Niedersachsen

Regionales und Reiseberichte

Artikel von Mitgliedern der GAG und Gästen – Niedersachsen

Osnabrücker Bergland – Eisenerzgrube Damme

Geschrieben von MichaP

1.
Einleitung

Etwa 35
nordöstlich von Osnabrück kommt zwischen den Orten Damme, Gehrde und Rieste ein
marin-sedimentäres Eisenerzlager der Oberkreideformation vor. Das in fünf
unterschiedlich großen Linsen mit einer Mächtigkeit von 2 – 7 m auftretende
Erzlager wurde nur in seiner größten Ausdehnung bei Damme bergmännisch
Abgebaut. Der Abbau erfolgte zwischen 1944 und 1967 mit einer Gesamtroherzförderung
von 9,2 Mio. Tonnen Eisenerz. Anfang 1960 war Damme die modernste Schachtanlage
in Deutschland. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde die Grube Damme am 31.03.1967
stillgelegt.

2. Lagerstätte

Bei den in Südoldenburg
vorkommenden Eisenerzen handelt es sich um ein marin-sedimentäres
Trümmereisenerzlager, welches aus Brauneisensteingeröllen und
mergelig-glaukonitischer Grundmasse besteht. Das 2 – 7 Meter mächtige Lager
tritt in fünf ungleich großen Erzlinsen im Bereich der ost-westlich laufenden,
35 km langen und 10 km breiten Dammer Oberkreidemulde auf. Das Liegende bilden
Tonsteine und Tonmergel der Unterkreide, welche häufig nicht abbauwürdige
Toneisensteingeoden enthalten. Das Hangende wird aus glaukonitischen, sandigen
Kalk- und Mergelsteinen des Ober-Campans sowie Schichten des Teritärs und
Quartärs gebildet.

Das
Erzlager entstand durch die Abtragung von Toneisensteingeoden aus den
Unterkreideschichten. Durch Umlagerungen gelangten die zu Brauneisenstein
oxidierten Geoden in den Brandungsbereich des Oberkreidemeeres, wo diese auf
Walnuss- bis Stecknadelkopfgröße zertrümmert, gerundet, poliert und in eine
glaukonitische Grundmasse eingelagert wurden.

3.
Erkundung der Lagerstätte

Erste
Probebohrungen in diesem Gebiet wurden zwischen 1910 – 1912 durch den
Oldenburgischen Staat und dem Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein
(Osnabrück) durchgeführt. Dabei wurde in rund 160 m Tiefe ein Eisenerzlager
festgestellt. Durch die Firma Anton Raky, Salzgitter, und der Ilseder Hütte
wurden die Untersuchungen zwischen 1918 bis 1925 fortgeführt. Zwar hatte man
durch die Auswertung der Bohrkerne wichtige Erkenntnisse über die
Schichtenfolge und Lagerungsverhältnisse bekommen, eine hinreichend
bergwirtschaftliche Bewertung war jedoch mangels weiterer Bohrungen nicht
möglich.

In Folge
der Autarkiebestrebungen des Deutschen Reiches begann im Jahre 1937 die
Gesellschaft zur Untersuchung Deutscher Eisenerzlagerstätten mbH (GEZUDE) mit
umfangreichen Untersuchungsbohrungen im Raum Damme, die bis 1942 andauerten und
deren Ergebnisse bereits 1939/40 zur Erschließung der Lagerstätte führten.

os_damme

Lage der Grundstrecken und
Anteil der Körner über 4 mm Größe im Campan-Eisenerz der Dammer Westlinse

Abb. aus THIENHAUS, R., FREITAG, K.-P. & SIMON, P. (1991)

4.
Geschichte der Grube Damme

Zum Betrieb
der geplanten Versuchsgrube gründete man am 1. Februar 1939 die Gewerkschaft
Damme (52 % Vereinigte Stahlwerke, 19 % Krupp als leitende Firma, 10 % Hoesch
und Klöckner sowie 7 % Mannesmann) welche 1952 von der Porta-Damme AG und ab
1963 von der Erzbergbau Porta -Damme GmbH übernommen wurde.

Etwa 2 km
NW von Damme wurde 1939 mit dem Abteufen des Schachtes Damme I begonnen. Der mit einem
lichten Durchmesser von 5,3 m ausgestattete und 282 m tiefe Schacht wurde bis
190 m im Gefrierverfahren abgeteuft und nach Abschluss der Teufarbeiten mit
einem Schachtscheider zur Bewetterung versehen. Im Jahre 1942 konnte mit dem
Aufschluss der Lagerstätte über einen 1.150 m langen Querschlag und einem
Versuchsabbau in streichendem Strebbruchbau begonnen werden. Doch wegen der
schlechten Bewetterungsmöglichkeiten durch nur einen Schacht sowie durch
kriegsbedingte Einflüsse wurden bis 1945 nur 5.348 t Roherz gefördert. Nach
Kriegsende wurde bereits im April 1946 der Grubenbetrieb wieder aufgenommen und
die Vorrichtungsarbeiten auf der 260-m-Sohle (-56 mNN) fortgeführt. In den
Folgejahren führte man verschiedene Abbauversuche durch so dass im Jahre 1952
bei einer Belegschaft von 248 Mann bereits 166.282 t Roherz gefördert wurden.
Eine weitere Produktionssteigerung war jedoch nur durch eine verbesserte
Bewetterung möglich. Im Jahre 1953 begann man etwa 144 m NE des ersten
Schachtes mit dem Abteufen des Schachtes Damme II. Mit der Niederbringung des
269,3 m tiefen und mit einem lichten Durchmesser von 4 m ausgestatteten
Schachtes wurde die Westrheinische Tiefbohr- und Schachtbau Gesellschaft
beauftragt. Nach dem Abteufen bei Anwendung des Honigmann-Verfahrens konnte der
Schacht am 12. Februar 1955 übergeben werden. Zum Transport von Großmaterial
wurde der Schacht mit einem zweietagigen Korb mit 3,3 x 1,5 m Grundfläche und
einer Traglast von 6 t samt Gegengewicht ausgestattet. Der Antrieb erfolgte
über eine aus zwei 15 und 100 kW Drehstrommotoren bestehende
Turmfördermaschine, welche in einem 21 m hohen Betonförderturm untergebracht
war. Aufgrund der unregelmäßigen Auslastung des als Material, Berge- und
(Zwischen-) Seilfahrtschacht dienenden Schachtes wurde dieser zur Einsparung
des Fördermaschinisten als halbautomatische Förderanlage ausgelegt. Untertage
war der Schacht II durch die 205-m-Wettersohle mit dem Schacht Damme I
verbunden. Bereits 1953/54 wurde über Schacht I ein modernes
Doppelbockfördergerüst errichtet. Der Schacht war mit einer doppeltrümigen,
dreietagigen Gestellförderung mit 6,6 t Nutzlast für eine Förderkapazität von
1.100 – 1.200 t/Schicht ausgestattet. Ebenso wurde die Erzaufbereitungsanlage
wesentlich erweitert und modernisiert.

Zur
damaligen Zeit war die Grube Damme die modernste Schachtanlage des
Eisenerzbergbaus in der Bundesrepublik Deutschland. Die höchste Fördermenge mit
913.946 t Erz bei einer Belegschaft von 906 Mann wurde auf der Grube im Jahre
1960 erzielt. Doch der allgemeine Niedergang des deutschen Eisenerzbergbaus,
Grund waren billige, hochwertigere Importerze aus dem Ausland, machte auch vor
der Grube Damme nicht halt. Zwar konnte die Stilllegung durch eine verbesserte
Nachaufbereitungsanlage und durch Rationalisierungsmaßnahmen im Grubenbetrieb
verzögert werden- den Niedergang abzuwenden war aber nicht mehr möglich. Am 31.
März 1967 wurde die Förderung auf Eisenerzgrube Damme eingestellt.

Jahr Roherzförderung
in t
Belegschaft
1944
1945
1946
1947
1948
1949
1950
1951
1952
1953
1954
1955
1956
1957
1958
1959
1960
1961
1962
1963
1964
1965
1966
1967
1.053
4.295
–
4.404
18.792
99.903
123.666
144.711
166.282
159.681
228.587
366.743
559.667
694.185
774.493
868.146
913.946
905.805
842.688
696.983
631.957
605.523
398.843
65.700
200
51
100
149
175
207
233
246
248
288
426
591
749
885
886
916
906
922
828
630
628
629
357
3
1944 – 1967 9.276.253 –

Förderzahlen und Belegschaft der Grube Damme
Quelle: Jahrbuch des dt. Bergbaus

 

4.1 Abbau
und Aufbereitung der Erze


4.1.1 Abbau

Das
Erzvorkommen wurde durch die Schächte Damme I und II erschlossen, von denen aus
die 205-m-Sohle (Wettersohle) und die 260-m-Sohle (Hauptfördersohle)
ausgerichtet war. Von den Schächten verliefen im Liegenden des Erzes im
Unterkreideton Richtstrecken im Streichen nach Nordwesten und Südosten. Von
diesen Strecken aus wurde das Erzlager im Abstand von 300 – 700 m durch
Abteilungsquerschläge Richtung Südwesten aufgeteilt. Zur Vorrichtung wurden von
den Abteilungsquerschlägen in das darüber liegende Erzlager Hochbrüche
getrieben. Diese hatten einen Querschnitt von 7,8 m² und waren mit einem
Fördergestell zur Materialförderung, zur Fahrung mit Fahrten und mit einer
Sturzrolle für die Erze ausgestattet. Innerhalb der Lagerstätte erfolgte eine
streichende Unterteilung durch etwa 600 – 700 m lange Aufhauen in der Mitte der
ca. 600 m langen Bauabteilungen und eine flache Unterteilung durch 300 m lange
streichende Abbaustrecken, die im Abstand von 50 m auf beiden Flügeln von den
Abbaufeldern aus aufgefahren wurden. Diese Strecken wie auch die Richtstrecken
und Querschläge waren mit Streckenbögen ausgebaut. Ihr Vortrieb mit einer
Leistung von 80 m/Monat erfolgte mittels Abbauhammer, Schaufelarbeit und
Gummiförderband. Der Abbau der Erze erfolgte in 25 m langen Abbaukammern, die
zweiflügelig von den Aufhauen und von den streichenden Abbaustrecken
vorgetrieben wurden. Bei einer Erzmächtigkeit von 1,8 – 2,5 m betrug die
Kammerbreite etwa 8 m und bei einer Mächtigkeit von mehr als 2, 5 m etwa 5
Meter. Der Ausbau der Kammern erfolgte in dichtem Holzausbau mit polnischer
Türstockzimmerung. Nach dem Auserzen wurde der Holzausbau teilweise geraubt und
das Hangende zu Bruch geworfen. Zur Sicherung blieben in den Kammern während
des Abbaus 2 m breite Erzfesten stehen. Der Abbau erfolgte mittels Abbauhammer,
Schaufelarbeit und Gummiförderband. Die Arbeitsleistung betrug 11 – 12 t/MS bei
einem Abbauverlust von 25 – 30 %. Probleme ergaben sich beim Freilegen des
liegenden Tones durch den Erzabbau; durch Wasserzutritt in den Kammern und
Strecken quoll der Unterkreide-Tonschiefer (Hauterive) stark an und verursachte
einen starken Sohlendruck. So mussten monatlich 30 – 40 % der
Vorrichtungsstrecken nachgerissen oder umgebaut werden wozu allein 11 – 14 %
aller Schichten verfahren wurden. Der Abtransport der Erze erfolgte über
Gummiförderbänder in Abbaukammern, Strecken und Aufhauen in die Sturzrollen der
Hochbrüche, von wo aus die Erzmassen auf der Hauptfördersohle in
2-t-Förderwagen abgezogen wurden. Mittels Diesel- und Fahrdrahtloks wurden die
Erzwagen zum Schacht I transportiert, wo der Transport zu Tage erfolgte.

Die hohen
Kosten des Kammerbaues bei gleichzeitig sinkenden Erzpreisen führte ab Ende
der 1950er Jahre zu mehreren Versuchen, das Abbauverfahren zu verbilligen.
Zunächst wurde der Holzbau versuchsweise gegen Stahlstempel und Stahlkappen
ersetzt. Dies konnte nur teilweise durchführt werden, da die ersten drei
Ausbaureihen am Kammereingang aufgrund der langen Standdauer und die Felder
entlang der Erzfesten aufgrund des Stoßdrucks weiterhin aus Holz gebaut werden
mussten. Durch die klüftige Struktur der Hangendschichten konnte das Rauben des
Ausbaus nur unter erhöhten Sicherheitsmaßnahmen und höherer Ausbauverluste
durchgeführt werden.

Seit
Aufnahme der Förderung hat es an der Grube Damme immer wieder Versuche gegeben,
das flözartige und flach gelagerte Erzlager im Strebbau abzubauen. Eine
unzureichende Verhiebsgeschwindigkeit, kaum leistungsfähige Abbaufördermittel,
nicht tragfähiger Ausbau und eine zu lange Standdauer durch ungenügende
Raubleistungen sowie zu große offene Strebräume führten zum Scheitern der
früheren Versuche. Ab 1961 bis zur Einstellung des Grubenbetriebes wurde eine
Reihe neuer Strebbauversuche unternommen. Erstes Ziel war die Einrichtung eines
mechanisierten Strebbruchbaubetriebes mit stempelfreien Stoß und Erprobung
eines Panzerförderers PF I in einem 60 m langen Streb. Der Abbaufortschritt
betrug tageweise 3,75 m, die Förderleistung 19 t M/S. Störungen des Förderers
durch das tonige Erz verringerten den Abbaufortschritt auf durchschnittlich 3 m
und die Förderung auf 16 t M/S. Der Abbaufortschritt erwies sich aber als zu
gering, da in der Standzeit die Stempel durch die Bruchbewegung des
Strebhangenden in die weichen Liegendschichten gedrückt wurden. Die Raubarbeit
des Ausbaus wurde dadurch so aufwendig, so dass trotz der guten Förderleistung
kaum wirtschaftliche Vorteile erzielt werden konnten. Weitere Versuche gab es
mit einem Walzenschrämlader der Fa. Eickhoff mit fester liegender Walze und
schwenkbarer Hangendwalze sowie schreitendem hydraulischen Rahmenausbau der Fa.
Klöckner-Ferromatik.


4.1.2 Aufbereitung

Die
mittels Kreiselwipper aus den Förderwagen entladenen Erze gelangten zunächst
über eine Rutsche in ein System aus zwei Flügelbrechern, die jeweils eine
Durchsatzleistung von 200 t/h hatten und die Erze auf eine Korngröße unter 200
mm vorzerkleinerten. Die Mittelzerkleinerung auf unter 40 mm Korngröße erfolgte
sodann in drei Systemen aus Prallbrechern mit einer Durchsatzleistung von je 80
-100 t/h. Die anschließende nassmechanische Aufbereitung des zerkleinerten
Erzes geschah in dreizelligen Läuterapparaten durch Klassierung nach der Masse.
Durch Schwerterwäschen und Schöpfradstufen wurde ein Vorkonzentrat von
Erzkörnern über 0,28 mm Größe ausgetragen, der Überlauf ging als Eisenarmer
Schlamm in die Klärteiche In der Nachklassierung wurde das Korn größer als 10
mm erneut in den Prallmühlen zerkleinert, während Erze mit einer Korngröße
unter 6 mm bereits fertiges Gut war. Das zerkleinerte Gut wurde in vierzelligen
Aufstromklassierern bei einem Trennschnitt von 0,45 mm angereichert. Bei der
Entwässerung während des Austragens im Bunker verringerte sich die Feuchtigkeit
des Konzentrats von 23 auf 10,5 %.

5. Literatur

FRICKE, K. (1954): Die
unterirdischen Lagerstätten. – Die Lagerstätten Niedersachsens und ihre Bewirtschaftung,
Bd. 5, 3. Abt.; Bremen.
HARTIG, G. (1955): Das Abteufen des Schachtes II der Schachtanlage Damme nach
dem Honigmann-Verfahren. -In: Glückauf, Bd. 91, H. 41/42, S. 1129 ff.; Essen.
HARTIG, G. (1960): Voll- und Teilautomatisierung von Schachtförderanlagen im
Erzbergbau, dargestellt am Beispiel der Förderanlage des Schachtes II des
Eisenerzbergwerks Damme. – In: Z. f. Erzbergbau u.
Metallhüttenwesen, Bd. 13, H. 7, S. 343 – 346; Stuttgart.
HARTIG, G. (1963): Technische und wirtschaftliche
Verbesserungen des Abbauverfahrens der Schachtanlage Damme. – In: Z. f.
Erzbergbau u. Metallhüttenwesen, Bd. 16, H. 10, S. 517 – 519; Stuttgart.
RICHTER, W. (1953): Die Eisenerzlagerstätte von Damme i.O. – Veröff. naturwiss.
Ver. Osnabrück, 26, S. 54-57.; Osnabrück.
RÖHRS, H. (1992): Erz und Kohle – Bergbau zwischen Weser und Ems. –
Ibbenbürener Vereinsdruckerei, Ibbenbüren.
SLOTTA, R. (1986): Technische Denkmäler in der Bundesrepublik Deutschland – Der
Eisenerzbergbau Teil 1. – Deutsches Bergbau Museum Bochum.
THIENHAUS, R., FREITAG, K.-P. & SIMON, P. (1991): Die Trümmereisenerze von
Damme (Grube Damme und benachbarte Vorkommen). – Veröff. naturwiss. Ver.
Osnabrück, 17: 53 – 86, 12 Abb., 4 Tab.; Osnabrück.
WILLERT, G. (1951): Die Geologie des Eisenerzvorkommens in der Dammer
Oberkreidemulde. – In: Z. Glückauf, 87, H. 27/28, S. 643 – 647; Essen.


Osnabrücker Bergland – Eisenerzgrube Hüggel

Geschrieben von MichaP

1. Einleitung

Nachweislich
seit dem 16. Jahrhundert, vermutlich aber schon viel früher wurden am Hüggel bei
Osnabrück Eisenerze abgebaut. Bedeutung gewann der Bergbau aber erst 1836 mit
der Gründung der Beckeroder Hütte, die im Westteil der Lagerstätte im Tage- und
Tiefbau förderte. 1856 ging die Hütte samt Erzfelder an den
Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein über, der nahe Osnabrück eine
Eisenhütte errichtete. Durch den GMBHV wurde eine Verbindungsbahn zur neuen
Hütte gebaut sowie große Tagebaue und Schächte für einen kombinierten Tage- und
Tiefbau angelegt. Mit der Einführung des Thomasstahlverfahrens verloren die
phosphorarmen Hüggelerze stark an Bedeutung. Dennoch wurde der Erzbergbau bis
1930 fortgeführt. Von 1933 an erfolgte, von einigen Unterbrechungen begleitet,
nur noch im geringen Umfang die Gewinnung von Erzen und Zuschlagkalk welche mit
der Betriebseinstellung im Jahre 1963 endete.

2. Lagerstätte

Etwa 7 km südwestlich von Osnabrück am Nordrand des
Teutoburger Waldes liegt der Hüggel. Dieser bildet den mittleren Teil einer
kleinen, WNW – ESE streichenden Gebirgskette, die durch Querverwerfungen in die
verschieden hoch heraus gehobenen Abschnitte Roter Berg, Heidhorn, Hüggel und
Domprobst-Sundern zerlegt ist.

Tektonisch handelt es sich bei dem Hüggel um einen 4 km langen und 0,7 km
breiten Karbonhorst. Im Norden fällt das Karbon mit 16 – 28° ein und wird mit
schwacher Diskordanz vom Zechstein- und Buntsandsteinschichten überlagert. Am
Südrand ist der Hüggel durch eine große Störungszone abgeschnitten. Die
Sprunghöhe beträgt am Südrand ca. 1000 m, am Nordrand nur etwa 700 m. Die Heraushebung
des Hüggels erfolgte vermutlich zur Zeit der Oberkreide durch Einwirkungen des
Bramscher Plutons.

Das Oberkarbon besteht aus zum Teil konglomeratischen
Sandsteinen, Schiefertonen und darin eingeschalteten, geringmächtigen (0,07 – 0,45
m) Kohleflözen des Westfal C und D. Aufgrund der geringen Mächtigkeit und
Tiefenlage (ab 380 m) fand auf dieses Vorkommen kein Bergbau statt.
Die überlagernden Schichten des Zechsteins beginnen mit einer bis 40 cm
mächtigen Kalksteinbank, auf der ein meist 30 cm mächtiges Kupferschieferflöz
folgt. Darüber folgt der Zechsteinkalk, dessen untere Grenze eine 8 m mächtige
Kalkbank bildet. Dieser dunkelblau bis graue, dünnbankige Kalk wird aufgrund
seines Bitumengehaltes als „Stinkkalk" bezeichnet. Der Großteil des
Zechsteinkalkes wird durch den „Zuschlagkalk" mit einer Mächtigkeit von 26 – 32
m gebildet. Dabei handelt es sich um einen dickbankigen, feinporösen,
dolomitischen eisenhaltigen Kalkstein. Höhere Eisengehalte treten an der Grenze
zum Stinkkalk im unteren Zuschlagkalk auf. Die Vererzung des Zechsteins
erfolgte durch metasomatose Umwandlung des Kalkes durch aufsteigende
hydrothermale Lösungen. Dadurch wurde Spateisenstein (Siderit) gebildet, der in
Oberflächennähe durch Einwirkung von Oberflächenwasser zu Brauneisen (Goethit) verwitterte.
Die über dem Erzlager anstehenden Kalksteinschichten waren gering eisenhaltig (ca.
10 % Fe) und wurden als Zuschlag für den Hochofenprozess abgebaut. Der Eisengehalt
der Erze beträgt beim Brauneisenstein 20 – 52 %, beim Spateisenstein 20 – 45 % und
Zuschlagkalk 5 – 20 %.

Das Erzvorkommen begann im Osten zunächst als mulmiger Brauneisenstein mit
einem nördlichen Einfallen von 24 – 27°. In diesem Bereich wurden die Schächte
Anna, Mathilde und Kielmannsegge abgeteuft. Weiter Richtung Westen setzte sich
das Vorkommen zur Teufe hin als fester Spateisenstein mit einem Einfallen von
12 – 20° im zwischen den Schächten Ida und Luise fort. Zur Oberfläche hin war
der Spateisenstein in Brauneisenstein umgewandelt und einer von einer mächtigen
Schicht Zuschlagkalk überlagert. Dieser eisenhaltige Kalkstein mit einzelnen
Brauneisensteinnestern setzt sich bis in den Bereich des Roten Berges fort und
fällt dort mit 16° ein. Etwa ESE des Heidhorns befand ein kleines von den
umgebenen Karbonschichten durch Störungen begrenztes Brauneisenerzvorkommen
(Tgb. IV). Weitere kleine Brauneisenerzvorkommen lagen am Südhüggel zwischen
Hüggel und Jägerberg (Tgb. V a/b).

Ursprünglich befand sich oberhalb der Zechsteinkalkschichten eine mächtige
Anhydritschicht, die von Zechsteinkalk und Buntsandsteinschichten überlagert
wurde. Durch Verwerfung und Abtragung der Schichten kam der Anhydrit in
Oberflächennähe, wo das leicht wasserlösliche Sulfatgestein ausgelaugt wurde.
In den entstandenen Hohlraum brachen die Hangenden Zechsteinkalkschichten und
teilweise auch die Buntsandsteinschichten unregelmäßig ein. Diese Massen
bildeten eine 50 – 70 m mächtige Versturzbrekzie. Am nördlichen Hüggelrand wird
diese Brekzie von Buntsandsteinschichten überlagert.

3. Geschichte des Eisenerzbergbaus


3.1 Erste Anfänge 16. Jhd. bis 1856

Wann genau der Bergbau im Bereich des Hüggels begonnen hat
lässt sich nicht genau feststellen. Glaubt man der Sage des Hüggelschmiedes, so
scheint es schon in sehr früher Zeit erste Abbauversuche gegeben zu haben.
Urkundlich erwähnt wird der Eisenerzbergbau jedoch erst im 16. Jahrhundert. In
den Nachfolgenden zwei Jahrhunderten scheint dieser Bergbau wieder in
Vergessenheit geraten zu sein.

Ein regelrechter Bergbau und eine Verhüttung der Hüggelerze erfolgte erst durch
die Beckeroder Hütte bei Natrup-Hagen. Diese wurde 1835 durch den Osnabrücker
Kaufmann Johann Carl Förster gegründet. Teilhaber waren die drei Gebrüder
Meyer, welche ursprünglich eine eigene Hütte nahe Osnabrück gründen wollten. Am
9. August 1835
wurde Förster das Recht zum Schürfen nach Eisenstein im Kirchspiel
Schledehausen verliehen. Der erste Hochofen konnte 1839 angeblasen werden. Im
gleichen Jahr schied Johann Carl Förster aus und nach dem Tod einem der
Gebrüder Meyer trat an dessen Stelle der Preuße Julius Meyer aus Holte der
Gesellschaft bei. Dieser wurde bald alleiniger Eigner der Hütte. Produziert
wurden Stangenware und zahlreiche Gusswaren.

Die Eisenerze stammten aus den umliegenden Bergen, vornehmlich dem Ellenberg
und Hüggel, für deren Ausbeutung die Hütte mehrere Konzessionen besaß. Als
Brennstoff diente Holz und später auch Steinkohle aus Ibbenbüren. Auf Druck der
hannoverschen Regierung musste sich Meyer zur Abnahme von jährlich 935 t
Steinkohle aus dem fiskalischen Bergwerk bei Borgloh verpflichten. Ein eigenes
Steinkohlenbergwerk wurde ihm untersagt. Die zunehmende Konkurrenz aus dem In-
und Ausland machte ein Ausbau der Hütte unabdingbar. Aufgrund des fehlenden
Kapitals entschied Meyer sich 1856 zum Verkauf der Eisenhütte.

Die Förderung erfolgte an zwei Betriebspunkten durch die Gruben Hermine und
Hedwig. In der Grube Hedwig wurden Eisenerz mit einem Gehalt von 34 – 37 % Fe
gewonnen. Der Abbau erfolgte untertage über den 95 m langen Hedwigstollen und
später auch im Tagebau. Im Tagebau der Grube Hermine wurde ein sehr
wasserreiches Erz abgebaut, welches erst nach Trocknung einen Eisengehalt von
32 – 39 % aufwies.


3.2 Übernahme und Betrieb durch den GMBHV 1856 – 1963

Im Jahre
1856 gingen die Hütte und damit auch die Erzvorkommen in den Besitz des
Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein (kurz GMBHV) über, der nahe Oesede
eine neue Hütte mit zwei Hochöfen errichtete. Die zur Verhüttung benötigte
Kohle wurde aus dem Wealdenkohlenvorkommen im nahen Dütetal herbeigeschafft.
Aufgrund von Transportschwierigkeiten, das Erz musste mit Pferdefuhrwerken (bei
gutem Wetter täglich 150 Fuder) auf schlechten Wegen teils auf Umwegen über
Osnabrück zur Hütte gebracht werden, blieb die Förderung anfangs nur
unbedeutend. In Betrieb waren 1862 die Gruben Hedwig und Hermine sowie ein
Abbau des neu aufgeschlossenen Erzvorkommens am Roten Berg. Der Eisengehalt war
hier zwar geringer, von Vorteil erwies sich aber die leichte Gewinnbarkeit und der
hohe Kalkgehalt der Erze. Der Bau einer Chaussee in den Jahren 1862 – 63 führte
zu einer Senkung der Transportkosten von vormals 2,50 – 5 M pro Tonne auf 1,80 –
2,40 Mark. Dennoch erwies sich der geplante Bau einer Verbindungsbahn zur Hütte
als unumgänglich für die weitere Entwicklung. Mit dem Bau der Hüggelbahn wurde
im März 1864 begonnen und mit dem Erreichen des Roten Berges im Februar 1866
vollendet. Die Transportkosten betrugen nun 30 Pfennig und konnten im Laufe der
Jahre auf 15 Pf. (1909) gesenkt werden. In schneller Folge begann man nun mit
der Einrichtung von weiteren Betriebspunkten. Im Jahre 1867 existierten von
Osten nach Westen die Gruben Hermine, Hedwig III, Brockmann und Rothenberg.
Eine untertägige Gewinnung erfolgte nur auf der Grube Hedwig III. 1867 wurde
ein Wasserlösungsstollen angesetzt, der nach 544 m in südliche Richtung in die
Baue der Herminengrube einschlagen sollte. Zur Beschleunigung wurde der Stollen
über zwei Lichtschächte im Gegenortbetrieb aufgefahren. Einer der
Lichtschächte, der spätere Mathildenschacht, sollte als Förder- und
Wasserhaltungsschacht eingerichtet werden. Im Jahre 1869 wurde der
Mathildenstollen zum Durchschlag gebracht. Im gleichen Jahr wurde auf den
Gruben Brockmann und Rothenberg ein unterirdischer Abbau begonnen, da die
Abraumhöhe mehr als das Doppelte der Mächtigkeit des Erzlagers betrug. Der
Abbau erfolgte über flache Schächte im Einfallen des Lagers und streichenden
Strecken mit Pfeilern von 3 Lachtern (ca. 6 m) Stärke. Förderpunkte waren 1870 übertage
die Tagebaue Hermine und Roter Berg sowie untertage der Mathilden- und
Kielmannseggeschacht und die Grube Hedwig. Betrugen die Förderzahlen 1863 lediglich
nur 86.000 t Erz, so konnte bereits 1872 eine Förderung an Reich- und
Zuschlagerzen von 233.000 t erzielt werden.

Neue
Bezeichnung
Alte
Bezeichnung
Lage
Ia
Osten
Staels
Teil (?)
Hüggel
NE-Hang
Ia
Westen
Hermine
Osten
Hüggel
Nordhang
Ib
östlicher Stoß
Hermine
Westen
Hüggel
Nordhang
IIa
östlicher Stoß
Brockmann
Osten
Heidhorn
IIb
westlicher Stoß
Hedwig
Heidhorn
IIIa
Rother
Berg
Heidhorn
NW-Hang
IIIb Roter
Berg Osthang
IIIc Roter
Berg
IV Heidhorn Heidhorn
SE-Hang
Va Südhüggel
N Tgb.
Hüggel
Westhang
Vb
Südhüggel
S Tgb.
Hüggel
Westhang

Übersicht der Tagebaue

Da der Eisengehalt mit fortschreitendem Abbau stark abnahm,
entschied sich der GMBHV zum Zukauf von Erzgruben am Schafberg (Gruben Hector
und Perm). Dadurch sank in den 1890er Jahren die Förderrate und auch die Zahl
der Beschäftigten leicht ab. Ein weiterer Nachteil der Hüggelerze bestand in
dem geringen Phosphorgehalt. Die Erze eigneten sich zwar besonders für die
Herstellung von Bessemerstahl, mit der Einführung des Thomasverfahrens verloren
die Erze jedoch stark an wirtschaftlicher Bedeutung.

Ein leichter Aufschwung setzte zwischen 1906 und 1930 ein, als auf der 103-m-Sohle
des Luisenschachtes ein 2 – 8 m mächtiges Spateisensteinvorkommen von guter
Erzqualität angetroffen wurde. Zur Ausbeutung des Lagers hatte man 1908 den
Luisenschacht wieder aufgewältigt, weiter abgeteuft und eine 3. Tiefbausohle
angesetzt. Nach einem Wasserdurchbruch mußten die Arbeiten auf der 3. Sohle im
November 1911 eingestellt werden. Der Abbau erfolgte im Bereich der 1. und 2.
Tiefbausohle (letztere wurde auch als 78-m-Sohle bezeichnet). Zwischen diesen
Sohlen befand sich westlich des Schachtes Luise noch eine 67-m-Sohle. Das
Vorkommen zwischen den Schächten Luise und Ida wurde bis zur Einstellung des
Tiefbaus im Jahre 1930/31 abgebaut. Als Gründe für die Stilllegung nennt KOHL
(1934) die großen Erzvorräte der Hütte und die vertraglichen Verpflichtungen
zur Abnahme einer bestimmten Menge ausländischer Erze.

Die
Belegschaft bestand hauptsächlich aus ortsansässigen Arbeitern, von denen viele
zusätzlich noch einer ländlichen Tätigkeit nachgingen. Die Arbeitsdauer betrug
1909 für die Tagebaue neun Stunden (im Sommer von 6 – 15
h, im Winter von 8.30
– 17.30 h). Untertage
wurde in drei Schichten, beginnend um 6 h,
gearbeitet.

os_hueggel


Übersichtskarte der Eisensteingrube Hüggel

Abb. aus HAARMANN (1909)

Am Südhüggel wurde 1927 der Abbau vom Kalkstein für das
Zementwerk der Georgsmarienhütte aufgenommen, zudem hoffte man durch die
Arbeiten neue Eisenerze aufzuschließen. Der Abtransport der Steine geschah mit
einer 1928 fertig gestellten Drahseilbahn über den Kamm des Berges zur
Hüggelbahn. Der geringe Zementabsatz im Winter und die schlechte Wirtschaftlage
führte im Dezember 1929 zur Entlassung von 75 der 88 Arbeiter des Südhüggels. Mit
der Einstellung der Zementproduktion auf der Hütte wurde auch der Betrieb im
Südhüggel am 1.
August 1931vorläufig eingestellt, die endgültige Stilllegung
erfolgte mit der Betriebsaufname des neuen Steinbruches Holperdorp bei Lienen
im Jahre 1937.

Zur Zeit des 2. Weltkrieges wurden am Schacht Kielmannsegge
nochmals Erze im Tiefbau gewonnen. Etwa ab 1933 begann man neben dem Eisenerzabbau
mit der Gewinnung von Zuschlagkalk für die Verhüttung. Der Abbau mit
Dampfbaggern erfolgte hauptsächlich im Tagebau II b, von wo aus das Haufwerk
über einen Bremsberg zur 1927 errichteten Brechanlage gelangte, wo es gebrochen
und in Waggons der Hüggelbahn verladen wurde. Im Rahmen der erhöhten
Eisenerzeugung durch die Autarkiebestrebungen des dritten Reiches gewann der
Erzabbau wieder etwas an Bedeutung, dennoch wurde die Gewinnung der Erze aus
Qualitätsgründen im Jahre 1940 vorläufig eingestellt. Nach einer zeitweiligen Stilllegung
zwischen 1945 – 1948 wurde der Abbau von Zuschlagkalk noch bis zur endgültigen
Aufgabe des Bergbaus am Hüggel im Juli 1963 fortgesetzt.

In der fast 100jährigen Betriebsperiode wurden am Hüggel rund 10 Mio. Tonnen
Eisenerz gewonnen. Heute gibt es keine bauwürdigen Reserven mehr, lediglich an
Zuschlagkalk könnten noch ca. 3 Mio. Tonnen gewonnen werden.


3.2.1 Abbau und Wasserhaltung


3.2.1.1 Abbau

Insgesamt war das Hüggelgebiet in fünf Eisensteinfelder aufgeteilt.
Bergbau wurde aber nur in den Feldern I und II betrieben, wobei das Grubenfeld
I den nördlichen und Feld II den südlichen Abhang des Hüggels umfasste. Die
Gewinnung der Erze im Feld Hüggel I erfolgte sowohl im Tage- als auch im
Tiefbau. Im Jahre 1900 bestanden die Betriebspunkte aus dem Schacht Anna mit
den Tagebauen I a und I b, den Tagebauen II a und II b im Bereich des Schachtes
Kielmannsegge sowie die Tagebaue III a, b und c zwischen Schacht Luise und Roter
Berg. Weitere Tagebaue befanden sich östlich des Schachtes Kielmannsegge
(Tagebau IV) und im Bereich des Feldes Hüggel II (Tagebaue V a und V b). Die zuletzt
genannten Tagebaue V a und V b wurden bereits in den 1890er Jahren stillgelegt,
während die Tagebaue am Heidhornberg (II – III) bis zum Jahre 1907 in Betrieb
waren. Ab den 1920er Jahren bis zur Betriebseinstellung 1963 konzentrierten
sich die Arbeiten auf die Tagebaue III a und II b.

Nach der Vorrichtung durch Schächte und Stollen wurden zunächst die
Deckschichten abgetragen. Anschließend wurde das Erzlager im Querbau mit 5 – 8
m hohen Strossen bis zu einer Teufe von 40 – 50 m abgebaut. Im Winter und bei
Gebäuden auf der Tagesoberfläche wurde der Abbau als Tiefbau fortgesetzt. Die
entstehenden Hohlräume wurden mit dem anfallenden Abraum versetzt. Beim Abbau
des Spateisensteinlagers wurden die Erze meist durch Querbau in doppelflügeligen
Bremsbergfeldern mit einer streichenden Länge von 120 m teils im Bruch- sowie
Versatzbau abgebaut. Die Gewinnung erfolgte bei lockeren Gesteinen durch
Keilhauenarbeit, bei festen Gesteinen mittels Bohr- und Sprengarbeit.

Zum Transport des Haufwerks wurden anfangs Karrenläufe
verwendet, die ab 1875 durch schienengebundene, seitlich kippende und etwa 0,5
m³ fassende Förderwagen ersetzt wurden. Über Rolllöcher wurde das Haufwerk zur
nächst tiefer liegenden Fördersohle transportiert, in Förderwagen abgezogen und
durch Schlepper- oder Pferdeförderung zu den Schächten transportiert. Die
Pferde (1894: 4 untertage, 3 übertage) wurden bei den umliegenden Bauern
geliehen, die für eine neunstündige Schicht pro Pferd 4,30 M erhielten. Der
Förderung dienten die Schächte Luise, Anna, Mathilde und Kielmannsegge. Um 1895
war der Schacht Luise gestundet, in Betrieb waren nur die Schächte Anna
(Förderung Tagebau I a) und Kielmannsegge (Tagebau I b und II a). Bei erhöhter
Förderung oder Ausfall einer der Schächte wurde der Schacht Mathilde in Betrieb
genommen. Die Schächte waren mit Zwillingsdampffördermaschinen ausgerüstet,
deren Leistung am Annaschacht 12 kW, am Mathildenschacht 22 kW und am Schacht
Kielmannnsegge 44 kW betrug. Übertage wurden die Förderwagen mit Kreiselwippern
in 40-t-Wagen der normalspurigen Hüggelbahn entleert und zur 7 km entfernten
Georgsmarienhütte transportiert.

In den 1920er Jahren kamen erstmals Dampfbagger zum Einsatz. Zum Abtransport
der in Muldenwagen gefüllten Steine in den Tagebauen wurden mit Benzol- und
Diesel (ab 1950) betriebene Feldbahnen verwendet. Im Tagebau II b war ein mit
22° einfallender Bremsberg mit elektrischer Förderung im Einsatz. Die Brech-
und Verladeanlage befand sich nördlich des Tagebaus II b an der Trasse der
Hüggelbahn.


3.2.1.2 Wasserhaltung

Bis zur Talsohle (etwa +80 mNN) wurden die Wässer durch den 1867
bis 1869 errichteten und 600 m langen Mathildenstollen gelöst. Die angesetzte
streichende Mathildenstollen-Sohle hatte eine Länge von 2.800 m und verband
alle Schächte am Nordhang des Hüggels. Etwa parallel zu dieser war die
Wasserstrecke der Mathildenstollen-Sohle aufgefahren, welche durch Querschläge
mit dem Lager und der der Förderung dienenden Mathildenstollen-Sohle verbunden
war. Um den Wasserfluss zu ermöglichen war die Mathildenstollen-Sohle mit einer
Steigung von 1:400 m aufgefahren. Im östlichen, 1.000 m langen Streckenabschnitt
betrug der Höhengewinn etwa 2,5 m, der westliche und 1.800 m lange
Stollenabschnitt gewann bis zu 4,5 m an Höhe. Die Wasserstrecke diente
hauptsächlich zur Ableitung der Niederschlagswässer aus den Tagebauen.

Für einen Abbau der Erze unterhalb der Mathildenstollen-Sohle begann man 1874 –
1877 mit dem Abteufen des Augustaschachtes. Etwa 31 m unter der Hängebank und
20 m unterhalb der Mathilden-Stollensohle begann man mit der Auffahrung der
Hauptstollensohle (1. Tiefbausohle) 340 m Richtung Osten und 2.210 m Richtung
Westen.

Um die gesamte Wasserhaltung der 1. Tiefbausohle zu ermöglichen war der
Augustaschacht mit einer 221 kW starken Woolf’schen Wasserhaltungsmaschine
ausgerüstet worden. Die Maschine hatte einen Plungerdurchmesser von 0,91 m und
konnte mit einer Hubhöhe von 2,7 m maximal 12 m³/min heben. In der Regel mußte
nur eine Wassermenge von 4 – 5 m³/min bis auf die Mathildenstollen-Sohle
gehoben werden. Durch den als Wasserreservoir ausgebauten, 100 m langen
Querschlag zur Grundstrecke der 1. Tiefbausohle konnte der Zufluss zum Schacht
reguliert werden. Den benötigten Betriebsdruck lieferten vier kombinierte
Röhrendampfkessel mit einer Heizfläche von 173 m².  Im Jahre 1908 wurde die Dampfwasserhaltung in
Reserve gestellt und durch eine elektrisch angetriebene Pumpe ersetzt.

Um ein Absaufen der Tiefbausohle bei einem Betriebsausfall zu verhindern
befanden sich als Reserve bei den Schächten Anna und Mathilde zwei weitere
Wasserhaltungsmaschinen mit 48 kW bzw. 29 kW Leistung.

4. Vorkommen von Steinkohle

Die gesteigerte Abhängigkeit von den westfälischen
Kohlenlieferungen nach der Stilllegung der Zeche Piesberg, die rund 1/3 des
Bedarfs der Georgsmarienhütte deckte, veranlasste den GMBHV zur Untersuchung
der Steinkohlenvorkommen am Hüggel. Nach dem Aufkauf des verschiedenen
Bohrgesellschaften gehörenden Feldbesitzes auf Steinkohle und dem Einholen
eines Gutachtens wurde im Januar 1900 mit einer Aufschlussbohrung begonnen. Die
vom Tagebau I b nahe dem Mathildenschacht niedergebrachte Bohrung traf auf insgesamt neun Flöze, von denen drei Flöze in einer Teufe von 550 bis 600 m Mächtigkeiten
zwischen 0,4 und 1,5 m aufwiesen. Es handelte sich um Fettkohle mit einem
Aschegehalt von 12 – 24 %. Zu einem Abbau kam es nicht.

Zur Zeit des Kohlenmangels nach dem 1. Weltkrieg entschloss sich der GMBHV im
Januar 1920 am Südhüggel den Bergbau auf Steinkohle aufzunehmen. Der Plan sah
die Erschließung der bereits 1900 bei einer Bohrung festgestellten drei
Kohlenflöze vor. Für den Abbau sollte der Südhüggelschacht um 150 m weiter
abgeteuft werden. Nachdem allein durch die Wiederaufwältigung der
Mathildenstollensohle 250.000 Mark verbraucht worden waren wurde der Plan im
Mai 1920 aufgegeben.

5. Heutiger Zustand der Bergbauanlagen

Die
deutlichsten Zeugen der Bergbautätigkeit stellen die teilweise mit Müll
verfüllten und größtenteils zugewucherten ehemaligen Tagebaue dar. Erwähnenswert
ist vor allem der durch eine Förderbrücke in zwei Hälften eingeteilte größte
Tagebau II. Von den Tagesanlagen sind noch Fundamente von Fördereinrichtungen
sowie streckenweise die Trasse der Hüggelbahn erhalten. Als besonders
bemerkenswert gilt die Pumpenstation am Augusta-Schacht. Das dreigeschossige
Haus an der Bahnlinie Hasbergen zur Georgsmarienhütte ist nahezu komplett
erhalten. Der noch offenstehende Schacht dient zur Wasserversorgung der
Georgsmarienhütte. Am Standort des Luisenschachtes sind noch mehrere, durch den
GMBHV errichtete und heute größtenteils umgebaute Wohnhäuser vorhanden. Viele
der ehemaligen Bergbauanlagen sind durch einen Geologischen Lehrpfad
erschlossen.

Name Zweck Zustand
Hedwig-Stollen
Länge 95 m
Mundloch +117,90 mNN
Aus
der Zeit der Beckeroder Hütte stammender Förderstollen.
Nicht
mehr vorhanden
Anna-Stollen
Länge XXX
Mundloch +81,50 mNN
Förderstollen,
Wasserlösung. Um 1910 war dieser Stollen schon abgeworfen.
Mundloch
verbrochen, Wasseraustritt.
Mathilden-Stollen
Länge 600 m
Mundloch +78,0 mNN
Zentraler
Wasserlösungsstollen, Aufgefahren von 1868 bis 1869.
Das aus Ziegelsteinen gemauerte Mundloch ist noch
erhalten, jedoch stark deformiert. Der Stollen ist durch einen Betonpfropfen im
Bereich der Bahntrasse verschlossen. Wasseraustritt.

Schacht
Mathilde
Teufe 48,30 m
Hängebank +93,7 mNN
Förderschacht,
ausgestattet mit einer Fördermaschine (22 kW) sowie einem
Walzen- sowie zwei Cornwallkesslen mit je 49,1 m² Heizfläche.
Verfüllt
Schacht Anna
Teufe 46,11 m
Hängebank +103,78 mNN
Förderschacht. War ausgestattet mit einer Fördermaschine mit einer Leistung von 12 kW und Walzenkesseln mit je 26 m² Heizfläche.
Verfüllt
Schacht
Augusta
Teufe 31,42 m
Hängebank +88,47 mNN
Wasserhaltung mittels einer 221 kW starken Wasserhaltungsmaschine. Erhalten
ist das Maschinenhaus des Schachtes. Heute wird noch Wasser für die Georgsmarienhütte aus dem Schacht gepumpt.
Schacht
Kielmannsegge
Teufe 49,88 m
Hängebank +109,74 mNN
Förderschacht.
War ausgestattet mit einer 44 kW Fördermaschine und Walzenkesseln
mit insgesammt 93,4 m² Heizfläche.
Verfüllt und mit Betonplatte abgedeckt.
Schacht
Ida

Teufe 50,94 m
Hängebank +111,04 mNN
Förderschacht.
Hier befand sich das Materialmagazin für die Gruben am Hüggel
und eine Schmiede.

Schacht
Luise
Teufe 103,05 m
Hängebank +115,36 mNN
Förderschacht.
Hier befand sich eine Schmiede, eine Dampfsägemühle und
die Wohnung des Betriebsführers.

Schacht ist verfüllt und mit einer Betonplatte
abgedeckt.
Südhüggelschacht
Teufe 299,12 m
Hängebank +182,37 mNN
Wetterschacht Bis Ende der
1990er Jahre war über dem Schacht ein kleines Eisengestell
erhalten.

6 .
Literatur

EINECKE,
G./ KÖHLER, W. (1910): Die Eisenerzvorräte des Deutschen Reiches; Berlin.
HAARMANN (1909): Die Eisenerze des Hüggels bei Osnabrück. – Z. prakt. Geol., H.
17, S. 343 – 353; Berlin.
HAGEMANN,
W. (1930): Bergbau- und Hüttenbetriebe des Osnabrücker Landes in ihrer
wirtschaftlichen Entwicklung. -Veröff. wirtschaftswiss. Ges. zum Studium
Niedersachsens, Bd. 12; Hannover.
KOHL, E. (1934):
Die Eisenerzvorräte des Deutschen Reiches. -Arch. Lagerstättenforsch., Bd. 58;
Berlin.
MÜLLER, H.
(1896): Der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein. Teil 1: Die Geschichte
des Vereins. Teil 2: Beschreibung der Besitzungen, der Betriebsanlagen und der
Einrichtungen des Vereins; Osnabrück.

MÜLLER, H. (1906): Der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hütten-Verein. 2. Bd.;
Osnabrück.
RÖHRS, H.
(1992): Erz und Kohle – Bergbau zwischen Weser und Ems. – Ibbenbürener
Vereinsdruckerei; Ibbenbüren.
SLOTTA, R.
(1986): Technische Denkmäler in der Bundesrepublik Deutschland – Der
Eisenerzbergbau Teil 1. – Deutsches Bergbau Museum Bochum.
STAHL, A./
HAACK, W./ FULDA, E. (1941): Geologie u. Lagerstätten Niedersachsens. Bd. 1:
Das Paläozoikum in Niedersachsen. – Schr. d. Wirtschaftswiss. Ges. zum Stud.
Nds.; Oldenburg.
STOCKFLETH
(1894): Das Eisenerzvorkommen am Hüggel bei Osnabrück, Z. Glückauf, H. 100, 30,
S. 1791 ff.; Essen.

Unveröffentlichte
Quellen (Archive):

NLA HSTA BaCl. Hann. 184 Acc. 9 Nr. 2853, Acc. 11 Nr. 4290, Acc. 16 Nr.
169, 170, 175

 


Osnabrücker Bergland – Steinkohlenzeche Piesberg

Geschrieben von MichaP

os_haseschacht

1. Einleitung

Urkundlich schon 1448 erwähnt entwickelte sich der
Steinkohlen-bergbau zum Ende des 18. Jahrhunderts. zu einer wichtigen
Einnahmequelle für die Stadt Osnabrück. Mit der Errichtung von zwei
Schachtanlagen in den 1870er Jahren und über 1.500 Beschäftigten erlebte in
diesen Jahren der Piesberger Steinkohlenbergbau seine Blüte. Doch mit dem
Vordringen in die Tiefe vermehrten sich die Probleme mit der Wasserhaltung. Nach
schweren Wassereinbrüchen und einem Streik der Arbeiter wurde die Zeche
Piesberg 1898 stillgelegt. Lediglich nach 1945 wurde nochmals im geringen Umfang
Notbergbau betrieben.

2. Geologie

Der
Piesberg liegt etwa 5 km nordwestlich der Stadt Osnabrück. Es handelt sich um
einen Karbonaufbruch, welcher ein nahezu elliptisches Bergplateau mit
abgeschnittener östlicher Seite von 1,5 km Länge, 1 km Breite und einer Höhe
von +175 mNN bildet. Die aus dem Oberkarbon (Westfal D) stammenden Schichten
bilden eine fast von N – E streichende Achse, die im Westen mit etwa 10°
einfällt und im Osten durch eine steil einfallende, von NNW – SSE verlaufende
Störung begrenzt wird. Am Südflügel des Piesberges fallen die Schichten mit 30 –
40° ein, im Nordflügel beträgt das Einfallen 20 – 30°. Der Karbonaufbruch wurde
vermutlich vor etwa 80 Mio. Jahren zur Zeit der Oberkreide durch den Pluton von
Bramsche verursacht, der neben dem Piesberg auch zur Bildung des Hüggels und
des Schafberges führte. Eine neuere Überlegung ist die Möglichkeit einer
Inversion.

Die
Schichten des Piesberges bestehen aus teilweise konglomeratischen
Sandsteinfolgen mit Mächtigkeiten bis 50 m, denen Tonstein, Schlufstein und
Kohleflöze zwischengelagert sind. Bekannt sind 16 Steinkohlenflöze mit Mächtigkeiten
von wenigen cm bis ca. 1,60 m. Abgebaut wurden nur die Flöze Johannistein,
Mittel, Dreibänke und Zweibänke. Die Flöze sind durch das Bramscher Pluton
hochinkohlt. Im Bereich der Sattelachse enthält die Anthrazitkohle teilweise
nur 1,9 % flüchtige Bestandteile, in den Randbereichen bis ca. 5 %. Nach
TEICHMÜLLER handelt es sich um die am stärksten inkohlte Steinkohle in
Deutschland. Die sehr gasarme Kohle mit einem spez. Gewicht von 1,6 – 1,7 ist
sehr fest, bricht plattig oder stengelig und enthält viel Pyrit in Lagen oder
Konkretionen.

Flözführung (nach HAARMANN 1909):

Flöz
Schmitzchen (früher als Flöz Bänkchen bezeichnet)
5
– 15 cm mächtig
Flöz
Johannistein
ca. 80 cm mächtig mit reinster Kohle
Flöz
Mittel
ca. 50 cm mächtig, feste und stückige Kohle
Flöz
Dreibänke
Drei
Bänke mit jeweils 18 – 20 cm, 45 – 48 cm und 42 – 47 cm mächtiger
Kohle, dazwischen 20 cm mächtige Bergemittel aus Tonschiefer,
stückige Kohle
Flöz
Bänkchen
5 – 10 cm mächtig, unreine Kohle
Flöz
Zweibänke
Zwei
Bänke mit 53 und 15 cm Mächtigkeit, durch eine dünne
Tonschieferschicht getrennt, stückreiche, reine und fettige Kohle

Neben der Steinkohle kommen am Piesberg auch
Erzbildungen vor. Im Karbon treten in Spalten Bleiglanz, Siderit und Flussspat
auf. Zudem kommen Klüfte mit Zinkblende, Kupferkies und Quarz vor, bei denen
häufig die Buntmetallsulfide durch Verwitterung weggelöst wurden (STADLER
1971). Im Jahre 1892 wurde dem GMBHV das Bleierzfeld Piesberg verliehen.
Fundpunkt war der Stüveschacht in einer Teufe von 187 m. Der in der Kohle
enthaltene Schwefelkies wurde ab 1884 in einer Schwefelkieswäsche der Fa.
Humboldt bei der Aufbereitung ausgewaschen und an Schwefelsäurefabriken
verkauft (jährliche Produktion 240 – 640 t; 1897: 395 t; 1898: 640 t). Zur
Gewinnung wurde der Stadt im Dezember 1880 das „Schwefelerzfeld Piesberg"
verliehen (MÜLLER 1896). In einer E-W streichenden Grabenstruktur war ein
mittlerweile abgebauter Zechsteinkeil erhalten. Dieser vollständig entkalkte,
vertonte Zechstein enthielt stellenweise Brauneisenstein. Die Entstehung ist
ähnlich wie beim Schafberg und Hüggel auf eisenhaltige Lösungen zurückzuführen,
die den Kalk des Zechsteins metasomatisch verdrängte (STADLER 1971).
Vererzungen dieser Art wurden auch am Westrand nahe dem Stüveschacht
nachgewiesen und gaben den Anlass zur Verleihung zweier Eisenerzfelder im März
1868. Nach HAARMANN wurde dieses Vorkommen früher auch zeitweise abgebaut
und verhüttet, worauf Pingen und die Flurbezeichnung „Schmiedehügel"
hindeuten. Der Eisengehalt betrug zwischen 34 – 66 % bei einem hohen
Kieselsäuregehalt von 13 – 15 % (HOLLENBERG 1854). Aus dem unteren
Buntsandstein erwähnt HAARMANN das Vorkommen von schuppigem Eisenglanz auf
den Schichtflächen und in Drusen.

p_grundriss

Quelle: HAARMANN (1909)

3. Geschichte des Piesberger Steinkohlenbergbaus


3.1
Bergbau unter Leitung der Stadt Osnabrück (Verpachtung von 1667 – 1730)

Im
Jahre 1461 erfolgte vermutlich die erste urkundliche Erwähnung eines
„Kohlenbrechers" am Piesberg. Eine weitere urkundliche Erwähnung erfolgte in
einem Rezess zwischen dem Domkapital und dem Magistrat der Stadt Osnabrück aus
dem Jahre 1568. Darin heißt es: "dan den Herren des Rahdts tho Osnabrück,
dat se allein in dem Peseberge die Steinkollen, war de tho finden, brechen,
lathen und gewinnen und tho ihren besten ohne alle Insperunge (Einschränkungen)
geneten mögen." Durch diesen Vertrag wurde dem Magistrat das alleinige
Recht der Kohlengewinnung zugestanden. Da die Steinkohle nicht dem Bergregal
unterlag, war jeder auf seinem Grund und Boden sowie in der Mark die Markgenossen
zur Gewinnung berechtigt. Am Piesberg wurde die Steinkohle durch die
markberechtigten Bewohner der Gemeinden Pye und Lechtingen am Ausgehen der
Flöze abgebaut. Verwendet wurde die Kohle nur zum Betrieb von Kalköfen. Nach
dem Rezess schloss der Magistrat mit den "Kohlbrechern" Verträge ab,
die diese zur Lieferung von Kohle für die städtischen Kalköfen verpflichtete.
Von der Stadt bekamen die "Kohlenbrecher" finanzielle Hilfe beim
Abteufen der kleinen Schächte, Pütten genannt, und das notwendige bergmännische
Gezähe. Die geringen Einnahmen durch den Bergbau veranlassten 1647 den
Magistrat, den Piesberg mitsamt den städtischen Kalköfen zu verpachten. Pächter
waren von 1647 bis 1730 fast ausnahmslos Angehörige der Familie Pagenstecher.
Die Pacht war gering und betrug während des Betriebes der Öfen einige Karren
Kalk pro Woche. Später kam dazu noch eine Gebühr bis zu 20 Taler für die
Benutzung der städtischen Gerätschaften.

Nach
Klagen wegen unsachgemäßer Betriebsführung ließ der Magistrat 1727 den
Kohlenbergbau durch den Bergmeister der Borgloher Bergwerke, Huiskin,
begutachten. Auf dessen Vorschlag hin wurde noch im gleichen Jahr mit der
Auffahrung eines tiefen Wasserlösungsstollens am Nordhang des Piesberges
begonnen, welcher später nach den hier arbeitenden Lütticher Bergleuten den
Namen Lücker-Stollen erhielt. Doch nach nur einem Jahr wurde die Arbeit
eingestellt, da die Geschwindigkeit des Vortriebs und die Kosten nicht den
Erwartungen des Magistrats entsprachen. Um schneller das Flöz erreichen zu
können wurde im gleichen Jahr sieben Lachter (ca.13,40 m) über dem
Lücker-Stollen der Mosberger-Stollen angesetzt, der nach dem mit der Auffahrung
beauftragten Harzer Bergmann Mauerberg benannt wurde. Erst nach 12 Jahren, die
lange Zeit wurde verursacht durch mehrere Betriebsunterbrechungen, konnte der
Stollen 1740  zum Durchschlag gebracht
werden. Eine Verbesserung der Betriebslage trat dadurch aber nicht ein. Der
1765 neu eingestellte Bergmeister Wolgemuth machte dem Magistrat den Vorschlag,
das Vorkommen genauer untersuchen zu lassen und auf dieser Grundlage das
Bergwerk neu auszurichten. Zu dieser Frage konnte der Magistrat jedoch keinen
Beschluss fassen. Allmählich setzte der Aufschwung der Steinkohle als
Hausbrandkohle ein, so dass am Piesberg die Förderung gesteigert werden musste
um die Nachfrage zu befriedigen. Von 1776 an betrug die Jährliche Ausbeute
30.000 Ringel (1.620 t). Eine weitere Steigerung der Förderleistung erfolgte
1792 mit der Einführung der Akkordarbeit sowie einer Kontrolle von Förderung
und Fördermenge, was die Qualität der damals unaufbereitet verkauften Kohlen zu
verbesserte. Der Kohlenabbau erfolge über mehrere kleine Schächte im Flöz
Johannistein, während die Stollen nur der Wasserlösung dienten.

Im
Jahre 1794 erreichte der Lücker-Stollen das Flöz. Nun wurde versucht, den durch
den Starrsinn des Magistrats betriebenen Raubbau durch einen rationellen Abbau
zu ersetzten. Der Rat der Stadt richtete 1799 eine Bergwerkskommission ein,
bestehend aus dem Bürgermeister Stüve und dem Staatssekretär Struckmann, welche
sich mit Kräften dafür einsetzte das Bergwerk weiter zu entwickeln und
ertragsfähig zu machen.

Nach der Pensionierung Wolgemuths übernahm 1809 der von der Zeche Böhlhorst bei
Minden stammende Obersteiger Herold die Leitung des Betriebes. Dieser
reorganisierte Betrieb- und Verwaltung und konnte den Reingewinn von ehemals
500 – 1.000 Talern auf 4.000 – 7.000 Talern steigern. Herold führte auch
umfangreiche Aufschlussarbeiten durch. Auf dem Piesberg wurden mehrere Schächte
abgeteuft und neben dem bisher nur bekannten Flöz Johannisstein zwei neue Flöze
nachgewiesen. Am Osthang des Berges wurde der zunächst als Versuchsstollen
angesetzte Lechtinger-Oberstollen aufgefahren, der 1830 das Flöz Dreibänke und
später das Flöz Mittel erreichte. Nahe der Hase am Westhang des Piesberges
wurde mit dem Bau des Hasestollens begonnen, die Arbeiten mussten aber da sie
ohne Genehmigung des Magistrats stattgefunden hatten wieder eingestellt werden.
Als Herold im Jahre 1833 starb trat an dessen Stelle der Berggeschworene, 1848
zum Bergmeister ernannte Pagenstecher. Es folgte eine weitere Konsolidierung
von Verwaltung und Betrieb sowie eine Verbesserung der Arbeitsverhältnisse,
indem junge Bergleute zur Ausbildung nach Westfalen geschickt wurden.

Im
Jahre 1859 wurde 20 m saiger unter dem Oberstollen mit dem Bau des
Lechtinger-Tiefstollens begonnen, 1852 erfolgte der Durchschlag mit dem Flöz
Dreibänke. Von diesem Stollen aus wurden die Flöze Mittel und Dreibänke und das
1836 im Schacht 7 am Osthang des Berges aufgefundene Flöz Zweibänke abgebaut.
Erst Pagenstecher erkannte die sattelförmige Lagerung der Flöze und richtete
danach den Abbau ein. Von 1833 bis 1853 erhöhte sich die Förderung von 50.000
Ringel (5.400 t) auf 370.000 Ringel (19.980 t) und der Gewinn auf
durchschnittlich jährlich 20.000 Taler. Der Bau des Hase-Stollens wurde 1853
wieder aufgenommen und 3 Jahre später erfolgte der Durchschlag zum Flöz
Johannisstein. Der Stollen lag 21,12 m saiger unter der Lückerstollensohle, 30,73
m unter der Lechtinger-Tiefstollensohle und 36,94 m unter der
Mosberger-Stollensohle. Von der Hase-Stollensohle waren sämtliche Flöze, deren
Sattelbiegung über die Sohle hinausragte, aufgeschlossen und konnten
verhältnismäßig einfach abgebaut werden. Der Betrieb teilte sich nun in zwei
Abteilungen auf: Eine obere, ältere, die aus den Mosberger, Lücker sowie
Lechtinger Ober- und Unterstollen bestand und eine untere Abteilung im Bereich
zwischen dem Lechtinger Tiefstollen und dem Hase-Stollen.

Mit
der Verlegung der Hannoverschen Westbahn von Löhne nach Rheine und der Anlage
eines Zweiggleises zum direkt beim Mundloch des Hase-Stollens gelegenen Bahnhof
Piesberg konnte 1857 ein neues Absatzgebiet geschaffen werden, das sich bisher
nur auf Osnabrück und Umgebung beschränkte. Im Jahre 1865 wurden 892.500 Ringel
gefördert, der Gewinn war gering und betrug pro Ringel Brutto 3,9 Groschen und
Netto nur 1 Groschen. Große Kohlenstücke wurden als Stückkohle verkauft, die
restliche Kohle kam nach dem Sieben als grobe Rostbrocken, gewöhnliche Rostbrocken,
Brocken, Würfelkohle, Nusskohle, Siebkohle, Rostgrus und Siebgrus in den
Handel. Die mit großer Hitze und rauchlos brennende, jedoch schwer entzündbare
Kohle wurde zur Stubenheizung und in Kalköfen (Rostgrus) verwendet. Vom
Magistrat wurden drei Heizer engagiert, die den richtigen Umgang mit der Kohle
lehrten. Wegen des Absatzes als Hausbrandkohle war die Förderung im Sommer nur
1/3 so stark wie im Winter.

Unter
Bergassessor Meydam wurde 1868 mit dem Abteufen des Schachtes IV von der
Hasestollensohle aus begonnen, welcher Gegenortschacht des Querschlagbetriebes
zwischen dem geplanten Haupttiefbauschacht an der Hase und dem Nordflügel
werden sollte. Starke Wasserzuflüsse führten zunächst zu einer Einstellung der
Arbeiten, so dass im gleichen Jahr mit dem Abteufen des Hase-Schachtes am
Südhang des Berges begonnen wurde. Nach Problemen mit zusetzenden Grubenwässern
beim Abteufen konnte die Förderung auf der 55 m unter der Hasestollensohle
gelegenen 1. Tiefbausohle erst 1873 aufgenommen werden.

Die
Abzahlung der Kriegsschulden nach Beendigung des Deutsch-Französischen Krieges
1871 führte zu einer wirtschaftlichen Scheinblüte im Deutschen Reich. Da
während dieser Zeit der Kohlenpreise und der Absatz stark anstieg war die Stadt
an einem weiteren Ausbau des Bergwerkes interessiert.

Anfang 1872 schied Meydam aus. An dessen Stelle trat Bergassessor Temme, der
bedeutend selbstständiger als seine Vorgänger wirken konnte, nachdem
Pagenstecher in die städtische Bergwerkskommission übernommen und eine
Bergwerksdirektion mit einer größeren Bewegungsfreiheit eingerichtet worden
war. Unter Temme wurde 1873 mit dem Abteufen des Stüveschachtes am Nordabhang
des Piesberges begonnen. Über den Schacht sollten die qualitativ besseren
Kohlen des Nordflügels gewonnen und über zwei aufzustellende
Wasserhaltungsmaschinen die Wasserhaltung des Bergwerkes sichergestellt werden.
1874 wurde der Wetterschacht 9 bis auf die Hasestollensohle abgeteuft und die
Wetterschächte 4 sowie 7 mit einer Feuerung zur Erzeugung einer geregelten
Wetterführung versehen. Während der Stüveschacht bis zur 1. Tiefbausohle
relativ schnell abgeteuft werden konnte, erfolgte am 29. Januar 1876 ein
Wasserdurchbruch im Schachtsumpf. Die vorhandene Wasserhaltungsmaschine konnte
die Wassermassen nicht abpumpen und der Schacht soff innerhalb 15 Stunden bis
zur Hasestollensohle ab. Da finanziellen Mittel zur Anschaffung einer zweiten
Maschine fehlten wurden die Abteufarbeiten bis auf weiteres eingestellt.

Dem
durch die französischen Milliardenzahlungen verursachten sozialen- und
wirtschaftlichen Aufschwung folgte 1873 eine schwere Wirtschaftskrise, die auch
Auswirkungen auf die Zeche Piesberg hatte. Wegen der vermeintlich sicheren
Zukunft fehlten finanzielle Rücklagen. Es existierte lediglich ein Fond für
Tiefbau- und Erneuerungsarbeiten, nicht aber für den allgemeinen Betrieb der
Grube. So konnten die Aus- und Vorrichtungsarbeiten mit dem Abbau nicht schritt
halten und das Verhältnis der Selbstkosten zu den sinkenden Kohlenpreisen wurde
immer ungünstiger. Für die Ausrichtung der 1. Tiefbausohle, den Bau der
Anschlussbahn und Wohnungen zur Unterbringung der Belegschaft mussten 4 Mio.
Mark angeliehen werden. Weitere Kosten verursachte die Errichtung einer
Kohlenwäsche im Jahre 1880. Diese war unabdingbar geworden, da die neuen
Eisenbahnnetze nicht nur das Absatzgebiet erweiterten, sondern auch zu einer
direkten Konkurrenz mit den qualitativ besser aufbereiteten und leichter
entzündbaren Ruhrkohle führte. Obwohl die Piesberger Kohle für Hausbrand gut geeignet
war, konnte der Absatz nach Inbetriebnahme der Wäsche 1881 nur langsam
gesteigert werden. In den folgenden Jahren betrug der Zuwachs nur 2 % anstatt
10 % wie zwischen 1867 und 1868.

Der
von der Jahreszeit abhängige Kohlenabsatz (im Sommer max. 200 t/Tag, im Winter
max. 500 – 600 t/Tag) ließ keinen kontinuierlichen Betrieb der Zeche zu. Hohe
Kosten und Probleme verursachte die am Haseschacht aufgestellte veraltete Wasserhaltungsmaschine,
welche nur mit einem Hub pro Minute die mit 8,5 m³/min zusitzenden Grubenwässer
heben musste. In den letzten Betriebsjahren konnte keine Ausbeute gemacht
werden, der Erlös reichte höchstens zur Verzinsung
der Schulden.

Zur
Behebung der Absatzprobleme wurde im Jahre 1884 der von der Zeche Schlägel
& Eisen in Herten stammende Direktor Kaiser als kaufmännisches Mitglied der
Bergwerksdirektion eingestellt. Unter seinem Wirken konnte der Kohlenabsatz,
der 1883/84 82.534 t betrug, trotz der Schwierigkeiten 1884/85 auf 108.406 t
gesteigert werden und erreichte 1888/89 165.705 t. Im Jahre 1887 schied
Bergassessor Temme aus der Leitung der Grube aus, an dessen Stelle
Bergwerksdirektor Eickelberg trat. Durch den Magistrat wurde ein Gutachten in
Auftrag gegeben, das als Ergebnis die Erstellung eines neuen Betriebplanes, die
Sümpfung des Stüve-Schachtes und Anlage einer zweiten Tiefbausohle an beiden
Schächten vorsah. Nach Prüfung des Planes durch die hinzugezogenen Sachverständigen
Bergassessor Tilmann aus Dortmund und Grubendirektor Hochstrate aus Homberg am
Rhein genehmigte das städtische Kolleg die dafür notwendigen finanziellen
Mittel. Da der Magistrat der Stadt 1889 beabsichtigte das Bergwerk zu
verkaufen, wurden die Arbeiten nicht mehr durchgeführt. Lediglich am
Hasestollen wurde zur Verringerung der Selbstkosten eine Kettenbahn installiert
und die Tagesanlagen modernisiert.

Gründe
für die Verkaufsabsichten waren der zum weiteren Betrieb des Bergwerks
notwendige Ausbau, die Risiken des Tiefbaus, steigende Grubenwasserzuflüsse und
ein noch nicht beigelegter Streit über die Ableitung der Wässer.


3.2
Die Zeche Piesberg unter der Leitung des GMBHV (1889 – 1898)

Die
Abhängigkeit von der Westfälischen Kohle und die Probleme des fiskalischen
Steinkohlenbergbaus bei Borgloh und Oesede hatten schon früh das Interesse des Georgs-Marien-Bergwerks-
und Hüttenvereins (GMBHV) auf den Piesberg gelenkt. So wurden Versuche zur
Verwendung der Piesberger Kohle im Hüttenwerk durchgeführt, deren Verwendung
bei Mischung mit Fettkohle zur Kesselheizung und im Hochofenbetrieb als möglich
erschien. Zudem glaubte man den Absatz von Kohle für Industrie und Landabsatz
durch Erschließung der 2. Tiefbausohle sowie dem Bau einer neuen Aufbereitung
erheblich steigern zu können.

Auf
einer außerordentlichen Generalversammlung am 27. Juli 1889 wurde die
Genehmigung zum Kauf der Zeche Piesberg erteilt. Der Kaufpreis sollte anfangs 5
Millionen Mark betragen, nach langen Verhandlungen und kurzeitigem Abbruch
einigte man sich auf 3.535.835 Mark. Mit dem Abschluß des Kaufvertrages am 22.
August 1889 ging das Bergwerk mitsamt allen Rechten und Pflichten in den Besitz
des GMBHV über.

Nach der Übernahme wurde sofort mit der Aufstellung eines neuen Betriebplanes
begonnen. Die Leitung hatte der von der städtischen Verwaltung in den Dienst
des Vereins übernommene Direktor Eickelberg. Der Plan sah eine Vereinfachung
der Verwaltung, das Sümpfen und Weiterteufen des Stüve-Schachtes, die
Einrichtung einer 2. Tiefbausohle auf beiden Schächten und die Modernisierung aller
dem damaligen Stand der Technik nicht mehr entsprechenden Maschinen und
Tagesanlagen vor. Die Förderung sollte von derzeit 375 – 400 t pro Tag auf 500
t und später auf 700 – 800 t erhöht werden.

Anfang
Dezember 1889 wurde die übertägige Woolf’sche Wasserhaltungsmaschine am
Stüve-Schacht fertig gestellt und mit der Sümpfung des Schachtes begonnen. Im Januar
1890 starteten die Abteufarbeiten. Für die Teufarbeiten kamen ein Kompressor
und vier Bohrmaschinen zum Einsatz. Schwierigkeiten bereitete ein starker
Zufluss von extrem sauerem Grubenwasser, was zu einem hohen Verschleiß an den
eingesetzten Pumpen führte. Am 01. April 1892 wurde in einer Teufe von 198 m
die 2. Tiefbausohle angesetzt. Anschließend wurde der Hauptquerschlag Richtung
Norden angesetzt und mit dem Auffahren von Räumen für die Wasserhaltung
begonnen. Hier sollten zwei unterirdische Wasserhaltungsmaschinen installiert
werden, deren Anschaffung nach den vermehrten Grubenwasserzuflüssen im
September 1893 beschlossen wurde. Übertage wurden am Stüveschacht die
Tagesanlagen mit der Errichtung eines Kauen-, Magazin- und Bürogebäudes, einer
Kesselanlage und einer neuen Förderanlage erheblich ausgebaut. Auf dem
Zechenplatz am Hasestollen erfolgte die Fertigstellung einer Zentralwerkstatt,
eines Kauen- und Magazingebäudes und einer erweiterten Kesselanlage. Neben dem
Umbau des Zechenbahnhofes war vor allem der Bau einer neuen Aufbereitung von
Bedeutung, die im Februar 1893 in Betrieb ging.

Am 07. September 1893 ereignete sich am Stüveschacht ein schweres Grubenunglück
im Bereich der Mittelsohle, die zwischen der 1. und 2. Tiefbausohle angesetzt
war. In 10 m Entfernung vom Schacht waren Bergleute damit beschäftigt, ein
Wetteraufhauen zur 1. Tiefbausohle aufzufahren. Zum Verlauf des Unglücks
schreibt MÜLLER (1896):

"In
diesem Ueberhauen fand am Nachmittage des 7. September, nachdem kurz vorher
wegen schlechter Wetter die Arbeiten daselbst eingestellt worden waren, ein
Wasserdurchbruch statt. Die unter starkem Druck stehenden Wässer stürzten mit
solcher Gewalt auf die zweite Tiefbausohle hinab, daß der den Dienst am
Schachte versehende Anschläger sich sofort veranlaßt sah, die auf dieser Sohle
arbeitenden 14 Bergleute zum Verlassen des Schachtes mittelst des Förderkorbes
aufzufordern, welcher letztere in vier Etagen Raum für 21 Mann enthält. Als
fünf Arbeiter den Korb bestiegen hatten, gab der Anschläger das Signal zum
Auffahren, blieb aber aus ungeklärten Gründen, wahrscheinlich weil er die
Gefahr nicht für so groß erachtete und den niedergehenden Korb erwarten wollte,
mit den übrigen acht Bergleuten zurück. Für den zweiten Korb erfolgte kein
Anfahrtssignal, und als aufgezogen wurde, befand sich keiner der
zurückgebliebenen Bergleute darin. Auch auf den bis zum Schachtstiefsten
neidergehenden Fahrten kam keiner von ihnen zu Tage. Schleunigst ins Werk
gesetzte Rettungsversuche blieben ohne Erfolg, weil wegen schlechter Wetter ein
Vordringen unter die Mittelsohle unmöglich war. Die aus dem sehr sauren Wasser
beim Niederstürzen in großer Menge freigewordene Kohlensäure wird so rasch die
unteren Räume des Schachtes erfüllt haben, daß die unglücklichen neun Bergleute
zwischen dem Aufgehen des einen und dem Niedergehen des anderen Korbes ihren
Tod durch Ersticken gefunden haben werden."

Durch
Aufstellung von Hilfspumpen auf der Hasestollen-Sohle konnte im Januar 1894 mit
dem Sümpfen des Schachtes begonnen werden. Abgeschlossen wurden die
Sümpfarbeiten am 22. März 1894. Am gleichen Tag wurden auch die Leichen der
verunglückten Bergleute geborgen, deren Beisetzung zwei Tage später auf dem
Hasefriedhof erfolgte. In der folgenden Zeit mußten umfangreiche
Reparaturarbeiten am Schacht durchgeführt werden, welche Anfang Juni 1894
beendet werden konnten. Anschließend wurden die Aufschlussarbeiten im Bereich
der 1. und 2. Tiefbausohle wieder aufgenommen. Auf der Sumpfsohle, 10 m unter
der 2. Tiefbausohle, wurde 20 m vom Schacht entfernt der Maschinenraum für die
Wasserhaltung fertig gestellt.

Jahr Förderung
(t)
Belegschaft Förderung
t / MS
1887
1888
1889
1890
1891
1892
1893
1894
1895
1896
1898
114.433
112.701
157.841
128.158
120.233
131.484
136.008
153.085
176.847
186.734
133.451
423

350
392
680
731
831
866
899
–
–
–

0,94
1,10
1,12
1,03
1,01
1,01
0,93
0,94
–
–
–

t / MS = Schichtleistung (Fördermenge / Anzahl d.
Mannschichten)

Im November 1894 konnte auf dem Stüveschacht nach
Durchfahrung des Flözes Dreibänke die Kohlenförderung aufgenommen werden. 1895/96
wurde bereits eine Förderung von 153.085 t Steinkohle erreicht, wovon der
Eigenverbrauch 75.000 t betrug. Die höchste Jahresförderung wurde 1896/97 mit
186.734 t erzielt.

Im Jahre 1895 wurde vom Stüveschacht aus mit der Auffahrung eines
Sumpfquerschlages zur Unterfahrung des Haseschachtes begonnen. Bis 1896 war der
Querschlag mit Bohrmaschinen 806 m vorangetrieben worden. Diese Arbeiten verursachten
einen verstärkten Wasserzufluss, der sich von bisher 25 m³ auf 35 m³/min
erhöhte. Wegen des hohen Kohlenstoffdioxidgehaltes des Grubenwassers musste die
Förderung auf der 2. Sohle zeitweilig eingestellt und die Wetterführung
verbessert werden. Die weitere Ausrichtung des Abbaus auf der 2. Tiefbausohle
Richtung Norden führte zu einem neuen Zufluss von Grubenwasser. Nach  einem Wasserdurchbruch im Flöz Dreibänke nach
Anfahren einer Störung am 25. November 1897 betrug der Wasserzufluss 45 – 47 m³
bei einem Salzgehalt von 43 – 45 g/l (!). Da die Wasserhaltungsmaschinen ohne
Reserve arbeiteten, musste die Grundstrecke im Hauptquerschlag der 2.
Tiefbausohle abgemauert werden. Dadurch konnte der Grubenwasserzufluss auf 35
m³/min begrenzt werden. Der Verlust der 2. Tiefbausohle führte zu einer
Verringerung der Tagesförderung von 700 auf 450 t. Im Dezember wurde mit der
Herstellung eines Maschinenraumes für eine neue Wasserhaltungsmaschine
(Leistung 12 m³/min) begonnen.

Die schwierigen Wasserverhältnisse und die hohen Investitionskosten für den Bau
der Grubenwasser- abführung stellten den weiteren Betrieb der Zeche in Frage. Es
stellten sich folgende Fragen, mit deren Klärung 1897 verschiedene Gutachter zu
Rate gezogen wurden:

  • Mit welchen Wassermengen ist bei Fortführung des
    Betriebes zu rechnen?
  • Bis zu welcher Menge ist die Gewältigung des Grubenwassers technisch möglich
    und die Abführung zur Ems zulässig?
  • Wo liegt in Anbetracht der steigenden Wasserhaltungskosten und der Ableitung
    in die Ems die Grenze der Rentabilität für die Zeche Piesberg?

Gutachter für geologische Fragen waren der Geheime Bergrat Prof. von Krönen aus
Göttingen und Bergassessor Dr. Cremer aus Bochum. Als Bergsachverständige
dienten die Bergwerksdirektoren Tomson und Hilbeck aus Dortmund und als
Wasserbautechniker der Regierungsbaumeister Taaks aus Hannover.

Um den Betrieb aufrecht halten zu können überlegte die Werksleitung die
Einführung der werktätigen Arbeit an sieben in die Woche fallenden katholischen
Feiertagen. An diesen nicht gesetzlichen Feiertagen ruhte nur am Piesberg die
Arbeit, nicht aber in den anderen Betrieben des GMBHV oder der Provinz
Hannover. Nach einer Unterredung gestattete der Bischoff von Osnabrück am 27.
Februar 1897, vom 01. Januar 1898 an für „die katholischen Arbeiter, welche in
den gewerblichen Anlagen des Georg-Marien-Vereins und hauptsächlich am
Piesberge beschäftigt sind, an folgenden Feiertagen (…), die ihnen
obliegenden körperlichen Arbeiten verrichten, nachdem dieselben (…) vor
Beginn der Arbeit eine heilige Messe gehört haben." In der Kapelle zu
Eversburg und in der Kirche zu Wallenhorst sollte ein Frühgottesdienst
abgehalten werden.

Die neue Arbeitsverordnung trat am 01. Januar in Kraft. Doch die zuständigen
Geistlichen lehnten am 06. Januar die Haltung einer Frühmesse ab – infolge
dessen die Arbeiter der Arbeit fern blieben. Am 24. Januar schrieben die
Pfarrer von Wallenhorst und Eversburg an den Vorstand, das sie an den
Feiertagen festhalten würden und, da „die Arbeit an Feiertagen öffentliches
Ärgernis und Anstoß erregen würde." Die Arbeiter wollten den Ausfall durch
Überschichten ausgleichen. Am nächsten Feiertag, dem 02. Februar, fuhren von 846
Mann nur 472 an. Nun mischte sich auch der Vorsitzende des Gewerkschaftsvereins
christlicher Bergleute, der Bergmann August Brust aus Altenessen, in den Streit
ein. Brust war zuvor vom Wallenhorster Victar um Rat gefragt worden. In einer
Versammlung am 27. Februar konnte er 500 Piesberger Bergleute zum Eintritt in
seine Gewerkschaft überzeugen. Am 18. März gab der Vorstand bekannt, daß die
Schicht an den fraglichen Feiertagen auf 9 h morgens angesetzt und auf 7
Stunden begrenzt sei. Für Arbeiter des Steinbruches galt diese Verordnung
nicht. Bei Zuwiderhandlung sollte gekündigt werden.

Auf einer weiteren Versammlung konnte Brust 333 Arbeiter überzeugen, am 25.
März nicht zur Arbeit zu erscheinen. Gemäß der Arbeitsverordnung wurde diesen
Bergleuten gekündigt. Nun forderte Brust auf einer Versammlung am 30. März die
übrigen Arbeiter zur Kündigung auf. Rund 439 Arbeiter unterschrieben eine
letztlich rechtlich unwirksame Massenkündigung. Am 09. April wurden die 333
Arbeiter entlassen, als Reaktion darauf legten am 12. April 432 Bergleute und
340 bisher unbeteiligte Steinbrucharbeiter ihre Arbeit nieder. Auf der
Georgsmarienhütte zeigten sich 700 Arbeiter durch Streik mit dem Piesberg
solidarisch. Von 5.812 Beschäftigten des GMBHV befanden sich am 1. Mai 1.237
Mann im Streik. Durch ein Schreiben des Bischoffes am 2. Mai erklärte dieser
die Zurücknahme des Dispenses. Damit war eine friedliche Beilegung des Streites
in weite Ferne gerückt.

In Anbetracht der neuen Dimension des Aufstandes wurden die Aktionäre des GMBHV
am 24. Mai 1898 durch den Aufsichtsrat 
zu einer außerordentlichen Generalversammlung eingeladen. Diese sollte
am 8. Juni 1898 im Osnabrücker Hotel Schaumburg stattfinden. Tagesordnung war
eine „Beschlußfassung über Fortführung oder Einstellung des Bergwerkbetriebes
am Piesberge".

Im Mai 1898 reichten die Sachverständigen ihre Gutachten ein,
die darin auch auf den aktuellen Streik eingegangen waren. Sie kamen zum
Schluss, daß eine Verminderung der Wasserzuflüsse nicht zu
erwarten sei. Cremer und Tomson hielten gar eine Verdoppelung der Zuflüsse auf
80 m³ für wahrscheinlich, deren Wältigung bei einem rentablen Betrieb der Zeche
aber möglich wäre. Bedenken hatte Taaks, da bei steigenden
Grubenwasserzuflüssen der Salzgehalt die Kosten für die Ableitung
wirtschaftliche Grenzen überschreiten würde. Probleme sahen die Gutachter bei
der Arbeiterschaft, die nach Tomson keine Garantie biete, dass „ein ununterbrochener
Betrieb aufrecht erhalten werden kann, indem die Vorkommisse der letzten Zeit
gezeigt haben, dass die Belegschaft die Solidarität ihrer Interessen mit denen
der Gewerkschaft nicht anerkennt." Zudem sei zu Befürchten, „das die
Kurzsichtigkeit der Arbeiter jeden Augenblick ähnliche Gefährdungen der
gesamten Existenz der Zeche hervorruft."

Aus einem Schreiben des Königlichen Bergrevierbeamten des Bergreviers Osnabrück
von Renesse geht hervor, das bereits Anfang Juni mit den Vorbereitungen zur
Betriebseinstellung begonnen wurde. Nach Einstellung der Kohlenförderung wurden
die Förderwagen und leicht demontierbare Maschinen sowie die Sprengstoffvorräte
geborgen. Am 06. Juni wurde den untertage beschäftigten Werksfremden 46
Arbeitern und ihren Aufsehern gekündigt.

Bei der Generalversammlung am 08. Juni 1898 beschlossen Aufsichtsrat
und Vorstand einstimmig die Einstellung des Bergwerkbetriebes zu beantragen.
Von den 2.289 anwesenden Aktionären stimmten 2.272 für Betriebseinstellung, 14
dagegen und drei enthielten sich der Stimme. Direkt nach der Entscheidung um
11h 30 wurde das Ergebnis telefonisch zum Piesberg durchgegeben und die Feuer
unter den Kesseln gelöscht. Das Königliche Oberbergamt Dortmund erreichte ein Telegramm
mit folgendem Wortlaut: „Heutige Versammlung Beschloss sofortige
Betriebseinstellung des Piesberger Bergwerkes – Haarmann".

Die nach dem Streik verblieben Bergleute verließen am 09. und 10. Juni die
Zeche. Die meisten von ihnen wurden in andere Betriebe des GMBHV verlegt. Ein
Teil der jüngeren Bergleute wanderte in den westfälischen Steinkohlenbergbau
ab. In den folgenden Wochen wurden die Schächte verwahrt und die Tagesanlagen
abgebrochen. Mit dem Aussetzen der Pumpen stand das Grubenwasser bereits am
Abend des 09. Juni in Höhe der 1. Tiefbausohle. Bis Ende Juni war das Grubengebäude
vollständig bis zur Hasestollen-Sohle abgesoffen.

Durch die Zechenschließung endeten rund 400 Jahre Steinkohlenbergbau am
Piesberg, dessen Fortführung durchaus möglich gewesen wäre. Abgesehen von den
Wasserhaltungsschwierigkeiten war die Lagerung und Qualität der Kohlen gut, die
Teufe relativ gering und die Holzkosten für den Grubenausbau niedrig. Über der
2. Tiefbausohle standen noch 5,5 Mio. t. Anthrazitkohle an. Durch die
Stilllegung entstand für den GMBHV ein Verlust von 2.062.090 Mark.


3.2.1. Grubenbetrieb


3.2.1.1 Abbau und Förderung

Mit dem Erreichen der Flöze durch die zum Schacht führenden Hauptquerschläge
wurden zu beiden Seiten der Querschläge Grundstrecken aufgefahren. Anschließend
wurden von diesen aus in Abständen von etwa 300 m im Einfallen der Flöze
Bremsberge aufgefahren. In den Bremsbergen wurden im Abstand von 15 – 25 m und
parallel zur Grundstrecke die Abbaustrecken angesetzt. Zwischen den Strecken
erfolgte anschließend die Einteilung des Flözes durch Aufhauen in einzelne
Baufelder. Der genaue Abstand der Bremsberge, Aufhauen und Abbaustrecken war je
nach Flözmächtigkeit und geologischer Verhältnisse unterschiedlich.

Die Steinkohle wurde im Streb in streichender Richtung abgebaut. Nach der
Erstellung eines Schrams, bei mächtigeren Flözen saß der Hauer dazu auf einem
einbeinigen "Schrämbock", wurde die Kohle durch Spreng- und
Keilhauenarbeit gelöst. Anschließend wurde die Steinkohle in den Abbaustrecken
in Förderwagen abgezogen und über die mit einer Gestellförderanlage samt
Gegengewicht ausgestatteten Bremsberge zur Grundstrecke transportiert. Hier
erfolgte die Zusammenstellung der Züge und der Transport mit Grubenpferden zu
den Schächten. In den beiden Schächten wurden die gefüllten Förderwagen nur bis
auf das Niveau der Hasestollen-Sohle gehoben. Während die Förderwagen am
Haseschacht direkt an die im Hasestollen verlaufende Kettenförderung
angeschlagen werden konnten, mußten die Förderwagen vom Stüveschacht erst über
die Hasestollen-Sohle zum Haseschacht transportiert werden. Dies erfolgte durch
Pferdezüge mit 10 – 12 Wagen. Die Herstellung der Bohrlöcher im Streb sowie in
den Abbau, Grundstrecken und Querschlägen erfolgte durch einmännische
Bohrarbeit. Lediglich beim Abteufen des Stüveschachtes und beim Auffahren eines
Sumpfquerschlages vom Stüve- bis zum Haseschacht wurden Druckluftbohrmaschinen
verwendet. Die Auffahrung der Sumpfstrecke wurde nach ca. 860 m und 55 m vor
dem Erreichen des Haseschachtes im Juli 1898 aufgegeben.

Für die Schiessarbeit wurde Gelantinedynamit und Pulver (Schwarzpulver)
verwendet. Als Lager dienten ein Pulverhaus in der Nähe der Steinbrüche für
max. 5.000 kg Pulver, der alte Mosberger-Stollen für max. 300 kg (1894: 2.500
kg) Dynamit und als zentrales Depot für Dynamit der Lechtinger Oberstollen mit
einer Kapazität von max. 500 kg. Innerhalb des Grubengebäudes befanden sich
Aufbewahrungsräume im Flöz Johannistein nahe dem Hase-Stollen (max. 300 kg
Dynamit, 1893: 1.500 kg) und im Hangenden des Flözes Johannistein für max. 300
kg Pulver. Auf der 1. Tiefbausohle war ein Lager nahe dem Stüve-Schachte im
Flöz Mittel für 300 kg Gelantinedynamit eingerichtet. An den Ausgabestellen der
Lager erhielt jeder Drittelführer (Schichtführer) ein Paket Dynamit (= 2,5 kg)
und je nach Bedarf eine Blechbüchse mit 2 kg Pulver. Zündmittel wie Zündschnüre
und Sprengkapseln wurden in den Magazinen ausgegeben. Untertage wurde der
Sprengstoff am Arbeitsort bis zur Verwendung in einer verschließbaren
Schießkiste gelagert.

Aufgrund der geringen Mächtigkeit des Deckgebirges und der starken
Zerklüftung des Gesteins gab es am Piesberg kein Methangas. Daher konnte mit
offenem Geleucht (westfälische Froschlampen des Herstellers Seippel) gearbeitet
werden.

3.2.1.2. Wasserhaltung und Grubenwasserabführung

Der Bergbau am Piesberg hatte große Probleme mit hohen Wasserzuflüssen in das
Grubengebäude. Der Grund dafür war die geringe Deckschicht und zahlreiche,
große Mengen an Standwasser führende Klüfte im Sandstein und Karbonquarzit.
Besonders problematisch war der hohe Salzgehalt der Wässer, der mit der Teufe
zunahm. Im Jahre 1882 enthielt ein Liter Grubenwasser 10,71 g Natriumchlorid,
dieser Anteil vervierfachte sich bis zum Jahre 1897 mit 46,33 g/l. Gelöst
wurden die Salze vermutlich aus dem benachbarten Zechstein. Tödliche Folgen
hatte der Kohlensäuregehalt des Wassers, als 9 Bergleute 1893 bei einem
Wassereinbruch erstickten. Ein Liter des Grubenwassers enthielt bei 15°C 338
cm³ Gase, die zu 97 % aus Kohlenstoffdioxid bestanden. Die Herkunft des Gases
ist wahrscheinlich auf das Bramscher Massiv zurückzuführen. Die genaueren
Umstände wurden durch HAARMANN (1909) ausführlich beschrieben.

3.2.1.2.1. Grubenwasserzufluss

Vor dem Übergang in den Tiefbau betrugen die Wasserzuflüsse etwa 3 m³/min, die
sich 1877 durch den neu erschlossenen Tiefbau im Südflügel auf 4,7 m³ erhöhten.
Mit fortschreitenden Abbau stiegen die Zuflüsse auf 10 m³ im Jahre 1883 und 15
m³ im Jahre 1886. Bis 1890 konnte der Wasserzufluss nahezu konstant gehalten
werden. Beim Abteufen des Stüveschachtes brachen am 29. Januar 1876 im Bereich
der 1.Tfbs. aus einer Kluft große Mengen Wasser ein, die den Schacht und
angeschlossene Strecken innerhalb von 15 h bis zur Hasestollensohle fluteten.
Erst Anfang 1890 konnte der Schacht gesümpft werden. Nach Abmauern der Kluft
konnte der Zufluss von 5 auf 0,5 m³ reduziert werden. Im November 1891 wurde
bei der Auffahrung der östlichen Sohlstrecke des Flözes Dreibänke auf der
1.Tiefbausohle (Tfbs.) eine Störung angefahren, welche die im Schacht
abgemauerten Wässer wieder aufschloss. Die gesamten Wasserzuflüsse betrugen
Ende April 1892 20 m³. Am 07. September 1893 ereignete sich auf der Mittelsohle
in 144 m Teufe ein schwerer Wassereinbruch mit 10 m³/min, der den Betrieb auf
der 2. Tfbs. zum Erliegen brachte. Erst nach sieben Monaten wurde der Schacht
wieder gesümpft und der Querschlag auf der Mittelsohle abgemauert. Die
Grubenwasserzuflüsse betrugen nun 23 m³, wobei 18 m³ auf der 1. und 5 m³ auf
der 2. Tfbs. anfielen. Durch das Auffahren des Hauptquerschlages auf der 2.
Tfbs. erhöhte sich der Zufluss im Oktober 1894 auf 25,5 m³ und mit dem
Aufschluss der Flöze Zwei- und Dreibänke Ende 1895 auf 28 m³.

Am 18. Januar 1897 erfolgte im Flöz Dreibänke Osten auf der 2. Tfbs. ein Wasserdurchbruch
mit 2,5 m³, welcher den Zufluss nun auf 30,5 m³/min erhöhte. Weitere
Wasserdurchbrüche mit Kohlenstoff- dioxidaustritt ereigneten sich am 23. Februar
und 12. April bei der Auffahrung des Sumpfquerschlages. Nach dem Einbau eines
700 m langen Wetterscheiders und einer 100 m langen Luttentour wurden die
Arbeiten wieder aufgenommen, bis am 31. Mai ein erneuter Durchbruch mit 2,5 bis
3 m³/min erfolgte. Der Vortrieb wurde bis zum Einbau eines Lüfters und neuer Wasserhaltungsmaschinen
vorläufig gestundet. Der Zufluss betrug nun 37,2 m³/min, wovon 14,6 m³ auf der
1. Tfbs. anfielen. Am 11. Juni kam es auf der 2. Tfbs. am Stüve-Schacht im
Aufhauen des Flözes Dreibänke in der 1. westlichen Abteilung aus dem Liegenden zu
einem erneuten Wasserdurchbruch mit 2 – 3 m³/min. Ein Teil der Wässer musste in
den Sumpfquerschlag geleitet werden, da am 13. eine der beiden unterirdischen
und am 15. die oberirdische Wasserhaltungsmaschine durch Gestängebruch ausfiel.
Die Schäden konnten innerhalb von zwei Tagen repariert werden.

Ein schwerer Wassereinbruch mit einem Zufluss von 8 m³/min ereignete sich am
25. November 1897 in einer Störung im Flöz Dreibänke Ort. Nr. 1 Westen über der
Teilsohlenstrecke. Die Dammtüren der 2. Tfbs. wurden geschlossen und die
Kohlenförderung eingestellt. Der Grubenwasserzufluss betrug nun 47,7 m³, ging
aber nach einigen Tagen auf 43 m³ zurück. Die Leistung der
Wasserhaltungsmaschinen reichte für diese Wassermengen nicht mehr aus. Am 07.
Dezember wurde das Flöz Dreibänke auf der Teilsohle im Nordflügel abgemauert,
am 20. Dezember erfolgte die komplette Abmauerung des Nordflügels auf der 2.
Tiefbausohle. Dies führte zu einer Begrenzung der Zuflüsse auf 35 m³. Am
Haseschacht verringerten sich die Wasserzuflüsse nach dem Wassereinbruch auf 10
m³/min.

3.2.1.2.2. Wasserhaltung

Am Stüveschacht standen übertage zwei Woolf’sche
Balancierwasserhaltungsmaschinen mit einer Leistung von 478 kW je Maschine und
12 m³ Wasser pro Minute. Die Drucksätze waren im Bereich der 1. und 2.
Tiefbausohle aufgestellt. Etwa sieben Meter unterhalb der 2. Tiefbausohle
befand sich eine Pumpenkammer mit zwei dampfbetriebenen Verbundmaschinen des
Herstellers Haniel & Lueg, welche eine Pumpenleistung von jeweils 7 m³/min
hatten. Nach Errichtung einer zweiten unterirdischen Wasserhaltungsmaschine
1895 wurde die überirdische Wasserhaltungsmaschine in Reserve genommen. Die
Gesamtleistung aller Pumpen am Stüveschacht betrug 38 m³ Wasser pro Minute. Die
Wässer wurden bis auf die Hasestollensohle gehoben und flossen in der Saige des
Stollens bis zum Haseschacht, wo sie zusammen mit den Wässern des Haseschachtes
in einer Rösche abgeleitet wurden. Im Jahre 1897 wurde neben dem Stüveschacht
mit den Teufarbeiten für einen neuen Schacht zur Bewetterung und Wasserlösung
der Tiefbaue begonnen, der jedoch nicht mehr vollendet wurde.

Am Haseschacht waren 1896 zwei oberirdische Wasserhaltungsmaschinen mit je
335,5 kW und 48 kW sowie eine unterirdische mit 253,5 kW Leistung installiert.
Die Gesamtleistung aller Pumpen betrug 27 m³/min.

Zur Erhöhung der Wasserhebungskapazitäten wurden zwei weitere
Wasserhaltungsmaschinen bestellt, deren Auslieferung im Oktober 1898 und im April
1899 erfolgen sollte.

3.2.1.2.3. Grubenwasserabführung

Die erste Grubenwasserabführung zur Hase, einem Nebenfluß der Ems, wurde 1794
mit dem Durchschlag des Lücker-Stollens am Nordhand des Berges angelegt. Schon
damals war das Wasser so säurehaltig, das in der Grube getragenes ledernes
Schuhwerk innerhalb kurzer Zeit zerfiel. Im Ableitungsgraben lagerten sich
große Mengen Ocker ab und an beiden Ufern Vegetation im bereich von 1,5 – 2 m
zerstört. Nach der Auffahrung des Hasestollens 1856 wurden die Grubenwässer
ungeklärt in die Hase geleitet. Die Verschmutzung war im Fluss anhand der
Wasserverfärbung, die von Dunkelgrün über Gelb in Rot überging, kilometerweit
sichtbar. Dieser Zustand führte zu einem Konflikt mit den Wiesenbesitzern im
Hasetal, die hier von 1869 – 1873 "Rieselwiesen" angelegt hatten.
Beschwerden der Wiesenbesitzer führten zum Bau von Klärteichen am Mundloch des
Hasestollens durch den Magistrat. Die Teiche erwiesen sich aber schnell als zu
klein und zwecklos, da sie zwar den Ocker, nicht aber den Chloridgehalt in der
Hase reduzierten. Nach einer Klage der Wiesenbesitzer vor dem Landgericht
Osnabrück ließ der Magistrat ein Gutachten durch den Wasserbautechniker Brehme
aus Münster erstellen. In einer Denkschrift schlug dieser den Bau eines Kanals
zur Ems vor, der je nach Streckenführung 53,63 und 69,7 km lang werden sollte
und dessen projektierte Baukosten zwischen 426.300 und 519.000 Mark lagen. Am 16. März 1889
wurde zwischen dem Magistrat und den Wiesenbesitzern, die sich finanziell am
Bau beteiligen sollten, ein Vergleichsvertrag über die Ausführung des Projektes
abgeschlossen. Der Vertrag galt als nicht abgeschlossen, wenn alle
Genehmigungen nicht bis zum 15. Oktober 1889 erteilt wurden.

Mit dem Verkauf der Zeche Piesberg am 22. August 1889 gingen alle
Rechte und Pflichten an den GMBHV über.

Die
vorherige Untätigkeit des Magistrats und der geringe Zeitraum für den GMBHV zur
Einholung der Genehmigungen führten zur Hinfälligkeit des Vertrages. Widerstand
der Wiesenbesitzer und die Verweigerung zur Genehmigung des Projektes durch das
Oberbergamt Dortmund führten im Jahre 1891 zur Aufgabe des Projektes. Zwischen
1890 und 1891 errichtete der Verein mehrere, insgesamt 30 ha und 510.000 m³
fassende Klär- und Sammelteiche, mit denen die Grubenwässer 2 – 3 Wochen lang
gespeichert werden konnten. In dieser Zeit bestand die Möglichkeit zur
Bewässerung der Wiesen mit Hasewasser. Probleme bereitete aber die
Wasserdurchlässigkeit der Dämme. Mit zunehmender Teufe der Zeche stieg die
Grubenwassermenge stark an. Im Jahre 1895 mußte die unterirdische Rohrleitung
vom Mundloch des Hasestollens zu den Klärteichen durch einen Kanal ersetzt
werden. Klagen der Wiesenbesitzer und ständige Aus- und Verbesserungen an den
Klär- und Sammelteichen führten zu hohen finanziellen Belastungen. Bereits 1894
begannen Verhandlungen mit Bewohnern des nördlichen Tecklenburger Kreises zum
Bau einer Kleinbahn von der oldenburgischen Bahn am Piesberg zur Station der
hannoverschen Westbahn bei Hörstel. Die Grubenwässer sollten in einem Graben
entlang des Bahndammes in den Dortmund-Ems-Kanal geleitet werden. Nach einer
Absage der königlichen Kanalkommission zu Münster, die Wässer in den Kanal zu
leiten, sahen die neuen Planungen den Bau eines Dükers durch den Kanal und eine
Weiterleitung zur Ems vor. Die Genehmigung dafür wurde von der Regierung mit
der Auflage gegeben, daß der Salzgehalt der Ems nicht 0,5 g/l während der
Bewässerungszeit und im übrigen 1g/l übersteigen dürfe. Notfalls durch den Bau
eines Sammelteiches meinte man diesen Forderungen nachkommen zu können.

Mit den Wiesenbesitzern im Hasetal wurde am 15. Juni bzw. 12. Oktober 1897 ein
Vergleich abgeschlossen. Der GMBHV verpflichtete sich zur vollständigen
Ableitung der Wässer in die Ems und dem Bau eines Dükers bis Ende 1897. Sollte
der Graben nicht bis zum 1. Oktober 1899 fertiggestellt sein stand eine Konventionalstrafe
von 10.000 M an. Im Gegenzug verpflichteten sich die Kläger einen Teil der
Klagen und Schadensansprüche zurückzunehmen und die laufenden Verfahren bis zum
1. Oktober 1902 auszusetzen. Im Jahre 1897 kam die Zeche der Forderung zum Bau
eines Dükers unter dem Dortmund-Ems-Kanal nach. Der Bau der Bahn samt Graben
verzögerte sich durch Unstimmigkeiten bei der Statutenbildung der zu gründenden
Kleinbahngesellschaft, der finanziellen Beteiligung durch Kreis, Provinz und
Staat und eine mögliche Verlängerung der Strecke bis zur Stadt Rheine. Ein
schwerer Wassereinbruch im November 1897 machte die Einhaltung des maximalen
Salzgehaltes in der Ems unmöglich. Nun sollte die Einleitung 22 km stromabwärts
erfolgen, was die Baukosten von 580.000 M auf mind. 1.000.000 M erhöhte. Die
Zechenverwaltung ließ das Projekt und die mögliche weitere Entwicklung der
Grubenwässer durch mehrere Gutachter untersuchen [Vgl. Abs. 3.2 ]. Im Mai 1898
lagen die Ergebnisse vor. Eine Zunahme der Zuflüsse auf 80 m³ wurde für
wahrscheinlich gehalten, deren Hebung und Ableitung aber noch einen rentablen
Betrieb der Zeche zugelassen hätten. Hohe Kosten würde allerdings ein
steigender Salzgehalt verursachen. Zu einer weiteren Ausführung der
Grubenwasserableitung kam es aufgrund der Betriebeseinstellung am 08. Juni 1898
nicht mehr.

3.2.2. Beschreibung der Tagesanlagen 


Haseschacht und Tagesanlagen am Hasestollen

Der Haseschacht hatte eine Teufe von 94,7 m. Etwa 27 m unter der Hängebank des Schachtes war
der Hasestollen angesetzt, darunter befand sich in einer Teufe von 82 m der
Hauptquerschlag der 1. Tiefbausohle. In einer Teufe von 93 m befanden sich die
Pumpenkammern der Wasserhaltung. Die Wasserhaltung erfolge durch zwei
oberirdische Wasserhaltungsmaschinen (2)
mit einer Leistung von 331 sowie 47 kW und einer unterirdischen mit 250 kW, die
zusammen 27 m³/min. Wasser heben konnten. Weitere am Haseschacht aufgestellte
Maschinen waren die 97 kW starke Fördermaschine (1) und eine
Kesselspeisewasser-Reinigungsanlage mit einer Leistung von 12 m³/min. Den Dampf
zum Antrieb der Maschinen lieferten zwei Cornwallkessel mit 133,6 m² Heizfläche
und 5 Dürr’sche Zirkulationsröhrenkessel mit 750 m² Heizfläche. Das
Betriebswasser wurde von einer zentralen Pumpenstation an der Hase bis zum
Wasserspeicher (3)
gepumpt.

Der Hasestollen
(5) war der zentrale
Förder- und Wasserlösungsstollen der Zeche Piesberg sowie der Zugang für
Personen- und Materialseilfahrten des Haseschachtes. Seine Länge betrug 250 m
vom Mundloch bis zum Haseschacht und 1.450 m bis zum Stüveschacht. Der Stollen
war im Durchschnitt 2,5 m breit und 2 m hoch. Zur Aufnahme der Kohlenförderung
war der Stollen zwischen dem Stüve- und Haseschacht mit einer zweigleisigen
Pferdeförderung versehen; ab dem Haseschacht wurden die Förderwagen mit einer
Kettenbahn zutage gefördert. Die am Stüveschacht bis auf die Hasestollensohle
gehobenen Grubenwässer wurden in der Saige bis zum Haseschacht geleitet, von wo
aus die Wässer zusammen mit denen der Wasserhaltungsmaschinen des Haseschachtes
durch die Rösche (6)
zutage und anschließen durch eine Rohrleitung zur Grubenwasser-Abführung (16) geleitet wurden.

p_kartehase

Am Mundloch vom Hasestollen
befanden sich die wichtigsten Betriebsanlagen der Zeche Piesberg: Der
Gleisanschluss an die Zweigbahn mit der Station Piesberg, die
Aufbereitungsanlage ("Kohlenaufbereitungsanstalt"), die Kaue, die Zentralwerkstatt,
ein Maschinen- und Kesselhaus, die Wasserstation, Bürogebäude und Pferdeställe.
Etwa 2 km SW der Tagesanlagen lagen die Klär- und Sammelteiche für die
Grubenwässer.

In der 1892/93 neu
errichteten Aufbereitungsanlage (12)
wurde die geförderte Steinkohle, insofern sie nicht als "Förderkohle"
oder "Fördergrus" verkauft wurde, gebrochen, klassiert und
anschließend vom Nebengestein getrennt. Nach dem Brechen wurden die Kohle über
ein Rollenrost und zwei Klassiertrommeln in "Stückkohle" (> 80
mm), "Salonkohle" (80 – 50 mm), "Rußkohle I" (50 – 33 mm),
"Rußkohle II" (33 – 20 mm), "Rußkohle III" (20 – 12 mm),
"Rußkohle IV" (12 – 6 mm) und "Feinkohle " (< 6 mm)
sortiert. Das der Kohle beigemengte Nebengestein wurde anschließend bei den
Sorten "Salonkohle", "Rußkohle" sowie "Feinkohl"
durch Setzmaschinen aussortiert und für Versatzarbeiten untertage verwendet
oder auf die Halde gekippt. Nach der Aufbereitung wurde die Kohle in Silos zwischengelagert
oder im Bereich der Kohlenlagerplätze (21)
aufgehaldet. Zur Klärung der von den Setzmaschinen kommenden Abwässer diente
ein System aus Sümpfen und Teichen (22).

Die Lichtanlage (8) erzeugte mit einer Dampfmaschine
mit 33 kW Leistung den Strom zur Beleuchtung des Haseschachtes- und Stollens,
der Kohlenwäsche, der Kaue sowie der restlichen Betriebsgebäude sowie der
Plätze zwischen den Gebäuden.

In der Zentralwerkstatt (9) waren eine Schmiede, eine
Schlosserei und eine Schreinerei untergebracht. Zum Antrieb der Maschinen diente
eine Dampfmaschine mit 15 kW Leistung. Das zum Betrieb der Dampfmaschinen
notwendige Wasser wurde in der Wasserstation (Lage östlich der Klärteiche 22) mit drei Pumpen aus der Hase entnommen
und zu den einzelnen Betriebspunkten der Zeche Piesberg geleitet.

Zum Schluss soll an dieser Stelle noch näher auf die 2 km SW der Tagesanlagen
gelegenen Klär- und Sammelteiche eingegangen werden. Die zwischen 1890 und 1891
angelegten Teiche dienten als Aufstaumöglichkeit des Grubenwassers für die
Tage, in denen das Wasser der Hase zur Bewässerung der umliegenden Wiesen
benötigt wurde. Die Teichanlage bestand aus vier durch Dämme getrennten und mit
Schleusen verbundenen Teichen, die zusammen 192.000 m³ Wasser fassten. Neben
den Klärteichen befanden sich zwei Sammelteiche mit einem Fassungsvermögen von
318.000 m³. Die Grubenwässer wurden von der Rösche (6) aus durch ein 1.350
m langes Eisenrohr über die Grubenwasser-Abführung (16) bis zu den
Teichen geleitet. Die Speicherzeit betrug bei einem Zufluss von 21 m³/min knapp
drei Wochen.

Stüveschacht

Der am SW-Rand des Piesberges gelegene Stüveschacht
(2) diente als Förder- und Fahrschacht für den Nordflügel der Zeche. Der
Schacht hatte eine Teufe von 210 m, die Hasestollensohle war in 40 m, die 1.
Tiefbausohle in 95 m und die 2. Tiefbausohle in 198 m Teufe angesetzt. Direkt
neben dem Schacht befand sich die oberirdische Wasserhaltungsmaschine (3), dessen Gebäude als einziges vom
Stüveschacht heute noch erhalten ist. Diese bestand aus zwei Woolf’schen
Dampfmaschinen mit einer Leistung von 478 kW, welche über Balancierbalken die
Pumpensätze im Schacht antrieben. Die Hubleistung betrug 12 m³/min. Untertage
waren im Bereich der 1. Tiefbausohle sowie im Schachtsumpf dampfbetriebene
Wasserhaltungsmaschinen aufgestellt. In dem Sozial- und Werkstattgebäude (4, 5, 6)
befand sich im westlichen Gebäudeteil die Kaue mit „36 Brausebädern in Zellen" und die Markenkontrolle. Im
mittleren Teil waren die Büroräume der Steiger samt Sanitäranlagen und ein Verbandraum
mit Leichenhalle untergebracht. Im östlichen Gebäudeteil befanden sich eine
Schreinerei, eine Schmiede und ein Materialmagazin.

p_kartestueve

Das Kesselhaus (7) erzeugte den für den Betrieb der Dampfmaschinen über-
und untertage notwendigen Dampfdruck. Das Wasser wurde über eine Rohrleitung
von der zentralen Wasserstation am Hasestollen hergeleitet und im
Wasserspeicher (13)
zwischengespeichert. Im Kesselhaus war eine Kesselspeisewasser-Reinigungsanlage
mit einer Leistung von 20 m³/h untergebracht, die von einer 3 kW starken
Dampfmaschine angetrieben wurde. Den Dampfdruck lieferten ein
Steinmüller´scher, vier Dürr´sche und zwei Gehr´sche Circulationsröhrenkessel von
zusammen 1.422 m² Heizfläche. Zur Wetterversorgung der nördlichen Tiefbaue
begann man 1897/98 mit dem Abteufen eines Wetterschachtes (9) der allerdings nicht mehr
vollendet wurde und nur die 1. Tiefbausohle erreichte. Zur Bewetterung diente
ein übertage aufgestellter und Anfang 1898 in Betrieb genommener Grubenlüfter (10). Im gleichen Gebäude war ein
Kompressor mit einer Leistung von 44 kW aufgestellt, der die Druckluft zum
Betrieb der Bohrmaschinen untertage erzeugte. Im Fördermaschinengebäude (8) war die 184 kW starke
Fördermaschine des Stüveschachtes untergebracht. Neben dieser existierte noch
eine zum Abteufen des Schachtes benutze Maschine mit 63 kW Leistung und ein 11
kW starker Dampfhaspel für den Wetterschacht. Im alten Mosberger-Stollen (14) befand sich ein Sprengstofflager
für Dynamit.

p_kartestueve_sw

3.3 Untersuchungsarbeiten (1920 – 1921)

Im Dezember 1920 teilte der GMBHV dem Oberbergamt Dortmund
mit, Untersuchungsarbeiten am Piesberg durchführen zu wollen, um bei einem
günstigen Ergebnis die noch anstehenden zu Tage ausstreichenden Flöze
abzubauen. Zur Untersuchung wurde ein Abhauen entlang der alten Grubenbaue in
das Flöz Johannisstein getrieben, das im April 1921 eine Teufe von 40 m
erreicht hatte. Im Oktober wurden die Arbeiten nach einem Durchbruch in den Alten
Mann vorläufig eingestellt. Am 31. Dezember 1921 wurden die Arbeiten endgültig
eingestellt, da sich ein Abbau der noch anstehenden geringfügigen Kohlenreste
als unwirtschaftlich erwies.

3.4 Notbergbau nach dem 2. Weltkrieg (1947 – 1952)

Der Mangel an Brennstoffen nach dem Ende des 2. Weltkrieges
führte zu einer kurzzeitigen Wiederaufnahme des Bergbaus. Im Jahre 1947 nahm
die „Kleinstzeche Piesberg" ihren Betrieb auf. Abnehmer der Kohle war
vorrangig die Belegschaft der Klöckner Werke AG, Abteilung Steinbruchbetriebe,
und die werkseigene Ziegelei. Anfallende Feinkohle wurde auch für 30 M/t an
Betriebsfremde verkauft.

Die Förderung erfolgte über einen 35 m tiefen Hilfsschacht
nahe dem Stüve-Schacht. Der Abbau fand in Restpfeilern im Bereich oberhalb der
Hasestollen-Sohle statt. Die Kohle wurde in einem etwa 100 m langen Streb im
Flöz Dreibänke SW des Stüve-Schachtes (1947 – 49 und 1949 – 50) sowie kleineren
Abbauen im Flöz Johannistein (1950 – 51) und Flöz Zweibänke (1951 – 52)
gewonnen.  Untertage beschäftigt waren
1949 19 Mann. Die Fördermenge der Kleinzeche betrug im letzten Betriebsjahr 1952
rund 854 t.

4. Der Piesberg als Steinbruchbetrieb

Viel älter als die
Steinkohlengewinnung ist der Abbau von quarzitischen Sandsteinen (Handelsname
Karbonquarzit) am Piesberg. Die Wallenhorster St.-Alexander-Kirche wurde
bereits 950 n. Chr. aus Piesberger Steinen erbaut. 1832 existierten ein
nördlicher, städtischer Steinbruch und ein südlicher in Privatbesitz
befindlicher Bruch. Ab 1859 erfolgte die weitere Erschließung des Vorkommens. Im Jahre 1872 erwarb die Stadt auch einen
Großteil der privaten Steinbrüche und schloß mit dem Forst-Fiskus, Besitzer
weiter Teile des Piesberges, einen Abbauvertrag ab. 1889 gingen die Steinbrüche
mit dem Verkauf des Steinkohlenbergwerkes in den Besitz des
Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein über. Im Jahre 1896 bestand der
Betrieb aus fünf Abbausohlen. Der Transport der Steine auf den Sohlen erfolgte
mit 0,5 m³ fassenden Kipploren auf Feldbahnschienen, die Förderung zwischen den
Sohlen durch Bremsberge. Von der ersten Bausohle führte ein 270 m langer
Hauptbremsberg zur Verladung auf dem Zechenbahnhof. Zum Zerkleinern der Steine
dienten drei Steinbrechmaschinen, die von einer 15 kW starken Dampfmaschine
angetrieben wurden. Die Produktion umfaßte Bord- und Kantensteine,
Pflastersteine, Grenzsteine, Steine für Pack- und Decklagen auf Straßen, Wasserbausteine
und Gleisschotter.

Nach der Zechenschließung wurde der Steinbruchbetrieb modernisiert und durch
Grundstückserwerbe zwischen 1900 – 1904 erheblich erweitert. Im Jahre 1901
wurde eine neue Steinbrechanlage mit 3 Brechern auf der ersten Sohle in Betrieb
genommen und bis 1904 durch einen weiteren Brecher sowie einer Sandwäsche
erweitert. Die Verarbeitung der beim Zerkleinern der Steine anfallenden
Brechsande erfolgte ab 1902 in einer Zementwarenfabrik am Hasestollen
(„Durilit-Werk"), die Kanalrohre, Bausteine und Brunnenringe produzierte.
Zwischen 1903 und 1904 konnten mit drei preußischen Eisenbahndirektionen
Verträge zur Lieferung von Gleisschotter abgeschlossen werden. Im Jahre 1905
wurde ein neuer, 211 m langer Bremsberg mit doppelter Leistungsfähigkeit
errichtet und die alten Förderwagen durch 1 m³ fassende, nichtkippbare Wagen
ersetzt. Diese wurden nun durch Kreiselwipper (Leistung 200 t/h) entleert. Im
gleichen Jahr wurden erstmalig Preßluftbohrmaschinen mit Erfolg eingesetzt und
bis 1906 im gesamten Steinbruch eingeführt. In den 1920er Jahren existierte in
den Brüchen ein Streckennetz von 35 km Länge. Der Transport der Wagen wurde
durch Feldbahnen bewältigt. Im Jahre 1927/28 wurde eine neue Brechanlage in der
Voßlinke am Süberweg errichtet. In einer Schicht konnten nun 1.200 t Steine zu
Schotter und Splitt verarbeitet werden. Die Produktion betrug 1927 826.000 t
bei einer Belegschaft von 1.636 Mann. Ende der 1920er Jahre führte die
Weltwirtschaftskrise zu einem Produktionseinbruch. Einen Aufschwung brachten
erst die Straßenbauprogramme des 3. Reiches. Das Ende des Nazi-Regimes ließ die
Jahresproduktion auf 100.000 t absinken. In den ersten Jahren nach Kriegsende
konnte der Absatz aufgrund des Mangels an Material und Arbeitskräften nur
langsam gesteigert werden. Erst der Wiederaufbau zu Beginn der 1950er Jahre
ließ die Produktion stark ansteigen und betrug 1955 bereits 655.000 t. Eine
weitere Steigerung wurde 1958 durch die Mechanisierung des Abbaus durch
Umstellung von Handbetrieb auf Bagger und Lastkraftwagen erreicht. Die
Belegschaft verringerte sich von 1.143 Mann (1957) auf 179 (1958). Zur
Verkleinerung der Transportwege wurde 1971 innerhalb des Steinbruches eine
zentrale Brechanlage in Betrieb genommen. Im Jahre 1973 wurde das Südfeld
stillgelegt (ab 1976 zentrale Mülldeponie der Stadt Osnabrück) und mit dem
Abbau im Ostfeld begonnen. Heute erfolgt die Gewinnung im Strossenbau mit Hilfe
von Großbohrlochsprengungen. Dabei kommen mobile Bohrgeräte zum Einsatz; nach
der Sprengung wird das Haufwerk durch Bagger in Schwerlastkraftwagen geladen
und zur zentralen Brechanlage transportiert. Das vorgebrochene Material gelangt
anschließend zur weiteren Verarbeitung über ein Förderband zu dem
Betriebsgelände am Schwarzen Weg. Im Jahre 1991 wurde der Steinbruchbetrieb von
der Klöckner Durilit GmbH an die Piesberger Steinindustrie GmbH verpachtet, die
bis heute den Steinbruch betreibt.

5. Heutiger Zustand der Bergbauanlagen

Zur Zeit des GMBHV in Benutzung stehende Stollen- und Schächte:

Name Zweck Zustand
Stüve-Schacht

Teufe 210 m (teilverfüllt)
Hgbk. +107,54 mNN
Stollensohle +67,71 mNN
I. Tfbs +11,19 mNN
II. Tfbs. -90,88 mNN
Förderschacht,
Wasserhaltung sowie Materialschacht. Neben dem Stüveschacht befand
sich noch ein ausziehender Wetterschacht mit Grubenlüfter sowie ein kleinerer
Hilfsschacht.
Vom
Stüve-Schacht ist heute nur noch das Gebäude der Wasserhaltungsmaschine
als Ruine erhalten. Bis in die 1960er Jahre war ebefalls das Fördermaschinenhaus
erhalten, in dem zuletzt eine Tischlerei untergebracht war. Die Schachtöffnung
ist durch eine Betonplatte abgedeckt. Die Halde befindet sich nördlich
des Schachtes.
Hase-Schacht

Teufe 92 m


Hgbk. +93,67mNN
Stollensohle +66,30 mNN
I. Tfbs. +10,92 mNN
Förderschacht,
Wasserhaltung. Die Steinkohle wurden bis auf das Niveau des Hasestollens
gehoben und durch diesen zu Tage gebracht.
Das
erhaltene Schachtgebäude wurde vor einigen Jahren in das Museum
"Neue Industriekultur Osnabrück" umgewandelt. Durch
den Hase-Schacht können Besucher mit einem Fahrstuhl bis auf
das Niveau des Hasestollens gelangen.
Hasestollen
Mdl. +65,6 mNN
Länge 250 m (Haseschacht)
1.450 m (Stüveschacht)
Förderstollen.
Verbindung zwischen Haseschacht und Stüveschacht.
Der
Hase-Stollen ist bis zum Hase-Schacht wieder aufgewältigt worden
und dient heute als Verbindung zum Museum.
Schacht No.
4

Teufe 99,38 m
Ursprünglich
als Förderschacht geplant, später Verwendung als Wetterschacht, reichte
bis auf die Hasestollensohle.
Der
Schacht wurde im Frühjahr 2000 verfüllt. Heute nicht mehr vorhanden.
Schacht
No. 7

Teufe 84, 22 m
Hgbk. +138,55 mNN
Wetterschacht Nicht
mehr erhalten.
Schacht
No. 9
Teufe 52,28 m
Hgbk. +122,85 mNN
Wetterschacht Über
dem Schacht stand bis in die 1950er / 60er Jahre ein etwa 6 m hoher,
aus Bruchstein gemauerter Turm. Erhalten ist heute noch die Schachtpinge.

Zur Zeit des GMBHV schon abgeworfene Stollen- und
Schächte:

Lechtinger
Tiefstollen
Mdl. +65,70 mNN
Länge 520 m
Flözstrecke 4.090 m
Förder-
und Wasserlösungsstollen. Der 1830 aufgefahrene Stollen diente
etwa bis 1874 zur Förderung der Steinkohle im NE-Teil des Piesberges.
Das
Kauengebäude ist erhalten (heute ein Wohnhaus), zwischen der Pyer
Straße und dem Weg "Am Stollen" befindet sich die
Bergehalde.
Lechtinger
Oberstollen
Mdl. +120,4 m
Länge 115 m
Flözstrecke 3.500 m

Ürsprünglich
als Versuchsstollen geplant, später Förderstollen. Danach Sprengstofflager.

In
den 1950er Jahren war das gemauerte Mundloch noch erhalten. Heute
durch Haldenmassen des Steinbruchbetriebes verschüttet. Sichtbar
ist noch die Halde des Stollens.
Moosberger-Stollen
Länge 230 m
Flözstrecke 450 m
Wasserlösung. Später Nutzung als Sprengstofflager. Lage
direkt östlich des Stüve-Schachtes. Der Stollen dient heute als Rückzugsort für Fledermäuse
Lücker-Stollen
Länge 280 m
Flözstrecke 1.120 m
Wasserlösung Das
Mundloch ist im Gelände nicht mehr sichtbar. Erhalten ist aber
noch der Graben zur Grubenwasserabführung in die Hase ("Stollenbach").

Auf
weitere, zur Betriebszeit der Zeche durch den Georgs-Marien-Verein schon
abgeworfene Schächte soll an dieser Stelle noch kurz eingegangen werden: Neuglück
(32 m), Johannis, Osnabrück (42 m), Franz (62,78 m), Nachtigall (41,89 m),
Glück Auf (54,4 m), August (90 m), Nr. 1 (17,2 m), Nr. 2, Nr. 8 (48,9 m). Von
diesen frühen Schächten sind teilweise heute noch die Halden im Gelände
sichtbar.

6. Literatur

BREHME, H. (1889): Denkschrift und
Project über Ableitung des Zechenwassers aus dem Kohlenbergwerke Piesberg bei
Osnabrück; Münster.
CREMER, L. (1895): Die Steinkohlenvorkommnisse von Ibbenbüren und Osnabrück und
ihr Verhältnis zur Rheinisch-Westfälischen Steinkohlenablagerung. Z. Glückauf,
H. 8, 31, S. 129 ff.; Essen.
HAGEMANN, W. (1930): Bergbau- und Hüttenbetriebe des Osnabrücker Landes in
ihrer wirtschaftlichen Entwicklung. – Veröff. wirtschaftswiss. Ges. zum Studium
Niedersachsens, H. 12; Hannover.
HAKENBERG, W. (1981): Geschichte und Entwicklung der Piesberger Steinindustrie,
Klöckner-Durillit GmbH; Osnabrück.
HAARMANN, E. (1909): Die geologischen Verhältnisse des Piesbergsattels bei
Osnabrück. – Jb. preuß. geol. Landesanst., 30, S. 1 ff.; Berlin.
KELLER, G. (1969): Zur Geologie des Piesberges bei Osnabrück. – Z. deutsch. geol.
Ges., Bd. 117, S. 743 ff.; Hannover.
MÜLLER, H. (1896): Der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hütten-Verein, I.Theil: Die
Geschichte des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hütten-Verein, II. Theil:
Beschreibung der Besitzungen, der Betriebsanlagen und der Einrichtungen des
Vereins; Osnabrück.
MÜLLER, H. (1906): Der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hütten-Verein. 2. Bd.;
Osnabrück.
RÖHRS, H. (1992): Erz und Kohle – Bergbau zwischen Weser und Ems. –
Ibbenbürener Vereinsdruckerei; Ibbenbüren.
SCHRÖDTER, E. / BEUMER, W. (1898): Die Arbeiterbewegung auf den Werken des
Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenvereins. – Z. Stahl u. Eisen, 18, H. 10 S.
445 – 461.; Düsseldorf.
SCHRÖDTER, E. / BEUMER, W. (1898): Der Ausgang der Arbeiterbewegung auf den
Werken des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenvereins. – Z. Stahl u. Eisen, 18,
H. 12 S. 664 ff..; Düsseldorf.
STADLER, G. (1971): Die Vererzung des Bramscher Massivs und seiner Umgebung. –
Fortschr. Geol. Rheinld. u. Westf., Bd. 18, S. 439 ff.; Krefeld.
STAHL, A. / HAACK, W. / FULDA, E. (1941): Geologie u. Lagerstätten
Niedersachsens. Bd. 1: Das Paläozoikum in Niedersachsen. –
Schr.d.Wirtschaftswiss. Ges. zum Stud. Nds.; Oldenburg.
SPIESS, K.-H. (1969): Der erste Schacht. Arbeiten am Piesberg – Unser Betrieb,
17 (2); Bentheim. TEICHMÜLLER, M & R. (1950): Inkohlungsfragen im
Osnabrücker Raum. – N. Jb. Geol. Paläont., Mh., S. 69 ff.; Hannover.

Unveröffentlichte
Quellen (Archive):

NLA HSTA BaCl. Hann. 184 Acc. 16 Nr. 242, 243, 244, 245


Osnabrücker Bergland – Übersicht Bergbau- und Hüttenindustrie

Geschrieben von MichaP

Zwischen der Westfälischen Tieflandsbucht und der
Dümmer-Niederung erstreckt sich das 25 km breite Osnabrücker Bergland. Die
Grenzen bilden im Süden der Teutoburger Wald und im Norden das Wiehengebirge.
Der Kamm des Wiehengebirges besteht aus Kalk- und Sandsteinen des Oberen Juras,
der des Teutoburger Waldes aus Kalksteinen der Oberkreide. Zwischen den
Bergzügen liegen Triasschichten, aus denen sich die drei Karbonhorste
Schafberg, Hüggel und Piesberg hervorheben. Die Entstehung der Aufbrüche geht
auf den Bramscher Pluton zurück. Durch den Intrusivkörper lässt sich auch der
hohe Inkohlungsgrad der am Schafberg und Piesberg vorkommenden Steinkohlen
sowie die hydrothermal entstandenen Eisen- und Buntmetallvererzungen in den Randstörungen
der Karbonhorste erklären.

Im Teutoburger Wald kommt im Bereich von Borgloh und Oesede
Wealdensteinkohle vor, die lange Zeit Gegenstand von Bergbau war. Hier schloß
im September 1963 das letzte Steinkohlenbergwerk Niedersachsens. Ein weiteres Wealdensteinkohlevorkommen
lag nahe der Stadt Bohmte nordöstlich von Osnabrück.

os_us_karte

1. Steinkohle

1.1 Schafberg

Am Schafberg bei Ibbenbüren befindet sich ein Steinkohlenvorkommen innerhalb
einer 14 km langen und 5 km breiten, von NW nach SW verlaufenden Karbonscholle.
Die Scholle besteht aus
flach gelagerten, mit 2 – 10 gon nach Norden einfallenden Schichten des Westfal
B, C und D mit Partien aus teilweise konglomeratischen Sand-, Schluff- sowie Tonsteinen
und Steinkohleflözen. Die wenige Zentimeter bis über zwei Meter mächtigen Flöze
bestehen aus Ess- und Magerkohlen, welche hochinkohlt sind und zur Teufe hin
das Anthrazitstadium erreicht haben. Der Anteil der Kohle an der
Gesamtschichtenfolge ist gering und beträgt nur 3 %.

Steinkohle wurde
bereits im 15. Jahrhundert am Schafberg bergmännisch gewonnen. Heute erfolgt
der Abbau von Kohle mit einer mittleren Flözmächtigkeit von 1,16 – 1,30 m durch
die RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH. Die Produktion betrug 2008 1,904 Mio. t/a
bei einer Förderleistung von 7 t/MS. Im Unternehmen waren 2.406 Personen
beschäftigt, davon 1.093 Mann unter Tage.

Aufgeschlossen
ist die Lagerstätte über sechs Schächte: Hauptförderschacht von Oeynhausen 3 (zwei
Gefäßförderanlagen mit Seilfahrt, einziehend), Personen- und Materialfahrt am
Nordschacht, der Wetterführung dienen die Schächte Bockraden und Theodor (ausziehend)
und zur Wasserhaltung die Schächte von Oeynhausen 1 und 2. Die Teufe der
Hauptfördersohle (6. Sohle) beträgt 1.436 m.

Der Abbau der Kohle erfolgt durch Strebbruchbau mit schälender Gewinnung
unter Anwendung von Gleithobeln. Die Strebe haben eine Breite zwischen 250 und
300 m und können bis zu 1.800 m zu Felde gefahren werden. Die Rohkohle
gelangt über Förderbandanlagen und Zwischenbunker zum 6.000 t fassenden
Zentralbunker auf der 4. Sohle am v. Oeynhausenschacht 3. Für die Förderung ist
dieser Schacht mit zwei Skipanlagen (Leistung 1.200t/h) ausgestattet. Übertage
findet zuerst eine Vermischung der aus verschiedenen Flözen stammenden Rohkohle
im Vergleichmäßigungslager statt, bevor in der Aufbereitung (Durchsatz 900
t/h) die Trennung von Bergen und eine Klassierung der Kohle erfolgt. Rund 80 %
der jährlichen Förderung werden im benachbarten 770 MW Kraftwerk der RWE Power
AG verstromt. Die restliche Förderung wird auf dem klassischen Wärmemarkt und
in der Industrie abgesetzt

1.3 Piesberg

Bei dem Piesberg bei Osnabrück handelt es sich um
einen Karbonhorst, dessen Bildung vermutlich auf den Bramscher Pluton
zurückgeht. Die ca. 500 m mächtigen Schichten bestehen aus Sand- und Tonsteinen
sowie hochinkohlten Kohleflözen des Westfahl C und D. Die Schichten bilden eine
von W-E streichende Aufwölbung, die nach W mit etwa 10° einfällt und im E durch
eine NNW-SSE verlaufende steil einfallende Störung abgeschnitten wird. Ein
Abbau von Steinkohle wurde erstmals 1461 urkundlich erwähnt, die Anfänge des
Bergbaus erfolgten vermutlich schon weitaus früher. Die Anthrazitkohle (Westfal
D) wurde zuerst unter städtischer Leitung und von 1889 bis 1898 durch den
Georgs-Marien-Verein abgebaut. Zwischen 1949 und 1952 wurde in geringem Umfang
Notbergbau betrieben. // LINK

1.4 Bohmte

In Bohmte wurde erstmalig 1846 Wealdensteinkohle gefördert.
Bei der Kohle handelte es sich um eine hochwertige, aschearme anthrazitische
Magerkohle, die in 3 – 4 Flözen mit einer Mächtigkeit zwischen 20 und 50 cm
vorkam. Im Jahr 1867 wird eine "Zeche Caroline" erwähnt, welche bis
Anfang 1875 in Betrieb stand. 1907 erfolgte die Gründung der Gewerkschaft
Beharrlichkeit, die im Juli 1911 mit dem Abteufen eines Schachtes und dem Bau
von Tagesanlagen begann. 1912 wurden die Arbeiten aufgrund der geringen
Flözmächtigkeit eingestellt und erst 1920 wieder aufgenommen. Während der
Vorrichtung konnten bereits 1921 ca. 210 t Kohle gewonnen werden. Die höchste
Fördermenge wurde 1923 mit ca. 2.065 t erreicht. Nach einigen Unterbrechungen
wurde der Betrieb 1925 eingestellt.

1.5 Wealdensteinkohle zwischen Georgsmarienhütte und Halle

Südöstlich von Osnabrück
treten zwischen Georgsmarienhütte im Westen und Halle im Osten entlang des
Teutoburger Waldes mehrere Wealdensteinkohleflöze der Unterkreide auf. Abgebaut
wurden 4 Flöze in einer 50 – 60 m mächtigen Schichtenfolge aus Ton, Mergel
sowie Sand- und Kalksteinen. Die örtlich stark unterschiedlich Mächtigkeit der
eingelagerten Flöze betrug im Schacht Kronprinz (vom Hangenden zum Liegenden):
Flöz 4 – Dickebank (0,7 – 0,8 m), Flöz 3 – Schmalebank (0,4 – 0,5 m), Flöz 2 –
Oberbank (1,2 – 1,4 m), Flöz 1 – Unterbank (0,6 – 0,8 m). Die Kohle hatte einen
Heizwert von 5 – 7.000 kcal/kg bei einem Ascheanteil von 18 % und galt als gute
Gas- und Kokskohle. Urkundlich wurde der Bergbau bereits 1461 erwähnt. Anfangs
unter Aufsicht der fürstbischöflichen Regierung von verschiedenen Pächtern
betrieben, stand der Bergbau zwischen 1722 und 1889 unter staatlicher Regie.
Geringe Flözmächtigkeiten, eine gestörte tektonische Lagerung, hohe
Wasserzuflüsse und eine schlechte Verkehrsanbindung waren von Anfang an
hinderlich für die Entwicklung des Bergbaus. So war der Abbau auf den meisten
Gruben zu Beginn des 20. Jahrhunderts längst eingestellt. Lediglich nach den
beiden Weltkriegen wurde ein intensiver Notbergbau betrieben. Das Vorkommen
lässt sich geographisch auf den nördlichen und südlichen Rand des Teutoburger
Waldes eingrenzen:

Nördlicher Rand:

In
diesem Bereich lag der Schwerpunkt des Steinkohlenbergbaus. Bereits 1527 wurde
entlang des Dütetales durch verschiedene Pächter auf dem Besitz des Fürsten von
Osnabrück Bergbau betrieben. Der Abbau fand in geringen Teufen am Ausbiss der
Flöze statt. Ab 1722 wurde der Bergbau unter fiskalischer Leitung gestellt und
der bisherige Raubbau mit Hilfe von verschiedenen Sachverständigen in einen
geregelten Abbau überführt. Durch den Bau einer Saline in Bad Rothenfelde und
einer Glashütte in Bohmte war zudem ein Abnehmer für die Steinkohlen vorhanden.
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts fand der Abbau hauptsächlich oberhalb der
Wasserlösungsstollen (u.a. Sudmeyer-Stollen, aufgefahren 1806 – 1825) statt.
Mit der Erschöpfung der Vorräte, abgebaut wurden etwa 0,5 Mio. t Kohle, erfolgte
der Übergang in den Tiefbau. Der fiskalische Bergbau endete im September 1889
mit der Stilllegung des Otto-Schachtes. Gründe dafür waren die schlechter
werdende Flözbeschaffenheit, hohe Wasserzuflüsse und Absatzprobleme durch die
zunehmende Konkurrenz aus dem Ruhrgebiet. Nach dem 1. Weltkrieg wurde die
Kohlengewinnung in zahlreichen Stollen und Schächten zeitweilig wieder
aufgenommen. Bedeutung erreichte der nahe dem Strubberg gelegene
Kronprinzen-Schacht, welcher 1919 wieder aufgewältigt und bis zum Oktober 1924
durch die Gewerkschaft Mont Cenis / Herne betrieben wurde. In der Notzeit nach
dem 2. Weltkrieg lebte der Bergbau in zahlreichen, oft wilden Kleinstzechen
wieder auf. Bedeutung hatte wieder der Kronprinzen-Schacht, der 1948 von der
Hasberg Bergwerksgesellschaft mbH aufgewältigt wurde. Abnehmer der Steinkohle
waren die Dyckerhoff-Zementwerke in Lengerich. Die höchste Fördermenge wurde
1957 mit 47.454 t bei 170 Mann Belegschaft erzielt. Nach der Umstellung auf
Erdgasbetrieb wurde die Grube am 30. September 1963 als letztes
niedersächsisches Steinkohlenbergwerk geschlossen. Erhalten ist von dieser
Grube heute noch das 13 m hohe stählerne Gerüst mit Turmfördermaschine.

Strubberg
(1,4 km W von Borgloh). Am Westhang des Berges
wurde in zahlreichen, nur max. 11 m tiefen Schächten Kohle gefördert. Die
geringe Teufe war durch den starken Wasserzufluss des tektonisch stark
gestörten Gebietes begrenzt. Die erste Abbauperiode dauerte von 1813 – 1856.
Nach dem 1. und 2. Weltkrieg wurde ein Notbergbau durch Abbau der
oberflächennahen Restpfeiler betrieben.

Gersberg
(1 km SW von Borgloh). Das Vorkommen war durch zwei Schächte
(Aurora und Glückauf-Schacht) und einen Stollen aufgeschlossen. In Abbau stand
das Vorkommen zwischen 1805 – 1852 und durch einen Notbergbau von 1948 – 1953.
Über den Schacht Glückauf wurde Kohle für die Stadt Osnabrück gewonnen. Die Fördermenge
für das Jahr 1952/53 betrug 5.400 t.

Lohnberg
(3 km SE von Borgloh). Hier wurde während der ersten
Bergbauperiode von 1785 – 1812 Bergbau über zwei Stollen und dem Schacht
Balkenschlien betrieben. Über diesen Schacht erfolgte zwischen 1946 – 54 ein
Notbergbau.

Südwestlich von Wellingholzhausen lag im Hasetal die Zeche Hammerstein. Ab 1859
begann man hier mit dem Auffahren des östlichen Gustav-Stollen (nach 100 m
gestundet) und westlichen Heinrich-Stollen (1.400 m). Die Förderung betrug 1862
3.341 t Kohle bei einer Belegschaft von 65 Mann. 1886 wurde der Bergbau
eingestellt. Zwischen 1920 – 25 wurde der Betrieb in beiden Stollen durch die Städte Osnabrück und Melle sowie der Bergbaugesellschaft Urania wieder
aufgenommen.  Von 1948 – 53 erfolgte ein
Notbergbau im Heinrichstollen (1953: 2.800 t).

Südlicher
Rand:

Nahe Hankenberge wurde von 1872 – 1874
der Karlstollen 460 m Richtung SSW aufgefahren und ab 1885 auf 960 m verlängert.
Am Ende des Stollens wurde ein Schacht ("Alter Tiefbau-Schacht") angelegt,
der wegen Wasserschwierigkeiten nicht bis unterhalb der Stollensohle abgeteuft
werden konnte. Vom Schacht führte eine Seilbahn zum Bahnhof Wellendorf. Östlich
des Stollens wurde 1893 ein zweiter Schacht abgeteuft ("Schacht
Hilterberg" bzw. "Neuer Tiefbauschacht"), dessen Abbausohlen 75,105
und 155 m unterhalb des Karlsstollens lagen. Betrieben wurde die Zeche
Hilterberg ab 1874 durch den GMBHV. Eingestellt wurde der Bergbau im Jahre
1903. Zwischen 1946 und 1952 wurde über den Karlstollen und Schacht Hilterberg
Notbergbau betrieben.

Südwestlich von Preußisch Oldendorf kommt das
Erdöl-Derivat Impsonit vor. Durch eine vom Bramscher Pluton verursachte
Inkohlung entstand Impsonit aus dem in Cornbrash-Sandsteinen gespeicherten
Erdöl. Deckschichten aus Tonsteinen hinderten das Erdöl am Entweichen, was zu
einer Konzentration der Restbitumina in Klüften des Sandsteins führte. Bereits
seit dem 17. Jahrhundert ist der Bergbau auf Impsonit belegt. Nahe
Dahlinghausen förderte die Zeche "Vereinigte Marienberg", südöstlich
befand sich die Zeche "Amalia", später in "Rudolph" umbenannt
(1840 – 1921). Östlich dieser lag am Kamm des Wiehengebirges die Zeche
"Rudolph II" (1878 – 1921).

2. Eisenerze

2.1 Hüggel

Vom 16. Jahrhundert an bis in die 1960er Jahre
wurden am Hüggel bei Osnabrück sowohl untertage als auch übertage Eisenerze
gewonnen. Mit der Gründung der Beckeroder Eisenhütte im Jahre 1836 begann der
industrielle Abbau der Eisenerze. Die Hütte ging 1856 in den Besitz des
"Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein" über, der nahe Malbergen
eine neue Hütte errichtete. Der Erzbergbau erfolgte bis 1936, danach wurden nur
noch sporadisch Eisenerz sowie Zuschlagkalk gewonnen. Die endgültige Einstellung
des Bergbaus erfolgte 1963.


2.2 Damme

Ein marin-sedimentäres Eisenerzlager der Oberkreide
wurde in Damme zwischen 1944 und 1967 abgebaut. Die aus zwei Schächten
bestehende Schachtanlage Damme wurde bis 1952 durch die Gewerkschaft Damme
(Firmen Vereinigte Stahlwerke, Krupp, Hoesch, Klöckner sowie Mannesmann)
betrieben, danach übernahm die Erzbergbau Porta-Damme AG den Betrieb. Zur damaligen Zeit war die Grube Damme die modernste
Schachtanlage des Eisenerzbergbaus in der Bundesrepublik Deutschland. Die
höchste Fördermenge mit 913.946 t Erz bei einer Belegschaft von 906 Mann wurde
auf der Grube im Jahre 1960 erzielt. Der geringe Eisengehalt der Erze und hohe
Abbaukosten führten 1967 zur der Stillegung der Grube.

2.3 Schafberg

Durch aufsteigende eisenhaltige Lösungen während der
Entstehung des Schafberges durch den Bramscher Pluton kam es zu einer Bildung
von Siderit in den südöstlichen Randverwerfungen der Karbonscholle. Nahe der
Tagesoberfläche ist der Siderit durch Verwitterung in Limonit und mulmigen
Ocker umgewandelt worden. Die Vorkommen wurden durch verschiedene Gruben abgebaut:

Grube Friedrich-Wilhelm
Mit der Gründung einer Eisenhütte in Gravenhorst wurde 1806
am Rochusberg nördöstlich von Ibbenbüren durch die Gewerkschaft Friedrich
Wilhelm der Eisenerzabbau im Tage- und Stollenbau aufgenommen. 1877 wurde 30 m
unter der Tagebausohle ein Förderstollen aufgefahren und durch eine
Schmalspurbahn an die hannoversche Staatsbahn angeschlossen. Im Jahre 1883
wurden die Gruben und Feldbesitz durch den GMBH übernommen.

Grube Hector
Im Jahre 1856 bekam die Portahütte bei Porta Westfalica den
Feldbesitz auf ein Eisenerzvorkommen im östlichen Teil des Schafberges
verliehen. Über zwei Schächte (Ost- und Westschacht) wurden die geförderten
Erze bis zur Betriebseinstellung der Hütte 1869 mit der hannoverschen Westbahn
nach Porta-Westfalica transportiert. 1872 erfolgte die Wiedereröffnung durch
die Friedrichshütte AG für Bergbau und Hüttenbetrieb Porta Westfalica. Seit
1878 bezog der GMBHV das gesamte geförderte Erz und übernahm die Grube im Oktober
1883. Im Jahre 1902 hatte die Grube eine Belegschaft von 185 Mann. Die
Stillegung erfolgte 1916.

Grube Perm
Ein Fund von Zinkerzen auf der Halde der Grube
Friedrich-Wilhelm führte Ende der 1850er Jahre zur Mutung eines Feldes zur
Gewinnung von Zinkerz. Nach der Gründung einer Schurfgemeinschaft wurden im
freien Feld zwischen den Gruben Friedrich-Wilhelm und Hector
Untersuchungsarbeiten durchgeführt. Dabei wurden in der Halde des
Adlerstollens, einem alten Wasserlösungsstollen vom Steinkohlenbergbau, Eisen-
und silberhaltiges Bleierz gefunden. Der nun als Gewerkschaft Perm
konstituierten Schürfgemeinschaft wurde im Jahre 1866 ein 2600 m breites Feld
zur Eisenerzgewinnung und verschiedene Einzelfelder zur Gewinnung von Blei- und
Zinkerzen verliehen, die zu einem Gesamtfeld unter dem Namen "Bergwerk
Perm" konsolidiert wurden. Zur Förderung und Wasserlösung wurden die
Schächte West und Perm I, II und III abgeteuft, eine Aufbereitung sowie weitere
Betriebsgebäude errichtet. Allein zwischen 1873 und 1876 wurden 11.169,61 t
Blei- und Zinkerze gefördert. Der Reingewinn betrug 117.720 Mark p.A. Im Jahre
1876 wurde die Grube nach Schwierigkeiten bei der Wasserhaltung gestundet. Auf
Grundlage eines Gutachtes, welche die zuvor kaum beachteten Eisenerzvorkommen
bewertete, entschloss sich der GMBHV 1880 zum Kauf des Grubeneigentums der
Gewerkschaft Perm. 1886 wurde am Schacht Westen I eine Ockerschlämmerei
eingerichtet. Im Jahre 1907 wurden ein neuer Tiefbauschacht und ein
Pumpenschacht als Blindschacht bis 37 m unter der Permer-Stollensohle
abgeteuft. Von einer am Mundloch des Permer-Stollens errichteten Umspannstation
erfolgte ab 1907/08 die Elektrifizierung des Grubenbetriebes. 1912 wurde nach
Aufwältigung des Wasserhaltungschachtes I die Blei / Zink Förderung wieder
aufgenommen. Zwischen 1914 – 1915 erfolgte der Bau einer neuen Aufbereitungsanlage
(Durchsatz 50 t/Tag) am Mundloch des Permer-Stollens. Große Schwierigkeiten bei
der Wasserlösung, notwendige Aufschlußarbeiten und ein Preisverfall der
Eisenerze führten am 22. März 1921 zur Stillegung der Grube Perm.

Der Permer Stollen
Unter Leitung des GMBHV begann man 1881 mit der Auffahrung
des Permer-Stollens. Ziel war die Errichtung eines Förder- und
Wasserlösungsstollen, dessen Bedeutung nach dem Kauf der Gruben Friedrich-Wilhelm
und Hector zunahm. Im Jahre 1885 erreichte der Stollen nach 800 m das
Steinkohlengebirge. Bei Stollenmeter 815 wurde die östliche Grundstrecke
Richtung Zeche Hector und bei 827m die westliche Grundstrecke zur Zeche Perm
angesetzt. Der Südschacht der Grube Perm wurde 1880 nach 330 m erreicht. Zur
Beschleunigung des Vortriebes auf der westlichen Grundstrecke wurden
Druckluftbohrmaschinen eingeführt. 1882 konnte die Grube Perm erreicht werden.
Bis 1912 wurde die Grundstrecke, neben einigen Untersuchungsquerschlägen, bis
zum Theodorschacht der Zeche Friedrich-Wilhelm aufgefahren.

Insgesamt betrug die Förderung an Eisenerzen zwischen 4 – 5
Mio. t, die noch vorhandenen Reserven wurden 1934 auf 1- 3 Mio. t geschätzt.
Die gesamte Buntemetallerzförderung wird mit ca. 100.000 t angegeben.

3. Buntmetallerze

Im Osnabrücker Bergland treten Blei- und Zinkerze
vor allem in Verbindung mit Eisenerzen des Zechsteins in den Störungszonen der
Karbonhorste auf.

3.1 Schafberg

Am Schafberg hatten die Brauneisenerze teilweise Zinkgehalte
von 36 – 37 % ZnO und 10 – 24 % FeO. In der Grube Perm wurden Blei- und
Zinkerze zwischen 1861- 1875 duch die "Gewerkschaft Perm" abgebaut.
Nach der Übernahme der Grube durch den GMBHV 1880 und Konzentrierung auf den
Eisenerzabbau wurde ab 1912 der Abbau auf dem nördlichen "Gang II"
wieder aufgenommen. Der Erzgang hatte eine bauwürdige Mächtigkeit von 8 m und
eine Länge von 300 m und lieferte 1919 10.574 t Blei- und Zinkerz. Näheres zur
Geschichte der Grube Perm unter "Eisenerz".

3.2 Hüggel

Auf
Klüften, in Nestern und als Gangfüllungen kommen am Hüggel zwischen dem
Silberberg, Roten Berg und Domprost-Sundern Buntmetallerze vor. Bei den
hydrothermal entstandenen Erzen handelt es sich um Bleiglanz, Zinkblende und
dessen Verwitterungsprodukt Galmei. Der Bergbau auf diese Erze hat nie eine
wirtschaftliche Bedeutung gehabt. Bereits 1180 wird eine "Silverkule"
bei Hasbergen als abgabenpflichtig erwähnt. Zwischen 1722 bis 1726 ließ der
Fürstbischof Ernst-August II einen 700 m langen Stollen in den Silberberg treiben.
Im Jahre 1860 kam es zur Gründung der "Osnabrücker Zinkgesellschaft",
die im Feld "Aaron" auf dem Roten Berg bei Hasbergen einen kurzen
Stollen und fünf Schächte bis 20 m Teufe niederbrachte. Im Feld
"Kronprinz" am nördlichen Abhang des Silberberges und auf dem
Domprost-Sundern wurden 1866 mehrere kleine Schürfschächte angelegt. Der
Betrieb auf beiden Gruben wurde 1873 eingestellt. Auf der Zeche
"Aaron" und "Kronprinz" betrug die Förderung insgesamt
1.150 t Buntmetallerze.

3.3 Piesberg

Am Piesberg bei Osnabrück wurde der in der
Steinkohle enthaltene Schwefelkies bei der Aufbereitung ausgewaschen und an
Schwefelsäurefabriken verkauft (1897: 395 t). Zur Gewinnung wurde der Stadt im
Dezember 1880 das „Schwefelerzfeld Piesberg" verliehen.

4. Der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein
(GMBHV)

Der Gründung des GMBHV geht die Geschichte der Beckeroder
Eisenhütte voraus. Im Jahre 1835 wurde diese Hütte durch den Osnabrücker
Kaufmann Johann Carl Förster in Beckerode gegründet. Das Werk war die erste
Eisenhütte im Osnabrücker Land. Teilhaber waren die drei Gebrüder Meyer, welche
ursprünglich eine eigene Hütte nahe Osnabrück gründen wollten. Nach dem
Ausscheiden von Förster 1839 und dem Tod einem der Gebrüder Meyer trat an
dessen Stelle der Preuße Julius Meyer aus Holte der Gesellschaft bei. Dieser
wurde bald alleiniger Eigner der Hütte. Produziert wurden Stangeneisen und
zahlreiche Gusswaren. Die Eisenerze stammten aus den umliegenden Bergen,
vornehmlich dem Ellenberg und Hüggel, für deren Ausbeutung die Hütte mehrere Konzessionen
besaß. Als Brennstoff diente Holz und später auch Steinkohle aus Ibbenbüren.
Auf Druck der hannoverschen Regierung musste sich Meyer zur Abnahme von
jährlich 935 t Steinkohle aus dem fiskalischen Bergwerk bei Borgloh
verpflichten. Ein eigenes Steinkohlenbergwerk wurde ihm untersagt. Die
zunehmende Konkurrenz aus dem In- und Ausland machte ein Ausbau der Hütte
unabdingbar. Aufgrund des fehlenden Kapitals entschied Meyer sich 1856 zum
Verkauf der Eisenhütte.

Anfang Mai 1856 wurde in Hannover ein Komitee zum Kauf der Beckeroder Hütte
gegründet. Ziel war der Bau einer neuen Eisenhütte, deren Eisenerzbasis die
Berechtsamen der Beckeroder Hütte sein sollten. Der Kauf musste laut
vorläufigen Kaufvertrag durch eine zu gründende Aktiengesellschaft erfolgen. Am
4. Juni 1856 wurde der "Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein,
Aktiengesellschaft zu Osnabrück", benannt nach dem König des Königreichs
Hannover Georg V und seiner Frau Marie, konstituiert. Statuengemäß hatte die
Gesellschaft "die Ausbeutung der Eisenstein- und Kohlenlager in der
Provinz Osnabrück, die Verhüttung bzw. weitere Verarbeitung der gewonnnen Erze
und das Aufsuchen solcher Mineralien" zum Ziel. Das Gründungskapital
betrug 2,5 Mio. Taler, wovon am 6. Juni 350.000 Taler zum Kauf der Hütte
verbraucht wurden.

Der Verein hatte nun mit dem Erzvorkommen am Hüggel und im Oktober 1856
verliehenen Kohlefeldern im Dütetal und am Hilterberg eine eigene
Rohstoffversorgung. Zwischen diesen Vorkommen gelegen wurde am 28. Oktober 1856
ein Grundstück erworben. Nach der Anwerbung von Arbeitern, vornehmlich aus der
Provinz Hannover und dem Harz, konnte mit dem Bau der Hütte begonnen werden.
Der erste Hochofen wurde am 14. Juli 1858 angeblasen. 1866 hatte die Hütte
bereits vier Hochöfen mit einer Leistung von 38,75 t je Ofen. Die Belegschaft
betrug 1300 Mann. Im Jahre 1868 wurde die Aktiengesellschaft "Eisen- und
Stahlwerk zu Osnabrück" gegründet, die das erste große Bessemer-Stahlwerk
im Deutschen Reich errichtete. Das Werk nahm 1871 den Betrieb auf und produzierte
aus dem Eisen der Georgsmarienhütte hauptsächlich Eisenbahnoberbaumaterial. Im
Jahre 1885 erfolge die Übernahme des Stahlwerkes durch die Georgsmarienhütte.
In der Zeit zwischen 1880 und 1890 wurde die Rohstoffversorgung der Hütte durch
den Kauf von Bergwerken (Erzgruben am Schafberg und Porta, Steinkohlenzeche Piesberg)
ausgebaut. Nach der Stilllegung der Zeche Piesberg 1898 wurde 1899 die Zeche
Werne im Ruhrgebiet gegründet. Bis 1902 wurden Schacht I und II abgeteuft, ein
Jahr später konnte schon mit dem Abbau der Flöze begonnen werden. Zur
Verwertung der Kohle wurde 1903 eine Kokerei in Georgsmarienhütte errichtet.
1908 wurde ein Siemens-Stahlwerk und 1909 ein Feineisenwalzwerk in Betrieb
genommen. Die Produktion betrug zu dieser Zeit 23.000 t Roheisen. Im Jahre 1915
konnte der Schacht III der Zeche Werne in Betrieb genommen werden. Der 1.
Weltkrieg führte durch einen Mangel an Kohle und Arbeitskräften zu einem
Rückgang der Roheisenerzeugung. Im Stahlwerk wurden Kriegsmaterial, aber auch
zivile Waren für Holland und die skandinavischen Länder produziert. Der
Manganmangel der einheimischen Erze zwang den Georgs-Marien-Verein zum Kauf der
thüringischen Brauneisensteingruben in Arlesberg. Auf einer Generalversammlung
am 05. Dezember 1918 stellte sich eine Aktienmehrheit von Geheimrat Peter
Klöckner und August Thyssen heraus. Damit endete die Selbstständigkeit des Georgs-Marien-Bergwerks-
und Hüttenvereins.

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Am 15. Dezember 1920 wurde auf einer außerordentlichen
Generalversammlung der Abschluss eines Betriebs- und Interessengemeinschaftsvertrages
mit dem Lothringer Hütten- und Bergwerksverein genehmigt. Im Februar 1923 wurde
die Fusion des Lothringer Hütten- und Bergwerksverein mit dem GMBHV sowie
weiteren Stahlwerken und Stahlverarbeitenden Fabriken beschlossen und der Name
der Gesellschaft in Klöcker-Werke AG umbenannt.

Nach 4.620 Beschäftigten Ende 1923 fiel die Anzahl der Beschäftigten während
der Weltwirtschaftskrise auf 861 Personen im Jahre 1932 ab. Zeitweise ruhte
sogar der Betrieb. Aufschwung brachte die Machtergreifung der
Nationalsozialisten, wodurch die Belegschaft bis 3.663 Personen im Jahre 1944
anstieg. Nach dem Krieg, die Hütte war von Schäden weitgehend verschont
geblieben, konnte die Produktion 1946 wieder aufgenommen werden. Bereits 1951/52
wurde ein weiteres Siemens-Martin-Stahlwerk in betrieb genommen. Mitte der
1960er Jahre waren fast 7000 Personen bei der Georgsmarienhütte beschäftigt. Ab
1970 begann die Krise der Hütte. Durch fallende Stahlpreise musste der Stahl
unter Selbstkostenpreis produziert werden. Die Folge waren Kurzarbeit und die Schließung einzelner Betriebsabteilungen. Zur
Kostenreduzierung wurde 1980 ein KS-Stahlwerk errichtet. Der letzte Abstich am
alten Hochofen erfolgte im April 1983. Ein Jahr später sollte der Klöckner-Stahlbereich
mit Krupp und einem australischen Konzern fusioniert und die
Georgsmarienhütte stillgelegt werden. Dieser Plan konnte durch Proteste der
Belegschaft und dem Einschreiten der Bundes- und niedersächsischen
Landesregierung verhindert werden. Trotz einer 1987 gebauten Stranggießanlage
blieb die Hütte weiterhin defizitär. Am 1. Juli 1993 erfolgte
die Ausgliederung der Georgsmarienhütte aus dem Klöckner-Konzern. Das Werk
wurde von dem ehemaligen Vorstandmitglied Dr.-Ing. Jürgen Großmann aufgekauft
und die Georgsmarienhütte GmbH gegründet. Nach der Stilllegung des Hochofens
wurde 1994 ein Gleichstrom-Elektrolichtbogenofen zum Schmelzen von Schrott in
Betrieb genommen. Heute ist die Georgsmarienhütte GmbH einer der führenden
europäischen Anbieter für Stabstahl, Halbzeug und Blankstahl aus Qualitäts- und
Edelbaustählen. Der Umsatz betrug 2005 506 Mio. Euro bei einer Belegschaft von
1.249 Mitarbeitern.

5. Literatur

GRAUPNER,
A. (1971): Unterirdische Lagerstätten. In: BEHR, H.-J.: Der Landkreis Osnabrück-
Geschichte und Gegenwart, S. 32 – 41; Osnabrück.
HAGEMANN, W. (1930): Bergbau- und Hüttenbetriebe des Osnabrücker Landes in
ihrer wirtschaftlichen Entwicklung. – Veröff. wirtschaftswiss. Ges. zum Studium
Niedersachsens, H. 12; Hannover.
MÜLLER, H.
(1896): Der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hütten-Verein, I.Teil: Die Geschichte
des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hütten-Verein, II. Teil: Beschreibung der
Besitzungen, der Betriebsanlagen und der Einrichtungen des Vereins; Osnabrück.
MÜLLER, H. (1906): Der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hütten-Verein. 2. Bd.;
Osnabrück.
RÖHRS, H.
(1992): Erz und Kohle – Bergbau zwischen Weser und Ems. – Ibbenbürener
Vereinsdruckerei; Ibbenbüren.
SCHULTE, R.
(1928): Geschichte des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hütten-Vereins in sieben
Jahrzehnten. Ein Beitrag zur Entwicklung der deutschen Montanindustrie;
Köln-Kalk.
SPERLING, E. (1950): Alles um Stahl.
Wirtschaftsgeschichtliche Erzählung um den Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein; Osnabrück.


Abriß Fördergerüst Hildesia, Diekholzen

Geschrieben von MichaP

17. November 2004 – In knapp zwei Sekunden kracht der Turm zu Boden

Wahrzeichen des Kali- und Salz-Werkes Diekholzen gesprengt / 16 Ladungen reißen Stahlriesen vom Sockel

Diekholzen (ara). Ein ohrenbetäubender Knall: Mit einem Schlag ist gestern eine hundertjährige Geschichte zu Ende gegangen. Ein Kilo Sprengstoff fällte den Förderturm der ehemaligen Bergwerksanlage in Diekholzen. In weniger als zwei Sekunden sackte das Wahrzeichen des Kali- und Salz-Werkes zusammen. 150 Tonnen Stahl stürzten zu Boden. Mehr als 100 Schaulustige beklatschten das Spektakel.

Schon eine gute halbe Stunde vor der Sprengung sind sie da. Viele Diekholzener wollen unbedingt sehen, wie der eiserne Riese zu Boden geht. Manche haben Fotoapparate oder Videokameras mitgebracht. Alle fiebern dem Moment der Sprengung entgegen.

Auch der 67-jährige Joachim Behling steht im Nieselregen am Waldrand. Der ehemalige Bergmann hat den 63 Meter hohen Turm fest im Blick. Wenn er ihn sieht, denkt er an all die Jahre im Werk, die Schufterei derBergleute, die zu den Hochzeiten des K+S-Werkes in den 50er Jahren im Diekholzener Wald arbeiteten. Tonne um Tonne Kali aus der Erde holten, das zum Düngen oder auch als Streumittel bei Eisglätte gebraucht wurde. „Es tut schon weh, wenn man jetzt diese Sprengung mit ansieht. Wirklich schlimm“, seufzt Behling. Er ist Vorsitzender des Bergmannsvereins „Hildesia“. Für dessen 100 Mitglieder ist dieser graue November-Mittwoch kein guter Tag.

Pünktlich um 14 Uhr soll der Koloss fallen. Ein erster Hupton. Das Signal, dass die Sprengung kurz bevorsteht. Ein paar Minuten später der nächste. Dann ein trockener Knall. Die Schaulustigen zucken zusammen. Manche ducken sich erschrocken. 16 präzise platzierte „Schneid-Sprengladungen“ zersägen in diesem Augenblick den Turm. Gerade mal ein Kilo US-Sprengstoff „Linear Cutter“ schickt den Koloss mühelos zu Boden. Der kracht in sich zusammen. Zurück bleiben nur noch rauchende Trümmer.

Die Zuschauer sind begeistert. Plaudern aufgeregt durcheinander. „Kann man das nochmal zurückspulen? Ich hab` davon kein Foto gemacht!“, ruft einer. Gelächter ringsum. In Windeseile zerstreuen sich die Leute. Momente später kehrt wieder Ruhe am Waldrand ein.

Zufrieden steht auch K+S-Werkschef Klaus Rumphorst in der Nähe. Das Sprengunternehmen aus Thüringen hat ganze Arbeit geleistet, den mächtigen Förderturm genau wie es geplant war einstürzen zu lassen. Dafür war Sprengmeister Günter Franke verantwortlich. Er hat den Knopf gedrückt und die Sprengung ausgelöst. 302 deutsche Schornsteine hat er inzwischen schon matt gesetzt. Fördertürme hat er nicht gezählt. „Die Sprengung in Diekholzen war nicht so schwer“, sagt der Fachmann, der seit fast 20 Jahren im Geschäft ist. Kreuz und quer fährt er mit seinem fünfköpfigen Team durch Deutschland und legt die Riesen auf Fabriksgeländen und Werksanlagen um.

Dem Turm in Diekholzen rückten die Thüringer erstmal mit Schneidbrennern zu Leibe. „So haben wir ihn vorgeschwächt“, erklärt der Experte. „Damit der Turm nach der Sprengung wie vorgesehen zusammenbricht.“

Die zerfetzten Überreste des Turms liegen auf dem regennassen Boden. Ringsum ist die betagte Anlage schon demontiert. Die Gebäude sind abgetragen. Ein paar Anwohner haben sich indes an die Stelle der Sprengung gewagt. Neugierige, die den gewaltigen Trümmerhaufen bestaunen. An die 200 Tonnen Schrott. Der wird wohl bald in China wieder verwertet. Das ist den Diekholzener Jungs, die über das Gelände schlendern, piepegal. „Die Sprengung war geil“, kräht einer von ihnen.

(c) Archiv Hildesheimer Allgemeine Zeitung

 

 

Foto 1, 3, 4, 5: Andreas Faulwasser; Foto 2, 6, 7, 8: Achim Eberhardt


Niedersachsen – Die runde Radstube von Thurm Rosenhof

Geschrieben von MichaP

Die durch die AG Rosenhof in Clausthal-Zellerfeld ausgegrabene Runde Radstube (24 m tief und 10,5 m Durchmesser) ist eines der beeindruckensten montanhistorischen Bauwerke in Deutschland. Leider konnten sich die Historiker nicht gegen die Architekten in dem Punkt durchsetzen in welcher Art Besucher das Bauwerk erleben sollen. Die Variante, einen nahe gelegenen Schacht zu öffnen und eine Besichtigung der Radstube über die ehemalige Seildrift zu realisieren wurde nicht angenommen. Stattdessen wurde jetzt ein voluminöses Treppenbauwerk über der Radstube realisiert. Diese Einbauten lassen die eigentlichen Dimensionen der Radstube verschwimmen. Auch wurde dadurch die einmalige Tageslichtstimmung in der Radstube zerstört.
Das Denkmal selber ist natürlich nicht zerstört, aber leider optisch verunstaltet (persönliche Ansicht des Autors!).

Weiter Informationen und Bilder auf der Homepage von Friedrich Balck.


Vor dem Einbau: Blick von oben


Vor dem Einbau: Blick von unten


Das neue Treppenkonstrukt


Das neue Treppenkonstrukt

Bild 1,2: Jens Kugler; Bild 3,4: Andreas Faulwasser


Erkundung und Forschung des Salzstocks Gorleben

Geschrieben von MichaP

25 Jahre Erkundung und Forschung des Salzstocks Gorleben
Bergbau im Dienste der Wissenschaft
– ein Befahrungsbericht-



Förderturm Schacht Gorleben 1


Immer wieder liest man im Zusammenhang mit den Kastortransporten vom geplanten Endlager in Gorleben. Die Frage drängte sich auf, was steckt dahinter und wie weit sind die Arbeiten eigentlich fortgeschritten ?
Nach einigen Recherchen lagen doch zahlreiche Informationen vor und es bot sich die Gelegenheit den „Erkundungsbetrieb“ in Gorleben zu befahren.


Bei herrlichstem Winterwetter machten wir uns am 18. Februar 2004 in das Wendland auf. Nach 70-minütiger Fahrt standen wir, wie geplant, pünktlich um 09:00 Uhr vor dem Werkstor. Vom Betriebsparkplatz bot sich ein Überblick über die Tagesanlagen, welche sich von der Straße her, hinter den Bäumen versteckt halten. Schon im Eingangsbereich der Wache finden sich Aufsteller und Infostände mit umfangreichem Material. Nachdem sich die Befahrermannschaft um Dipl. Geol. Andreas Hincke gesammelt hatte, wurden wir in den Beratungsraum über der Betriebswache gebeten.


Herr Dipl.Geol. Isslinger von der DBE (Deutsche Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe mbH) stellte uns nun den Erkundungsbetrieb im Salzstock Gorleben ausführlich vor.


Beim Salzstock Gorleben handelt es sich um einen Doppelsalzstock, den SW-NO-streichenden Salzstock Gorleben-Rambow. Der Teilsalzstock Rambow wurde bisher nicht in die Vorerkundung einbezogen.


Der Salzstock Gorleben ist einer der größten Salzstöcke in Niedersachsen. Seine Länge beträgt 14 km, welche eine Fläche von ca. 40km 2 umfasst. Er befindet sich unter einem 200-300 m mächtigem sedimentärem Deckgebirge des Tertiärs und des Quartärs, seine Teufe erreicht ca. 3500m. Der Salzspiegel befindet sich heute ca. 280m unter der Rasenkannte.


Die Suche nach einer sicheren Verwahrung für radiaktive Abfälle stellte sich sofort mit der friedlichen Nutzung der Kernenergie. Die Amerikanische Akademie der Wissenschaften hielt bereits 1957, die Salzstöcke für besonders geeignet. Bereits 1963 wurde im Zweiten Deutschen Atomprogramm die Empfehlung für Salz als Endlagermedium ausgesprochen. Daraufhin begannen 1965 im ehemaligen Salzbergwerk „Schachtanlage Asse“ bei Remlingen, im Kreis Wolfenbüttel, die ersten deutschen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zur Endlagerung im Salz.


Die Niedersächsische Landesregierung beauftragte 1976 eine Projektgruppe, um aus den mehr als 200 norddeutschen Salzstöcken geeignete Standorte auszuwählen. Am 22. Februar 1977 wurde der Salstock Gorleben als möglicher Standort einer Endlagerung durch die Landesregierung benannt. Zur sachgerechten Erkundung unter Nutzung bereits vorhandenen Know-how’s aus Forschung und Bergbau wurde 1979 die Deutsche Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe mbH gegründet.



warten auf die nächste Seilfahrt



Die DBE begann noch 1979 mit der übertägigen Erkundung des Salzstockes und konnte die Arbeiten im wesentlichen 1985 abschließen. In den sechs Jahren hatten die Mitarbeiter ein umfangreiches Erkundungsprogrmm ab zu arbeiten. Es wurden im Wesentlichen folgende Arbeiten ausgeführt:



  • 322 Pegelbohrungen zur hydrologischen Untersuchung auf ca. 300 km 2
  • 4 Brunnenbohrungen für Langzeitpumpversuche
  • 549 Tiefsondierungen zur geophysikalischen Messung
  • Erstellung von 16 reflexionsseismischen Profilen
  • Errichtung und Betrieb eines seismischen Stationsnetzes zur kontinuierlichen Überwachung des Standortes auf lokale Erdbeben






Füllort 840-m-Sohle

Mit dem Übergang zur untertägigen Erkundung 1986 und dem Abteufen des Schächte Gorleben I (1986-1997) und Gorleben II (1989-1995) ergaben sich weitere Erkundungsbohrungen:



  • 44 Salzspiegelbohrungen zur Erkundung der Kontakt- und Übergangszonen
  • 4 Tiefbohrungen zur Bestimmung des Stoffbestandes und der Salzstockstruktur mit Teufen bis zu 2000m
  • 2 Schachtvorbohrungen mit 1000m Teufe zur Vorbereitung des Schachtabteufens.

Mit dem Aussetzen der Füllörter auf der 840-m-Sohle begann die zweite Phase der untertägigen Erkundung. Am Schacht 1 begannen die Arbeiten am 4. Oktober 1995, Schacht 2 folgte am 18. November . Zunächst wurde die Hauptförderstrecke als Verbindung der Schächte aufgefahren und am 21. Oktober 1996 durchschlägig.


Danach begann der Vor rich tungsbau für die untertägigen Infrastrukturbereiche mit Werkstätten, Arbeits- und Lagerbuchten. Mit dem Vortrieb der Querschläge 1 West und 1 Ost sowie der nördlichen Richtstrecke begann die Umfahrung des für die Einlagerung vorgesehenen Steinsalzes im Zechstein, als Hauptsalz der Staßfurt-Folge.
Im Rahmen der Auffahrung wurden selbstverständlich die Forschungsarbeiten, neben der detaillierten markscheiderischen Darstellung, durch verschiedenste Erkundungsbohrungen und Geotechnische Bohrungen weiter geführt. Zusätzlich wurden in den Schächten und Strecken, Mess-Stationen für die Deformationsanalyse angelegt.


Seit dem 1. Oktober 2000 sind die Erkundungsarbeiten eingestellt. Es gilt ein Memorandum, wonach in den nächsten 10 Jahren eine Entscheidung über einen Endlagerstandort nach den wissenschaftlichen Kenntnissen gefasst werden soll.


Die Aufgabe der Belegschaft besteht nun in der Verwahrung des Grubengebäudes auf dem heutigen Niveau um im Bedarfsfall die Arbeiten sofort wieder aufnehmen zu können.



Das Gezähe hat Ruh – wie lange noch?


Herr Isslinger begleitete uns auch auf der Befahrung, was mich zunächst etwas in Erstaunen versetzte. Im Gespräch bei der Anfahrt klärte sich dann die Sache. Nachdem unser Führer als Geologe die Erkundungsarbeiten fast von Anfang an begleitete, sind seine Aufgaben mit dem Inkrafttreten des Memorandums sehr minimiert, aus diesem Grunde widmet er sich nun verstärkt der Öffentlichkeitsarbeit. Was für ein Glück für die Besucher, einen kompetenteren Führer wird es wohl nicht geben. Auf die Frage wer denn im Normalfall zu einer Befahrung kommt, gab es die nächste Überraschung. Täglich sind 2 Gruppenbefahrungen möglich, diese sind allerdings meistens für die kommenden 12 Monate ausgebucht ! Es melden sich fast ausschließlich Fachleute aus den Bereichen Bergbau und Abfallwirtschaft, aber auch interessierte Laien an. Natürlich hat auch der Eine oder Andere Atomkraft-Gegner den Weg in das Erkundungsbergwerk gefunden.




Nach einem kurzen Weg über den Zechenhof geht es in die Steigerkaue. Hier bekommt der Besucher vom Kauenwärter die notwendige Sicherheitsbekleidung. Ein roter Overall (rot=Besucher) Sicherheitsschuhe und ein paar Arbeitssocken. Nach dem Umkleiden in der Steigerkaue führt der Weg an der Lampenstube vorbei. Hier bekommt jeder Besucher seinen Helm und natürlich ein Geleucht. Wieder eine Überraschung, ein mir sehr wohl vertrautes Geleucht aus Zwickau wird mir in die Hand gedrückt. Der Lampenwart bemerkt mein Erstaunen und gibt eine kurze Erklärung. Als man mit den untertägigen Arbeiten begann, hatten die bekannten deutschen Lampenhersteller CEAG und Friwo ihre Produktion bereits eingestellt und aus der internationalen Ausschreibung konnte sich die GAZ GmbH behaupten.
Im Treppenhaus sammeln sich nun die Befahrer und erhalten über eine Videopräsentation sowie durch einen der Kauenwärter und den Führer eine Einweisung in die Benutzung der vorgeschriebenen Selbstretter.



Vorschriftsmäßig ausgerüstet geht es nun vor die Tür zum obligatorischen Erinnerungsfoto, um anschließend den Weg zur Rasenhängebank in Angriff zu nehmen. Für die Seilfahrt und die Förderung stehen in der modernen Schachtanlage zwei unabhängige Förderanlagen zur Verfügung. Die Befahrer steigen in einen zugegeben ziemlich engen, zweietagigen Förderkorb. Für die Bergfremden schon eine ungewöhnliche Situation. Nachdem das Sicherheitsgitter geschlossen ist, ertönt ganz klassisch das Anschlagssignal zur Abfahrt. Mit durchschnittlich 6m/s geht es gemächlich der 840-m-Sohle entgegen.
Im Füllort angekommen wird nun auf den Rest der Gruppe gewartet und es gibt die erste Gelegenheit unseren Führer mit Fragen zu bombardieren. Nachdem die Befahrermannschaft komplett ist folgt eine 1,5-stündige, äußerst interessante Befahrung. Neben den bergbautechnischen Informationen gewinnt der Befahrer auch viele Eindrücke über die geologischen und physikalischen Gegebenheiten im Salzstock. Vorbei an einigen interessanten Aufschlüssen geht es durch die Werkstätten bis hin zum letzten Stoß.



An einer Stelle musste kurz vor unserem Eintreffen die Firste nachgerissen werden, eine gute Gelegenheit ein paar „Belegstücke“ von der 840-er zu erhaschen. Während der Befahrung gibt es einen guten Mix aus Informationen rund um das Bergwerk selbst, der Geologie und natürlich um die Einlagerung radioaktiven Materials. Nach einem bequemen Fußweg gelangt man am Ende wieder am Füllort an, um mit der Ausfahrt zu beginnen. Da die Seilfahrt wieder in mehreren Etappen erfolgen muß, ergibt sich erneut die Gelegenheit einige Fragen mit dem Führer zu erörtern.


Warum nun ausgerechnet ein Salzstock als Endlager ? Es liegt auf der Hand, dass sich Hohlräume im Salz kostengünstiger als jeder andere bergmännisch geschaffene Holraum auffahren lassen. Im Steinsalz wird entstehende Wärme relativ gut abgeleitet und es umschließt Gase, Flüssigkeiten und Festkörper vollständig. Das plastische Verhalten des Steinsalzes ist ein bedeutender Vorteil. Die künstlich erschaffenen Hohlräume schließen sich durch den allseitigen Gebirgsdruck wieder vollständig zu einer Masse. Eingebrachte Fremdstoffe werden durch den darüber eingebrachten Salzversatz vollständig in wieder verfestigtes Steinsalz eingeschlossen.


Nach der Seilfahrt geht es wie üblich zurück in die Kaue. Von der Kaue begleitet uns Herr Isslinger durch eine kleine, sehr interessante Ausstellung, von Bohrkernen und Salzmineralen, wieder in das Empfangsgebäude.


Gegen 14.30 Uhr brechen wir nach einer sehr interessanten Befahrung wieder nach Hause auf.


Quellen:
Dipl.-Geol. A. Hincke -Salzstock Gorleben-
Infomaterial der DBE
weitere Informationen:
http://www.dbe.de


An dieser Stelle gilt ein besonderer Dank Herrn Dipl. Geol. Andre as Hinke für die Organisation und Planung der Befahrung und Herrn Dipl. Geol. Isslinger von der DBE, für eine fachkundige und sehr interessante Führung über- und untertage.


Glück auf !


Untertageverlagerungen der Rüstungsindustrie im südlichen Niedersachsen

Geschrieben von MichaP

Mit der zunehmenden Luftüberlegenheit der Alliierten nahmen seit etwa 1942 die Bombenangriffe in Deutschland und damit die Gefährdung kriegswichtiger Produktionsstätten drastisch zu. Hierbei wurden neben eindeutig militärischen Zielen bald auch systematisch Zivilziele und produzierende Betriebe angegriffen. Die hierbei erzielten Schäden resultierten dabei in empfindlichen Produktionsminderungen, die bis hin zu einem totalen Produktionsausfall führten..

Derartige Produktionsausfälle wiederum führten zu erheblichen Materialproblemen an der Front, sodaß die Aufrechterhaltung des Güternachschubes aus dem Kernreich an die Fronten zu einer mehr und mehr kriegswichtigen Aufgabe wurde. Da die Rückeroberung der Luftherrschaft seit der Aufgabe des Projektes SEELÖWE – die geplante, jedoch nie realisierte Invasion der Wehrmacht in England – nicht mehr machbar erschien, wurden neue Konzepte zur Tarnung und zum Schutz kriegswichtiger Betriebe enwickelt. Hierzu zählte neben dem Bau großvolumiger Bunkerbauten wie zum Beispiel den bekannten U – Bootbunkern an der Küste und den weniger bekannten, mehrstöckigen Bunkerhallen des Types "WEINGUT" in Bayern insbesondere die Untertageverlagerung der Rüstungsproduktion.

Seit Mitte 1943 wurde mit der Einrichtung derartiger Untertagefabriken begonnen. Neben dem Ausbau vorhandener unterirdischer Räumen wie Höhlen, Bergwerken, Kellern, Kasematten und Tunnelanlagen wurde dabei auch eine Vielzahl gänzlich neuer Anlagen geplant und teilweise auch realisiert.

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Materialien zur Geologie und zum Bergbau des Schaumburger Landes

Geschrieben von MichaP

Materialien zur Geologie und zum Bergbau des Schaumburger Landes 

Diese Seite ist der Geologie und der Rohstoffgewinnung in Schaumburg gewidmet, wobei insbesondere auf den Wealdensteinkohlenbergbau in der Schaumburger Mulde und deren Randgebiete eingegangen wird

Das ehemalige Fürstentum Schaumburg liegt im Südwesten Hannovers am weithin bekannten Steinhuder Meer in Norddeutschland. Landschaftlich wird es durch den Abfall der letzten Ausläufer der Mittelgebirge in die norddeutsche Tiefebene geprägt, wobei die Bückeberge bis über 360 m Höhe ansteigen.

In der Vergangenheit stellte neben der Landwirtschaft insbesondere der augedehnte Steinkohlebergbau einen wesentlichen Wirtschaftsfaktor von Schaumburg dar. Zwar erreichte der hiesige nie den Bekanntheitsgrad anderer westdeutscher und ostdeutscher Steinkohlenreviere wie Ruhrgebiet und Sachsen, trotzdem handelte es sich viele jahrhundertelang um ein bedeutendes Revier, das bis zum Anfang der 60er Jahre viele Familien ernährte.

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Letzter Blick auf den Rammelsberg

Geschrieben von MichaP

Einleitung: 

Der folgende Bericht beschreibt eine Befahrung des Rammelsberges bei Goslar, dessen Bergbau zuerst im Jahr 968 erwähnt wird und der über 1000 Jahre lang bis 1988 in Abbau stand. Die sehr reichen Erze enthalten hauptsächlich Blei (6 %), Zink (14 %) und Kupfer (1- 2%), wobei der ursprüngliche Erzinhalt der beiden Erzlinsen Altes Lager und Neues Lager insgesamt etwa 30 Millionen Tonnen umfasste.

Der ebenfalls recht hohe Silber- (120g / Tonne) und Gold (1g / Tonne) gehalt der gewonnenen Erze sorgten jahrhundertelang für eine Blüte der direkt angrenzenden Stadt Goslar, die unter anderem dazu führte, das hier eine der bevorzugten Aufenthaltsorte der deutschen Kaiser war.

Seit der Stillegung wird das Grubengebäude des Rammelsberges und die übertägigen Anlagen zu einem großen Museumskomplex umgestaltet, daß als Bergbaumuseum Rammelsberg auch Führungen durch das historische Roederstollensystem mit eindrucksvollen Wasserrädern anbietet.

Eine Befahrung der historischen Grubenräume des Rammelsberges abseits der Touristenpfade ist jedoch immer noch eine der größten Untertageerlebnisse, die man in Deutschland geniessen kann. So auch diese. Dabei ist auch dieser Bericht schon „historisch“ da das Wasser seither im Rammelsberg bis zur 1. Sohle angestiegen ist und zahlreiche der erwähnten Örtlichkeiten heute unter Wasser stehen…

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