Zeichen, Tafeln, Inschriften im Bergbau

Eingeschlagene oder gemalte Zeichen, Inschriften, Malereien und Tafeln der verschiedensten Art finden sich relativ häufig im Bergbau. Zum Teil dokumentieren sie Vortriebsleistungen, Beginn oder Ende von Auffahrungen, geben Durchschlagspunkte an, dienen der Vermessung, Markierung oder Abgrenzung von Gruben oder Grubenfeldern, dokumentieren besondere Ereignisse, zum Teil sagen sie auch nur "ich habe hier gearbeitet" oder "ich war hier".
Einige dieser Zeichen und Inschriften sind klein und unscheinbar, andere sind sehr groß, auffällig, seit langem bekannt und auf Rissen dokumentiert.
Mit diesem Beitrag soll ein kurzer Überblick über derartige Zeichen, Inschriften, Tafeln und Malereien gegeben werden. Eine vollständige Darstellung ist nicht möglich, schon aus dem Grund, dass es hier noch zahlreiche offenen Fragen gibt, und würde auch den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Wesentliche Teile dieses Beitrags sind auch noch im Aufbau befindlich.
Der Schwerpunkt liegt gegenwärtig bei den sächsischen und thüringischen Bergwerken, jedoch werden auch eine Reihe von Gruben aus anderen Gebieten in Deutschland sowie aus Niederland, Belgien, Luxemburg und Österreich behandelt.
Diese Arbeit soll eine Anregung darstellen, sich auch mit den weniger auffälligen Seiten des Bergbaus oder seinen Hinterlassenschaften zu beschäftigen, die Zeichen, Tafeln und Inschriften zu dokumentieren und zu erhalten.
Ergänzungen, Hinweise, Korrekturen und weitere Fotos werden gerne entgegengenommen. Es ist zu wünschen, dass mit weiteren Fotos und Belegen auch die Kenntnis über die regionale und zeitliche Verbreitung bestimmter Zeichen erweitert werden kann.

Für diesen Beitrag wurde folgende Unterscheidung vorgenommen (die einzelnen Kapitel sind von hier über Links zu erreichen):

1. Gedinge- und Vortriebszeichen, Jahrestafeln, Vortriebstafeln
   1.1. Gedinge und Gedingezeichen
   1.2. Formen von Gedingezeichen
       1.2.1. Das Schneeberger Gedinge
       1.2.2. Das Freiberger Gedinge
   1.3. Quartalswinkel
   1.4. Jahrestafeln
   1.5. Vortriebstafeln
   1.6. Zähltafeln, sonstige Abrechnungen von Arbeitsleistungen
2. Markscheiderische Zeichen, Tafeln und Markierungen
   2.1. Grubenfeldgrenzen
   2.2. Grubenmittelpunkte
   2.3. Verstufungen
   2.4. Markscheiderische Fixpunkte (Polygonpunkte)
   2.5. Andere markscheiderische Tafeln und Zeichen
   2.6. Lachtertafeln, Tafeln mit Entfernungsangaben
   2.7. untertägige Landesgrenzen
3. Fund- und Gangtafeln, Tafeln zur Kennzeichnung und Orientierung
   3.1. Fundtafeln
   3.2. Gangtafeln
   3.3. Tafeln und Zeichen zu bestimmten Stollenniveaus und Schächten bzw. Markierung bestimmter Anlagen, Tafeln zur Orientierung
4. Tafeln zu bestimmten Ereignissen und Anlässen
   4.1. Tafeln mit Jahreszahlen
   4.2. Durchschlagstafeln
   4.3. Unfalltafeln
   4.4. Tafeln zum Besuch hoher Persönlichkeiten
   4.5. Tafeln zu sonstigen besonderen Anlässen
5. sonstige Tafeln, Inschriften, Zeichen und Malereien
   5.1. Namen und Initialen
   5.2. Warnzeichen, Warnhinweise, Verbotszeichen
   5.3. Zeichnungen und Gravuren
   5.4. erotische bis pornografische Inschriften und Zeichnungen
   5.5. Inschriften und Zeichnungen mit politischem Hintergrund
   5.6. Inschriften und Zeichnungen mit religiösem Hintergrund
   5.7. sonstige Inschriften, Sinnsprüche, Ermahnungen usw.
6. nicht sicher gedeutete Tafeln, Zeichen, Inschriften, Zeichnungen usw.
   6.1. Bilder ungeklärter Bedeutung
   6.2. Harzer "Zähltafeln"
   6.3. Markscheide- und Vortriebszeichen mit unbekannter Bedeutung

Die Übergänge sind zum Teil fließend, so wurden z.B. Jahrestafeln, die den Vortrieb dokumentieren, auch als markscheiderische Punkte verwendet. Ebeneso sind Fundtafeln, die ein bestimmtes Ereignis festhalten, nämlich das Auffinden eines Ganges, gleichzeitig markscheiderische Punkte. Insofern soll die Einteilung auch nicht als ein starres Schema betrachtet werden.

An dieser Stelle sei auch allen gedankt, die Fotos und Erklärungen beigesteuert haben: Michael Pfefferkorn, Holger Lausch, Stephan Adlung, Jens Kugler, Michael Kitzig, Norbert Schüttler, Christian Auer, Carsten Säckl, Jacquo Silvertant, Robert Brückl und anonyme Bildautoren.

© Thomas Witzke

6. nicht sicher gedeutete Tafeln, Zeichen, Inschriften, Zeichnungen usw.

Geschrieben von MichaP

Einige nicht sicher gedeutete Zeichen oder Tafeln sind schon in anderen Kapiteln vorläufig entsprechend der vorliegenden Vermutungen eingeordnet worden. Weitere Tafeln, Zeichen und Zeichnungen mit unbekannter oder unsicherer Deutung werden hier vorgestellt.

6.1. Bilder ungeklärter Bedeutung

1. Bild ungeklärter Bedeutung

Das folgende eingeschlagene Bild findet sich in einer Grube aus dem 16. Jahrhundert in Dippoldiswalde, östliches Erzgebirge. Es verdeutlicht in gewisser Weise mehrere miteinander verbundene Probleme. Erstens: was sind wirklich absichtlich eingeschlagene Linien und was nur herausgebrochenes Gestein, das etwas vortäuscht, oder Ungeschicklichkeit beim Einschlagen? Zweitens: was ist dargestellt? Drittens: was bedeutet es, welchen Sinn hat das Bild?
Beim Nachzeichnen der Linien spielen zum Teil Erwartung oder Assoziationen des Betrachters mit hinein – aber es sind heutige Erwartungen und Assoziationen. Ein Betrachter vor etwa 500 Jahren konnte durchaus etwas anderes damit verbinden. Man kann in dem Bild ein Gesicht mit einem Kreuz darüber sehen, aber ob es das wirklich darstellt, bleibt offen. Andere Personen haben in dem Bild eine Pflanze gesehen, die aus etwas sprießt. Ebenso ungeklärt ist die Bedeutung des Bildes.
Ein religiöser Hintergrund ist denkbar. Möglicherweise wurde ein Gang an einem bestimmten Tag entdeckt und das Bild verdeutlicht dies oder drückt Dankbarkeit dafür aus, aber andere Deutungen sind ebenso möglich.

Bild 6.1.01: Eingeschlagenes Bild ungeklärter Bedeutung über einer Schlegelstrecke. 16. Jahrhundert. Dippoldiswalde, Erzgebirge, Sachsen. Foto: anonym (1).

Bild 6.1.02: Detailansicht. Foto: anonym (1).

2. Bild ungeklärter Bedeutung

Das folgende Bild befindet sich an einer Grubenfeldgrenze in der Caestert-Grube bei Petit Lanaye in Belgien, direkt südlich von Maastricht. Es befindet sich an der Firste, heute in mehreren Metern Höhe. Es ist vor 1500 entstanden, vermutet wird eine Entstehung um 1300 (Information Jacquo Silvertant, Maastricht).
Zu erkennen ist eine Person, die ein Kreuz hält oder trägt oder sich darauf stützt (am besten zu erkennen in Bild 6.1.03.). Daneben, relativ gut zu sehen in Bild 6.1.04., ist ein Drachentöter auf einem Pferd. Weiterhin sind zu sehen Pfeil und Bogen. Rad- und Galgendarstellungen als Warnung gegen unerlaubten Kalksteinabbau finden sich auch, sind hier aber nicht so zentral dargestellt wie an anderen Grubenfeldgrenzen. Weiterhin finden sich andere christliche Darstellungen, verschiedene Kreuztypen und ein Schachbrettmuster.

Bild 6.1.03: Zeichnung unbekannter Bedeutung. Eventuell um 1300. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke.

Bild 6.1.04: Zeichnung unbekannter Bedeutung. Eventuell um 1300. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke.

Bild 6.1.05: Detail, mit christlichen Darstellungen und links ein Galgen als Warnzeichen. Eventuell um 1300. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke.

Bild 6.1.06: Detail, mit Kreuzen und Schachbrettmuster. Eventuell um 1300. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke.

Bild 6.1.07: Detail, mit Kreuzen und christlicher Darstellung. Eventuell um 1300. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke.

3. Bild ungeklärter Bedeutung

Auch dieses Bild befindet sich an einer Grubenfeldgrenze in der Caestert-Grube bei Petit Lanaye in Belgien. Zu erkennen sind wieder Galgen und Räder sowie die Zeichen der Konzessionsinhaber. Vielleicht ist auch das zentrale Zeichen ein großes, besonders ausgeschmücktes Eigentumszeichen. Daneben finden sich Kreuze und Ornamente.

Bild 6.1.08: Bild, vor 1500. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke.

Bild 6.1.09: Detail. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke.

© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}

6.2. Harzer "Zähltafeln"

Die hier als "Zähltafeln" bezeichneten Tafeln sind im Westharz recht weit verbreitet. Verschiedentlich werden sie als "Lachtertafeln" und die Zeichen darauf als "Gedingezeichen" angesehen.
Wenn man sich die Tafeln z.B. in den Röschen um Clausthal ansieht, wird man feststellen, dass die Striche weder Lachter- noch Meter-Angaben darstellen. Andererseits bedeuten wenige Striche einen kurzen Abstand zur nächsten Tafel und viele Striche einen größeren Abstand zur nächsten Tafel. Hier ergibt sich also ein eindeutiger Zusammenhang zur Arbeits- bzw. Vortriebsleistung.
Offenbar ist über einen längeren Zeitraum etwas gezählt worden, und die Zeichen nach und nach der Tafel hinzugefügt worden. Ansonsten hätte man sicher eine einzige Zahl eingeschlagen und nicht z.B. mehr als 10 senkrechte Striche nebeneinander oder z.B. Gruppen von Kreuzen.
Vermutet wird, dass hier Sprengungen (Abschläge), Arbeitstage oder Schichten oder andere Arbeitszeiträume gezählt wurden.
Die Bedeutung der einzelnen Zeichen ist unbekannt. Auch dass wie ein Freiberger Gedingezeichen aussehende Symbol bedeutet sicher kein Gedinge in diesem Sinne. Die Arbeiten könnten natürlich trotzdem im Gedinge ausgeführt worden sein, aber die Zeichen haben hier eine andere bisher nicht geklärte Bedeutung.

Bild 6.2.01:
Zeichen auf Harzer Zähltafeln.
Bild 6.2.02:
Zähltafel. Tiefer Georgstollen, Clausthal-Zellerfeld, Harz, Niedersachsen. Foto: Michael Pfefferkorn.

Bild 6.2.03:
Zähltafel. Ernst-August-Stollen, Harz, Niedersachsen. Foto: Michael Pfefferkorn.

Bild 6.2.04:
Zähltafel. Oberer Hasenbacher Wasserlauf, Clausthal-Zellerfeld, Harz, Niedersachsen. Foto: Thomas Witzke.

Bild 6.2.05:
Zähltafel. Prinz Walliser Wasserlauf, Clausthal-Zellerfeld, Harz, Niedersachsen. Foto: Jens Kugler.

Bild 6.2.06:
Zähltafel mit Jahreszahl. Bad Grund, Harz, Niedersachsen. Foto: anonym (1).

Bild 6.2.07:
Zähltafel. Knollengrube, Harz, Niedersachsen. Foto: anonym (3).

Bild 6.2.08:
Zähltafel. Schultestollen, Harz, Niedersachsen. Foto: anonym (3).

Bild 6.2.09:
Zähltafel. Harz, Niedersachsen. Foto: anonym (4).

Bild 6.2.10:
Zähltafel. Harz, Niedersachsen. Foto: anonym (4).

© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}

6.3. Markscheide- und Vortriebszeichen mit unbekannter Bedeutung

Zeichen unbekannter Bedeutung aus einer Grube in Oberscheibe, bei Schwarzenberg, Erzgebirge.

Bild 6.3.01:
Markscheide- oder Vortriebszeichen unbekannter Bedeutung. Oberscheibe bei Marienberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Holger Lausch.
Bild 6.3.02:
Markscheide- oder Vortriebszeichen unbekannter Bedeutung. Oberscheibe bei Marienberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Holger Lausch.
Bild 6.3.03:
Markscheide- oder Vortriebszeichen unbekannter Bedeutung. Oberscheibe bei Marienberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Holger Lausch.

Im Reicher Silbertrost-Stolln bei Geyer, Erzgebirge, finden sich weitere Zeichen unbekannter Bedeutung. Im vorderen Bereich des Stollens sind Schneeberger Gedingezeichen zu sehen, im hinteren, jüngeren Teil Freiberger Gedingezeichen. Die bisher nicht gedeuteten Zeichen – Quadrat, Dreieck, Kreis, zwei doppelkreuzartige Zeichen – treten im hinteren Teil des Stollens auf.

Bild 6.3.04:
Markscheide- oder Vortriebszeichen unbekannter Bedeutung. Reicher Silbertrost-Stolln, Geyer, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Norbert Schüttler.
Bild 6.3.05:
Markscheide- oder Vortriebszeichen unbekannter Bedeutung. Reicher Silbertrost-Stolln, Geyer, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Norbert Schüttler.
Bild 6.3.06:
Markscheide- oder Vortriebszeichen unbekannter Bedeutung. Reicher Silbertrost-Stolln, Geyer, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Norbert Schüttler.
Bild 6.3.07:
Markscheide- oder Vortriebszeichen unbekannter Bedeutung. Reicher Silbertrost-Stolln, Geyer, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Norbert Schüttler.
Bild 6.3.08:
Markscheide- oder Vortriebszeichen unbekannter Bedeutung. Reicher Silbertrost-Stolln, Geyer, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Norbert Schüttler.

Unkeklärt ist auch die Bedeutung der folgenden Zeichen (Dreiecke u.a.) aus dem Freiberger Revier, Erzgebirge. Möglicherweise stehen die Dreiecke mit der Höhenmessung (d.h. der Neigung) des Stollens in Zusammenhang.

Bild 6.3.09:
Markscheide- oder Vortriebszeichen (Dreieck) unbekannter Bedeutung neben einem Markscheidekreuz. Grube Himmelfahrt, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Thomas Witzke.
Bild 6.3.10:
Markscheide- oder Vortriebszeichen (Dreieck) unbekannter Bedeutung in der Bildmitte, rechts oberhalb ein Quartalswinkel. Links eine kurze Auffahrung. Grube Himmelfahrt, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Thomas Witzke.
Bild 6.3.11:
Markscheidezeichen (?) unbekannter Bedeutung, am Gelobt Land Kunstschacht, Brand-Erbisdorf, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Michael Pfefferkorn.
Bild 6.3.12:
Markscheidezeichen (?) unbekannter Bedeutung, Molchner Flacher, Brand-Erbisdorf, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Michael Pfefferkorn.

© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren


5. sonstige Tafeln, Inschriften, Zeichen und Malereien

Geschrieben von MichaP

In diesem Kapitel sollen alle die Tafeln, Inschriften, Zeichen und Malereien zusammengefasst werden, die nicht oder eher randlich mit dem offiziellen Betrieb einer Grube in Zusammenhang stehen. Diese Gruppe ist außerordentlich vielfältig und kann hier nur ansatzweise behandelt werden. Dazu gehören die weitverbreiteten namensinschriften oder Initialen von Bergleuten oder Besuchern der Grube, Warnhinweise, mehr oder weniger sinnvolle Sprüche, Zeichnungen und Karrikaturen, religiöses und diverse Kuriositäten.

5.1. Namen und Initialen

Mit Abstand am häufigsten dürften Namen oder Initialen zu finden sein, oft mit Jahreszahlen versehen. Zum Teil stammen sie von Bergleuten aus der aktiven Zeit der jeweiligen Grube. Speziell in der letzten Schicht oder unmittelbar vor der Verwahrung wurden besonders häufig Namen oder Initialen hinterlassen. Aber auch nach Schließung der Gruben verewigen sich oft Personen, zum Teil bei offiziellen Befahrungen und dann meist mit vollem Namen, und häufiger noch bei inoffiziellen Befahrungen und dann fast immer nur mit den Initialen. Diese Inschriften haben einfach die Bedeutung "ich habe hier gearbeitet" oder "ich war hier" und erfreuen sich seit Ende des Mittelalters bis heute großer Beliebtheit.

Von Bergleuten oder Bergbeamten stammen die folgenden Beispiele:

Bild 5.1.01:
Initialen mit Jahreszahl 1701. Neuhoffnungstollen, Kamsdorf, Thüringen. Foto: Michael Pfefferkorn.

Bild 5.1.02:
Initialen mit Jahreszahl 1768. Kamsdorf, Thüringen. Foto: Holger Lausch.

Bild 5.1.03: Inschrift mit Initialen, von 1866, Füllort Himmelfahrtschacht, Kamsdorf, Thüringen. Foto: Michael Pfefferkorn.

Am Füllort des Himmelfahrtschachtes in Kamsdorf, Thüringen, finden sich mehrere derartige Initialen mit Jahreszahl sowie Schlegel und Eisen. Dies wurde sicher von den dort arbeitenden Bergleuten hinterlassen. In der Grube Wohlfahrt bei Rescheid in der Eifel findet sich eine Inschrift des Anschlägers der Grube von 1896, neben Zeichnungen von Bergleuten, Schlägel und Eisen und der Inschrift "Glück Auf".

Bild 5.1.04:
Inschrift des Anschlägers, von 1896, Grube Wohlfahrt, Rescheid, Eifel, Nordrhein-Westfalen. Foto: Thomas Witzke.

Bild 5.1.05:
Inschrift mit Namen, vom 25.3.1932, in einer Alabastergrube im Südharz. Foto: Thomas Witzke.

Vermutlich wurde die Inschrift von einem Bergmann bei Schließung der Grube hinterlassen, worauf das zweite Wort in der ersten Zeile hinweist, das wahrscheinlich "aufräumen" heißt.

Eine Reihe schöner Inschriften findet sich in der Elisabeth-Schächter Schlotte bei Wettelrode, die beim Kupferschiefer-Bergbau angefahren wurde. Das helle und weiche Gipsgestein ist zum Anbringen von Inschriften gut geeignet.

Bild 5.1.06:
Inschrift von 1874. Elisabeth-Schächter Schlotte, Wettelrode, Sachsen-Anhalt. Foto: Michael Pfefferkorn.

Bild 5.1.07:
Inschrift Ernst Busch, Bergschüler, 1878. Elisabeth-Schächter Schlotte, Wettelrode, Sachsen-Anhalt. Foto: Michael Pfefferkorn.

Bild 5.1.08:
Inschrift Otto Jähne. Elisabeth-Schächter Schlotte, Wettelrode, Sachsen-Anhalt. Foto: Michael Pfefferkorn.

Bild 5.1.09:
Inschrift Emil Röhrig. Elisabeth-Schächter Schlotte, Wettelrode, Sachsen-Anhalt. Foto: Michael Pfefferkorn.

In den über 800 Jahre alten Kalksteingruben rund um Maastricht finden sich auf niederländischem und belgischem Gebiet eine Unmenge an Inschriften, die von den Arbeitern und von Besuchern der Gruben stammen. Aus der Fülle sollen hier nur einige wenige Beispiele vorgestellt werden.

Bild 5.1.10:
Inschrift von Lambier, vom 19. August 1468. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke.

Die Inschrift lautet:
"Lambier le po(n)deur (?)
fut ici l’a(n) M CCCC LXVIII
le XIX(me) jo(ur) d’auost "
Die Inschrift wurde zweifellos von einer sehr schreibkundigen Person angebracht, vermutlich ein Kopist aus einem Kloster. Eine C14-Datierung hat das Alter der Inschrift bestätigt (Information von Jacquo Silvertant, Maastricht). Die Inschrift ist damit zweifellos als authentisch anzusehen.

Bild 5.1.11:
Signum des Bischofs von Maastricht von 1551,
darüber Inschrift
"Graf v. Kunckowström
Gräfin von Kunckowstroem
geborene Gräfin von
Blumenthal
den 22 Xbr (= Dezember) 1816".
Gangsystem Zonneberg, am St. Pietersberg, Maastricht, Niederlande. Foto: Thomas Witzke.

Bild 5.1.12:
Inschrift von 1644, nördliches Gangsystem, St. Pietersberg, Maastricht, Niederlande. Foto: Thomas Witzke.

Bild 5.1.13:
Inschrift von 1814, Gangsystem Zonneberg, am St. Pietersberg, Maastricht, Niederlande. Foto: Thomas Witzke.

Der Text der Inschrift lautet: "Schönwaldt / Feld Apotheker / in v. Lützows / Frey Corp / aus Elbing / in Preussen / d .. Juny / 1814" und stammt von einem Teilnehmer an den Napoleonischen Befreiungskriegen.

© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}

5.2. Warnzeichen, Warnhinweise, Verbotszeichen

Außerordentlich schöne Beispiele für Warnzeichen finden sich in den alten Kalksteingruben südlich von Maastricht. Die Zeichen stammen aus der Zeit vor etwa 1500 finden sich an den Grubenfeldgrenzen der einzelnen Konzessionsinhaber nahe bei den Eigentumszeichen der Betreiber. Es handelt sich um Darstellungen von Galgen oder Rad. Ihrer Funktion nach handelt es sich um Piktogramme, die leicht verständlich und eindeutig dem benachbarten Konzessionsinhaber bzw. dessen Arbeitern zu verstehen geben, dass ein Abbau von kalkstein über die Feldgrenze hinaus Diebstahl bedeutet und die Todesstrafe zur Folge hat.
Nach etwa 1500 tauchen diese Zeichen nicht mehr auf. Die hat einmal zu tun mit einer weiteren Verbreitung der Kenntnisse in Lesen und Schreiben (die Eigentumszeichen werden durch Inschriften abgelöst), aber vielleicht auch mit einem Konsolidierungsprosess bei den Konzessionen. Dabei werden die zahlreichen Kleinbetriebe aus der Anfangszeit, die in unmittelbarer Nachbarschaft arbeiteten, durch Eigner größerer Grubenfelder abgelöst, so dass Durchschläge oder Konflikte mit Nachbarbetrieben nicht mehr so oft auftraten.

Bild 5.2.01:
Warnzeichen mit Galgen und Rad, vor 1500. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Die Zeichen befinden sich an der Firste in heute mehreren Metern Höhe. Foto: Thomas Witzke.

Bild 5.2.02:
Warnzeichen mit Galgen, vor 1500. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Die Zeichen befinden sich an der Firste in heute mehreren Metern Höhe. Foto: Thomas Witzke.

Bild 5.2.03:
Warnzeichen mit Galgen und Rad, vor 1500. Rechts oben im Bild ein Eigentumszeichen zur Markierung der Grubenfeldgrenze. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Die Zeichen befinden sich an der Firste in heute mehreren Metern Höhe. Foto: Thomas Witzke.

Sehr schön bei letzterem Bild ist hier die Darstellung der Räder auf einer Stange und die Leitern daneben. Was die Figur zwischen Galgen und den Rädern bedeutet, ist nicht eindeutig zu sagen. Vermutlich handelt es sich um eine Teufelsdarstellung, auch scheint eine Hand etwas von dem Galgen rechts unten im Bild zu holen. Dies würde dann noch eine Verstärkung der Warnzeichen darstellen, etwa in dem Sinn: der Teufel wird sich die Seelen der Diebe holen, die hier Kalkstein stehlen.

© Thomas Witzke {mospagebreak}

5.3. Zeichnungen

Zeichnungen und Gravuren verschiedener Art finden sich gelegentlich in Bergwerken. Entweder wurden sie von den Bergleuten oder von Besuchern angefertigt. Man findet sowohl schnelle Skizzen als auch sorgfältige Arbeiten. Zum Teil tun diese Zeichnungen irgendwelche Ansichten des Herstellers kund, zum Teil sind es Darstellungen aus dem Arbeits- und Lebensumfeld, zum Teil sind es mehr oder weniger kunstvolle Selbstdarstellungen.
Einen besonderen Reichtum an Zeichnungen weisen die z.T. über 800 Jahre alten Kalksteingruben bei Maastricht auf. Der helle Kalkstein und die glatten, durch den Abbau entstehenden Flächen laden auch dazu ein, hier Zeichnung und Inschriften anzubringen. Die Gruben haben offenbar schon sehr zeitig einen intensiven Grubentourismus erlebt. Recht häufige Zeichnungen von Soldaten und Söldnern weisen darauf hin, dass die Bergwerke während kriegerischer Zeiten als Versteck genutzt wurden und offenbar auch von Soldaten aufgesucht und durchsucht wurden (siehe auch die Inschriften in Kapitel 5.1.).

Die folgenden fünf Zeichnungen befinden sich alle in enger Nachbarschaft in der Caestert-Grube im belgisch-niederländischen Grenzgebiet. Nach Stilistik der Zeichnungen und der Kleidung der dargestellten Personen stammen sie wahrscheinlich aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts. Der Narr trägt eine Kappe mit Eselsohren. Die Narren-Symbolik zur damaligen Zeit ist sehr komplex und unterscheidet sich von der heutigen. Man vergleiche hier z.B. Sebastian Brandt’s "Narrenschiff" von 1494, in dem über 100 Laster, Dummheiten und Verhaltensweisen kritisch und satirisch in Wort und Bild dargestellt werden.
Bemerkenswert ist in der Caestert-Grube die Darstellung eines Narren als Bergmann. Die genauen Zusammenhänge müssten noch untersucht werden. Sicher nicht zutreffend sind primitive Deutungen wie "Bergleute sind Narren" oder "Wer hier Kalkstein heraussägt, ist ein Narr".
Die zweite Narrenfigur trägt einen Narrenstab mit Narrenkopf. Auch ein derartiger Narrenstab findet sich auf Abbildungen im "Narrenschiff" und anderen Werken aus dem 15. Jahrhundert. Der Narrenstab kann hier vielleicht als ein Spiegel gesehen werden, den der Narr jemandem vorhält, oder er kann mit dem Narrenstab wie mit einem zweiten Narren sprechen.

Bild 5.3.01:
Zeichnung eines Narren mit dem typischen Werkzeug der Bergleute, einer großen Säge, der einen Kalksteinblock heraussägt. Wahrscheinlich 2. Hälfte 15. Jahrhundert. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke.

Bild 5.3.02:
Zeichnung eines Narren, eines Riesen (?) und eines Königs (?). Wahrscheinlich 2. Hälfte 15. Jahrhundert. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke.

Bild 5.3.03:
Zeichnung eines Frau, die ihre Seele an den Teufel verkauft. Wahrscheinlich 2. Hälfte 15. Jahrhundert. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke.

Bild 5.3.04:
Zeichnung eines Bergmanns mit Säge, Hacke und Schwert. Die Schrift ist (obwohl in der gleichen Farbe) erheblich jünger und hat mit der Zeichnung nichts zu tun. Das Gesicht des Bergmanns wurde leider vor wenigen Jahren zerstört. Wahrscheinlich 2. Hälfte 15. Jahrhundert. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke.

Bild 5.3.05:
Zeichnung der Werkzeuge (Gezähe) der Bergleute, zwei Hacken und eine Säge. Wahrscheinlich 2. Hälfte 15. Jahrhundert. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke.

Ebenfalls aus der Caestert-Grube stammen die beiden folgenden Darstellung einer Burg mit Reitern und Galgen sowie einer Jagdszene.

Bild 5.3.06:
Zeichnung einer Burg mit bewaffneten Reitern und Galgen. Wahrscheinlich 2. Hälfte 15. Jahrhundert. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke.

Bild 5.3.07:
Zeichnung einer Jagdszene mit Hund und Wildschwein. Wahrscheinlich 2. Hälfte 15. Jahrhundert. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke.

Die folgende, leider undatierte Zeichnung von Iudocus Crossen (der sich noch an anderer Stelle in der Grube am St. Peitersberg, Maastricht, verewigt hat) stammt vermutlich aus der Zeit des 80-jährigen Kriegs in den Niederlanden (1568 bis 1648) und stellt wohl einen deutsch-sprachigen Söldner dar (erkennbar an der Sprechblase mit "WER DA") – möglicherweise ihn selber. Durch den in die Tiefe fortgeschrittenen Abbau im Lauf der Jahrhunderte befindet sich die Zeichnung heute in mehreren Metern Höhe.

Bild 5.3.08:
Zeichnung von Iudocus Crossen. Nördliches Gangsystem, St. Pietersberg, Maastricht, Niederland. Foto: Thomas Witzke.

Einige Bilder mit Soldaten aus napoleonischer Zeit finden sich in der schon genannten Caestert-Grube bei Petit Lanaye.

Bild 5.3.09:
Zeichnung eines Soldaten aus napoleonischer Zeit, Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien. Foto: Thomas Witzke.

Bild 5.3.10:
Zeichnung eines Soldaten aus napoleonischer Zeit, Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien. Foto: Thomas Witzke.

Bild 5.3.12:
Zeichnung mit Soldaten auf einem Karussel, aus napoleonischer Zeit, Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien. Foto: Thomas Witzke.

Man beachte auf den nächsten zwei Bildern die Froschlampen. Eine Zeichnung von einem Herrn Teinisser mit seinen zwei Hunden Pada und Turde von 1726 und eine Zeichnung von 1834.

Bild 5.3.13:
Zeichnung von Herrn Teinisser mit seinen zwei Hunden Pada und Turde, von 1726. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke.

Bild 5.3.14:
Zeichnung von 1834. Gangsystem Zonneberg, St. Pietersberg, Maastricht, Niederland. Foto: Thomas Witzke.

An einem Stoß mit einer glatten, großen Schieferfläche haben in der Grube Wohlfahrt, Rescheid, Eifel, die Bergleute zahlreiche Gravuren und Inschriften hinterlassen. Zu sehen sind mehr oder weniger stilisiert dargestellte Bergleute, aber auch eine Frau und ein Schwein. Die Zeichnungen sind um 1900 entstanden.

Bild 5.3.15:
Zeichnungen (Gravuren) von Bergleuten. Grube Wohlfahrt, Rescheid, Eifel, Nordrhein-Westfalen. Foto: Thomas Witzke.

Bild 5.3.16:
Zeichnung (Gravur) eines Bergmanns. Grube Wohlfahrt, Rescheid, Eifel, Nordrhein-Westfalen. Foto: Thomas Witzke.

Bild 5.3.17:
Zeichnung (Gravur) eines Schweins, erkennbar an dem Ringelschwanz. Grube Wohlfahrt, Rescheid, Eifel, Nordrhein-Westfalen. Foto: Thomas Witzke.

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5.4. Erotische bis pornografische Zeichnungen und Inschriften

Nicht ungewöhnlich sind auch erotische bis pornografische Zeichnungen oder Inschriften. Das Spektrum reicht von sorgfältigen Zeichnungen bis hin zu schnellen Schmierereien.
Die erste Zeichnung, vermutlich aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts, zeigt einen Mann, der Sodomie mit einem Hund treibt. Man kann spekulieren, ob der Zeichner eine konkrete Person im Sinn hatte (die dann sicher auch den anderen Arbeitern bekannt war), und die Sodomie eher ein Symbol für die generelle Schlechtigkeit der Person ist, oder ob es einfach bedeutet "der ……. ist ein Schwein und treibt es auch mit Hunden". Eine andere Möglichkeit ist, dass der Zeichner generell ein Symbol für die Verkommenheit der Welt geben wollte.

Bild 5.4.01:
Zeichnung eines Mannes, der Sodomie mit einem Hund treibt. Wahrscheinlich 2. Hälfte 15. Jahrhundert. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke.

Bild 5.4.02:
Erotische Zeichnung, vermutlich nach 1900. Apostel-Grube, Maastricht, Niederlamnd. Foto: Thomas Witzke.

Bild 5.4.03:
Zeichnung, wahrscheinlich aus den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts. Grube Brefeld, Tarthun bei Staßfurt, Sachsen-Anhalt. Foto: Thomas Witzke.

Bild 5.4.04:
Zeichnung. Segen-Gottes-Schlotte, Wettelrode, Sachsen-Anhalt. Foto: Michael Pfefferkorn.

Bild 5.4.05:
Bild aus dem Molchner Stollen, Pobershau, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Holger Lausch.

Bild 5.4.06:
Bild aus der Grube Methusalem, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Holger Lausch.

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5.5. Inschriften und Zeichnungen mit politischem Hintergrund

Hinterlassenschaften aus dieser Kategorie dürften eher die Ausnahme sein. Ein besonders schönes Beispiel aus der Zeit der ersten Jahre der DDR ist in der Kupfergrube Sadisdorf zu sehen.

Bild 5.5.01: Zeichnung in der Kupfergrube Sadisdorf, Erzgebirge, Sachsen, um 1950. Foto: Thomas Witzke.

Wahlkampf für die USPD von 1920 findet sich in der Grube Brefeld bei Staßfurt. Wahlkampf-Inschriften sind mir bisher aus keiner weiteren Grube bekannt, deshalb dürfte es sich hier um ein recht bemerkenswertes Dokument handeln. Das verdrehte "S" in der Inschrift USPD ist noch an einer anderen Stelle in der Grube zu finden gewesen.

Bild 5.5.02: Wahlkampf für die USPD, vom 6.6.1920. Grube Brefeld, Tarthun bei Staßfurt. Grube Brefeld, Tarthun bei Staßfurt, Sachsen-Anhalt. Foto: Thomas Witzke.

Das im folgenden Bild erkennbare, eingeritzte Zeichen (am Stoß oben, etwas rechts der Bildmitte) soll original aus der Mitte der Dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts stammen. Aber auch wenn es jünger ist, stellt es zweifellos eine politische Meinungsäußerung dar. Auf eine Nennung des Zeichens wird hier verzichtet, um ein Auffinden mittels Suchmaschinen zu verhindern. Um etwaigen Fragen gleich zu vorzubeugen: die Darstellung aus dokumentarischen Gründen ist gesetzlich gestattet und stellt keine Werbung für verfassungsfeindliche Organisationen dar. Die Darstellung steht in keinerlei Zusammenhang mit den persönlichen Ansichten des Autors.

Bild 5.5.03: Zeichen in der Grube Christbescherung, Großvoigtsberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Michael Pfefferkorn.

5.6. Inschriften und Zeichnungen mit religiösem Hintergrund

Die drei folgenden Bilder stammen aus einer Kalksteingrube südlich von Maastricht. Sie wurden wahrscheinlich von Mönchen des nahe gelegenen Klosters Slavante im 15. oder 16. Jahrhundert gezeichnet.

Bild 5.6.01: Zeichnung aus dem 15. oder 16. Jahrhundert in der Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke.

Bild 5.6.02: Zeichnung aus dem 15. oder 16. Jahrhundert in der Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke.

Bild 5.6.03: Weintrauben und der Gekreuzigte, Zeichnung aus dem 15. oder 16. Jahrhundert in der Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke.

Bild 5.6.04:
Inschrift "Hoc fecit (= dies hat gemacht) Willem Ejssen Anno 1744". Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke.

© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}

5.7. sonstige Inschriften, Sinnsprüche, Ermahnungen usw.

Besonders reich mit Sinnsprüchen und Ermahnungen sind die Wände der Kammer für die Fördermaschine des Blindschachtes in der Kupfergrube Sadisdorf im Erzgebirge versehen.
So finden sich hier die Inschriften, die der Maschinist die ganze Zeit vor Augen hatte:
"Aufmerksam u. sauber ist deine Pflicht. Drum, Maschinist, vergiß es nicht.".
"Edel sei der Bergmann hilfreich und gut".
"Es grüne die Tanne, es wachse das Erz. Gott schenk uns Bergleut ein fröhliches Herz.Glück Auf.", und darunter, kaum noch zu entziffern "Fang deine Arbeit munter an, so ist sie auch schon halb getan".
"Bergmannsblut hat frohen Mut" (hier nicht im Bild dargestellt).

Bild 5.7.01: Inschrift in der Kupfergrube Sadisdorf, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Thomas Witzke.

Bild 5.7.02: Inschrift in der Kupfergrube Sadisdorf, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Thomas Witzke.

Bild 5.7.03: Inschrift in der Kupfergrube Sadisdorf, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Thomas Witzke.

Nur schwach und in schwer lesbarer Sütterlin-Schrift um 1900 in einen Stoß mit einer ebenen Schieferfläche gekratzt ist der folgende Spruch aus der Grube Wohlfahrt in Rescheid, Eifel:

"Mensch bedenk du hast Verstand
drum scheiß in die Rösch und nicht
auf den Rand"

Bild 5.7.04: Inschrift in der Grube Wohlfahrt, Rescheid, Eifel, Nordrhein-Westfalen. Foto: Thomas Witzke.

Gelegentlich finden sich boshafte, spöttische und ironische Inschriften oder Karikaturen. Ein Beispiel dafür ist in der Grube Reiche Zeche, Freiberg zu sehen. Hier hat jemand Kritik an einer bemerkenswerten Form des Ausbaus geübt:
"Den Berggeist aus den Latschen haut / solcher Fromms wie Osmi baut".

Bild 5.7.05: Eine boshafte Inschrift. Reiche Zeche, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Thomas Witzke.

Interessante Begebenheiten abseits des offiziellen Grubenbetriebes dürften sicher recht selten vermerkt worden sein. Bemerkenswert ist hier eine Inschrift in der Kalksteingrube St. Pietersberg, Maastricht, von 1630.

Bild 5.7.06: Inschrift von 1630, Nördliches Gangsystem, St. Pietersberg, Maastricht. Foto: Thomas Witzke.

Die Inschrift lautet:

LE VALEREVX BeLgi
DANS Ce LIEV SA TROVVE
VYNE CRAINNOIT PERSONNE
QVY GRAND QVIL EVSTET
Ce IOVRDHVY NOS DEMAND
eT MeRCY eT PAD(?)ON
PRESANTANt NVS DONNeR
DEVX CARL D OR PATACON
MAIS eSTANT PLVS DISCRet
QVE DE PRENDRe SON ARgEN
NOVS L AVONS LAPIDe eT
FASTONNE TRES BIeN

SILVIVS eT GHYS EN
L’AN 1630
Le 5 d AVRIL
2 HeVRS APRES DINE

Die Übersetzung lautet:

Die tapferen Belgier
An dieser Stelle
hat sich eine feige (?) [oder verängstigte ?] Person befunden,
die großzügig wie sie war,
uns heute um Gnade
und Vergebung bat,
währenddessen sie uns zwei falsche [oder wertlose ?] goldene
Karlsmünzen (Carl d’or) angeboten hat.
Aber zu bescheiden
um ihr Geld anzunehmen,
haben wir sie mit Steinen beworfen
und sehr gut gefesselt.

Silvius und Ghys,
Im Jahre 1630,
am 5. April,
2 Stunden nach dem Abendessen

Die Grube war rund 800 Jahre in Betrieb. Ein Teil der Grube, in der sich auch die Inschrift befindet, war zeitweise frei zugänglich und hier konnte jeder, der Baumaterial benötigte, gegen ein Entgelt Kalkstein brechen.
Für die Übersetzung sei an dieser Stelle Robert Vercauteren (Brüssel) und Eric Welling (Köln) ganz herzlich gedankt. Zum historischen Hintergrund hat Eric Welling folgendes angemerkt:
"Im historischen Rahmen kann man die Inschrift durchaus als authentisch betrachten. Von 1568 bis 1648 (Frieden von Münster) herrschte in den historischen Niederlanden der 80-jährigen Krieg (vgl. in Deutschland der 30-jährige Krieg). Die nördlichen, protestantischen Holländischen Staaten kämpften gegen die Spanisch-besetzten, katholischen südlichen Niederlanden (etwa Flandern). Auf beiden Seiten kämpften vor allem Söldner, die hauptsächlich aus den Deutschen Ländern (wie etwa Wilhelm von Oranien) und Frankreich kamen. Maastricht (und die direkte Umgebung) war eine Enklave der Holländischen nördlichen Protestanten (Geuzen) in den südlich, Spanisch-besetzten Niederlanden.
Der Text kann sowohl wörtlich, aber auch ironisch gemeint sein.
Maastricht (Fr. Maestricht) hat immer mehr oder weniger an der Sprachgrenze zwischen Holländisch/Flämisch und Französich gelegen. Das ist auch heute noch so. Die Sprachgrenze verlief damals von Maastricht bis etwa nördlich der Normandie.
Carl d’or: Goldene Münze des Kaiser Karl V. Das Geldstück hatte ein Gewicht von 2,91gr, Goldanteil nur 0,583% (14 Karat)."

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4. Tafeln zu bestimmten Ereignissen

Geschrieben von MichaP

4. Tafeln zu bestimmten Ereignissen

In diesem Kapitel sollen Tafeln behandelt werden, die sich mit speziellen Ereignissen, Unfällen, Besuchen hoher Persönlichkeiten, Einführung technischer Neuerungen, Fertigstellung von Einrichtungen usw. beschäftigen.

4.1. Tafeln mit Jahreszahlen

Einfachste Form der "Ereignistafeln" sind Tafeln mit Jahreszahlen. Sie dürfen nicht verwechselt werden mit den Jahrestafeln aus Kapitel 1, da sie nicht den zu dem jeweiligen Jahresende erreichten Vortrieb, sondern die Fertigstellung von Einrichtungen, Gewölbemauern, Ausbau usw. belegen. Sie können zu einem beliebigen Zeitpunkt im Jahr angefertigt worden sein.

Bild 4.1.01:
Tafel mit Jahreszahl 1603. Die 3 ist spiegelverkehrt eingeschlagen. Himmelfahrt Fundgrube, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: anonym (1).

Bild 4.1.02:
Tafel mit Jahreszahl 1730 und dem Namen Cacob Creitziger in einem Gewölbe. Müdisdorfer Rösche bei Brand-Erbisdorf, Erzgebirge, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Bild 4.1.03:
Tafel mit Jahreszahl 1797 in einem Gewölbe. Der Stein ist etwa 3 – 4 cm erhaben eingesetzt. Thelersberger Stollen, Brand-Erbisdorf, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Bild 4.1.04:
Jahreszahl 1849 in einem Gewölbe. Sie dokumentiert die Fertigstellung des Gewölbes. Grube Himmelfahrt, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Bild 4.1.05:
Tafel mit Jahreszahl 1851 in einem Gewölbe, aus dem Neuhoffnung Stollen, Kamsdorf, Thüringen. Foto Michael Pfefferkorn.

Bild 4.1.06:
Tafel mit Jahreszahl 1943 – 44 in einer Mauer in der Grube Brefeld, Tarthun bei Staßfurt, Sachsen-Anhalt, errichtet während der Nutzung als Munitionslager. Foto Thomas Witzke.

Auch wenn die folgende Tafel von 1948 aus der Grube Morgenstern bei Freiberg in ihrer Ausführung den dort üblichen Jahrestafeln (siehe Kapitel 1.2.) entspricht, ist sie sicher nicht als eine solche einzuordnen. Sie stammt aus der Zeit, als die SAG Wismut einen kurzzeitigen Abbau in der Grube betrieb.

Bild 4.1.07:
Tafel mit Jahreszahl 1948. Grube Morgenstern, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

4.2. Durchschlagstafeln

Die folgende Tafel in der Müdisdorfer Rösche bei Brand-Erbisdorf enthält folgenden Text:
"ANFANG Q(uartal) R(eminiscere) 1787 DURCH Q R 1790 25 La(chter)" und Nameskürzel.

Bild 4.2.01:
Durchschlagstafel. Müdisdorfer Rösche bei Brand-Erbisdorf, Erzgebirge, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Es gibt im Freiberger Revier auch Durchschlagstafeln, die in der Ausführung den Jahrestafeln entsprechen, und in einer kontinuierlichen Folge von Jahrestafeln aus beiden Richtungen des Vortriebs auftreten.

Bild 4.2.02:
Durchschlagstafel von 1795, aus der Grube Gesegnete Bergmannshoffnung, Obergruna bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Bild 4.2.03:
Durchschlagstafel von 1814 aus der Grube Reiche Zeche, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Bild 4.2.04:
Durchschlagstafel mit Inschrift
"10t AbRIL 1791"
, Tiefer Georgstollen, Harz, Niedersachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Auch aus jüngerer Zeit sind Durchschlagstafeln bekannt. Das folgende Bild zeigt eine derartige Tafel von 1943 aus der Grube Büchenberg, Richtstrecke 50 m-Sohle, zwischen Rothenbergschacht und Gräfenhagensbergschacht.

Bild 4.2.05:
Durchschlagstafel, 31. 8. 1943. Grube Büchenberg, Harz, Sachsen-Anhalt.

© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}

4.3. Unfalltafeln

Die folgende Tafel aus dem Freiberger Revier (Grube St. Donat, 4. Donater Schacht) soll nur vorläufig hier eingeordnet werden, da ihre Bedeutung nicht geklärt ist. Gegenwärtig gibt es mehrere Deutungen. Eine Erklärung geht von einer Unfalltafel aus. Demnach wäre hier im Jahre 1576 ein Hans Benel (das N im Vor- und Nachnamen ist auf der Tafel nur durch einen Strich angegeben) verunglückt. Dafür würde das Kreuz sprechen, dagegen aber die Tatsache, dass Unfalltafeln im Freiberger Revier unüblich waren. Die zweite Deutung geht von einem reichen Erzanbruch an dieser Stelle aus. Die Grube hat im Zeitraum 1524 – 1591 lediglich von 1575 – 1577 Ausbeute geliefert, danach verschwand sie wieder in der Bedeutungslosigkeit. Das höchste Silberausbringen mit 145 kg wurde 1576 erzielt. Schwierig ist nach dieser Deutung allerdings das Kreuz zu erklären, denkbar ist, dass es ein Symbol für die Dankbarkeit für den Erzanbruch wäre. Weiterhin hat es im Freiberger Revier erheblich größere Erzanbrüche gegeben, die nicht durch Tafeln gewürdigt sind. Eine dritte Deutung wäre ein Durchschlag zu einem Entwässerungsstollen, durch den der Abbau in tieferen Grubenteilen möglich wurde und damit auch die stark gestiegenen Erzlieferungen erklärt werden können. Das Kreuz könnte dann wieder die Dankbarkeit symbolisieren, unklar wäre aber die Bedeutung des Namens.
Die Tafel ist auf mehreren Grubenrissen vermerkt. Angaben zur Person Hans Benel sind bisher nicht bekannt. Zechenregister von St. Donat aus dieser Zeit fehlen. Im Freiberger Bürgerbuch taucht Hans Benel nicht auf, was aber nur bedeutet, dass er kein Hausbesitzer war oder in einer Vorstadt gewohnt haben kann.
In Zusammenhang mit dieser Tafel steht eine vermutlich in der Mitte des 18. bis Anfang des 19. Jahrhunderts entstandene Sage, auf die von KUGLER (1998) näher eingegangen wird. Die Sage handelt von dem armen Bergknecht Hans, der Hilfe von einem Berggeist bekommt, dafür aber Schweigen bewahren muss. Beim reichlich genossenen Bier plaudert er das Geheimnis aus. Dafür wurde er vom Berggeist umgebracht. Die Haspelknechte konnten ihn nur noch tot im Kübel bergen. Armut-Beschenkung-Geheimnisverrat-gewaltsamer Tod ist ein typisches Sagenmotiv. Die konkrete Bedeutung der Tafel war offenbar schon im 18. Jahrhundert nicht mehr bekannt, was Anlass zur Entstehung der Sage gab.

Bild 4.3.01:
Tafel mit Kreuz und Inschrift Hans Benel, Grube St. Donat, Revier Himmelfahrt Fundgrube, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Michael Pfefferkorn.

Die folgende Tafel ist ebenfalls möglicherweise eine Unfalltafel. Sie befindet sich auf dem Samuel-Spat, Moritz Stollen in Zug, Erzgebirge.

Bild 4.3.02:
Fragliche Unfalltafel, Moritz-Stollen, Zug bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Michael Pfefferkorn.

4.4. Tafeln zum Besuch hoher Persönlichkeiten

Zwei sehr schön gearbeitete Tafeln zum Besuch von König Friedrich August im Jahr 1852 und König Johann mit Prinz Georg im Jahr 1855 befinden sich im Rothschönberger Stollen in Sachsen. Der Besuch unterstrich auch die Bedeutung des Stollens für das Freiberger Revier.

Bild 4.4.01:
Tafel zum Besuch von König Friedrich August 1852. Rothschönberger Stolln, Sachsen. Foto: Michael Pfefferkorn.

Bild 4.4.02:
Tafel zum Besuch von König Johann und Prinz Georg 1855. Rothschönberger Stolln, Sachsen. Foto: Michael Pfefferkorn.

Eine leider recht schlecht erhaltenen Tafel zum Besuch von Prinz Friedrich von England findet sich im Mundlochbereich des Tiefen Georg Stollens im Harz.

Bild 4.4.03:
Tafel zum Besuch von Prinz Friedrich von England. Tiefer Georg Stollen, Bad Grund, Harz, Niedersachsen. Foto: Michael Kitzig.

Der schwer lesbare Text lautet:
IHRO KÖNIGL. HOHEIT
DER
PRINZ FRIEDRICH
VON ENGLAND
PRINZ BISCHOF
ZU OSNABRÜCK
GERUHETEN
IN HOHER PERSON
DEN TIEFEN GEORG S
(TOLLEN)
ZU BEFAHR(EN)
DEN 15TEN JUNIU(S 1781)
(GLÜCK AUF)

Der letzte Teil ist beschädigt bzw. nicht sichtbar.

Literatur: J. KUGLER (1998): "Der Berggeist von St. Donat" – eine Freiberger Sage und ihre Entstehung.- Schriftenreihe: Akten und Berichte vom Sächsischen Bergbau, Heft 10. Jens Kugler Verlag, Kleinvoigtsberg.

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4.5. Tafeln zu sonstigen besonderen Ereignissen

Bild 4.5.01:
Schießtafel, Grube Alte Elisabeth, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Thomas Witzke.

Diese und die auf dem gegenüberliegenden Stoß befindliche Tafel dokumentieren das Einführen des Schießens aus dem Ganzen 1767 im Freiberger Revier. Die mit viel Text versehene Tafel auf dem gegenüberliegenden Stoß befindet sich (Stand Januar 2002) durch zum Teil abgeblätterte Ausmalung leider in einem Zustand, durch den auf Fotos praktisch nichts von der Schrift zu erkennen ist.

Auf der deshalb hier nicht im Foto dargestellten Tafel ist folgender Text zu lesen:
Auf Hohe
Anordnung Einer Hohen
Revisions Comision, ist un
ter Aufsicht des dermalige
He. Stollgeschw. P.G. Klems ud
[= und]
St. Ob. str. [= Stolln-Obersteiger] J.C.H. Heinets QV.
Crv 1767 No. 7 bis ud mit No. 10 W
mit belegung doppelter mannschaft
zu 4 st. die Einrichtung mit schüsen
außn gantzen gemacht ud mit
12 Häuern in 4 S.G.
[= Sondergedingen] beÿ 1 lr. Höhe
4 ½ lr. länge vorhero aber durch
6 Häuer in 4 SG beÿ ¾ Lr. Höhe
1 ½ Lr. auf gefahren woden.
A.C. ENGELHARDT.

Bild 4.5.02:
Spundtafel, auf dem Sonne Stehenden, Nähe des Inslerschachtes, Zug bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Michael Pfefferkorn.

Die Tafel gibt an, dass 1850 auf einer Länge von 218,85 Lachter der Gang verspundet und Gefluterkästen gebaut wurden, um die Wässer abzuleiten. Diese Einbauten haben erhebliche Kosten verursacht und man war zu Recht stolz auf diese Leistung und hat dies deshalb mit einer großen Tafel gewürdigt.

Text auf der Tafel:
Diese Spundstücken von Insler bis Neu
glück Spat, als 57 Paar von 19 ¾ Zoll mere Höhe
u. __Zoll zur Weite, 72 Paar von 16 ¾ Zoll mr. Höhe u.
2_ Zoll zur Weite sind an Quart Cruc. 1850 gelegt
worden. Die sämtl Läge beträgt 218,85 Lachter

Im Rothschönberger Stollen, der das Freiberger Revier entwässert, gibt es zwei Tafeln zu Hochwasserereignissen 1897 und 2002. In beiden Fällen gab es einen Verbruch im Bereich des Halsbrücker Spates und es mussten Umfahrungen angelegt werden.

Bild 4.5.03:
Tafel zu dem Bruch nach dem Hochwasser 1897. Rothschönberger Stollen, Bereich 7.- 8. Lichtloch, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Holger Lausch.

Text auf der Tafel:
Durch das Hochwasser am 30./31. Juli 1897 wurde das
Sandsteingewölbe bei dem übersetzenden Halsbrücker
Spat durchbrochen und der Stolln auf 578 m Länge
bis 2,35 m. Höhe durch Bergmassen verschüttet. Nach
Aufgewältigung dieser Massen wurde dieser Um-
bruch 108 m. lang geschossen, beim übersetzenden Spat
auf 25,5 m. Länge mit Beton und Ziegelgewölbe verwahrt,
der verbrochene Hauptstollnort aber durch zwei 3 m.
starke Ziegelverspünden vermauert.
Diese Arbeiten wurden
begonnen
am 19 / VIII 1897
beendet
am 31. / I 1900
Stephan. Betriebsdirektor.
Lissner. Obersteiger.

Bild 4.5.04:
Tafel zu dem Bruch nach dem Hochwasser 2002. Rothschönberger Stollen, Bereich 7.- 8. Lichtloch, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Holger Lausch.

Im Ernst-August-Stollen im Harz findet sich eine Tafel "Anfang am 1ten April 1871", die den Ort und den Zeitpunkt des Beginns der Auffahrung des Lautenthaler Flügelorts angibt.

Bild 4.5.05:
Tafel im Ernst-August-Stollen, Harz, Niedersachsen. Foto: Michael Pfefferkorn.

© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren

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3. Fund- und Gangtafeln, Tafeln zur Orientierung und Bezeichnung

Geschrieben von MichaP

3.1. Fundtafeln

Fundtafeln sind eine Besonderheit des Freiberger Reviers und nur aus der Zeit von 1785 bis etwa 1815 bekannt. Obwohl sie auch markscheiderische Punkte darstellen, sollen sie hier wegen ihrer großen Verbreitung im Freiberger Revier in einem speziellen Kapitel behandelt werden. Gleichzeitig stellen die Fundtafeln auch "Ereignistafeln" (siehe Kapitel 4) dar, da sie das Auffinden eines Ganges belegen. Als Vorläufer der Fundtafeln sind die in Kapitel 2 behandelten Tafeln zu Grubenmittelpunkten zu betrachten.
Das Freiberger Bergamt erließ 1785 im Quartal Reminiscere ein Regulativ, das hier nach Adlung (1999) zitiert werden soll:

"… Künftig hin sollen nach der Bestätigung einer Fdgr. auf einem im Freyen liegenden oder ganz unverliehenem Gang, so wie es in vorigen Zeiten gehalten worden sey, von den Herrn Reviergeschwornen die Fundstätte angehauen werden sollte, wodurch viele Streitigkeiten für die Zukunft verhindert werden können. Es sind dahero die die Herrn Reviergeschwornen angewiesen worden, dass jeder derselben nach jedesmaliger Bestätigung einer Fdgr. auf einem in sr. Revier liegenden Gange die Fundstätte mit dem Signo benebst den Anfangsbuchstaben von dem Namen der Grube und die Jahreszahl an einem schükl. Orte, und zwar, wenn der Fund in der Grube angegeben worden, im Hangenden oder Liegenden, wenn aber der Fund über Tag angegeben worden, auf den dießfalls zu setzenden Fundstein einhaun, dessen auch in dem nächst darauf einzureuchenden Fahrbögen gedenken und dabey den Ort, wo die Fundstätte eingehauen, oder wie weit der Fundstein ins Hangende oder Liegende des Ganges gesetzt worden genau bestimmen soll. Von jeder solcher dergestalt eingehauenen Fundstätte aber solle den H. Reviergeschwornen, wie schon fast gewöhnlich gewesen, 8 gr. Im Register der Grube passierlich verschrieben werden. …"

Die den Tafeln zugrunde liegende Stufe entspricht dem in Kapitel 2 beschriebenen Verstufungssymbol, dem Doppelkreuz.
Neben der Dokumentation der Ansprüche der Fundgrübner ließen sich die Fundtafeln auch zu markscheiderischen Zwecken verwenden. Deshalb sind in ihnen häufig Bohrlöcher für Holzdübel zu sehen.
Ausführung und Größe der Tafeln ist sehr unterschiedlich, ebenso die Gestaltung der Buchstaben auf den Tafeln. Die Tafeln wurden meist ins anstehende Gestein geschlagen, es finden sich jedoch auch Exemplare, die übertage gefertigt und dann in vorbereitete Nischen eingesetzt wurden. Den Tafeln gemeinsam ist, dass sie die abgekürzte Gangbezeichnung, die Jahreszahl vom Fund sowie das Namenskürzel des Geschworenen tragen.
Nach einer Schätzung von St. Adlung wurdem im Freiberger Revier etwa 250 bis 300 Fundtafeln geschlagen.
In Folgenden sollen einige Beispiele für Fundtafeln aus dem Freiberger Revier vorgestellt werden.

Bild 3.1.01:
Fundtafel in der Grube Alte Hoffnung Gottes, Kleinvoigtsberg bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Bedeutung der Abkürzungen: Friedrich Spat, 1788, Johann Carl Gottlieb Beutel, Geschworner. Beim Schlagen der Kürzel wurde ein Feld zu tief angefangen. Foto Thomas Witzke.

Bild 3.1.02:
nicht beendete Fundtafel, Grube Alte Hoffnung Gottes, Kleinvoigtsberg bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Bedeutung der Abkürzungen: Friedrich Spat, 1788, Johann Carl Gottlieb Beutel, Geschworner. Foto Thomas Witzke.

Bild 3.1.03:
Fundtafel, Tiefer Alte Hoffnung Gottes Erbstolln, Kleinvoigtsberg bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Bedeutung der Abkürzungen: Burkhardt Stehender, 1790, K…… Geschworner. Foto Thomas Witzke.

Bild 3.1.04:
Fundtafel, Grube Reiche Zeche, Freiberg, Sachsen. Bedeutung der Abkürzungen: Jung Elisabeth Stehender, 1789, K….. Geschworner. Foto Thomas Witzke.

Bild 3.1.05:
Fundtafel, Querschlag zwischen Thurmhofer Hilfsstolln und Hoffnung Schacht, Grube Reiche Zeche, Freiberg, Sachsen. Bedeutung der Abkürzungen: Carolus Stehender, 1809, Unger Geschworner. Foto Thomas Witzke.

Bild 3.1.06:
Fundtafel, Grube Trau auf Gott Erbstolln, Lichtenberg bei Freiberg, Sachsen. Bedeutung der Abkürzungen: Trau auf Gott Stehender, 1815, N…… Geschworner. Foto Thomas Witzke.

Bild 3.1.07:
Eingesetzte Fundtafel, Ludwig Flacher, 1793, Gottlob Abraham Klemm, Geschworner. Brand-Erbisdorf bei Freiberg, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Bild 3.1.08:
Fundtafel, Friedrich Stehender, 1803, N.N. Hensel Geschworner, daneben Jahrestafel von 1802. Brand-Erbisdorf bei Freiberg, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Bild 3.1.09:
Fundtafel, Alt Molchner Stehender, 1806, David Gottlob Friedrich Braune, Geschworner. Brand-Erbisdorf bei Freiberg, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Auch aus anderen Revieren sind Fundtafeln bekannt, jedoch in völlig anderer Gestaltung.

Bild 3.1.10:
Fundtafel, Amandus Flacher, Grube Vater Abraham, Marienberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto anonym (1).

Literatur:
ST. ADLUNG (1999): Markscheiderische Tafeln und Inschriften im sächsischen Erzbergbau.- Schriftenreihe Akten und Berichte vom sächsischen Bergbau, Heft 22. Jens-Kugler-Verlag Kleinvoigtsberg

© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}

3.2. Gangtafeln

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verloren die Fundtafeln im Freiberger Revier ihre Funktion und wurden durch Gangtafeln verdrängt. Die Gangtafeln zeigen üblicherweise nur noch die Gangbezeichnung. Auch diese Tafeln wurden meist in das Gestein geschlagen, aber auch eingesetzte, übertage vorbereitete Tafeln finden sich.

Bild 3.2.01:
Gangtafel, Benjaminspat, Himmelfahrt Fundgrube, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Bild 3.2.02:
Gangtafel, Glückauf Spat, Himmelfahrt Fundgrube, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Bild 3.2.03:
Gangtafel, Ernst Morgengang, Himmelfahrt Fundgrube, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Bild 3.2.04:
Gangtafel, Freundliche Gesellschaft Flacher, Himmelfahrt Fundgrube, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Bild 3.2.05:
Gangtafel, Krieg und Friede Stehender, Himmelfahrt Fundgrube, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Bild 3.2.06:
Gangtafel, Julius Stehende oder Seliger Trost Flacher, Himmelfahrt Fundgrube, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Bild 3.2.07:
Gangtafel, Thurmhof Stehender, Himmelfahrt Fundgrube, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Bild 3.2.08:
Gangtafel, Wille Gottes Spat, Thelersberger Stollen, Brand-Erbisdorf bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Bemerkenswert ist die folgende Gangtafel, neben der sich ein Markscheidekreuz mit Bohrloch für den Holzdübel befindet. Sie erinnert damit an die ursprüngliche Bedeutung als Fundtafel und markscheiderischen Vermessungspunkt.

Bild 3.2.09:
Gangtafel mit Markscheidekreuz, Gottlob Morgengang ehem. David Stehender, Davidschacht, Himmelfahrt Fundgrube, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Eher ungewöhnlich sind weitere Angaben auf Gangtafeln, wie hier in dem Beispiel aus Zug am Mendenschacht vom Leander Stehenden, Tiefer Fürstenstollen, mit Angabe der 71,4 Lachter Teufe unter Tage.

Bild 3.2.10:
Gangtafel mit Teufenangabe, Leander Stehender, Mendenschacht, Zug bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Bild 3.2.11:
Gangtafel, Hilfe des Herrn Spat und Flacher, mit Angabe 270 Lachter, Thelersberger Stollen, Brand-Erbisdorf bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Bild 3.2.12:
Gangtafel, Stolln Spat, mit Angabe 27 Lachter bis Endig-Schacht, Thelersberger Stollen, Brand-Erbisdorf bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Auch aus anderen Revieren sind Gangtafeln bekannt, wenn auch erheblich seltener als im Freiberger Revier und im allgemeinen weniger aufwändig gestaltet. Die folgenden zwei Bilder zeigen Beispiele aus dem Marienberger Revier.

Bild 3.2.13:
Gangtafel, Bauer Morgengang, Marienberger Revier, Erzgebirge, Sachsen. Vermutlich bei späteren Arbeiten (Wismut ?) beschädigt. Foto Jan Münch.

Bild 3.2.14:
Gangtafel, Elisabeth Flacher, Marienberger Revier, Erzgebirge, Sachsen. Foto Jan Münch.

© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}

3.3. Tafeln und Zeichen zu bestimmten Stollenniveaus und Schächten bzw. Markierung bestimmter Anlagen, Tafeln zur Orientierung

Im Folgenden werden Tafel oder Zeichen vorgestellt, die bestimmte Stollenniveaus oder Schächte bezeichnen oder untertägige Anlagen markieren. Sie belegen entweder das Erreichen eines bestimmten Ortes oder Niveaus und leiten damit zu den Vortriebs- oder Ereignistafeln über, oder dienen der Orientierung und Kennzeichnung. Auch der Repräsentationsgedanke spielte wohl bei einigen Tafeln eine Rolle.

Hier eine Tafel von 1795 im Gestängeort zum Kunstrad auf der 4. Gezeugstrecke im Beschert Glück Neuer Kunstschacht, Zug bei Freiberg, Sachsen.

Bild 3.3.01:
Tafel auf der 4. Gezeugstrecke, Beschert Glück Neuer Kunstschacht, Zug bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Von der Ausführung her wie die in Kapitel 3.2. beschriebenen Gangtafeln gestaltet, bezeichnet die folgende Tafel aber keinen Gang, sondern einen Schacht.

Bild 3.3.02:
Tafel am Kindschacht, Revier Himmelfahrt Fundgrube, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Für Umbrüche gibt es ebenfalls Tafeln im Freiberger Revier. Die Umbrüche sind nummeriert. Auch Lachterangaben sind vorhanden. Bemerkenswert ist die in Bild 3.3.04 dargestellte Tafel von Umbruch Nr. 19 (die Nummer befindet sich außerhalb des Bildausschnittes), auf der Bleistiftnotizen des Markscheiders zu erkennen sind.

Bild 3.3.03:
Tafel an einem Umbruch. Thelersberger Stollen, Brand-Erbisdorf, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Bild 3.3.04:
Tafel an einem Umbruch, mit Bleistiftnotizen des Markscheiders. Thelersberger Stollen, Brand-Erbisdorf, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Bild 3.3.05:
Tafel an einem Querschlag, 21 Lachter bis zum Auferstehung Christi Stehenden. Reiche Zeche, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Robert Brückl.

© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren

weiter zu 4. Tafeln zu bestimmten Ereignissen und Anlässen


2. Markscheiderische Zeichen, Tafeln und Markierungen, Grubenfeldgrenzen

Geschrieben von MichaP

In diesem Kapitel sollen die Zeichen, Tafeln, Inschriften und Markierungen zusammengefasst werden, die in Folge von markscheiderischen Vermessungen geschlagen oder angebracht und Grenzen bzw. bestimmte Punkte und damit im Zusammenhang stehende Rechtsansprüche markieren, Grubenfeldgrenzen markieren, markscheiderische Vermessungspunkte darstellen oder sonstwie der Markierung oder Orientierung dienen. Die Zeichen oder Inschriften können durch Bergbeamte oder durch den jeweiligen Eigentümer (bzw. in dessen Auftrag) angebracht werden. Eine spezielle Gruppe, die Fund- und Gangtafeln, die auch hier einzuordnen wäre, wird allerdings gesondert in Kapitel 3 vorgestellt.

2.1. Grubenfeldgrenzen

Die Vermessung von Grubenfeldern gehört zu den ältesten rechtlichen Praktiken, die mit dem Bergbau in Zusammenhang stehen. Notwendig wurden solche Vermessungen Übertage, aber auch Untertage, spätestens dann, wenn Gruben miteinander durchschlägig werden. Dann konnte es erforderlich sein, die Übertage festgelegten Grenzen nach Untertage zu übertragen. Abhängig von Zeit und Revier, konnten solche Grenzen dem Einfallen des Ganges nach unten folgen oder senkrecht nach unten verlaufen. Eine einfache und deutliche Möglichkeit, die Grubenfeldgrenzen Untertage darzustellen, ist das Einschlagen von Markierungen. Agricola (1557) schreibt, wie die Markscheider von Übertage gesetzten Steinen bzw. vom Grubenmittelpunkt – praktischerweise der Mittelpunkt des Haspelbaumes – nach unten messen und hier Zeichen einschlagen:

".. tzeigt er [der Markscheider – T.W.] an bey welchen ort / dz margkzeichen oder erbstuffen des stollens oder felorts seye zu schlahen. Es wirtt aber diß eingehauwen in bey sein / beider gschwornen steigern / und schichtmeistern: dann wie zugegen der Bergkmeister / diesen marckpfal in die erden schlecht / so schlecht auch der Marscheider ein streich in die gstein / von wegen der zeichen / die auch darum margkzeichen genandt werden. So er aber in schacht des gangs / der neuwlichen zehauwen ist angfangen / der massen margk setzet / so misset er erstmalen mit den Compaß / oder scheiben die schnür / so herzu gethon / die fleche des schachts / und verzeichnets mitt puncten / darnach alle felort / bis zu disem / in welches gstein die margkzeichen seindt zehauwen / aber alle ecken des felorts / misset er / und nach dem er die schnur in die fläche hatt außgstreckt / so streckt er zugleich / wie ich gsagt hab / die quärschnur / und hauwet ins gestein die zeichen. Wann aber in den margstein und erbzeichen / auch im felort / dz under ihnen ist / ein zeichen zehauwen ist / so hebt der marscheider von den zeichen an zumessen / und zeichnet jede winckell / und zu underst am felort / spandt er ein schnur / über dz selbig ort hinauß / in welches gstein er vermeint / das ein stuffen zuschlahen seye / als bald spannet er auß die schnur / wie ich offtmals gsagt hab auff die fläche. Wiewol aber der gang / im underen felort / anders dann im obern / in welchen das erst margkzeichen in stein gehauwen ist / streichett / so muß man doch gleich wol im underen felortt stracks im gestein ein magkzeichen hauwen. …"

Agricola schreibt nichts über das Aussehen der Stufen. Nach Adlung (1999) ist – zumindest für das Freiberger Revier – bis in das 15. Jahrhundert nichts urkundliches über das Aussehen der Zeichen übermittelt. Erst im Freiberger Bergschiedsbuch von 1525 – 1561 wird erwähnt, dass durch den Bergmeister oder Markscheider ein Kreuz ins Hangende als auch ins Liegende des Ganges geschlagen wurde. Vermutet wird jedoch, dass die Stufen vorher genauso ausgesehen haben.
Adlung (1999) berichtet auch von einem Beispiel aus dem Freiberger Revier, in dem die Kreuze nicht in die gegenüberliegenden Stöße geschlagen wurden, sondern an einem Stoß übereinander, da man auf der einen Seite wegen einem Schacht mit Beschädigungen rechnen musste.

Bild 2.1.01:
Markscheiderische Zeichen, zwei gegenüber liegende Kreuze. Grubenfeldgrenze, in einem Wasserlösungsstollen der durch mehrere Maaßen geht, Marienberger Revier, Sachsen. Foto: anonym (1).

Bild 2.1.02:
Markscheiderisches Zeichen, Grubenfeldgrenze. Am gegenüber liegenden Stoß befindet sich das zweite Kreuz. Linßgrube, Schönborn-Dreiwerden, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Bild 2.1.03:
Grubenfeldgrenze als Doppelkreuz. Am gegenüber liegenden Stoß befindet sich ebenfalls in Doppelkreuz (siehe Bild 2.1.04). Grube im Kiesholz, Marienberg, Sachsen. Zweite Hälfte 16. Jahrhundert. Übersichts- und Detailfoto. Foto Michael Pfefferkorn.

Bild 2.1.04:
Grubenfeldgrenze als Doppelkreuz, gegenüber liegender Stoß zu Bild 2.1.03. Foto Michael Pfefferkorn.

Auch größere Tafeln mit Abkürzungen der Grubennamen, Kürzeln der Namen der Bergmeister und Geschwornen sowie Jahreszahlen sind bekannt.

Bild 2.1.05:
Grubenfeldgrenze der Gelobt Land Fundgrube zur Donath Fundgrube auf dem Donath Spat. Thelersberger Stollen, Brand-Erbisdorf, Sachsen. Foto: Michael Pfefferkorn.

Vorläufig hier eingeordnet werden sollen die beiden folgenden Bilder aus einem Flügelort des Treue Gewerken Verbindlichkeit Stollens, ein Entwässerungsstollen im Kamsdorfer Revier, Thüringen. Bei den Stufen wird vermutet, dass es sich um Grubenfeldgrenzen handelt. Die Ausführung und die spezielle Markierung des Bohrlochs für den Holzdübel lassen eine besondere Bedeutung annehmen.

Bild 2.1.06:
Markscheiderisches Zeichen, vermutlich Grubenfeldgrenze, westliches Flügelort Treue Gewerken Verbindlichkeit Stollen, Kamsdorf, Thüringen. Foto Michael Pfefferkorn.

Bild 2.1.07:
Markscheiderisches Zeichen, vermutlich Grubenfeldgrenze, westliches Flügelort Treue Gewerken Verbindlichkeit Stollen, Kamsdorf, Thüringen. Foto Michael Pfefferkorn.

In den untertägigen Kalksteingruben bei Maastricht auf niederländischem und belgischem Gebiet finden sich Zeichen oder Inschriften als Grubenfeldmarkierungen. Die Konzessionen zum Bergbau auf Kalkstein wurden im Mittelalter wahrscheinlich vom Fürsten durch einen Bergmeister vergeben (Information Jacquo Silvertant, Maastricht). Die Zeichen befinden sich an der Firste. Durch die Abbautechnologie liegen sie heute meist in 8 – 12 Meter Höhe. Jeder Konzessionsinhaber verwendete ein spezielles Zeichen. Interessant ist, dass die Zeichen für die Konzessionen oft in Verbindung mit Warnzeichen stehen. Bei diesen Warnzeichen handelt es sich um Galgen oder Räder, die die Funktion von Piktogrammen haben und den Inhabern benachbarter Konzessionen verdeutlichen, dass ein Abbau über die Grenze Diebstahl bedeutet und die Todesstrafe zur Folge hat (siehe Kapitel 5.2).
Inschriften, die Eigentum an Grubenfeldern markieren, finden sich an den Stößen bzw. den Sicherheitspfeilern. Der Übergang von Eigentumszeichen zu Inschriften erfolgte etwa um die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert mit zunehmender Verbreitung der Kenntnisse in Lesen und Schreiben. Nach dem Mittelalter erfolgte die Konzessionsvergabe durch den Grundeigentümer.

Bild 2.1.08:
Zeichen zweier benachbarter Konzessionsinhaber zur Markierung der Grubenfeldgrenze. Vor 1500. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Die Zeichen befinden sich an der Firste in mehreren Metern Höhe. Foto Thomas Witzke.

Bild 2.1.09:
Zeichen eines Konzessionsinhabers zur Markierung der Grubenfeldgrenze, neben Galgen und Rad als Warnung gegen unerlaubten Abbau über die Feldgrenze. Vor 1500. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Die Zeichen befinden sich an der Firste in mehreren Metern Höhe. Foto Thomas Witzke.

Bild 2.1.10:
Zeichen zweier benachbarter Konzessionsinhaber zur Markierung der Grubenfeldgrenze. Daneben eine "Drachentöter"-Zeichnung mit unbekannter Bedeutung. Vor 1500. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Die Zeichen befinden sich an der Firste in mehreren Metern Höhe. Foto Thomas Witzke.

Bild 2.1.11:
Zeichen zweier benachbarter Konzessionsinhaber zur Markierung der Grubenfeldgrenze. Daneben ein Galgen als Warnung gegen unerlaubten Abbau über die Feldgrenze. Vor 1500. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Die Zeichen befinden sich an der Firste in mehreren Metern Höhe. Foto Thomas Witzke.

Bild 2.1.12:
Zeichen zweier benachbarter Konzessionsinhaber zur Markierung der Grubenfeldgrenze. Vor 1500. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Die Zeichen befinden sich an der Firste in mehreren Metern Höhe. Foto Thomas Witzke.

Bild 2.1.13:
Zeichen eines Konzessionsinhabers (eventuell der Prinzbischof von Lüttich) zur Markierung der Grubenfeldgrenze. Vor 1500. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Die Zeichen befinden sich an der Firste in mehreren Metern Höhe. Foto Thomas Witzke.

Bild 2.1.14:
Zeichen eines Konzessionsinhabers, der Prinzbischof von Lüttich, zur Markierung der Grubenfeldgrenze. Vor 1500. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Die Zeichen befinden sich an der Firste in mehreren Metern Höhe. Foto Thomas Witzke.

Bild 2.1.15:
Zeichen (zwei gegenüberliegende Kreuze) eines Konzessionsinhabers zur Markierung der Grubenfeldgrenze. Vor 1500. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Die Zeichen befinden sich an der Firste in mehreren Metern Höhe. Foto Thomas Witzke.

Bild 2.1.16:
Zeichen zweier benachbarter Konzessionsinhaber zur Markierung der Grubenfeldgrenze. Vor 1500. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Die Zeichen befinden sich an der Firste in mehreren Metern Höhe. Foto Thomas Witzke.

Bild 2.1.17:
Inschrift von Jan Bossen zur Markierung der Konzession, 16. Jahrhundert. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Die Zeichen befinden sich an der Firste in mehreren Metern Höhe. Foto Thomas Witzke.

Bild 2.1.18:
Inschrift und Zeichen von Peter Stas zur Markierung der Konzession, von 1584. Grubensystem Zonneberg, Masstricht, Niederlande. Foto Thomas Witzke.

Tafeln vom Erbbereiten

Das Erbbereiten war eine alte bergmännische Amtshandlung, bei der ein Grubenfeld mit besonderen, unanfechtbaren Bergbaurechten ausgestattet wurde. Voraussetzung war, daß Ausbeute erzielt wurde und Erze anstanden. Das Erbbereiten wurde mit besonderen Zeremonien veranstaltet. Die hohen Kosten gingen zu Lasten der Gewerken. Das Verfahren ist sehr alt, es wird bereits in einem Dokument von 1320 erwähnt. Der Begriff "Erbbereiten" ist wohl auf den Brauch zurückzuführen, das vermessene Feld zu Pferde abzureiten. Beim Erbbereiten werden übertage Lochsteine gesetzt. Ausgehend davon kann das Grubenfeld auch untertage vermessen werden, was z.T. durch Tafeln dokumentiert wird.

Bild 2.1.19:
Tafel zum Erbbereiten von 1750, Milde Hand Gottes, Brand-Erbisdorf, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Die Abkürzungen auf der Tafel bedeuten:
M(ilde) H(and) G(ottes) F(undgruben) E(nde)
                        17 + 50
I(ohann) E(manuel) S(tephani)     I(ohann) S(amuel) K(öhler)
B(erg) M(eister)       V(ice) B(erg) M(eister)
Bild 2.1.20:
Tafel zum Erbbereiten von 1697, Altmolchner Stehender (?), Brand-Erbisdorf, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Die Abkürzungen auf der Tafel bedeuten:
A(ndreas) S(üß) B(erg) M(eister)
I(ohann) A(ndreas) S(üß) V(ice) B(erg) M(eister)
A(ugust) B(eyer) M(ark)S(cheider) A(ndreas) T(ränkner) G(eschworner)

 

© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}

2.2. Grubenmittelpunkte

Bild 2.2.01:
Grubenmittelpunkt, Milde Hand Gottes, Brand-Erbisdorf, Erzgebirge, Sachsen. Foto: anonym (1).

2.3. Verstufungen

Beim Vortrieb von Entwässerungsstollen oder Stollenflügeln traten öfter Streitigkeiten mit den Gewerken der Gruben auf, zu denen sie durchschlägig werden sollten. Hier suchte man nach Möglichkeiten, die rechtlichen Probleme zu regeln. Eine Möglichkeit war, bestimmte Stufen an den Grenzen der Einzugsbereiche einzuschlagen. Damit werden auch finanzielle Ansprüche der Stöllner deutlich gemacht.
Eine der hier geschlagenen Stufen ist die sogenannte "Vierte-Pfennig-Stufe". Das Recht auf den Vierten Pfennig diente dazu, die Unkosten der Stöllner zu verringern. Dieses Recht trat bereits während des Vortriebs, sobald der Stollen die Grenze des Grubenfeldes erreichte, noch vor dem Durchschlag mit den Grubenbauen in Kraft. Die Gewerken der Grube zahlten ein Viertel der Unkosten der untertägigen Arbeiten. Es handelt sich um ein sehr altes Recht, welches schon in der Kuttenberger Bergordnung von 1300 erwähnt wird.
Um den Rechtsanspruch deutlich zu machen, schlug man gelegentlich eine Stufe beim Einkommen des Stollens in das Grubenfeld. Die Stufe markiert damit eine Grenze wie die weiter oben genannten Markscheidestufen, wurde jedoch auf Ersuchen der Stöllner geschlagen.
Im Erzgebirge ist die Stufe aus Grubenbauen des 16. Jahrhunderts bekannt, im 17. Jahrhundert kam sie hier außer Gebrauch.

Bild 2.3.01:
Vierte-Pfennig-Stufe. Grube im Kiesholz, Marienberg, Sachsen. Zweite Hälfte 16. Jahrhundert. Foto: Thomas Witzke.

Bild 2.3.02:
Vierte-Pfennig-Stufe. Grube im Kiesholz, Marienberg, Sachsen. Zweite Hälfte 16. Jahrhundert. Foto Michael Pfefferkorn.

Bild 2.3.03:
Vermutlich Vierte-Pfennig-Stufe, Treue Gewerken Verbindlichkeit Stollen, Kamsdorf, Thüringen. Foto Michael Pfefferkorn.

Wenn ein Stollen nicht weiter vorgetrieben bzw. von den Stöllnern aufgegeben wurde, kam ein anderes Zeichen zur Anwendung. Dieses Zeichen (gewöhnlich ein Doppelkreuz), die Verstufung, diente zur Abgrenzung der Rechtsansprüche alter und neuer Stöllner bei Wiederaufnahme. Die alten Stöllner hatten weiterhin Anspruch auf einen Teil des Stollenneuntels, falls der Stollen die Grube erreichte.
Das Verstufungszeichen ist aus dem Erzgebirge seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts bekannt. Es ist bis in die Vogesen verbreitet gewesen, wurde hier jedoch wohl gleich bei der Aufnahme eines Stollens geschlagen.

Bild 2.3.04:
Schwer erkennbares Verstufungszeichen. Treue Gewerken Verbindlichkeit Stollen in Kamsdorf, Thüringen. Foto Michael Pfefferkorn.

Gelegentlich wird auch ein senkrechter Strich mit drei Querbalken als Verstufungszeichen verwendet. Bekannt sind derartige Zeichen aus Johanngeorgenstadt/Sachsen und Kamsdorf/Thüringen. In Kamsdorf findet sich ein derartiges Verstufungszeichen am Julianestollen (ein bedeutender Entwässerungsstollen), wo der z.T. versetzte Albertgang einkommt, in der Nähe des Albertschachtes.

Bild 2.3.05:
Verstufungszeichen in einem alten Stollen nahe Schacht 120, Johanngeorgenstadt, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Bild 2.3.06:
Verstufungszeichen, am Julianestollen, Kamsdorf, Thüringen. Foto Thomas Witzke.

Auch ein einfaches Kreuz ist als Verstufungszeichen bekannt. Etwas ungewöhnlich ist jedoch bei dem folgenden Beispiel, dass die Tafel in die Ortsbrust geschlagen wurde, denn bei einer Neuaufnahme des Stollenvortriebs würde sie verloren gehen.

Bild 2.3.07:
Verstufung des Weistaubner Stollns, Pobershau, Erzgebirge, Sachsen, im Quartal Trinitatis 1835. Foto Michael Pfefferkorn.

Große Verstufungstafeln sind aus dem Freiberger Revier bekannt. Der fiskalisch vorgetriebene Rothschönberger Stollen, der bedeutendste Entwässerungsstollen des Freiberger Reviers, wurde gegen die von den jeweiligen Gruben aufzufahrenden Bereiche verstuft.
Die wohl schönste und aufwändigste Verstufungstafel überhaupt findet sich im Treue Sachsen Stolln bei Kleinvoigtsberg. Auch sie zeigt ein Doppelkreuz als Verstufungszeichen.

Bild 2.3.08:
Verstufung des Rothschönberger Stollens, Bereich 7. – 8. Lichtloch, Erzgebirge, Sachsen. Foto Holger Lausch.

Der Text auf der Tafel lautet:

Fortsetz. d.
Rschb. Stolln
im Innern d.
Freib. Revier
v. Cotta Bergr.
Beuneman Stollnf
Butze Stollnobstgr.
Fiscal.
Rschb. Stolln.
verstufft
d. 12. April 1877
Müller, Ob-Bergr.
Richter, Berginsp.
Johst, Bergverw.
Bild 2.3.09:
Verstufung des Rothschönberger Stollens gegen den Beihilfe Erbstollen, Bereich 7. – 8. Lichtloch, Erzgebirge, Sachsen. Foto Holger Lausch.

Bild 2.3.10:
Verstufungstafel des Treuer Sachsen Stollen gegen den Tiefe Hilfe Gottes Stollen. Kleinvoigtsberg bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Michael Pfefferkorn.

Der Text auf der Tafel lautet (aus ADLUNG, 1999):

Bild 2.3.11:
Verstufungstafel des Treuer Sachsen Stollen gegen den Tiefe Hilfe Gottes Stollen, daneben die im folgenden Bild dargestellte Tafel. Kleinvoigtsberg bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Michael Pfefferkorn.

Bild 2.3.12:
Die 4 Meter neben der Verstufungstafel befindliche Tafel, die die Entfernung zum Peter Fundschacht angibt. Kleinvoigtsberg bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Michael Pfefferkorn.

© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}

2.4. Markscheiderische Fixpunkte (Polygonpunkte)

Markscheiderische Fixpunkte (Polygonpunkte) wurden erst mit umfangreichen Vermessungsarbeiten wie sie zur Erstellung von Rissen notwendig sind, erforderlich. Sehr alte Polygonpunkte sind deshalb nicht zu erwarten. Besonders im 16. und 17. Jahrhundert wurde vielfach nur mit an geeigneter Stelle eingeklemmten Holzstöcken gearbeitet. Derartige Vermessungshilfen haben sich gelegentlich bis heute erhalten.
Kompliziertere Vermessungsarbeiten erforderten feste Polygonpunkte, die auch nach einiger Zeit wieder gefunden werden mussten. Dazu schlug man Stufen in Form eines Kreuzes ins Gestein. Häufig weisen sie im Zentrum ein Bohrloch für den Holzdübel auf. An einer Schraube im Dübel konnte dann die Lachterschnur befestigt werden.
Zuweilen sind neben den Kreuzen auch andere Zeichen verwendet worden.
Mit der Einführung des Theodoliten zur Vermessung und dem Wegfall der Lachterschnur kamen diese Zeichen außer Gebrauch und wurden durch aufgehängte Plaketten oder Tafeln ersetzt.

Bild 2.4.01:
Markscheidekreuz mit Bohrloch und Holzdübel. Reiche Zeche, Freiberg, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Bild 2.4.02:
Markscheidekreuz. Freudenstein Erbstolln, Halsbrücke bei Freiberg, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Bild 2.4.03:
Markscheidekreuz. Rheinisch Wein, Halsbrücke bei Freiberg, Sachsen. Foto Holger Lausch.

Bild 2.4.04:
Markscheidekreuz. Neuhoffnung Stollen, Kamsdorf, Thüringen. Foto Thomas Witzke.

Bild 2.4.05:
Markscheidekreuz und Gedingezeichen. Juliane-Stollen, Kamsdorf, Thüringen. Foto Thomas Witzke.

Bild 2.4.06:
Markscheidekreuz in der Tiefen Rösche, Thurm Rosenhof, Clausthal, Harz, Niedersachsen. Foto Thomas Witzke.

Bild 2.4.07:
Markscheidekreuz, 1879. Grube Wohlfahrt, Rescheid, Eifel, Nordrhein-Westfalen. Foto Thomas Witzke.

Bild 2.4.08:
Markscheidekreuz, wahrscheinlich 16. Jahrhundert. Stüblbau der Goldlagerstätte Schellgaden, Lungau, Salzburg, Österreich. Foto Christian Auer.

Zeichen zur Höhenmessung oder -markierung ?

Vermutlich zur Höhenmarkierung und -messung könnte das folgende, nur aus einem waagerechten Strich bestehendes Zeichen von etwa 4 x 1 cm Abmessung gedient haben. Es findet sich mehrfach in den Resten des ursprünglichen, aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammenden Teilen der Müdisdorfer Rösche bei Brand-Erbisdorf im Freiberger Revier. Damit könnte das Gefälle in der Rösche festgelegt worden sein. Eine andere Möglichkeit ist, dass es sich um ein Vortriebszeichen handelt.

Bild 2.4.09:
Vermutlich Zeichen zur Höhenmessung und -markierung, Müdisdorfer Rösche, Müdisdorf bei Brand-Erbisdorf, Sachsen. Zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts. Foto Thomas Witzke.

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2.5. Andere markscheiderische Tafeln und Zeichen

Eine sehr schöne Markscheidetafel findet sich im Bereich des 12. Stollenortes auf dem Tiefen Georg Stollen (getrieben 1777 – 1799) im Oberharz. Bis zur Fertigstellung des Ernst August Stollens war er der wichtigste Erbstollen für den gesamten Oberharz. Die Tafel stammt aus der Zeit um 1779 und zeigt die Krone für den königlichen Stollen und die Nameskürzel der für den Stollenbau bedeutendsten Männer: HCFVRBH = Herr Claus Friedrich Von Reden Berg Hauptmann, sowie HGAST = Herr Georg August Stelzner (Oberbergmeister).

Bild 2.5.01: Markscheidetafel mit Nameskürzeln. Tiefer Georg Stollen, Harz, Niedersachsen. Foto Michael Kitzig.

Bild 2.5.02: Markscheidetafel mit Nameskürzeln (?). Thelersberger Stollen, Brand-Erbisdorf, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

sonstige markscheiderische Zeichen

Das in folgenden Bild dargestellte Zeichen sieht zwar aus wie der in Kapitel 1 beschriebene Quartalswinkel für das Nachreißen der Firste, hat aber hier eine völlig andere Bedeutung. Es findet sich unmittelbar neben einem Wetterüberhauen und markiert dieses zweifellos. Das Zeichen kann als schematische Darstellung des Überhauens gedeutet werden.

Bild 2.5.03: Zeichen, das ein Wetterüberhauen markiert. Peterstollen, Revier Holzappel, Lahn. Foto Thomas Witzke.

Eine vermutlich ähnliche Markierungsfunktion hat das sorgfältig in einen Stein geschlagene Zeichen aus dem Schlebuscher Erbstollen, Wetter, Ennepe-Ruhr-Kreis. Es befindet sich am gegenüberliegenden Stoß von Lichtloch 1. Dieses Lichtloch ist eine Treppe, die mit einer Sandsteinplatte abgedeckt ist. Nach einer vorläufigen Deutung symbolisiert der kleine senkrechte Strich das Mundloch, der waagerechte den Stollen und der Schrägstrich die Treppe. Unverständlich mutet jedoch die sorgfältige Ausführung und der Nutzen des Zeichens an.

Bild 2.5.04: Zeichen, das vermutlich ein Lichtloch markiert. Schlebuscher Erbststollen, Wetter, Nordrhein-Westfalen. Foto Carsten Säckl.

Im Stüblbau der Goldlagerstätte Schellgaden, Salzburg in Österreich findet sich ein Markscheidezeichen, eine Art Doppelkreuz, an einem geschrämten Aufbruch als Verbindung zu höheren Teilen der Grube. Es ist von dem einfachen Markscheidekreuz abgeleitet und mit einem zusätzlichen Querstrich versehen, um den Aufbruch zu kennzeichnen.

Bild 2.5.05:
Markscheidezeichen, wahrscheinlich 16. Jahrhundert. Stüblbau der Goldlagerstätte Schellgaden, Lungau, Salzburg, Österreich. Foto Christian Auer.

© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}

2.6. Lachtertafeln, Tafeln mit Entfernungsangaben

Diese Tafeln lassen sich von den Vortriebstafeln zum Teil nicht scharf trennen, und es können sich auch echte Vortriebstafeln unter den Beispielen befinden. Zentrales Element der hier zusammengefassten Tafeln ist jedoch eine Entfernungsangabe.

Bild 2.6.01: Lachtertafel aus dem Weißtaubner Stolln, Pobershau, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Bild 2.6.02: Lachtertafel in einem alten Stollen, nahe Schacht 120, Johanngeorgenstadt, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Bild 2.6.03: Lachtertafel "Vom Tage bis Thelersberger Füllort 52,37 Lachter", Thelersberger Stollen, Lade des Bundes Schacht, Brand-Erbisdorf, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Bild 2.6.04: Lachtertafel Thelersberger Stollen auf den Dornsträucher Spat, am Mathias Kunst- und Treibeschacht, Brand-Erbisdorf, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Die im nächsten Bild dargestellte Tafel aus dem Schlebuscher Erbstollen, Wetter, Ennepe-Ruhr-Kreis, vermerkt nicht das Jahr, in dem der Stollen angelegt wurde, sondern das Jahr der Fertigstellung der Gewölbemauerung (1824). Der Pfeil zeigt in Richtung Mundloch. Die zweite Zahl (18 7/8) gibt die Entfernung zum Mundloch in Lachtern an. Ein Lachter entspricht hier etwa 2,09 m. Die Buchstaben sind vermutlich Namenskürzel.

Bild 2.6.05: Lachtertafel von 1824. Schlebuscher Erbststollen, Wetter, Nordrhein-Westfalen. Foto Carsten Säckl.

Folgendes Bild zeigt eine moderne "Lachtertafel" aus dem Prinz Walliser Wasserlauf bei Clausthal im Harz. Die Plakette aus Plastik gibt die Entfernung in Metern zum Mundloch an. Rot darunter die Markierung von der eigentlichen Vermessung. Darüber findet sich eine "Zähltafel", die von der Auffahrung der Rösche stammt. Das Vermessungszeichen und die Zähltafel stehen in keiner Beziehung und liegen hier nur zufällig beieinander.

Bild 2.6.06: Entfernungsangabe zu Mundloch im Prinz Walliser Wasserlauf, Clausthal, Harz, Niedersachsen, darüber eine Zähltafel. Foto Thomas Witzke.

Auch Tafeln mit Teufenangaben von Schächten sind bekannt. Hier ein Beispiel aus Zug bei Freiberg vom W. Fischer-Schacht mit der Angabe 19,3 Lachter freie Teufe.

Bild 2.6.07: Tafel mit Teufenangabe, W. Fischer-Schacht, Zug bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Die folgende Tafel gibt die Teufe im Tiefen Georgstollen unter der Kirche am Marktplatz von Clausthal im Harz an. Es handelt sich um eine Kopie der originalen Tafel.

Bild 2.6.08: Tafel (Kopie) mit Teufenangabe unter der Kirche von Clausthal, Tiefer Georgstollen, Harz, Niedersachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}

2.7. untertägige Landesgrenzen

Ein kleines Kuriosum dürften Markierungen zu untertägigen Landesgrenzen sein. Bisher liegen zwei Beispiele vor, eines von der belgisch-niederländischen Grenze und eines von der französisch-luxemburgischen Grenze. Leider ist letzteres auf Grund eines abgeschlossenen Gittertores sehr schlecht zu fotografieren, außerdem ist die Inschrift schlecht erhalten und durch Baumaßnahmen für das Gittertor auch stark beschädigt worden.

Bild 2.7.01: Grenze Belgien-Holland. Grube Caestert, Petit Lanaye, Belgien. Foto Thomas Witzke.

© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren

weiter zu 3. Fund- und Gangtafeln, Tafeln zur Kennzeichnung und Orientierung


1. Gedinge- und Vortriebszeichen, Jahrestafeln, Vortriebstafeln

Geschrieben von MichaP

In diesem und den folgenden Abschnitten sollen Zeichen, Inschriften und Tafeln behandelt werden, die eine Arbeitsleistung im Vortrieb (Gedinge) oder den erreichten Vortrieb zu einem bestimmten Zeitpunkt, zum Beispiel nach einem Quartal oder Jahr, dokumentieren. Derartige Zeichen werden auch als Stufen bezeichnet.
Zu der Thematik gibt es aktuelle und ausführliche, aber derzeit vergriffene Literatur von ST. ADLUNG (1998) über Gedinge- und Vortriebszeichen im sächsischen Erzbergbau. Die Darstellung hier bezieht sich im wesentlichen auf diese Quelle.

1.1. Gedinge und Gedingezeichen

Was sind Gedinge ?

Gedinge stellen eine Form der Registrierung und Bezahlung von Vortriebsleistungen dar. Auch wenn es regional oder im Lauf der Zeit gewisse Unterschiede gab, so ist die grundlegende Bedeutung jedoch konstant geblieben.
Das Wort "Gedinge" ist schon seit langem aus dem gebräuchlichen Wortschatz verschwunden. Etwas länger hatte sich noch das Verb "verdingen" erhalten. Adlung (1998) weist auch auf eine mögliche sprachliche Verwandtschaft zwischen "Ding" und "Thing", der alten rechtssprechenden Versammlung, hin.
Diese Verbindung kann als recht sicher angenommen werden. In mittelalterlichen Schriften und Urkunden finden sich Wörter mit dem Stamm –ding– und einem mit rechtlichen Angelegenheiten im Zusammenhang stehenden Sinn vom englischen und skandinavischen bis in den österreichischen Raum. Die Verwendung in verschiedenen Sprachen – neben Alt- und Mitteldeutsch z.B. auch in der in angelsächsisch verfassten Handschrift der Beowulf-Saga aus dem 10. Jahrhundert – belegt eine sehr alte Wurzel.
Das Wort "gedingen" wird im 10. – 15. Jahrhundert verwendet im Sinne von allgemein eine gerichtliche Auseinandersetzung führen, sich an ein Gericht oder eine rechtliche Instanz wenden (auch im religiösen Sinn sich an eine höhere Instanz wenden) oder bei ihr Berufung einlegen, oder allgemein verhandeln bzw. (verbindliche) Abmachungen treffen, sich etwas ausbedingen oder etwas (z.B. ein Lehen) unter bestimmten Voraussetzungen verleihen, etwas (eine Urkunde oder Testament) bezeugen oder auch im religiösen Sinn Hoffnung und Vertrauen auf etwas setzen.

Während im Eigenlehnerbetrieb kein Anlass für die Entlohnung von Vortriebs- oder anderen Leistungen in der Grube bestand, ergab sich mit der Trennung von bauenden und nichtbauenden Gewerken im Bergbau die Notwendigkeit, Arbeitsleistungen zu erfassen und zu entlohnen. Im Erzgebirge ist dieser Prozess im 13. Jahrhundert festzustellen. In direktem Zusammenhang mit dem Gedinge stehen die Zubußzahlungen der nichtbauenden Gewerken. Diese Zahlungen waren notwendig, um der Anteile an den jeweiligen Gruben nicht verlustig zu gehen. Die Gedingestufe, die den jeweiligen erreichten Stand des Vortriebs markiert, wurde durch den Stufenschläger, der als Vorläufer des Berggeschwornen zu betrachten ist, eingehauen.
Gedinge werden schon im Freiberger Bergrecht (A) erwähnt. Gedingezeichen aus dem 12. oder 13. Jahrhundert sind bisher jedoch nicht bekannt geworden.
Etwa im 15. Jahrhundert entwickelte sich das Gedinge als spezielle Form eines Arbeitsvertrages zwischen Hauern und Gewerken. Ein direkter Zusammenhang zu Zubußzahlungen bestand nicht mehr. Diese Entwicklung ist eine Folge der zunehmenden Zentralisierung im sächsischen Bergbau.

G. AGRICOLA (1557) schreibt zum Gedinge:

"Sie [die Geschwornen – T.W.] besähen und betrachten alles in sonderheit und berahtschlagen sich mitt dem steiger / von der hauwung / gezeugen / gebeuwen / unn von allen anderen dingen / die zu dem bergkwerck gehörendt: zun zeiten verdingendt sie mitt sampt dem steiger / den bergkheuwern ettliche lachter eines gangs zu hauwen / umb ein grossen oder kleinen lohn / nach dem das gstein vest oder lindt ist / sampt den gängen. Aber so den selbigen so umb lohn die lachter zu zuhauwen haben angenommen / ein sölche veste des gsteins für kommendt / deren sie nicht verhofft noch versähen haben / unnd von dessen wegen die arbeit harter und langsamer von ihnen vollbracht / so machen sie inen grössere bsoldung / so aber nach der angfangnen arbeit das gstein von wegen des wassers / nicht so vest ist / und die arbeit leichter und geringer gschähen mag / so brechen sie inen etwas vom lohn ab. Ober das so die gschwornen die steiger oder bergkheuwer ob der fahrlässigkeit oder betrug ergriffendt / so ermanendt sie dieselbigen erstmalen / ihres ampts / das sie treulich sollen außrichten / oder schelten sie / darnach wan sie nicht fleissiger noch frömmer worden seindt / so bringendt sie dasselbig für den Bergkmeister / der sie nach seim gwalt ihres ampts entsetzett / oder so sie ein laster begangend in die gefengknuß würfft."

Leider hat AGRICOLA nichts näheres über Gedingezeichen geschrieben oder solche Zeichen abgebildet.

Im Lauf der Zeit wurden immer umfangreichere Vorschriften geschaffen, die das Gedinge regelten. Darin wurden u.a. behandelt, was der Geschworene zu tun hat, Rechte der Gewerken und der Hauer, wie bei sich verändernder Gesteinsbeschaffenheit zu verfahren ist, Fragen der Auszahlung des Gedingegeldes und weiteres. Anpassungen wurden zuweilen durch neue Technologien notwendig. Am Inhalt des Gedinges hat sich jedoch über Jahrhunderte nichts geändert.

ADLUNG (1998) gibt einen Auszug aus einer Resolution von 1709 an, die den Inhalt des Gedinges sehr gut wiedergibt und deshalb nach dieser Quelle hier zitiert werden soll:

"…6. ist das Verdingen auf Gewinn und Verlust bey deren Häuer-Arbeit auf den Zechen mehr einzuführen, worbey denn die Geschwornen ihre Pflicht genau zu beobachten haben, damit sowohl der Gewerckschafft Nachtheil vermieden, als auch der Häuer vorsätzlich nicht beschweret werde. Immassen dahero besagte Geschworne, Beschaffenheit des Gesteins fleißig erforschen, das Geding im Beyseyn des Steigers, alswohl auch nach Gelegenheit des Schichtmeisters, machen, die Stuffen schlagen, auch das Gedinge selbst abnehmen, darüber ein richtiges Geding-Buch halten, in selbiges alles nach denen vorgefallenen Umständen, sonderlich bey der Abnehmung eintragen, auch darbey recht Maaß brauchen sollen. Dergleichen Verdingen nun ist insonderheit bey dem Abteuffen, grober Gängen und Stoll-Oertern, da keine edle Geschicke brechen, dergestallt vorzunehmen, dass einen, zwey oder mehr tüchtige Häuern gewisse Lachter in die Teuffe und Höhe mit Benennung der Zeit und Wochen nach Erkäntniß des Gesteins jedes Mal um ein gewisses Geld aufzugeben, diese auf der geschlagenen Stuffe anzusitzen, vom Schichtmeister wöchentlich das gesetzte Lohn zu empfangen, das übrige Geding-Geld auch, do das Gedinge eher, als das Wochenlohn darauf gehet, heraus geschlagen würde, ohne Vorenthalt zu gewarten, dargegen aber auch, wann es auf die Determinirte Zeit nicht geschiehet, über das Wochen-Lohn nichts weiter, biß das Geding würcklich aufgefahren, zugenüssen haben, darfür sollen die Geschworne noch weiter biß auf Unser Wiederrufen, wie An. 1675 für gut befunden worden, auf allen und jeden Zechen und Stölln von jeglichen Gäng- und Schrähm-Häuer wöchentlich drey Pfennige, als sogenanntes Stuffen-Geld, bekommen, und denen Gewerken in denen Registern verschreiben werden, denen Arbeitern selbst ist aber nicht das geringste deßwegen abzufordern, auch kein Abnahme-Groschen mehr zu passiren, jedesmahl bey Straffe Zehn Gülden, so offte darwieder gehandelt wird, welches Stuffen-Geld denn die Geschworne zusammen in eine Casse bringen und quartaliter zu gleichen Theilen unter sich vertheilen sollen …"

Sowohl das Gedinge, also der eigentliche Arbeitsvertrag, als auch das Abnehmen des Gedinges und damit verbundene Einschlagen einer Stufe wurden schriftlich festgehalten. Damit erhielten die Bergämter bzw. die Vorläuferinstitutionen einen Überblick über den Vortrieb, speziell auf wichtigen Stollenörtern.

Aufzeichnungen über Gedinge und eingeschlagene Stufen finden sich z.B. in den Quartalsabrechnungen der einzelnen Gruben. In diesen Abrechnungen wurden die Einnahmen, die nach Wochen aufgeschlüsselten Ausgaben, die Eigentümer mit ihren jeweiligen Anteilen (wichtig für die Zubußzahlungen) und zum Teil auch die vorhandenen Werkzeugbestände erfasst. Bei kleinen, unbedeutenden Gruben konnte auch auf eine wöchentliche Aufschlüsselung verzichtet werden.
Zwei Beispiele von derartigen Quartalsabrechnungen aus dem Freiberger Revier sollen hier im Bild vorgestellt werden.

Bild 1.1.01: Quartalsabrechnung der Grube "Segen Gottes", Weißenborn bei Freiberg, Quartal Trinitatis 1599. Deckblatt.

Bild 1.1.02: Quartalsabrechnung der Grube "Segen Gottes", Weißenborn bei Freiberg, Quartal Trinitatis 1599. 4. und 5. Woche.

Bild 1.1.03: Quartalsabrechnung der Grube "Segen Gottes", Weißenborn bei Freiberg, Quartal Trinitatis 1599. Hauer wurden durch den Geschworenen verdingt.

Text von Bild 1.1.03:
"Verdingt durch den herrn Geschwornen
½ Lachter 4 hauernn ufm Stollort, in
vier wochen auftzufahrn davon x
alde scho.
H… (?) verdingt ½ Lachter i hauer uf der
Stross, in vier wochen auftzufahrnn
davon iii alde scho. und gehett
uf diese gedinge die Honnde (?)
noch ….. (?) drauff ..
"

Wie die Quartalsabrechnung in der 5. Woche zeigt, haben die Hauer die vereinbarte Strecke aufgefahren und das Gedingegeld erhalten. Der Geschworene hat das Gedinge abgenommen, eine Stufe (= das Gedingezeichen) geschlagen und dafür Stufengeld erhalten.

Bild 1.1.04: Quartalsabrechnung der Grube "Segen Gottes", Weißenborn bei Freiberg, Quartal Trinitatis 1599. Abrechnung des Gedinges.

Text von Bild 1.1.04:
"Gemeine Ausgab,
i f i gen
(*) haben 4 hauer am geding
eröbrigt ufm Stollort, haben in
4. wochen ½ lachter aufgefahren
Lorentz Weicheltt, Caspar Unger,
Simon Korb, Lorentz Weicheltt
xii gen hatt i. hauer am gedinng
eröbrigtt uff der Stross, hatt
in 4. wochen ½ lachter aufge-
fahren, Görge Kirschell,
iiii gen dem herrn Geschwornn
stuffenngeldt,
"

(*) f = Florengroschen, gen = Groschen (1 Florengroschen oder Gulden entspricht 21 Groschen)

Während die Grube "Segen Gottes" regelmäßige Einnahmen verbuchen konnte, wies die Grube "Osterfreude" in Berthelsdorf bei Freiberg in dem Quartal Luciae 1601 keinerlei Einnahmen auf. Eine wöchentliche Aufschlüsselung der Ausgaben findet sich nicht. Es wird lediglich ein Hauer erwähnt, der hier verdingt wurde. Eine Abnahme des Gedinges durch einen Geschwornen ist offenbar nicht erfolgt, da dies eine zusätzliche Ausgabe erfordert hätte.

Bild 1.1.05: Quartalsabrechnung der Grube "Osterfreude", Berthelsdorf bei Freiberg, Quartal Luciae 1601. Abrechnung des Gedinges.

Bild 1.1.06: Quartalsabrechnung der Grube "Osterfreude", Berthelsdorf bei Freiberg, Quartal Luciae 1601. Das Gedinge wird für das komplette Quartal abgerechnet.

Text aus Bild 1.1.06:
" Einnahm 0
Außgab
12 f Lortz Lindtner vonn 4
Lachtern Aufn örtte Zur Handt Aufn
Schacht Aufzufahrnn so ihme
uf gewin undt verlust vordinget
worden.
…….
"

Das hier genannte Gedinge auf Gewinn und Verlust entspricht einem üblichen Gedinge. Erst im 19. Jahrhundert wurde diese Bezeichnung auf eine Sonderform übertragen. Diese Sonderform wurde vor allem auf armen Gängen angesetzt, wo die Unkosten gerade gedeckt wurden. Dabei wurde den Häuern nach Abzug diverser Unkosten alles durch die Erzbezahlung erzielte Geld ausgehändigt. Er bekam jedoch keinen weiteren Lohn. Dieses sehr risikoreiche Gedinge konnte jederzeit durch den Hauer oder die Gewerken gekündigt werden.

Wo finden sich Gedingezeichen?

Da das Gedinge eine Form des Leistungslohns ist, sind Gedingezeichen vorrangig dort anzutreffen, wo es auf schnellen Vortrieb ankam. Das können Entwässerungsstollen oder andere Stollen, z.B. Suchstollen, Auffahrungen vom Mundloch, um einen Gang zu erreichen oder Auffahrungen, um eine zusätzliche Tagesöffnung anzulegen, sein. Auch das Nachreißen erfolgte oft im Gedinge, so dass Gedingezeichen in einem Stollen nicht unbedingt von der Auffahrung stammen müssen.
Zum Teil können heute noch kontinuierliche Folgen von Gedingezeichen und Quartalswinkeln in Strecken beobachtet werden. Solche Abfolgen bieten ideale Möglichkeiten zum Studium der Vortriebsleistungen bzw. Leistungen beim Nachreißen.
Gedingezeichen finden sich nicht nur in wichtigen Anlagen. Auch kleine, unbedeutend erscheinende Gruben können einen unerwarteten Reichtum an verschiedenen Zeichen bieten.

Die Größe der Zeichen kann stark schwanken. Es finden sich sowohl sehr kleine, von nur etwa 3 oder 4 cm Abmessung, bis hin zu mindestens 20 cm großen Zeichen. Die Zeichen erscheinen zum Teil nur leicht eingekratzt, zum Teil sind sie auch sorgfältig und deutlich geschlagen.
Die fotografische Dokumentation kann sich recht schwierig gestalten, da es in engen Stollen nicht immer möglich ist, die Zeichen aus einem günstigen Winkel zu fotografieren (speziell wenn noch Inschriften daneben vorhanden sind) oder da sich die Zeichen nur schwer erkennen oder von den Spuren der Arbeit mit Schlegel und Eisen ("Prunen") unterscheiden lassen.

Literatur:
G. AGRICOLA (1557): Vom Bergkwerck XII Bücher.- Basel, p. 71 (Übersetzung aus dem lat. von Ph. Bechius)
ST. ADLUNG (1998): Gedinge- und Vortriebszeichen im sächsischen Erzbergbau.- Schriftenreihe Akten und Berichte vom sächsischen Bergbau, Heft 7. Jens-Kugler-Verlag Kleinvoigtsberg.

© Thomas Witzke {mospagebreak}

1.2. Formen von Gedingezeichen

Es können zwei grundlegende Typen von Gedingezeichen unterschieden werden, das "Schneeberger Gedinge" und das "Freiberger Gedinge", benannt nach dem vermutlichen Ort der Entstehung. Beide Typen differieren in Form und Verbreitung. Während das Schneeberger Gedinge zeitlich und räumlich eher begrenzt auftritt, hat das Freiberger Gedinge eine zum Teil recht große Verbreitung erfahren. Die Verbreitungsgebiete überschneiden sich zum Teil. Gelegentlich finden sich auch beide Zeichen in einer Grube, allerdings zeitlich nacheinander.

1.2.1. Das Schneeberger Gedinge

Die nach ADLUNG (1998) "Schneeberger Gedingezeichen" genannte Stufe hat die Form eines "Mercedes"-Sterns. Dieses Zeichen wurde vor allem in den oberen erzgebirgischen Revieren, sowohl den sächsischen als auch den böhmischen, verwendet und war besonders im 16. und 17. Jahrhundert in Gebrauch. Die Vortriebsrichtung ist dem Zeichen nicht zu entnehmen.
Dem Hauer wurde eine bestimmte Geldsumme für eine vorher festgelegte Auffahrung versprochen. Jede Woche, die er am Gedinge arbeitete, wurde der übliche Hauerlohn vom Gedingegeld abgezogen und ausbezahlt. Nach Fertigstellung der Auffahrung war das Restgeld sein Gewinn.

Bild 1.2.1.01:
Das Schneeberger Gedinge.

Bild 1.2.1.02:
Schneeberger Gedinge, um 1585. Auf einer Seitenstrecke des "Ritter St. Georg samt dem Lindwurm Stolln", Wolkenstein, Erzgebirge, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Bild 1.2.1.03:
Schneeberger Gedinge mit einer Inschrift, Quartal Crucis, V. Woche, 1585. Auf einer Seitenstrecke des "Ritter St. Georg samt dem Lindwurm Stolln", Wolkenstein, Erzgebirge, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Bild 1.2.1.04:
Schneeberger Gedinge, 16. Jahrhundert. Grube im Kiesholz, Marienberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Bild 1.2.1.05:
Schneeberger Gedinge, 16. Jahrhundert. Reicher Silbertrost Stolln, Geyer, Erzgebirge, Sachsen. Foto Norbert Schüttler.

Angaben über das Vorkommen von Schneeberger Gedingezeichen (aber bisher keine Fotos) liegen aus folgenden Gruben vor:
"Heilig Geister Stollen" und "St. Erasmus Stollen", Glashütte, Erzgebirge, Sachsen;
"Elias Stollen" und "Ursula Stollen", Pobershau, Erzgebirge, Sachsen;
"Orgel-Stollen", Annaberg, Erzgebirge, Sachsen;
"St. Briccius", Königswalde bei Annaberg, Erzgebirge, Sachsen;
"Segen Gottes Erbstollen", Wolkenburg bei Glauchau, Sachsen;
Schneeberg, Erzgebirge, Sachsen;
St. Niklasberg bei Moldava, Erzgebirge, Böhmen, Tschechische Republik.

Bild 1.2.1.06:
Verbreitung des Schneeberger Gedinges in Sachsen.

Literatur:
ST. ADLUNG (1998): Gedinge- und Vortriebszeichen im sächsischen Erzbergbau.- Schriftenreihe Akten und Berichte vom sächsischen Bergbau, Heft 7. Jens-Kugler-Verlag Kleinvoigtsberg.

© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}

1. Gedinge- und Vortriebszeichen, Jahrestafeln, Vortriebstafeln

1.2. Formen von Gedingezeichen

Es können zwei grundlegende Typen von Gedingezeichen unterschieden werden, das "Schneeberger Gedinge" und das "Freiberger Gedinge", benannt nach dem vermutlichen Ort der Entstehung. Beide Typen differieren in Form und Verbreitung. Während das Schneeberger Gedinge zeitlich und räumlich eher begrenzt auftritt, hat das Freiberger Gedinge eine zum Teil recht große Verbreitung erfahren. Die Verbreitungsgebiete überschneiden sich zum Teil. Gelegentlich finden sich auch beide Zeichen in einer Grube, allerdings zeitlich nacheinander. Es können zwei grundlegende Typen von Gedingezeichen unterschieden werden, das "Schneeberger Gedinge" und das "Freiberger Gedinge", benannt nach dem vermutlichen Ort der Entstehung. Beide Typen differieren in Form und Verbreitung. Während das Schneeberger Gedinge zeitlich und räumlich eher begrenzt auftritt, hat das Freiberger Gedinge eine zum Teil recht große Verbreitung erfahren. Gelegentlich finden sich auch beide Zeichen in einer Grube, allerdings zeitlich nacheinander.

1.2.2. Das Freiberger Gedinge

Die zweite Form wird nach ADLUNG (1998) nach dem Ort der Entstehung "Freiberger Gedinge" genannt. Die Grundform des Freiberger Gedingezeichens ist ein senkrechter Strich mit kurzem waagerechten Anstrich in der Mitte, der die Vortriebsrichtung angibt. Daneben gibt eine Reihe von Sonderformen, die zum Teil erstmals bei Adlung (1998) dokumentiert werden, für das Nachreißen der Firste oder Strosse (oder Wassersaige) oder auch von Firste und Strosse gemeinsam. In einigen Fällen fehlt der kurze waagerechte Anstrich, vermutlich dann, wenn das Gedinge vom Steiger der Grube in Vertretung des Geschwornen abgenommen wurde. Zu den auf den Bildern dargestellten Zeichen gibt es noch die spiegelbildlichen Formen bei Vortriebsrichtung von der anderen Seite. Nicht immer sind die Zeichen korrekt eingeschlagen. Es gibt sichere Fälle, in denen die waagerechten Anstriche in die falsche Richtung zeigen.
Die Zeichen müssen auch nicht vom Auffahren einer Strecke, sondern können auch vom Nachreißen stammen. Obwohl für spezielle Formen des Nachreißens Sonderzeichen existieren, wurden diese nicht immer verwendet. Es finden sich zum Teil auch normale und Sonderformen innerhalb einer nachgerissenen Strecke.

Bild 1.2.2.01:
Das Freiberger Gedinge mit Sonderformen.

Bild 1.2.2.02:
Das Freiberger Gedinge mit Sonderformen.

Das Gedinge wurde alle vier oder fünf Wochen abgenommen und die Strecke vermessen. Entsprechend der aufgefahrenen Strecke wurde der Gedingegewinn oder Verlust berechnet. Durch die regelmäßige Abnahme des Gedinges konnten veränderte Gesteinsfestigkeiten eher bemerkt und wenn erforderlich, ein anderes Gedingegeld festgelegt werden. Wie in Kapitel 1.1. zu sehen, ist bei kleinen, unbedeutenden Gruben, die vermutlich das Geld für den Geschworenen sparen wollten, auch eine Abrechnung des Gedinges im Quartal erfolgt.
Das Freiberger Gedinge ist nicht nur aus dem Freiberger Revier bekannt, auch in Kamsdorf/ Thüringen ist es öfter anzutreffen, ebenso ist es aus Schmiedefeld/Thüringen und dem Sauerland bekannt.

Die Gedingezeichen sind unterschiedlich groß, von etwa 4 cm bis etwa 20 cm Größe, und unterscheiden sich auch in der Ausführung. Einige Beispiele dafür sind auf den folgenden Bildern dargestellt. Eine untypische Form ist gelegentlich im Kamsdorfer Revier zu finden. Sie erinnert an das Zeichen für das Nachreißen von Firste und Strosse, weist jedoch noch einen gegabelten waagerechten Anstrich auf (Bilder1.2.09 und 1.2.11). Da es sich in verschiedenen Stollen mit "normalen" Zeichen abwechselt und keine Hinweise auf Nachreißen zu finden sind, dürfte es sich wohl nur um eine stilistische Variante von einem Geschwornen handeln.

Bild 1.2.2.03:
Einfaches Freiberger Gedingezeichen mit einem Quartalswinkel, aus der Grube Reiche Zeche, Freiberg, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Bild 1.2.2.04:
Einfaches Freiberger Gedingezeichen, aus dem ursprünglichen Teil der Müdisdorfer Rösche, Müdisdorf bei Brand-Erbisdorf, Sachsen. Zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts. Foto Thomas Witzke.

Bild 1.2.2.05:
Einfaches Freiberger Gedingezeichen, aus dem Reicher Silbertrost Stolln, Geyer, Erzgebirge, Sachsen. Bemerkenswert ist, dass es in dem Stollen auch ältere Schneeberger Gedingezeichen gibt. Foto Norbert Schüttler.

Bild 1.2.2.06:
Einfaches Freiberger Gedingezeichen, Oberscheibe bei Schwarzenberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Holger Lausch.

Bild 1.2.2.07:
Einfaches Freiberger Gedingezeichen aus dem Neuhoffnung Stollen, Kamsdorf, Thüringen, vor 1739. Foto Thomas Witzke.

Bild 1.2.2.08:
Einfaches Freiberger Gedingezeichen aus dem Neuhoffnung Stollen, Kamsdorf, Thüringen, vor 1739. Untypische Form mit gegabeltem Anstrich. Foto Michael Pfefferkorn.

Bild 1.2.2.09:
Einfaches Freiberger Gedingezeichen aus dem Juliane-Stollen, Kamsdorf, Thüringen, zwischen 1727 und 1774. Foto Thomas Witzke.

Bild 1.2.2.10:
Einfaches Freiberger Gedingezeichen aus dem Juliane-Stollen, Kamsdorf, Thüringen, zwischen 1727 und 1774. Untypische Form mit gegabeltem Anstrich. Foto Thomas Witzke.

Bild 1.2.2.11:
Einfaches Freiberger Gedingezeichen, Mittlerer Fürstenstollen, Steinheid (nordwestlich von Sonneberg), Thüringen. Foto Michael Pfefferkorn.

Bild 1.2.2.12:
Einfaches Freiberger Gedingezeichen, Unterer Tiefer Thal Stollen, Goldhausen bei Korbach, Sauerland. Vor 1585. Foto Thomas Witzke.

Bild 1.2.2.13:
Einfaches Freiberger Gedingezeichen, am Georgschacht (neben einem Bereich, der offenbar besonders sorgfältig auf Gold abgebaut wurde), Goldhausen bei Korbach, Sauerland. Vor 1585. Foto Thomas Witzke.

Bemerkenswert ist die im folgenden Bild dargestellte Situation mit zwei Gedingezeichen und einem Markscheidekreuz. Dass nur die Auffahrung weniger cm im Gedinge vereinbart wurde, ist sehr unwahrscheinlich, dafür dürfte der Verwaltungsaufwand zu groß sein. Möglicherweise hat es hier eine Korrektur gegeben oder das Gedinge ist aus irgendwelchen Gründen abgebrochen worden.

Bild 1.2.2.14:
Einfaches Freiberger Gedingezeichen, Markscheidekreuz und zweites Gedingezeiches, aus dem Juliane-Stollen von Kamsdorf, Thüringen. Zwischen 1727 und 1774. Foto Michael Pfefferkorn.

Sonderform für Abnahme des Gedinges durch einen Steiger

Neben dem einfachen Gedingezeichen taucht als Sonderform ein Zeichen auf, bei dem der waagerechte Anstrich fehlt. Wahrscheinlich hat hier der Steiger in Vertretung des Geschwornen das Gedinge abgenommen. Das Zeichen ist aus dem Freiberger Revier bekannt und wurde inzwischen auch schon im Kamsdorfer Revier in Thüringen gefunden.

Bild 1.2.2.15:
Freiberger Gedingezeichen, wahrscheinlich vom Steiger in Vertretung des Geschwornen abgenommen, aus der Müdisdorfer Rösche, Müdisdorf bei Brand-Erbisdorf, Erzgebirge. Vom Nachreißen der Rösche, um 1855. Foto Thomas Witzke.

Bild 1.2.2.16:
Freiberger Gedingezeichen, wahrscheinlich vom Steiger in Vertretung des Geschwornen abgenommen, von 1817. Größe etwa 10 cm. Trau auf Gott Erbstolln, Lichtenberg bei Freiberg, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Sonderformen für das Nachreißen der Firste, der Sohle oder Firste und Sohle

Bild 1.2.2.17:
Freiberger Gedingezeichen, für das Nachreißen der Firste, von 1669. Thelersberger Stolln, Brand-Erbisdorf, Sachsen. Es ist nicht bekannt, warum das Gedingezeichen doppelt eingeschlagen wurde. Foto Michael Pfefferkorn.

Bild 1.2.2.18:
Freiberger Gedingezeichen, für das Nachreißen der Firste, darunter ein Quartalswinkel für das Nachreißen der Firste und ein einfaches Gedingezeichen, um 1800. Das einfache Gedingezeichen ist verkehrt eingeschlagen, denn der Stollen endet rechts blind. Trau auf Gott Erbstolln, Lichtenberg bei Freiberg, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Bild 1.2.2.19:
Freiberger Gedingezeichen, für das Nachreißen der Firste, aus der Müdisdorfer Rösche, Müdisdorf bei Brand-Erbisdorf, Sachsen. Vom Nachreißen der Rösche, um 1855. Foto Thomas Witzke.

Bild 1.2.2.20:
Freiberger Gedingezeichen, für das Nachreißen der Sohle bzw. Wassersaige, aus dem Verträgliche Gesellschaftsstollen, Freiberg, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Bild 1.2.2.21:
Freiberger Gedingezeichen, für das Nachreißen der Sohle, um 1800. Trau auf Gott Erbstolln, Lichtenberg bei Freiberg, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Bild 1.2.2.22:
Freiberger Gedingezeichen, für das Nachreißen der Sohle bzw. Wassersaige und der Firste, aus dem Wapplerstollen, Schmiedefeld/Gebersdorf, Thüringen. Die Gedingezeichen sind durchnummeriert bis zur Ortsbrust. Foto Michael Pfefferkorn.

Bild 1.2.2.23:
Freiberger Gedingezeichen, für das Setzen eines Gewölbes, von 1878. Weißtaubner Stolln, Pobershau, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Weitere Angaben über das Vorkommen von Freiberger Gedingezeichen liegen aus folgenden Gruben vor:
"St. Lampertus", Hohenstein, Sachsen;
Könitz bei Saalfeld, Thüringen;
Stollen am Eichberg, Wickersdorf südwestlich von Saalfeld, Thüringen;
"Mit Gebeth und Arbeit", Reichmannsdorf südwestlich von Saalfeld, Thüringen;
"Glücksbrunn", Glücksbrunn, Thüringen.

Bild 1.2.2.24:
Verbreitung des Freiberger Gedinges in Sachsen.

Bild 1.2.2.25:
Verbreitung des Freiberger Gedinges in Thüringen.

Literatur:
ST. ADLUNG (1998): Gedinge- und Vortriebszeichen im sächsischen Erzbergbau.- Schriftenreihe Akten und Berichte vom sächsischen Bergbau, Heft 7. Jens-Kugler-Verlag Kleinvoigtsberg.

© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}

1.3. Quartalswinkel

Der Quartalswinkel ist je nach Vortriebsrichtung ein L-förmiges Zeichen (Vortrieb von rechts) bzw. das dazu spiegelbildliches Zeichen (bei Vortrieb von links, vom Betrachter aus). Wie bei den Gedingezeichen gibt es auch hier dokumentierte Fälle von verkehrt herum eingeschlagenen Zeichen.
Quartalswinkel wurden alle viertel Jahre eingeschlagen, um den jeweiligen Stand des Vortriebs zu dokumentieren. Sie sind damit, sofern Abfolgen von derartigen Zeichen vorhanden sind, ein wertvolles Dokument über die Vortriebsleistungen.
Die Quartalswinkel wurden vom Geschwornen eingeschlagen. Die Größe der Zeichen und auch die Ausführung kann stark variieren.
In den meisten Fällen stehen die Quartalswinkel alleine. Öfter finden sich Gedingezeichen unmittelbar daneben, da es aus Gründen der Abrechnung offenbar praktisch war, das Ende eines Gedinges auch mit dem Ende eines Quartals zusammen fallen zu lassen. Selten finden sich andere Angaben neben den Quartalswinkeln wie z.B. Lachterangaben.

Bild 1.3.01:
Quartalswinkel und darunter ein Gedingezeichen, Müdisdorfer Rösche, Müdisdorf bei Brand-Erbisdorf, Sachsen. Zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts. Foto Thomas Witzke.

Bild 1.3.02:
Quartalswinkel aus dem Juliane-Stollen, Kamsdorf, Thüringen. Zwischen 1727 und 1774. Foto Thomas Witzke.

Bild 1.3.03:
Quartalswinkel aus dem Zentralrevier von Kamsdorf, Thüringen. Das Zeichen ist verkehrt eingeschlagen, die an den Prunen erkennbare Vortriebsrichtung stimmt nicht mit der durch das Zeichen angegebenen Richtung überein. Foto Thomas Witzke.

Merkwürdig ist folgende, im Bild dargestellte Situation aus einem Flügelort des Treue Gewerken Verbindlichkeit Stollens in Kamsdorf, Thüringen.Hier findet sich neben einem kleinen, flüchtig in den Fels geschlagenen Quartalswinkel ein weiterer, sauber ausgeführter Winkel von etwa 15 cm Größe. Diese Anordnung ist in Kamsdorf noch einige weitere Male, wenn aber auch selten, zu beobachten. Denkbar ist hier, daß es eine Korrektur, vielleicht nach einer Neuvermessung der aufgefahrenen Strecke gegeben hat.
An der Stelle, wo sich die Winkel befinden, kam das Flügelort um 1840 an.

Bild 1.3.04:
Zwei Quartalswinkel. Flügelort des Treue Gewerken Verbindlichkeit Stollens in Kamsdorf, Thüringen, um 1840. Foto Michael Pfefferkorn.

Gelegentlich finden sich neben den Quartalswinkeln zusätzliche Informationen. Hier ein Beispiel mit der Angabe Quartal Reminiscere 1770 aus der Himmelfahrt Fundgrube in Freiberg sowie ein Beispiel mit Entfernungsangaben zum Mundloch in Lachtern aus dem Trau auf Gott Erbstolln in Lichtenberg bei Freiberg.

Bild 1.3.05:
Quartalswinkel mit Angabe Quartal Reminiscere 1770 sowie einem Gedingezeichen. Himmelfahrt Fundgrube, Freiberg, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Bild 1.3.06:
Quartalswinkel mit Lachterangabe bis zum Mundloch (113 Lachter), von 1814. Trau auf Gott Erbstolln, Lichtenberg bei Freiberg, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Bisher in der Literatur offenbar noch nicht dokumentiert ist ein auf dem Kopf stehendes L, sicher ein Quartalswinkel für das Nachreißen der Firste, vergleichbar dem Gedingezeichen. Das Zeichen wurde jedoch auch innerhalb eines Stollens nicht einheitlich verwendet. So finden sich z.B. in der Müdisdorfer Rösche für das Nachreißen der Firste sowohl die eigentlichen Quartalswinkel L als auch das auf dem Kopf stehende Zeichen. Auch zu diesem Zeichen existiert wieder die spiegelbildliche Form bei Vortrieb von links.

Bild 1.3.07:
Quartalswinkel für das Nachreißen der Firste, aus der Müdisdorfer Rösche, Müdisdorf bei Brand-Erbisdorf, Sachsen. Vom Nachreißen der Rösche, um 1855. Foto Thomas Witzke.

Bild 1.3.08:
Quartalswinkel für das Nachreißen der Firste, aus der  Grube Gesegnete Bergmannshoffnung, Obergruna, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

mögliche Vorläufer der Quartalswinkel

Die Quartalswinkel finden sich im Erzgebirge ab dem 16. Jahrhundert. Vermutlich als Vorläufer wurden nach ADLUNG (in LEUPOLD & HOCKER) für jedes Quartal eigene Zeichen verwendet: Reminiscere "Z", Trinitatis "T", Crucis (ein auf dem Kopf stehendes "L") und Luciae "L". Der einfache Quartalswinkel leitet sich dann von dem "L" für Luciae ab. Das Zeichen für Crucis darf hier nicht verwechselt werden mit dem identisch aussehenden, im Bild 1.3.06 und 1.3.07 dargestellten Quartalswinkel für das Nachreißen der Firste.
Einen Hinweis auf derartige Vorläufer könnten die Stufen in einer Grube im Kiesholz bei Marienberg bieten. Hier taucht jedoch ein "R"-ähnliches Zeichen auf, das auch für das Quartal Reminiscere stehen könnte. Diese Deutung bietet sich an, da auch ein "T"-ähnliches Zeichen und ein "L" gefunden wurden. Problematisch ist jedoch, dass die Zeichen in der Grube z.T. recht weit auseinander liegen und eine kontinuierliche Abfolge fehlt. Insofern sind diese Deutungen nur als Vermutung zu betrachten.

Bild 1.3.09:
Eventuell Zeichen für Quartal Reminiscere. Zweite Hälfte 16. Jahrhundert. Grube im Kiesholz, Marienberg, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Bild 1.3.10:
Eventuell Zeichen für Quartal Trinitatis. Zweite Hälfte 16. Jahrhundert. Grube im Kiesholz, Marienberg, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Bild 1.3.11:
Eventuell Zeichen für Quartal Luciae. Zweite Hälfte 16. Jahrhundert. Grube im Kiesholz, Marienberg, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}

1.4. Jahrestafeln

Jahrestafeln dokumentieren den Vortrieb des jeweiligen Jahres. Im Freiberger Revier wird das Schlagen von Jahrestafeln 1785 erstmals in einem Regulativ geregelt. Ältere Tafeln mit Jahresangaben stehen meist im Zusammenhang mit besonderen Ereignissen und werden in Kapitel 4.1. behandelt.
Die Jahrestafeln müssen nicht von der Auffahrung stammen, auch beim Nachreißen von Stollen wurden solche Tafeln geschlagen.

Das genannte Regulativ findet sich bei ADLUNG (1998) auszugsweise abgedruckt und soll nach dieser Quelle auch hier wiedergegeben werden:
"… Sonnabend der 12. Woche im
Quartal Luciae 1785, 24. 12. 1785
Einhauung der Jahresstuffen auf den Gruben,
durch die Herrn Revier-Geschwornen

Um eines theils den fahrenden Beamten in Stande zu setzen, sogleich in der Grube übersehen zu können, wie die Hauptarbeiten einer Grube durch Abteufen in den Kunst- und Treibeschächten, ingleichen durch Betrieb der Stolln- Mittel- und Gezeugstrecken – Ortern, in jedem Jahre fortgegangen, andern theils die angestellten Markscheidern deren Obliegenheit es ist, auf den Hauptrißen der Gruben von Zeit zu Zeit wenigstens alljährlich nachzubringen, mit ihren Zügen näher zu übersehen, überhaupt aber beyderley Arbeiten, so viel wie möglich auf gleiche Zeitpuncte zu setzen, und hiernach ihre Gemerkungen genau zu bestimmen, ist es von Seiten des Bergamtes nach angestellter Überlegung und hierzu eingehohlter Approbation f. Hochlöbl. Oberberg Amts vor wohlgetan und nöthig angesehen worden, die allgemeine Einrichtung dahin zu treffen, daß jeder wder Refierfahrenden Herrn Geschworenen auf den Gruben der ihm anvertrauten Refiere
1.) vor jedem betreibenden Stolln- Mittel- und Gezeugstrecken Ort, nicht weniger vor jedem Haupt – Abteufen, worunter aber kurze Versuchs – Orter, Gelärsche und kleine Gesenke nicht zu verrstehen, beym Schluß des Quartals Luciae eines jeden Jahres, eine vollkommen zuverlässige Jahresstuffe mit der Jahr – Zahl als zb:
L. 1785
einhaun.
2.) Für diese Einhauung einer Jahres Stuffe in der Grube erhält dagegen der Refierfahrende Geschworene, jedesmal im Quartal Reminiscere des darauffolgenden Jahres, ebensoviel als für eine Markscheide – Stuffe, nehmlich Acht Groschen Gebühren, bei alten vergewerkschafteten Gruben, ingleichen von den in Erzlieferung stehenden Eigenlehner – Zechen, und reichet darüber, weil diese Verschreibung beym Register nicht in Anschnitt sondern in das Capital Insgemein kommen, alljährlich ein doppeltes Verzeichniß der eingehauenen Jahresstuffen, mit der Anzeige, wie viel vor jeden Ort des Jahres aufgefahren, und in den Haupt – Abteufen alljährlich abgeteuft sey? längstens mit Schluß des neuen Quartals Reminiscere f.a. zur Anordnung der passirlichen Verschreibung mittels des Haußhalts – Protocolls zum Berg Amt ein, wovon das eine Exemplar zum Hochlöbl. Ober Berg Amt eingereicht, das zweite aber an den Markscheider, zur Completirung des Nachbringens auf den Rissen hinaus gegeben, von den letzteren, nach erfolg der Züge, mit darauf gebrachten kurzen Bemerkungen, wo das Nachbringen geschehen, und die Einhauung der Jahres – Stuffe gefunden worden, wieder zum Berg Amte zurücke gegeben wird.
Mit dieser allgemeinen Einhauung der Jahres – Stuffe, soll beym gegenwärtigen Ablauf des 1785ten Jahres der Anfang gemacht werden, weshalben Berg Amts wegen sämtliche Herrn Refiergeschworenen, sowohl als die Herrn Markscheidern, hiernach angewiesen, und ihnen die sorgsame Beobachtung solcher Anordnung, damit der vorhabende Endzweck erreichet werde, angelegenst empfohlen worden. Anbey ward zugleich beschlossen, denen sämmtlichen Herrn Schichtmeistern und Eigenlehnern, bey ihrer nächsten Anwesenheit zur Aufrechnung an der Bergamtsstelle davon Eröffnung zu thun, und das weitere Nöthige hierunter anzuordnen …
"

Im Freiberger Revier zeigen die Tafeln eine Jahreszahl und den Quartalswinkel (bzw. die spiegelbildliche Form, je nach Vortriebsrichtung). Die Ausführung der Tafeln ist sehr unterschiedlich. Es finden sich Jahreszahlen, die einfach in eine mehr oder weniger ebene Gesteinsoberfläche geschlagen wurden. In den meisten Fällen wurde jedoch zunächst eine ebene Grundfläche von etwa 15 x 30 cm in das Gestein gehauen und hier dann die Jahreszahl und der Winkel. Auch vorgefertigte Steintafeln aus Gneis, Sandstein oder Schiefer kamen zum Einsatz, die untertage in herausgehauene Nischen gesetzt wurde. Gelegentlich gibt es auch Tafeln aus Holz.
Oft befindet sich der Quartalswinkel zwischen der zweiten und der dritten Zahl, aber es gibt auch zahlreiche Tafeln, auf denen das nicht der Fall ist, sondern bei denen er direkt vor oder nach der Jahreszahl steht, oder auch bis zu etwa einem halben Meter entfernt sein kann. Da die Tafeln auch für markscheiderische Zwecke verwendet wurden, sind häufig Bohrlöcher und Holzdübel für das Anbringen der Schnur zu beobachten.
Im folgenden sollen einige Jahrestafeln unterschiedlicher Ausführung und Erhaltung im Bild vorgestellt werden.

Bild 1.4.01:
Jahrestafel von 1790, aus dem Trau auf Gott Stolln, Lichtenberg bei Freiberg, Sachsen. Der Quartalswinkel fehlt hier. Foto Thomas Witzke.

Bild 1.4.02:
Jahrestafel von 1791, aus dem Trau auf Gott Stolln, Lichtenberg bei Freiberg, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Bild 1.4.03:
Jahrestafel von 1791, aus der Müdisdorfer Rösche, Müdisdorf bei Brand-Erbisdorf, Sachsen. Mit Quartalswinkel und einem "L" in Schreibschrift für Quartal Luciae. Foto Thomas Witzke.

Bild 1.4.04:
Jahrestafel von 1791, aus der Grube Himmelfahrt, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Bild 1.4.05:
Jahrestafel von 1792, aus der Grube St. Michaelis, Bärenstein bei Altenberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Holger Lausch.

Bild 1.4.06:
Jahrestafel von 1793, aus dem Trau auf Gott Stolln, Lichtenberg bei Freiberg, Sachsen. Mit Holzdübel im Quartalswinkel. Foto Thomas Witzke.

Bild 1.4.07:
Jahrestafel von 1795, aus der Grube Rheinisch Wein, Halsbrücke bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Holger Lausch.

Bild 1.4.08:
Jahrestafel von 1798, aus der Grube Reiche Zeche, Freiberg, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Bild 1.4.09:
Jahrestafel von 1813, aus der Grube Reiche Zeche, Freiberg, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Bild 1.4.10:
Jahrestafel von 1829, aus der Grube Gesegnete Bergmannshoffnung, Obergruna bei Freiberg, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Bild 1.4.11:
Jahrestafel von 1831, aus der Grube Gesegnete Bergmannshoffnung, Obergruna bei Freiberg, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Bild 1.4.12:
Jahrestafel von 1842, als Stein im Ausbau. Alte Hoffnung Erbstolln, Schönborn-Dreiwerden, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Bild 1.4.13:
Jahrestafel von 1852. Thelersberger Stolln, Brand-Erbisdorf, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Bild 1.4.14:
Jahrestafel von 1852, vom Nachreißen der Rösche. Müdisdorfer Rösche, Müdisdorf bei Brand-Erbisdorf, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Bild 1.4.15:
Jahrestafel von 1855, vom Nachreißen der Rösche. Müdisdorfer Rösche, Müdisdorf bei Brand-Erbisdorf, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Bild 1.4.16:
Jahrestafel von 1857, vom Nachreißen der Rösche. Müdisdorfer Rösche, Müdisdorf bei Brand-Erbisdorf, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Auch aus dem Kamsdorfer Revier, Thüringen, ist eine Jahrestafel mit einem Quartalswinkel bekannt.

Bild 1.4.17:
Jahrestafel von 1857, aus dem südlichen Flügelort vom Veltheimstollen bei Silberkrone, Kamsdorf, Thüringen. Foto Michael Pfefferkorn.

Zuweilen finden sich an den Jahrestafeln auch Lachterangaben. Hier ein Beispiel aus Jöhstadt von 1795 mit der Angabe 18 Lachter, aus Zug bei Freiberg von 1848 mit der Angabe von 46,4 Lachtern sowie aus der Segen Gottes Fundgrube bei Zöblitz, Erzgebirge von 1866 und der Angabe 61,2.

Bild 1.4.18:
Jahrestafel von 1795 mit Lachterangabe. Andreas Gegentrum, Jöhstadt, Erzgebirge, Sachsen. Foto Robert Brückl.

Bild 1.4.19:
Jahrestafel von 1848 mit Lachterangabe 46,4. Vom Leander Stehenden, Zug bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Bild 1.4.20:
Jahrestafel von 1866 mit der Angabe 61,2 und einem Quartalswinkel. Segen Gottes Fundgrube, Zöblitz, Erzgebirge, Sachsen. Foto Robert Brückl.

Auch in anderen Revieren gibt es Jahrestafeln, die sich jedoch in der Ausführung unterscheiden. Aus dem Reicher Silbertrost Stolln bei Geyer ist eine Tafel mit der Jahreszahl 1589 bekannt. Der senkrechte Strich zwischen der zweiten und dritten Ziffer weist darauf hin, dass es sich vermutlich um eine echte Jahrestafel, d.h. eine zum Jahreswechsel geschlagene Tafel, handelt, und nicht um eine "Ereignistafel", die von einem beliebigen Zeitpunkt im Jahr stammen kann.
Im Ernst August Stollen im Harz findet sich eine Tafel, die nicht den Stand zum Jahresende, sondern zum 1. Januar 1888 dokumentiert.

Bild 1.4.21:
Vermutliche Jahrestafel von 1589 (mit Strich zwischen der 5 und der 8), aus dem Reicher Silbertrost Stolln, Geyer, Erzgebirge, Sachsen. Foto Norbert Schüttler.

Bild 1.4.22:
Jahrestafel vom 1. Januar 1888 aus dem Ernst August Stollen, Harz, Niedersachsen. Foto Michael Pfefferkorn.

Literatur:
ST. ADLUNG (1998): Gedinge- und Vortriebszeichen im sächsischen Erzbergbau.- Schriftenreihe Akten und Berichte vom sächsischen Bergbau, Heft 7. Jens-Kugler-Verlag Kleinvoigtsberg.

© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}

1.5. Vortriebstafeln

Die folgenden Beispiele stellen Tafeln dar, die einen Vortrieb oder einen Arbeitsfortschritt zu einem gewissen Zeitpunkt oder innerhalb einer Zeitspanne dokumentieren. Ihre Funktion entspricht damit den Jahrestafeln, jedoch wurden sie nicht zum Jahreswechsel geschlagen, oder sie stellen ein Analogon zu den Quartalswinkeln dar.

Die nächsten zwei Bilder zeigen Tafeln aus dem Freiberger Revier, die den erreichten Vortrieb innerhalb eines Jahres (von Sept. 1767 bis Sept. 1768 bzw. Sept. 1769 bis Sept. 1770) dokumentiert. Bemerkenswert ist die Gestaltung der unteren Begrenzung der Tafeln.

Bild 1.5.01:
Tafel über den Vortrieb in einem Jahr, aus der Grube Reiche Zeche, Freiberg, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Text:
VON QVARTAL
CRV IN 37 W 1767
BIS IN 37 W CRV
68 SIND 52 LA
AVFGEFARN
WORDEN
gehauen
VON G E

Bild 1.5.02:
Tafel über den Vortrieb in einem Jahr, aus der Himmelfahrt Fundgrube, Freiberg, Sachsen. Foto Thomas Witzke.

Die folgende Lachtertafel vom Quartal Reminiscere 1769 findet sich in Kamsdorf, Thüringen. Auf ihr ist die Strecke 24 ¾ Lachter vermerkt.

Bild 1.5.03:
Tafel vom Quartal Reminiscere 1769 mit Lachterangabe, Kamsdorf, Thüringen. Foto Michael Pfefferkorn.

© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}

1. Gedinge- und Vortriebszeichen, Jahrestafeln, Vortriebstafeln

1.6. Zähltafeln, sonstige Abrechnungen von Arbeitsleistungen

Neben dem Vortrieb wurden auch andere Arbeiten im Bergbau wie Zimmerung, Mauerung usw. verdingt. Nur in Ausnahmefällen dürften sich hier Hinweise auf derartige Gedinge untertage in Form von Zeichen oder ähnlichem finden, da die Abrechnung in anderer Form erfolgte. Nummerierungen am Gewölben oder an Ausbauten könnten auf derartiges hinweisen. In der Müdisdorfer Rösche bei Brand-Erbisdorf lassen eingeschlagene römische Zahlen an Stellen, an denen ehemals Holzausbauten vorhanden waren, eine derartige Deutung zu.
Neben schriftlichen Quellen können z.B. Kerbhölzer oder Steckbretter Hinweise auf die Abrechnung anderer Arbeitsleistungen im Bergbau geben, allerdings muß nicht notwendigerweise ein Gedinge vorliegen.

In den Kalksteingruben bei Maastricht finden sich öfter eingekratzte oder aufgemalte Zeichen, die von einer Zählung der abgebauten Kalksteinblöcke stammen. Oft handelt es sich um einen senkrechten Strich, an dem links und rechts kleine Striche in Fünfergruppen für die abgebauten Blöcke stehen.

Bild 1.6.01:
Eingekratzte Zählung der abgebauten Kalksteinblöcke, 16. Jahrhundert. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (direkt südlich von Maastricht). Foto Thomas Witzke.

Das folgende Bild zeigt eine Letten"tafel" nach dem Prinzip des Steckbrettes mit einem verwittertem Holzstift zum Zählen von Hunten und befindet sich an einem Füllort in Kamsdorf, Thüringen.

Bild 1.6.02:
Lettentafel zum Zählen der Hunte an einem Füllort. Kamsdorf, Thüringen. Foto Michael Pfefferkorn.

© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren

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