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Das strahlende Geleucht
Wartungsanleitung für elektrische Ni Cd/Fe Grubenlampen

von Michael Kitzig

1.0 warum elektrisches Geleucht?

In der praktischen Bergbauforschung sowie den verwandten Bereichen wie z.B. Höhlenforschung ist die Verwendung einer zuverlässigen Lichtquelle ( und natürlich entsprechende Notreserve )  schon aus Sicherheitsgründen oberstes Gebot. Ganz ohne Licht wird nämlich die Orientierung selbst in einem gut bekannten Grubengebäude sehr rasch völlig unmöglich.
Das haben natürlich schon die Alten erfahren müssen, und nicht ohne Grund erscheint in den Bergmannssagen der Berggeist häufig mit einem besonders hellen Licht und gibt den in Not geratenen Bergleuten Öl auf die Lampe...
In alten Grubenbauen finden sich deswegen auch immer wieder Vorratsfläschchen mit Öl.
Das offene Geleucht, betrieben mit Öl oder Fett („Unschlitt“) war über Jahrhunderte die einzige Lichtquelle, denn die ach so „romantischen“  Fackeln  eigneten sich schon damals wegen der erheblichen Rußbildung und des hohen Sauerstoffverbrauches nicht und sollten auch heute höchstens schlecht gemachten Kino- Produktionen vorbehalten bleiben.
Wer schon einmal eine echte „Froschlampenbefahrung“ probiert hat, weiß den Entwicklungsfortschritt des bergmännischen Geleuchtes wirklich zu schätzen!
Eigentlich kaum vorstellbar, daß man mit so was in die Grube gefahren ist- selbst der kleinste Wetterzug löscht die Flamme sofort aus, von Tropfwasser ganz zu schweigen... und dann gab es nicht mal Streichhölzer, sondern nur Feuersteine zum wieder anzünden!
Auf das eventuell noch brennende Geleucht der Kameraden sollte man sich nämlich- damals wie heute- nicht verlassen!
Praktische Bedeutung (für stationäre Zwecke) haben da heute nur noch Kerzen.
Der unbestrittene Vorteil der o.g. Lichtquellen ist allerdings, daß sie „matte Wetter“, d.h. Sauerstoffmangel oder CO2- Seen anzeigen. Brennbare Gase können sich allerdings daran entzünden, und diese gibt es durchaus nicht nur im Kohlebergbau, sondern auch als Fäulnisgase, meist im Wasser gelöst, in Erzgruben.
In bestimmten Sonderfällen kann daher auch heute noch eine Benzin-Wetterlampe ihre Anwendung finden. Das Verhältnis: Lichtausbeute zum Gewicht, ist allerdings extrem ungünstig, und zum reinen Prüfen des Sauerstoffes in den Wettern eignet sich auch ein Feuerzeug, dessen Flamme bei etwa 16% Sauerstoff (in 0 m ü. NN) erlischt.
Durchaus eine Alternative, in der Höhlenforschung sogar bevorzugt, ist auch heute noch die Karbidlampe, und zwar in ihrer Ausführung mit getrenntem Entwickler und Brenner am Helm, damit man die Hände frei hat. Das Geleucht hat den unbestrittenen Vorteil, daß man jederzeit untertage den Betriebsstoff nachfüllen kann und so, genug Reserve- Karbid vorausgesetzt, eine praktisch unbegrenzte Brenndauer erreicht. Es gibt – ohne Reflektor- eine gute Raumausleuchtung und mit Reflektor einen weichen Übergang des Lichtkegels, eignet sich aber nicht zur Ausleuchtung langer Strecken, hoher Abbaue oder dergleichen. Schließlich kann man noch seinen Kaffee über der Flamme wärmen; dazu sind sogar mal extra Modelle entwickelt worden.. . Die Empfindlichkeit gegenüber Wetterzug ist sehr gering; allerdings sorgt ein Tropfen Wasser an der richtigen Stelle (Düse) für sofortige Finsternis. Für kurze Befahrungen lohnt sich die Inbetriebnahme kaum, und der Karbid“duft“ im Auto nach der Befahrung ist auch nicht jedermanns Sache.
Karbidlampen sind auch nichts für Beamte, denn sie wollen ständig bewegt werden und eignen sich somit auch wenig für`s Biwak. Das gilt auch für die sogenannten Beamtenlampen!
Und dann ist da noch der Sicherheitsaspekt: mit der offenen Flamme, zumal am Helm und damit „unbeobachtet“, können so einige Dinge unliebsame Bekanntschaft machen: Fledermäuse, der Kameraden Hosenböden, brennbare Flüssigkeiten in Maschinenräumen und –besonders tückisch- das Kletterseil, an dem man gerade hängt!
Karbidlampen gehören in erfahrene Hände, sonst brennt ganz schnell mal der Helm (selbst erlebt) oder der Kamerad steht plötzlich im Dunkeln und dampft aus dem Pulli, da sich der Schlauch vom  Entwickler gelöst hat.., nicht auszudenken, wenn der jetzt mit dem Feuerzeug hantiert hätte!
Der vermeintliche Vorteil des Erkennens matter Wetter existiert nur bedingt; dabei soll sich die Flamme etwas rötlich färben. Auf das Verlöschen sollte man lieber nicht warten, denn mir liegt ein Bericht aus dem Jahr 1943 vor:
Im Kaliwerk Kaiseroda hatte es da einen heftigen CO2- Ausbruch gegeben, bei welchem sich das Gas wie Wasser aus dem Schacht über den Zechenplatz ausgebreitet hat. Die anschließende Bewetterung gestaltete sich schwierig, da sich das CO2, schwerer als Luft, nur schwer aus dem Schacht drücken ließ und einen Spiegel bildete. Um diesen zu kontrollieren, ließ man Bergleute im Korb einfahren und hängte unter diesen als Indikator eine Karbidlampe.

Zitat: Es ergab sich, daß diese Lampe gegen CO2 wesentlich weniger empfindlich ist als der Mensch, da trotz der unverändert unter dem Korbe brennenden Lampe ein Mann auf diesem bewußtlos wurde!
Soweit zu diesem Thema.. .
Benzin- und Gasdrucklampen eignen sich gut für`s Biwak und stationäre Zwecke, sind aber sonst zu erschütterungsempfindlich. Weiterer Vorteil: man kann Socken drauf trocknen. Petroleumlampen rußen untertage fürchterlich!
Elektrisches Geleucht hat natürlich auch seine Nachteile: keine Wetterdiagnose (Feuerzeug mitführen!), Akkus in der Regel nicht unter Tage nachladbar, und es bedarf einer gewissenhaften Wartung und Pflege, da man der Lampe von außen nie ansieht, wie lange sie wohl halten wird?!
Aus diesem Grund gibt es diesen Artikel; für die Pflege von Karbidlampen gibt es gute Tips bei den Höhlenforschern!
Selbstverständlich benutzen wir heute moderne elektrische Kopflampen; die kiloschweren Mannschaftslampen gehören ins Museum und Taschenlampen aus dem Supermarkt am besten auf den Müll.
Für die Zukunft scheint die Entwicklung weißer Leuchtdioden interessant zu werden; zur Zeit gibt es jedoch wohl kaum etwas robusteres als die kommerziell nach strengen Normen gefertigten Bergbau- Lampen, die ich im folgenden vorstellen werde.
Für einen guten Tausender in der Neuanschaffung kann man ja auch einiges erwarten... .

2.0 Elektrische Kopflampen

In Deutschland  trifft man im allgemeinen auf Fabrikate folgender Hersteller: CEAG, FRIWO und GLZ (Grubenlampenwerk Zwickau). Außerdem sind Fabrikate des britischen Herstellers OLDHAM in Verwendung. Es gibt verschiedene Modellreihen mit unterschiedlichen Eigenschaften, auf die ich im folgenden näher eingehen werde. (nur die gebräuchlichsten Typen)
Pflege und Wartung der unterschiedlichen Typen sind aber weitgehend identisch.

2.1 CEAG (Herstellerangaben)

Typ  MLC 4.1 MLC 5.1   MLC9  HLE 7
         
Akkukapazität:     11 Ah     14 Ah       9 Ah 7 Ah
Ladespannung:    5,0 V     5,1 V     5,1 V     230 V
Glühlampe 3,75 V:     1,0 / 0,5A     1,0 / 0,5A     0,4 / 0,8A 0,4 / 0,8A
Brenndauer Hauptwendel: 10 h 12-13 h 0,4/0,8A 0,4/0,8A
Brenndauer Nebenwendel: 20 h 24 h 19h ca.17h
Abmessungen:        
Höhe     160 mm 203 mm  181 mm 181 mm
Breite  124 mm 170 mm 156 mm 156 mm
Tiefe  60 mm 63mm 45 mm  45 mm
Kabellänge:   1400 mm 1400 mm 1400 mm 1400 mm
Masse:   2,0 kg 2,3 kg 1,6 kg 1,8 kg
Besonderheiten:   gedrungen groß flach  s.u.

Zur HLE 7: Dieser Typ besitzt ein eingebautes 230 V Ladegerät mit dem Nachteil, daß dessen Gewicht zusätzlich mit herumgeschleppt werden muß. Außerdem arbeitet er nicht mit den üblichen Naßzellen, sondern mit den gegenüber Tiefentladungen viel empfindlicheren gasdichten Zellen. Ist aber praktisch für kurze Aktionen unterwegs. Die Lampe darf wegen des EX- Schutzes nur mit der dazugehörigen Ledertasche betrieben werden.

Ich bevorzuge selbst die MLC 9, welche es inzwischen in der Version 9.2 gibt: Diese ist etwas höher, da die Entgasung des Lampendomes verbessert wurde. Außerdem gibt es neue Akkus, erkennbar an anderen Kammerhoffröhrchen und an einem tiefer markierten Laugenstand. Diese neuen Akkus haben deutlich mehr Kapazität; Werksangaben dazu liegen mir nicht vor, aber nach eigenen Messungen erreichen die Zellen 12- 14 Ah. Damit steht die MLC 9.2 einer 5.1 in der Brenndauer nicht mehr nach und ist um einiges handlicher und leichter.

Für Sonderzwecke, d.h. lange Einsatzzeiten, kann man sich eine MLC 4.1 umbauen auf Silber- Zink Zellen und erreicht damit zweimal 18 h großes oder 36 h kleines Licht und könnte somit gut 70 h unterwegs sein. Umbauanleitung siehe unten.

Alle CEAG- Lampen gibt es sowohl in einer EX- geschützten Ausführung (Verschluß mit Dreikantschraube) als auch in einer schlagwettergeschützten Ausführung, die weitaus häufiger ist. Letztere kann man nur mit einem Spezialmagneten öffnen, so daß ggf. ein Umbau des Verschlusses ratsam ist (siehe dort).

2.2 FRIWO (Friemann und Wolf GMBH, Duisburg), Herstellerangaben

Typ:         14202 14303
Ladespannung:   3,4 V 5,2 V
Akkukapazität:  14 Ah (zweizellig)      14 Ah (dreizellig)
Glühlampe:      2,5 V 1,0 / 0,5 A 3,75 V 1,0 / 0,5A
Brenndauer Hauptwendel:  12-13 h  12-13 h 
Brenndauer Nebenwendel: ca. 25 h ca. 25 h
Maße(L x B x H): 113 x 46 x 182 mm   129 x 59 x 182 mm
Gewicht (Gehäuse):   1,46 kg   2,05 kg

Der traditionsreiche Hersteller hat die Grubenlampenproduktion leider eingestellt, so daß es wohl bald Engpässe mit Ersatzteilen geben wird. Leider habe ich nur für die oben angeführten Typen Werksangaben. Wie bei CEAG auch, gibt es noch zahlreiche Beamtenmodelle, die jedoch für den praktischen Gebrauch ausscheiden, da sie durchweg sehr geringe Brenndauer wegen des kleineren Akkus haben. Für die Herren war halt keine volle Schicht vorgesehen. Zu beachten ist weiterhin, daß die verwendeten Glühlampen zwar ähnlich aussehen, aber untereinander nicht passen, da die CEAG- Ausführung länger ist. Die Ladestecker sind selbstverständlich auch unterschiedlich, bei den oben angeführten Modellen der Hersteller aber untereinander gleich; ältere Modelle des gleichen Herstellers können aber verschiedene Stecker erfordern! Die Kabellänge wird bei FRIWO mit 1300 mm angegeben, also doch besser eine CEAG für lange Leute!

2.3 GLZ (Grubenlampenwerk Zwickau)

Hier sind mir zwei Kopflampen- Typen bekannt, und zwar ein zweizelliger mit 2,3 V Birne und 13 Ah Akku und ein dreizelliger mit 3,6 V Birne und 12 Ah Akku. Die Birnen haben je 0,5 / 1,0 A Wendeln. Werksangaben habe ich leider nicht.
Die Betriebszeiten dürften bei gut gepflegten Exemplaren ähnlich der CEAG / Friwo Modelle sein. Besonders gute Akkus sind mir aber bis jetzt noch nicht untergekommen, obwohl die Produktion dem Vernehmen nach noch laufen soll.
Die im markanten Trabi- Grau gehaltenen Lampen weisen Besonderheiten auf:
Akku und Unterteil sind eine Einheit! Deshalb hat wohl der zugehörige Lampenriemen eine Schutzplatte, damit niemand mit eventuell auslaufendem Elektrolyt in Berührung kommt.
Ansonsten ist es allgemein üblich, den Akku in ein separates Gehäuse- Unterteil zu stecken.
Außerdem sind die Leitungen mit den Batteriepolen verschraubt und nicht wie üblich mit Federkontakt verbunden. Beim hastigen Akkuwechsel kann da schon mal was abreißen!

2.4 Fa. Oldham, GB

Kopflampen in der Größe und den Daten einer MLC 9. Allerdings wird hier ein Bleisammler mit allen seinen Nachteilen benutzt (siehe Akkuwartung). Das Kopfstück hat keine Zweifadenbirnen, sondern getrennte für Haupt- und Nebenlicht, ersteres als Halogenbirne, was ein weißeres Licht ergibt (sofern der Bleiakku mit macht).
Werksangabe liegen mir auch hier leider nicht vor, Betriebserfahrungen ebenfalls nicht.

{mospagebreak}3.0 Akkutypen

Es soll hier nicht auf die chemisch / physikalischen Grundlagen eingegangen werde, sondern auf die für die Praxis wichtigen Parameter der jeweiligen Zellen.

3.1 Bleiakku

Häufigster Typ: Autobatterie. Bleizellen arbeiten mit Bleielektroden und verdünnter Schwefelsäure als Elektrolyt. Beim Laden steigt die Dichte des Elektrolyten an und kann als Indikator für den Ladezustand verwendet werden: bei Ladeschluß um 1,24 g/cm³. Im geladenen Zustand sind die Kathoden spröde und können bei starken Erschütterungen und auch beim Gasen (Überladung) beschädigt werden; es setzt sich dann am Boden der Zelle Bleischlamm ab, der schließlich zu einem Kurzschluß führen kann. Im entladenen Zustand sulfatieren die Platten zum Teil irreversibel, deshalb den Akku nie ungeladen stehenlassen und von Zeit zu Zeit nachladen. Dasselbe gilt für die gasdichten Blei- Gel Zellen. Bleizellen haben nicht den berühmt- berüchtigten „Memory-Effekt“ wie bei Ni-Cd, so daß es Unsinn ist und den Zellen sogar schadet, sie turnusmäßig zu entladen.

Vorteile: Billig und leicht zu laden.
Nachteile: schwer und verhältnismäßig wenige Ladezyklen. Man muß immer daran denken, nachzuladen, sonst stirbt der Akku irreversibel. Überladung mit „gasen“ schadet.
Gel- Akkus entwickeln recht schnell hohe Innenwiderstände und haben sehr lange Ladezeiten.

3.2 NiCd oder NiFe Akkus

Das Verhältnis Leistung/Gewicht ist auch nicht besser als bei Bleizellen; allerdings können bei richtiger Pflege sehr viel höhere Zyklenzahlen erreicht werden. Elektrolyt: Kalilauge. Laugenstand und –Dichte sind kein Indikator für den Ladezustand! Den Naßzellen macht es nichts aus, tiefentladen jahrelang herum zu liegen, solange sie nicht ausgetrocknet sind.  Der Memoryeffekt ist zu beachten (s.Ladung). Durch bestimmte Bauarten erreicht man weitgehende Erschütterungsfestigkeit.
Vorteile: extrem robust, sehr kurze Ladezeiten, verzeihen mangelnde Wartung weitgehend.
              Nicht umsonst werden für tragbares Geleucht fast ausschließlich NiCd genutzt!
Nachteile: teuer, mäßiges Leistungs/Gewichts Verhältnis. Memory- Effekt.

3.3 Silber / Zink Zellen

Elektrolyt: höchstkonzentrierte Kalilauge. In Deutschland für Grubenzwecke ungebräuchlich, da zu wartungsintensiv (Es gab allerdings mal Versuche).Waren allerdings im Bestand der NVA vorrätig zum Betrieb russischer Funkgeräte. Die Zellen zersetzen sich bei Lagerung im geladenen Zustand; genau das wurde bei der Armee für den „V-Fall“ aber getan, daher der schlechte Ruf! Trotzdem sind alle paar Monate Lade/Entladezyklen durchzuführen.
Vorteile: unerreichtes Leistungs/Gewichtsverhältnis auf kleinstem Raum. Erschütterungsfest.
Nachteile: extrem teuer, extrem wartungsintensiv und empfindlich.

3.4 Gasdichte NiCd- Zellen

Diese sind inzwischen in der Unterhaltungselektronik weit verbreitet, nicht jedoch bei Grubenlampen (Ausnahme: HLE 7), da sie bei Tiefentladungen schnell und irreversibel einen internen Kurzschluß ausbilden.
Vorteile: gutes Leistungs/Gewichtsverhältnis, wartungsfrei. In jedem Fall lageunabhängig.
Nachteile: sehr empfindlich bei Tiefentladung, Memory- Effekt. Umständliche Ladeprozedur.

Fazit: für Grubenlampen am besten geeignet sind nasse NiCd – Zellen!
 

4.0 Ladevorgang und Ladegeräte

4.1 Bleiakku

Das Laden von Bleiakkus ist technisch relativ einfach zu realisieren, da diese immer mit einer Konstantspannung geladen werden. In der Regel liegt diese bei 2,3 V pro Zelle, wobei die Werte bei Gelzellen je nach Herstellerangabe etwas abweichen können und hier auch kritischer sind. Gelzellen bestimmen dann ihren Ladestrom selber und nehmen, wenn sie voll sind, kaum noch Strom bei der vorgeschriebenen Spannung auf. Eine höhere Ladespannung kann aber die Zellen (irreversibel) austrocknen, während man bei Naßzellen in einem solchen Fall mit destilliertem Wasser nachfüllen kann. Das Gasen, das in diesem Fall auftritt, ist aber auch der Lebensdauer abträglich. Insbesondere Gel- Zellen nehmen auch einen zu hohen Anfangs- Ladestrom übel (Herstellerangabe!), so daß ggf. eine Ladestrombegrenzung Sinn macht. Zum Laden kann man sich natürlich ein Labornetzteil mit einstellbarer Spannung und einstellbarer Strombegrenzung kaufen. Deutlich billiger kommt die folgende Schaltung:

4.1.2   Ladegerät für Bleizellen und NiCd Naßzellen

Es empfiehlt sich, in Serie zum Akku noch ein Amperemeter zur Überwachung des Ladestromes zu schalten. Geladen wird bei der voreingestellten Ladespannung, bis der Akku kaum noch Strom aufnimmt. Die Lampe zur Strombegrenzung kann je nach Zellentyp ggf.  entfallen, da der LM 317 selbst auf 1,5 A begrenzt. Auf ausreichende Kühlung ist zu achten!

4.2 NiCd und NiFe Zellen

Bekannt ist hier das Ladeverfahren mit konstantem Strom über eine vorgegebene Zeit. Dieses Verfahren muß bei gasdichten Zellen eingehalten werden; bei Grubenlampen mit Naßzellen kann zwar auch so verfahren werden; es ist jedoch nicht üblich. Der Grund dafür ist, daß in der Zeche die Lampen nach der Schicht nur teilentladen abgegeben werden (wäre ja auch schlecht, wenn die Sicherheitsreserve schon aufgebraucht wäre) und daher die notwendige Ladezeit natürlich nicht bekannt ist.
In der Praxis lädt man daher auch diese Lampen mit Konstantspannung, und zwar mit etwa 1,7 V pro Zelle, somit bei dreizelligen Akkus mit rund 5 V und bei zweizelligen mit 3,4 V.
Da der Anfangsladestrom einer entladenen Lampe sehr hoch sein kann, begrenzt man den Ladestrom mit einem Leistungswiderstand um 0,1 – 1 Ohm (ausprobieren) auf ca. 2,5 A für die oben angegebenen Lampentypen. Parallelschaltung mehrerer Lampenakkus, natürlich mit je einem eigenen Widerstand und Amperemeter, ist zulässig. Der Akku ist voll, wenn er nur noch ca. 100 mA aufnimmt.
Bei diesem Ladeverfahren nimmt man in Kauf, daß die Zellen zum Ende der Ladung gasen, was durch deren besondere Konstruktion aber weitgehend unterbunden wird. In der Zeche wird die Lampe ja nach 16 Stunden wieder benutzt, so daß dieser Zustand auch nicht lange anhält. Wer aber nicht von „seinem“ Bergwerk leben kann und in der Woche seinem Brötchenerwerb nachgehen muß, ist gut beraten, dem Ladegerät eine Schaltuhr vorzusetzen, welche die Ladezeit auf ca. 16 Stunden begrenzt. Kurz vor den Einsatz kann man noch mal nachladen, der Selbstentladung wegen. Merke: Eine vollgeladene Grubenlampe ist nach ca. 6 Wochen Standzeit praktisch leer!
Zum Ladegerät: Bei Zweizellern empfiehlt sich wieder das Labornetzgerät oder auch die Schaltung unter 4.1.2. Bei Dreizellern haben wir es einfacher: hier gibt es fertig auf 5 V eingestellte Spannungsregler ( 78S05), Gehäuse wie LM 317, deren Flansch auch gleich an Masse liegt und somit nicht isoliert zu werden braucht. Oder man besorgt sich ein Computernetzteil; hier brauchen nur noch die 5 V intakt zu sein. Strom liefert es reichlich; den Widerstand nicht vergessen!

Selbstbau- Ladestation; man beachte die zweckmäßige Zeitschaltuhr! (und den Messerschärfer...)

Wenn möglich, sollte man nicht über das Kopfstück laden (der Zentralstecker ist Minus!), sondern den Lampendom abnehmen, denn die beim Ladevorgang entstehenden (explosiblen!) Gase können die Kontakte korrodieren!
Warnhinweis!!
Auf  keinen Fall während des Ladevorganges über das Kopfstück die Lampe öffnen!
Einem Kameraden ist dabei durch den entstehenden Funken mit konsekutiver Knallgasexplosion das Gehäuse um die Ohren geflogen!

4.3 Silber/Zink

Diese Zellen lassen sich im Prinzip genau so laden wie NiCd. Ich war immer vorsichtig und habe auf „Formierung“ geladen (siehe Kap. Wartung), aber auch Ladung mit Konstantspannung ist erfolgreich angewendet worden. Zu beachten ist allerdings die  Zellenspannung von 1,5 V!

4.4 Gasdichte NiCd

..dürfen auf keinen Fall mit Konstantspannung geladen werden. Hier gilt in der Regel die Formel: Ladestrom = 1/10 der Kapazitätsangabe über 14 Stunden, also bei einem 7 Ah- Akku 700 mA über 14 Stunden, der Strom muß konstant gehalten werden. Das einzig in Frage kommende Geleucht, die HLE 7, hat eine entsprechende Ladeelektronik und darf ständig am Netz verbleiben.

5.0 Messung der Kapazität

Will man sich auf seine Lampe auch verlassen können, ist es unabdingbar, die tatsächliche Kapazität des Akkus zu kennen, denn diese bestimmt unmittelbar die Leuchtdauer. Eine Lampe, deren Akku auf 14 Ah kommt, brennt mit einer 1 A Hauptwendel auch 14 Stunden. Man kann etwas tricksen und eine 0,4/0,8 A Birne verwenden und hat dann etwas länger etwas dunkleres Licht.
Wichtig ist also die Messung der Kapazität unter Betriebsbedingungen, d.h. Entladung des vorher voll geladenen Akkus mit 1 bzw. 0,8 auf ca. 2 V bei Zweizellern und ca. 3 V bei Dreizellern. Bei Entladung mit 1 A erhält man direkt die Kapazitäts- Angabe in Ah.

5.1 Ein einfaches Kapazitätsmeßgerät

Die eigentliche Messung übernimmt eine Uhr, z.B. eine alte PKW- Uhr, welche vor Beginn der Messung auf 00:00 Uhr gestellt wird. Die Uhr wird über die zweite Schaltebene des Relais betrieben und bleibt stehen, wenn dieses abfällt, weil der Akku leer ist. Dies ermöglicht die spätere Zeitablesung. Auch Quarzuhren kann man nehmen, wenn das Relais den Quarz aufschaltet.
Das Poti wird einmalig auf die Entlade- Schlußspannung (siehe oben) eingestellt.

{mospagebreak}6.0  Akkuwartung

Der Akku ist das pflegeintensivste Teil der Lampe. Selbstverständlich gehört dazu eine regelmäßige äußere Reinigung, das Abwaschen von Kristallbelägen, gängige Schrauben, blank geputzte Kontakte und deren sorgfältiges, dünnes Einfetten, am besten mit einem Wattestäbchen.
Achtung: NiCd- Laugenzellen können nicht mit Batteriefett von der Tankstelle behandelt werden, da dieses nicht laugenbeständig ist. Hier eignet sich am besten Silikonfett (Cenu- Paste) vom Klempner.
Bei der Reinigung dürfen keine Metallspäne, Fett und dergleichen ins Innere der Zellen gelangen. Außen abspülen am besten gleich nach dem Laden; dann gasen sie noch und es kann kein Leitungswasser hinein gelangen. Dann den Akku trocken putzen und auf eventuelle undichte Gehäusestellen prüfen; kleinere Risse mach der Lötkolben dicht. Alle Gerätschaften, welche für die Wartung von Bleibatterien benutzt worden waren, ins -besondere Gefäße, Säureprüfer und auch angebrochene Batteriewasser- Kanister, dürfen niemals wieder für die Wartung von NiCd Zellen benutzt werden.Umgekehrt gilt das gleiche.

6.1 Bleizellen

Hier gilt als oberstes Gebot: sie dürfen niemals leer gelagert werden.  Also unmittelbar nach dem Gebrauch gleich wieder laden. Wie bereits oben erwähnt gibt es keinen Memory- Effekt.
Im vollgeladenen Zustand wird der Säurestand geprüft und ggf. durch nachfüllen von extra dafür vorgesehenem „Batteriewasser“ korrigiert. Die Säuredichte soll bei Ladeschluß und 20° C gemessen 1,24 betragen und braucht eigentlich nur korrigiert zu werden, wenn tatsächlich Säure verschüttet wurde. Im Gegensatz zu NiCd bringt Säurewechsel kaum einen
Kapazitätsgewinn.

6.2 NiCd und NiFe Zellen

6.2.1 Aufbau

Die kaum noch gebräuchlichen NiFe- Zellen erkennt man an ihrem metallischen Äußeren. NiCd Zellen haben Kunststoffgehäuse, gasen weniger und kommen mit einer kleineren Ladespannung aus. Zur Erhöhung der Lebensdauer sind die Anoden (positive Pole) mit sog. Röhrchenelektroden ausgestattet.

6.2.2 Kammerhoffentgasung und Zellenverschluß

Damit die beim Laden entstehenden Gase entweichen können, ist eine Verbindung mit der Atmosphäre nötig. Andererseits darf keinesfalls Lauge auslaufen, auch wenn die Lampe mit dem Benutzer Kopf steht. Technisch lösen dieses Problem die sog. Kammerhoffröhrchen, welche im Fall der MLC 9 eine Einheit mit den Verschlußstopfen bilden. Hier sollte man auf die Gummidichtungen achten, welche im Falle eines zu starken Anziehens leicht zerquetscht werden können. Etwas umständlich ist das Öffnen der Zellen bei FRIWO: beim ersten Mal sind die vorgesehenen Öffnungen zu durchstechen; anschließend braucht man eine Original Verschlußschraube, um sie wieder dicht zu bekommen. Also möglichst keine ganz neuen Zellen kaufen, Ersatzteilversorgung siehe oben.. .
Öffnen braucht man die Zellen allerdings nur zum Ausgießen; nachfüllen von Lauge und Wasser kann mit einer 20 ml Spritze vom Arzt und einer „Nr1“ Kanüle (gelbe Kennfarbe) durch die Kammerhoffröhrchen erfolgen.
Letztere können ihre Funktion aber nur erfüllen, wenn der Laugenstand stimmt (s. unten).


 

6.2.3 der Elektrolyt

Der Elektrolyt ist Kalilauge (KOH) mit einer betriebsmäßig schwankenden Dichte von 1,15 bis 1,21 g/cm³. Neue Lauge bei der Erstfüllung hat eine Dichte von 1,17 g/cm³. Die zum Nachfüllen nach dem Auswaschen zu verwendende Lauge soll eine Dichte von 1,21 g/cm³ haben, da diese wieder durch verbliebene Wasserreste verdünnt wird. Das regelmäßige Wechsel der Lauge wird deshalb erforderlich, weil Kalilauge CO2 aus der Luft über die Zellenentlüftungen aufnimmt und dadurch langsam inaktiviert wird. Die Hersteller empfehlen einen jährlichen Wechsel, in CO2- reichen Gruben sogar öfter. Benutzt man die Lampe nur ca. wöchentlich, braucht ein Wechsel i.d.R. erst nach ca. 2-3 Jahren zu erfolgen; gerät man bei der Befahrung in einen CO2- See, braucht man sich über die weiter Lampenwartung sowieso keine Gedanken mehr zu machen.. .
Der Füllstand ist auf den Gehäusen mit einer unteren Markierung versehen, welche niemals unterschritten werden darf, da die Zellen sonst austrocknen und Schaden nehmen.
Benötigt man die Batterie längere Zeit nicht, sollte man sie ganz bis oben mit dest. Wasser auffüllen; bei Wiederinbetriebnahme muß dann selbstverständlich ein Laugenwechsel vorgenommen werden. Der obere Füllstand wird durch ein oder zwei Linien markiert, zwischen denen sich der Elektrolytspiegel befinden soll. Keinesfalls darf darüber hinaus aufgefüllt werden, da sonst die Kippsicherheit nicht mehr gewährleistet ist. Der obere Teil der Zellen wird durch die sog. „Dochtwirkung“ benetzt. Eine weitere Sicherheit bieten die bereits beschriebenen Kammerhoffröhrchen. Wie bereits erwähnt, läßt der Laugenstand keinen sicheren Rückschluß auf den Ladezustand zu. In der Regel ist er aber im voll geladenen Zustand höher und sollte nur dann mit dest. Wasser korrigiert werden.
Der fällige Laugenwechsel geschieht hingegen ausschließlich im entladenen Zustand.

6.2.3   Elektrolyt ansetzen

Zum Laugenwechsel benötigt man Kalilauge mit einer Dichte von 1,24, zum Füllen neuer Silber-Zink Zellen von 1,40 g/cm³. Wie bereits erwähnt, altert die Lauge durch Aufnahme von CO2 aus der Luft, so daß es wenig Sinn macht, sich fertige Lauge zu besorgen und diese dann zu bevorraten. Wir setzten die Lauge also immer frisch und in der benötigten Menge an, wenn wir sie brauchen. Eventuelle Reste können in einer dicht schließenden Kunststoffflasche noch einige Tage aufbewahrt werden.
Das zum Ansetzen benötigte Wasser bekommen wir im Baumarkt als „Batteriewasser“. Es darf  keine Ionen und insbesondere kein Chlor enthalten. Den Behälter immer gut verschlossen halten, wegen dem CO2! Die benötigte Menge läßt sich gut mit einer (neuen) 20 ml- Spritze abmessen.
Das dann noch benötigte Ätzkali gibt es natürlich bei den Herstellern und soll dort noch mit einigen geheimen Zusätzen versehen sein, welche aber m.E. nicht zwingend nötig sind. Das Herstellerkonzentrat hat „technische Qualität“, ist also verunreinigt, so daß man die Lösung einige Zeit abgedeckt stehen lassen muß, bis sie klar geworden ist.
Da man Kleinmengen bei den Herstellern kaum bekommen dürfte, kauft man in der Apotheke Ätzkaliplätzchen („Rotulis“), das Kilo für ca. 40 DM. Für den stolzen Preis erhält man dann aber auch eine saubere Qualität, so daß die Lösung nicht abstehen braucht. Zum Mischen nehmen wir ein sauberes Glasgefäß, da die Lösung beim Ansetzen heiß wird.
Ein vorheriges Auswischen mit Batteriewasser kann nicht schaden.
Dann brauchen wir noch eine Schutzbrille, denn die Lauge ist stark ätzend und verursacht auf der Haut vorerst keine Schmerzen (wie Schwefelsäure), sondern nur ein „seifiges“ Gefühl.
Eventuelle Spritzer auf Augen, Haut  und Kleidung sollen sofort mit viel Wasser gespült werden. Die Kaliplätzchen werden dann vorsichtig ins Wasser gegeben, nicht umgekehrt! Die Lösung kann dabei sehr heiß werden!

Zum Einstellen der Dichte gibt es mehrere Methoden:

  1. 1 Gewichtsteil Kaliplätzchen auf 2,85 Gewichtsteile Wasser (für 1,24 g/cm³).
  2. 100 ml Lauge auf  124 g abwiegen. Die Lauge muß dazu auf  20° C abgekühlt sein!
  3. einfachste Methode, da man keine Waage benötigt: spindeln! Es gibt nämlich im Fachhandel, mitunter sogar im Baumarkt Dichteprüfer für Blei-Säurebatterien, deren Spindel mit beschrifteten Markierungen in g/cm³ versehen sind. Man muß nur intensiv danach suchen! Eventuell vorhandene farbliche Markierungen ohne g/cm³ Angabe dürfen natürlich bei der (zweckentfremdeten) Verwendung in Kalilauge nicht beachtet werden. Die Spindel wird dann markiert und darf dann in Zukunft nie für Schwefelsäure Verwendung finden! Es werden also in eine abgemessene Menge Wasser vorsichtig Kaliplätzchen gegeben, bis die Dichte von 1,24 g/cm3 erreicht ist.
    Achtung: für die Messung muß die Lauge auf  ca. 20°C abgekühlt sein; inzwischen abdecken!

Zum besseren lösen der Plätzchen kann man mit der Spindel oder einem Glasstab vorsichtig rühren, wobei keine Luft untergerührt werden darf.
Die Methode 3 versagt bei der Herstellung von Lauge Für Ag/Zn Zellen mit 1,40 g/cm³ Dichte, da die Spindeln diesen Bereich nicht mehr erfassen. Hier bleiben nur die Wiegemethoden. Im übrigen ist diese Dichte so ziemlich die stärkste Lauge, die sich überhaupt herstellen läßt. Das Auflösen der Kaliplätzchen kann da sehr lange dauern und auch ätzende Dämpfe bilden, also besser im Freien ansetzen. Augenschutz und Handschuhe tragen!

6.2.4  benötigte Laugenmengen:

Akku Laugenmenge in ml beim Nachfüllen Pro Zelle
MLC 4.1 8 ml
MLC 9 10 ml (ältere Zellen, hohe obere Füllmarke)
MLC 9.2 8 ml  (neuere Zellen, niedrige obere Marke)
MLC 5.1     20 ml
Silber/Zink  ca. 10 ml (Neufüllung)


Für andere Typen, auch FRIWO, habe ich keine Erfahrungswerte; bei Erstfüllung sind die Volumina größer (und: andereLaugendichte bei Ag/Zn).

6.2.5  Lauge wechseln

Zum wechseln der Lauge benötigen wir einige Kunststoffgefäße, darunter eine möglichst rechteckige Wanne, und reichlich Batteriewasser. Metallgefäße sind ungeeignet!
Ein kleiner Trichter ist zusätzlich hilfreich, aber nicht unbedingt erforderlich. Zunächst werden mit einer passenden Nuß (meist 11mm) die Verschlüsse entfernt, wobei die Dichtungen nicht verloren gehen dürfen. Dann werden die Batterien auf den Kopf gestellt und ca. 1 Stunde auslaufen gelassen. Am Anfang kann man durch leichte Schüttelbewegungen einen zusätzlichen Reinigungseffekt erzielen und ist immer wieder erstaunt, was für eine Dreckbrühe da heraus kommt! Die Wanne sollte dabei leicht schräg gestellt werden; anschließend ist die alte Lauge aufzufangen, z.B. in einen leeren Batteriewasserkanister, und gehört zum Sondermüll!
Sodann werden die Zellen über ihre Entleerungsöffnungen mit heißem dest. Wasser (ca. 60° C) bis zum Überlaufen gefüllt. Das Wasser erhitzt man am besten in einem Kunststoffgefäß in der Mikowelle. Die Zellen werden dann mindestens 3 Stunden stehen gelassen und danach wieder ausgeschüttet, Austropfzeit: 20 Minuten. Bei starker Verschmutzung sollte man das Spülen noch 1 – 2 mal wiederholen.
Die Zellen werden nun wieder verschlossen und dann der neue Elektrolyt mittels Spritze über die Kammerhoffröhrchen eingefüllt; so vermeidet man unnötige Verschmutzung. Nur bis zur oberen Markierung auffüllen!
Die Akkus können nun gesäubert und geladen werden.

6.2.5  Akkujogging für NiCd

Beim Laden, möglichst direkt am Akku und nicht in der Lampe, wird man im Konstantspannungs- Verfahren einen mehr oder weniger hohen Ladestrom feststellen. Je höher dieser ist (nach einer Beobachtungsdauer von ca. 5 min.), desto geringer ist der Innenwiderstand der Zellen und desto besser im allgemeinen ihr Zustand.
Zellen, welche längere Zeit fast trocken waren (geringster Laugenstand, unbedingt zu vermeiden), nehmen unter Umständen im Konstantspannungs- Verfahren kaum noch Strom auf. Hier kann man nach dem Laugenwechsel eine Ladung mit Konstantstrom C/10 über 14 Stunden durchführen, also bei einer MLC 4.1 mit angegebenen 11 Ah mit 1,1 A über 14 Stunden laden. Es werden dann mehrere solcher Lade / Entladezyklen durchgeführt, und man erhält häufig wieder einen vollwertigen Akku.
War ein Akku im Gebrauch häufig nur teilentladen wieder geladen worden, ist es ratsam, ihn einem Lade / Entlade / Ladezyklus zu unterziehen, damit er wieder seine volle Kapazität erhält.
Viel wichtiger als die Beachtung des viel zitierten „Memory- Effektes“ ist aber eine regelmäßige Kontrolle des Laugenstandes; am besten nach jedem Ladevorgang!


6.3  Silber / Zink Zellen

Dies sind sozusagen die Leistungssportler unter den Sekundärelementen:
extrem leistungsfähig, extrem wartungsintensiv, nicht übermäßig langlebig und schwer zu bekommen. Manchmal hat man Glück auf dem Flohmarkt oder beim Surplus- Händler.
Man halte sich an Händler, die Gerätschaften der ehem. NVA feilbieten, da wurden die Dinger nämlich in Funkgeräten russischer Bauart verwendet. Preise ca. 12 DM/ Zelle.
Es gibt zwei Typen: bulgarische (opakes Gehäuse) und tschechische (transparent). Technisch sind sie gleich, allerdings scheinen die Bulgaren eher undicht zu werden.
Die Zellen sind beim Kauf immer ungefüllt und damit fast unbegrenzt haltbar.
Man nehme sie nur in Betrieb, wenn man sie auch braucht, denn dann beginnt sofort der Verschleiß: nach spätestens 3 – 4 Jahren sind sie Schrott. Deshalb lohnt auch eine neue Laugenfüllung kaum. Die Füllung erfolgt mit äußerst dichter Kalilauge (1,4 g/cm³, siehe oben) bis etwas über die Platten. Dann soll man die Akkus bei Zimmertemperatur mindestens 24 Stunden stehen lassen wobei der Elektrolyt etwas absinkt; ggf. auf die untere Marke nachfüllen. Dann Ventile einschrauben und den Akku trocken putzen.
Die Akkus müssen jetzt formiert werden, wobei eine Serienschaltung zulässig ist. Die Formierung besteht aus zwei Zyklen mit folgenden Parametern:

Silber/Zink Zellen.
Links fertiger 2er Block (schon etwas älter), Mitte Bulgare, rechts Tscheche (neu).

Ladung:  24 Stunden mit einem Konstantstrom von 0,6 A.

Entladung: mit 1,6 A bis zu einer Spannung von 1,0 V je Zelle; dauert ca. 8-10 Stunden.

Bei einer Werksangabe von 12 Ah erreichen neue Zellen mühelos über 14 Ah!
Zellenspannung ist1,5 V bei einem extrem geringen Innenwiderstand.
Will man mehr als eine Befahrung damit machen, sollten sie unmittelbar nach Gebrauch auf ca. 1 V pro Zelle entladen und so gelagert werden. Ich entlade die Dinger über eine Si- Diode und eine kleine Birne; das verhindert Tiefentladung.
Laden kann man mit der Formierungsformel oder mit Konstantspannung von 2 V/ Zelle.

6.4 Gasdichte NiCD

Das Ladegerät der HLE 7 macht alles automatisch. Allerdings sollte man sich davor hüten, die Lampe zu fahren, bis sie ganz dunkel wird, da dann mindesten eine Zelle der Batterie umgepolt wird und schnell Schaden nimmt ( im Gegensatz zu Naßzellen!)
Diese Zelle hat dann einen internen Kurzschluß und kann dann auch die Ladeelektronik schädigen. Man kann versuchen, den „internen Kurzschluß“ mit einem kurzen Stromstoß von etwa 10 A „wegzubrennen“.  Das funktioniert manchmal, aber es kommt vor, daß die so „regenerierte“ Zelle anschließend eine hohe Selbstentladung aufweist.
Neue 7 Ah- Zellen sind sehr teuer, aber dieselbe Type wird auch in Handlampen der
Fa. Eisemann verwendet, welche bei den Feuerwehren sehr verbreitet sind. Häufig fällt in den dort verwendeten Akkusätzen zu 4 Stück eine Zelle aus, so daß man den Rest beim Gerätewart schnorren kann... und drei Zelle reichen für die HLE 7!
Hat man einzelne Zellen, kann man sie sehr schön mit dem Hi-Tech Lader der Fa. Conrad
pflegen, muß sich aber dazu einen Kontaktadapter bauen (Rundholz mit 2 Blechfahnen).

{mospagebreak}7.0  Lampenwartung

7.1 Kopfstück

Das Kopfstück besteht wie das Gehäuse aus schlagfestem, hochwertigen Polyamid ist bei richtiger Pflege dicht und kann sogar ein Stück unter Wasser gehalten werden.
Wegen des EX- Schutzes ist es vor dem Öffnen mit einer kleinen Dreikant- Schraube gesichert, die ihrerseits noch verlötet sein kann. Dieses sog. Lipowitzer Metall läßt sich leicht mit dem Lötkolben ausschmelzen, und man sollte anschließend noch die Schraube mit einem kleinen Schlitz versehen, damit man nicht immer Spezialwerkzeug braucht.
Der Schraubring enthält dann einen zum Anschrauben wichtigen Kunststoffring, welcher auf einen Gummiring drückt, der die Scheibe aus Sicherheitsglas hält. Beim Zusammenbau die Reihenfolge nicht vertauschen, sonst wird es nicht dicht!
Die Scheibe ihrerseits drückt auf die Glühbirne, welche von einer an ihrem Sockel befindlichen Feder dagegen gepreßt wird. Sinn der Konstruktion ist, daß bei einem Bruch der Scheibe die Birne sofort ausgeworfen wird, ohne daß ein zündfähiger Funke entsteht. Das Ganze macht einen zerbrechlichen Eindruck, weil die Scheibe direkt auf die Birne drückt, ist aber in der Praxis fast unzerstörbar.
Bei der Montage läßt sich allerdings die Birne in zwei verschiedenen Positionen in den Sockel setzen, und in der falschen sind die beiden Fäden der Birne in Serie geschaltet, was man nicht sieh, weil dann nur der schwächere Nebenfaden glüht. Die Lampe ist dann dunkler als nötig...
Die Birnen gibt es in vielen Kombinationen:1/0.5A, 1/0.4A, 1/1A, 0.8/0.4A mit 2.4 und 3.6V,
und das in Klarglas für weit reichendes Licht und matt für weiche Ausleuchtung.
Es passen wirklich nur die Originalbirnen des jeweiligen Herstellers, so daß man sich hier Ersatz zulegen sollte; allerdings gibt es sehr selten Birnenausfälle und sie halten sehr lange.
Bei sehr häufigem Betätigen brechen gerne die Kontaktfedern am Drehschalter. Dessen Achse sollte man daher gelegentlich dünn mit Silikonfett behandeln. Hinten am Gehäuse wird der Ladestecker (Minuspol) eingeführt, der erst nach einen halben Umdrehung Kontakt hat. Das „Schlüsselloch“ sollte frei von Schmutz sein etwas Waffenöl macht es leichtgängig. Der Knopf am Kopfstück ist der Pluspol.
Den Befestigungsclip für den Helm gibt es in zwei Versionen: Verstellbar, dafür sitzt das Kopfteil höher am Helm, oder fest und niedriger. Verstellbar heißt, daß es sich auch von selber oft verstellt. Beide Versionen sind austauschbar und Geschmackssache.

7.2  Verbindungskabel

Man sollte es nicht glauben, aber das Kabel zwischen Kopfstück und Gehäuse ist eines der am häufigsten verschleißenden Teile- und es hat einen vergleichsweise komplexen Aufbau und kann daher nicht einfach durch ein von außen ähnlich aussehendes aus dem Baumarkt ersetzt
werden: in einer Neoprenhülle sind zwei gummierte Adern spiralförmig um eine Hanfseele gedreht, wodurch das Kabel sehr flexibel wird und eine hohe Biegezahl erreicht.
Im Dom der Lampe kommt es nun gerne – besonders bei der MLC 9.1 – zu einer Korrosion besonders des Minuspoles. Die MLC 9.2 ist in dieser Hinsicht verbessert worden.
Die Korrosion kann sich ohne weiteres innen am gesamten Kabel entlang bis zum Kopfstück ausbreiten, ohne daß man von außen oder auch den Anschlüssen her etwas sieht.
Da es auf dem Weg vom Akku zur Birne auf jedes Milliohm ankommt, brennt die Lampe dann deutlich dunkler und nimmt auch weniger Ladestrom auf, obwohl der Akku in Ordnung ist. Ein sehr häufiger Fehler bei älteren Lampen!
Abhilfe schafft hier nur der Austausch gegen ein original- Kabel, von welchem man sich unbedingt ein paar auf Vorrat anschaffen sollte.
Der Versuch, vergammelte Aderenden wieder anzuschließen, ist mit Hinblick auf die geforderte Zuverlässigkeit nicht ratsam und auch meist zum Scheitern verurteilt, da die hochfeinen Aderlitzen sich nicht löten lassen; allenfalls kommen noch säubern mit Schmirgel und eine Klemmöse in Frage. Der Anfang der Adern im Lampendom sollte auf jeden Fall mit reichlich Fett geschützt werden.

7.3   Lampendom

Dieser hat die Aufgabe, den elektrischen Kontakt zum Akku herzustellen, die Gase nach außen zu führen und das eindringen von Wasser zu verhindern. Für das letztere muß die umlaufende Gummidichtung vorhanden, sauber und noch flexibel sein. Wenn man dann auch noch das an der Außenseite oder hinter dem verlängerten Verschlußbügel vorhandene kleine Entgasungsventil sauber und gängig hält, kann das Gehäuse schon mal einige Zeit durchs Wasser geschleppt werden. Die Feder des Ventiles darf nicht verrostet sein.
Die Entgasung funktioniert im einfachsten Fall – wie bei der MLC 9.1 - direkt in den Dom, so daß die elektrischen Kontakte korrodieren (s. oben). Dieses Modell sollte daher nicht über das Kopfstück geladen werden.
Bei den anderen Modellen und der MLC 9.2 geht ein extra Kanal von jedem Kammerhoff-röhrchen aus, weshalb die Akkus für die MLC 9.2 auch anders geformte Köpfchen dieser Röhrchen haben. Die neuen Akkus passen zwar in die alten Lampen, nicht aber umgekehrt.
Von außen erkennt man den Unterschied neben dem Typenschild am etwas höheren Dom der MLC 9.1.
Eine wichtige Funktion hat die mit dem Minuspol verbundene Sicherung, ein kleines weißes Teil mit zwei Ösen dran. Ich bin einmal in einem engen Bühnloch hängen geblieben und hatte dennoch versucht, mich mit Gewalt hindurch zu pressen. Dabei hatte sich das Kabel zwischen Rucksack und Bühne so eingeklemmt, daß sich innen die Isolierung zwischen beiden Litzen durchgedrückt hatte und es einen Kurzschluß gab. Da hat die Sicherung ein Feuerwerk verhindert! Dem Kabel hat man später übrigens nicht angesehen und es funktionierte vorerst auch wieder – und mußte trotzdem gewechselt werden.
Die Sicherung sollte man daher nur im Notfall mit Draht flicken. Original- Sicherungen gehören in den Ersatzteilvorrat!
Die federnden Batteriekontakte sollen immer sauber und leicht gefettet sein.

7.4   Verschluß

Der Verschluß zwischen Dom und Gehäuse besteht im Falle der EX- Ausführung aus einer Dreikantschraube, im Falle der sehr viel häufigeren schlagwetter- geschützten Lampe aus einem nur mit einem Spezialmagneten zu öffnenden Hindernis, welches man unbedingt modifizieren solle, um auch unterwegs mal ohne Werkzeug den Akku wechseln zu können.
Und es sind auch schon viele Akkus vergammelt, bloß weil es den Besitzern wegen des Verschlusses zu lästig war, eine Wartung vorzunehmen! Glücklich, wer einen der raren Öffnungsmagneten besitzt.
Von den verschiedenen Verschlußvariationen hat sich folgende am besten bewährt:
Man schleift die Nietenköfe des Verschluß- Deckels mit einer Modellbau- Trennscheibe vorsichtig ab, öffnet diesen und entfernt das Innenleben komplett.
Jetzt schaut beim schließen nur noch der Messingdorn vom Lampendom hervor; auf diesen läßt sich prima ein M8- Gewinde schneiden. Einer M8 Edelstahl- Flügelmutter werden die Flügel etwas gestutzt, und fertig ist der jederzeit ohne Hilfsmittel zu öffnende und dennoch bombenfest haltende Verschluß!


 

7.5   Gehäuse

Das Gehäuse sollte auf Risse überprüft werden, die nicht nur Wasser eindringen, sondern ggf. auch Lauge austreten lassen könnten. Der obere Rand darf nicht schartig sein, damit die Dichtung gut schließen kann.
Es empfiehlt sich auch, das Gehäuse anläßlich der Wartung einmal auszuspülen, um Laugenreste zu entfernen.

8.0   Umbau einer MLC 4.1 auf Silber / Zink Betrieb

Diese Modifikation zieht zwar, wie erwähnt, einen hohen Wartungsaufwand nach sich, dafür erhält man aber auch eine Lampe, die über 70 Stunden Brennen kann bzw. zweimal
18 Stunden mit dem Hauptlicht und dabei noch deutlich leichter ist als die Original-ausführung!
Voraussetzung ist der Erwerb der erwähnten AgZn- Zellen. Diese passen exakt in das Gehäuse der MLC 4.1. MLC 9 sind zu schmal, MLC 5.1 schlicht zu groß und die FRIWO- Modelle haben innen hinderliche Rippen.
In das Gehäuse würden exakt 5 Zellen passen; wir bestücken es aber nur mit 4:
Zwei AgZn- Zellen zusammen ergeben in Reihe 3 V Betriebsspannung; damit brennt eine
3,6 V Birne nur geringfügig dunkler als mit 3,6 V. Wir haben dann also zwei 3- V Blocks zur Verfügung und müssen nach der Hälfte der Betriebszeit umstecken, wobei es unter Tage sogar sehr von Vorteil ist zu wissen, wann Halbzeit ist!
Den Kontakt zum Dom habe ich mit kleinen Bananensteckern realisiert; ein Freund hat sich da eine auf wendige Klemmvorrichtung gebastelt. In jedem Fall funktioniert auch noch der Original- Akku ohne Einschränkung. Damit nicht klappert, können einige Lagen Wellpappe über die Zellen gelegt werden.
Der „überflüssige“ Raum wir in meinem Fall durch eine ehemalige Fahrradflicken- Dose ausgefüllt, die genau paßt und eine Reservebirne, Sicherung, Feuerzeug und Kerzenstummel enthält; irgendwas muß ja rein.. .

 
Weitere Anregungen, Ergänzungen und Erfahrungen an den Autor sind erwünscht!