Die ehemaligen Steinkohlenbergbaureviere von Zwickau und Lungau-Oelsnitz

Geschrieben von MichaP

Ein geologisch-bergbaugeschichtlicher Überblick über die ehemaligen Steinkohlenbergbaureviere von Zwickau und Lungau-Oelsnitz

Anmerkung: Die im Text eingebetteten Bilder lassen sich durch Anklicken vergrößern

publiziert in der Zeitschrift "Bergbau" 8/1998 – Seite 367-380 In den Jahren seit der Wiedervereinigung Deutschlands wird in Bergbau- und Umweltzeitschriften sehr viel über den Braunkohlen- und Uranbergbau in der ehemaligen DDR und den entsprechenden Bergbaufolgeschäden und deren Sanierung berichtet. Manchmal wurde noch der Salzbergbau (Kali- und Steinsalz) erwähnt. Auch das offizielle Organ des RDB, die Fachzeitschrift ,,BERGBAU", machte da keine Ausnahme. Der Leser hat sich einen guten Eindruck und Überblick über die Aktivitäten des Braunkohlenbergbaus und die Sanierung von Bergbaufolgeschäden des Braunkohle- und Uranbergbaus verschaffen können.
Kaum jemals wurde aber über die weiteren Bergbauzweige, wie Metallerzbergbau, Spatbergbau oder den Steinkohlenbergbau berichtet, die alle zu DDR-Zeiten große Bedeutung für die Staatswirtschaft hatten. Inzwischen sind aber alle diese Bergbaubetriebe stillgelegt worden, teils wegen Erschöpfung der Lagerstätte, meist aber wegen unwirtschaftlichkeit.
Nach einem Uberblick über die Steinkohlenvorkommen auf dem Gebiet der neuen Bundesländer, werden hier die mit Abstand größten Steinkohlenbergbaureviere von Zwickau und Lugau-Oelsnitz vorgestellt.

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Das römische Tuffbergwerk Meurin bei Kretz

Geschrieben von MichaP

Bericht vom 6. Internationalen Bergbau-Workshop, Oktober 2003, Rescheid (Eifel)

Das römische Tuffbergwerk Meurin bei Kretz liegt dicht an der Abfahrt Kruft der Autobahn A61. Man fährt Richtung Kretz (Ausschilderung Vulkanpark Route blau) und folgt in Kretz der Ausschilderung zum Römerbergwerk.
Die Anlage ist von April bis Oktober Di-Fr 9.00 – 17.00 Uhr und Sa, So und an Feiertagen 11.00 – 18.00 Uhr geöffnet. Von November bis März ist es Di-So für Gruppen und Führungen nach Absprache zugänglich.
Das römische Tuffbergwerk ist Bestandteil des touristischen Konzeptes "Vulkanpark", in dem der Vulkanismus in der Eifel sowie die Nutzung der Gesteine von der Römerzeit bis heute den Besuchern vermittelt werden soll.

Der Vulkanismus der Eifel ist geologisch gesehen sehr jung. Einer der Vulkane ist der Laacher See Vulkan. Sein Ausbruch datiert in das Alleröd-Interstadial. Unter dem heutigen See hatte sich in etwa 3 km Tiefe eine Magmenkammer gebildet. Es hatte phonolithische Zusammensetzung. Im oberen Bereich der Kammer hatte sich das Schmelze stark mit Gasen anreichert. Durch die daraus resultierende geringe Dichte konnte das Magma weiter aufsteigen. Als es in Kontakt mit Grundwasser geriet, kam es vor 12.900 Jahren zu einer gewaltigen Explosion, bei der sich ein trichterförmiger Schlot bildete. Eine klassischen Vulkankegel hat es nicht gegeben. Die Druckentlastung führte zu einer Expansion der im Magma gelösten Gase und damit zu einer Verstärkung der Eruption. Zunächst gab es eine rund 30 km hohe Eruptionssäule. Die Säule kollabierte bei nachlassendem Gasschub schließlich. Im Ergebnis davon rasten etwa 600°C heiße Ascheströme und Glutlawinen mit Geschwindigkeiten bis zu über 100 km/h durch die Täler der Umgebung. Diese Lawinen werden auch als pyroklastische Ströme bezeichnet. Das Magma erstarrte zu Bims, ein glasiges, sehr poröses Gestein. Ursache für die Porosität ist die hohe Konzentration flüchtiger Bestandteile im Magma. Das abgelagerte Material, das als Tephra bezeichnet wird, enthält neben Bimsasche (< 2 mm Korngröße) und Bimslapilli (2 – 64 mm Kormgröße) gelegentlich auch Bimsbomben (> 64 mm) und z.T. viele Fremdgesteinsbruchstücke (Schiefer, Sandstein, Basalte).
Im Bereich des heute zugänglichen römischen Bergwerkes befand sich vor dem Vulkanausbruch das Urtal des Krufter Baches. Zu Beginn der Eruption wurden hier 4 Meter Bims abgelagert, gefolgt von 14 Ascheströmen und Glutlawinen. Insgesamt erreichte die Mächtigkeit der Ablagerungen schließlich 35 Meter. Insgesamt wurden etwa 6 km3 Magma ausgeschleudert. Zur Anzahl der Ausbrüche gibt es unterschiedliche Theorien. Eine geht von einer Eruption aus, eine ander nimmt zwei Ausbrüche im Abstand einiger Jahre an.
Durch die Einwirkung von Grund- und Oberflächenwasser wurde der Bims umgewandelt und mehr oder weniger stark verfestigt. Durch Mineralumwandlungen und -neubildungen enstand so aus dem Bims der Tuff. Eine der verfestigten Tufflagen ist der in römischer Zeit intensiv abgebaute sogenannte Römertuff.

Das "Römerbergwerk Meurin" liegt im Gelände der Firma Meurin, die auch heute noch Tuff abbaut. Ein Teil des Geländes konnte für archäologische Ausgrabungen gesichert werden. Das "Römerberkwerk" ist heute von einer großen, freitragenden Stahl-Glas-Konstruktion mit 55 x 45 Meter Grundfläche überdeckt. Die Halle schützt die Ausgrabung vor Witterungseinflüssen. Die den "Römertuff" und damit auch das Bergwerk bedeckende Tuffschicht wurde durch die Firma Meurin abgebaut. Der Einsatz schwerer Technik führte dazu, dass große Teile der Tuffsteinfirste einstürzten. Damit fehlt großen Bereichen des Bergwerks die Firste. In den Teilen, wo sie noch vorhanden ist, erkennt man noch die Spuren der Bagger- oder Greiferschaufeln. Teile der Bergwerkes sind noch nicht ausgegraben. Zur Zeit des Besuches (Oktober 2003) waren hier noch Arbeiten im Gange. Durch die fehlende oder schwache Firste war es erforderlich, zahlreiche Stützen zu setzen. Hierbei wurde auf Holz oder einfache Baustützen zurückgegriffen. Erfreulich ist, dass hier nicht ein "pseudo-historischer" Ausbau verwendet wurde, denn zu römischer Zeit hat es keinen gegeben. Die rund 4 – 5 Meter mächtige Überdeckung und die Verfüllung abgebauter Bereiche mit Versatz machten keinen Ausbau erforderlich.
Die Besucher durchqueren das Bergwerk auf einer Brücke und auf Stegen. Das ist erforderlich, um das recht weiche Gestein mit den erhaltenen Spuren des römischen Abbaus zu schützen und zu erhalten. Die Besucher erhalten am Einlass ein sehr informatives Heft mit ausführlichen Erklärungen zu Entstehung des Tuffs und zur Technik des römischen Abbaus.

Im Gebiet um Kretz gab es den größten römischen Tuffabbau nördlich der Alpen. Das ursprüngliche Abbaugebiet umfasste 2 – 3 km2. Nur ein kleiner Teil davon ist erhalten. Vieles ist dem rezenten Abbau zum Opfer gefallen und wird ihm noch zum Opfer fallen. Das Bergwerk war wahrscheinlich etwa im 2. oder 3. Jahrhundert in Betrieb. Der Tuff wurde in einzelnen Kammern unter Tage gewonnen, dazwischen wurden Pfeiler stehen gelassen. Es handelt sich also um einen Kammerpfeilerbau. In den Kammern gewann man große Tuffblöcke. Diese Blöcke konnten bis über 2,50 Meter Höhe und 1,60 Meter Breite aufweisen. Zum Abbau der Blöcke schlug man mit einem Beil bis 40 cm tiefe Schrote oben, unten und an einer Seite des zu gewinnenden Steins in den Tuff. In die vierte Seite wurden Keiltaschen geschlagen und eiserne Keile eingesetzt. Die Keiltaschen verliefen leicht schräg in Richtung des gegenüber liegenden Seitenschrotes. Durch gleichmäßiges Schlagen auf die Keile löste sich der Stein auch an der Rückseite. An vielen Stellen in dem ausgegrabenen Bereich sind die Beilspuren, die Schrote und die Keiltaschen gut zu erkennen, so dass sich die Abbautechnik rekonstruieren lässt.
Die gewonnenen Tuffquader wurden auf Rundhölzern zu den Materialschächten transportiert und hier mit Kränen an die Oberfläche gefördert. Große Blöcke wurden auch noch untertage zerteilt. Die Schächte weisen einen runden bis ovalen Querschnitt auf. Der Rest eines derartigen Schachtes ist noch vorhanden, auch wenn der größte Teil heute fehlt. Personen fuhren über Treppenschächte in die Grube ein. Der untere Teil eines Treppenschachtes ist ebenfalls noch erhalten. Das Material wurde als Baustein für Häuser, Brunnen, Grabanlagen, Sarkophage und Altäre benutzt. Weiterhin kam der Tuffstein als hydralisch wirksamer Bestandteil des römischen Betons zur Anwendung, z.B. beim Bau der Eifel-Wasserleitung nach Köln.
Im Mittelalter gab es um das Jahr 1200 noch eine kurze Nachnutzung des Bergwerkes. Dabei wurde der Versatz durchgeklaubt und an einigen Pfeilern die Ecken abgeschlagen. Eine Gewinnung großer Blöcke fand nicht mehr statt.

Bilder:


Kretz01: Ehemaliger Tuffsteinbruch der Firma Meurin in der Nähe des Römischen Bergwerkes.


Kretz02: Das Römerbergwerk Meurin. Im Vordergrund sind Spuren der Baggerschaufel vom rezenten Abbau der Deckschicht zu sehen.


Kretz03: Das Römerbergwerk Meurin. Noch nicht vollständig ausgegrabener Bereich.


Kretz04: Das Römerbergwerk Meurin. Abbaukammern und Sicherheitspfeiler.


Kretz05: Das Römerbergwerk Meurin. Abbaukammern und Sicherheitspfeiler. Hier ist noch ein Teil der Firste erhalten.


Kretz06: Das Römerbergwerk Meurin. Rechts sind Spuren der Baggerschaufel vom rezenten Abbau der Deckschicht zu sehen.


Kretz07: Das Römerbergwerk Meurin. Abbaukammern und Sicherheitspfeiler. Hier ist noch ein Teil der Firste erhalten, die abgestützt werden muss.


Kretz08: Das Römerbergwerk Meurin. Blick in eine Abbaukammer. Hier ist noch ein Teil der Firste erhalten, die abgestützt werden muss.


Kretz09: Das Römerbergwerk Meurin. Blick in eine Abbaukammer. Hier ist noch ein Teil der Firste erhalten, die abgestützt werden muss.


Kretz10: Das Römerbergwerk Meurin. Blick in eine Abbaukammer. Deutlich ist das Seitenschrot eines abgebauten Tuffblockes zu sehen.


Kretz11: Das Römerbergwerk Meurin. Rest eines Treppenschachtes.


Kretz12: Das Römerbergwerk Meurin. Rest eines Treppenschachtes.


Kretz13: Das Römerbergwerk Meurin. Rest eines Treppenschachtes. Die oberen Meter des Schachtes sind nicht mehr erhalten.


Kretz14: Das Römerbergwerk Meurin. Eine Abbaukammer mit Seitenschrot von einem Seitenschrot eines abgebauten Tuffblocks.


Kretz15: Das Römerbergwerk Meurin. Ein Stoß mit Keiltaschen vom Abbau eines Tuffblocks.


Kretz16: Das Römerbergwerk Meurin. Ein Stoß mit Keiltaschen vom Abbau eines Tuffblocks sowie dem Boden- und Seitenschrot von einem weiteren Block.


Kretz17: Das Römerbergwerk Meurin. Ein Stoß mit Keiltaschen und dem Seitenschrott vom Abbau eines Tuffblocks.


Kretz18: Das Römerbergwerk Meurin. Ein Stoß mit Keiltaschen vom Abbau eines Tuffblocks.


Kretz19: Das Römerbergwerk Meurin. Blick in eine Abbaukammer.


Kretz20: Das Römerbergwerk Meurin. Blick von unten in den Rest eines Förderschachts.


Kretz21: Das Römerbergwerk Meurin. Rest eines Förderschachtes. Die oberen Meter des Schachtes sind nicht mehr erhalten.


Kretz22: Das Römerbergwerk Meurin. Querschnitt von einem im Tuff eingeschlossenen Birkenstamm. Links von dem Stamm sind die Entgasungskanäle zu erkennen, durch die die bei der Verkohlung freiwerdenden Gase entwichen sind.

Literatur:
H. Schaaff & P. Ippach (ohne Jahr): Das römische Tuffbergwerk Meurin bei Kretz (MYK).- Informationsschrift Vulkanpark GmbH
R. Schaeffer (2003): Der Bergbau auf Steine und Erden im Eifel-Ardennen-Raum.- Tagungsband 6. Internationaler Bergbau-Workshop 2003 – Rescheid (Eifel), p. 89-93

Alle Fotos: Dr. Thomas Witzke


Zollverein – Gesichter einer schlafenden Zeche

Geschrieben von MichaP

Eigentlich sollte die Seite hier eine Interaktive Reise durch die Zeche Zollverein bei Nacht werden. Zu diesem Zwecke habe ich verschiedene Navigationskonzepte ausprobiert, musste aber immer wieder feststellen, das diese Konzepte entweder den Bildern, der Seite als solches oder der Zeche nicht gerecht werden. Jetzt lagen die Bilder ein knappes Jahr auf meiner Festplatte herum und nichts geschah. Ich finde, dass sie zu schade sind zum nicht zeigen. Daher nun hier. Ohne Text ohne Interaktion. Ohne alles. Nur Bilder.
Die Fotos entstanden auf den Schachtanlagen 1/2/8, 3/7/10 und 12


Schacht 10


Schacht 10


Schacht 12


Schacht 12


Schacht 12


Schacht 12


Blick von Schacht 12 nach Schacht 1 und 2


Blick von Schacht 12 Richtung Kokerei


Blick von Schacht 12 – Wäsche


Blick von Schacht 12 nach Schacht 1 und 2


Schacht 12 vorn Lagerhaus, hinten Kesselhaus


Ersatzseilscheiben von Schacht 12


Blick von Schacht 12 nach Schacht 1 und 2


Schacht 12


Schacht 12 und Wäsche


Teilbereich der Sieberei


Teilbereich der Sieberei


Teilbereich der Sieberei


Schacht 12


Schacht 1 / 2


Schacht 1 / 2


Schacht 12


Schacht 1


Schacht 1 / 2 und Fördermaschinenhaus


Schacht 1 / 2

Dank: Ich danke Karlheinz Rabas sehr herzlich für die überlassenen Unterlagen


Bergschaden in Siegen – Grube Hohe Grete

Geschrieben von MichaP

-Im Aufbau-

Für Fragen, Anmerkungen etc. benutzen Sie bitte unser Diskussionsforum

1. Historisches zur Grube Hohe Grethe bei Siegen
2. Abbauverfahren

André Hellmann im Interview mit der Welt am Sonntag

1. Historisches zur Grube Hohe Grethe bei Siegen

Die Anfänge des Bergbaus auf Hohe Grethe sind unbekannt. Erstmals wird die Grube in einer Forstrechnung aus dem Jahre 1698 unter dem Namen “uf der Hohengreten” genannt [1]. Im Oranien-Nassauischer Hof-Staats und Bergwerks-Kalender für das Schaltjahr 1772 wird das Bergwerk unter den Zubus-Gruben aufgeführt [2].

1789 schreibt Johann Philipp Becher:

“Nächst dieser Grube (Pützhorn) in der Aehl, welchen Namen der Wisegrund [sic] führt, immer an dem nämlichen Abhang, wird das Hohegretchen, ein imposantes Eisensteinwerk, gebaut. Hier möchte wohl wenigstens am Tage, brauner Thonschiefer die herrschende Gesteinsart sein. Man erblickt ihn in der obern Tiefe der Grube und allenthalben am Tage. Der Eisenstein b rich t hier von 4 bis zu 15 Fuß Breite. Nur Schade, daß über dem Stollen alles Weg ist, und die Baue unter der Stollensohle in einer Tiefe von 12 Lachtern geführt werden müssen. Im Jahre 1775 förderte dieses Werk 800 Wagen Eisenstein, welches einen Begrif [sic] von seiner Einträglichkeit gibt. Die folgenden Jahre, und bis hierhin hat es freilich etwas weniger gegeben, allein immer genug, um sich im Rang mit den ersten Eisensteingruben zu erhalten, wobei zu bemerken, daß diese Grube kaum drei viertel Jahres betrieben werden kann; denn außer dieser Zeit fehlen der Kunst die Aufschlagwasser, weil die über ihr, oder höher gelegene Mühle mit dem Hammer vor der Kunst, in Ansehung des Wassers, den Vorzug haben, so daß diese stehen muß, wenn keine überflüssige [sic] Wasser vorhanden sind“ [3].

Die Grube Hohe Grethe geht aus der Konsolidierung der Einzelverleihungen Hohe Grethe, Frische Grethe, Junge Grethe, Christophzeche, Lerche, Schwarzwald, Alter Weiberborn, Hohe Ley, Vorderste Grethe und Mittelste Grethe hervor [4]. Abgebaut wurde ein NS streichender, mit 85° nach E einfallender Sideriterzgang, der in oberen Teufen stark oxidiert ist [5].

1865 erfolgte die Anlage eines saigeren Maschinenschachtes (Blindschacht), der in der Unteren Stollensohle angesetzt wurde [4]. 1870 wurde eine Dampfmaschine zur Förderung und Wasserhaltung in Betrieb genommen [6]. Tiefbausohlen wurden in 42-, und 72m unter der Stollensohle aufgefahren. In der ersten Sohle (1871) wurden in der nördlichen Auffahrung 1871 noch alte Strossenbaue angehauen [4,6]. Nach Süden hin soll der Gang unverritzt angestanden haben. Auf der zweiten Tiefbausohle wurde der Gang auf einer Länge von 158m überfahren. Die Ausfüllungsmasse bestand hier überwiegend aus Spat-, und Brauneisenstein und reichlich Quarz. So war der Gang am Schacht zwar 8,5 m mächtig, jedoch konnte durch die Verrauhung nur ein 1,3m mächtiges Mittel bebaut werden. An beiden Enden der Auffahrung keilte der Gang aus.

Beim Aufschluß der sogenannten Querzeche wurde eine stark wasserführende Kluft angehauen. Daraus resultierende Probleme mit der Wasserhaltung und un-günstige Aufschlußverhältnisse führten zur Stillegung der Grube im Jahre 1876.

Im Jahr der Stillegung wurden noch 1405 t Brauneisenstein und 97 t Spateisenstein gewonnen [4].

1917 und 1924 erfolgten Untersuchungsarbeiten im Bereich der Grube Hohe Grethe.

Im zweiten Weltkrieg wurden Teile der Grube Hohe Grethe im Auftrag des Werkluftschutzes zugänglich gemacht und für die Belegschaftsmitglieder der Firma Bertrams (?) herge rich tet [7]. Zwei weitere Ausgänge wurden im Siegtal geschaffen, und ein alter Tagesschacht oder Überbruch (vormals Esse der Dampfmaschine?) in der Nähe der Erzabbaue wurde mit eisernen Fahrten versehen und über die Abbaue mit dem Oberen Stollen verbunden.

[1] Forneberg, Helmut: “4 Wagen holtz bewilligt aus Gnaden”, Bergbaugeschichte aus alten Siegener Renteirechnungen (1992). In: Eiserfeld- Im grünen Kranz der Berge. S.59- 66.

[2] Anonym. Oranien Nassauischer Hof-Staats und Bergwercks-Calender für das Schaltjahr 1772. Herborn.

[3] Becher, Johann Philipp (1789). Mineralogische Beschreibung der Oranien-Nassauischen Lande.

[4] Hundt, T.; Gerlach, G., Roth, F. und Schmidt, W. (1887). Beschreibung der Berg-reviere Siegen I, Siegen II, Burbach und Müsen. Bonn, bei Adolph Marcus 1887.

[5] Fenchel et. al. (1985). Die Sideriterzgänge im Siegerland-Wied-Distrikt. Geologisches Jahrbuch Reihe D. Heft 77. Hannover 1985.

[6] Anonym. Zeitschrift für das Berg-, Hütten und Salinenwesen in dem Preussischen Staate.Berlin. 1871, 19. Bd. S.84.

[7] Flender, Hans-Martin: Der Raum Siegen im Zweiten Weltkrieg : eine Dokumentation. Siegen 1979.

Erklärungen:

1 Fuß ~ 0.3m


2. Abbauverfahren

Wie aus den historischen Quellen hervorgeht, wurde in vorindustrieller Zeit auf Hohe Grethe Strossenbau betrieben, welcher typischerweise auf den steilstehenden Ganglagerstätten des Siegerland-Types vor Beginn des 19. Jhd. durchgeführt wurde. Aus dem Bericht von Becher (Becher, 1789) geht weiter hervor, dass im Altbergbau auf Hohe Grethe mit Gangmächtigkeiten zwischen 1,2 und 4,5 m gerechnet werden kann. Bei gering mächtigen Gängen mit Mächtigkeiten < 2m wurde im Strossenbau mit Bergekästen, bei Mächtigkeiten von 2-12m im Strossenbau mit Bergfesten und bei noch größeren Mächtigkeiten im Teilsohlenbruchbau mit Bergfesten gearbeitet. Erst im beginnenden 19 Jhd. wurden diese Verfahren nach und nach durch den Firstenbau abgelöst, was eine Änderung der Abbaurichtung bedeutet [8].


Im Fall Hohe Grethe kann daher geschlossen werden, dass im „vorindustriellen“ Zeitalter, d.h. vor der Anlage des Blindschachtes die Abbauverfahren Strossenbau mit Bergekästen und Strossenbau mit Bergfesten zur Anwendung kamen [8, 9].

Bei den Abbauverfahren im Strossenbau wurden in jedem Fall Hohlräume im Berg hinterlassen. Besonders ungünstig für die Befahrbarkeit von Gangstrecken, durch die oftmals auch die Förderung aus anderen Grubenabschnitten erfolgte, ist der Strossenbau mit Bergekästen. Bei diesem Verfahren wurde der Hohlraum treppenartig im Erzgang abgeteuft. Bühnenlöcher wurden im Hangenden und Liegendem des Erzganges in regelmäßigen Abständen eingebracht und mit Holzstempeln versehen, die mit Holzbrettern abgedeckt wurden. Darauf wurde der Versatz, d.h. das als wertlos betrachtete gelöste Material eingebracht. Diese sogenannten Kästen wiederholten sich nun in regelmäßigen Abständen, wobei nach einigen aufeinanderfolgenden Bergekästen eine Gangstrecke offengehalten wurde

Der Versatz hatte eine stützende Funktion und konnte somit in der Grube gelassen werden. Ebenso brauchte er nicht an die Tagesoberfläche gefördert werden.

Es gehört nicht viel an Vorstellungskraft dazu, was passiert wenn diese Hölzer verfaulen. Dies ist übrigens mit ein Grund warum so viele Stollen wo dieses Verfahren zur Anwendung kam im ausgeerzten Gangraum zusammengebrochen sind. Der andere Grund ist, dass viele Stollen so angelegt wurden, dass sie nach kurzer Stollenstrecke im tauben Gestein den Gang erreichten. Durch das steile Einfallen der Gänge tut die Schwerkraft das Übriges dazu.

Eine Chance zur Befahrung in der Gangstrecke besteht meistens dann, wenn der Versatz durch Oxidation versintert wurde, oder der Gebirgsdruck den Versatz zusammengepresst hat. Im ersteren Fall ist es zwingend notwendig, dass mit Gangart verwachsenes Primärerz im Versatz in ausreichender Menge vorhanden, und der Versatz nicht zu trocken ist. Besonders „reaktionsfreudig“ ist Versatz, der sulfidische Erze enthält.

Bei größeren Gangmächtigkeiten kam, wie bereits erwähnt, der Strossenbau mit Bergfesten zur Anwendung. Dabei wurden in bestimmten Abschnitten Erzpfeiler im Gang stehen gelassen. Die Gangstrecken wurden durch sogenannte Schweben, Etagenböden aus Erz offengehalten. Auf diesen Etagenböden wurde ebenso Versatz eingebracht. Nach der Beendigung des Abbaus in einem bestimmten Grubenstockwerk wurden die Erzpfeiler häufig noch abgebaut, was nicht selten den Einsturz der Abbaue nach sich zog (sog. Raubbau, der später bergpolizeilich verboten wurde). Die Schweben wurden durch eine Trockenmauerung ersetzt.

Zusätzliche Hohlräume entstanden auch, wenn später Firstenbau unterhalb dieser alten Anlagen durchgeführt wurde. War nun in den „edleren“ Gangmitteln nicht genügend Versatzmaterial für die entstehenden Hohlräume vorhanden, hat man den Versatz einfach aus alten bereits versetzten Gängen bezogen. Den „Alten Mann springen lassen“ ist eine Redewendung aus der Bergmannssprache, die diesen Vorgang treffend bezeichnet.

[8] Gleichmann, H.-D. (1983). Siegerländer Erzbergbau. Erzmetall 36, S. 136-146.

[9] Quiring, H. (1930). Die Anfänge des Bergbaus im Siegerlande. Siegerland, Blätter des Vereins für Heimatkunde und Heimatschutz im Siegerland. Siegen 1930, S.2-15.



Erkundung und Forschung des Salzstocks Gorleben

Geschrieben von MichaP

25 Jahre Erkundung und Forschung des Salzstocks Gorleben
Bergbau im Dienste der Wissenschaft
– ein Befahrungsbericht-



Förderturm Schacht Gorleben 1


Immer wieder liest man im Zusammenhang mit den Kastortransporten vom geplanten Endlager in Gorleben. Die Frage drängte sich auf, was steckt dahinter und wie weit sind die Arbeiten eigentlich fortgeschritten ?
Nach einigen Recherchen lagen doch zahlreiche Informationen vor und es bot sich die Gelegenheit den „Erkundungsbetrieb“ in Gorleben zu befahren.


Bei herrlichstem Winterwetter machten wir uns am 18. Februar 2004 in das Wendland auf. Nach 70-minütiger Fahrt standen wir, wie geplant, pünktlich um 09:00 Uhr vor dem Werkstor. Vom Betriebsparkplatz bot sich ein Überblick über die Tagesanlagen, welche sich von der Straße her, hinter den Bäumen versteckt halten. Schon im Eingangsbereich der Wache finden sich Aufsteller und Infostände mit umfangreichem Material. Nachdem sich die Befahrermannschaft um Dipl. Geol. Andreas Hincke gesammelt hatte, wurden wir in den Beratungsraum über der Betriebswache gebeten.


Herr Dipl.Geol. Isslinger von der DBE (Deutsche Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe mbH) stellte uns nun den Erkundungsbetrieb im Salzstock Gorleben ausführlich vor.


Beim Salzstock Gorleben handelt es sich um einen Doppelsalzstock, den SW-NO-streichenden Salzstock Gorleben-Rambow. Der Teilsalzstock Rambow wurde bisher nicht in die Vorerkundung einbezogen.


Der Salzstock Gorleben ist einer der größten Salzstöcke in Niedersachsen. Seine Länge beträgt 14 km, welche eine Fläche von ca. 40km 2 umfasst. Er befindet sich unter einem 200-300 m mächtigem sedimentärem Deckgebirge des Tertiärs und des Quartärs, seine Teufe erreicht ca. 3500m. Der Salzspiegel befindet sich heute ca. 280m unter der Rasenkannte.


Die Suche nach einer sicheren Verwahrung für radiaktive Abfälle stellte sich sofort mit der friedlichen Nutzung der Kernenergie. Die Amerikanische Akademie der Wissenschaften hielt bereits 1957, die Salzstöcke für besonders geeignet. Bereits 1963 wurde im Zweiten Deutschen Atomprogramm die Empfehlung für Salz als Endlagermedium ausgesprochen. Daraufhin begannen 1965 im ehemaligen Salzbergwerk „Schachtanlage Asse“ bei Remlingen, im Kreis Wolfenbüttel, die ersten deutschen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zur Endlagerung im Salz.


Die Niedersächsische Landesregierung beauftragte 1976 eine Projektgruppe, um aus den mehr als 200 norddeutschen Salzstöcken geeignete Standorte auszuwählen. Am 22. Februar 1977 wurde der Salstock Gorleben als möglicher Standort einer Endlagerung durch die Landesregierung benannt. Zur sachgerechten Erkundung unter Nutzung bereits vorhandenen Know-how’s aus Forschung und Bergbau wurde 1979 die Deutsche Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe mbH gegründet.



warten auf die nächste Seilfahrt



Die DBE begann noch 1979 mit der übertägigen Erkundung des Salzstockes und konnte die Arbeiten im wesentlichen 1985 abschließen. In den sechs Jahren hatten die Mitarbeiter ein umfangreiches Erkundungsprogrmm ab zu arbeiten. Es wurden im Wesentlichen folgende Arbeiten ausgeführt:



  • 322 Pegelbohrungen zur hydrologischen Untersuchung auf ca. 300 km 2
  • 4 Brunnenbohrungen für Langzeitpumpversuche
  • 549 Tiefsondierungen zur geophysikalischen Messung
  • Erstellung von 16 reflexionsseismischen Profilen
  • Errichtung und Betrieb eines seismischen Stationsnetzes zur kontinuierlichen Überwachung des Standortes auf lokale Erdbeben






Füllort 840-m-Sohle

Mit dem Übergang zur untertägigen Erkundung 1986 und dem Abteufen des Schächte Gorleben I (1986-1997) und Gorleben II (1989-1995) ergaben sich weitere Erkundungsbohrungen:



  • 44 Salzspiegelbohrungen zur Erkundung der Kontakt- und Übergangszonen
  • 4 Tiefbohrungen zur Bestimmung des Stoffbestandes und der Salzstockstruktur mit Teufen bis zu 2000m
  • 2 Schachtvorbohrungen mit 1000m Teufe zur Vorbereitung des Schachtabteufens.

Mit dem Aussetzen der Füllörter auf der 840-m-Sohle begann die zweite Phase der untertägigen Erkundung. Am Schacht 1 begannen die Arbeiten am 4. Oktober 1995, Schacht 2 folgte am 18. November . Zunächst wurde die Hauptförderstrecke als Verbindung der Schächte aufgefahren und am 21. Oktober 1996 durchschlägig.


Danach begann der Vor rich tungsbau für die untertägigen Infrastrukturbereiche mit Werkstätten, Arbeits- und Lagerbuchten. Mit dem Vortrieb der Querschläge 1 West und 1 Ost sowie der nördlichen Richtstrecke begann die Umfahrung des für die Einlagerung vorgesehenen Steinsalzes im Zechstein, als Hauptsalz der Staßfurt-Folge.
Im Rahmen der Auffahrung wurden selbstverständlich die Forschungsarbeiten, neben der detaillierten markscheiderischen Darstellung, durch verschiedenste Erkundungsbohrungen und Geotechnische Bohrungen weiter geführt. Zusätzlich wurden in den Schächten und Strecken, Mess-Stationen für die Deformationsanalyse angelegt.


Seit dem 1. Oktober 2000 sind die Erkundungsarbeiten eingestellt. Es gilt ein Memorandum, wonach in den nächsten 10 Jahren eine Entscheidung über einen Endlagerstandort nach den wissenschaftlichen Kenntnissen gefasst werden soll.


Die Aufgabe der Belegschaft besteht nun in der Verwahrung des Grubengebäudes auf dem heutigen Niveau um im Bedarfsfall die Arbeiten sofort wieder aufnehmen zu können.



Das Gezähe hat Ruh – wie lange noch?


Herr Isslinger begleitete uns auch auf der Befahrung, was mich zunächst etwas in Erstaunen versetzte. Im Gespräch bei der Anfahrt klärte sich dann die Sache. Nachdem unser Führer als Geologe die Erkundungsarbeiten fast von Anfang an begleitete, sind seine Aufgaben mit dem Inkrafttreten des Memorandums sehr minimiert, aus diesem Grunde widmet er sich nun verstärkt der Öffentlichkeitsarbeit. Was für ein Glück für die Besucher, einen kompetenteren Führer wird es wohl nicht geben. Auf die Frage wer denn im Normalfall zu einer Befahrung kommt, gab es die nächste Überraschung. Täglich sind 2 Gruppenbefahrungen möglich, diese sind allerdings meistens für die kommenden 12 Monate ausgebucht ! Es melden sich fast ausschließlich Fachleute aus den Bereichen Bergbau und Abfallwirtschaft, aber auch interessierte Laien an. Natürlich hat auch der Eine oder Andere Atomkraft-Gegner den Weg in das Erkundungsbergwerk gefunden.




Nach einem kurzen Weg über den Zechenhof geht es in die Steigerkaue. Hier bekommt der Besucher vom Kauenwärter die notwendige Sicherheitsbekleidung. Ein roter Overall (rot=Besucher) Sicherheitsschuhe und ein paar Arbeitssocken. Nach dem Umkleiden in der Steigerkaue führt der Weg an der Lampenstube vorbei. Hier bekommt jeder Besucher seinen Helm und natürlich ein Geleucht. Wieder eine Überraschung, ein mir sehr wohl vertrautes Geleucht aus Zwickau wird mir in die Hand gedrückt. Der Lampenwart bemerkt mein Erstaunen und gibt eine kurze Erklärung. Als man mit den untertägigen Arbeiten begann, hatten die bekannten deutschen Lampenhersteller CEAG und Friwo ihre Produktion bereits eingestellt und aus der internationalen Ausschreibung konnte sich die GAZ GmbH behaupten.
Im Treppenhaus sammeln sich nun die Befahrer und erhalten über eine Videopräsentation sowie durch einen der Kauenwärter und den Führer eine Einweisung in die Benutzung der vorgeschriebenen Selbstretter.



Vorschriftsmäßig ausgerüstet geht es nun vor die Tür zum obligatorischen Erinnerungsfoto, um anschließend den Weg zur Rasenhängebank in Angriff zu nehmen. Für die Seilfahrt und die Förderung stehen in der modernen Schachtanlage zwei unabhängige Förderanlagen zur Verfügung. Die Befahrer steigen in einen zugegeben ziemlich engen, zweietagigen Förderkorb. Für die Bergfremden schon eine ungewöhnliche Situation. Nachdem das Sicherheitsgitter geschlossen ist, ertönt ganz klassisch das Anschlagssignal zur Abfahrt. Mit durchschnittlich 6m/s geht es gemächlich der 840-m-Sohle entgegen.
Im Füllort angekommen wird nun auf den Rest der Gruppe gewartet und es gibt die erste Gelegenheit unseren Führer mit Fragen zu bombardieren. Nachdem die Befahrermannschaft komplett ist folgt eine 1,5-stündige, äußerst interessante Befahrung. Neben den bergbautechnischen Informationen gewinnt der Befahrer auch viele Eindrücke über die geologischen und physikalischen Gegebenheiten im Salzstock. Vorbei an einigen interessanten Aufschlüssen geht es durch die Werkstätten bis hin zum letzten Stoß.



An einer Stelle musste kurz vor unserem Eintreffen die Firste nachgerissen werden, eine gute Gelegenheit ein paar „Belegstücke“ von der 840-er zu erhaschen. Während der Befahrung gibt es einen guten Mix aus Informationen rund um das Bergwerk selbst, der Geologie und natürlich um die Einlagerung radioaktiven Materials. Nach einem bequemen Fußweg gelangt man am Ende wieder am Füllort an, um mit der Ausfahrt zu beginnen. Da die Seilfahrt wieder in mehreren Etappen erfolgen muß, ergibt sich erneut die Gelegenheit einige Fragen mit dem Führer zu erörtern.


Warum nun ausgerechnet ein Salzstock als Endlager ? Es liegt auf der Hand, dass sich Hohlräume im Salz kostengünstiger als jeder andere bergmännisch geschaffene Holraum auffahren lassen. Im Steinsalz wird entstehende Wärme relativ gut abgeleitet und es umschließt Gase, Flüssigkeiten und Festkörper vollständig. Das plastische Verhalten des Steinsalzes ist ein bedeutender Vorteil. Die künstlich erschaffenen Hohlräume schließen sich durch den allseitigen Gebirgsdruck wieder vollständig zu einer Masse. Eingebrachte Fremdstoffe werden durch den darüber eingebrachten Salzversatz vollständig in wieder verfestigtes Steinsalz eingeschlossen.


Nach der Seilfahrt geht es wie üblich zurück in die Kaue. Von der Kaue begleitet uns Herr Isslinger durch eine kleine, sehr interessante Ausstellung, von Bohrkernen und Salzmineralen, wieder in das Empfangsgebäude.


Gegen 14.30 Uhr brechen wir nach einer sehr interessanten Befahrung wieder nach Hause auf.


Quellen:
Dipl.-Geol. A. Hincke -Salzstock Gorleben-
Infomaterial der DBE
weitere Informationen:
http://www.dbe.de


An dieser Stelle gilt ein besonderer Dank Herrn Dipl. Geol. Andre as Hinke für die Organisation und Planung der Befahrung und Herrn Dipl. Geol. Isslinger von der DBE, für eine fachkundige und sehr interessante Führung über- und untertage.


Glück auf !


Die Braunkohlezeche Hirschberg in Hessen

Geschrieben von MichaP

Am 20.12.2002 wurde die Förderung in der Zeche Hirschberg eingestellt. Damit wurde auch die letzte Braunkohle Tiefbaugrube Deutschlands stillgelegt. Die hier vorliegenden Bilder dokumentieren die letzten Stand der Grube.


Pumpensumpf


Wetter und Förderstrecke


Abbaustrecke

Die Förderung erfolgte im Stollenbetrieb mit Gummigurtband. Es wurden immer zwei im Abstand von ca. 30 m parallele Strecken vorgetrieben; eine einziehende Fahr – und eine ausziehende Förderstrecke. Dann wurde die Kohle im Rückbau örter – oder Weitungsweise gewonnen, wobei die Fahr – und Förderstrecke zu Bruch gingen. Versatz hat man nicht verwendet. (Quelle M.Kitzig)


Übergabestelle der Kohle vom Radlader auf das Förderband


Übergabestelle der Kohle vom Radlader auf das Förderband


Übergabestelle


Abbaumaschine


Förderband nach Übertage


Förderband nach Übertage


Übergabestelle von Förderbändern zur Richtungsänderung


Förderstrecke

Man ist auch immer wieder in alte Baue geschlagen; früher hat man nämlich nur die sog. „Steinkohle“ gewonnen; das ist die oberste ca. 30 cm mächtige Lage des Flözes, welche durch den Kontakt mit dem auflagernden heißen Basalt einen höheren Inkohlungsgrad und damit eine wesentlich bessere Qualität hatte. (Quelle M.Kitzig)


Förderstrecke


Vorort mit Kohleflöz


Kohleflöz


Förderstrecke mit Wettertür


Förderstrecke


Verbogener Ausbau durch Gebirgsdruck


Ausbau unter Druck


Gebrochener Stahlausbau


Übergabestelle der Kohle vom Radlader auf das Förderband


Abbaustrecke


Flöz mit Sandeinlagerung


Verbindungstrecke zwischen den beiden Stollenstrecken


Abbau


Förder und Wetterstrecke


Pumpensumpf
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Vortragszusammenfassung: Zeichen, Tafeln, Inschriften und Zeichnungen im Bergbau

Geschrieben von MichaP

Beitrag zum 7. Internationalen Bergbauworkshop, 29.9-2.10 2004, Clausthal-Zellerfeld,
Harz

Zeichen, Tafeln, Inschriften und Zeichnungen im Bergbau
– Ein Workshop zur theoretischen und praktischen montanhistorischen Arbeit.

Maja Bürger, Halsbrücke; Stephan Adlung, Freiberg; Dr. Thomas Witzke,
Aachen; Michael Pfefferkorn, Oettern

Zusammenfassung:

Eingeschlagene oder gemalte Zeichen, Inschriften, Malereien und Tafeln der
verschiedensten Art finden sich relativ häufig im Bergbau. Zum Teil dokumentieren
sie Vortriebsleistungen, Beginn oder Ende von Auffahrungen, dienen der Vermessung,
Markierung oder Abgrenzung von Gruben oder Grubenfeldern, dokumentieren besondere
Ereignisse, zum Teil sagen sie auch nur „ich habe hier gearbeitet“ oder „ich
war hier“. Einige dieser Zeichen und Inschriften sind klein und unscheinbar,
andere sind sehr groß, auffällig, seit langem bekannt und auf Rissen
dokumentiert.

Die theoretische und praktische Arbeit mit diesen „Hinterlassenschaften“ ist
eine der spannendsten und schönsten Beschäftigungsfelder der Montanhistorik.

Abb. 1: Tafeln im Freiberger Revier

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Das „grüngraue Schieferbänkchen“ und andere Thüringer Spezialitäten

Geschrieben von MichaP

Bericht zur 1. "Vollversammlung" der GAG vom 07. – 10. September 2001

von Thomas Krassmann, 24.11.2001
 

— in Memoriam meiner am 24.08.2001 verstorbenen Frau Ute —

Letztes Untertagebild von
Ute, Januar 2001
 

Vivat, crescat, floreat* – so ist es überraschenderweise unserer erlauchten "Grubenarchäologischen Gesellschaft" in
den letzten  Jahren gegangen. Hatte man ursprünglich vielleicht damit gerechnet, das sich die in studentischer Zeit
und unter studentischen Lebensbedingungen in Göttingen entstandene GAG nach Zerstreuung ihrer Gründungsmitglieder in alle Winde allmählich auflösen würde, so stellte man noch Jahre später fest, das es trotz räumlicher Distanz kein Nachlassen
gemeinsamer montanhistorischer Aktivität gab… Mehr als daß hat uns unsere seit 1997 betriebene Präsenz im Internet eine
Reihe von sehr aktiven Neumitgliedern beschert. So willkommen das ist, bringt ein solcher Mitgliederzuwachs auch einige Probleme mit sich. Waren früher sämtliche GAG – Mitglieder bestens miteinander bekannt, so wird dies bei vielen Neueintritten naturgemäß schwieriger. So wurde die Idee geboren, in Thüringen eine Vollversammlung der GAG einzuberufen, auf denen sich Alt- und Neumitglieder miteinander bekannt machen konnten, wo gemeinsame Befahrungen stattfinden sollten und wo das Bier in Strömen… aber lassen wir das !

* für alle Nichtlateiner: etwa "Wachse, blühe und gedeihe !"

Eine Vollversammlung ist es dann leider doch nicht geworden – sehr zum Unmut des Organisators Michael Pfefferkorn – aber dies ist bei einer Größenordnung von derzeit etwa 15 GAG – Mitgliedern mit sehr dezentraler Wohnlage auch kaum mehr zu verwirklichen. Immerhin wurden etwa 2/3 der Mitglieder inclusive einiger im Verlauf der Veranstaltung aufgenommener "Jungfüchse"  gesichtet und das ist doch auch schon immerhin etwas…man sollte nicht unzufrieden sein !

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Das Zechenhaus im Spessart

Geschrieben von MichaP
Geologisch – Grubenarchäologische Reporte No.44 

von Thomas Krassmann im April 2001 

Nach langer Zeit und zur Feier der Eröffnung der neuen GAG – Leitseite hier wieder einmal ein kleiner Report aus meiner Feder, diesmal über den Bergbau in Bieber und Sommerkahl im Spessart, den ich mir im Februar 2001 auf den Weg ins schöne Schwabenländle etwas näher anschaute. Es sei bereits hier ausdrücklich erwähnt, das Teile dieses Reportes der Einfachheit halber aus anderen Internetquellen entnommen wurden, und zwar 

– der Teil über den Bieberer Bergbau enthält Informationen und Textpassagen von der sehr gut gemachten und besuchenswerten Spessartseite von Joachim Lorenz / Karlstein

– der Teil über die Grube Wilhelmine enthält Informationen und Textpassagen von der ebenfalls besuchenswerten Seite von Dr. Martin Schuster 
  
 

So, 12.Februar 2001
 
Erkundung des Kupfer – Kobalt – Eisen Bergbaurevieres Bieber im hessischen Teil des Spessarts, wo die meisten Stollen und Schächte kaum mehr erkennbar, aber immerhin mit Hinweistafeln bezeichnet sind. Hier eine überarbeitete Zusammenfassung der regionalen Geologie und der Bergbaugeschichte aus fremder Feder:

Der vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert anhaltende Bergbau in und um Bieber – heute ein Ortsteil der Gemeinde Biebertal im hessischen Teil des Spessarts östlich von Gelnhausen – war insbesondere im 18. und 19. Jahrhundert weit über die Grenzen Hessens bekannt. In die Mineralogie unauslöschlich eingegangen ist der Mineralname Bieberit, der zuerst von hier beschrieben worden ist. Ebenso stammt das Mineral Rösslerit auch aus Bieber, so das Bieber die Typlokalität für beide Mineralien ist.

Sehr ausführliche Schilderungen zur lokalen Geologie des Bieberer Raumes und zum Auftreten der Erze auf den hydrothermalen Gängen finden sich bei BÜCKING (1891 und 1892), DIEDERICH & LAEMMLEN (1964) und DIEDERICH (1969). Leider gibt es keine neueren, umfassende geologisch-mineralogische Beschreibungen. In und um Bieber wurden drei verschiedene Bergbaue betrieben, die sich deutlich unterschieden lassen:

– Der Mittelalterliche Bergbau auf Kupferschiefer

– Der Abbau auf gangförmige Kobalt – Nickel – Wismutgänge (sogenannte Rücken) ab dem 18. Jahrhundert

– Der "neuzeitliche" Eisenerzbergbau bis 1923
 

Es ist schriftlich belegt, daß im Mittelalter der Abbau des Kupferschiefers begonnen wurde. Dabei baute man eine wenige cm bis einige dm dicke Schicht eines schwarzen, tonigen Zechsteinsedimentes ab, welche flächendeckend den Zechstein-Dolomit unterlagert. Die Gehalte der Metalle lagen dabei maximal hier bei ca.: 0,7 % Kupfer, 2,4 % Blei, 1,7 % Zink und 0,007 % Silber. Dieser Bergbau erzeugte ein weitläufiges, aber sehr niedriges Stollensystem, welches unter kaum vorstellbaren Arbeitsbedingungen erzeugt wurde. Zur besseren Vorstellung sei hier auf das Bildchen auf der Leitseite der GAG hingewiesen ! Das gesamte geförderte Gestein wurde gepocht und mit Flußmitteln aufgeschmolzen; in einem anschließenden komplexen Hüttenprozess gewann man hauptsächlich Kupfer, Blei und in geringen Mengen Silber. Die Ausbeute war insgesamt gering und deshalb wurde der Abbau bereits 1807 eingestellt.

Im 18. Jahrhundert begann man, die gangförmigen, hydrothermal entstandenen Kobalt – Nickel – Wismut-Gänge zu erschürfen. Dabei wurden lange Stollen angelegt und der gesamte Ganginhalt gewonnen. Das von Hand ausgelesene Erz wurde zerkleinert und zu Blaufarben für die keramische Industrie verwendet. Diesen Bergbau, der Bieber in der Geologie und Mineralogie bekannt werden ließ, stellte man 1867 ein.

Sporadisch wurden Eisenerze sicher zu allen Zeiten um Bieber gewonnen und wohl auch verhüttet. Der großmaßstäbliche Abbau des Siderits mit einer Gesamtfördermenge von ca. 1,9 Millionen t begann im 19. Jahrhundert und wurde 1923 eingestellt. Grund dafür waren neben wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auch die hohen Gehalte an Arsen (bis ca. 1%!), die bereits in geringen Mengen einen Sprödbruch des Eisens bewirken. An Umweltschutz dachte man damals offensichtlich noch nicht. 

Geologie von Bieber:

Im Raum Bieber stehen innerhalb des weitläufigen Buntsandstein-Spessarts Schollen des Zechsteins und des darunter liegenden Grundgebirges aus metamorphen Gesteinen (sehr gleichförmige, glimmerreiche Paragneise mit Staurolith, sogenanntes Bieberer Fenster) an. Dabei wird das gesamte Gebiet ist von zahlreichen Störungen durchzogen. Die Sprunghöhe der Verwerfungen werden mit ca. 10 – 70, vereinzelt auch bis 130 m angegeben.

Abbildung aus Backhaus & Weinelt (1967)
 
Auf vorwiegend herzynisch streichenden Klüften und Gängen wurden aus hydrothermalen Lösungen buntmetallreiche Erze ausgeschieden ("Kobaltrücken"). Sie stehen im Gneis und halten bis in den darüberlagernden Zechstein und den Bröckelschiefer des Unteren Buntsandsteines durch. Die überwiegende Gangmasse besteht aus Siderit und Baryt, in denen sich die begehrten Co-,Ni-, Bi- und Cu-Erze fanden. Die mittlere Mächtigkeit der Gänge von 0,65 m (gewöhnlich 0,15 – 1,50 m) konnte dabei lokal bis zu 6 m anschwellen ! Sie konnte jedoch auch nur wenige mm stark sein! In nur wenigen Fällen bestand die gesamte Gangfüllung aus Co- oder Nickelerzen (FREYMANN 1991). Nur in den mittleren Teufen und an Scharungsstellen waren die Gänge edel ausgebildet (BÜCKING 1892). Im Streichen konnten die bedeutendsten Gänge bis zu 2,4 km verfolgt werden. Lokal enthält der Zechsteindolomit auch metasomatische Fe-Mn Vererzungen: meist Siderit, der  teils in oxidische Mineralien wie Goethit, Pyrolusit,
Romanechit, Lepidokrokit wurde. Diese Vererzungen erreichen dabei Mächtigkeiten von 2 – 25 m.
 
 
Folgende Kobaltgänge wurden im Raum Bieber gefunden und teilweise auch abgebaut (nach FREYMANN 1991): 
 

1. Büchelberger Kobaltgang, 1790-1867

2. Büchelberger Kobaltgang, 1790-1867

3. Büchelberger Kobaltgang, Abbauzeit unbekannt
 
 

1. Lochborner Kobaltgang, 1748-1850

2. Lochborner Kobaltgang, herzynisch

3. Lochborner Kobaltgang, herzynisch,

4. Lochborner Kobaltgang, nach 1780-1867

5. Lochborner Kobaltgang, nach 1780-1867
 
 

1. Röhriger Kobaltgang mit mehr als 4 m Mächtigkeit, 1731-1800 (?)

2. Röhriger Kobaltgang mit mehr als 4 m Mächtigkeit , 1731-1800 (?)

Die Schichtenfolge des Zechsteins erreicht hier bis zu 45 m. Sie sind als Mergel, dolomitische Kalksteine,Schluffsteine und Tone ausgebildet. Die liegendenSchichten des Zechsteins führen den metallreichen Kupferletten, die eine tonige Fazies des Kupferschiefers darstellt. Der feinkörnige Letten besteht nach FREYMANN (1991) aus Quarz, Glimmer, Calcit, Dolomit,
Illit, Kaolinit, Chlorit, erdigem Baryt, Fe-Mn-Mineralien und bituminösen Bestandteilen (0,3 – 5,4 %). Die wirtschaftlich interessanten und feinkörnigen Erzmineralien  sind darin feinst verteilt und bestehen aus Pyrit, Markasit, Arsenopyrit, Tennantit, Chalkopyrit, Arsenkies, Galenit und Sphalerit. In den oberflächennahen Bereichen treten als Zementations- und Oxydationsmineralien Kupferglanz, Covellin, Cerrusit, Azurit und Malachit hinzu.
 
 

Heutiger Zustand des Bieberer Bergbaus:

Die meisten der durch den jahrhundertelangen Bergbau recht zahlreich geschaffenen Aufschlüsse (wie bei DIEDERICH & LAEMMLEN 1964 aufgeführt) sind seit langem aufgelassen und deshalb verwachsen, verschüttet oder inzwischen überbaut. Im Bereich des Bergbaugebietes sind an vielen Stellen steile, recht frisch erscheinende Pingen zu finden, die sicher örtlich von Zeit zu Zeit nachbrechen. Es muß daher auch in Zukunft  mit Einstürzen gerechnet werden, wie zuletzt im oberen Lochborn, wo am 27. oder 28.12.1998 auf dem ehemaligen Bahndamm zwischen oberem und unterem Maschinenschacht ein ca. 2 m großer, frischer Einsturztrichter gefunden werden konnte.

Die umfangreichen und volumniösen Halden und  Pingen sind meist reich an wenn auch fein verteiltem Erz. Alle bergbaulich interessanten Gangfüllungen und Erze enthalten typischerweise deutliche Arsengehalte.Die Erze verwittern recht leicht unter Oberflächenbedingungen und sind heute Quellen eines bedeutenden Arseneintrages in die Gewässer. Dies wurde beispielsweise am Schwarzbach im Lochborn von TUROWSKI (1998) untersucht und ausführlich beschrieben. Die Wässer des Schwarzbaches erreichen dabei  nach längeren Trockenzeiten Arsengehalzte bis zu 0,28 mg/l Bachwasser. Infolge der Größe der Halden und des Verwitterungsgrades der Erze ist mit einem Eintrag zu rechnen, der sicher noch hunderte von Jahren anhalten wird.
 
 

Bieberer Mineralogie:  

Die wenig attraktiven Belegstücke aus dem Kupferschieferbergbau sind heute nur noch in wenigen Exemplaren vorhanden. Auch aus dem Eisenerzbergbau liegen wegen der geringen optischen Attraktivität kaum noch Belegstücke vor. Interessanter erscheinen da schon die Mineralien aus dem Abbau der Kobaltrücken. Zum Zeitpunkt des aktiven Bergbaues auf die Kobalt-Nickelerze wurden bereits international Mineralien gehandelt. Daher finden sich in fast allen alten Sammlungen der Universitäten und Museen Belegstücke und Stufen aus Bieber; so auch in der Sammlung von einem gewissen J. W. von
GOETHE in Weimar! Die wohl beste und umfangreichste Mineraliensammlung von Bieber war die der Wetterauischen Gesellschaft für die gesamte Naturkunde zu Hanau, deren Sammlung leider im Bombenhagel auf Hanau 1945 verbrannte.

Die primären Erze in Bieber bestehen aus den Gangarten Siderit und Baryt, selten Calcit und etwas Quarz, darin eingewachsen
finden sich die Erzmineralien Bismuthinit, Chalkopyrit, Emplektit, Nickelin, Nickelskutterudit, Rammelsbergit, Safflorit,
Skutterudit, Tennantit und gediegen Wismut.

In GOLDSCHMIDTs Atlas der Kristallformen finden sich mehrere Abbildungen von idiomorphen Kristallen des gediegen Wismut aus Bieber (Band 9 , Tafel 48, Fig. 1, 3-6). Auch bei HINTZE (1904:124) wird das Mineral auf Gängen im Glimmerschiefer mit Speiskobalt, Kobaltblüte, Rotnickelkies, Eisenspat und Baryt als kristalline Partien und als wohl ausgebildete Kristalle aufgeführt. In dem sehr bekannten erzmikroskopischen Standardwerk von RAMDOHR (1975:411)
ist in Abb. 318 ein Einschluß  von gediegen Wismut in rissigem Skutterudit von Bieber abgebildet.

Diese Mineralien wurden stellenweise in Sekundärmineralien umgewandelt, so zu Annabergit, Bieberit, Erythrin, Jarosit, Pharmakolith, Pikropharmakolith, Rösslerit und viele weitere. Eine anekdotische Besonderheit ist der verbreitete und sehr giftige Arsenolith (As2O3), von dem KOPP 1807 schreibt" sehr weich; leicht zersprengbar und besitzt einen zusammenziehenden Geschmack (!). Auf einer Eisenplatte verdampft es gepulvert vollkommen unter starkem Rauche. Auf glühende Kohlen gestreut gibt es einen, nach Knoblauch riechenden, Rauch von sich"

Anmerkung: Der Verfasser dieser Beschreibung hat diese vermutlich nicht allzulange überlebt…
 
 

Literatur zum Thema Bieber:
 

Autorenkollektiv (1994): Festschrift 500 Jahre BIEBERER BERGBAU 1494 – 1994.- 70 S., Gemeinde Biebergmünd.

BACKHAUS, E. & WEINELT, W. (1967): Über die geologischen Verhältnisse und die Geschichte des Bergbaues im Spessart.- in BACKHAUS, E. (1967): Beiträge zur Geologie des Aschaffenburger Raumes. Veröffentlichungen des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., 10, 260 S., Aschaffenburg.

BERG, G. & FRIEDENSBURG (1944): Nickel und Kobalt.- Die metallischen Rohstoffe, ihre Lagerungsverhältnisse und ihre wirtschaftliche Bedeutung.- 280 S., Verlag Enke, Stuttgart 1944

BÜCKING, H. (1891): Erläuterungen zur geologischen Specialkarte von Preussen und den Thüringischen Staaten. XLIX. Lieferung Gradabteilung 68, No. 54, Blatt Bieber.- 56 S., Berlin.

BÜCKING, H. (1891): Erläuterungen zur geologischen Specialkarte von Preussen und den Thüringischen Staaten. XLIX. Lieferung Gradabteilung 69, No. 49, Blatt Lohrhaupten).- 30 S.,

BÜCKING, H. (1892): Der nordwestliche Spessart.- Abhandlungen der Königlich Preussischen geologischen Landesanstalt, Neue Folge Heft 12, 274 S.,Berlin.

CANCRIN, F. L. (1787): Geschichte und systematische Beschreibung der in der Grafschaft Hanau Münzenberg, in dem Amte Bieber und anderen Ämtern dieser Grafschaft, auch dem dieser Grafschaft benachbarten Ländern gelegenen Bergwerke.- 190 + XIX S.,[Hertel] Leipzig; Reprint in der 2. Aufl. von 1994, Bad Orb.

DIEDERICH, G. & LAEMMLEN, M. (1964): Das obere Biebertal im Nordspessart.Neugliederung des Unteren Buntsandstein, Exkursionsführer und geologische Karte.- Abh. Hess. L.-Amt Bodenforsch., Heft 48 -34 S., Wiesbaden.

DIEDERICH, G. (1969): Geologische Verhältnisse und Probleme bei Bieber.- Natur und Museum 99 (7), S. 307 – 316, Frankfurt.

EMMRICH, S. (1997a): Quellen zum Bieberer Bergbau: Die Betriebsberichte 1907 – 1925.- 110 S., Hrsg. vom Geschichtsverein Biebergemünd e. V. [Eigenverlag] Bieber.

EMMRICH, S. (1997b): Quellen zum Bieberer Bergbau: Betriebsstatistiken 1907 – 1926.- 48 S., Hrsg. vom Geschichtsverein Biebergemünd e. V.[Eigenverlag] Bieber.

FREYMANN, K. (1991): Der Metallerzbergbau im Spessart. Ein Beitrag zur Montangeschichte des Spessarts.- Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg 33, 413 S., Aschaffenburg.

GOLDSCHMIDT, V. (1913-1923): Atlas der Krystallformen.- 9 Tafelbände mit je einem Textband, [Winters], Heidelberg.

HOFMANN, E.-L. (1969): Geschichte der Berg- und Hüttenwerke zu Bieber.- Natur und Museum 99 (7), S. 317 – 328, Frankfurt.

KLUTH, C. (1967): Über ein Vorkommen vom Emplektit zu Bieber in Hessen.- Aufschluss 18, S. 9 – 12, Heidelberg.

KOPP, J. H. (1807): Ueber den zu Bieber im Hanauischen einbrechenden Kobaltvitriol und das ihn begleitende Arsenikoxyd.- Taschenbuch für die gesammte Mineralogie, mit Hinsicht auf die neuesten Entdeckungen, Erster Jahrgang, S. 104 – 119, [J. Chr. Hermann] Frankfurt am Main.

OKRUSCH, M. (1963): Die Anfänge der mineralogisch-petrographischen Erforschung des Vorspessarts.- Abh. Naturwiss. Ver. Würzburg, 4, Heft 1, Würzburg.

RAMDOHR, P. (1975): Die Erzmineralien und ihre Verwachsungen.- 4. bearbeitete und erweiterte Auflage, 1277 S., [Akademie-Verlag] Berlin.

TUROWSKI, S. (1998): Schwermetalluntersuchungen am Schwarzbach im Spessart unter Berücksichtigung der Geologie des Lochborn von Bieber mit seiner Bergbaugeschichte.- Geol. Jb. Hessen 126, S. 15 – 35, 14 Abb., 6  Tab. [Hess. Landesamt f. Bodenforschung] Wiesbaden.
 
 


Ab hier geht es weiter im eigenen Text:
 

Das Dorf Bieber selbst ist recht hübsch in waldreicher Gegend gelegen und das schöne Wetter war Anlass für viele Bieberaner – oder wie nennt man die Leute (Bieberer ?, Biber ??) – in der noch spärlich grünenden Natur ausgiebig zu flanieren. Montanhistorisch besonders auffällig ist dabei das ehemalige Hüttengelände, was über erhaltene, imposant – großmächtige Stützmauern verfügt, wohingegen sich von den originalen Hüttengebauden selbst kaum mehr etwas erhalten hat.

Gegenüber der Einfahrt auf die ehemalige Hütte liegt das verschüttete Mundloch des immerhin 3000 m langen Berthastollens, der von der Firma Krupp im Jahre 1908 als neuer Förderstollen für das Lochborner Revier bis zu dem nahe der bayrischen Grenze stehenden 108 m tiefen neuen Maschinenschacht vorgetrieben wurde. Das gut erkennbare Stollenmundloch des bis 1923 betriebenen Stollens verfügt über eine nette Erläuterungstafel in einem den bekannten Harzer Dennerttannen ähnlichen Design, die Aufschluß über den hiesigen Aufschluß gibt. Auch im sonstigen Ort finden sich bisweilen solche Erläuterungstafeln, allerdings keineswegs an jedem der montanhistorisch interessanten Plätze. Überraschend empfand ich, das aus dem doch recht langen und bedeutenden Stollen keinerlei Wasser austritt – möglicherweise gibt es ja hier noch einen tieferen Erbstollen (s.u.)

Ganz in der Nähe liegt eine ebenfalls mit Hinweistafel verzierte Wasseraustrittsstelle, bei der es sich um den Unteren Kalkofenstollen handelt. Gut, das die Tafel dort steht, sonst würde man den Stollen als solchen gewißlich nicht mehr als solchen erkennen. Ganz ähnlich –  nämlich nicht erkennbar –  präsentiert sich heute der Webersfelder Stollen am Ortsausgang von Bieber in Richtung Rosbach. Die Lage des Mundloches und der Verlauf dieses letzten in Betrieb stehenden Bieberer Förderstollens, der erst 1925 geschlossen wurde, ist so aufgeschüttet und rekultiviert, das man auch hier rein gar nichts mehr von ehemals montanen Tuns erkennen kann. Eventuell besteht hier ein Zusammenhang mit einigen größeren Betonrohren, die unweit vom Stollen in den Bieberbach einmünden.

Mein weiterer Weg führte dann zunächst in das bachabwärts liegende Dörfchen Roßbach, wo sich der Erbstollen des Bieberer Revieres befindet. Leider konnte ich diesen nicht auffinden, auch zeigten sich die Bewohner des Ortes herzlich uninformiert. Auf der Rückfahrt nach Bieber erspähte ich dann noch einen recht guten und informativen Ortsplan an der Gemeindeverwaltung, dem ich noch die Lage weiterer Sachzeugen des hiesigen Bergbaus entnehmen konnte. Zum einen war hier ein Stollen hinter dem Bieberer Schwimmbad erwähnt. Das Schwimmbad fand ich ohne weiteres, nicht jedoch den dahinter liegenden Stollen, der sich – als solcher nicht erkennbar – irgendwo auf dem sanft ansteigenden, quelligen Wiesengelände dahinter befunden haben mag..

Als örtliches montanhistorisches Highlight muß man dagegen den direkt an der B 276 am Ortsausgang Bieber in Richtung Florsbachtal liegenden Alten Röhriger Kobaltstollen ansehen. Hier hat man sich viel Mühe gegeben und einen etwa 8 m langen, hübsch zurechtgemachten Stollennachbau in den Berg getrieben. Nun ja, das Mundloch ist zweifelsfrei hübsch gelungen. Laut Begleittafel hat der 1731 begonnene Stollen bei 210 m den Zechenschacht erreicht, bei 345 m den alten Kunstschacht und bei 415 m schließlich den Neuen Kunstschacht. Dabei wurde 1756 zum erstenmal gut erzhaltiger Kupferschiefer angetroffen, der in der Folge in mühevoller Strebarbeit längere Zeit mit hereingewonnen wurde. Interessant ist dies insofern, als normalerweise der Kupferschieferabbau zur Entdeckung der Kobaltrücken führte, hier in Bieber war es aber wohl umgekehrt.

Schließlich ist noch ein weiterer auf der Gemeindekarte eingetragener Stollen zu erwähnen, der hoch am Hang nördlich oberhalb Biebers liegt und den geheimnisvollen Namen "Elsebachstollen – Stollen der Stadt Frankfurt" trägt. Offensichtlich handelt es sich dabei um einen Wasserstollen oder Wasserleitungsstollen zur Trinkwasserversorgung Frankfurts. Es wäre sicher interessant, hierüber Näheres in Erfahrung zu bringen, da möglicherweise mit diesem Stollen interessante geologische Strukturen durchfahren wurden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, das Bieber ein sehr interessantes altes Bergbaurevier ist, das aber auf den ersten Blick für die  montanhistorische Feldforschung wenig zugänglich erscheint. Auffallend ist die geringe Anzahl von Halden an den Stollen, eigentlich findet sich da kaum etwas, noch nicht einmal bei den ehemaligen Hauptförderstollen. Etwas anders sieht dies wohl im angrenzenden Lochbornrevier aus, wo es umfangreiche Pingenfelder gibt. Ein Großteil des Lochborns steht jedoch mittlerweile unter Naturschutz, sodaß auch  hier nur wenig Möglichkeiten zur näheren montanhistorischen Erkundung bestehen.

***

Auf meinem weiteren Weg nach Schwaben bin ich dann noch kurz bei der Grube Wilhelmine in Sommerkahl vorbeigefahren, die ich von einer legend"ren Spessartexkursion anlässlich einer DGG – Tagung in Würzburg anno 1985 oder so schonkannte. Die Grube ist unschwer am oberen Ortsende von Sommerkahl zu finden und zeichnet sich durch einen überaus farbenprächtigen Tagebau aus.

Tagebau der Grube Wilhelmine bei Sommerkahl
Quelle: Herr Schuster, 1999

Auch hier sei ein entsprechender Fremdtext zitiert:
 

Lage der Grube Wilhelmine:

Das Bergwerk liegt am östlichen Ende von Obersommerkahl bei Schöllkrippen im Spessart. Ummittelbar nach den letzen Häusern ist der ehemalige Tagebau auf der Nordseite des Tales zu sehen, von dem die Stollenmundlöcher zu den erhaltenen Strecken der 23m-Sohle ausgehen; weitere sind teilweise verschüttet. Weiter östlich sind die Reste der Aufbereitung fast gänzlich verwachsen am Hang zu finden. Es handelt sich um die Reste und Fundamente der Aufbereitungsanlagen aus Kugelmühlen und LINKENBACH-Rundherde. Der Schacht dazu ist dauerhaft verschlossen worden und liegt nördlich des Tagebaues.
 

Geologie:

Die zahlreichen, nur dünnmächtigen und sehr absätzigen Erzgänge auf den Spaltenzügen von bis zu ca. 2 cm Mächtigkeit treten in kaum veränderten und sehr standfesten Muskovit-Gneisen auf. Im Bereich des Tagebaues sind die primären Erze oft zu den bunten Sekundärmineralien umgesetzt. Die Erze wurden wohl aus dem früher überlagerten Kupferschiefer von den hydrothermalen Lösungen umgelagert.
 

Historie:

Der Abbau von Kupfererzen um Sommerkahl/Schöllkrippen begann im Mittelalter und ist für 1540 dokumentiert; damals wurde jedoch der Kupferschiefer abgebaut. Erst im 19. Jahrhundert begann man im Bereich der "Wilhelmine" Cu-Erze zu gewinnen. Nach dem 1. Weltkrieg führt der Rohstoffmangel zu einem Wiederaufleben. Man ließ sich jedoch von den großflächig auftretenden, bunten Sekundärmineralien blenden und mußte bereits 1922 den Betrieb wieder einstellen. Die Aufbereitung war auch im Winter problematisch, das das Wasser für die LINKENBACH-Rundherde fehlte.
 

Mineralien:

Die bunten Mineralien des Tagebaues sind seit langem das Ziel von Mineraliensammlern. Die primären Erze sind Verwachsungen aus den Mineralien Bornit, Tennantit, Pyrit und Chalkopyrit. In Spuren dabei finden sich die Gangarrten weißer Baryt, hellbrauner Siderit, weißer Calcit und farbloser Quarz. 
  

Fremdtext Ende.
Wer sich übrigens für die Tätigkeit des Vereines zur Errichtung des Besucherbergwerkes Wilhelmine interessiert, der möge folgende Adresse anschreiben:

Kupferbergwerk Grube Wilhelmine Sommerkahl e. V. 2000
Wilhelm Völker (1. Vorsitzender)
Wilhelminenstr. 6
63825 Sommerkahl
Tel.: 0 60 24/37 85

Bei der Grube Wilhelmine handelt es sich um einer der ganz wenigen Orte in Deutschland, wo Sekundärmineralien oberflächlich so schön zu sehen sind.  Wirklich ein prächtiger Anblick. . Die in der Wand befindlichen Stollen sind allesamt fachgerecht gesichert, allerdings hört man munkeln, das hier demnächst dioe Einrichtung eines Besucherbergwerkes geplant ist. Viel sehen tut man allerdings nicht davon, noch nicht einmal eine Hinweistafel weist auf die geologische Besonderheit dieses Ortes hin.

Eine kurze Erkundung führte mich dann noch ein wenig den Talweg weiter herauf, wo ich auf der rechten Talseite auf die Reste eines Schachtes (?) sowie die Becken einer ziemlich großzügig angelegten Aufbereitungsanlage stieß. bei der es sich wohl um die oben genannten LINKENBACH – Rundherde handelt.. Weiter oben auf den Feldern oberhalb der bunten Tagebauwand gab es dann leider nichts besonderes mehr zu entdecken. Nur ein Neubaugebiet erstreckt sich wenig entfernt davon und es steht zu vermuten, das sich die Grubenbaue der Wilhelmine auch unter dieses erstrecken. Alsdann ging es in der bereits einbrechenden Dunkelheit gen Süden, wo ich um 21:00 nach etlicher Konfusion bei der Ortsdurchfahrt von Ludwigsburg bei Michael in Waiblingen ankam, um mit diesen fleissig dem Gerstensaft bis 04:00 in der Früh zuzusprechen.
 

Glück  Auf !