hände, um es vor dem Verfall zu bewahren. Ob sie schon über Fachwissen verfügte oder sich komplett neu einarbeiten musste, ist nicht bekannt. Zu ihren Tätigkeiten zählten die Überwachung des Kuxbesitzes und Verhandlungen mit Zehntnern. In ihren besten Jahren umfasste der Besitz der Familie Schnorr 25.483 Kuxe auf Eisen-, Kobalt- und Silbererzgruben und weiterhin Hammerwerke in Aue, Carlsfeld und anderen Ortschaften. Ihr Mann Veit Hans Schnorr d. Ä. blieb anderthalb Jahrzehnte in den Händen des russischen Zaren, für den er im Ural als Bergbausachverständiger arbeitete. Nach einer geglückten Flucht erreichte er Wien, wo er allerdings an den Strapazen der Reise verstarb. Als Rosina die Nachricht vom Tode ihres Mannes erhielt, gab sie all ihre Tätigkeiten auf. Sie verkaufte ihre Besitzungen an Familienangehörige und zog sich aus allen Geschäften zurück.
Diese beiden Montanunternehmerinnen sind die in der bisherigen Forschung am stärksten berücksichtigten Frauen. Aber sie sind nicht die Einzigen. Die folgenden Tabellen geben einen Überblick über weitere am Bergbau beteiligte Frauen. So finden sich in den Urkundenbüchern von Löscher etliche Gewerkinnen.[44] Frauen tauchen selbstverständlich, wie bereits dargestellt, dann in den Akten auf, wenn es sich um Rechtsstreitereien oder anderweitige Rechtsakte handelt. Ein Beispiel für einen Rechtsstreit: „Herzog Georg von Sachsen stellt den Streit zwischen Witwe Anna von Oelsnitz und dem Pirnaer Bürger Jacob Petzsch auf ein Güteverfahren ab durch drei seiner Räte. Es geht um den Hammer Brausenstein, auf dem Petzsch 100 rh fl stehen zu haben behauptet. Kommt eine Einigung zustande, sollen von ihm bestellte Richter entscheiden."[45] Zu den häufigen Vermerken zählen auch Erbangelegenheiten. „Barbara Kempff bekennt, dass sie Hans Trost zu Hohendorf nach dem Tode ihres Ehemannes und einiger Kinder eine Kohlegrube zu Bockwa verkauft und ihm aufgelassen habe, worauf diese ihm geliehen worden sei."[46] Der „Bericht über eine Reise in das Erzgebirge aus dem Jahr 1557" enthält gar den Vermerk einer Huthmannin für die Fundgrube St. Seligen auf Brand. Leider ist über diese Thematik bisher noch nichts weiter bekannt.[47] Doch besteht die Hoffnung bei Durchsicht der Freiberger Zechenregister weitere Verweise zu finden.[48]
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Name |
Funktion |
Zeit |
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Gewerkinnen |
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Katharina Wolff Rathinº |
2 Kuxe „Markus Semmler Stolln"Schneeberg
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1535/36 |
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Katharina Braunspergerinº |
2 Kuxe „Markus Semmler Stolln"Schneeberg
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1535 |
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Witwe Dietrich Monias und vier Töchterº |
1 Kux „Markus Semmler Stolln"Schneeberg
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1536 |
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Katharina Lucas Semlerinº |
4 Kuxe „Markus Semmler Stolln"Schneeberg
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1535/1536 |
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Kunigunde Fuckinº |
9 3/8 Kuxe „Fruchtbare Torheit"Schneeberg
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1539/1540 |
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Anna Lazarus Heuglinº |
½ Kux „Markus Semmler Stolln"Schneeberg
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1535/1536 |
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Agnes Sauermannº |
Gewerkin „Fürstenstolln" Schneeberg
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ab 1502 |
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Margarete Kreutzigerº |
9 viertel Kuxe in 9 Zechen des Marienberger Reviers
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ab 1543 |
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Margarete Mordeisenº |
1 Kux „Fruchtbare Torheit" Schneeberg
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1539 |
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Katharina Römerº |
2 Kuxe „Fürstenstoll" Schneeberg
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1502 |
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Huthmannin³ |
St. Seligen Fundgrube auf Brand
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~ 1557 |
Tabelle 2 Gewerkinnen im erzgebirgischen Bergbau
º Laube, A. (1976)
³ B. Lahrl, W. Lorenz (2008), S. 12
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Name |
Funktion |
Zeit |
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Gewerkinnen |
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Anna Altenbergin¹ |
Gewerkin Rätezeche (Schneeberg)
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1491 |
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Christina Stengerin¹ |
Gewerkin Rätezeche (Schneeberg)
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1491 |
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Hans Erfurtin¹ |
Gewerkin Glashütte
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1490 |
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Dorothea Mider¹ |
Gewerkin Annaberg und Schneeberg
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1499 |
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Vincell Pucherin¹ |
Gewerkin Annaberg
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1499 |
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Barbara Kempf¹ |
Verkaufte als Witwe die Kohlegrube ihres Mannes
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1488 |
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Margarethe Reiss¹ |
Verleihung Hammer Reichenstein
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1494 |
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Hans Fischers Ehefrau¹ |
Belehnung mit alten Schmiedewerk (Cunnersdorfer Gemeinde, i.v.m. Ehemann)
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1479 |
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Unternehmerinnen
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Rosina Schnorr² |
leitete nach Verschleppung des Ehemannes die zahlreichen Geschäfte weiter
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1648-1665 |
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Barbara Uthmann* |
Montanunternehmerin in Annaberg und Grünhein
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1553 bis 1567 |
Tabelle 3 Unternehmerinnen und Gewerkinnen im erzgebirgischen Bergbau
* Unger, R. (1997)
² Blechschmidt, M. (Freie Presse, 05. September 2008)
¹ Löscher, H. (2003), (2005)
Bergarbeiterinnen
Im Unterschied zu den Montanunternehmerinnen oder einfachen Gewerkinnen ist es weit schwerer Nachweise zum Leben der Bergarbeiterinnen zu finden. Aber: „Pictures give us a beginning. They attest to women’s presence around the mines."[49] Allein in den Holzschnitten Agricolas finden sich 14 Schnitte in denen Frauen dargestellt sind.[50]
Bei einigen Abbildungen fällt die Einteilung nicht eindeutig aus.[51] Die Abbildungen sind u.a. von dem Zeichner Basilius Weffring und den Holzschneidern Hans Rudolf Manuel Deutsch[52] und Zacharias Specklin[53] gefertigt worden. Meist werden die Frauen bei verschieden Tätigkeiten der Aufbereitung abgebildet. Agricola verbrachte einen Großteil seines Lebens im Erzgebirge, und er untersuchte u.a die Abbau- und Aufbereitungsverfahren des erzgebirgischen Bergbaus. Bei seinen Beobachtungen und Untersuchungen sind ihm sehr wahrscheinlich auch am Bergbau arbeitende Frauen aufgefallen.[54] Vor allem das Achte Buch („Von der Vorbereitung der Erze für das Schmelzen") und das Neunte Buch („Von den Schmelzöfen und den Gewinnungsverfahren der Metalle") seiner „De re metallica" lassen diese Annahme zu. „However roughly, Agricola tried to recreate the scenes that he had beheld durting several decades of observation at shaft entryways, in ore-processing huts, and beside the smelters‘ ovens. Women were a part of that visual reality even if they were not, or were not regulary, employed about the mines, and Agricola included twenty-one of them in 289 illustrationens."[55] Es sind bisher keine Quellen bekannt, die bezeugen, dass Frauen im betrachteten Zeitraum selbst unter Tage arbeiteten. Aber der Frauenwelt oblag zum Teil die Aufbereitung der Erze über Tage. Besonders das Klauben und Scheiden der Erze war eine für sie typische Arbeit. Selbst in Sebastian Münsters Meisterwerk „Cosmography" gibt es im Kapitel „Von dem Teutschen Land" eine Abbildung auf der die Arbeit der Frauen an der Scheidebank ähnlich wie bei Agricola dargestellt ist.[56] Agricola selbst erwähnt diese Arbeit: „Wenn aber die Berghäuer entweder unerfahren oder unbedachtsam das Erz, während sie es aushauen, mit Erde und Gestein vermengt haben, so klauben nicht allein Männer das Erz, sondern auch Jungen und Weiber. Dieses Gemisch werfen sie auf eine lange Pochbank, bei der sie fast einen ganzen Tag sitzen, und klauben das Erz davon."[57] Die an der Scheidebank verrichtete Arbeit konnte unter freien Himmel oder in speziellen Hütten stattfinden. Das metallführende Gestein wurde vom tauben Gestein getrennt und Erzgemische sortiert. Das Erz musste zerschlagen und in diverse bereitstehende Tröge sortiert werden.
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Abbildung 2 „Das Königlich und freye weiberühmte Bergkwerck inn Sanct Joachimsthal / sampt anderen zugehörenden Silberbergkwercken etc. Im Jahr / Nach der Geburt Jesu Christi unsers Seligmachers / M.D.XL VIII." in: Bergkordnung des freyen königlichen Bergwercks Sanct Joachimsthal, 1548 |
Die Erzwäsche durch Frauen ist ebenfalls auf vielen Montanabbildungen dargestellt. Eine dieser Abbildungen entstammt der Joachimsthaler Bergordnung.[58] Das Besondere an dieser Abbildung einer Erzwäscherin ist, dass dieser Druck in mindestens drei Werken mit unterschiedlichen Schriftzug existiert. Der Schriftzug der hier abgebildeten Ausgabe lautet: „Das Königlich und freye weitbe- rühmte Bergkwerck inn Sanct Joachimsthal/sampt an- deren zugehörenden Silberbergwerck- en ec. Im Jar/ Nach der Geburt Jesu Christi unsers Selig- machers/ M.D.XLVIII." In einer weiteren Ausgabe ziert der Druck die Bergordnung von Platten und Gottesgab.[59] In einer dritten Ausgabe schmückt das Deckblatt die „Austeilung der Churfürstlichen Bergstadt Freyberg" und trägt die Beschriftung: „Das löbliche und weitberühmte Bergwerk zu Freyberg in Meißnerlande/sampt dem Brandt/und seinen zu gehörigen Gebirgen Revier/gedruckt im Tausent Fünffhundert und Drey und Siebenzigsten Jhar."[60] Eine weitere Abbildung einer Erzwäscherin findet sich auf dem doppelseiten Aquarell von Hans Rudhardt „Wachs Erzs Wachs auffem Marienpergk".[61] Es entstammt den „Berckbüchl von den Berckstedten in Furstentumben zu Sachßen". Datiert ist das Werk für das Jahr 1539. Auf diesem großzügigen Aquarell von 20 cm mal 40 cm wird eine von Felsen zerklüftete irreale Landschaft dargestellt. Im Vordergrund befinden sich acht Personen. Sechs Bergmänner, je in Zweiergruppen mit Barte über der Schulter, laufen querfeldein. An einen kleinen Bach mit künstlich gelegten Zufluss ist ein Bergmann mit Seiffen beschäftigt, während eine Frau ein Sieb zum Erzwaschen in den Händen hält. Eine Silhouette im Hintergrund kündet von der Bergstadt Marienberg. Bei der Erzwäsche erfolgte die Aufbereitung der bereits gepochten Erze durch eine Schwerkrafttrennung mittels Wasser. Das metallhaltige Gestein wurde in einem Wasserbottich geschwenkt. Den selben Effekt erzielte man auch durch Staulöcher in einem Bach. Die mit Erzen gefüllten Siebe konnten auch unter fließendes Wasser gestellt werden. Bei Agricola heißt es: „Wenn der Erzgang reich ist, werden das Mehl, der Sand, der Grieß und die Graupen, die aus dem Hangenden gewonnen sind, mit der Schaufel oder dem Krähl aus dem Haufen herausgenommen und in ein großes Sieb oder in einen Korb geworfen und in einem Fass, das fast voll Wasser ist, gewaschen. […] Es hat zwei Handhaben, welche der Wäscher mit den Händen fasst. Auf dieses Sieb wirft ein Junge das Waschgut und eine Frau schüttelt es, indem sie es nach links und rechts dreht. Auf diese Weise fallen das Mehl, der Sand und die kleinen Graupen durch, während die größeren auf dem Sieb verbleiben."[62]
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Abbildung 3 Rudhardt, Hans: "Wachs Erz auffem Marienpergk" aus: Berckbüchl von den Berckstedten in Furstentumben zu Sachßen, 1539 (Detail) |
Die Kleidung der Arbeiterinnen in den Abbildungen zeigen den üblichen Schnitt des 16. Jh. mit tiefen eckigen Ausschnitt von Schulter zu Schulter. Der lange Rock reicht bis zu den Knöcheln. Über dem Rock ist eine Schürze oder auch ein spitzes Leder gebunden. Die Kopfbedeckung variiert. Einige Frauen tragen das gleiche Barett wie die Männer, andere raffen das Haar mit einem Tuch zusammen.[63] Frauen erscheinen auch als Hilfsarbeiterin für jegliche anfallende Tätigkeiten u.a. als Transportarbeiterin und als Nahrungsmittelversorgerin. Auch bei der Salzgewinnung waren Frauen aktiv beteiligt. Noch einmal Agricola: „Aus 37 Eimern Sole gewinnt der Siedemeister und sein Stellvertreter, der abwechselnd mit ihm arbeitet, zu Halle in Sachsen zwei kegelförmige Stücke Salz. Jeder hat einen Gehilfen oder an seiner Stelle seine Frau, die ihm bei der Arbeit hilft."[64] Die gemeinsame Arbeit in einer Ehe war also nicht ungewöhnlich. In Simon Bogners Berggebräuche, Anwendung von 1554-1533, findet sich im Artikel 178 ein Hinweis auf weibliche Arbeitskräfte: „Lohn uf blinden nahmen ist gänczlich bey leibesstraf mannes- und weibspersonen, auch anderen gänczlich und ernstlich verboten. Der steiger, der auch solche blinde lohne schreiben und rechnen lest, der wirdt abgelegt und fürder zue keinem steiger mehr gebraucht."[65]
Ein für das Erzgebirge und darüber hinaus bedeutendes montanhistorisches Gemälde ist der Annaberger Bergaltar.[66] Hier soll auf die Besonderheit dieses Bildnisses etwas genauer eingegangen werden. Erstaunlich ist, dass Hans Hesse keine Heilige in den Mittelpunkt des Altars gesetzt hat. Der Fokus liegt eindeutig auf weltlichen Darstellungen. Das enorme Selbstbewusstsein der auftraggebenden Knappschaft bestimmte somit das Bildprogramm. Der Bergknappschaftsaltar wurde, wie der Name schon sagt, von den Knappschaften der Stadt mit finanziert.[67] Das Entstehungsjahr des Altars ist 1517, die Einweihung erfolgte 1521.[68] Außerordentlich bemerkenswert ist die Vielzahl der bergmännischen Szenen. Dargestellt ist die Situation des Bergbaus, speziell im Annaberger Revier um die Jahre 1515 – 1525, die Zeit des großen Annaberger Berggeschreis. Für die Jahre 1496 – 1582 sind 616 Stollen und Zechen als gewinnbringend vermerkt sind.[69] Zu sehen sind alle Einrichtungen, die zur Führung eines Bergwerkes zur damaligen Zeit grundlegend waren: Erkundung, Vermessung, Abbau, Aufbereitung, Verhüttung und sogar eine Münze. Die Landschaft ist komplett vom Bergbau geprägt. Im Zentrum der Mitteltafel[70] ist die Legende des Daniel Knappe illustriert und Abbauverfahren sowie der Transport der Erze und Teile der Aufbereitung. Hier manifestiert sich der große Detailreichtum des Gemäldes, da sich u.a. die vielfältigen Arten der Erzförderung finden lassen (von der Zweimannhaspel bis zum Pferdegöpel). Der linke Altarflügel gibt Einblick in die Verhüttung der Erze, der rechten Flügel zeigt die Verarbeitung des Silbers in einer Münze. Kein anderer Berufsstand hat es gewagt, zu Beginn des 16. Jahrhundert, eine solche Selbstdarstellung in einem Gotteshaus zu inszenieren. Die Predella, der untere Teil des Altars, inszeniert die Aufbereitung, hier speziell die Erzwäsche. Das konnte mechanisch in hölzernen Öfen geschehen oder manuell in Böttichen mittels Stauchsieben. Hans Hesse stellt eine Frau frontal bei dieser Verrichtung dar. Die Frau hatte den ganzen Tag nasse Hände und arbeitet in immer leicht gebeugter Haltung. Allerdings scheint ihr Gesicht nicht so sehr verhärmt wie das der Bergleute, sie wirkt eher konzentriert, vertieft in ihre Aufgabe. Susan Karant-Nunn beschreibt in ihrem Aufsatz „The Women of the Saxon Silver Mines" die Wäscherin gar mit den Worten: „Her eyes are cast down upon her work, and she has a Mona Lisa smile on her face."[71]
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Abbildung 4 Hesse, Hans: Der Annaberger Bergaltar, 1521 |
Trotz der zahlreichen Abbildungen auf denen die Arbeit der Frau im Bergbau dokumentiert ist, bleibt es doch nahezu unmöglich, konkrete Namen oder Einzelpersonen auszumachen, da die Frauenarbeit kaum in Geschäftsbüchern geführt oder registriert wurde. Leider lassen sich auch zum Thema Kinderarbeit für diese Zeit kaum Quellen finden. Es erscheint jedoch wahrscheinlich, dass auch Kinder zur Existenzsicherung der Familie betragen mussten. Die Beschäftigung der Kinder bei der Aufbereitung übertage hatte zwei Vorteile. Zum einen blieben sie so unter Aufsicht der Mutter und andererseits spielte der Effekt des Lernens ebenfalls eine große Rolle. Auf der Scheidebank lernten sie zunächst das wertvolle Erz zu erkennen, um später unter Tage eine zeitsparende „Vorsortierung" vornehmen zu können. Dieses Prinzip findet sich auch noch im frühen 20. Jahrhundert, wie zum Beispiel an der Fotografie der Scheidebank des Abraham – Schachtes in Freiberg.[72]
Auch wenn der Aussagegehalt der Bilder einen Anfang liefert, so sind es doch die bisher nur spärlich aufgezeigten Dokumente, die einen Einblick in die Arbeitswelt der Frauen im Bergbau liefern. In einer schon betagten Abhandlung zur Geschichte des erzgebirgischen Bergbaus zählt Siegfried Sieber zu den bisher genannten Arbeitsbereichen der Frauen auch die Tätigkeit als Prospektorinnen und ‚Häuerinnen‘ auf.[73] Bei Karant-Nunn findet sich gestützt auf Akten des Dresdner Staatsarchives ein Verweis auf „Gestubmacherinnen"[74] „In one smelting hut, at the princes‘ own mine (Erbstolln) in Freiberg and probably from about 1517 up at least 1540, one or more unnamed women (gestubmacherinnen) mixed coal dust with clay and formed this compound into briquets to be used in seperating copper and silver."[75] Ein weiterer, bisher nur sehr geringfügig untersuchter Aspekt ist die Bezahlung, lediglich bei Karant-Nunn findet sich bisher ein Hinweis: „They earned for their skilled performence between 10 and 18 groschen a week, up to twice as much as a miner."[76]
Eine wichtige These Karant-Nunns ist der Vermerk auf den starken Rückgang der Frauenarbeit ab den 1580ern. Sie begründet dies nicht mit dem Rückgang des Bergbaus, sondern mit der Etablierung desselben unter geregelten politischen und ökonomischen Maßgaben.[77] Frauen waren also zu Beginn und nicht mehr während der Blütezeit des erzgebirgischen Bergbaus unverzichtbare Helfer beim Eigenlöhnerbetrieb. Sie bildeten in der Take off Phase (im oberen Erzgebirge ab ca. 1450) ein unverzichtbares Potenzial an Arbeitskräften. Mit Konsolidierung des Bergbaus und dem damit zusammenhängenden Bevölkerungswachstum und Zuzug von Arbeitern war die Leistung der Frauen in dieser männlichen Domäne nicht mehr zwingend erforderlich. Das heißt jedoch nicht, dass Frauen sich gänzlich aus dem Montanwesen zurückzogen. Die Zahl der Gewerkinnen, die allein in der Sekundärliteratur und in den bereits gedruckt vorliegenden Quellen auftauchen, ist beachtlich.[78] Einfluss gewannen einzelne Frauen, wie bereits dargelegt, als Unternehmerinnen.
Zusammenfassung
Abschließend wird eines deutlich: Es gab in den Zeiten des größten Berggeschreis immer Frauen im erzgebirgischen Bergbau. Wie groß diese Zahl letztendlich war ist bisher noch nicht ableitbar. Doch zu Beginn des Bergbaus, der „Goldgräberzeit" war ihre Mitarbeit von durchaus immanenter Bedeutung – vor allem im Eigenlehnerbetrieb. Ihr Tätigkeitsspektrum lag vor allem in der Aufbereitung.
Unternehmerinnen lassen sich dagegen nur sehr schwer ausmachen. Einzig der Besitz von Kuxen machte eine Frau noch nicht zur Unternehmerin. Meist gerieten die Frauen aufgrund einer familiären Notlage in die Situation, unternehmerisch tätig zu werden, das aber keinesfalls weniger erfolgreich als ihre Ehemänner. Eine generelle Unterdrückung und Bevormundung lässt sich de facto nicht konstatieren. Dem widersprechen die meisten der aufgezeigten Einzelbeispiele.
Letztgültig lässt sich an Karant-Nunns Aufsatz „The Women of the Saxon Silver Mines" anlehnend folgendes konstatieren: Es sind in erster Linie die „Berg- rechnungen", Zechenrechnungen und Brüderregister die weiteren Aufschluss erhoffen lassen.[79] So merkt sie u.a. an: „The Zechenrechnungen of the Freiberg Bergarchiv contain hundreds of references to the hutmannin."[80]
Ein Vergleich mit weiteren Bergbaurevieren wäre ebenfalls durchaus zweckdienlich. Vielleicht lassen sich Analogien zu anderen Erzbergbau-revieren, wie etwa dem Harz, ziehen. Inwieweit sich eine Gegenüberstellung mit dem Kohlebergbau anbietet ist zumindest aus chronologischem Gesichtspunkt fraglich[81].
Eine Untersuchung des 18. und 19. Jahrhundert steht ebenfalls noch aus. Für diesen Zeitrahmen fehlt bisher für das Erzgebirge jede Bearbeitung. Aber anhand der bisher gewonnenen Erkenntnisse lässt sich, wie bereits dargelegt, feststellen, dass mit der Konsolidierung des Bergbaus und den Einsatz von Maschinen der Rückgang der Frauenarbeit einher ging. Männer übernahmen auch das Tätigkeitsfeld der Frauen. Zu einem blühenden Bergbau zur Zeit der Industriealisierung ist es im Erzgebirge nie gekommen, die „zusätzliche" Arbeitskraft der Frauen wurde erst nach 1945 wieder benötigt. Erst mit dem Aufkommen dieses bisher letzten großen Berggeschreis – der Wismut – beginnt ein erneuter Einsatz der Frauen in diesen vom Männern geprägten Arbeitsfeld. Aber auch für diese Periode hat bisher noch keine wissenschaftliche Aufarbeitung stattgefunden.
Der vorliegende Beitrag ist eine komprimierte Zusammenfassung der bisherigen Erkenntnisse und deren Analyse. Erst in einer fortführenden tiefgreifenden Recherche wird es möglich sein, alle noch offenen Fragen zu beantworten.
Literatur- und Quellenverzeichnis
Agricola, Georg: Zwölf Bücher vom Berg- und Hüttenwesen, Basel 1557 (Neudruck München 1994).
Arnhardt, Gerhard: Zur Ausgestaltung des höheren Schulwesens in Sachsen zur Zeit des Kurfürsten August. In: Sächsische Heimatblätter, 1/1987, S. 13 ff
Austeilung der Churfürstlichen Bergstadt Freyberg. Aller Rechnung und Quartal, angefangen Matthei, Im Iar, 1529. bis auff das Quartal Trinitatis, 1573. Online im Internet. URL: http://digital.slubdresden.de/sammlungen/titeldaten/264459164/ [Stand: 30.09.2008, Abfrage: 01.09.2009]
Bader, Ruth Ellen: Bergarbeiterinnen in der Steiermark. In: Kroker, Evelyn Kroker, Werner: Frauen und Bergbau Zeugnisse aus fünf Jahrhunderten, Ausstellung des Deutschen Bergbau – Museums Bochum vom 29. August bis 10. Dezember 1989. Bochum 1989.
Bär, Ludwig: Spitzenklöppeln als bergmännische Kunst. In Der Anschnitt 8, 1956, H. 2, S. 27 ff.
Blechschmidt, Manfred: Eine Frau steht im erzgebirgischen Bergbau ihren Mann. Bei uns zu Hause: Die Schneebergerin Rosina Schnorr musste nach dem Verschwinden ihres Mannes 1648 die Geschäfte übernehmen. Freie Presse, 5. September 2008.
Brown, Ivor J.: Bergarbeiterinnen in der englischen Grafschaft Shrobshire. In: Kroker, Evelyn, Kroker, Werner: Frauen und Bergbau Zeugnisse aus fünf Jahrhunderten, Ausstellung des Deutschen Bergbau – Museums Bochum vom 29. August bis 10. Dezember 1989. Bochum 1989.
Conrad, Anne: Frauen- und Geschlechtergeschichte. In: Aufriss der Historischen Wissenschaften. Neue Themen und Methoden der Geisteswissenschaft. Bd. 7. Stuttgart 2003.
Czaya, Eberhard: Der Silberbergbau. Aus Geschichte und Brauchtum der Bergleute. Leipzig 1990.
de Jong, Jutta: Bergarbeiterfrauen – oder Die andere Arbeit für den Bergbau. In: Kroker, Evelyn, Kroker, Werner: Frauen und Bergbau Zeugnisse aus fünf Jahrhunderten, Ausstellung des Deutschen Bergbau – Museums Bochum vom 29. August bis 10. Dezember 1989. Bochum 1989.
Dilcher, Gerhard: Die Ordnung der Ungleichheit. Haus, Stand und Geschlecht. In: Gerhard, Ute: Frauen in der Geschichte des Rechts. Von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart. München 1997.
Engewald, Kummer, Giesela-Ruth, Heinz: Georgius Agricola. Stuttgart 1994.
Engewald, Giesela-Ruth: Georgius Agricola an seine Zeit. In: Sächsische Heimatblätter, 2/1994, S. 64-66.
Fiedler, Wolfgang, Keller, Rudi: 500 Jahre Schulgeschichte in Annaberg. In: Streifzüge durch die Geschichte des oberen Erzgebirges Heft 22. Annaberg-Buchholz 1998.
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Galinsky, Gunther: Reymann. Fotodokumentaristen der Bergstadt Freiberg. 1865 – 1945. 2. Aufl. Leipzig 1988.
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Sieber, Siegfried: Zur Geschichte des erzgebirgischen Bergbaus. Halle 1954.
Simon-Muscheide, Katharina: „Was nützt die Schusterin den Schmied?" Frau und Handwerk vor der Industrialisierung. Frankfurt am Main 1998.
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Vanja, Christina: Bergarbeiterinnen, zur Geschichte der Frauenarbeit im Bergbau, Hütten- und Salinenwesen, Teil 2: Die Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert. In: Der Anschnitt 40, 1988, H. 4, S. 128-143.
Wagenbreth, Otfried: Bergbau im Erzgebirge, Technische Denkmale und Geschichte. Leipzig 1990.
Wilsdorf, Helmut: Präludien zu Agricola. I. Das Joachimsthaler Bergbüchlein des Hans Rudhart 1523, II. Die Cosmography des Sebastian Münster 1544. In: Freiberger Forschungshefte D 5. Berlin 1954.
Wilsdorf, Helmut: Montanwesen – Eine Kulturgeschichte. Leipzig 1987.
Wunder, Heike: Herrschaft und öffentliches Handeln von Frauen in der Gesellschaft der Frühen Neuzeit, in: Gerhard, Ute: Frauen in der Geschichte des Rechts. Von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart. München 1997. S. 27-50.
Abbildungen
Abbildung 1: Agricola, Georg: Zwölf Bücher vom Berg- und Hüttenwesen, Basel 1557 (Neudruck 1994), S. 232
Abbildung 2: Zinbergwercks Ordnung auff die Bergwerck Dengst Perninger Lichtenstadt Platten Gotsgab Raff Mückenbergk und anderen derselbigen Orten und enden. 1548. http://digital.slub-dresden.de/sammlungen/titeldaten/278521606/ [Stand: 30. 09. 2008, Abfrage: 01.03.2009].
Abbildung 3: Rudhardt, Hans: "Wachs Erz auffem Marienpergk" aus: Berckbüchl von den Berckstedten in Furstentumben zu Sachßen, 1539 (Detail)
Abbildung 4: Hesse, Hans: Der Annaberger Bergaltar, 1521
↑ [1] E. Kroker, W. Kroker (1989)
↑ [2] S. Karant-Nunn (1989), S. 29-46
C. Vanja (1989)
↑ [3] A. Laube (1976)
↑ [4] O. Wagenbreth (1990), 126 ff.
↑ [5] S. Karant-Nunn (1989), erschienen unter Herausgabe von Sherrin Marshall im Zusammen- hang von „Women in Reformation and Counter-Reformation Europe"
↑ [6] W. Wilsdorf (1987), 330
↑ [7] W. Salmen (1956), S. 29
↑ [8] F. Adolf (1869)
↑ [9] A. Conrad (2003), S. 263
↑ [10] G. Duby, M. Perrot (1997), S. 11
↑ [11] ebenda, S. 15
↑ [12] W. Ludewig (2003), S. 13, bezug auf: Keller, Bergwerksbesitz a.a.O. S. 51.
↑ [13] H. Wunder (1997), S. 30 f.
↑ [14] H. Wunder (1997), S. 30
↑ [15] H. Wunder (1997), S. 37
↑ [16] ebenda, S. 45 f.
↑ [17] ebenda, S. 50 f.
↑ [18] H. Löscher (2003), (2005)
↑ [19] H. Löscher (2003), S. 54, Nr. 401 vom 5. Oktober 1483
↑ [20] H. Löscher (2003), (2005), vgl. Tab. 1
↑ [21] H. Löscher (2005), S. 263, Nr. 548 vom 31. Mai 1490
↑ [22] ebenda, S. 296, Nr. 573 vom 8. Januar 1491
↑ [23] W. Fiedler, R. Keller (1998), S. 3
↑ [24] G. Arnhardt (1987), S. 13
↑ [25] ebenda
↑ [26] ebenda
↑ [27] ebenda
↑ [28] A. K. Kupke (1999), S. 225 ff.
↑ [29] G. Dilcher (1997), S. 67 f.
↑ [30] J. G. Krünitz (1773-1858), ohne Seitenangabe
↑ [31] R. Unger (1996), S. 350
↑ [32] Das genaue Datum lässt sich nicht mehr ermitteln, da die Taufbücher nicht mehr vorhanden sind. [vgl. R. Unger (1996), S. 351]
↑ [33] Das Bergregal war ein wichtiges Hoheitsrecht, das sich die Wettiner schon frühzeitig vom Kaiser hatten verleihen lassen. (Silberfund Freiberg 1168) Zur Nutzung dieses Rechts gab es verschiedene Methoden. Diese reichten von der Bergbaufreiheit über das Mitbaurecht an den Gruben, die Abgaben des Zehnten bis zum Besitz von Kuxen in verschiedenen Bergwerken. Eine andere Form der Ausübung des Regalrechts war die Verleihung von Privilegien auf Zeit oder „ewiglich" an bestimmte Personen aus Wirtschaft oder Adel unentgeltlich oder gegen Bezahlung. Auf diese Weise gelangte auch Christoph Uthmann zu seinem Privileg. Die damit vorhandenen Bedingungen sind unbekannt. (vgl. H. H. Kaspar (1987), S. 22)
↑ [34] R. Unger (1996′), S. 351
↑ [35] H. H. Kaspar (1987), S. 22, bezug auf: Bergarchiv Freiberg (BAF), Pertinenzakte 38, Bl. 5
↑ [36] ebenda, S. 22, bezug auf: Staatsarchiv Dresden (SAD), Copial 222, Bl 27 (37)
↑ [37] H. H. Kaspar (1987), S. 23
↑ [38] H. H. Kaspar (1987), S. 22
↑ [39] R. Unger (1996), S. 352; H. H. Kaspar nennt zusätzlich zu den 8.000 Gulden eine Summe von 4.550 Gulden für Holz, Blei, Kupfergeräte sowie Saiger- und Dörrscharten. [H. H. Kaspar (1987), S. 23]
↑ [40] H. H. Kaspar (1987), S. 23
↑ [41] R. Unger (1996), S. 352
↑ [42] M. Schubert (1996), S. 14
↑ [43] M. Blechschmidt (Freie Presse, 05. September 2008)
↑ [44] H. Löscher (2003 und 2005)
↑ [45] H. Löscher (2005), S. 433, Nr. 677 vom 29. Januar 1496
↑ [46] ebenda, S. 149, Nr. 476 vom 2. Juli 1488
↑ [47] B. Lahl, W. Lorenz (2008), S. 12
↑ [48] S. Karant-Nunn (1989), S. 44 f.
↑ [49] S. Karrant-Nunn (1989), S. 30
↑ [50] s. Abbildung 1
↑ [51] Agricola (Neudruck 1994), S. 362 oder s. Teil III Abb. 13
↑ [52] Holzschnitte von Rudolf Manuel Deutsch: Buch V, S. 72, 73, 74, 84, 85, 90 und 101 [Vgl. Kessler-Slotta (1994), S. 55 ff.]
↑ [53] Holzschnitt von Zacharias Specklin: Buch VIII, S. 267
↑ [54] Wagenbreth (1990), S. 121, 124
Engewald (1994), S. 64 ff.
↑ [55] S. Karrant-Nunn (1989), S. 29 f.
↑ [56] S. Münster (1550)
↑ [57] G. Agricola (Neudruck 1994), S. 231
↑ [58] s. Abbildung 2
↑ [59] Zinbergwercks Ordnung auff die Bergwerck Dengst Perninger Lichtenstadt Platten Gotsgab Raff Mückenbergk und anderen derselbigen Orten und enden.,1548
↑ [60] Austeilung der Churfürstlichen Bergstadt Freyberg. Aller Rechnung und Quartal, angefangen Matthei, Im Iar, 1529. bis auff das Quartal Trinitatis, 1573; [die Rechnung Reminiscere Im Iar M.D.LXX.V]
↑ [61] siehe Abbildung 3
↑ [62] G. Agricola (Neudruck 1994), S. 252 f.
↑ [63] K.-E. Fritsch (1955), S. 117 ff.
↑ [64] G. Agricola (Neudruck 1994), S. 473
↑ [65] H. Löscher (1957), S. 187
↑ [66] s. Abbildung 4
↑ [67] Der Anschnitt, H. 5-6, S. 4 ff. 1951
↑ [68] ebenda
↑ [69] Der Anschnitt, H. 5-6, S. 4 ff. 1951
↑ [70] Die Größe der Mitteltafel beträgt 184 ? 158 cm, Die Predella 75 ? 132 cm und die beiden Flügel jeweils 197 ? 70 cm. [vgl. G. Rohte (1985), S. 21]
↑ [71] S. Karant-Nunn (1989), S. 29
↑ [72] G. Galinsky (1988), S. 71
↑ [73] S. Sieber (1954), S. 99
↑ [74] S. Karant-Nunn (1989), S. 36
↑ [75] ebenda
Karant-Nunn bezieht sich hier auf folgende Akten: DSA, Loc. 4492, „Berg-Rechnungen de anno 1438-1538", vol 1; „Berg-Rechnungen de anno 1538-1652",vol 2
↑ [76] S. Karant-Nunn (1989), S. 36
↑ [77] ebenda
↑ [78] vgl. Tabelle 1 bis 3
↑ [79] S. Karant-Nunn (1989), S. 44 f.
↑ [80] ebenda
↑ [81] I. J. Brown (1989)
Wismut-Bergbau in und um Annaberg-Buchholz (1946-1959)
Zusammenstellung der bergbaulichen Tätigkeit der Wismut – Objekte im Großraum Annaberg-Buchholz
Für Anregungen und Beiträge steht auch ein Forenbeitrag zur Verfügung. *** Zum Forum ***
Inhaltsverzeichnis
- Vorwort
- Chronologie
- Vom Pecherz, Uranoxid zum Radium
- Wie alles begann
- Organisation in Exploitations- und Hilfsobjekte
- Lagerstätten und Schachtverwaltungen
- Typische Einrichtungen
- Kalter Krieg und Stalinismus
- Zeitzeugenberichte
- Den Annaberger Bergbau erleben …
- Literaturhinweise
- Quellen- und Literaturverweise
Vorwort
Sinn dieser Veröffentlichung ist es, das Kapitel Bergbau für die Jahre 1946 bis 1959 in der Region Annaberg – Buchholz fortzuschreiben. Hierbei können wir bereits auf einige Veröffentlichungen zurückgreifen, die aber nach unserer Ansicht allesamt keinen kompletten Überblick ermöglichen. Mit diesem Zustand waren wir nicht zufrieden. Das ist die hauptsächliche Motivation für das Folgende.
Nicht unerwähnt hierbei sollen die ortsansässigen Altbergbau – Vereine sein, die das montanhistorische Erbe unserer Bergstadt liebevoll pflegen und uns bei unserer Arbeit tatkräftig unterstützen. In den einzelnen Beiträgen bringen sie sich mit ihrem Material ein.
Wir widmen unsere Ausführungen all jenen, die in der Wismut hier in Annaberg – Buchholz tätig waren. Stellvertretend sind hier die uns bekannten Annaberger Bergleute
Walter Mank, Martin Thalheim, Harry Malchin, Walter Werner, Valentin Pawlowitsch Nazarkin, Felix Kube, Erwin Raasch, Frieder Fritzsch, Dieter Zucholowsky
erwähnt.
Wir hoffen, dass den noch verbliebenen Annaberger Kumpels unser Beitrag gefällt und grüßen sie mit einem herzlichen
Glück Auf!
Chronologie
14.02.1945 gegen 21:23 Uhr begannen vereinzelte englische Bomber Bomben auf Buchholzer Gebiet abzuwerfen
15.02.1945 gegen 0:45 Uhr fielen dann weitere Bomben auf Buchholz
20.02.1945 gegen 18:00 Uhr amerikanischer Tieffliegerangriff auf Buchholz, Beschuss eines Eisenbahnzuges mit 4 Todesopfern
14.04.1945 Anonymes Schreiben an den Buchholzer Bürgermeister Schimpf mit der Bitte, dem Stadtkommandanten nicht in eine sinnlose Verteidigung der Stadt gegen die übermächtigen Alliierten zu folgen
April 1945 Sowjetische Einheiten erbeuten 218 kg Urankonzentrat und 90 kg Uranverbindungen in Oranienburg
07.05.1945 versplitterte Verbände der geschlagenen Deutschen Wehrmacht durchquerten Annaberg und Buchholz in Richtung Westen
08.05.1945 Bedingungslose Kapitulation der Deutschen Wehrmacht in Berlin, gegen Nachmittag wurde auf dem Annaberger Markt mit Lautsprecherwagen der Vormarsch sowjetischer Panzer auf Annaberg angekündigt, in der Stadt blieb es ruhig, am späten Nachmittag rollte ein Motorradgespann der „Roten Armee“ als Vorhut auf den Annaberger Markt, etwas später fuhr ein russischer Lautsprecherwagen durch das Stadtgebiet und rief zu Ruhe und Ordnung auf
09.05.1945 Weitere sowjetische Verbände, teils mit Pferdefuhrwerken – teils motorisiert, erreichten das Stadtgebiet und machten im Arbeitsdienst-Barackenlager in Buchholz, Dörfler Weg, Quartier. Sie besetzten den Landkreis Annaberg bis etwa in Ortslage Scheibenberg. In Aue standen die Truppen der USA. Das Gebiet Schwarzenberg blieb einige Zeit unbesetzt.
10.05.1945 Bürgermeister Schimpf wird vom KPD-Genossen Florian Müller als Bürgermeister der Stadt Buchholz abgelöst.
30.06.1945 Auf Befehl des russischen Stadtkommandanten Nemov wurde die Vereinigung der traditionsreichen erzgebirgischen Bergstädte Annaberg und Buchholz zu Annaberg-Buchholz vollzogen.
06.08. und 09.08.1945 Abwurf der ersten und gottlob letzten beiden Atombomben der USA auf Japan, das führte faktisch zur Kapitulation des Kaiserreiches Japan am 15.08.1945 und somit zum Ende des Zweiten Weltkrieges [i1]
30.07.1945 Potsdamer Konferenz der Siegermächte des 2. Weltkrieges, konstituierende Sitzung des Alliierten Kontrollrates [i2]
ab Spätsommer 1945 Die Arbeiten und der Weiterbetrieb der beschlagnahmten Sachsenerz-Grube „Weißer Hirsch“ in Schneeberg wurde auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration Berlin – Karlshorst hin wieder aufgenommen, obwohl keinerlei wirtschaftliche Aufträge vorlagen. Es wurden Instandhaltungskolonnen gebildet, die die Betriebsbereitschaft noch intakter Gruben sichern sollten. Im Schneeberger und Johanngeorgenstädter Revier tauchten zudem kundige Offiziere der „Roten Armee“ auf und suchten sehr gewählt ortskundige Bergleute der beschlagnahmten Sachsenerz AG zwecks Befahrung der zum Zeitpunkt außer Betrieb befindlichen Erzbergwerke auf. Es wurden dann konzentriert deutsche Führungskräfte und Bergleute aus vormaligen Betriebszeit zur dortigen Arbeit dienstverpflichtet. ( Anm. Autor: Oberstg. Schmidt und Baumann aus Schneeberg, Oberstg. Kube in Annaberg etwas später ). [L1 S.2ff]
04.01.1946 Der Alliierte Kontrollrat beschließt den Umfang deutscher Wiedergutmachungen an die Kriegsbetroffenen [i6]
Mai 1946 deutsche und sowjetische Wissenschaftler starten in Obninsk ein von Stalin befohlenes geheimes Atomprojekt [i12]
01.07.1946 Die Amerikaner starteten propagandaträchtig weitere Atomtests auf dem Bikiniatoll im Pazifik. Zirka 2000 Kameras filmten das Spektakel und sollten untermauern, dass die Supermacht USA über die schrecklichste Waffe seit Menschengedenken verfügten. Dies wird im allgemeinen als der Startschuß für den Kalten Krieg angesehen. Das Wettrüsten begann. [i10]
November 1946 Beginn der Erkundungsarbeiten am Dorothea – Stolln in Cunersdorf, auf dem Dorothea-Flachen und dem Elisabeth-Spatgang wurden die ersten radioaktiven Anomalien festgestellt
18.12.1946 auf Grund erster Erkenntnisse wurde eine geologische Suchabteilung der „Roten Armee“ nach Annaberg – Buchholz entsandt
25.12.1946 Erste kontrollierte Kettenreaktion in einem Atomforschungsinstitut nahe Moskau [i7]
ab Januar 1947 beschlagnahmten sowjetische Wirtschaftsoffiziere einer Spezialeinheit (Feldpostnummer 27304) in Annaberg-Buchholz alles Notwenige zum Start der Bergarbeiten, Alles ist auch wirklich alles, also von der Glühbirne über Werkzeug, Panzersschrank bis zum Fabrikgebäude. Grundstücke wurden einfach besetzt, ohne irgendwelche Formalitäten. Erst viel später erhielten die Eigentümer einen meist sehr geringen Ausgleich und natürlich alle Hinterlassenschaften der Wismut, wie Abraum und zerstörte Gebäude.
März 1947 Bildung des Explotationsobjektes 04 Sitz kurzzeitiger Sitz im alten Bergamt Annaberg, dann in der Pestalozzi-Schule Buchholz
März 1947 Bildung des Ausrichtungsobjektes 13 in dieser Zeit 2 Bergbauschulen, eine für Objekt 04 in der „Mehnert-Fabrik“ am oberen Bahnhof Annaberg, eine im „Gästehaus Erzhammer“ am Markt in Annaberg
30.05.1947 Befehl Nr. 131 der SMA Sachsen: Die SAG Wismut ist in die teilweisen Abdeckung der sowjetischen Reparationsansprüche integriert. Es gingen zunächst darin ein: 1. Bergbauverwaltung Johanngeorgenstadt, 2. Bergbauverwaltung Schneeberg, 3. Bergbauverwaltung Oberschlema, 4. Bergbauverwaltung Annaberg, 5. Bergbauverwaltung Lauter, 6. Bergbauverwaltung Marienberg und 7. Pechtelsgrüner Aufbereitungswerk. Die Schätzung der Vermögenswerte dieser Betriebe einschließlich von Grundstücken, Bergbaurechten,
Schächten, Anlagen, Wohn- und Betriebsgebäuden mit den übrigen Werten, Materialien und
Werkzeugen erfolgte auf der Grundlage der für Reparationsleistungen beschlossenen Schätzinstruktion des Alliierten Kontrollrates vom Januar 1946. [L2 S.162 ff]
02.07.1947 Eintrag der Staatlichen Aktiengesellschaft der Buntmetallindustrie ( SAG ) „Wismut“ mit Sitz in Moskau und Zweigniederlassung in Aue[Sachsen] im Handelsregister des Amtsgerichtes Aue [L2 S.162 Abb.]
November 1947 Baubeginn einer Kasernenanlage für die sowjetischen Bewachungstruppen der Annaberger Schächte am Schreckenberg bei klirrender Kälte ( heute Feierabendheim L.-O. Peters ).[Z1]
19.12.1947 Die beiden Fabrikgebäude der Fa. Preuß und Fa. Adler werden zur Einrichtung als Massenquartiere für die in die Stadt strömenden Bergarbeitermassen beschlagnahmt.
die Jahre 1947 und 1948 Die Wismut versuchte in den westlichen Besatzungszonen Bergwerkstechnik einzukaufen. Dies gelang auch teilweise. So wurden Flottmann- Bohrhämmer und Bohrknechte gekauft. Ebenso war Meßtechnik von Interesse. Dies soll meist gescheitert sein. Nicht weil die Beauftragten nicht liefern wollten, sondern weil man oft das Anliegen der Einkäufer auf Grund der umständlichen und vorsichtigen Ausdrucksweise nicht verstand. Als die Westalliierten 1948 davon Kenntnis erlangten, versuchte man es durch Verbot zu verhindern. Das gelang jedoch nicht sofort.[L3 S.44ff]
Juni 1948 Der erste sowjetische Atomreaktor in Tscheljabinsk-40 (heute Osjorsk) geht in Betrieb
01.09.1948 Ausgliederung des Schachtes 34 ( Bärenstein ), Gründung des Objektes 07
01.01.1949 Der Beschluss des Sächsischen Landtages ( November 1948 ), dass ab sofort der Namen Annaberg-Buchholz als Stadtnamen zu führen ist, wird nun offiziell wirksam. Damit trug man der Befehl der SMA folgsam Rechnung und beendete den bis dahin immer wieder aufflammenden Widerstand der örtlichen SED und der Bevölkerung.
14.06.1949 Allein in Annaberg-Buchholz wohnten 16.886 Bergleute. Im Stadtgebiet gab es ein große Wohnungsnot. Jedem Einwohner standen statistisch nur noch 5,5 m² – Wohnfläche zur Verfügung. Die Wismut reagierte und errichtete auf dem Dörfler Weg 4 weitere Wohnbaracken als Massenquartiere.
29.08.1949 7.00 Uhr Ortszeit: Die erste sowjetische Atombombe RDS-1 wird auf dem Testgelände Semipalatinsk gezündet.
01.09.1950 Übergabe des Objektes 04 an das Objekt 07 ( Bärenstein/Niederschlag )
ab 1951 wurde das Objekt 07 in Objekt 111 umbenannt ( in vielen Unterlagen wird jedoch die Bezeichnung 07 verwendet )
August 1951 Übergabe der neu erbauten Wohngebäude Karlsbader Straße / Ecke Kirchgasse, Schneeberger Straße 3 und 4 und Badeweg 1 und 2 ( zum Großteil von Bergleuten bezogen )
01.03.1952 Übernahme des Objektes 103 ( Breitenbrunn ) mit den verbliebenen Raschauer Schächten 257 und 278
1952 Fußball: Die BSG Wismut Annaberg gewinnt gegen die DDR-Oberliga – Elf von BSG Wismut Gera mit 5:3, bei Gera spielten 3 Nationalspieler der DDR!
17.06.1953 Beginn Unruhen in der damaligen DDR-Hauptstadt Berlin, blutige Niederschlagung durch die sowjetischen Besatzungsmacht, in Annaberg-Buchholz wurden SED-Mitglieder mit der Bewachung der volkseigenen Betriebe beauftragt
04.08.1953 Übergabe des bis dahin als Bergarbeiter – Kantine genutzten Gasthofes „Waldschlösschen“ an die HO Annaberg-Buchholz
21.12.1953 Gründung der SDAG Wismut in Folge des Regierungsabkommens zwischen der Sowjetunion und der DDR
26.06.1954 der erste zivile Atomreaktor der Welt geht in Obninsk nahe Moskau ans Netz [i12]
01.07.1955 Übergabe der noch aktiven Schächte an das Objekt 01 ( Johanngeorgenstadt ), Übergaben von den noch betriebsfähigen Schächte 139, 39 ( aus Objekt 5 ) und 281, 282 ( Objekt 111 ) nebst aller aufgeschlossenen Rohstoffe an VEB-Betriebe der DDR im Wert von 8,3 Mio DM ( Ostmark – Bilanzsumme ).
im Laufe des Jahres 1955 Eine Annaberger Brigade unter Leitung von Walter Mank ( Schachtkombinat 21/116 ) erreichte einen Streckenvortrieb von 200 m / Monat. Das war zu diesem Zeitpunkt Weltrekord. Üblich waren in der Wismut Schnellvortriebe um die 80 m / Monat. Sie erhielten dafür den Nationalpreis der DDR – 1. Klasse der mit seinerzeit sagenhaften 100.000 DM ( Ostmark ) dotiert war [Z2] .
1956 Die Einstellung der Bergarbeiten begann auf Schacht 78/231.
24.08.1957 Mit Unterstützung der Wismut findet erstmalig auf der rekultivierten Halde von Park- und Ritterstolln das Waldschlösschenparkfest statt.
29.09.1957 erster mit dem von Tschernobyl vergleichbarer Atomunfall in Majak ( Sowjeunion ) [i8]
Oktober 1957 Einstellung der Uranproduktion Schachtkombinat 116/21/28, Beginn der Material – Rückgewinnung
28.05.1958 Die Lebensmittelkarten werden abgeschafft.
1959 Liquidation und Verwahrung der letzten Schächte in Annaberg-Buchholz und Rückführung der Gemarkungen ( Durchführung und Verwaltung von Schacht 235 ), Sportler der BSG Fortschritt Buchholz bekommen das Material der Skipanlage von Schacht 116 und bauen auf den Halden eine Sprungschanze
Quelle: alles nicht anders und mit * Gekennzeichnete [L4 S. 191ff] {FL} Inhaltsverzeichnis
Vom Pecherz, Uranoxid zum Radium

Abb.:
Stufe Pechblende
Bildquelle und Lizenz [b1]
1789 wurde vom Berliner Chemiker und Apotheker Martin Heinrich Klapproth ein neues Element entdeckt. Er separierte es aus einem pechschwarzen Erz der Johanngeorgenstädter Grube „Georg Wagsfort“ und benannte es nach dem Planeten Uranus als „Uran“ [i3] . Er konnte zweifelsfrei die künftige weltverändernde und strategische Bedeutung seiner Entdeckung zu diesem Zeitpunkt nicht erahnen. Den Bergleuten zu dieser Zeit war dieses Erz aber bereits bekannt. So ist dieses ab etwa 1730 aus den Lagerstätten Freiberg und Johanngeorgenstadt überliefert. [L09] Um 1830 herum wurde das gemahlene Uranoxid in der Farbenindustrie zur Herstellung einer besonders schwarzen Farbe verwendet. Diese benutzte man vor allem bei der Glasherstellung.[i3] Jedoch wurde mehr Pecherz gefunden, als man benötigte und so landete dies auch auf den Halden der Region. 1853 wurde im böhmischen St. Joachimsthal das erste Uranbergwerk eröffnet, das nun das schon mehr gefragte Erz lieferte. Es folgten noch heute bekannte Gruben wie „Weißer Hirsch“ und „Siebenschlehen“ in Schneeberg. 1896 entdeckte Henri Becquerel eine Strahlung von Uransalzen im nicht sichtbaren Bereich[i5] . Marie und Pierre Curie prägten daraus resultierend den Begriff radioaktiv. Bei ihren Forschungen endeckten sie weitere radioaktive Elemente, Radium und Polonium [i4] . Es begann das klassische Atomzeitalter. 1911 kostete 1 Gramm Radium eine halbe Million Reichsmark. 1940 waren für die Herstellung von 1 Gramm Radiumchlorid 10 Tonnen Joachimsthaler Pecherz erforderlich. [L10] Zudem waren in den dreißiger / vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts weitere Lagerstätten in den USA und in Belgisch Kongo erschlossen. Das und die Tatsache, dass die Großmächte intensiv an der militärischen Nutzung des Metalls Uran arbeiteten, ist die Wurzel dessen, was sich zwischen 1946 und 1959 in und um Annaberg zutragen sollte.
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Wie alles begann
Heute wissen wir, dass bereits vor Kriegsende erste Vorbereitungen getroffen worden waren, um an das im Erzgebirge vermutete Uranerz heranzukommen. In wie fern das Wissen um das hier lagernde Potential Auswirkungen auf das spätere Nachkriegsdeutschland mit seinen Besatzungszonen gehabt hat, ist noch nicht abschließend erforscht. Mit diesem Thema beschäftigt sich bereits der Wirtschaftshistoriker Dr. Karlsch. Wie bekannt ist, sind dessen bereits veröffentlichte Werke und Thesen nicht immer unumstritten. [i9] Belegt ist, dass sowjetische Militäreinheiten das Bergarchiv in Freiberg untersuchen ließen und bereits im Spätsommer 1945 ganz gezielt ehemalige Führungskräfte der Sachenerz AG aufsuchten [L2 S. 147ff] , um mit ihnen die brachliegenden Gruben in Johanngeorgenstadt, Schneeberg und Oberschlema zu untersuchen. Dieses zog sich bis etwa Anfang des Jahres 1946 hin.
Bekannt wurde bis heute, dass im Frühjahr 1946 eine Abordnung sowjetischer Offiziere in die Verwaltung der Sowjetischen Militäradministration nach Berlin – Karlshorst fuhr, um die Ergebnisse der Befahrungen vorzustellen. In deren Gefolge befand sich auch der alteingesessenen Obersteiger Johannes Schmidt aus Schneeberg. Hier wurde fachkundig Auskunft über besagte Grubenfelder gegeben. Daraufhin erging der Befehl, den Bergbau auf Uran in diesen Gebieten zu beginnen. Obersteiger Schmidt war bei den sowjetischen Fachleuten ein hochangesehener deutscher Sachverständiger. Weiter wurde die Aufnahme von Erkundungsarbeiten unter anderem in den Revieren Annaberg, Bärenstein – Niederschlag und Marienberg empfohlen. Alle dazu notwendigen administrativen Maßnahmen wurden von der später berühmt gewordenen Spezialeinheit mit Feldpostnummer 27304 durchgeführt. Die Wismut selber beschreibt in ihrer Betriebschronik aus dem Jahre 1999 das Vorgehen dieser Anfangsjahre etwas nüchterner. So wird auf das 1945 beginnende Studium des Bergarchivs in Freiberg mit einhergehenden Bemusterungen und Gamma – Profilierungen mit Messgeräten des Typs PR-5 und PSG-4 hingewiesen. Ab 1948 wurde dann verstärkt auf die Emanationsaufnahme gesetzt, bei der dem zu erkundenden Boden Luft entnommen wird. Hier wird deren Ionisationspotential bewertet, das auf das Edelgas Radon hindeutet. Radon ist ein Zerfallsprodukt von Uran.[L5 Abschn. 1.1.1. S. 1ff]
Und so zog die Spezialeinheit (Feldpostnummer 24304) auch in der Stadt Annaberg-Buchholz ein. Sie untersuchte Halden, öffnete alte Grubenbaue und suchte nach vorhandenen Tagesschächten. [L7 S.14] Die erste radioaktive Anomalie wurde auf dem Dorothea – Flachen in Cunersdorf festgestellt. Und dann ging alles sehr schnell. Es wurden die im nächsten Kapitel beschrieben Organisationstrukturen gebildet. Alles was für einen Bergbau benötigt wurde, beschlagnahmte man einfach.[L7 S.14] Unabhängig davon gab es 1947 ein Such- und Erkundungsobjekt 24, dass das Gebiet zwischen Jöhstadt und Rittersgrün zu untersuchen hatte. Man begann im Oberwiesenthaler Zechengrund mit den dazu notwendigen Arbeiten. Ende 1948 führten diese Arbeiten zur Ausgründung des Gewinnungsobjektes 7, das seinen Sitz in Bärenstein hatte. Die dort schon existierenden Schachtanlagen 34/34bis/189 aus dem Annaberger Gewinnungsobjekt wurden nun auch hier integriert.[L6 S.95ff] {FL} Inhaltsverzeichnis
Unterteilung in Exploitations- und Hilfsobjekte
Die typische vertikale Betriebsstruktur der Wismut war auch für Annaberg-Buchholz gültig
- Generaldirektion der SAG
- Objekt
- Schacht
- Revier
Uns wurden diese Objekte mit direktem Bezug zur Stadt bekannt ( aus [a1] zusammengestellt ):
- Objekt 4 mit Verwaltungssitz Buchholz, Pestalozzi – Schule von 1947 bis 1949 ( Übernahme durch Obj. 7 )
- Objekt 24 ( Such- und Erkundungsobjekt ) mit Sitz in Bärenstein 1947 bis 1948 ( Übergang in Obj. 7 )
- Objekt 13 mit Verwaltungssitz in Annaberg ( Ausrichtungsobjekt für Objekt 4 und 5 ) von 1947 bis 1953
- Fabrik 508 ( Reparaturbetrieb für Objekt 4 und 7 ) von 1948 bis 1950
- Objekt 7 mit Verwaltungssitz Bärenstein, Deutsches Haus von 1948 bis 1950
- Objekt 16 ( Bau- und Montagebetrieb für Obj. 4,5,7 ) mit Sitz in Annaberg von 1950 bis 1952
- Objekt 5 mit Verwaltungssitz Marienberg, von 1947 bis 1952 ( Abschreibung und Übergabe SV 45 an Obj. 111 )
- Zeche 54 am Oberen Bahnhof ( Beprobungszeche ) von 1947 bis 1956 [i11]
- Objekt 8 mit Verwaltungssitz Breitenbrunn, von 1948 bis 1954 ( Abschreibung und Übergabe SV 206 und SV 238 an Obj. 111)
- Objekt 111 mit Verwaltungssitz Annaberg, Pestalozzistraße von 1950 bis 1955 ( Übergabe an Objekt 1 Johanngeorgenstadt )
- Abschreibung und Liquidation der letzten Schachtverwaltung 21/116 in Annaberg wurde durch die SV 235 durchgeführt
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Zwischen Objekt und Schacht gab es jedoch noch eine weitere Strukturierungsebene, die Erzfelder oder Reviere. Damit sind jedoch nicht die oben genannten „Bauabteilungen“ innerhalb der Schächte gemeint. Die Erzfelder/Reviere dienten der besseren örtlichen Bezeichnung von Arbeitsschwerpunkten im Objekt. Ein Revier umfasste meist mehrere räumlich gruppierbare Schächte, manchmal auch nur einen einzeln gelegenen Schacht. Für die Überschaubarkeit der in breiter Front durchgeführten Arbeiten war das sicherlich notwendig. Zumindest im Bereich der Exploitationsschächte stellte ein Revier jedoch keine eigenständige Hierarchieebene dar. Es gab keinen verantwortlichen „Revierleiter“, der zwischen Objektleiter und den Schachtleitern stand. Bei den externen Erkundungsrevieren oder Exploitationsrevieren mit nur einem Schacht ist die Personalunion Revierleiter/Schachtleiter nicht auszuschließen. Die Benennung der Reviere erfolgte meist nach den nahegelegenen Ortschaften. Eine Gemarkungszugehörigkeit war dabei weniger entscheidend (Revier Frohnau erstreckte sich bis auf Buchholzer Flur). Auch gab es Überlappungen von Erkundungs- mit Exploitationsrevieren. Zum „Erkundungsrevier Frohnau“ zählten u.a. die Stollnquerschlagsauffahrungen „Parkstolln“ im Frohnauer Revier und „Ritterstolln“ im Zentralrevier. Nach Beendigung der geplanten Untersuchungsumfänge wurden die Stollnquerschläge den jeweiligen Exploitationsschächten zur Detailerkundung/Gewinnung übergeben. Neben dem Revierbegriff gab es anfangs noch den Begriff „Erzfelder“. ([a2] „Im Laufe dieser Arbeiten … zeichneten sich … einige fast selbständige Reviere ab … für welche die Bezeichnung Erzfelder ausgewählt wurde.“) In den Folgejahren setzte sich der Begriff Revier immer mehr durch. Der Begriff Erzfeld wird später auch in Lagerstättendimension verwendet (Annaberger Erzfeld; Bärensteiner ~). Ab Mitte der fünfziger Jahre wird der Revierbegriff schließlich immer weniger gebräuchlich, da in der Fläche keine Erkundungen mehr stattfinden und verbliebene Gruben revierübergreifend konsolidiert sind.
linienbegrenzte .. – Reviere mit Exploitationsschächten
strichlinienbegrenzte .. – Erkundungsreviere gepunktet begrenzte .. – Ende 1947 / Anfang 1948 aufgenommene Erkundungsreviere

Die Aufzählung der Anfang 1948 neu aufgenommenen Erkundungsreviere ist im Bericht nicht abschließend. Zwei Reviere (Niederschlag, Scheibenberg) gingen schon 1948 an das Objekt Nr. 7 über. Im Zeitraum bis 1949 kamen noch einige externe Erkundungsreviere vor allem im Norden und Osten des Arbeitsgebiets hinzu. Im Jahre 1950 wurde das Objekt Nr. 4 als Verwaltungseinheit liquidiert. Durch die Zusammenlegung der Arbeitsgebiete der Objekte 4 und 7 erhöhte sich die Zahl der Reviere im „neuen“ Objekt sprunghaft.{ SK } Inhaltsverzeichnis
Lagerstätten und Schachtverwaltungen
Übersicht
| Schächte | Ansatz | Sumpf | Teufe | Einfall. | Quersch. | Trümer | Sohlen | Zweck | Gebiet / Lage |
| Nr. | m ü. NN | m ü. NN | in m | In ° | m² | Angabe in m ü NN | |||
| 49 ( Konstantin ) | 537 | 235 | 302 | 90 | 12,25 | 2G 1F | +468 +416 +368+309 +249 | E Ge | gegenüber Markus-Röhling / Orgelstolln, am Osthang Sehma |
| 80 ( Andreas ) | 575 | 300 | 275 | 90 | 12,7 | 2G 1F | +500 +440 +369 +310 | E Ge | unterhalb des heutigen Arbeitsamtes |
| Alter Andreas | 577 | E | heutiges Gründerzentrum GDZ | ||||||
| 19 I ( Zeppelin 1) | 661 | 501 | 206 | 59 | 5,9 | 2Sk 1F | +588 +554 +508 | E Ge | zwischen Böhmischen Tor und Oberen Bahnhof auf sog. Zeppelinfeld ( heute Wohngebiet ) |
| 19 II ( Zeppelin 2 ) | 661 | 336 | 428 | 50 | 10,6 | 2Sk 1F | +590 +554 +507 +465 +421 +345 | E | dto |
| Schurf Frohberg | Wolkensteiner Straße;nahe Marktplatz |
||||||||
| 21 I ( Uranus 1 ) | 642 | 380 | 50/60 | 8,85 | 2G 1F | +571 +524 +462 +405 | Ge | Kleinrückerswalde | |
| 21 II ( Uranus 2 ) | 631 | 276 | 62/68 | 7,2 | 2G 1F | +572 +524 +462 +405 | Ge | Kleinrückerswalde | |
| 21 III ( Uranus 3 ) | 646 | 95 | 90 | 10 | 2G 1F | +573 | Kleinrückerswalde | ||
| 270 ( Michaelis ) | 638 | 279 | 62 | 8,75 | 3Sk 1F | +522 +403 | Ge | Annaberg Böhmisches Tor, heute Betriebsgelände TGA |
|
| Blindschacht 5 | 468 | 180 | 90 | 11,25 | 2G 1F | +411 +352 +292 | Ge | Zu 21 | |
| Blindschacht 1001 | 467 | 136 | 90 | 7 | 2Sk 1F | +406 +346 | Ge | auf +462m Sohle angesetzt, liegt etwa 150 m NO des heutigen ALDI nahe B95/Bärensteiner Str. |
|
| Stolln | Bemerkung | ||||||||
| 156 Hospitalstolln | 501 | 13,4 | 811 m Länge | E | Osthang Sehma, Frohnau nahe KFZ-Bartel | ||||
| 143 Ritterstolln | 540 | 4,5 | E | Buchholz, nahe Silberlandhalle | |||||
| Strecke 8 | 590 | W | unbekannt | ||||||
| Legende: E = Erkundung Ge = Transport oder Gewinnung W = Wasserlösung G = Gestellförderung Sk = Skipförderung F = Fahrtentrum | |||||||||
{FL}
Schachtverwaltung 21/270 ( Uranus – Schächte 21 I bis III, Schacht Michaelis 270 )
Das Schachtfeld Uranus hat seine Ursprünge ebenfalls im Altbergbau. Aus dieser Zeit stammten die beiden nach Nordost einfallenden Uranus – Schächte, die traditionsgemäß auf dem Uranus – Flachen angelegt waren. So konzentrierten sich die Arbeiten im Frühjahr 1947 wiederum auf die Erkundung der vorhandenen Halden und dem Auffinden der Tagesschächte. Mit großem Einsatz wurde dann die Vor- und Ausrichtung dieser so wichtigen Baue vorgenommen. Als Schachtverwaltung wurden zwei Wohngebäude an der Annenstraße, Ecke Rotdornweg auf die übliche Weise akquiriert. Unmittelbar dahinter befand sich auch schon Uranus II. Zwischen den heute noch vorhandenen Wohnhäusern hindurch wurde mittels einer Förderbrücke über die Annenstraße hinweg die Halde hierfür angelegt, die zunächst eine Tafelhalde als Auflage für die spätere Terrakonik war. Am Rotdornweg befanden sich noch eine mechanische Werkstatt, die Lampenstube, ein kleineres Gebäude und wie schon erwähnt das Fördergerüst mit Umhausung, das auch gleich die Förderwinden aufgenommen haben muss. Jedenfalls ist auf dem Risswerk kein Maschinenhaus auszumachen [L5 Abschn.: 2.2.4 S.11] .
Uranus I befand sich etwa 150m weiter nordwestlich, ebenso an der Annenstraße. Man kann noch heute die Betonmauern und die Wiederlager der Stützen des Fördergerüstes sehen. Auch hier überquerte eine Brücke die besagte Straße und so konnte man auch hier eine Tafelhalde schütten. Welche Gebäude in diesem Bereich des Schachtfeldes errichtet wurden, ist bisher unbekannt.
Beide Schächte waren mit Fahrtentrümern ausgerüstet, aber auch die Fördergefäße wurden zur Mannschaftsfahrung eingesetzt. Das muss bei dem geringen Ausbruch eine beschwerliche und vor allem ineffektive Methode gewesen sein.[L8 S.]
Beide Schächte fungierten zudem noch als Wetterschächte.
Uranus III war etwas weiter südöstlich von Uranus II angesetzt. Laut einer Überlieferung eines Beteiligten soll dieser Schacht für Bewetterungszwecke angelegt worden sein. Denkbar wäre er aber auch als Ersatz für die Uranus I und Uranus II gewesen. Mit zunehmenden Erkenntnisstand könnte er dann aber um 1949 an Bedeutung verloren haben. Besonders erwähnenswert hierbei ist jedoch, dass es sich um keine klassische Teufe handelte, sondern um einen Hochbruch. [Z3]
Die Tiefenaufschlüsse des Grubenfeldes wurden über die Blindschächte 5 und 1001 abgewickelt.
Sie waren beide auf der berühmten Sohle 462m angelegt und wurden erst Anfang der 50ziger Jahre abgeteuft.

Abb.: Blick auf Schacht Michaelis No.270
Skizze von geophys auf Basis eines Fotos
Der Vierte war Schacht Michaelis. Dieser, ebenso von den Alten übernommen, hatte spektakuläre Tagesbauten. Das Fördergerüst wurde kurzerhand auf ein vorhandenes Gebäude gesetzt. Die Zeichnung gibt diese Kulisse recht eindrucksvoll wieder. Zu erwähnen wäre noch eine hölzerne Förderbrücke, die zwischen den bestehenden Häuser die Kleinrückerswalder Straße überquerte. Es ist bis heute noch unklar, welchen konkreten Zweck sie erfüllen sollte. Auf der vorhandenen Tafelhalde begann man gleich zu Beginn eine Terrakonik zu schütten. Diese nahm im Vergleich eines in der Wismut – Chronik veröffentlichten Fotos nicht mehr an Umfang und Höhe zu, was die Vermutung zulässt, dass die Erkundungen auf Michaelis wenig erfolgreich waren. Die Förderbrücke wurde zunächst auch mit einer doppelten Skipanlage und Terrakonikköpfen versehen und sogar schon die Schüttung einer Kegelhalde begonnen, die belegbar etwa 5 bis 10 m hoch war. Eine Skizze dieses eindrucksvollen Beleges dieses sicher überall angewandten Verfahrens der Förderung wird noch folgen.
Denkbar wäre deshalb, dass zunächst eine großflächige Haldenschüttung geplant und dafür auch die Brücke vorgesehen war, aber die fortschreitenden Erkenntnisse den Betriebsverlauf der Schachtverwaltung in größere Teufen und südlichere territorialen Bereiche des Zentralrevieres brachten, wo dann ein Massetransport über den Michaelis – Schacht uneffektiv geworden wäre.

Abb.: Förderbrücke von Schacht Michalelis mit Terrakonik – Anlage
Zeichnung erstellt unter Zuhilfenahme einer zeitgenössischen Fotografie [c] geophys 2009
Mit freundlicher Genehmigung Verein „Altbergbau ‚Markus-Röhling-Stolln‘ Frohnau e.V.“
Interessant ist diese Förderbrücke, weil sie schon unmittelbar nach Errichtung außer Funktion gesetzt wurde und so dem Fotografen nahezu unversehrt als Motiv zur Verfügung stand. Sie führte vom Schacht im spitzen Winkel nach Osten, überquerte die Kleinrückerswalder Straße leicht dem ansteigenden Gelände angepasst und endete in der heutigen Kleingartenanlage. In der Abbildung angedeutet, wurden hier die Umzäunungen entfernt und auch das Umland wurde bereits wieder von Kleingärtnern in Beschlag genommen. Zu sehen gibt es die hölzerne Umhausung der Brücke, das Bunker- und Kippenhaus und die Terrakonikköpfe, welche immer wieder umgesetzt wurden, um die Sturzhöhe zu erhalten. Eine sehr oft eingesetzte Technik. Die so erzeugten Haldenkegel prägten lange Zeit die Kulissen westerzgebirgischer Städte. Die Fotos von Fritz Schlegel zeigen eindrucksvoll solche Halden kurz nach dem Abzug der Wismut. Einige sind hier zu sehen.
Als Meilensteine der gesamten Schachtverwaltung sind die Jahre ab 1953 zu nennen, in denen neu erschlossene Erzvorkommen vorgerichtet wurden. Markante Auffahrungen waren hier die Querschläge 17west , die das Revier „Heilige-Drei-Könige“ anschlossen und Querschlag 28, der zum Schacht Himmlisch Heer 28 führte.
Beide Schächte übernahmen dann die Transportfunktionen. Wie die Weiternutzung der Uranus – Schächte aussah, ist bis heute unbekannt. Auch hatten die Halden bereits gigantische Ausmaße angenommen und deren Kapazität war erschöpft. Interessant in diesem Zusammenhang sind die Zeitzeugenberichte vom ehemaligen Hauptgeologen dieser Schachtverwaltung Igor Tolmatschov im unteren Teil dieses Werkes.
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Übersicht
| Schächte | Ansatz | Teufe | Einfall. | Quersch. | Trümer | Sohlen | Zweck | Gebiet / Lage |
| Nr. | m ü. NN | in m | In ° | m² | Bemerkungen | |||
| 29 ( Große Malwine) | 622 | 343 | 90 | 13 | 2G 1Sk 2F | +505 +450 +340 +330 | Ge | An der Krönung, Neuteufe 1947 |
| 29bis ( Kl. Malwine ) | 624 | 229 | 45/65 | 6,7 | 2Sk 1F | Ge | rekonstruiert, dann weitergeteuft | |
| Schurf 29/I | 624 | 74 | 90 | +560 | E | An der Krönung, ca. 50m nördlich |
||
| Schurf 29/II | 587 | 27 | 90 | dto |
||||
| 182 | 617 | 35 | 90 | 7,4 | 2G 1F | +589 | Ge | Südhang Schreckenberg |
| 144 | 594 | 119 | 90 | 13,4 | +534 +523 +505 | Ge | dto, Neuteufe | |
| 132 ( Apfel) | 528 | 451 | 90 | 15 | 2G 2Sk 1F | +450 +390 +330 +270 +210 +150 +90 | E | Parkplatz Frohnauer Hammer / Neut. |
| 136 ( Nachbarschaft ) | 532 | 271 | 90 | 10,6 | 2G 1F | Ge | Sehmatalstraße, etwa 200m südlich vom Frohnauer Hammer ( heutiger Getränkehandel ) | |
| 79 ( Röhling ) | 610 | 231 | 90 | 11,2 | E | Neuteufe 1947/48, etwa 500m nördlich Krönung |
||
| 117 ( David ) | 626 | 182 | 90/80/50 | 5,4 | 1G 1F | +560 +504 | E |
nahe Röhling – Schacht, rekonstruiert |
| Schurf 117/1 | 631 | 67 | 90 | +560 | E | |||
| Stolln | ||||||||
| 81 ( Markus ) | 481 | 8,8 | WF | Neuauffahrung 1947/48 |
||||
| 134 ( Frisch Glück ) | 512 | 10 | WF | Neuauffahrung ( tw. als „Neuer 10.000 Ritter“ genannt“, ggü. dem großen Parkplatz der Handtmann Gießerei | ||||
| 140 ( Schreckenberg) | 594 | 7,2 | Ge |
unmittelbar oberhalb der Hammerschänke |
||||
| Legende: Ge = Gewinnung und Transport, E = Erkundung, W = Wasserlösung, G = Gestellförderung, Sk = Skipförderung, F = Fahrtentrum, WF = Wetterführung + Gewinnung | ||||||||
{FL}
Schachtverwaltung 79/117 ( Roehling-Schacht 79, Markus-Stolln 81, Koenig-David-Schacht 117, Schurf 117/1 )
Etwa im Frühsommer 1947 ließen verschiedene Erkundungsergebnisse ein Vorhandensein von Uranvererzungen in den alten Gruben „Markus Röhling“ und „König David“ erwarten. Die Tagesschächte beider Gruben und deren Streckensystem erwiesen sich für einen zeitgemäßen Grubenbetrieb als ungeeignet.
So wurde Markus – Stolln gegen Jahresende 1947 als Stollnquerschlag zur Erkundung konzipiert. Im Zusammenwirken mit der Neuteufe von Schacht Nr.79 „Röhling“ sollte er ebenso eine leistungsfähige Ausrichtung sicherstellen. Parallel dazu hatte man am Jahresende 1947 geologische Vorräte nachgewiesen und mit Erzvorgriffen (Bereinigung von Anomalien) das erste Uranerz gewonnen. Der Höhepunkt der Erzgewinnung war 1949 erreicht, als der Stollnquerschlag mit dem Schacht Nr. 79 und 117 durchschlägig geworden war. Unklare Perspektiven und fehlender Vorratszuwachs führten dazu, dass die Schachtverwaltung 79/117 Anfang des Jahres 1951 von der allgemeinen Abschreibungswelle überrollt und geschlossen wurde.
{SK}

Abb.:
Typische Masserolle Ende der 40ziger Jahre, sehr guter Erhaltungszustand, komplett in Holz gefertigt, [Quelle: Verein Altbergbau „Markus-Röhling-Stolln“ Frohnau e.V. ]
Mit freundlicher Genehmigung, alle Rechte liegen bei der Quelle.
Erinnerungen von Manfred O. zu seiner Arbeit in Frohnau [29]
Im Laufe der Zeit habe ich mich mit einigen Zeitzeugen des Annaberger Wismutbergbaus unterhalten. Interessante Erinnerungsfragmente (Betriebsverlauf/Bergbau/Geologie) waren nur spärlich vorhanden. Umso mehr allgemeine, gefühlsmäßig im Gedächtnis verankerte Eindrücke der damaligen Zeit. Nach mehr als 30 Jahren fällt natürlich auch eine räumliche und zeitliche Zuordnung bestimmter Ereignisse schwer. Nun habe ich angefangen, aus meinen Tagebüchern einige dieser niedergeschriebenen Gedächtnisprotokolle zu extrahieren. Beim sinngemäß zitierten Zeitzeugen [MOD] handelt es sich um einen ehemaligen Arbeitskollegen. Dieser hatte unmittelbar nach dem Krieg Zimmermann gelernt und kam im Herbst 1947 zur Wismut. Der König-David-Schacht in Frohnau war gerade zur Erkundung geöffnet worden. Unter der Gewölbeabdeckung führte sich unverfüllt und ohne Einbauten die nackte Schachtröhre mit steilem Einfallen über 100 m in die dunkle Tiefe. Seine erste Aufgabe war, den Schacht mit Einstrichen und Fahrtenbühnen auszuzimmern. Frisch motiviert brachte er am nächsten Tag von zu Hause Hammer, Meißel und Beil mit. Die ausreichende Bereitstellung von geeigneten Arbeitsmitteln war damals nicht selbstverständlich. Gutes Werkzeug stellte eine Rarität dar und musste durch verschiedene Tricks vor Diebstahl (innerhalb des Betriebs) geschützt werden. In einer Art hölzernem Korb oder besser Hängebühne wurde er in den Schacht hinabgelassen. Mit Hammer und Meißel machte er alte Bühnenlöcher passend oder schlug bei Bedarf neue. Dann kamen die Zimmerungsarbeiten an die Reihe. Schon am ersten Tag war er ein gutes Stück fortgeschritten. Ein sowjetischer Offizier inspizierte die Leistung der ersten Schicht. Er äußerte sich zwar lobend, doch seinem ungeduldigen Verhalten war sichtlich anzumerken, dass er am liebstem den Schacht sofort bis zur Stollnsohle herab ausgezimmert gesehen hätte. Als der Schacht bis zur Stollnsohle [Tiefer Jung Andreas Stolln] mit Einbauten versehen war, setzte ein Zustrom neuer Arbeitskräfte ein. Vor allem wegen totaler Fachunkenntnis und unbedarfter Herangehensweise kam es nun zu einer Reihe tödlicher Unfälle, meist durch Abstürze im Schacht verursacht. So beispielsweise beim Hängen eines Elektrokabels von Hand. Das Gewicht des Kabels nach dem Herablassen einer gewissen Länge konnte von den auf den Fahrtenbühnen stehenden Arbeitern nicht mehr gehalten werden. So wurde ein Arbeiter mit in die Tiefe gerissen. Er war gerade eine Woche bei der Wismut. Nach Herstellung der Förderung im König David Schacht war [MOD] bei der Öffnung des Friedrich August Treibeschachtes dabei. Hier konnte er relativ präzise Angaben zu dessen Verwahrung machen. Sie bestand aus einem doppelten Bruchsteingewölbe (2 getrennte Rollschichten). Später arbeitete er wieder auf dem Schacht König David, nun als Schacht Nr. 117 bezeichnet. Die Bergarbeiter stiegen jeden Tag über 100 m [160 m] bis auf die alte Stollnsohle [Tiefer Jung Andreas Stolln] hinab. Zum Schacht 117 gehörten noch zwei Schurfschächte. Einer lag südlich vom König David und war in etwa 60 m Teufe mit diesem durchschlägig. Ein weiterer befand sich nordwestlich vom König David. Nach Zusammenlegung von Schacht 117 mit Schacht 79 fuhren sie auf dem Schacht Nr. 79 im Förderkorb ein. Kurze Zeit nach der Zusammenlegung wurde der Schacht geschlossen.
[Anm.: Schließung und Abschreibung der SV 79/117 im I. Quartal 1951]
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Abb.:
Reste des Schachtfördergerüstes Schacht 79, Der „neue Röhling – Schacht“ ist über die Zufahrt der Krönung / Malwine gut zu erreichen, noch heute sind Grundmauer, Widerlager und die Reste der Schachtumhausung gut zu sehen
Quelle: Archiv geophys
Die Versorgung mit den wichtigen Medien ( Druckluft, Elektroenergie, Telefon ) wurde über die nahe liegenden Malwinen – Schächte erreicht. Das Schachtgelände soll keinerlei Umzäunung gehabt haben. In einer zeitgenössischen Zeichnung von Felix Kube ist dies jedoch anders dargestellt. Beim Abteufen des Schachtes 79 soll es bei etwa 90m – Teufe einen tödlichen Unfall gegeben haben. Die Teufhauer bohrten eine sogenannte Pfeife, einem Bohrlochrest eines vorangegangenen Abschlages, welcher noch ungezündeten Sprengstoff enthielt, an. Durch Erwärmung und Funkenschlag beim erneuten Bohrvorgang gelangte dieser zur Detonation. Wie viele Hauer diesem in den Arbeitsvorschriften streng verbotenen Vorgehen zum Opfer fielen, ist nicht überliefert. Zu dieser Zeit wurde Donarit als Sprengstoff eingesetzt.[z1]
{FL}
Abb.:
Nach dem Abzug der Wismut vergessen. Der typische Sprengstoff der Anfangsjahre:
DONARIT ( Schönebeck )
Bildquelle: Falk Meyer / FlöhaMit freundlicher Genehmigung. Alle Rechte liegen bei der Bildquelle.
Schachtverwaltung 29 ( 29 – Große Malwine, 29bis – Kleine Malwine, 144, 182, 140 – Schreckenbergstolln, 132 – Apfelschacht )
Abb.: Haldenlandschaft nahe Frohnau ( um 1960 ) [ Bildausschnitt einer Fotografie von Fritz Schlegel aus Schneeberg mit dessen freundlicher Genehmigung]
Links sind die Doppelkegel und die Tafelhalde des Schachtes 33bis ( Neue Bäuerin ) zu sehen, etwas weiter hinten der Kegel und die Tafelhalde von Schacht 29 ( Malwine ) und am Bildrand rechts ist die sich anschließende Tafelhalde des Schachtes 78/231 ( Nowaja – der Neue ) zu sehen.
Schachtverwaltung 78/231 ( 78 – Schacht Nowaja, 33bis – Neue Bäuerin , 105, 90, Haldenschacht 44, 33 Bäuerin und zeitweise 29 ein )
| Schürfe | Ansatz | Sumpf | Teufe | Einfall. | Quers. | Trümer | Sohlen | Zweck | auf |
| Nr. | m ü. NN | m ü. NN | in m | In ° | m² | Karte | |||
| Haldenschacht 44 | 658 | 585 | 73 | 70 | +590 | WS | 1 | ||
| Schurf 44/1 | 660,5 | 630 | 30,5 | Ge | 2 | ||||
| 105 | 652,5 | 571 | 81,5 | Ge | 3 | ||||
| Schurf 105A | 652,5 | 602 | 50,5 | 4 | |||||
| Schurf 501 | 655,2 | 636 | 19,2 | 90 | Ge | 5 | |||
| Schurf 502 | 668,4 | 640 | 28,4 | 65 | Ge | 6 | |||
| Schurf 502A | Ge | 7 | |||||||
| Schurf 503 | Ge | 8 | |||||||
| Schurf 504 | 655,4 | 630 | 25,4 | 50 | Ge | 9 | |||
| Schurf 505 | 648,6 | 591 | 57,6 | 90 | +590 | Ge | 10 | ||
| Schurf 506 | 631,3 | 591 | 40,3 | 90 | +590 | Ge | 11 | ||
| Schurf 507 | 668 | 640 | 28 | Ge | 12 | ||||
| Schurf 512 | 593,2 | Ge | 13 | ||||||
| Schurf 525 | 660,5 | 627 | 33,5 | 53/64 | 3,8 | Ge | 14 | ||
| Schurf 528 | 662,2 | 65 | Ge | 15 | |||||
| Schurf 52 | 685,5 | 635 | 50,5 | 58/71 | 3,8 | Ge | 16 | ||
| Schurf 530 | 692,8 | Ge | 17 | ||||||
| Schurf 544 | 593,8 | Ge | 18 | ||||||
| Schurf 546 | 681 | 636 | 45 | 90 | 6,4 | Ge | 19 | ||
| Schurf 547 | 685 | 633 | 52 | 90 | 5,8 | Ge | 20 | ||
| Schurf 548 | 661 | 619 | 42 | 90 | 5 | Ge | 21 | ||
| Schächte | Ansatz | Sumpf | Teufe | Einfall. | Quersch. | Trümer | Sohlen | Zweck | |
| Nr. | m ü. NN | m ü. NN | in m | In ° | m² | ||||
| Heilig Kreutz* 90 | 639 | 78 | 69/75 | 6,8 | 1S | +563 | We | 22 | |
| Bäuerin 33 | 613 | 472 | 141 | 55/80 | 9,2 | 2G 1F | k.A. | E + Ge | 23 |
| Neue Bäuerin 33bis | 626 | 383 | 243 | 90 | 15,9–12,0 | 2S 2G 1F | +509 +450 +390 | Ge | 24 |
| Nowaja ( Neuer ) 78 | 650 | 383 | 267 | 90 | 16,2-12,0 | 2S 2G 1F | +509 +450 +390 | Ge | 25 |
| Stolln | |||||||||
| Parkstolln 142 | 543 | 5,8 | 26 | ||||||
| Legende: Ge = Gewinnung / Transport E = Erkundung G = Gestellförderung S = Skipförderung F = Fahrtentrum, WS = Bewetterung * vmtl. | |||||||||
{FL}
Zur Benennung
Die Bezeichnung „Schacht Nr. 78“ oder kurz „Schacht 78“ entstammt der wismutinternen, objektübergreifenden, chronologisch fortlaufenden Nummernbezeichnung für Schächte und Stolln. Im Jahresbericht des Objekts 4 für 1947 taucht der Name „Schachta Nowaja“ auf, was sinngemäß „Neuschacht“ bedeutet. Der in der Wismut-Chronik genannte Name „Neue Bäuerin“ wird im Berichtsmaterial von 1947-1955 nicht erwähnt. Auch Zeitzeugen u. a. dem ehemaligen Schachtleiterhelfer (1951-1955 auf dem Schacht) ist diese Bezeichnung unbekannt. Zu Teufbeginn des Schachtes 78 (Ende 1947) war das Grubenfeld der Bäuerin Schacht 33 verwaltungsmäßig noch vom Grubenfeld der 78 getrennt. Im Laufe der vertikalen und horizontalen Ausdehnung traten für das Schachtfeld der 78 noch folgende Bezeichnungen auf: -Schachtverwaltung 78/231 (1949); -Schacht 78/29 (1952, bereits mit SV 33-33bis konsolidiert). Anmerkung: Die Schachtnummer 231 war um 1949 gebräuchlich und stellt keinen eigenen Tagesgrubenbau dar. Sie ist nur als Zusammenfassungsnummer verschiedener Schächte und Schürfe zu verstehen, die in den Jahren 1949/50 an den Schacht 78 angegliedert wurden (Schacht Nr. 105 /ehemals gleichnamiger Haldenschacht/, Schürfe 44, 501, 502, 505, 506, Haldenschacht Nr. 90, etc.
Lage des Schachts und Altbergbau im unmittelbaren Umfeld
Der Schacht Nr. 78 befindet sich auf dem Schottenberg zwischen Frohnau und Buchholz. Nach der örtlichen Gliederung des Objekts 4 gehörte er zum Südteil des Reviers Frohnau. Im näheren Umfeld des Schachts befand sich ein Gebiet mit intensiven, tagesnahen Auffahrungen im Altbergbau aus dem 16. Jahrhundert und geringem, späteren Nachlesebergbau (z. B. Inseltschacht). So war dieses Gebiet durch eine große Haldendichte mit Haldenvolumen bis zu 13.000 m³ charakterisiert. Wegen des unbedeutenden Nachlesebergbaus fehlten hier die rissliche Unterlagen der alten Auffahrungen. Auch waren die für den späteren Bergbau bis ins 19. Jh. wichtigen Stolln (Bierschnabel, Orgel, Markus Röhling) nur bis in den nördlich angrenzenden Bereich Bäuerin/Heilig Kreuz eingebracht. Deshalb sind in der Gangkarte von MÜLLER 1896 die Angaben zu diesem Gebiet mehr als dürftig. Teilweise fehlen in der Müllerschen Gangkarte ganze Haldenzüge bedeutender, vom alten Silberbergbau des 16. Jh. bebauter Gänge. Insofern stellte der Schacht 78 lokal ein Novum dar, da hier im Unterschied zu allen anderen aufgewältigten Schächten im Raum Annaberg keine Riss- und Berichtsdokumentation aus dem 17.-19. Jh. vorlag. Wie kam also die Wismut dazu, ausgerechnet hier ihre erste saigere Neuteufe im Annaberger Objekt Nr. 4 zu niederzubringen?
Beginn der Suche
Erste Überprüfungen des Annaberger Gebiets im Oktober/November 1946 auf Uranerze unter Leitung des Geologen N. F. NIFONTOW führten u. a. zur Entdeckung radioaktiver Bereiche auf alten Halden. Ob hierbei auch die Halden im Umfeld des späteren Schachtes 78 untersucht worden sind, ist nicht näher bekannt. Man dürfte anfangs schwerpunktmäßig nur die Halden der Gruben überprüft haben, von welchen in der Literatur Pechblendefunde dokumentiert waren.

Abb.: Überblick des bergbaulichen Geschehens ( etwa 1949 / 1950 ) im südlichen Teil der Lagerstätte Frohnau — Bildquelle: Archiv „Verein Altbergbau ‚Markus-Röhling-Stolln‘ Frohnau e.V.“ Alle Rechte liegen bei Bildquelle. — Mit freundlicher Genehmigung.
Legende: — 1 Schacht Bäuerin No. 33; 2 Kaserne; 3 Schacht Nowaja No. 78; 4 Schurf 502A; 5 Schurf 507; 6 Schurf 502; 7 Schurf; 8 Haldenschacht 44; 9 Massenunterkünfte / Baracken; 10 Schurf
Systematische Erkundung der Altbergbauhalden und Aufwältigung deren Schächte
Im Frühjahr 1947 begann eine planmäßige Untersuchung der Halden des Altbergbaus auf Radioaktivität. Dabei zeichnete sich u. a. eine Häufung aktiver Halden vor allem im näheren Umfeld des späteren Schachtes 78 ab. Nach teilweisem Abbau der uranerzführenden Haldenmassen begann man im Herbst 1947, einige der alten Tagesschächte dieser Halden aufzuwältigen. Diese wurden dann „Schacht der Halde Nr. XXX“ benannt. Als „Vorläufergrubenbau“ des späteren Schachtfeldes Nr. 78 ist vor allem der Schacht der Halde Nr. 105 zu erwähnen. Dieser war vom alten Silberbergbau auf einem O-W-streichenden Spatgang, russ.:“Osnownoi Spat“ deutsch: „Haupt Spat“ geteuft worden. Dessen Sohlenauffahrungen nach Osten und Westen schlossen eine Reihe Gangstrukturen auf, in denen man nun mittels Gammaprofilierung Uranerze fand. Die entsprechenden Gangnamen des Altbergbaus waren unbekannt, also benannte man sie ausnahmslos mit russischen Bezeichnungen wie Schila Sapadnaja – Gang West, Schila Tjomnaja – Dunkler Gang, Schila Wostotschnaja – Gang Ost u.a. Da die vom alten Silberbergbau des 16. Jh. intensiv bebauten Gangflächen wegen starker Verbrüche schlecht zugänglich waren, kam es im Jahr 1947 noch zu keiner Erzgewinnung.
Anlage von Schurfgräben im Haldengebiet
Fast parallel dazu versuchte man, die im Haldenschacht Nr. 105 erschlossenen Gänge übertägig durch Schurfgräben zu erkunden. Der Schurfgraben (Kanal) Nr. 1 hatte Ende 1947 eine SW-NE-Erstreckung von 470 Metern. Er lag etwas südlich der untertägigen Aufschlüsse vom Haldenschacht Nr. 105 und schloss auch einige bis dahin noch nicht erkannte Gänge auf, die ebenfalls russische Bezeichnungen erhielten z.B.: Schila Radosti – Freudengang, Schila Toska – Gang Schwermut. Aufgrund subparalleler Gangverläufe und zwangsläufig damit verbundener Gangauftrümerungen und Gangscharungen im Streichen und Fallen wurden viele dieser 1947 erkundeten Gänge im weiteren Betriebsverlauf teilweise auch pragmatisch mit anderen Bezeichnungen belegt. Deren eindeutige Identifizierung erwies sich bislang als schwierig bis unmöglich. Andererseits gab es auch gewollte Umbenennungen wie zB. „Tjomnaja“ in -> „Komsomolskaja“, die auch so im geologischen Berichtsmaterial (Jahresbericht SAG 1948/49) vermerkt sind.

Abb.: Schächte der Schachtverwaltung 78 (/231) — Skizze von Stefan Kunze
Legende — Halden, rot – aktive Halden z.T. mit Haldenabbau; Grubenbaue schwarz – Stand Ende 1947; Grubenbaue blau – Stand 1948-55; grüne Linie – tiefstes Vordringen des Altbergbaus; rot – produktiver Gesteinshorizont
Entscheidung zum Standort des Schachts Nr. 78
Nun waren gegen Ende 1947 eine Reihe von NW-SO-streichenden Gängen identifiziert, die für die signifikante Uranerzführung der umliegenden Altbergbauhalden in Frage kamen. Da auch das Einfallen der Erzgänge weitestgehend bekannt war, konnte man aus den vorliegenden Daten in Verbindung mit den damals gängigen lagerstättenkundlichen Vorstellungen einen Schachtansatzpunkt zur Ausrichtung der Lagerstätte festlegen. So entbehrt der Ansatzpunkt des Schachts 78 als „Nowaja“ – „Neuschacht“ durchaus nicht einer gewissen Logik. Dass sich die Teufenerstreckung der Lagerstätte auf Grund einer ausgeprägten lithologischen Kontrolle der Vererzung anders als anfangs gedacht entwickeln sollte, konnte man damals noch nicht voraussehen. Die Festlegung eines Schachtansatzpunktes der Anfangsjahre wurde noch in den achtziger Jahren aus purer Detailunkenntnis auch vom deutschen Lehrpersonal der Wismut-Berufsschule Gera etwas lächerlich so umschrieben: „Der Schacht wurde dort geteuft, wohin der Russe seine Mütze geworfen hat.“ Natürlich kann es auch solche Fälle gegeben haben. Aber beim Schacht Nr. 78 ist eine Kausalität zwischen Erkundungsergebnissen und Schachtansatzpunkt im Kontext des damaligen Lagerstättenmodells nicht von der Hand zu weisen. Es ist klar, dass damals detaillierte Daten zur Erzführung absolut geheim gehalten wurden. Diese Geheimhaltung gegenüber dem deutschen Personal führte deshalb zu den wildesten Spekulationen weshalb und warum dies oder jenes so oder anders gemacht wurde. Dahingehende Vermutungen in Zeitzeugenberichten des deutschen Personals sind bei deren Bewertung also immer kritisch zu hinterfragen.
Schachtteufe
Nun wurde Ende 1947 die Teufe des Schachtes 78 mit 16 m² Profil begonnen (Teufenbeginn 1947 lt. Bericht SAG 1948/49 Seite 344). Das Schachtprofil beinhaltete 2 Trümer für eine Gestellförderung (Förderkörbe für Mannschafts- und Materialseilfahrt) sowie 2 Trümer für Skips (Gefäßförderung). Die in den Sächsischen Heimtblättern im Uran-Themenheft 1995 dargestellte Skizze des Schachts 78 ist in zweifacher Hinsicht fehlerhaft. Erstens ist der alte Inseltschacht nicht mit der Neuteufe des Schachts 78 identisch, obwohl der alte Inseltschacht auf einem nahen Gang (von der Wismut als „Wostotschnaja“ – „Ostgang“ bezeichnet) lokalisiert war. Zweitens ist der von Felix Kube als Schacht 78 gezeichnete Schachtquerschnitt für die 78 unzutreffend (nur 2-trümige Gestellförderung).
Entwicklung des Grubenfeldes
Im Jahr 1948 hatte man den perspektivischen Gang „Komsomolskaja“ über den Haldenschacht Nr. 105 hauptsächlich durch Aufwältigung von Auffahrungen im Altbergbau (Nachriss) bis zur Sohle + 571 erschlossen. Mit der beginnenden Erzgewinnung erhielt der ehemalige Haldenschacht den Status eines eigenständigen Gewinnungsschachtes als „Schacht Nr. 105“. In Schurfgräben angesetzte Tiefschürfe (Nr. 501 und 502) schlossen nun die obersten Bereiche des Ganges auf. Eine bis 30 m Teufe ausgeprägte Oxidationszone ließ die Abbaublöcke über der +639 m Sohle jedoch schnell ins Taube kommen. So ist es nicht verwunderlich, dass man nun über den Schacht 78 erfolgte, den Gang „Komsomolskaja“ in größeren Teufen auszurichten. Getätigt wurde die Teufe des Schachtes 78 vermutlich arbeitsteilig durch das Objekt 13, welches in Bezug auf das Gewinnungsobjekt 4 eine Art „Subunternehmer“ darstellte. Auf oberen Sohlen wurden keine Füllorte angeschlagen, da diese Sohlen bereits im Baufeld des Schachts Nr. 105 lagen. Auch sollte der tagesnahe Bereich der verschiedenen Gänge aus den zahlreich eingebrachten Tiefschürfen abgebaut werden. Als erste Sohle des Schachtes Nr. 78 diente die aus Richtung Bäuerin in einer Feldstrecke herangebrachte Sohle des Orgelstollns im Niveau +510 m NN. Ende des Jahres 1949 hatte man auf dieser Sohle den Gang „Komsomolskaja“ erreicht. Jedoch blieb die auf den oberen Sohlen konstatierte Vererzung aus. Hier wurde man erstmals mit der ausgeprägten lithologischen Kontrolle der Vererzung konfrontiert. Die geologische Detailerkundung der Lagerstätte konnte einige Jahre später eine Erklärung dafür liefern. Bergbautechnologisch interessant ist der arbeitsteilige Simultanaufschluss mehrerer Niveaus über verschiedene Tagesgrubenbaue. Ein untrügliches Anzeichen, dass man ziemlich in Eile war. Die damalige Philosophie „viel Angriffspunkte, viel Erz“ war im Ausrichtungsschema klar erkennbar.

Abb.:
Schachtleiter Valentin Pawlowitsch Nazarkin im Gespräch mit einem Bergmann
Bildquelle:
Archiv Anna M. Nazarkina – Moskau
Alle Rechte bei Bildquelle.
Mit freundlicher Genehmigung.
Emanationsaufnahme der Randgebiete
Die mehrere 100 m langen Schurfgräben im alten Haldengebiet um den Schacht 78 wurden ab 1949 nicht mehr ausgedehnt. In den Randgebieten nutzte man die 1948 entwickelte EmanationsaufnahmeGangausbisse anzeigen. Quer zu den Emanationsanomalien zog man kürzere Schürfgräben und teufte an Gangausbissen Tiefschürfe. Allgemein betrachtet konnten damit keine bedeutenden neuen Gänge gefunden werden. Ein belegbares Beispiel für diese Erkundungsmethodik ist der Gang „Rshawaja“ oder Rostgang (offenbar durch Rücktranskription ins Russische auch als Gang „Rost“ = „Zuwachs“ bezeichnet). Dieser Gang wurde ebenfalls mit einem Querschlag der +510 m Sohle vom Schacht 78 erreicht. Den herbeigesehnten merklichen „Zuwachs“ an Lagerstättenvorräten brachte die neue Erkundungsmethodik hier freilich nicht. (Radonmessung der Bodenluft) als Erzindikator. Aktivitätserhöhungen in den Emanationsprofilen sollten nun höffige
In allen anderen Schächten des Objekts 4 gingen ab dem Jahr 1950 mit dem schnellen Vordringen in die Tiefe die Gewinnungsmengen drastisch zurück. Für die Schachtverwaltung 78/231 verlief diese Entwicklung etwas gebremst, da im Streichen der produktiven Gesteinsschichten ein ausgedehnteres Gangfeld zur Verfügung stand. Auch lag das Schachtgebiet 78 insgesamt wegen der fehlenden Strukturierung durch Grubenbaue des 18./19. Jahrhunderts gegenüber den anderen Annaberger Schachtverwaltungen in der Entfaltung seiner Aus- und Vorrichtung einige Monate im Rückstand. An die Schachtverwaltung 78 war seit 1951 auch die Schachtverwaltung 33-33bis angegliedert worden. Den Schacht 78 hatte man bis Mitte des Jahres 1951 bis zur Sohle +390 niedergebracht. Zu diesem Zeitpunkt überdachte man das bisherige Lagerstättenmodell und stoppte bis auf wenige Schächte (Nr. 132, Nr. 21/285 den Teufenvortrieb. Bei 60 m Hauptsohlenabstand gab es am Schacht 78 noch die Sohle +450 m. Beide tiefe Sohlen am Schacht 78 blieben isoliert, da sich das Verbreitungsgebiet der Vererzung mit wachsender Teufe nach Norden in den Bereich des Schachtes 33bis hinzog. Auch hatte man nun erkannt, dass einige Gänge der SE-Flanke in oberen Teufen wenig untersucht waren (+606 m Sohle, Gang 507). So arbeitete man später, als die lithologische Erzkontrolle bekannt war, in den oberen südöstlichen und den unteren nordwestlichen Bereichen. Da der Schwerpunkt der Erzgewinnung im Niveau der +450 m Sohle nördlich des Schachtes 33bis lag, wurde dieser Schacht ab 1955 zum Hauptförderschacht, während die Personenseilfahrt über die 78 abgewickelt wurde. Teilweise wurde bis 1955 auch die Malwine (Schacht 29) als Förderschacht genutzt. Ein letzter Versuch, über erschlossene Sohlen neue produktive Horizonte aufzuschließen war der gezielte Vortrieb nach Norden (Projekt für das Jahr 1954), um die Schwebenden westlich des Schachts 117 zu untersuchen. Dieser prognostizierte „obere Erzfall“ (in lithologisch hangender Position) bestätigte sich nicht. Es wurden hier drei „Schwebende“ aufgeschlossen, die den Horizonten von König David und Markus Röhling entsprechen. Jedoch fehlten offenbar im erkundeten Bereich auf den dortigen Gängen zur Zeit der Uranzufuhr die entsprechenden hydrothermalen Zirkulationssysteme. Damit wurden auch die Grenzen des neuen, an lithologischer Vererzungskontrolle orientierten Lagerstättenmodells aufgezeigt. Mit der Abarbeitung der Vorräte wurde der Schacht 78 schließlich noch vor dem Schachtkombinat 21/116 geschlossen. {SK}
| Schächte | Ansatz | Sumpf | Teufe | Einfall. | Quers. | Trümer | Sohlen | Zweck | Gebiet / Lage |
| Nr. | m ü. NN | m ü. NN | in m | In ° | m² | in m ü NN | |||
| 28 (Himmlisch Heer) | 681 | 450 | 230 | 90 | 10 | 2 Sk 1 F | 575 465 | Ge | Cunersorf ( Nahe B95 ) |
| Bl 109 (Hermann) | 575 | 300 | 275 | 90 | 7 | 2G 1F | 575 556 535 506 465 405 300 | Ge | Blindschacht auf Stollnsohle des Dorotheastollns |
| 116 (Heilige Drei Könige) | 657 | 470 | 187 | 90 | 16 | 2G 2Sk 1F | 571 511 476 | Ge | Buchholz Westhang |
| Stolln | Bemerkung | ||||||||
| 20 ( Dorotheastolln) | 567 | 6,3 | eigene Schachtverwaltung | Ge | Cunersdorf / Buchholz | ||||
| 141 ( Alexanderstolln ) | 575 | 5 | zu Schachtverwaltung 116 | E | Buchholz (Wendeschl.) | ||||
| 142 ( Parkstolln ) | 543 | 5,8 | zu Schachtverwaltung 78/231 | E | Bu. Waldschlösschen | ||||
| 143 ( Ritterstolln ) | 540 | 4,5 | Verbindung in Revier Uranus | E | Bu. nahe Silberlandhalle | ||||
| Legende: Ge = Gewinnung / Transport E = Erkundung G = Gestellförderung Sk = Skipförderung F = Fahrtentrum | |||||||||
{FL}
Schachtverwaltung 116 ( 116 Heilige-Drei-Könige, 141 Alexanderstolln )
Die Erkundungen begannen hier 1947 an den bereits vorhandenen Stolln Heilige-Drei-Könige ( Drei-Königsstolln )und Konrad. [21] Der „Obere Drei-Königs“-Stolln ist auf der Karlsbader Straße zwischen Schultreppe und der heutigen Fleischerei Petzold angesetzt. Eine neuzeitliche Beschilderung kennzeichnet ihn heute etwa 100m weiter nördlich (ehemaliges Gebäude „Farben-Melzer“, heute Parkplatz). Dies ist anhand eingesehenen Risswerkes und der Hilfe unserer Freunde vom „Röhling“ als nicht als richtig anzusehen.[r1] [u1]
Vom Mundloch aus, um das davorstehende Gebäude herum und über eine hölzerne Förderbrücke, welche zudem gewagt über dem kleinem Fachwerkhaus ( siehe Abb. ) der Hutmachergasse hinweg geführt wurde, kippte man die notwendige Halde. Der Kegel war noch in den 50ziger Jahren zu sehen und wurde später abgeflacht.[z2]

Abb.:
Kleine Kegelhalde des Drei-Königs-Stolln nach Beendigung der Erkundungen. Bildquelle: Ausschnitt Postkarte Verlag E. Neubert Karl-Marx-Stadt A162/55
Archiv geophys [2009]
Vorgefunden wurden dort außer dem namensgebenden Drei-Könige-Morgengang 8 flache Gänge. Das Gebiet besteht aus zweiglimmrigen Gneisen mit stellenweisen starken Verquarzungen. Alle Gänge waren mehr oder weniger bereits von alten Arbeiten berührt. In einem Gangkreuz konnten bereits bei den Erkundungsarbeiten 75 kg Uran gewonnen werden. Den Teufenaufschluß schätzte man auf etwa 90 – 120 m vom Niveau der Stollnsohle ( +572 m ü NN ) ein. Die zu untersuchende Gänge wurden mit neuen Strecken verfolgt. Im Tätigkeitsbericht der SAG 1947/48 ist für den Flachen Gang 2 ( einfach von Osten her durchnummeriert ) unter anderem vermerkt:
-
Streichen 320°-340°Einfallen nach Süd-West 55-65°
-
Länge im Streichen über 400 m / auf 90m verfolgt
-
mächtigste Zone auf Strecke 9 und 10, zerriebenen Gneis (grau/grün)- allerdings unvererzt
-
237,34 ( evtl. 287,34 kg ) Uran gewonnen
-
5427 m² Gangfläche abgebaut
-
mittleres Ausbringen lag bei 0,055 kg/m²
Nach der bereits weiter oben beschriebenen Bemusterung der alten Baue wurde die Neuanlage eines modernen Schachtes veranlasst. Teufbeginn war hier im Juli 1948. Der Schachtansatz befand sich bei 656m ü NN auf einer Wiese etwas abseits der Bebauung im Dreieck Schlettauer Straße / Teichstraße. Da das Gelände an dieser Stelle stark abfällig war, musste zunächst eine Aufsattelung erfolgen.[a2]
Er wurde auf eine Teufe von 189 m niedergebracht. Hier gibt es auch in den Wismut-Unterlagen unterschiedliche Angaben. Entgegen anderweitiger Veröffentlichungen, die z.T. blindwütig von wieder anderen abgeschrieben wurden, waren an den Schacht 3 Hauptsohlen angeschlossen. Sie lagen bei 571, 511 und 476 m ü NN. Hier ist das Studium unseres Forenbeitrages sehr zu empfehlen. Hier wird sehr anschaulich darauf eingegangen.
In Eigenverwaltung (1948-1950) des Schachtes 116 war noch der autonome Alexander – Stolln an der Schneeberger Straße ( nahe Große Wendeschleife ) einbezogen. Dessen Auffahrungen schlossen das bekannte Revier der Alten Thiele auf. Es sind keine genutzte Verbindungen zum Grubengebäude der 116 bekannt.
Auf dem für Annaberger Verhältnisse großzügigen Schachtgelände wurden durch die Hilfobjekte relativ schnell beachtliche Bedingungen geschaffen. So gab es ein massiv errichtetes Duschkombinat und ebenso massive Flachbauten für mechanische Werkstätten und periphere Einrichtungen wie Kompressor- und Trafostation. Das Fördergerüst wurde dem Zeitpunkt entsprechend aus Rundhölzern mit Holz-Beplankung errichtet. Der Schachteinbau hatte 2 Gestelltrümer, 2 Skipaufzüge und den Fahrtentrum. An die Schachtumhausung schloss sich eine stählerne Förderbrücke mit einer radiometrischen Kontrollstation (RKS) an.
Als Fördermaschinen waren Förderwinden vom Typ FW22 und FW8 im Einsatz.
Die Aufhaldung von tauben Massen wurde zunächst über Tafelhalden erledigt. Später hatte man dann die beiden heute noch sichtbaren Terakonik – Kegel geschüttet.
In der zweiten Betriebsperiode ( so ab 1952 ) erfolgte dann die Auffahrung der Querschlag 17West. Es war bereits die Zeit nach der Konsolidierung und der Schaffung des Schachtkombinates 21/116. Q17W war auf der 462 m – Sohle angesetzt und schuf die Anbindung an den Blindschacht 1001 im Uranus – Gebiet. Alle Bergleute der SV 21/116 fuhren nun über die moderne 116 in die Grube. Um die längeren Wege zu kompensieren, wurde eine zweigleisige Oberleitungsbahn eingerichtet, die die Mannschaften zügig die 2 km in Richtung Blindschacht brachte. Es sind zwei Bahnhöfe auf der +462 überliefert. Insgesamt war der Querschlag 17 ( Ost und West ) eine der längsten Auffahrungen des Annaberger Reviers. Er reichte vom Gebiet der Alten Thiele ( fast schon Schlettau ) bis nordöstlich des Pöhlberges auf Königswalder Flur.[r2]
Aufsehen erregte damals der Rekord – Schnellvortrieb unter Leitung von Walter Mank. Es wurde eine Monatsleistung von 400 m erreicht (1954, etwas später sogar 500m / Monat). Dieses nahmen die Offiziellen von Partei- und Staatsführung zum Anlass, diesen Bergleuten den hochdotierten Nationalpreis der DDR zu verleihen.[z2]
Bei den Vortriebsarbeiten ist ein Wassereinbruch überliefert. Nur das Drängen der Verantwortlichen auf das zeitraubende Vorbohren von Langlöchern verhinderte hier den plötzlichen Wassereinbruch. Es handelte sich um gespannte Wässer der alten Saurüssel – Grube.[L8 Zeitzeuge M.Tost – Mauersberg][Original]
Traurige Berühmtheit erlangte der Todesschuss eines jungen sowjetischen Wachsoldaten auf den Buchholzer Bergmann Willy O., der aus welchem Grund auch immer, den Schacht über die Halde verlassen wollte. [L11 S.75ff] Diese Geschichte ist nicht weiter dokumentiert, wird jedoch von einigen Zeitzeugen berichtet. Nicht unerwähnt darf jedoch bleiben, dass auch der Schacht 116 umzäunt war und Jedem auch bekannt war, wie der Zugang zu den Betriebsanlagen zu erfolgen hatte. Jedoch, die unnachsichtige Wahl der Mittel ist bis in unsere Tage erschütternd.
{FL}
Schachtverwaltung 20 ( Stolln 20 – Dorotheastolln, Schacht 28 – Himmlisch Heer, Blindschacht 109 – Herrmannschacht )
Die SV 20 mit ihrem Dorotheastolln wurde im November 1946 als erstes einer gründlichen Bemusterung unterzogen. Die eingesetzten Radiometristen stellten im Februar 1947 im Zuge einer Gammaprofilierung 6 Anomalien fest. Hierbei wurden 30 kg Uran gewonnen. Das war nachweislich das erste Uran im Annaberger Raum, das aus dem Anstehenden stammte. Der ertragsreichste Block auf dem „Elisabeth – Spat“ erbrachte im Jahre ganze 294 kg Uran. Man setzte ziemlich zügig die Vorrichtung fort und benutze zunächst den Stolln. Man versuchte aber angestrengt, den mehr als 60 Jahre ungenutzten Richtschacht 28 wieder zu rekonstruieren [L7 S. ff] .
Man richtete eine Kompressorstation in einer Scheune (heute Fam. Grund) ein, das Mehrfamilienhaus der Fam. Eibisch wurde beschlagnahmt und zur Kaue umfunktioniert. Eine Villa (später Kinderwochenheim)diente der sowjetischen Schachtleitung als Residenz [z2] . Taube Massen wurden zunächst über den Stolln gefördert und über die Sehma hinweg von Haldenarbeitern aufgehaldet. Direkt am Sehmaufer wurde 1947/48 eine improvisierte Erzwäsche betrieben ([24] S. ff)
Mit Blindschacht 109 erreichte man die +300 m – Sohle. Insgesamt wurden in der Betriebsperiode zwischen 1947 und 1950 nur etwa 1,6 Tonnen Uran gewonnen. So schrieb man die Schachtverwaltung 20/28/109 zum 01.01.51 ab[11].
1955 wurde der Himmlisch-Heer Richtschacht 28 erneut in Betrieb genommen. Es wurden noch einmal etwa 3 km Auffahrungen getätigt und über Querschlag 28 auf der 462 m – Sohle wurde er für das Schachtkombinat 21/116 verfügbar gemacht. Auf Abbildungen, allesamt in sehr schlechter Qualität, kann man die Aufstellung eines neuen Stahlgerüstes ableiten, welches ab 1959 am Schurf 23 weiter verwendet worden sein könnte.
Jetzt wurden die heute noch sichtbaren Halden gestürzt, da sich die Kapazitäten im Zentralrevier erschöpften.
Das endgültige Ende kam jedoch im Januar 1958 und es wurde mit der zügigen Demontage der Anlagen begonnen.

Abb.:
Halde von Schacht 28 nach dem Abzug der SDAG Wismut (Aufn. 1960).
Bildquelle: Fritz Schlegel / Schneeberg
Mit freundlicher Genehmigung. Alle Rechte bei Bildquelle.
Ende der vierziger Jahre soll es zu einer Explosion an einer Fördermaschine am Blindschacht 109 gekommen sein. Auslöser soll entwendeter Sprengstoff aus dem Munitionslager der Grube gewesen sein. Jahre später sei dann ein Täter bei einem ähnlichen Vorhaben in Johanngeorgenstadt gestellt worden, der auch dieses gestand. [L12 S. ff]
Einen Teil der Anlagen kann heute noch im Besucherbergwerk „Dorotheastolln“ besichtigt werden. Auf jeden Fall lohnt sich ein Besuch.
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Schachtverwaltung 34 ( 34bis Neu Unverhofft Glück am Luxbach, 34 Freudenschacht, 189 Luftschacht, unbenanntes Wetterüberhauen )
| Schächte | Ansatz | Teufe | Einfall. | Quersch. | Trümer | Sohlen | Zweck | Gebiet / Lage |
| Nr. | m ü. NN | in m | In ° | m² | Bemerkungen | |||
| 34 Freudenschacht | 793 | 121 | 90 | 8 | 2G 1F | +672 | Ge | am Luxbach |
| 34bis Neu Unv. Glück | 770 | 123 | 90/70 | 3,4 | 2Sk 1F | +730 +710 +672 +647 | Ge | oberhalb Luxbach, am Jordanweg |
| 189 Luftschacht | 786 | 76 | 90 | 4 | 2G | +730 | Ge | Dto ( 1948 Neuteufe ) |
| Wetterüberhauen | 777 | 105 | 90 | +672 | WF | hatte Hauptgrubenlüfter | ||
| Legende: Ge = Gewinnung und Transport, E = Erkundung, W = Wasserlösung, G = Gestellförderung, Sk = Skipförderung, F = Fahrtentrum WF= Wetterführung | ||||||||
Vor 1946
Im Jahre 1934 versuchten zwei Unternehmer die abgesoffene Grube wieder aufzuwältigen. Es war der Dipl.-Ing. Otto Klaus und der Bärensteiner Bruno Gritzner. Ziel der Unternehmung war es, aus dem dort vermuteten Uranerz Radium zu gewinnen, bei dem eine heilende Wirkung aus dem nahen Radiumbad Joachimstal bekannt war. Bereits 1931 waren Bruno Gritzner bei einer Lieferung geeigneten Materials bis zu 100,00 RM von der „Uranerz-A.G. für Radium-Therapie“ Berlin in Aussicht gestellt worden. Jedoch ein Gesuch um finanzielle Unterstützung an die Reichskanzlei wurde dann vom Reichswirtschaftministerium abgelehnt. Und so musste 1937 das Vorhaben aufgrund Kapitalmangels aufgegeben werden. Beide Unternehmer erlangten 1947 noch einmal traurige Berühtmheit. Nachdem sie noch einige Tage nach dem Beginn der Arbeiten auf Schacht 34 in Begleitung von sowjetischen Offizieren gesehen wurden, verschwanden beide spurlos. Bis heute ist ungeklärt, unter welchen Umständen dieses geschah.[L6 S. 90ff]
Aufwältigung der vorhandenen Tagesschächte
Der Winter des Jahres 1946/47 war streng und so wurde erst im März 1947 mit dem Notwendigen begonnen. Eine große Anzahl von Arbeitern machte sich zunächst an das mühsame Ziehen von Schurfgräben. Die verwahrten Schächte wurden schnell gefunden. Um das bereits aus den Vorjahren bekannte Wasserproblem in den Griff zu bekommen, wurden leistungsfähige Kreiselpumpen beschafft. Schacht 34bis war bis zur 1. Sohle in 20 Metern Teufe seiger und von da an tonnlägig weiter geteuft. Da dieser Teil stark verbrochen war, begann man, spärlich ausgerüstet den Schacht zu beräumen. Dies geschah teilweise mit Handhaspel, Kübel und Hanfseil. Als dann Platz geschaffen werden konnte, kam dazu auch eine Motorhaspel zum Einsatz. Zeitgleich wurden händisch Bühnenlöcher gespitzt und dann in Eile der hölzerne Schachtausbau eingebracht. Einige Wochen brachte man damit zu. Man fand nach vollständiger Entwässerung der Grube sehr durchdacht aufgefahrene Strecken in Tropfenform vor, welche sich als sehr standfest erwiesen. Es ist belegt, dass schon während der Aufwältigung mit Schlegel und Eisen Erz abgebaut wurde. Es stand eine große Anzahl an Arbeitskräften zur Verfügung und so gingen die Arbeiten zügig voran.[L6 S.90 ff]

Abb.:
Skizze des Grundriss der Schacht- und Wohnbaracken – Anlage, basierend auf örtliche Vermessungen im Abgleich mit Luftbild [L5 2.2.7 S.3] , deren Quelle: U V E GmbH Berlin
erstellt: geophys im Jahre 2009
Übertage wurde eine Reihe von Gebäuden für den Betrieb einer modernen Schachtanlage errichtet. So eine Lampenstube, eine Kompressorstation, eine Kaue, ein Verwaltungsgebäude, die Umhausung der Fördermaschine, einige Werkstätten, eine Schmiede und eine Erzwäsche (die nur kurze Zeit genutzt wurde). Anlagen zur Strom- und Wasserversorgung wurden natürlich auch geschaffen. Hierzu wurden auch ortsansässige Unternehmen eingesetzt. Auch der zweite im Bunde, der großzügiger angelegte Freudenschacht 34, seiger abgeteuft und sogar zum Teil ausgemauert, wurde einer gründlichen Rekonstruktion unterzogen. Er wurde nach Abschluss der Arbeiten Hauptförder- und Seilfahrtsschacht. [L6 S. 90ff]
Teufe des neuen Schachtes
Ab 1948 begann die Teufe von Schacht 189. Er sollte der Bewetterung dienen und hatte deshalb nur einen Querschnitt von 4 m² und erhielt den Namen Luftschacht. Bei etwa 76,00 m Teufe stieß man jedoch auf Erz. Also wurde neben dem bei diesem Zweck üblichen Fahrttrum ein Fördertrum eingebaut und für die Wetterführung stand nun etwas weniger Platz zur Verfügung. So wurde eine Alternative gebraucht. Man bediente sich eines auf der 3. Sohle angelegten Überhauens, welches dann auf 105 m nach Übertage aufgefahren wurde. Das das keine leichte Aufgabe war, bedarf keiner weiteren Erläuterung.[L6 S.90ff] Nach Fertigstellung des Freudenschachtes durch das Objekt 13, der nun auch zur Förderung genutzt wurde, baute man Schacht 34bis zur Skipförderung um und umging so das Problem der gebrochenen Förderung.[L5 2.2.4 S.4 ff]
Betriebsperiode
Nach der Normalisierung der Verhältnisse durch die Fertigstellung der Einrichtungen begann der normale Bergwerksbetrieb mit einem nochmaligen, schnellen Anstieg der Belegschaft. Zwischenzeitlich wurde die Schachtverwaltung dem 1948 gegründeten Objekt 7 angegliedert. Aufgrund der Bedingungen war der Zugriff auf das heiß begehrte Uranerz ziemlich schnell möglich, aber dessen Menge blieb dennoch im Vergleich zu den anderen Schachtverwaltungen im Objekt 7 zurück. Bereits am 01.09.1950 wurde das Gewinnungsobjekt zum Erkundungsobjekt mit Gewinnung zurückgestuft und nach und nach wurde ein großer Teil der Belegschaft in die im Kommen befindliche Schachtverwaltung Niederschlag III versetzt. Letztendlich wurden in den Schachtverwaltungen 34, Niederschlag I und II reichlich 3 Tonnen sogenanntes Metall gewonnen. Das war selbst zu dieser Zeit und dem getriebenen Aufwand ein ernüchterndes Ergebnis. [L5 2.2.4 S.4 ff] 1954 wurde dann der Betrieb eingestellt. Eine Verwahrung der Schächte erfolgte Anfang der 1970er Jahre durch den VEB Bergsicherung Schneeberg.
Episoden und Zeitzeugenberichte
Unfälle beim Ausbau waren selten, aber ein Unfall war doch mehr als kurios. Ein schlesischer Zimmerer wollte mit seinem Gesellen einen Türstock stellen. Brauchte er das verwendete Beil nicht, schlug er es in das Ausbauholz. Bei der Arbeit bemerkte er plötzlich, dass sein Geselle käsebleich umfiel. Er hatte beim gewohnten Einschlagen des Beiles dem Gesellen einen Finger abgehackt. [L6 S.113]
In die Geschichte der SV 34 ging auch ein Sabotageakt ein. Am 10.01.1949 gegen 6:00 Uhr morgens ereignete sich im Schachtbereich der SV 34 eine Explosion. Auf Grund deren Wucht wankte das Fördergerüst samt Umhausung. An einer der baumstarken Stützen fehlte dann ein etwa 1 m langes Stück, welches eine Haftladung vermuten ließ. Der Obersteiger und der Anschläger wurden daraufhin für mehrere Tage festgesetzt und vernommen. Schließlich wurden beide wieder freigelassen und waren weiter in ihren Ämtern tätig. Zu Schaden kam dabei glücklicher Weise niemand, denn die Seilfahrt hatte noch nicht begonnen. Es ist dem Berichten nicht genau zu entnehmen, welcher Schacht gemeint war, aber da die Seilfahrt behindert wurde, ist der Freudenschacht No. 34 mehr als wahrscheinlich. [L12 S.5 ff] und [L6 S.144]
Aus den amerikanischen Kriegsgefangenlagern kannte man das Phänomen, wenn man jemandem ein belangloses „Märchen“ unter der Bedingung der Verschwiegenheit erzählte, hatte dieses in zwei bis drei Stunden als Gerücht die Runde gemacht. Zum Schmunzeln, weil es harmlos blieb. Nicht so auf Schacht 34. Hier wurde eines Tages verbreitet, dass das untertägige Sprengmittellager an den und dem Tag in die Luft fliegt. Daraufhin weigerte sich die Frühschicht, einzufahren. Die ratlose Führungsmannschaft des Schachtes ging dann mit einigen beherzten Bergleuten vor Ort und stellte fest, dass es keinen Anlass zur Sorge gab.[L6 S.144]
Im Titusgesenk auf der zweiten Gezeugstrecke arbeitete einer der verlässlichsten Hauer des Schachtes und träumte davon, nach seiner Zeit als Bergmann zur See zu fahren. Sein Leben endete in jungen Jahren beim streng verbotenen Bohren einer nach dem Schießen stehengebliebenen Bohrlochpfeife. [L6 S.120]
Am Schachteingang befand sich das übliche Eingangshäuschen. Hatte einer keinen Schachtausweis mit, wurde er nicht eingelassen. So auch der sowjetische Schachtleiter. Freundlich, aber bestimmt erwiderte der Soldat auf das verständliche Bitten des Selbigen mit „Njet“. [L6 S.122]
Die Schachtleiter waren die Genossen Golowanow und später Slobodjanik. Offizielle Angaben habe ich jedoch nicht davon.
Helmut Schmiedel aus Kühberg war einer der Top-Brigadiere des Schachtes. Man sagte ihm Verdienste von 5000 Mark monatlich nach, von denen er auch an die unterstützenden Förderleute, Gleisleger, Zimmerleute und Schlosser abgab, um sie bei Laune zu halten und somit den Erfolg seiner Hauer zu untermauern. Es wurde, wie bereits erwähnt eine Zeit lang trocken gebohrt und Helmut bohrte auch dann noch trocken, als es längst verboten und die entsprechende Ausrüstung verfügbar war. Helmut hat dieses Spiel mit dem Silikosetod verloren und ging viel zu früh aus dieser Welt. [L6 S.125]
Namentlich überlieferte leitende Bergleute dieser Grube waren:
Schachtleiter Golowanov, Schachtleiter Slobodjanik.(L12 S. 5), Obersteiger Burkert[L6 S.125] , Oberschießmeister Wünschmann [L6 S.144], Hauptmechaniker Nestler [L6 S.127], die Reviersteiger Schmiedel, Egerer, Bergner, Höber [L6 S.127], die Steiger Albert, Böttcher [L6 S.147] Geologe & Radiometrist Harry Gritzner [L6 S.148], Hauptgeologe Willi Kampf [L6 S.148], Zimmerbrigadier Adolf Nestler[L6 S.148] — dieser Bergmann war auf Schacht 78 und später in Gera tätig
Zu den beiden Schachtleitern werden Zeitzeugenberichte von Reviersteiger Bergner im unteren Teil dieses Beitrages zu finden sein.
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Erkundungsschacht 327 Neudorf-Nord ( Schacht 327, Schurf 6, 7, 8, 9 )
Der Erkundungsschacht und seine Schürfe liegen um den Habichtsberg ( 799 m ü. NN ) herum und stellen die nördliche Grenze der Lagerstätte Bärenstein – Niederschlag dar. Die Arbeiten begannen im Jahre 1950 und wurden 1953 abgebrochen. Das Vorkommen Neudorf-Nord liegt 4 km NW-lich von Niederschlag-III, im Bereich der Hauptstörung. Die auf vier Sohlen (bis 170 m Teufe) untersuchten Gänge weisen ein Streichen von 340–20° auf. Bei den Auffahrungen fielen 9,9 kg Uran an. [L5 2.2.7 Seite 7 ff]
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Abb.: Übersicht Erkundungsschachtfeld 327 Neudorf – Nord, Kartenquelle: Staatsbetrieb Geobasisinformationen und Vermessung Sachsen, erstellt: geophys im Jahre 2009, Bildquelle: Familie Petzold / Neudorf -Mit freundlicher Genehmigung. Alle Rechte bei Bildquelle.
Es wurden etwa 6 Mineralgänge untersucht und teilweise auf Uran bebaut. Das Erkundungsfeld erstreckt sich auf 800 x 400 m. Noch heute kann man die Reste der Bauten gut ausmachen. Die SDAG untersuchte das Gebiet noch einmal in der 70ziger Jahren des letzten Jahrhunderts auf Spatvorkommen und brachte weitere 14 Bohrungen nieder. Dabei wurden auch 10 Schürfe an den Gangausbissen angelegt. [L13 S. 33]
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| Schächte | Ansatz | Teufe | Einfall. | Quersch. | Trümer | Sohlen | Zweck | Gebiet / Lage |
| Nr. | m ü. NN | in m | In ° | m² | Bemerkungen | |||
| Schacht 327 | 788 | 190 | 90 | 12 | +744 +674 +614 | Ge E | Teufe Januar 1950 – 30.08.1950 | |
| Schurf 6 | 776 | 36 | +744 |
|||||
| +744 |
E | |||||||
| Schurf 8 | 798 | 95 | +744 | E | Auffahrung auf +714 (?) vmtl. über Gesenk oder Riß falsch |
|||
| Schurf 9 | 783 | 90 | E | Füllorte nicht eindeutig zuordenbar |
||||
| Legende: Ge = Gewinnung und Transport, E = Erkundung, W = Wasserlösung, G = Gestellförderung, Sk = Skipförderung, F = Fahrtentrum WF= Wetterführun | ||||||||
Übersicht Tagesöffnungen [L13 S. 33]
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Typische Einrichtungen
Erzverladung Bahnhof Süd
Auf der heutigen Schlachthofstraße befand sich die Kipperrutsche zu den Fördereinrichtungen der Hochbunker. Von hier wurde das Armerz mit der Eisenbahn nach Lengefeld / Vgtl. transportiert.
Transportbetrieb
In Buchholz befand sich zwischen dem Hotel „Deutscher Kaiser“ und dem Gasometer ein Garagenkomplex (später wurde dann das Hotel abgerissen, das Gelände beherbergte dann eine große Werkstatt des VEB Kraftverkehr, diese steht heute noch, die Garagen existierten bis Anfang der 90ziger Jahre). Die „Eismann-Garagen“ wurden, wie alles andere auch einfach beschlagnahmt und hier war das Transportwesen eingerichtet. Zwischen Gelenau und Annaberg existierte beispielsweise eine Buslinie. Weiter wurden die Bahn und sogar Bauern mit Pferdegespannen verpflichtet.
Medizinische Versorgung
Ende der vierziger Jahre wurde ein ehemaliges Gymnasium in Annaberg zum Krankenhaus umgerüstet. Nur zur Erinnerung, zu dieser Zeit waren sechzehntausend Menschen mehr zu versorgen. Im Kurort Warmbad gab es ein sogenanntes Nachtsanatorium. Hier wurden produktive Bergleute nach Feierabend betreut. Das Krankenhaus (B) war bis in die 90iger Jahre in Betrieb und ist heute wieder Gymnasium. Das Sanatorium gehört heute der Bundesknappschaft.
Handel und Gastronomie
Eines der Beweggründe, Bergmann zu werden, war eine stabile Versorgung mit Lebensmitteln. Ein Aspekt der zu dieser Zeit in keiner der Besatzungszonen selbstverständlich war. In Annaberg wurden viele Geschäfte beschlagnahmt und der Wismut-Handelsorganisation zugeführt. So zum Beispiel die heutige Berufsschule an der Bärensteiner Straße. In dieser Zeit war sie ein Industriewaren – Kaufhaus. Viele Gasthäuser wurden als Zentralküchen genutzt. Hier sind zum Beispiel das heute „Forsthaus“, das „Waldschlösschen“ in Buchholz und der „Erzgebirgischer Hof“ am KÄT-Platz in Annaberg.
Sicherheit und Bewachung
Auch wenn es heute etwas übertrieben klingt, aber damals war Annaberg zum militärischen Sperrgebiet erklärt. Ein- und Ausreise waren nur mit einem Passierschein möglich. Die Schächte wurden durch Einheiten der Roten Armee bewacht. In einigen Büchern liest man auch von einer strengen Durchsetzung der Bewachungsrichtlinien. So sind mir zwei Todesschüsse von Wachsoldaten (am Schacht 116 und an den Eismann – Garagen) bekannt. Darauf will ich hier nicht eingehen. In dieser Zeit war vieles vorstellbar, was man heute nicht mehr versteht. Im heutigen Feierabendheim in Frohnau, nahe dem Schacht Bäuerin, befand sich eine Kaserne. Diese wurde zu Beginn der Tätigkeiten errichtet. Weiter ist im Stadtteil Gehrisch Ruh ein umzäunter Bereich bekannt, der dem sowjetischen Personal als Wohnbereich diente. Er erstreckte sich vom jetzigen Parkhaus bis etwa in Höhe Landratsamt.
Sport und Kultur
Im „Erzhammer“ und im „Glück Auf“ (heute Marx) wurden Kulturhäuser betrieben. Annaberg hatte als einige der wenigen Kleinstädte ein Theater. Als Sportverein war der SC Wismut Annaberg ein Begriff. Aus diesem Verein wurde zunächst BSG Motor Annaberg und nach 1990 der heutige VfB.
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Kalter Krieg und Stalinismus 
Abb.: Zeitgenössische Briefmarke
Bildquelle: Internet
Bild ist als Postwertzeichen Allgemeingut
Mit dem Einmarsch der Roten Armee in das Erzgebirge, wurde das dieses natürlich mit den Machtstützen totalitärer Regimes versehen. Das waren natürlich auch Geheimdienste und eine entsprechende Justiz. Eigens für die SAG Wismut gab es in Chemnitz / Kassberg eine Dienststelle. Mit der Ausgründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) am 07.10.1949 sollte das neue sozialistische Weltsystem manifestiert werden. Jeder der beiden deutschen Staaten sollte so in das jeweilige Bündnis der Siegermächte integriert werden.
In den Jahren 1950 bis 1953 war der sowjetische Geheimdienst MGB
besonders aktiv. Man warf den Betroffenen häufig Spionage o. ä. vor. Es kam zu Verhaftungen und Schnellgerichten, die meist hohe Haftstrafen oder sogar die Todesstrafe verhängten. Nach der politischen Wende 1990 öffneten sich die Archive und erst jetzt wurden Fälle bekannt, bei denen aus heutiger Sicht kein Verbrechen vorlag, für das man derart bestraft werden könnte. Eine hohe Dunkelziffer ist jedoch anzunehmen.
Bezugnehmend zu unserem Thema ist der Fall des Obersprengmeisters des Objektes 7 Rudolf E. bekannt. Am 03.11.1950 wurde er verhaftet und verschwand für immer. Erst 1994 wurde dann bekannt, dass er am 15.05.1951 in Halle/Saale durch ein Gericht des Sowjetischen Militärtribunals (SMT Nr. 48240) zum Tode verurteilt wurde. Dieses Urteil wurde am 14.08.1951 in Moskau vollstreckt. Man bedenke, dass die DDR offiziell ein souveräner Staat war. Jedoch steuerte die Sowjetunion über den Alliierten Kontrollrat weiter das Geschehen und die Angehörigen erfuhren nichts vom Verbleib der Betroffenen. Selbst der westdeutsche Kanzler Adenauer wurde bei seinem Antrittsbesuch 1955 in Moskau über die Vollstreckung von Todesurteilen der Sowjetunion an Deutschen im Unklaren gelassen. Man erfuhr erst viele Jahrzehnte später vom Terror dieser Jahre. Rudolf Ehrhardt wurde durch ein russisches Militärgericht 1994 rehabilitiert. [L14] In anderen Quellen liest man von etwa 80 Wismut-Angehörigen, die ein gleiches Schicksal hatten. Besonders stark war die Altersgruppe von 20 – 40 Jahren betroffen.
Hier sei noch einmal betont, dass es eine Zeit von zwei gegensätzlichen politischen Systemen war. Keiner der beiden lies den leisesten Zweifel seiner Gewaltbereitschaft gegenüber dem Anderen zu. Es tobte der kalte Krieg. Ich möchte hier nicht einseitig die Verbrechen des Einen darstellen ohne dieses ausdrücklich zu erwähnen!
Wer mehr dazu lesen will, der sehe sich mal dieses hier an.
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Zeitzeugenberichte
Der „Schicht-Russe“
Episode zum Augenzwinkern
aus Zeitzeugenbefragung von Hans Th. durch sehmataler entstanden
Es war nur zu verständlich, dass es unter den sowjetischen Bergleuten einige regelrechte „Deutschenhasser“ gab. Ein solcher war im Cunersdorfer Dorotheastolln ( SV 20/109 ) für die Beaufsichtigung der Bergarbeiter zuständig und wurde unter den Deutschen der Schicht-Russe Leo genannt. Sein Vorname war vielleicht Leonid. Er trieb die deutschen Bergleute an und bestrafte sie unnachsichtig. Wenn etwas nicht gleich klappte hieß es gleich: „Sabotasch“ oder „Faschista“ und es drohte dem Betreffenden der Verlust der damals so begehrten Essenmarke. Den Erzählungen der deutschen Bergleute vom Berggeist begegnete er mit Spott und Flüchen. War er aber wirklich gegen den Aberglauben gefeit? Eines Tages oder besser nachts versteckten sich zwei Bergarbeiter in von unten nicht einsehbaren Örtern des Felix Spat über dem Dorothea Stolln. Schon die Höhe der Streckenauffahrung und die versteckten, nach oben abzweigenden Abbauörter wirken hier im von allen Betriebspunkten abgelegenen Grubenfeld gespenstisch. Als gegen Mitternacht der Schichtrusse auf seinem Kontrollgang hier vorbeikam, fingen die zwei an zu jaulen und heulen, dass es einem durch Mark und Bein ging. Beim „Schicht-Russen“ hatten die Erzählungen über den Berggeist offenbar tiefere Spuren hinterlassen als gedacht. Vor Schreck die Haare unter dem Helm zu Berge stehend, flüchtete er zum Stollnmundloch und ließ sich die ganze Nachtschicht lang nicht wieder im Schacht blicken. Nach diesem Ereignis soll er angeblich die deutschen Bergarbeiter nachsichtiger und humaner behandelt haben als vorher. War dies nicht ein gelungener Beitrag zur „Deutsch-Sowjetischen-Freundschaft“ ( Schlagwort dieser Zeit )? Es soll hier aber nicht verschwiegen werden, dass die meisten sowjetischen Genossen trotz leidvoller Kriegserfahrung die deutschen Bergarbeiter loyal behandelten.
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Meine Erinnerungen an Deutschland und Annaberg
Erinnerungen des Wismut – Angehörigen Igor Jonkjenkwitsch Tolmatschow
Hauptgeologe von Schachtverwaltung 21 ( 1951 bis 1955 )
übersetzt mit Zuhilfenahme von Translatorsoftware prompt.de
Bericht 1
Ich bin 1951, kurz vor Ende meines Studiums „Kasachisches Berg- und Hüttenwesen“, in eine Spezialkommission nach Moskau beordert worden. Mir wurde ein vertraulicher Auftrag in Aussicht gestellt, dem ich zunächst nicht zustimmte. Ich wusste nicht worum es geht.
Nach Erlangung meines Diplomes und dessen Verteidigung, erhielt ich erneut einen Anruf aus Moskau. Er kam aus der Generaldirektion der „Verwaltung ausländischer Vermögen“ (GUSIMZ ) Diesmal war ich einverstanden. Ich erhielt 1951 ein Visum, um eine Arbeit im besetzten Ostdeutschland aufnehmen zu können. So ging ich also los und kaufte eine Fahrkarte. Ich fuhr dann mit 12 weiteren Geologen über Brest und Polen nach Frankfurt / Oder in Deutschland.
Dort wurden wir bereits erwartet und mit dem Bus in das sächsische Chemnitz ( Ortsteil Sigmar ) gebracht. Es war eine abenteuerliche Reise für uns. Wir waren jung, neugierig und interessiert. Der Krieg war erst gerade 6 Jahre vorbei und wir erfreuten uns an der wunderschönen Landschaft, einer gepflegten Wohnung und den sauberen Städten. Uns beeindruckten überall schöne Blumen in den Gärten, die Autobahn war genau so imposant wie das gut ausgebaute deutsche Straßensystem. Wir dachten aber auch an die von den Deutschen zerstörte Städte und Dörfer in unserer Heimat. Dabei vergaßen wir nicht, dass unsere Soldaten ebensolche Dinge in Deutschland getan haben (der Übersetzer: eine Aussage, die mir sehr nahe geht!)
Wir waren beeindruckt von diesem fremden Land, der uns unbekannten Sprache und waren neugierig, was uns hier erwarten würde. Wir waren voller Energie und Tatendrang.
Wir kamen also in Sigmar an, bezogen dann erst mal Zimmer in einem Hotel, welches streng bewacht wurde. Tags darauf wurden wir in die Hauptverwaltung der SAG Wismut eingeladen. Es war zu der Zeit eine große bürgerliche Villa. Wir wurden vom den Generaldirektoren Bugatov und dem Generalmajor Malzev begrüßt. Es waren noch weitere Offiziere und Soldaten anwesend.
Direktor Bugatov erläuterte uns die Ziele und Pläne zum Abbau des deutschen Uranerzes durch die SAG Wismut. Weiter informierten wir uns auch über die Strategien zur Erschließung neuer Lagerstätten und über die Richtlinien in der Zusammenarbeit mit dem deutschen Personal. Hier sollten Anpassungen vorgenommen werden, für die man uns ein Jahr Zeit gab. Hierbei wurde auf die bisher niedrige Effizienz, auf Grund der unerfahrenen Besatzung der Gruben der Anfangsjahre, verwiesen. Mit großem Lob wurde jedoch auf die oft sehr gefährliche Arbeit und alle Anstrengungen in diesen Jahren verwiesen. Mit der Ankunft neuer gut ausgebildeter Mitarbeiter sollte die Verfügbarkeit der Uranerzreserven gesteigert werden. Der Erkundungsplan sah vor, in kürzester Zeit, das Territorium der DDR (Ergänzung des Übersetzers: sowjetisch besetzter Teil Deutschlands von 1945 – 1990) auf weitere Vorkommen zu untersuchen. Ebenso lobend wurde der Einsatz des Geologen Nifontov und seiner Kollegen bei der Ersterkundung der erzgebirgischen Uranlagerstätten hervorgehoben, die einen Großteil der zu Beginn vorhandenen Halden, Gruben und Tagebaue auf Uranerz untersuchten. Das sei beispielgebend für die nun nachfolgenden Geologen.
Ich machte mich also auf den Weg in das Revier Annaberg, welches dem Objekt 111 unterstand. Ich wurde dort in einem mehrstöckigen Gebäude im sowjetischen Wohngebiet untergebracht (Ergänzung Übersetzer: vermtl. Villen um Gehrisch Ruh (Stadtteil Annaberg )). Dieses wurde von Soldaten der Roten Armee bewacht und war umzäunt. Ich erhielt meinen Lohn zu gleichen Teilen in Rubel und DM ( Ostmark ), sowie zusätzliche Lebensmittel- und Gebrauchsgüter – Bezugscheine. Wir erhielten in der Verwaltung des Objektes 111 spezielle Pässe. Georgi Konstantin Schukov ernannte mich zum Hauptgeologen von Schacht 21. Er wies auf dem Umstand hin, dass Schacht 21 den Erzplan nicht mehr erfüllte. Schacht 21 lag im Zentralrevier von Annaberg und war mit einem hohen Zaun mit Wachtürmen umgeben. Damals unterstand die Bewachung dem Bereich Berija (der Übersetzer: Chef des berüchtigten Geheimdienstes NKWD). Wir wurden eingekleidet und erhielten dazu Gummistiefel, Helm und Lampe. Es war gegen Mitternacht. Der erste Eindruck von Schacht 21 war ein Schock für mich. Ich befuhr eine Sohle in der Teufe von 120 m (der Übersetzer: +524). Wir sahen eine Menge Erzgänge ( der Übersetzer: Hier dauert die genaue Übersetzung der Fachbegriffe noch etwas ). Das Wasser lief in Strömen von der Firste und wir wateten knietief hindurch. Der Lärm der Bohrhämmer in den Bauen war ohrenbetäubend laut. Direktor Georgi Schukov erzählte unentwegt, ich verstand dadurch nichts. Wir stiegen noch weitere 100 m in den Berg und kehrten dann aber zu meiner Erleichterung an die Oberfläche zurück. Das war mein erster Tag auf Schacht 21.
Ich erinnerte mich an die Worte von Direktor Bugatov „ein Jahr der Einführung und Anpassungen an die Umstände“ So fuhr ich in den ersten drei Monaten jeden Tag ein und studierte alles ganz genau. Das sollte Früchte tragen, wie sich später heraus stellte. ( der Übersetzer: Stimmt, die Erzgewinnung stieg in den Jahren 1953 – 1957 extrem an ) Ich befuhr weitere Reviere im Objekt 111 und machte mich zum Verlauf der Erzformationen kundig. Ich erstellte einiges an Material zusammen und übergab es an die entsprechenden Institute weiter.
Eine weitere wichtige Sache war die Entwicklung der Deutschen und ich gab auch hier Berichte dazu für die entsprechenden Stellen in der sowjetischen Regierung ab. Ich entwickelte zudem meine Sprachkenntnisse und schon nach sechs Monaten konnte ich mich mit den deutschen Bergleuten besser verständigen. Ich benutzte auch den deutschen Bergmannsgruß „Glück Auf“, was so viel heißt wie „Komme gesund ans Licht zurück“.
Meine langjährige Tätigkeit in den Schächten zeigte immer wieder, wie gefährlich diese Arbeit war. Wir mussten mit Bedacht arbeiten und auf das kleinste Detail achten.
Annaberg ist eine mittelalterliche Stadt. Sie liegt ist eingebettet von steilen Hängen, malerischen Wiesen, Wäldern, Flüssen und Bächen. Sie liegt am Fuße des Pöhlberges, einem beeindruckenden Basalt – Gebilde und wurde um 1490 gegründet (der Übersetzer: 1496 genau genommen). Zwischen 1600 – 1850 wurde hier intensiver Bergbau auf Silber betrieben (der Übersetzer: na, genaugenommen etwa 200 Jahre früher). Einige wichtige Erze wie Nickel, Kobalt, Wismut und Pechblende wurden aufgefunden. Letztere wurde hauptsächlich für die Herstellung von Geschirr und in der Farbenindustrie verwendet. Besonders sei auf das Mineral Annabergit hingewiesen, das hier seinen Namen erhielt. Die Stadt pflegt ihre bergbauliche Tradition und es werden sehr schöne bergmännische Festumzüge gestaltet.
In der Tradition darf nicht vergessen werden, dass so bedeutende Wissenschaftler wie Agricola hier ihr Wirken hatten und bedeutend zur Erkenntnisgewinnung im Bergbau beigetragen haben. Die Freiberger Akademie hat einen Weltruf als bedeutende Bildungseinrichtung erworben.
Das Objekt 111 war eher klein und konnte sich nicht mit denen der Reviere Aue und Gera messen. Unter der Leitung der großartigen Experten Grischin und dann Stepanjuk hatte es jedoch ein großes Ansehen erlangt. Der Erzplan konnte immer erfüllt werden und es entwickelte sich ein gutes öffentliches Leben in der Stadt. Besonders der künstlerisch-kulturelle Sektor und der sportliche Bereich konnten durchaus mithalten und wurden durch die SAG Wismut entscheidend gefördert. Unter der Belegschaft herrschte eine gute Kommunikation und gegenseitiges Interesse vor. Die sowjetische Verwaltung stand in engem Kontakt mit den Bewohnern und Stadtoberen. Dazu trugen besonders die Kollegen Stepaniuk, Z. Solov „Eva, B. Skazobtsev, Anja Nazarkina, Valentin P. Nazarkin, Lena Kudriavtseva, Juri Anisimov, Zhora Lisovski, Flora Mazschenko, Jura Malzschenko, Prokhorov, A. Kashcheev, Eugene Bystrov, Lida Kryvicy, Larissa Tolmacheva, die Familie Smetugov, Maria Kiefer und viele Andere bei.
Nun sind 57 Jahre seit meiner Ankunft in Annaberg vergangen. Ich habe an diese Zeit meiner Jugend eine angenehme Erinnerung bewahrt und denke oft an diese großartigen Menschen.
Dies soll die erste Niederschrift meiner Erinnerungen sein. Weitere sollen das Ende der Stalin-Zeit und der daraus bedingten Geheimhaltung beschrieben werden. Wie ich sie erlebt und gesehen habe! Es war für uns nicht einfach und wir müssen noch viel daraus lernen! Trotz alledem sind und bleiben wir Patrioten der „Union der Sozialistischen Sowjet Republiken“ (der Übersetzer: UdSSR oder auf Russisch CCCP).
Ich bin jetzt Pensionär und lebe mit meiner Tochter in Neuseeland. Sie ist hier Musiklehrerin. Ich habe nach der Wismut – Zugehörigkeit 40 Jahre am Institut der Geo – Wissenschaften Kazachstans in Alma Ata gearbeitet (der Übersetzer: dieser Abschnitt wurde mit großen Schwierigkeiten übersetzt).
Bericht 2 von Igor Tolmatschow
übersetzt mit Zuhilfenahme von Translatorsoftware prompt.de
Das Objekt 111 bestand im Wesentlichen aus drei Bereichen:
1. dem Annaberger Objekt als Verwaltungszentrum und den noch in Betrieb befindlichen Explotations – Schächten 21, 28, 78, 33 (der Übersetzer: SV 21/49, 78/231 (da war der Schacht 33bis integriert)) die SV 116 war 1951 nicht mehr in Betrieb, wurde allerdings ab 1953 wieder in das Schachtkombinat 21/28/116 (Schacht 49 wurde abgeworfen) aufgenommen).
2.Das Objekt Marienberg mit einer Reihe von Schächten (der Übersetzer: wurde 1954 durch das Objekt 111 aufgelöst) lag etwa 30 km nordöstlich von Annaberg.
3.Das ehemalige Objekt 07 Bärenstein / Niederschlag (etwa 25km südwestlich von Annaberg an der Grenze zur Tschechoslowakei CSSR).
Das Objekt Niederschlag erstreckte sich an der Grenze zur Tschechoslowakei und liegt nur wenige Meter vom Grenzbach Pöhla entfernt. Auf deutscher Seite befanden sich dann steil aufsteigende Hänge, wo die Erzgänge mittels aufgefahrener Stolln erschlossen wurden. In den Höhenlagen dieser Hänge waren zwei Hauptschächte angelegt (der Übersetzer: 281 und 282, die Stalinschächte). Die zentrale Verwaltung bestand aus den Bereichen Produktion / Gewinnung, Geologie, Geophysik, Prozessplanung, einem Wirtschaftshof, dem unter anderem der Transportbereich, der Kindergarten und der sowjetische Club unterstand und nicht zu vergessen den Betriebsschutz.
Den einzelnen Bereichen stand je ein sowjetischer Leiter vor, der mit dem technischen deutschen Personal auf den Schächten zusammenarbeitete. Die Belegschaften der Gruben waren bunt gemischt. Vom ehemaligen Wehrmachtsangehörigen aus dem Afrikachorps , der bei den Westalliierten interniert war, bis zum Kriegsgefangenen, der in den sowjetischen Kohlegruben des Kussbass arbeitete. Man nannte die Bürger der Sowjetunion im Allgemeinen „Russen“ und ignorierte somit die jeweilige Republik des Vielvölkerstaates. Die Verwaltungen waren oft mit sowjetischen Militärangehörigen besetzt. Dienstgrade, wie Kapitän zur See oder Oberstleutnant waren keine Seltenheit. Einige von ihnen bereiteten die Übergabe dieser Funktionen an deutsche Bergleute vor. Hierbei setzte man auf SED – Genossen (der Übersetzer: allein herrschende kommunistische Partei im sowjetisch besetzten Deutschland).
Man tat dies, um den Übergang (der Übersetzer: zur SDAG) vorzubereiten, der nach dem Aufstand in Berlin 1953 angedacht war. Ich denke, die sowjetischen Fachleute in der Zusammenarbeit, wie auch im gesellschaftlichen Leben freundschaftlich und kooperativ. Man traf sich auch beim Sport, ging in die Schulen und Fabriken. Das erklärt vielleicht, warum es in den Gruben der Wismut in den Tagen der Unruhen ruhig blieb (der Übersetzer: Dem darf man zustimmen, auch deutsche Quellen belegen das). 1951 war die 1949 gegründete Deutsche Demokratische Republik 2 Jahre alt und ich kann von sich entwickelnden Kontakten zur deutschen Bevölkerung berichten. Wir gingen gemeinsam zu Maidemonstrationen, legten gemeinsam Kränze am Ehrenmal gefallener Sowjetsoldaten auf dem Annaberger Friedhof nieder und trafen uns mit der Stadtverwaltung und den Ordnungsorganen und achteten einander. Sehr viele Deutsche sahen uns „Russen“ nun mit anderen Augen und waren interessiert an unserer Kultur. Viele Treffen fanden statt, mit einem Abendessen und Wodka. Manchmal spielte ein Orchester und wir tanzten miteinander. Wir wussten um die Schrecken des Krieges gegeneinander. Derartige Treffen brachten aber schon bald eine Entspannung in die Beziehung zwischen den sowjetischen Spezialisten und den Deutschen.
Im Rahmen der Aufgaben des geologischen Dienstes musste ich auch einige hundertmal durch alte Grubenbaue klettern. Dazu möchte ich ein interessantes Beispiel anführen.
Eines Tages fuhr ich zum Schacht VIKTORIA. Dieser war nach einem bedeutenden Erzgang nordöstlich von Annaberg benannt.
Ein Gang ist eine Spalte im Gestein, die mit Mineralien – Quarz, Uranpechblende und anderen Mineralien gefüllt ist. Diese Gänge haben verschiedene Mächtigkeiten von Zentimetern bis Meter und erstrecken sich hunderte Meter bis Kilometer.
Der Schacht VIKTORIA war rings herum bewacht. Das Schachtgelände umgab ein hoher Zaun, auf Wachtürmen befanden sich Posten mit Maschinenpistolen. Das Tor zum Schachtgelände konnte man nur mit einem speziellen Ausweis passieren; auch dort standen Posten mit Maschinenpistolen. Ich kam auf den Schacht und ging ins Kabinett der Geologen. Dort traf ich den Bereichsgeologen Kurt Müller. Ich sagte ihm, er solle mich in Arbeitskleidung und mit Lampe zum Schachttor begleiten. Wir setzten uns in ein Auto und fuhren los. Kurt verstand erst nicht, worum es überhaupt ging. Dann habe ich ihm einen alten Grubenriss aus dem Jahr 1830 gezeigt, wo in etwa 2 km Entfernung vom Schacht unter dem Berg am Fluss ein weiterer Grubeneingang eingezeichnet war. Diesen Stolln haben wir dann gefunden. Es war ein Stollnmundloch mit 2 m Höhe und 1 m Breite. Das Mundloch war unter großen Sträuchern verborgen und sah deshalb ziemlich unscheinbar aus. Wir wateten durch das knietiefe Wasser des Stollns, aber nach einigen zehn Metern wurde es weniger (Neigung des Stollns zum Mundloch). Das Gewölbe des Stollns war oval, schmal und aus festen Steinen. Wir entschlossen uns weiterzugehen. Ungefähr bei 100 m entdeckten wir die in den Stoß gemeißelte Jahreszahl 1825, etwas weiter 1826. Dann fanden wir einige Gänge. Auf einem Gang war ein Gesenk. Wir beschlossen, erst einmal zu rasten. Kurt rauchte und wir fingen an, uns zu unterhalten. Sein Zigarettenrauch zog in das Gesenk hinab. Kurt und ich wussten sofort, dass der Rauch in Richtung unseres Schachtes VIKTORIA zog. Wir folgten dem Rauch und befuhren etwa eine Stunde lang das Labyrinth alter Grubenbaue. Als wir dann über unseren Schacht ausgefahren sind, begegneten wir arbeitenden Bergleuten. Für uns war das eine Sensation, für die Bewachung des Schachtes bedeutete es mangelhafte Professionalität. Man konnte einfach so in die Gruben eindringen, obwohl die Zeiten nicht gerade ruhig waren.
Besonders hat mir die alte deutsche Dokumentation in den Grubenrissen gefallen, die sehr klar und genau gefertigt waren. Es musste deshalb vorsichtig mit diesen wertvollen Archivdokumenten umgegangen werden.
Anmerkung: Einen „VIKTORIA“ genannten Schacht gab es in Annaberg nicht. Jedoch ist damit unzweifelhaft der Schacht Nr. 49 „Konstantin“ gemeint, da sich in dessen Grubengebiet der Gang „Viktoria Flacher“ (mit Uranerzführung) befand. Der Schacht 49 befand sich ab 1951 in der Nacherkundung, die sich bis Anfang 1954 hinzog. Außerdem gehörte die Grube in dieser Zeit zur Schachtverwaltung des Uranus. Das von Tolmatschew und Müller aufgesuchte Stollnmundloch war dann der König Dänemark Stolln. Dieser Stolln war damals keinesfalls unbekannt. Schon Anfang 1947 hat wurde er zu ersten Erkundungen befahren. In hydrogeologischen Unterlagen zum Hochwasser Ende Dezember 1947 ist ebenfalls die Ablaufsituation mit Wassermengen an bestimmten Messpunkten im König Dänemark Stolln erwähnte.
Unser Objekt 111 unterlag natürlich der Geheimhaltung und wurde in der Dokumentation mit dem Code-Namen ALTEI-TELEFON bezeichnet. Komsomolzen (der Übersetzer: Mitglieder der zentralen sowjetischen Jugendorganisation) und Mitglieder der KPdSU waren Code-Namen gebräuchlich. Spontane Besuche von z. B. Restaurants oder Gespräche über die Arbeit waren streng verboten. Besonders streng wurde der Verlust des Wismut – Ausweises oder eines dienstlichen Schlüssels bestraft. Wir lebten dadurch in ständiger Angst und es war eine enorme nervliche Belastung. Um Depressionen zu verhindern, wurden Sportwettkämpfe, touristische Ausflüge oder Besuche von anderen sowjetischen Kollektiven in anderen Objekten der SDAG Wismut organisiert. Es wurden auch Geburtstage, Hochzeiten und Kindesgeburten der Kollegen gefeiert. Diese reglementierten Lebensumstände sollten Vertraulichkeit und Disziplin sichern. Nicht zu vergessen, dass wir durch den kalten Krieg des Westens dazu gezwungen wurden.
Einige Worte zum Todestag von STALIN.
Zu dieser Zeit teilte ich mir das Zimmer mit Schenja Buistrowin. Er hatte das Radio eingeschaltet und wir hörten erschüttert die Nachricht, dass STALIN am 05.03.1953 verstorben ist. Wir bekamen aus dem Objekt die Nachricht, uns dort zu einer Trauerfeier zusammen zu finden. Als wir den Saal betraten, war der Saal bereits überfüllt (etwa 200 Menschen). Der Objektleiter hielt die Trauerrede und würdigte dabei die Führerschaft Stalins beim Sieg über den Faschismus in den Kriegsjahren 1941-1945.
Es war ein Phänomen. Das Volk liebte Stalin und die um ihn vergossenen Tränen waren echt.
Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass die Deutschen Stalin mit Hitler gleich setzten. Sie befanden sich ja noch in den Jahren des politischen und wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Gerade hierbei war die SAG Wismut für Tausende ein Hoffnungsschimmer. Sie brachte ihnen Arbeit und eine gute Versorgung mit Lebensmitteln. Und so ist dieser Vergleich nicht verwunderlich. Aber auch der Tod Stalins veränderte das strenge Regime in den Schächten der SAG Wismut nicht.
Auf Schacht 21 arbeiteten zu jener Zeit auch sowjetische Soldaten in der Grube. Sie sortierten das Erz in den Hunten. Deutsche Bergleute kippten sie dazu aus. Diese Arbeit war sehr schwer und auch gesundheitsschädigend. Nach dem Schichtwechsel versammelten sich häufig diese Soldaten und ich unterrichtete sie in der Bergbaukunde und der Methodik des Auffindens des Erzes. Nach meinen monotonen Ausführungen kam es vor, dass sie eingeschlafen waren. Ich konnte das verstehen und setzte diese Schulungen beharrlich fort. Viele von ihnen waren keine 20 Jahre alt.
Besonders gefährlich waren die Erzbunker der Probezeche. Hier sortierten Soldaten und Offiziere das Uranerz in verschiedene Güteklassen. Sie verpackten die schwarze Pechblende in Pappeimer und nähten diese dann mit Stoff ein. Der Bunker war voller Erzstaub, doch es gab keine Lüfter, um diesen abzusaugen. Die Offiziere nahmen dann die Verladung auf Eisenbahnwaggons vor und bereiteten diese für den Abtransport in die Fabriken der Sowjetunion vor. Sie hatten von daher einen verkürzten Arbeitstag. Alles lief sehr organisiert ab. Bedenken zum Arbeitsschutz kamen zunächst nicht auf. Erst später hielt er Einzug und es wurden dann auch Deutsche für diese Arbeiten eingesetzt.
Das Jahr 1955 war für mich ein glückliches Jahr. Zum Einen gebar meine Frau Larissa Valentinova meinen Sohn Leonid und zum Anderen kehrten wir wieder nach Alma-Ata zurück. Zu guter Letzt habe ich eine Aufnahmeprüfung an einer Akademie der Kasachischen Sowjetrepublik bestanden. Das Studium schloss ich 1961 erfolgreich mit einem Diplom ab, das ich dann auch noch in Moskau verteidigen konnte. In diesem Jahr bekam meine Frau Larissa unsere Tochter Olga. Das war ein unvergessliches Ereignis.
Heute sind beide erwachsen und gehen jeder ihren eigenen Weg.
Schachtleiter Golowanow ( erster Schachtleiter bei Aufwältigung der Schächte 34 / 34bis )
( angelehnt an einen Bericht von Walter Bergner, Reviersteiger Schacht 189 [L6 S.131ff]
SL Golowanow vertraute man den Aufbau der Schachtverwaltung 34 in Bärenstein an. Er war klein von Statur und erschien zäh und drahtig. Er trug ständig eine Pistole am Gürtel, die er auch in der Grube nicht ablegte. Er lebte mit Frau und dem deutschen Kater Fritz in der ehemaligen Geßner – Villa in Bärenstein.
Abb.: die Geßner-Villa,
Domizil der sowjetischen Schachtleiter
Aufnahme aus dem Jahr 2009
Bildquelle: Archiv geophys
Hier befand sich auch die Verwaltung des Schachtes. Man empfand seine Frau als den eigentlichen Kommandeur der Familie. Sie hatte Mann und Kater fest im Griff. Der Kater war der Liebling der Frau und von Golowanow eher nur geduldet. Dieser Kater wurde in jener Zeit recht vorsichtig, denn ehe er sich versah und wenn die Golowanowa nicht zu sehen war, bekam er schon mal einen Tritt. In einer Planbesprechung in der Villa bemerkten die heran Beorderten ein großes Wurst-Paket auf einem Fensterbrett und das Bestreben von Fritz, dieses für sich zu gewinnen. Golowanow bemerkte es, brüllte laut „Faaschiist“ und versetzte dem Kater einem Hieb. Der Kater flüchtete in Panik und ward nimmer gesehen.
Golowanow rauchte stark, doch hatte seine Frau die Kontrolle über sämtliche Tabakwaren. Sie betrieb einen munteren Handel damit und beschaffte sich so wertvolle Dinge. Nun wurde zu dieser Zeit 1947 in vielen Gärten Bärensteins Tabak angebaut und es bahnte sich eine gute Ernte an. Aber es kam ganz anders und ein Hagelschlag vernichtete die erwartete Rekordernte. Man versuchte die zerfetzten Reste des Tabaks in Backöfen zu trocken und es entstand eine neue Tabaksorte mit dem Namen „Hagelschlag“.
So ist es nicht verwunderlich, dass der „Hagelschlag“ auch den Weg ins Titusgesenk fand und so die geschulte Nase des umtriebigen SL Golowanow erreichte. Man bot ihm eine Selbstgedrehte an. Und nun schlauchte der geplagte Golowanow des Öfteren bei den Bergleuten im Gesenk. Dabei verloren sich ganz langsam seine Vorbehalte gegen Deutsche.
Zu seinen Eigenarten gehörte es, vorzeitiges Ausfahren durch das Schließen des Schachtdeckels zu verhindern. Er stellte sich dann persönlich darauf.
Golowanow arbeitete dann über mehrere Monate einen sowjetischen Angestellten ein. Eines Tages stellte er ihn dann als neuen Schachtleiter vor und verabschiedete sich überraschend. Viele deutsche Führungskräfte empfanden die Art und Weise Golowanows in dieser Beziehung als sehr vorbildlich und gewissenhaft.
Es folgten Golowanow einige hier nicht weiter erwähnte Schachtleiter, welche allesamt als wenig charismatisch oder sogar inkompetent wahrgenommen wurden. Dann kam allerdings SL Slobodjanik.
{FL}
Schachtleiter Slobodjanik – Schachtleiter Schachtverwaltung 34 [L6 S.133ff]
Während bei Schachtleiter Golowanow anzunehmen ist, dass er der Roten Armee entstammte und somit die Grauen des Zweiten Weltkrieges erlebte, so scheint dies bei SL Slobodjanik anders. Wir vermuten, er entstammt der Folgegeneration von gut ausgebildeten Bergleuten, die ganz gezielt für diese Aufgabe in der Sowjetunion ausgewählt und verpflichtet wurden. Er genoss eine große Beliebtheit unter den Bergleuten in Niederschlag.
Ich zitiere:
“ Es war nicht zu fassen, einfach unglaublich, dieser Mann kümmerte sich um alles. Zu jedem Schichtwechsel war er auf dem Schacht. Dabei informierte er sich über den Stand aller Arbeiten und erteilte neue Aufträge. Kein Abbau war ihm zu hoch, keine Strecke zu nass oder zu schmutzig. Überall kroch Solbodjanik mit hinein, auch wenn es gefährlich war. Über Tage prüfte er die Werkstätten, das Magazin, die Normabteilung und die Finanzbuchhaltung, nichts entging seinen Augen“ …
„Duckmäusertum konnte er nicht leiden und wir bekamen den Eindruck, er wollte unser Verhalten testen. Wenn ein Steiger seinen Standpunkt mit aller Konsequenz verteidigte, dann akzeptierte er diesen auch. Siegfried Schmiedel schloss einmal einen Disput mit den Worten des Götz von Berlichingen ab und knallte die Tür hinter sich zu. Da holte ihn Slobodjanik lachend zurück, klopfte ihm anerkennend auf die Schulter und meinte ‚karascho‚“ < in Ordnung >.
Anders als viele andere sowjetische Führungskräfte und Spezialisten mied er auch den Kontakt zu Deutschen und deren Familien nicht. Er ging zu geselligen Zusammentreffen der Belegschaft und erwarb auch deshalb ein hohes Ansehen unter ihnen. Wir wissen heute, dass das seitens der Administration nicht erwünscht war.
Walter Bergner beschrieb es so: „Die einfachen Menschen finden eben schnell eine gemeinsame Sprache.“
Stark beeindruckt und in großer Ehrfurcht vor den Helden jener Zeit schließe ich mit diesen Worten diesen Zeitzeugenbericht über Schachtleiter Slobodjanik.
{FL}
Wassereinbruch bei Schnellvortrieb Querschlag 17 (im Schachtkombinat 21/116) [a3]
einführend:
In den Jahren 1954/55 wird aus Kapazitätsgründen eine Verbindung zwischen den Grubenfeldern des Schachtes 116 (war zu diesem Zeitpunkt wieder in Betrieb) und des Schachtes 21/21bis in Form dieses Querschlages geschaffen. Dabei wurde nur durch Umsicht eines Steigers eine Katastrophe verhindert. Ein vom Steiger angewiesenes Vorbohren eines Langloches bewahrte die Beteiligten vor dem, was Martin Tost im Folgenden beschreibt:
Schilderung eines Beteiligen, Orginalabschrift aus M.Tost „Im Wismut-Bergbau“, leicht angepasst zulesen unter [L8 Band 2 S. 46ff]
„… ergibt 9 ATÜ Druck!
Diese Wassermenge des Saurüssels hätten sich in wenigen Sekunden mit der Fallgeschwindigkeit von 9,8 m/sek in den Querschlag ergossen. Mit diesem Tempo auf die Strecke hinaus, rechts nach Blindschacht 1001, die Wasserflut in ihm hinab, nach links auf das Füllort des Uranus 2 zu, die Ausbauten der Strecke mit sich reißend, die Gesteinsmassen der Sohle = Gleisbettes dazwischen. Eine Sperre von Holz, Schlamm und Schienen, wie Hunten. Nimmt man an, 20 bis 30 tote Bergleute dazwischen. Einen Zugang zu diesem Chaos gab es nur vom Uranus 1 aus. Auf Wochen wäre der ganze Schacht …“
{FL}
Kurzportrait – Vladimir D. Senin (Schachtleiter Schacht 78 von 1950 – 1954)
Mit freundlicher Genehmigung der Organisatoren von http://www.wismut.su . Sinngemäße Übersetzung.
СЕНИН ВЛАДИМИР ДМИТРИЕВИЧ [Z4]
Vladimir Dimitriewitsch Senin

Работал в СГАО ВИСМУТ два срока: с октября 1950 по апрель 1955гг. на шахтах Объекта 4(7) и с июля 1963 по сентябрь 1968гг. Наиболее трудным и интересным периодом является первая командировка, После окончания в 1950 году Казахского горно-металлургического института, по прибытии в АО Висмут был назначен начальником шахты No78 объекта 4 (7) под Аннабергом. На шахте из советских специалистов был только главный геолог Зобин В.В. и небольшой коллектив военнослужащих, которые занимались обслуживанием геофизической аппаратуры. Знакомство с горными работами, специфику добычи руды пришлось осваивать в самые сжатые сроки, так как спрос за выполнение плана по добычи металла с первых дней был по полной программе, причем самый жесткий.
Er arbeitete in zwei Perioden in der SDAG Wismut. Eine von Oktober 1950 bis April 1955 im Objekt 111 Annaberg (Korr: der Übersetzer — ab Juli 1950 hieß das Objekt 04/07 so), die Andere von Juli 1963 bis September 1968. Aber die interessanteste und schwierigste Zeit erlebte er in Annaberg. 1950 aus dem kasachischen Institut für Berg- und Hüttenwesen kommend, wurde er schnell zum Schachtleiter von Schacht 78 ernannt. Die Grube hatte nur wenige sowjetischen Mitarbeiter, den Hauptgeologen Sobin W.W. und ein kleines Team Geophysiker. Das bergmännische Wissen zum Abbau von Uranerz musste er sich in kurzer Zeit aneigenen, um die anspruchsvollen Vorgaben zur Gewinnung des Metalls erfüllen zu können.

Рис. .Главный геолог ш.No78 Зобин Виктор Владимирович
Hauptgeologe Schacht 78 V. V. Sobin
Положение в начальный период усугублялось недостатком опыта, а вернее его отсутствием, руководством огромным коллективом и полным незнанием немецкого языка. Огромную помощь на первых парах оказал мне главный геолог Зобин Виктор Владимирович, с которым я работал в тесном контакте, а также немецкие специалисты, особенно оберштайгер Лео Гран. Благодаря ежедневному общению с немецкими специалистами, практически ежедневному спуску в шахту, я уже через месяц мог самостоятельно ориентироваться в шахте, понимал смысл сказанного, а также мог довести до слушателя свои мысли на ужасном подобии немецкому языку.
Die erste Zeit auf dem Schacht war von einem Mangel an Erfahrung, den fehlenden Deutsch – Kenntnissen, aber auch von einem tollen Team, welches ihn auch während seiner Abwesenheit unterstützte, geprägt. Eine denkbar große Hilfe war mir der Geologe Viktor V. Sobin, mit dem er eng zusammen arbeitete. Aber auch die deutschen Fachleute, allen voran Obersteiger Leo Grahn, waren sehr kooperativ. Die tägliche Arbeit in der Grube und der Kontakt mit den deutschen Experten verhalf ihm dazu, schnell einen Überblick über das Geschehen zu bekommen.

Рис. .Оберштайгер Лео Гран, Сенин В.Д., нач. ОТК Дерябин М.
Obersteiger Leo Grahn, Schachtleiter Senin, Haupingenieur Debjabin (Schacht 78)
После восстановления шахты No21 меня перевели на неѐ в той же должности. Шахта находилась в черте города Анаберг и порода, выдаваемая из шахты на терриконик, грозила завалить жилой дом. Необходимо было для выдачи породы через шахту находящуюся поблизости пройти к ней сбойку – квершлаг. Для проходки этого квершлага была организована бригада, которая за месяц одним забоем в крепчайших породах прошла 385м.
Nach der Wiederherstellung/Aufwältigung des Schachts №21 wurde ich auf diesen im selben Amt versetzt. Die Grube befand sich im Weichbild der Stadt Anaberg und das Gestein, das aus der Grube auf die Terrakonik ausgebracht wurde, drohte ein Wohnhaus zu verschütten. Es war notwendig, für die Masseförderung über einen in der Nähe befindlichen Schacht zu ihm seitlich einen Querschlag aufzufahren. Für die Auffahrung dieses Querschlages wurde eine Brigade organisiert, welche im Monat mit einem Vortriebsort in härter werdenden Gesteinen 385 m auffuhr.

Бригада скоростной проходки квершлага
Schnellvortriebs-Brigade des Querschlages
Шло время и на шахте постепенно начали появляться специалисты различных специальностей: горняки, маркшейдеры, механики, и т. д. Присылали даже таких, которые не то, что по-немецки, но и по-русски, то ничего не понимали. В свободное время организовывали поездки на экскурсии. Регулярно устраивались танцы. Особенно много было свадеб. Для их проведения была выделена отдельная квартира. Однако свою избранницу, я встретил в вагоне поезда, когда ехал в очередной отпуск, а она направлялась в институт города Алма-Аты. В 1954г. в г. Хемниц у нас родился первенец – Леонид.
Mit der Zeit sind auf dem Schacht verschiedene Spezialisten angekommen: Bergleute, Markscheider, Mechaniker (Schlosser) und andere. Es kamen aber auch solche, die weder deutsch noch russisch verstanden (Anmerkung: Kasachen aus den Bergen?).
In der Freizeit wurden Ausflüge organisiert. Immer wieder war Tanz und es gab viele Hochzeiten. Für die Hochzeitsfeiern gab es extra Quartiere/Wohnungen. Meine Frau habe ich im Zug kennengelernt, als ich in den Urlaub fuhr. Sie fuhr ins Institut in der Stadt Alma Ata. 1954 wurde in Chemnitz unser 1. Kind geboren – Leonid.
18 января 2011г.
Literaturhinweise
Hier geht es zu einer Fernbibliothek
BERGKNAPPSCHAFT Schlettau e.V. (Hrsg.) (2006) * Schlettauer Bergleute erinnern sich. – Eine Dokumentation zum sowjetischen Uranerzbergbau in der Nachkriegszeit im sächsischen Erzgebirge, Schlettau * Enthält Zeitzeugenberichte von Schlettauer und Annaberger Gruben sowie Fotos
AUTORENKOLLEKTIV (1995):
Beiträge zur Geschichte der Wismut in Sachsen * Sächsische Heimatblätter 41. Jahrgang Heft 5/95 * Dresden
Inhalt besteht aus gegliederten Themenbeiträgen ohne regionale Schwerpunkte zu setzen.
KUBE, Felix * Zeichnungen F. Kube * Fotos; Dokumente, Zeichnungen und kurze Texte über Annaberg und Umgebung
BEYER, Klaus (2004) * Der Uranerzbergbau der SAG / SDAG Wismut im Lagerstättenbereich Annaberg-Marienberg-Bärenstein-Niederschlag.
* Schriftenreihe der Traditionsstätte des Sächsisch-Thüringischen Uranbergbaues im Kulturhaus „Aktivist“ in Schlema, Heft 14, Bad Schlema
* Inhalt entspricht i.w.S. der Wismutchronik, erweitert um einige Fotos, Skizzen und Textpassagen
PETRAK Andreas W. * „Fichtelbergbahn – Auf schmaler Spur von Cranzahl nach Kurort Oberwiesenthal “ * Bildverlag Thomas Böttger * mehrere Bilder von Schachtanlagen des Bärensteiner/Niederschlager Bereichs Achtung, Bilder erst in 2. Auflage ( Augen auf beim Kauf )
LANGE, Rolf / * „Die Wismut in Marienberg“ Band II * * Zeitzeugenberichte Martin Tost von Schacht 21bis und 116
SIEBER, S. * „Uran und Uranbergbau“ Natur und Heimat * 6. Jg., H. 2, S. 40—44 Dresden 1957
SCHLEGEL und BERGNER „550 Jahre Bergbau in und um Bärenstein im Erzgebirge“ * Informationsbröschüre der Gemeinde Bärenstein mit einem rührend formulierten und sehr informativen Bericht zu den Arbeiten der Schachtverwaltung 34 in Bärenstein. [FL]
Tabellen mit den Tages- und Blindschächten wurden aus Daten von [L5] , [r2] und [L13]
zusammengestellt.
Literaturverweise:
[L1] Wismut-Traditionsverein – Ans Licht Gebracht – Wismut Kumpel erinnern sich :: 1993
[L2] Förderverein Pferdegöpel Johanngeorgenstadt – Frank Teller :: Umbruch Aufbruch Abbruch … :: 2009
[L3] Institut für soziale Bewegungen – Ralf Engeln :: Uransklaven oder Sonnensucher? :: 1998
[L4] BERGstraße – Joachim Reim :: FESTSCHRIFT zum 500-jährigem Jubiläum der Stadt Buchholz :: 2000
[L5] Wismut GmbH – Autorenkollektiv :: Chronik der Wismut (CD-ROM) :: 1999
[L6] EZV Bärenstein – G.Schlegel und W.Bergner :: 550 Jahre Bergbau in und um Bärenstein im Erzgebirge
[L7] Weisbachania Heft 26 – Stefan Kunze :: Der Himmlisch Heer Richtschacht in Cunersdorf bei Annaberg
[L8] Rudolf Lange :: Die Wismut in Marienberg :: 2007
[L9] Kirchheimer, Franz :: 1963 :: Das Uran und seine Geschichte :: S.63
[L10] Schiffner, Claus :: :: SDAG Wismut „Auch anderenorts bemühte …“ :: S.34ff
[L11] Druck- und Verlagsgesellschaft Marienberg – Beyer,Kaden,Raasch,Schuppan :: Wismut-Erz für den Frieden? :: 1995
[L12] Bergknappschaft Schlettau e.V. – Jürgen Ziller :: Schlettauer Bergleute erinnern sich :: 2006
[L13] Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie :: KUSCHKA :: Die Uranerz-Baryt-Fluorit-Lagerstätte Niederschlag bei Bärenstein und benachbarte Erzvorkommen
[L14] Roginskij, Arsenij „Erschossen in Moskau“: Die deutschen Opfer des Stalinismus auf dem Moskauer Friedhof Donskoje 1950-1953 S. 144
Verweise Internet
[i1] http://de.wikipedia.org/wiki/Bedingungslose_Kapitulation#Japan_.E2.80.93_September_1945
[i2] http://de.wikipedia.org/wiki/Alliierter_Kontrollrat#Konstituierung
[i3] http://de.wikipedia.org/wiki/Uran#Geschichte
[i4] http://de.wikipedia.org/wiki/Marie_Curie
[i5] http://de.wikipedia.org/wiki/Antoine_Henri_Becquerel
[i6] http://de.wikipedia.org/wiki/Reparationen
[i7] http://de.wikipedia.org/wiki/Sowjetisches_Atombombenprojekt#Z.C3.BCndung_der_Bombe
[i8] https://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~EC1F95D0E48AC408F829C9B248A307DEA~ATpl~Ecommon~Scontent.html
[i9] http://de.wikipedia.org/wiki/Rainer_Karlsch
[i10]http://de.wikipedia.org/wiki/Bikini-Atoll
[i11]http://forum.untertage.com/viewtopic.php?f=1&t=3524&start=24
[i12]http://www.merkur.tv/projekte_obninsk.pdf
Bildquellen:
[b1] Lizenz: Creative Commons-Lizenz Attribution ShareAlike 2.5Bildquelle:Joachimsthal,Bohemia,Czechoslovakia Creative commons http://minerals.no-ip.com/Minerals/html/Pichblende1.html
Zeitzeugen:
[Z1] R.L. :: Frohnau :: Interview Februar 2008
[Z2] G.L. :: Annaberg – Buchholz :: Interview Winter 2009
[Z3] H.G. :: Sehma :: Interview Juli 2010
[Z4] Senin, Vladimir Dimitriwitsch :: Russland :: April 2011 :: Mit freundlicher Unterstützung Angrej Andrejew (Moskau – www.wismut.su)
Geologisches Achiv der Wismut GmbH
[a1] ZeBWis E.W. Stand: Juli 1995 ( überarbeitete Version )
[a2] „Bericht über geologische Erkundungsarbeiten im Objekt 4 vom Jahr 1947“ Inv. Nr. M-59, Seiten 3/6 ff. und „Geologischer Tätigkeitsbericht der Jahre 1948-1949“, Inv. Nr. M-25, Band II, Seiten 325-365
[a3] Archiv Rolf Lange / Drehbach Ortsteil Spinnerei (Mit freundlicher Genehmigung)
Risswerk
[r1] Schnick: Grund-Riß von dem Berggebäude Drei König Stolln nebst einen Teil von Gottvertrauen Fdgr. – 1809, nachgetragen bis 1838,SächsBergAFg, Fisk. Erz, III.D.i.1
[r2] Übersichtsrisse der Wismut GmbH :: Frohnau und Annaberg :: nicht näher benannt
Unterstützende Zuarbeit und Mitwirkung
[u1] Verein Altbergbau „Markus-Röhling-Stolln“ Frohnau e.V. Vorsitz: M. Schwan Mitwirkend: F. Seeliger
Korrekturlesung: der Foren – User UHG
Autorenvermerk
{SK} — Stefan Kunze
{FL} — Frank Lange
Nutzungsbedingungen
Diese Publikation unterliegt dem Urheberrecht. Sie darf für nur für den Eigenbedarf gedruckt werden. Eine kommerzielle Nutzung bleibt ausgeschlossen. Eine Weitergabe als Ausdruck an einen Interessierten bzw. Veteranen der SAG/SDAG Wismut ohne Internetanschluß wird toleriert. Bei größeren Stückzahlenist die Zustimmung des Autorenteams erforderlich.
Bitte beachtet, dass bei diesem Werk immer der jeweilige Erkenntnisstand zu Grunde liegt. Wir sind bemüht, unsere Ausführungen immer aktuell zu halten und dokumentieren Veränderungen im fortlaufenden Forenbeitrag.
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