Megalithen der Bretagne
Megalithen der Bretagne – Menhire und Dolmen aus dem Neolithikum
von Dr. Thomas Witzke
Megalithische Bauwerke des Neolithikums finden sich von Spanien über
Frankreich, Niederlande, Nord- und Westdeutschland, Skandinavien, Großbritannien
bis hin nach Irland. Die Bretagne in Frankreich ist besonders reich an derartigen
Monumenten. Hier gibt es eine Reihe großartiger und berühmter Anlagen
wie die Alignements bei Carnac, den Grand Menhir oder Barnenez. Viele weitere,
kaum weniger bedeutende Bauwerke und zahlreiche nicht so bekannte, aber genauso
sehenswerte Anlagen sind hier vorhanden. Die Bauwerke finden sich vorwiegend
in den Küstenregionen und etwas spärlicher im Landesinneren.
Das Neolithikum, die Jungsteinzeit, umfaßt in Europa den Zeitraum von
etwa 6000 – 2000 vor der Zeitrechnung. Darauf folgt die Bronzezeit. Die Besiedelung
der Bretagne begann etwa 5000 v.d.Z. durch Bauern, die Landwirtschaft und Viehzucht
betrieben. Die dauerhaften Ansiedlungen ermöglichten die Errichtung von
kultischen Anlagen und Grabmälern, die sowohl einen langen Zeitraum beim
Bau als auch eine größere Personenzahl erforderten. Sicher sollte
die Größe der Monumente auch die Macht der Stämme und ihre
Religiosität bzw. den Wunsch nach göttlichem Beistand und Schutz
bezeugen. Die Fähigkeit, Menhire von rund 300 Tonnen Masse über größere
Strecken zu tranportieren und aufzustellen, einen Cairn wie den von Barnenez
zu errichten oder die Alignements um Carnac mit tausenden von Steinen anzulegen,
zeugt von den großen Fähigkeiten der Menschen der jüngeren
Steinzeit, sowohl bei der Planung und Organisation als auch bei der technischen
Ausführung.
Über das religiöse System ist wenig sicheres bekannt und viel spekuliert
worden. Eindeutig spielen umfangreiche astronomische Beobachtungen eine Rolle.
Die Ausrichtung von Gräbern, Dolmen, Allee Couvertes und Alignements belegen
die genaue Kenntnis der Himmelsrichtungen. Alignements und Steinkreise haben
der astronomischen Beobachtung gedient, auch Menhire könnten zur Anpeilung
von Sternen verwendet worden sein.
Eine zentrale Rolle im religiösen System nehmen Muttergottheiten ein.
In etlichen Grabanlagen gibt es Gravuren mit stark stilisierten Darstellungen
derartiger Gottheiten (oder einer Gottheit). Die Darstellungen sind stark abstrahiert,
zum Teil sind es schildförmige Gravuren mit vervielfältigten Brustpaaren,
zum Teil einfache Rechtecke oder einzelne Brustpaare. Andere Gravuren zeigen
Beilpflüge, Wellenlinien oder abstrakte, komplizierte Darstellungen. Verschiedentlich
werden auch die Menhire, speziell die sorgfältig geglätteten wie
Champ-Dolent oder Kerampeulven, als Phallussymbole gedeutet. In wie weit dies
zutrifft, bleibt offen.
Man darf auch nicht von einem einheitlichen religiösen System während
der ganzen Zeit des Neolithikums ausgehen, auch wenn die Ähnlichkeit der
Bauwerke sowohl räumlich von Spanien bis Irland und Skandinavien als auch über
große Zeiträume dies vielleicht vermuten läßt. Der Abriss
von Menhiren und die Weiterverwendung als Dachsteine von Grabkammern weisen
auf Veränderungen oder Unterschiede hin.
Andererseits sind viele Grabanlagen über lange Zeiträume verwendet
worden. So ergaben Datierungen von Funden aus dem Cairn von Barnenez eine Nutzung
von etwa 4700 bis 2000 v.d.Z.
Der Erhaltungszustand der Monumente ist sehr unterschiedlich. Manche sind
recht gut erhalten, andere Bauwerke haben im Lauf der Zeit starke Zerstörungen
erlitten. Einige wurden wohl schon während des Neolithikums abgerissen
oder verändert, anderes ist während der römischen Zeit zerstört
worden, und viele sind zweifellos auch der Christianisierung zum Opfer gefallen.
Schwere Schäden an vielen Bauwerken hat die Nutzung als billiger „Steinbruch“ hervorgerufen.
Die Steine vieler Tumuli und Dolmen dürften sicher in den umliegenden
Häusern verbaut worden sein. Anderes ist zum Bau von Straßen oder
Hafenanlagen verwendet worden. So ist noch um 1950 ein Teil des großen
Tumulus von Barnenez als Steinbruch zum Straßenbau mißbraucht worden.
Schäden an den Alignements um Carnac hat es ebenfalls noch in jüngerer
Zeit durch den Straßenbau gegeben. Spuren moderner Werkzeuge an anderen
Dolmen zeugen ebenfalls von Abrissversuchen. Anlagen mußten Platz für
den Bau von Gehöften und Siedlungen machen, viele „störende“ Menhire
sind von Feldern entfernt worden. Kriege verursachen auch immer Schäden
und nehmen meist wenig Rücksicht auf historische Monumente. Ein besonders
krasses Beispiel dürfte der Bau eines Bunkers durch die Deutschen 1943
im (!) Tumulus von Petit Mont bei Arzon sein. Große Schäden sind
auch durch Schatzgräber verursacht worden. Wilde Grabungen haben schwere
Verwüstungen an vielen Bauwerken hinterlassen oder ihre Standfestigkeit
beeinträchtigt, so dass sie später eingestürzt sind. Weiterhin
sind auch Erosion, Stürme, Blitzschlag, Waldbrände und Vegetation
als Verursacher von Schäden zu nennen. Nicht zuletzt müssen aber
auch die Besucher der Anlagen erwähnt werden. So mußten die Alignements östlich
von Carnac eingezäunt werden, das der ständige Strom an Besuchern
die Standfestigkeit der Menhire beeinträchtigte.
Bei dieser Aufzählung erstaunt es fast, dass so viele Anlagen überdauert
haben. Zum Glück konnten etliche noch rechtzeitig unter Schutz gestellt
werden. Zu erwähnen sind auch die langjährigen Rekonstruktionen einiger
Monumente, die es erlauben, sie jetzt wieder in ihren weitgehend ursprünglichen
Zustand zu sehen. Die Anlage von Barnenez nördlich von Morlaix, Le Petit
Mont bei Arzon und das Ensemble von Table des Marchand, Tumulus von Er Grah
und Grand Menhir sind umzäunt und können gegen Eintritt besichtigt
werden (beim Besuch dieser Anlagen muß man auch an die langen Mittagspausen
in Frankreich denken !). In begrenztem Umfang finden Führungen in die
Alignements von Carnac und den Tumulus von Gavrinis statt. Fast alle anderen
Anlagen sind öffentlich ohne Beschränkungen zugänglich. Sie
machen im allgemeinen auch eine sehr gepflegten Eindruck. Erstaunlich und sehr
erfreulich ist, dass nahezu kein Müll herumliegt (lediglich an zwei Anlagen
war etwas zu sehen). Es hat sich inzwischen offenbar auch das Bewußtsein
in der Bevölkerung für diese Monumente verändert. Viele sind
recht gut ausgeschildert und mit Tafeln mit Erklärungen in französisch,
deutsch, englisch und bretonisch versehen. Andere Monumente liegen sehr versteckt
und sind schwierig zu finden.
Die hier vorgestellten megalithischen Anlagen aus der Bretagne stellen natürlich
nur einen kleine Teil der vorhandenen dar. Viele weitere hätte ich gerne
auch noch gesehen, aber die begrenzte Zeit erlaubte es nicht.
Sehr empfehlenswert ist die folgende Literatur, aus der auch viele Angaben
für die folgenden Texte entnommen wurden:
Jacques Briard (2000): Die Megalithen der Bretagne.- Editions Jean-Paul Gisserot.
© alle Fotos: Thomas Witzke.
Die neolithischen Feuerstein-Gruben von Rijkholt bei Maastricht, Niederlande
Die neolithischen Feuerstein-Gruben von Rijkholt bei Maastricht, Niederlande
Bericht vom 6. Internationelen Bergbau-Workshop, Oktober 2003, Rescheid (Eifel)
von Dr. Thomas Witzke
Eine Exkursion nach Rijkholt fand am 2.20.2003 im Rahmen des 6. Interantionalen
Bergbau-Workshops statt. Nach dem Besuch der Steinkohlen-Grube Blegny (Belgien)
fuhr der Auto-Konvoi nach Rijkholt, südöstlich von Maastricht. Nach
anfänglichen Schwierigkeiten, die im Wald verborgene und nicht ausgeschilderte
Grube zu finden, erreichte die Gruppe schließlich ihr Ziel.
Der Weg führte vorbei an einem Abschlagplatz, an dem zahlreiche kleine
und größere Feuerstein-Splitter mit z.T. deutlich erkennbaren Schlagspuren
zu finden waren, sowie einem Platz, an dem offenbar ungeeignete Feuersteinkonkretionen
aussortiert wurden. Der Feuerstein-Abfall an solchen Plätzen erreicht
z.T. bis 1,50 Meter Mächtigkeit.
Die rund 5000 Jahre alten, neolithischen Feuerstein-Gruben sind durch einen
modernen, etwa 150 Meter langen Stollen aufgeschlossen. Am linken und rechten
Stoß des Stollens sind in der Ausmauerung zahlreiche Öffnungen gelassen,
durch die man in die prähistorischen Abbaue sehen kann. Diese Öffnungen
sind durch Gitter verschlossen. Wie Herr Reger mittteilte, dienen sie hauptsächlich
dazu, um zu verhindern, dass Material von anderen Fundplätzen eingeschleppt
und hier versteckt wird.
Da die Abbaue recht oberflächennah liegen und da bei den Ausgrabungen
der Versatz aus den Abbauen entfernt wurde, mußten sie abgestützt
werden. Die Abstützung erfolgte mit Stahlstützen und -schienen, die
heute ziemlich angerostet und wenig ästhetisch aussehen.
Der Betrieb der neolithischen Gruben
Eine C14-Datierung von Holzkohle in einem Schacht ergab ein Alter von 3150
Jahren vor der Zeitrechnung. Eine Schautafel im Forschungstollen erwähnt
C14-Datierungen zwischen 3750 und 3940 v.d.Z. Die Gruben lassen sich damit
eindeutig ins Neolithikum stellen. Das Neolithikum umfasst in Europa die Zeit
zwischen etwa 5500 und 2000 v.d.Z. Metallwerkzeuge waren zu dieser Zeit noch
nicht bekannt.
Man schätzt die Dauer des Bergbaus in Rijkholt auf etwa 500 Jahre. Längere
Unterbrechungen sind nicht anzunehmen. Die Abbau-Periode lag wahrscheinlich
irgendwann zwischen etwa 3950 und 2650 v.d.Z. Eventuell ist auch von mehreren
Perioden auszugehen.
Der wissenschaftlich untersuchte Bereich umfasst eine Fläche von 2436,6
Quadratmetern mit 75 Schächten.
Die Abbautechnik
Von der Erdoberfläche wurden runde Schächte mit einem Durchmesser
von etwa 1 m angelegt. Dabei wurden die Deckschichten aus Löss und Lehm
durchteuft, bis man an die feuersteinführenden Kalkschichten kam. Im Kalkstein
wurden auch einige Lagen nicht bauwürdiger oder wenig geeigneter Feuersteine
durchteuft. Die Schächte erreichten Tiefen von 5 bis 12 Metern. Der Abraum
wurde von einem Helfer nach oben gezogen, wie Seilspuren in den Schächten
belegen. Wenn die gewünschte Feuerstein-Lage erreicht war, wurde der Sohlenbereich
erweitert und mehr oder weniger sternförmig kurze Strecken aufgefahren.
Die Strecken erreichten nur wenige Meter Länge und wiesen Firsthöhen
um 60 cm auf. Zum Teil gehen von diesen Strecken noch Seitenörter ab.
Die Berge der zuerst aufgefahrenen Strecke wurden nach oben gefördert.
Berge der weiteren Strecken versetzte man in die vorher aufgefahrenen, so dass
nur wenig Abraum nach oben transportiert werden musste. Im allgemeinen bestanden
auch Verbindungen zu den Nachbargruben, so dass es hier einerseits Fluchtmöglichkeiten
gab, und andererseits auch für zusätzlichen Lichteinfall gesorgt
war. Die Beregleute verwendeten kein Geleucht, sondern arbeiteten bei dem Tageslicht,
das über die Schächte einfiel und von den hellen Kalksteinstößen
gut reflektiert wurde.
Als Gezähe wurden Hacken aus Feuerstein sowie Hacken und Brechwerkzeuge
aus Hirschhorn und Schaufeln aus Schulterblättern verwendet.
Die Weiterverarbeitung des Feuersteins
Der gewonnene Feuerstein wurde nach oben transportiert und die unbrauchbaren
Stücke ausgesondert. Brauchbares Material wurde zu Waffen und Werkzeugen
verarbeitet. Hergestellt wurden z.B. kleinere Klingen und größere
Beile. An Ort und Stelle wurden nur Rohformen hergestellt. Feinbearbeitung
und eventueller Schliff der Werkzeuge erfolgten an anderer Stelle. Die Werkzeuge
und Waffen aus dem Rijkholter Feuerstein waren begehrte Handelsartikel und
wurden bis in einen Umkreis von 400 km nachgewiesen.
Rechnet man die archäologischen Befunde auf das gesamte Grubenfeld hoch,
so kommt man auf eine Masse an gewonnenem Feuerstein zwischen 19.580 und 23.140
Tonnen. In dem Areal sind etwa 2000 Schächte vorhanden gewesen. Bei einer
Bergbauzeitzeit von rund 500 Jahren ergibt das im Mittel 4 Schächte pro
Jahr. Das von einem Schacht erreichbare Abbaufeld kann im Durchschnitt in 35
Tagen abgebaut werden. Durchschnittlich 75 % des Feuersteins fallen als Abfall
an. Pro Tag könnten zwischen 163 und 193 Feuersteinobjekte gefertigt worden
sein. Der Abbau ist also von wenigen Personen zu bewerkstelligen gewesen. Abbau
und Weiterverarbeitung fanden sicher arbeitsteilig statt. Bei der Menge an
produzierten Werkzeugen kann hier durchaus von einem industriellen Ausmaß gesprochen
werden.
Die Entdeckung der Feuersteingruben und die Anlage des Forschungsstollens
Die ersten Funde von Feuersteinabschlägen erfolgten 1886 durch den belgischen
Archäologen Marcel de Puydt. Der erste echte Schacht konnte 1910 von Prof.
Joseph Hamal-Nandrin entdeckt werden. In den folgenden Jahren stieß man
auf weitere Schächte und ein Stollensystem. Zwischen 1923 und 1932 wurden
zahlreiche weitere Grabungen durchgeführt, u.a. auch mit Unterstützung
einer Gruppe im Exil lebender französischer Dominikaner-Mönche. Dabei
konnten neben Schächten und Grubenbauen auch neolithische Keramik, menschliche
Knochenreste sowie zahlreiche Feuersteinhacken und Hirschgeweihwerkzeuge gefunden.
Ab 1964 kam es zu erneuten Grabungen. Man beschloss, einen Forschungsstollen
durch das prähistorische Grubenfeld aufzufahren. Die Arbeiten dazu begannen
am 6.6.1964. Der Ausbau des Stollens erfolgte zunächst mit Holz, ab 1965
mit Stahl. Bei den Arbeiten wurde auch ein Schädel gefunden, der in einem
prähistorischen Stollen abgelegt war. Die Fundsituation spricht für
eine rituelle Schädelbestattung. 1972 erreichte der Forschungsstollen
eine Länge von 150 Metern. In den folgenden Jahren nahm man Sicherungs-
und Konservierungsarbeiten, z.B. das Einsetzen von Stahlausbau in den alten
Bauen, vor. 1979 wurde der Forschungsstollen offiziell eröffnet.

Rijkholt01: An einem Abschlagsplatz der prähistorischen Feuersteinbearbeitung

Rijkholt02: Feuersteinabschläge mit deutlich erkennbaren Schlagspuren,
von Rijkholt. Abmessung des größten Stücks 5 cm.

Rijkholt03: Ein Platz, an dem unbrauchbare Feuersteine aussortiert wurden

Rijkholt04: Das Mundloch des Forschungsstollens

Rijkholt05: Der Forschungsstollen

Rijkholt06: Plan des mit dem Forschungsstollen wissenschaftlich untersuchten
Teils des Grubenfeldes
Rijkholt07 – Rijkholt18: Die neolithischen Grubenbaue:












Literatur:
Reger, K. (2003) Die prähistorischen Feuersteingruben von Rijkholt – Sint
Geertruid.- Tagungsband 6. Internationaler Bergbau-Workshop 2003 – Rescheid
(Eifel), p. 94-100
Engelen, F.H.G. (2003): De prehistorische vuursteenmijnen van Ryckholt – St.
Geertruid.- http://www.engelen.demon.nl/ryckholt/index.htm
Magnetfeld – Peilmethode
Beitrag zum 7. Internationalen Bergbauworkshop, 29.9-2.10 2004, Clausthal-Zellerfeld,
Harz
Magnetfeld – Peilmethode – Zur schnellen Einmessung untertägiger
Messpunkte in Bezug zur Oberfläche
Michael Kitzig, GAG
Problemstellung war die schnelle und dennoch hinreichend genaue Projektion
eines Punktes untertage, z.B. in einem Stollen, an die Erdoberfläche ohne
die Anwendung zeitraubender trigonometrischer Verfahren.
Vorgestellt wird ein Peilverfahren auf der Grundlage niederfrequenter magnetischer
Felder.
Was kann die Methode leisten?
– Durch die Wahl mehrerer ausgewählter Messpunkte kann der (nicht risskundige)
Verlauf einer Strecke schnell überschlägig ermittelt werden. (Das
Impuls/Pausenverhältnis des Senders lässt sich verändern und
somit kann eine Zuordnung zu verschiedenen Messpunkten erfolgen.)
– Verfüllte Lichtlöcher oder planierte Tagesbrüche lassen sich
leicht lokalisieren, sofern sie untertage zugänglich sind.
– Verschüttete / verbrochene Mundlöcher lassen sich mit der Horizontalmessung
am Hang lokalisieren.
– Die Vertikalmessung kann einen Hinweis auf die Länge des Verbruches
einer Strecke geben.
– Im Unglücks – oder Bergschadensfall ist eine schnellstmögliche
Lokalisation möglich
Physikalische Grundlagen:
Elektromagnetische Wellen sind grundsätzlich in der Lage, feste Materie
wie Gestein zu durchdringen. Die Eindringtiefe wächst mit der Zunahme
der Wellenlänge bzw. Abnahme der Frequenz.
Mit Frequenzen unter 100 kHz lassen sich in der Praxis Reichweiten von einigen
hundert bis etwas über tausend Meter erzielen, d.h., die nutzbare Reichweite
liegt noch weit unterhalb einer Wellenlänge.
Die magnetische Komponente des Feldes lässt sich zudem leicht exakt vertikal
oder horizontal ausrichten.
Die elektrische Feldkomponente ist für das Verfahren nicht erforderlich
und wird senderseitig unterdrückt, so dass von einer elektromagnetischen
Strahlung im engeren Sinne nicht mehr gesprochen werden kann.
Das Prinzip:
Es wird untertage an dem einzumessenden Punkt ein Bakensender platziert, welcher
an eine magnetische Antenne angeschlossen ist (das elektrische Feld wird unterdrückt).
Dieser generiert ein im Längstwellenbereich , hier 10 kHz , liegendes
magnetisches Feld, welches durch das darüber befindliche Gestein keine
nennenswerte Dämpfung erfährt und mit Feldlinien einer definierten
Konfiguration an die Oberfläche tritt.
Zur Erzielung einer hinreichenden Genauigkeit muß das Feld, je nach
Einsatzzweck, genau vertikal oder Horizontal ausgerichtet werden.
Die Feldlinien können an der Oberfläche in ihrem Verlauf und ihrer
Amplitude gemessen werden, was Rückschlüsse auf die Lage des untertägigen
Messpunktes sowie unter Umständen auch seiner Tiefe unter der Oberfläche
zulässt.

Die komplette Anlage besteht aus:
Bakensender
Eine leichte Elektronikeinheit und eine zerlegbare Rahmenantenne, damit eine
leichter Transport im Rucksack bis vor Ort gewährleistet ist.
Der Antennenrahmen wird nach seinem Aufbau mittels einer Wasserwaage exakt
horizontal ausgerichtet, damit ein genau senkrecht stehendes Feld erzeugt wird.
Der Sender erzeugt etwa 8 W Strahlungsleistung und kann in der vorliegenden
Form etwa 3-4 Stunden im Dauerbetrieb arbeiten.
Peileinrichtung übertage:
Besteht aus einer neigbaren Ferritantenne und einem auf 10 kHz frequenzselektiven
Pegelmesser, welcher einen Umsetzer von 10 kHz auf gut hörbare 400 Hz
beinhaltet.
Die Anzeige erreicht ein Maximum, wenn die Achse der Ferritantenne genau parallel
zum Feldlinienverlauf liegt.
Durchführung der Messung:
Im vermuteten Bereich wird mit auf 45° geneigter Antenne das Gelände
ab gelaufen, bis ein Signal hörbar ist und dieses dann grob zu seinem
Maximum verfolgt.
Da die Feldlinien „trichterförmig“ aus dem Boden austreten, lässt
sich der an die Oberfläche projizierte Messpunkt durch kreisförmige
Suchbewegungen in wenigen Minuten grob einkreisen und durch einmessen der lotrechten
Feldlinien exakt lokalisieren.
Direkt über dem Messpunkt stehen die Feldlinien senkrecht und haben auch
die größte Amplitude.
Es ist je Messung mit einem Zeitaufwand von 5 – 15 Minuten, je nach Übung
und Geländebeschaffenheit, zu rechnen.

Die Messung des lotrechten Magnetfeldes im Schema:

Bestimmen der Länge eines Verbruches

Bestimmung der Lage eines verbrochenen Mundlochs am Hang
Bisherige praktische Erfahrungen:
in der ersten beiden Fällen wurde ein durch vorhandenes Risswerk genau
bekannter Punkt übertage
eingepeilt.
1.) Grube Gustav bei Eschwege: Blindschacht mit 48 m Überdeckung,
Genauigkeit der Messung übertage lag um 1,5 m im Durchmesser. Das Stahlgerüst
der Anlage untertage hatte keinen Einfluss auf das Messergebnis!
2.) Ernst August Stollensohle der Grube Lautenthalsglück im
Harz: Strecke mit ca. 120 m Überdeckung
und starker Mineralisation. Meßgenauigkeit über Tage ca. 3-6m.
Starke Störungen durch im Messbereich
verlaufende Stromleitungen. (diese bedeuteten
hier auch die nutzbare Grenzreichweite). Fernab von Stromleitungen ist mit
einer etwas größeren Reichweite
zu rechnen.
3.) In der Scholmzeche, Bad Lauterberg wurde eine Horizontalmessung
vorgenommen. Die Sendeantenne wurde dazu senkrecht in der Strecke aufgestellt
und der rechtwinklig zur Strecke liegende Punkt am Hang übertage in ca.
20 m Entfernung mit einer Genauigkeit von wenigen 10 cm ermittelt. Auch hier
haben sich keine Störungen durch mögliche Feldverzerrungen
am stählernen Grubenausbau gezeigt!
4.) Schlebuscher Erbstollen, Wetter, Ruhrgebiet: Einmessen
mehrerer Lichtlöcher, welche im Wohngebiet zwischen Gebäuden
liegen. Maximale Teufe: 25m.
5.) In der Morassina, Schmiedefeld in Thüringen: Einmessen
eines verbrochenen Stollens, welcher übertage nicht mehr lokalisierbar war.
Überdeckung ca. 4m, Messgenauigkeit der Vertikalmessung im Zentimeterbereich.

Technische Daten Sender:
Gewicht: komplett
mit Antenne ca. 3 kg
Arbeitsfrequenz: 10 kHz
Strahlungsleistung: ca. 8W
Betriebsdauer:3-4 Stunden
Antenne: magnetische Schleife, zerlegbar für Rucksacktransport, incl.
Wasserwaage zum ausrichten
Technische Daten Empfänger: F requenzselektiver Pegelmesser
(modifiziertes Trassensuchgerät)
Arbeitsfrequenz: 10 kHz, intern umgesetzt auf hörbare
400 Hz
Bandbreite: 3Hz/6dB
Antenne: Ferritstabantenne, neigbar 0-90°
Eine Reise ins goldene Land Rumäniens – oder „Kein Schein aus Bukarest“
Eine Reise ins goldene Land Rumäniens – oder „Kein Schein aus Bukarest“
von Michael Pfefferkon
Rumänien. Ein Mythos, ein Abenteuer. Viel hatte man ja schon gelesen, vom Reich Draculas, viel gehört über Chausecu, über Securitate, über Zigeuner und Armut, über Gold, welches Hoffnung birgt und Verzweiflung bringt. Und dann sind da noch Roşia Montană, der älteste urkundlich belegte Ort Rumäniens und Roşia Poieni, die der bestehenden Gier nach Gold weichen sollen. Die Salzstadt Turda, die Karpaten, die Bergwerke – all dies zog uns an, brachte uns auf den Weg und hält uns noch immer in Gedanken fest.
Diese Zeilen und Bilder sollen einen kleinen Überblick einer Reise geben, die gemacht zu haben niemand bereut.
Wie alles begann. Ein Telefonat mit Freunden in Freiberg brachte mir die Nachricht von der geplanten Fahrt, Michael Krumrei und ich schlossen uns kurzerhand an.
5. Internationaler Bergbauworkshop Ridnaun / Südtirol
5. Internationaler Bergbauworkshop Ridnaun / Südtirol
An dieser Stelle möchte ich jedem empfehlen die Region Südtirol
einmal zu besuchen, die Menschen sind freundlich, die Bergwerke interessant
und die verantwortlichen vor Ort investieren viel Liebe, Geld und Zeit in die
Präsentation und Erhaltung der alten Anlagen.
Der Bergbauworkshop hat Maßstäbe gesetzt und ich denke gerne an
dies Stunden dort zurück, an die Gespräche, die Vorträge, die
Ausflüge, an die Menschen und natürlich auch den Hirsch vom Landeshauptmann
(lecker, lecker!). Besonders erwähnt werden sollte auch der gute Weine
(im Gegensatz zum Bier war der 1a-super-klasse!), sowie der Hausfrauenverein(!),
welcher uns Bergbauforscher umsorgte.
Leider habe ich momentan nicht die Zeit einen umfangreichen Beitrag zu schreiben,
daher hier Bilder aus der Umgebung, einiger Bergwerke und einem Museum. Wer
mehr wissen will kann mich gerne kontaktieren.
Glück auf Ridnaun!
Michael Pfefferkorn
|
Bilder aus der Umgebung und dem Museum Kornkasten in Steinhaus |
|
Bilder aus dem Bergwerk Pfundererberg. Bergbau auf Silber, Blei, Kupfer, Zink, Schwefelkies. Ohne Bildkommentare |
|
Bilder aus dem Bergwerk Schneeberg. Bergbau auf Silber, Blei, Kupfer, Zink. Ohne Bildkommentare |
|
Das Bergwerk Prettau. Bergbau auf Kupfer. Heute ein Museum. Hier wird noch ein untertägige Zementkupferanlage betrieben. Außerdem wird zur Zeit ein hochmodernes Speleotherpiezentrum vollendet (siehe Bilder) |
Geologie und Mineralogie der Ilimausaq-Alkaliintrusion, Süd-Grönland
Geographie
Die Ilimaussaq-Intrusion ist mit einer Ausdehnung von 8*17 Km
eine der größten Alkaliintrusionen. Das Zentrum der Intrusion
befindet sich ca. 10 Km östlich von Narsaq im Süden Grönlands.
Sie ist durch den Tunugdliarfik-Fjord in eine Nord- und Südhälfte
geteilt. Die Höhendifferenz innerhalb der Intrusion beträgt somit
annähernd 1330m. Der namensgebende Ilimaussaq (1390m) liegt
gerade außerhalb des Komplexes. Durch die schnelle Verwitterung
der Syenite ist der pflanzliche Bewuchs recht spärlich und die ganze
Gegend gleicht eher einer Geröllwüste. Die Topographie erstreckt
sich von sanft ansteigenden Tälern bis zu (schwer begehbaren)
fast senkrechten Steilhängen.
Die Ilimaussaq-Intrusion ist eine interessante, mit Sicherheit aber die
mineralreichste Gegend Grönlands.

Topographie vom Nakalaq-Gipfel (HP: 1334)
Geologie
Die Ilimaussaq-Intrusion ist mit einem Alter von 1168+-21 m.a. Teil
der spät-präkambrischen Gardar-Provinz. (Blaxland et al., 1976)
Der südliche Teil intrudierte in den Julianehabgranit, der Nördliche
in die, den Granit überlagernden basaltischen Laven und Sandsteine.
Der Komplex besteht aus drei (chemisch und zeitlich) getrennten Ein-
heiten. Der erste Intrusionsschub, bestehend aus Augitsyenite, formt
das Dach und die Ränder der Intrusion. Der Zweite bildet im oberen
Teil zwei dünne Lagen aus Alkaligranit bzw. Alkalisyenit, der dritte
und umfangreichste, das differenzierte Zentrum der Intrusion.
Dieses Zentrum, eine aus stark untersättigten Syeniten bestehende
Gesteinsfolge, entstand durch Differenziation in einer Magmenkammer.
Stratigraphisch abwärts folgen: Pulaskit, Fojait, Sodalit-Fojait, Naujait,
Lujavrit und zuunterst, seinerseits lagig, der Kakortokit.
Lit.: O.V.Petersen et al., 1993; S.Andersen et al., 1981

Sorensenit, Kvanefjeld (Bildbreite: 8cm)
Die Gardar-Provinz
Im Süden Grönlands findet sich ein großes, (200*70km²) spätpräkambrisches
Intrusions- gebiet. Die Basis besteht aus Graniten, die von einer, bis zu 3000m
mächtigen Sand- steinschicht überlagert wird. Während der Sedimentation
des Sandsteins kam es durch Grabenvulkanismus zur Zwischenschaltung basaltischer
Lager und Gänge. Im Gefolge dieser Eruptionen intrudierten zahlreiche alkalische
Gesteine in diese Formation. Die geochemische Zusammensetzung der Intru- sionen
erstreckt sich von alkalisch bis per- alkalisch wobei Si-übersättigte
wie auch untersättigte Gesteine auftreten. Nur in der Ilimaussaq-Intrusion
findet man beide Gesteinsarten. Die geogr. Ausdehnung der Intrusionen erstreckt
sich von wenigen km² (Ivigtut) bis zu fast 1000Km²(Nunarssuit).

Geographische Lage der Gardar-Provinz im Süden Grönlands
Mineralogie
Mit über 200, teils einzigartigen Mineralien, zählt die Intrusion mit
zu den interessantesten Fundstellen der Welt. Sie wurde schon 1806 von
K.L.Giesecke entdeckt, und später von zahlreichen Mineralogen und
Geologen erforscht. Die Mineralogie gleicht im wesentlichen der von
Khibina/Lovozero und Mont Saint-Hilaire und ist durch eine große
Anzahl von Si-Al, Na, Ca-REE, Ti-Nb und Be-haltigen Mineralien
charakterisiert. (O.V.Petersen, 1993)
Die gesteinsbildenden Mineralien (Sodalith, Nephelin, Ägirin etc.)
lassen sich in der gesamten Intrusion, die selteneren in Pegmatiten
und hydrothermalen Gängen finden.
Zu den besonders mineralreichen Gebieten zählen Kringlerne,
Taseq-Hang und Kvanefjeld. Man sollte jedoch alle Gebiete sehr
genau und mehrmals!!! untersuchen.

Tugtupit, Nunasarnaussaq (Bildbreite:
11cm)

Polylithionit, Tuperssuatsiait (Bildbereite: 10cm)
Der Solschacht von Bad Kösen und sein Feldgestänge
Am Ufer der Saale liegt Bad Kösen. Eingebettet zwischen Weinbergen und steilen Kalksteinwänden, wenige Kilometer südlich von Naumburg. Ein hübsches beschauliches Städtchen. Überragt wird die Stadt von ihrem Gardierwerk, 320 Meter lang.
Der Solschacht von Bad Kösen und sein Feldgestänge
von Michael Pfefferkorn, November 2003
1. Der Antrieb
2. Das Feldgestänge zum Soleschacht
3. Das Feldgestänge vom Schacht zum Gradierwerk
4. Das Gradierwerk mit Kunstwinkel
Ein Besuch dieser sehr interessanten Anlage wird sehr empfohlen.
1. Der Antrieb
Das Radhaus mit Wasserrad wurde 1780 gebaut. Es ist ein unterschlächtiges
Wasserrad das heißt, die Zuführung des Wassers arbeitet gegen den
unteren Teil der Schaufeln. Sein Wirkungsgrad ist daher geringer als beim oberschlächtigem
Wasserad, bei dem das Wasser von oben auf die Schaufeln trifft.
Mit Hilfe der Wasserkarft wird das unterschschlächtige Wasserrad in Bewegug
gesetzt. Die auf beiden Seiten angebrachten Krummzapfen (Exzenter) übertagen
die Kaft auf das Doppelfeldgestänge und Versetzen es in Hin- und Herbewegungen.
Durchmesser des Rades: ca. 7m
Breite des Rades: ca. 2,40m
Fallhöhe des Wassers ca. 2,70m
Wassermege pro Minute: ca. 300m³
Umdrehung pro Minute max. 8-9
frühere Leistung ca. 60 PS eff.

Eines der beiden Radhäuser

Wasserzulauf

Das Wasserrad mit Krumzapefn und Gestänge

Krumzapfen und Gestänge

Das zweite Radhaus

Wasserad im zweiten Radhaus
2. Das Feldgestänge zum Soleschacht
Das Bad Kösner Feldgestänge ist als Doppelfeldgestänge einmalig
in Europa.
Vom Wasserrad wird die Kraft durch das doppelte Gestänge über 180
Meter zum Solschacht übertragen. Die einzelnen Balken sind ca. 9 Meter
lang und durch Schlösser miteinander verbunden.
Zahl der Pendelstützen: 2 x 27
Zahl der Spiele pro Minute: 8 – 9 max.
Kurbelradius: 45 cm
Geschmindigkeit pro Spiel: ca. 40 cm/s max.

Radhaus mit Feldgestänge

Radhaus mit Feldgestänge

Feldgestänge

unter dem Feldgestänge Richtung Solschacht

Feldgestänge Richtung Radhaus

Feldgestänge mit Solschacht
Der Solschacht (Borlachschacht) wurde unter Anleitung von Johann G. Borlach
zwischen 1731 und 1735 auf 175 m abgeteuft und erschloß eine Sole von
ca. 5 % Salzeghalt.
Die Sohle kommt aus den unteren Schichten des Röt, wo ein Salzlager der
Auflösung durch Süßwasser unterliegt. Über dem Schachteingang
lag ein Kunstkreuz, welches die horizontalen Bewegungen des Gestänges
in eine vertikale umwandelte.
16 Kolbenpumpen (heute elektrisch) hoben die Sole bis in den Schachtturm,
von wo sie in die unteren Becken des Gradierwerks floß.
3. Das Feldgestänge zum Gradierwerk
Das Gaeblschwinggestänge ist ein einfaches Feldgestänge. Das am
Kunstkreuz im Schacht angeschlossene Gabelschwinggestänge übertrug
die Kraft über 138 m zum Gradierwerk. Mit Hilfe von Kolbensaugpumpen wurde
die Sohle aus dem unteren Becken auf das 20 m hohe Gradierwerk gehoben.
Das einfach Gestänge mußte abgetragen werden und wurde 1992 originalgetreu
wieder aufgebaut.

Blick vom Schacht zum Gradierwerk mit Gabelschwinggestänge.

Gradierwerk mit Gabelschwinggestänge.

Gradierwerk mit Gabelschwinggestänge. Blick zum Borlachschacht.
4. Das Gradierwerk
Das Gradierwerk ist eine Holzkonstruktion von Pfeilern, Streben und Stützen,
zwischen denen Schwarzdornreisig geschichtet ist.
Die Gesamtanlagehat eine Länge von 320 Metern. Zweck des Gradierwerks
war, die Salzkonzentration der Sole zu erhöhen um beim späteren Salzsieden
Energie zu sparen.
Die zunächst 5%ige Sole lief Tröpchenweise am Reisig herab. Durch
Wind und Sonne verdunstete ein Teil des Wassers und erhöhte den Grad der
Sole. Am Fuße der Anlage wurde sie aufgefangen und zum nochmaligen Verdunsten
auf das Gradierwerk gepumpt.
Nach der Schließung der Saline 1859, diente das Gradierwerk ausschließlich
medizinischen Zwecken (Freiluftinhalation).

Das Gradierwerk

Das Gradierwerk

Das Gradierwerk – Pumpensatz der die Sole wieder nach oben befördert.

Kunstwinkel im Gradierwerk
Quellen: Verschiedene Schautafeln vor Ort
Das Besucherbergwerk „Morassina“ in Schmiedefeld
Das Besucherbergwerk „Morassina“
in Schmiedefeld / Thüringen

Erster Abbau nach dem neuaufgefahrenen Besucherstollen.
Am 13.Juli 2002 hatten wir die Möglichkeit in der Morassina einige Fotos
machen zu können, die auch Bereiche der Grube zeigen, welche normalerweise
dem normalen Besucher nicht zugänglich sind. Hierfür möchten
wir uns bei der Leitung des Besucherbergwerkes recht herzlich bedanken.

Erster Abbau nach dem neuaufgefahrenen Besucherstollen.

Führungsweg
Die Grube liegt im sogenannten „Schwefelloch“ unterhalb von Schmiedefeld und
ist vom Ort bequem zu erreichen.

Überall sind interessante Sinterbildungen zu sehen.
Das ehemalige Alaunschieferbergwerk war von 1683 bis 1860 in Betrieb, produzierte
Alaun, Eisen- und Kupfervitriol, Schwefelsäure und Farberden sowie in
geringem Maße etwas Gold und Silber.

Sinterdetail
Der Betrieb wurde eingestellt nachdem die chem. Industrie die Hauptprodukte
der Grube kostengünstiger herstellen konnte.

Sinterkaskaden, Stalagtiten und Stalagmiten allerorts.
1951 wurde die Grube durch die Wismut wieder geöffnet. Damals fand eine
Suchkampagne in der gesamten ehem. DDR statt, bei der alle alten Gruben auf
Uran prospektiert wurden. Man wurde im Sinne von Uran nicht fündig, entdeckte
jedoch die optisch sehr schöne Sinterwelt, welche eine seltene Formen
und Farbenvielfalt besitzt. Vergleiche, zu den Saalfelder Feengrotten, welche
ja eigentlich auch ein ehem. Alaunschieferbergwerk („Jeremias Glück“)
darstellen, können ohne weiteres gezogen werden. Die Schmiedefelder Grube
steht den Feengrotten in nichts nach, allerdings ist der Tourismus in der Morassina
ein angenehmerer, da der Rummel im Gegensatz zu den Feengrotten, hier deutlich
verhaltener ist.

Blick in eine Strecke im Altbergbau
1990 wurde begonnen die Grube für einen Besucherbetrieb vorzurichten,
eine neue Tagesstrecke wurde aufgefahren, Tagesanlagen errichtet und am 31.Mai
1993 konnte die Morassania eröffnet werden.

Denkmalschutz unter Tage.
Einige der alten Stempel sind noch Originale
und bis zu 300 Jahre alt.
In dem Grubenhauptgebäude befindet sich ein kleines Bergbaumuseum, welches
dem Besucher Gezähe, Geleucht, Mineralien, Risse und Dokumente über
den Bergbau zeigt, sowie über die Grube umfassend informiert.

Die Abbaue hier haben eine Höhe von ca. 1,60m

Der Besucher kann diese Bereiche zwar sehen, aber nicht wie wir befahren

Auf die detailgetreue Rekonstruktion wurde viel Zeit verwendet.

Im Tiefsten: Diese Bereiche sind nur im Sommer
befahrbar nach längerer Trockenheit.

Blick in ein kleines Gesenk.

Alte Strecke, welche mit Schlägel und Eisen in den Berg gehauen wurde.

Im alten Stollen.
Die Grube kann ganzjährig besucht werden und ist täglich von 9-17Uhr
geöffnet, die Führung dauert 45 Minuten. Auch gibt es einen Heilstollen
zu Therapiezwecken.
Weitere Informationen:
Morassina-Grube 03 67 01.6 15 77
Der Thüringer Hohlbau – Dachschieferbergbau
Thüringer Dachschiefer Bergbau:
Der Thüringer Hohlbau
Vorweg: Anfragen wo sich die Grube genau befindet werden nicht
beantwortet. Grund hierfür ist, dass man aus den Fehlern der Vergangenheit
lernt. Leider hat nach vorangegangen Publikationen hier auf der Page in diversen
Objekten schlagartig ein Massentourismus eingesetzt. Anrufe wo das genau das
Mundloch wäre erhielt ich und so ziemlich alles, was an Technik in der
Grube da war wurde demontiert und in alle Himmelsrichtung verschleppt. Dies
ist nicht akzeptabel und es tut mir zwar für die ehrlichen und anständigen
Befahrer leid, aber damit ist jetzt Schluss.
Also: die Grube befindet sich in Thüringen. Im Schiefergebirge. Viel Spaß beim
suchen.
In aller Kürze:
Die Thüringer Hohlbaue sind die größten offenen
Hohlräume die man im Schieferbergbau sehen kann, es gibt im Allgemeinen
im Bergbau kaum Abbaue die größer sind, wenn man den Salzbergbau
mal außer Acht lässt.
Die Abbildung verdeutlicht das Abbauprinzip:
Die Hauer hängen an Ketten am liegenden Abbaustoß und bohren die
Löcher für den folgenden Abschlag. Nach dem Schießen liegt
der Schiefer auf der Sohle und wird sortiert. Zu einem werden Schieferrohplatten
gespalten, zum anderen das unbrauchbare Gestein in Förderloren gegeben
und nach Übertage auf die Halde gefahren um dort verkippt zu werden. Die
Schieferplatten kommen auf spezielle Förderwagen und werden zur Weiterverarbeitung
in die Spalthütte transportiert.
Diese Abbaue erreichen bis über 30m Höhe und ebenso
gewaltig Grundausmaße. Der Thüringer Hohlbau wurde bis ca. 1955
angewendet, danach gab es nur noch die rheinischen Abbaue, bei dem alles unbrauchbare
Gestein im Abbau verbleibt.


Alte Munitionswürste zum Schießen (Sprengen). Das Material ist selbstverständlich
nicht befüllt gewesen.

Inschrift
an einem Förderquerschlag

Thüringer Hohlbau. Mittlere Förderstrecke. Gesamthöhe ca. 25m

Thüringer Hohlbau

Thüringer Hohlbau. Blick auf einen stehengelassenen Sicherheitpfeiler.

Kettenaufhängung. An diesen Ketten hingen die Hauer im Abbaustoß mit
Bohrhämmer und bohrten die Löcher für den nächsten Abschlag.
Dabei hatten sie bis zu 30m „Luft“ zwischen sich und der Sohle.

Abbaukammer

Sicherheitspfeiler zwischen zwei Abbaukammern

Hinweistafel in der Richtstrecke

Untertage Flora.

Untertage Flora.

Abenteuerlicher
Fahrtenturm in die nächste Abbaukammer. Der Befahrer oben hat diese Konstruktion
nicht benutzt, sondern ist einen anderen Weg gefahren. Die Fahrung ist nicht
mehr benutzbar!

Abbau: ca. 40m lang 10-15m breit und gut 30m hoch! Achtung! Die Dimension sind
sehr schwer schätzbar, daher sind die Angaben ohne Gewähr!

Ketten am Abbaustoß: Arbeitsplatz der Bohrhauer.

Sitzholz für den Bohrhauer
Der Churprinzer Bergwerkskanal und das Halsbrücker Kahnhebehaus, das erste Schiffshebewerk der Welt
(Veröffentlicht in BERGBAU 9/94)
Allgemein bekannt ist, dass in den alten Bergbaurevieren (die sich ja auch oft in den Bergen befanden) das Wasser als Hauptenergielieferant eine große Rolle spielte. Um das Wasser in ausreichender Menge auch möglichst dort zu haben, wo es als Antriebskraft für Wasserräder, Pumpen, Pochwerke etc. benötigt wurde, musste ein umfangreiches Leitungs- und Speichersystem, oder genauer Graben- und Teichsystem, angelegt werden. Das war im Erzgebirge genauso, wie beispielsweise im Harz. Eigentlich war es dann auch nahe liegend, dass zum Teil solche Wasserläufe auch zum Transport von Erzen genutzt wurden, wie es auch tatsächlich sowohl untertage (z. B. Tiefe Wasserstrecke im Oberharzer Revier) [1] als auch übertage geschah. Problematisch wurde es jedoch, wenn die Hauptförderrichtung talaufwärts ging. Solch ein Beispiel soll hier kurz geschildert werden, unter anderem auch deshalb, weil hier das erste Schiffshebewerk der Welt gebaut worden ist.
Eines der reichsten Bergwerke im Freiberger Revier ab etwa Anfang des 18. Jahrhunderts war die Grube „Churprinz Friedrich August Erbstollen“, kurz „Churprinz“ genannt.
Sie lag am nördlichen unteren Ortsrand des Bergdorfes Großschirma auf dem linken Ufer der Freiberger Mulde (Bild 1).

1 Übersicht über einen Teil des alten Bergbaugebietes nördlich von Freiberg
(nach Wagenbreth & Wächtler, 1986)
Das aus der Grube gewonnene Erz musste zur Hütte nach Halsbrücke befördert werden, die zwar nur ca. 5 km entfernt lag, aber leider in südöstlicher Richtung, das heißt talaufwärts auf dem anderen Ufer der Freiberger Mulde. Der Transport mit Pferdefuhrwerken durch das relativ enge Tal war umständlich und zeitraubend und damit teuer.
Neben diesem Erz-Transport-Problem gab es für die Grube auch ein Energieproblem, das hieß damals, ein Mangel an „Aufschlagswasser“. Die Hauptversorgung mit Aufschlagswasser erfolgte vom Waltersbach. Unterhalb der Ortschaft Kleinwaltersdorf begann der Obere Churprinz Kunstgraben, der auch noch einen Zufluss aus dem Münzbachtal erhielt. Als Speicher wurde am Zusammenfluss der zwei Gräben ein Bergwerksteich angelegt (Bild 2). Doch das Wasser reichte bei größer werdenden Förderteufen, besonders in regenarmen Sommern, längst nicht mehr aus.

2 Die Wasserversorgung der Grube Churprinz um 1830 (nach Wagenbreth & Wächtler, 1986)
Detail siehe Abb.3
Der damals im Freiberger Revier zuständige oberste Bergbeamte für diese Probleme war der Kunstmeister Johann Friedrich Mende . Er entwickelte die sogenannte Untere Churprinzer Wasserversorgung, die an der Blockzeichnung (Bild 3) im Bereich der alten Grube „Churprinz“ dargestellt ist.

3 Leicht schematisiertes Raumbild der Tagesanlagen, Schächte und der Energieversorgung der Grube Churprinz (nach Wagenbreth & Wächtler, 1986)
Etwa an der Stelle der Einmündung des Münzbaches in die Freiberger Mulde (und damit an der Stelle, wo die Alte Meißener Straße die Feiberger Mulde überquert und sich auch die berühmte Altväterbrücke befand), hatte Mende 1788 einen Graben von der Mulde abgezweigt und mit nicht ganz einfachem Verlauf, sogar unter Einbau einiger Schleusen, der Grube Churprinz zugeführt (7-7-7 in Abb. 2). Er legte den Graben so breit an, daß er sowohl vom größeren Querschnitt her, als auch der damit bedingten Wasserfließgeschwindigkeit, zum Transport von Erzen per Kahn von der Grube bis zur Freiberger Mulde benutzt werden konnte.
Da die Hütte in Halsbrücke auf der östlichen Muldeseite und über dem Tale lag, baute Mende bei Rothenfurth ein Kahnhebewerk in das Tal der Freiberger Mulde, das als das älteste Schiffshebewerk in die Technikgeschichte eingegangen ist. In diesem Kahnhebehaus wurden die Erzkähne fast 7 m hoch gehoben. Ein Funktionsschema mit Schilderung des Hebevorgangs erklärt Bild 4; desgleichen zeigt es das ursprüngliche Aussehen und den heutigen Zustand des Kahnhebehauses.

(nach Wagenbreth & Wächtler, 1986)
Das Bild 5 zeigt die Grundmauern, wie sie von einer FDJ-Brigade 1986 wieder hergerichtet und als Technisches Denkmal konderviert worden sind. 
Dieser Kanal, einschließlich des Hebehauses, erbaut in den Jahren 1788-1789, von der Halsbrücker Hütte bis zur Grube Churprinz war gut 5 km lang, und der Kahntransport dauerte 4-5 Stunden, dazu kam noch eine weitere Stunde für das Heben und eine weitere für die Fahrt bis zur Hütte.
1791 und 1792 wurde der Kanal in zwei weiteren Etappen bis über Großvoigtsberg hinaus ausgebaut und mit zwei weiteren Kahnhebehäusern versehen, konnte aber aufgrund verschiedener Mängel nie wirtschaftlich betrieben werden (was auch mit daran lag, das sämtliche Arbeiten am Kanal von Bergleuten mit ihrem höheren Lohnniveau durchgeführt wurden).
Bei der Grube Christbescherung in Großvoigtsberg entstand in Verbindung mit dem Kanalbau ein weiteres Kahnhebehaus (das aber wohl nie richtig in Betrieb ging) und dank des zusätzlichen Wasserangebotes durch den Kanal (und größerem Bedarf in der Grube) eine technisch sehr bemerkenswerte Wasserhebeanlage (1787-1789), die als damalige technische Meisterleistung kurz geschildert werden soll.
Wasser aus dem Bergwerkskanal trieb ein unterschlächtiges Wasserrad, das wiederum über ein Kunstgestänge ein Kustgesenk, bestehend aus
2 x 2 parallelen Pumpensätzen und mit je vier übereinander gesetzten Pumpsätzen ein einem extra gebauten Schacht, antrieb. Diese Wasserkunst hob das Kanalwasser immerhin
33 m und speiste es im Oberen Christbescherung-Kunstgraben ein.
Schon gut 30 Jahre nach der Fertigstellung des MENDE schen Kanalsystems, nämlich im Jahre 1822, baute der Nachfolger Mendes, der Maschinendirektor Christian Friedrich Brendel (der auch die erste brauchbare Wassersäulenmaschine im Freiberger Revier baute und 1820 in der Grube „Reicher Bergsegen“ in Erbisdorf installierte) den Kanal in einem etwas höheren Niveau neu (von „Churfürst“ bis Halsbrücke; der Rest verfiel). Durch das Anlegen einer Rösche, „Rösche“ im Erzgebirge bedeutet das gleiche wie „Wasserlauf“ im Harz, nämlich ein unterirdisch geführtes Stück Wassergraben, also ein „Wassertunnel“, der „Rothenfurther Rösche“ konnte der Kanal erheblich verkürzt, Schleusen eingespart und damit die Transportzeiten um rund 1/3 verkürzt werden. Wie der Transport sich abspielte, das ist in Wagenbreth & Wächtler (1986) auf Seite 178 wie folgt beschrieben:
Die etwa 7,75 m langen und bis 1,35 m breiten und 0,7 m hohen Erzkähne wurden in der Nähe des Churprinzer Huthauses in der zum Kunstrad führenden Rösche mit je etwa 2,5 Tonnen aufbereitetem Erz beladen und dann von zwei Mann kanalaufwärts getreidelt, während ein Dritter auf dem Kahn stehend stakte und lenkte. Aus der Rösche am Churprinz heraus und durch die Rösche von Waltersbachtal ins Muldental zog man sich, indem alle drei Mann auf dem Kahn saßen, an einem längs gespannten Seil. An der Altväterbrücke musste die Mulde gequert werden. Dabei wurde von einem Steg aus getreidelt. Nach einer Fahrt auf dem etwa 600 m langen Kanalstück rechts der Mulde gelangte man in den am Kahnhebehaus liegenden „Oberen Wehrteich“, querte diesen, fuhr ins Hebehaus, ließ den Kahn heben und setzte in dem oberen Teil des Bergwerkskanals die Fahrt bis zur Hütte Halsbrücke fort. Die Fahrt vom Churprinz bis zur Halsbrücker Hütte dauerte knapp drei Stunden. (Zitat Ende).[3]
Anzumerken sei noch, das die Kähne von sechs Bergleuten mittels fünffacher Flaschenzüge 7 m hoch gehoben und dann wieder auf das Oberwasser gesetzt wurden. Dieser Vorgang dauerte etwa eine Stunde.
Erst im Jahre 1868 schlug die Todesstunde für diesen- nun wirtschaftlichen- Erztransport. Seit 1844 wurde an dem großen Wasserlösungsstollen des Freiberger Reviers, dem Rothschönberger Stollen, gebaut, der In Freiberg ca. 200 m Teufe unter dem Tiefen Fürstenstollen brachte. Dieser Stollen wurde, ähnlich wie der Ernst-August-Stollen im Harz mit Örtern und Gegenörtern von insgesamt acht Lichtlöchern (=Schächten) vorgetrieben.
In unmittelbarer Nähe des Kahnhebehauses lag das siebte Lichtloch des Rothschönberger Stollens. 1868 wurde ein Großteil des Wassers der Freiberger Mulde zum Betrieb der Maschinen dieses Lichtloches benötigt und der Rest reichte nicht mehr für den Kahntransport. So musste nach etwa 80 Jahren Kanalbetrieb der Erztransport wieder auf die Pferdefuhrwerke zurückverlegt werden.
Verwendete und weiterführende Literatur:
Literatur:
[1] Ruder, J. (Hrsg.) (1989): Der historische Erzbergbau um Freiberg/Sachsen und die Lehrgrube „Alte Elisabeth“. – ca. 100 S., viele Abb.; Führer 25. Exk. RDB.; Hannover
[2] Ruder, H. & Müller, D. (1988): Die Wasserwirtschaft im Oberharzer Bergbau. – bergbau 39, H. 10, S. 462-467 und H. 11, S. 506-511
[3] Wagenbreth, O. & Wächtler, E. (1986): Der Freiberger Bergbau, Technische Denkmale und Geschichte. – 382 S., 315 Abb., Tab.; Leipzig