Recherche nach historischer Literatur im Internet
Es gibt verschiedene Methoden nach historischer Literatur zu suchen, das Internet bietet dem Nutzer vielfältige Möglichkeiten der Recherche vom ortsunabhängigen PC aus.
Der Bestand der meisten Bibliotheken und vieler Antiquariate ist durch dieses Medium auf einfache Weise zu erreichen.
Damit die Suche nach virtuellen Bibliotheken nicht zur Qual wird, habe ich hier die wichtigsten in einer Linksammlung zusammengefasst.
Es ist aber zu bedenken, daß eine Recherche historischer Literatur im www nur als Ergänzung zur konventionellen Suche verstanden werden kann, vor allem deswegen, weil nur ein kleiner Teil der tatsächlich in den Bibliotheken vorhandenen Bücher elektronisch erfaßt ist. Die wenigsten Bibliotheken haben ihre Bestände vollständig erfaßt. Ein älteres Buch nicht im OPAC einer Bibliothek zu finden, bedeutet es also noch lange nicht, daß es dort nicht vorhanden ist!
Informieren Sie sich deshalb, ab welchem Zugangsjahr die Bibliotheken ihre Bestände elektronisch katalogisiert hat und nutzen Sie ggf. den Zettelkatalog.
Drei Gruppen von Datenbanken bieten sich zur Recherche an: Datenbanken von Bibliotheksverbünden / Katalogen, die Kataloge der Antiquariate, und die des Buchhandels. Die Kataloge des Buchhandels führen in der Regel nur die im Buchhandel erhältlichen Bücher auf. Es wird sich daher anbieten, zuerst in den Bibliothekskatalogen zu suchen, da diese auch ältere Bücher nach und nach erfassen.
Für eine Recherche empfiehlt es sich, zuerst einen Überblick zum System der Verschlagwortung in der Datenbank zu gewinnen um dann eine Liste effektiver Schlagwörter zu erstellen, und diese schließlich nach und nach in Kombination mit dem Schlagwort ‚Bergbau‘ usw. abzufragen (Nur Titelstichwörter suchen zu lassen empfiehlt sich nicht. Ideal ist natürlich die Kombination von Schlag- und Titelstichwörtern).
Zum Beispiel könnte man zu dem Thema "Bergbaugeschichte Schlesiens" folgende Suchanfragen formulieren:
> Bergbau* Schlesi*
> Schlesi* Montan*
> Geschicht* Schlesi*
Das Sternchen (*) dient hier als Trunkierungszeichen (steht also z.B. für ‚Schlesien‘, ‚Schlesisch‘ etc.), einige Datenbanken verlangen statt des Sternchens ein Fragezeichen (?) oder das Dollarzeichen ($).
Was ist OPAC?
OPAC steht für "Online Public Access Catalogue" und ist ein elektronischer Katalog – eine Datenbank. OPAC kann zur Suche, und teilweise auch zur Bestellung von Büchern, die in den jeweiligen Bibliotheken bzw. Katalogen vorhanden sind dienen.
Was ist Telnet?
Telnet ist eine sog. Terminalemulation. Besitzen Sie auf einem entfernten Rechner ein Account, so können Sie sich mit Telnet von einem anderen Rechner aus einloggen. Sie haben die Möglichkeit, auf Ihre dort gespeicherten Dateien zuzugreifen oder auf dem entfernten Rechner einen Befehl auszuführen. Anfangs wurde Telnet dazu verwendet, mehrere Terminals an einen Zentralrechner anzuschliessen. Durch diese zusammenschliessung wurde es ermöglicht, dass mehrere Anwender sich über mehrere Terminals Zugang zu einem Zentralrechner verschaffen.
Aufgerufen wird Telnet unter UNIX wie folgt: «telnet Rechnername». Arbeiten Sie am Windows PC oder am Mac, so benötigen Sie ein Telnet Programm.
Entsprechende Software finden Sie Hier: http://selfaktuell.teamone.de/links/telnet_ssh_programme.htm#windows
>> Eine Link-Sammlung zu Bibliotheken auf der ganzen Welt finden Sie auf den Seiten (HBZ) in Köln.
>> Der "Bibliographische Werkzeugkasten", eine Übersicht für die bibliographische Recherche im Internet des Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen
(Internationale Bibliotheken, Nachschlagwerke, Biographien, Bibliographien, etc.).
Nachfolgend die Links zu den wichtigsten Katalogen:
> Datenbanken des Buchhandels – aktuelle Literatur
> Recherche von Artikeln
> Deutsche Bibliotheksverbünde
> Recherchen in Österreich und der Schweiz
> Westeuropäische Bibliotheken und Kataloge
> Osteuropäische Bibliotheken und Kataloge
> Onlinerecherche nach antiquarischer Literatur
> Spezielle Kataloge (Geologie, Bergbau, Mineralogie usw)
> Archive in der Bundesrepublik Deutschland
Datenbanken des Buchhandels
Datenbanken des Buchhandels
Verzeichnis lieferbarer Bücher
auf Deutschland beschränkt
ABC Bücherdatenbank
D, US, UK, E, NL
COPAC
weltweit, deutsche Bücher gut vertreten
Amazon
deutsch und US/UK
Recherche von Artikeln
Die Recherche von Artikeln mit historischem Inhalt ist nur für eingeschränkte Teilbereiche möglich. Sehr hilfreich sind seit kurzem einige neue Datenbanken, nämlich:
Historische Bibliographie Online 1990-1999
Bibliographie zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte des deutschen Südwestens 1750-1919
Literaturdatenbank Zeitgeschichte 1914 – 1990 (Schwerpunkt: Zweiter Weltkrieg)
Bei einigen Zeitschriften kann man die Inhaltsverzeichnisse der letzten Jahrgänge online recherchieren:
Bohemia – Zeitschrift für Geschichte und Kultur der böhmischen Länder
Militärgeschichtliche Mitteilungen
Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung
Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte
Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte
Weitere Zeitschriften finden Sie unter http://www.history-journals.de/
Spezielle Kataloge (Geologie, Bergbau, Mineralogie)
Universitätsbibliothek "Georgius Agricola" der Technischen Universität Bergakademie Freiberg
Sammelschwerpunkt Geologie, Mineralogie, Petrologie und Bodenkunde
TU Berlin – Fachgebiet Lagerstättenforschung – Virtuelle Bibliothek
Bibliothek der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und des Niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung, Hannover
Bibliothek des Ruhrgebiets – umfasst: Bibliothek des Instituts für Soziale Bewegungen der Ruhr-Universtiät Bochum (vormals: Institut zur Erforschung der Europäischen Arbeiterbewegung, Bibliothek) die ehemalige Bergbau-Bücherei, Essen und die Bibliothek der ehemaligen Industriegewerkschaft Bergbau und Energie, Bochum
Bibliothek des Deutschen Museums in München
revierbuch.de – Bergbau + Hüttenwesen, Ruhrgebiet und Stadt Essen
Zeitschriftendatenbank (ZDB) – Bei der Login-Seite auf "Guest" klicken und dann auf "Zeitschriftendatenbank" klicken
German Online Kiosk (GOK) – Diese Datenbank enthält Verweise auf über 4300 Zeitungen und Zeitschriften, die sich im Internet präsentieren.
Mediainfo – Diese Datenbank enthält ca. 7800 Links zu verschiedenen Medien im Internet. Der größte Teil besteht aus Links zu Zeitschriften (ca. 2600) und zu Zeitungen (ca. 2550). Der Inhalt überschneidet sich zum Teil mit der Datenbank „German Online Kiosk“, ist jedoch im internationalen Bereich wesentlich besser sortiert.
UnCover – Über 7 Millionen Aufsatznachweise aus 17.000 Zeitschriften – Diese Datenbank ist die größte kostenlos recherchierbare Aufsatznachweise-Datenbank im Internet. Täglich kommen über 4000 neue Aufsatznachweise hinzu. Wenn man sich anmeldet, kann man sich die meisten Aufsätze auch im Volltext bestellen. Dies ist jedoch gebührenpflichtig.
Online Informationssysteme an der Geologischen Bundesanstalt Österreich
Deutsche Bibliotheksverbünde
Deutsche Bibliotheken Online – Umfangreiche Linkliste
Die Deutsche Bibliothek, Leipzig
OPAC Sammelbeginn: 1913; alle deutschsprachigen Werke und die in Dtl. veröffentlichten Monographien, außerdem wiss. relevante Zeitschriften u.ä.; Linkliste zu anderen Bibliothekskatalogen im Internet, z.T. mit globaler Suche
OPAC -Deutsche Bücherei Leipzig – gleichzeitige Suchmöglichkeit in den deutschen Bibliotheksverbünden, diversen Nationalbibliotheken, sowie in Buchhandelsverzeichnissen.
Bibliotheksverbund Bayern
OPAC – mehr als 9 Mio. Titel mit über 19 Mio. Nachweisen, Datenerfassung ab Mitte der 70ger Jahre, altbestand der BSB (1501-1840) vollständig erhalten
Gemeinsamer Bibliotheksverbund
Portal des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes der Länder Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen.
OPAC – über 8,6 Mio. Titel mit mehr als 19 Mio. Nachweisen, je nach Bundesland unterschiedliche Erfassungszeiträume, Altbestand der SUB Göttingen (bis 1945) vollständig sowie der HAB Wolfenbüttel und der ULB Halle teilweise erfaßt
Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz
Elektronischer Nachweis des überwiegenden Teils der Monographien mit Erscheinungsjahr nach 1984 sowie die Mehrzahl der Zeitschriften und aller Zeitungen über DBI-Link
Deutschschweizer Bibliotheksverbund
www: nur Stichwortrecherche – OPAC
Telnet: alle OPAC-Funktionen – Telnet-OPAC
Karlsruher Virtueller Katalog
OPAC – gleichzeitige Suchmöglichkeit in den deutschen Bibliotheksverbünden, diversen Nationalbibliotheken, sowie in Buchhandelsverzeichnissen
Recherchen in Österreich und der Schweiz
Österreich:
Online Informationssysteme an der Geologischen Bundesanstalt
Österreichischer Verbundkatalog
Gesamtkatalog
Österreichische Nationalbibliothek
Wien
Österreichische Akad. der Wissenschaften
Bibliothek und Archiv, Wien
Schweiz:
Deutschschweizer Bibliotheksverbund
www: nur Stichwortrecherche – OPAC
Telnet: alle OPAC-Funktionen – Telnet-OPAC
Hochschulbibliotheken in der Schweiz
Westeuropäische Bibliotheken und Kataloge – Auswahl
Europa:
Gabriel: Gateway to the European National Libraries
Gabriel: Verbundkataloge (Sampler europ. nationaler Verbundkataloge)
European Libraries (Sammlung von WWW-OPACs)
WWW-OPACs – europ. Nationalbibliotheken
Großbritannien:
British Library
London – OPAC
Britischer Verbundkatalog
OPAC
Frankreich:
Bibliothèque nationale de France
Paris – OPAC
Opaline: beinhaltet Sondermaterial wie Karten, Musikalien etc. – Telnet-Login: opaline – Telnet-OPAC
Italien:
Biblioteca Nationale Centrale
Firenze – OPAC
Unione Romana Biblioteche Scientifiche
Verbund Wiss. Bibliotheken in Rom – OPAC
Niederlande:
Bibliotheken in den Niederlanden
Osteuropäische Bibliotheken und Kataloge – Auswahl
Tschechien:
Národní knihovna Ceské republiky
(Veškeré prírustky od r.1995,téz neknizní literatura. Starší litertura doplnována prubezne. Ceská produkce od r.1930 v úplnosti)
OPAC
Univerzita Karlova, knihovny
Praha – OPAC –
Moravská zemská knihovna
The Moravian Library, Brno
Verbundkatalog:
Souborný katalog Univerzita Karlova u.a. Recherchemöglichkeit in der Státní Vedecká Knihovna, Ceske Budejovice
Polen:
Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Warschau
OPAC
– Biblioteka Narodowa,
Waszawa – OPAC
– Biblioteka Uniwersytecka w Warszawie
Waszawa – OPAC
– Biblioteka Jagiello´nska
Jagiellonian Library, Kraków – OPAC
Niektóre polskie biblioteki w Internecie
Polnische Bibliotheken im Internet, sortiert nach Orten
Slowakei:
Slovenská Národná Kniznica,
Martin – OPAC
Ungarn:
Kossuth Lajos Tudományegyetem
Debrecen = Lajos-Kossuth-Universität, Bibliothek – OPAC –
József Attila Tudományegyetem Egyetemi Könyvtár
Szeged – OPAC –
Országos Széchényi Könyvtár
Budapest – Ungar. Nationalbibliographie. Telnet-Login: ikb – Telnet-OPAC
Rumänien:
Biblioteca Centrala Universitaria, Bucuresti – Telnet-OPAC
Biblioteca Nationala a României, Bucuresti
Slowenien:
National- und Universitätsbibliothek
Ljubljana
Kroatien:
Nacionalna i Sveucilisna Knjiznica
Zagreb – OPAC
Telnet-Login: opac1; Password: drücke "Enter"
Moldawien:
– National Library of Moldova, Chisianau
Litauen:
Lietuvos Integrali Biblioteko Informacijos Sistema
Verbundkatalog Lit. Bibliotheken – OPAC
Lietuvos nacionaline Martyno Mazvydo Biblioteka
Vilnius – Nationalbibliothek von Litauen – OPAC
Russland:
Biblioteka Inostrannoj Literatury im. M.I. Rudomino
Library for Foreign Literature, Moskva
Gosudarstvennaja Punlicnaja Istoriceskaja Biblioteka Rossij
Moskva – OPAC
The Moskow M.V. Lomonosov State Univ., Scientific Library
MSU – OPAC
Rossijskaja gosudarstvennaja Biblioteka
Moskva, Russische Staatsbibliothek – OPAC
Rossijskaja National’naja Biblioteka
Sankt Petersburg – OPAC
Ukraine:
Natsional’na Biblioteka Ukrainy
Vernads’koho, Kiev. für Informationen in engl. Sprache siehe auch hier
Onlinerecherche nach antiquarischer Literatur – eine Auswahl
teilweise übernommen und ergänzt von Han, Dieter Hartges, hb, nrw.de
abebooks : The Advanced Book Exchange Home Page Informationen in engl. Sprache, Mit vielen Links (u.a. zum Gesam, WW, OPAC), (Beinhaltet d. Daten von z.Zt. ca. 10.000 Antiquariaten weltweit mit ca. 35.000.000 Titelnachweisen),
AddALL WW, OPAC, Durchsucht d. OPACs von ca. 35 Buchhandelsdatenbanken (alt u. neu) und stellt Preisvergleiche an.
Aktuelle Lagerkataloge und Listen des Antiquaria, Buchhandel Zum Durchblättern,
Alibris, The Ultimate Source for OP and Rare Books Vorher: Interloc, Informationen in engl. Sprache, Mit Links u. WW, OPAC, (siehe auch amazon.com zShops),
Annuaire Electronique International des Librairies de Livres d’Occasion Zum Browsen,
Antiqbook Informationen in niederländ. oder engl.Sprache, Mit Links (u.a. zu d. Datenbanken enthält z.Zt. ca. 1.200.000 Eintragungen, Gesamtkatalog z. Zt. 153 Antiquariate aus den Niederlanden, Australien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada, Schweiz u. USA)
antiquariaat.net / MTA : Modern Times Automatisering, Kopenhagen Informationen in engl Sprache, Mit Links, (Internetdienst für Antiquariate in Skandinavien u. in d. Niederlanden)
Antiquarian Books in Scandinavia Informationen in engl., schwed., dän., norweg. oder finn. Sprache, Mit Links (u.a. zum Gesam, OPAC), (Gemeinschaftskatalog von z.Zt. 71 skandinav. Antiquariaten, Inhalt: z.Zt. ca. 483.000 Titel)
Bibliology Limited, Bromley Informationen in engl. Sprache, Mit vielen Links u. WW, OPAC, (Verbund von z.Zt. 108 Antiquariaten)
biblion, London Informationen in engl. Sprache, Mit vielen Links u. WW, OPAC, (siehe auch ABE), (Verbund von z.Zt. 301 Antiquariaten)
Bibliophile Mai, List Address List Zum Browsen, Mit Links,
Biblioroom, Bruxelles Antiquariatsverbund, Informationen in franz., engl. oder niederländ. Sprache, Mit Links (u.a. zum Verbun, OPAC), (siehe auch ABE), (Verbund von z.Zt. 80 Antiquariaten, überwiegend aus Belgien u. Frankreich)
Bibliophile.net : books, old, antiquarian, rare, search and buy Informationen in engl., dt., ital., franz. oder span. Sprache, Mit Links (u.a. zum WW, OPAC)
Bookavenue.com, Used, Rare, ou, o, print books for sale Verbund von z.Zt. 642 Antiquariaten aus d. anglophonen Bereich (überwiegend USA), Mit Gesam, WW, OPAC,
Bookavenue.com, Mitgliederverzeichnis WW, Index oder zum Browsen,
BookFinder.com Met, Büche, Suchmaschine, Vergleicht d. Angebote von Onlin, Buchhandlungen u. Antiquariaten (gemeinschaftl. oder wahlweise alt oder neu), (enthalten sind die Angebote von 1BookStreet.com, A1Books, amazon.com, Barnes & Noble.com, BookCloseOuts.com, Fatbrain.com, ecampus.com, ElephantBooks.com, Powell’s Books, TextbookX u. Textbook Source (Neuware) u. abebooks, Alibris, AntiQBook, Biblion, BookAvenue.com, ILAB, Half.com, TomFolio.com u. Used Book Central (antiquar. Bücher),
BookHq Met, Büche, Suchmaschine, Vergleicht d. Angebote von Onlin, Buchhandlungen u. Antiquariaten,
Bookphilia : An Online Magazine Dedicated to the Book World Zum Browsen,
Books and Book Collecting Mit vielen Links (auch für d. Antiquariatsbereich),
books.classicforum.com (formerly cli, books, now Alibris) Informationen in engl. Sprache, Mit Links u. WW, OPAC, (Plattform für Antiquare u. Sammler), (!! von Alibris übernommen !!),
BookTownNet Kooperation zwischen 5 Bücherstädten: Bredevoort (NL), Fjærland (NO), Ha, o, Wye (GB), Montolieu (FR) u. Redu (BE), Informationen in engl., niederländ., franz. oder norweg. Sprache, Mit vielen Links,
The BookWire Index, Antiquarian Booksellers Zum Browsen,
BookZONE, Literary Leaps, – Antiquarian & Rare Books Informationen in engl. Sprache, Mit vielen Links,
Bublos.com Met, Büche, Suchmaschine, Vergleicht d. Angebote von Onlin, Buchhandlungen u. Antiquariaten,
Der Buechersammler / Felix Lorenz, M.A. Informationen in dt. Sprache, Mit vielen Links,
Dealers Specialised in Book, o, Books Informationen in engl. Sprache, Mit Links,
Dealers which specialize in scientific and medical antiques Zum Browsen, Mit einigen Links, (Verzeichnet sind auch Antiquariate),
GEMM : Global Electronic Music Marketplace WW, OPAC, Beinhaltet z.Zt. ca. 1.500.000 antiquar. u. neue CDs, LPs u. Memorabilia von ca. 900 Händlern oder Privatpersonen,
IberLIBRO / IberLIBRO Digital S.L., Llanera, Asturias Informationen in span. Sprache, Mit Links u. Verbun, OPAC, (Hispanophoner Antiquariatsverbund von z.Zt. 43 Antiquariaten, Katalog enthält z.Zt. 267.000 Titel),
ILAB : International League of Antiquarian Booksellers Home Page Informationen in engl. oder französ. Sprache, Mit vielen Links,
ILAB : Current ILAB Electronic Catalogs Mit Links zu d. Katalogen,
KBC Online Book Related Information Links Beinhaltet auch viele Links für d. Antiquariatsbereich,
KBC Used Book Store White Pages Zum Browsen, Mit Links,
Recently printed Antiquarian Booksellers Catalogues / NAN Informationen in engl. oder niederländ. Sprache, Mit Links,
SFB : Suche & Finde Bücher / SFB Antiquariat, Wien Met, Suchmaschine, WW, OPAC, Informationen in dt. oder engl. Sprache, , Mail: contact@sfb.at, (Die SFB Suchmaschine greift auf über 60 Millionen neue und antiquarische Bücher zu, Durchsucht werden d. Kataloge von SFB, ZVAB, abebooks, antbo.de, zeusman.de, Amazon.de u. Buecher.de),
21 North Main, Inc. Marktplatz für antiquar. Bücher, Mit Links u. WW, OPAC,
World Wide Directory of Antiquarian Booksellers Mit Links,
Worldbookdealers Informationen in engl. Sprache, Mit Links u. WW, OPAC, (Verbund von z.Zt. 64 Antiquariaten aus AT, AU, CA, CH, FR, IT, NL, UK u. USA),
Worl, Wide Proof Collectors Informationen in engl. Sprache, Mit Links
Yahoo!, Business and Economy, Shopping, Books, Antique, Rare and Used Zum Browsen, Mit Links,
Archive in der Bundesrepublik Deutschland
Archive in der Bundesrepublik Deutschland – sehr ausführliche Liste!!
Landesarchivdirektion Baden-Wuerttemberg
Archiv des Deutschen Museums Muenchen
Deutsches Literaturarchiv Marbach
Goethe und Schiller Archiv Weimar
Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland
Universitätsarchiv der Humbold-Universität Berlin
Universitaetsarchiv der TU Dresden
Universitätssarchiv der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
Wirtschaftsarchiv des Instituts für Weltwirtschaft an der Universität Kiel
Deutsches Literaturarchiv Marbach
Archiv des Deutschen Museums München
Vereinigung deutscher Wirtschaftsarchivare
Arbeitsgemeinschaft Niedersächsischer Kommunal-Archivare (ANKA)
Untertageverlagerungen der Rüstungsindustrie im südlichen Niedersachsen
Mit der zunehmenden Luftüberlegenheit der Alliierten nahmen seit etwa 1942 die Bombenangriffe in Deutschland und damit die Gefährdung kriegswichtiger Produktionsstätten drastisch zu. Hierbei wurden neben eindeutig militärischen Zielen bald auch systematisch Zivilziele und produzierende Betriebe angegriffen. Die hierbei erzielten Schäden resultierten dabei in empfindlichen Produktionsminderungen, die bis hin zu einem totalen Produktionsausfall führten..
Derartige Produktionsausfälle wiederum führten zu erheblichen Materialproblemen an der Front, sodaß die Aufrechterhaltung des Güternachschubes aus dem Kernreich an die Fronten zu einer mehr und mehr kriegswichtigen Aufgabe wurde. Da die Rückeroberung der Luftherrschaft seit der Aufgabe des Projektes SEELÖWE – die geplante, jedoch nie realisierte Invasion der Wehrmacht in England – nicht mehr machbar erschien, wurden neue Konzepte zur Tarnung und zum Schutz kriegswichtiger Betriebe enwickelt. Hierzu zählte neben dem Bau großvolumiger Bunkerbauten wie zum Beispiel den bekannten U – Bootbunkern an der Küste und den weniger bekannten, mehrstöckigen Bunkerhallen des Types "WEINGUT" in Bayern insbesondere die Untertageverlagerung der Rüstungsproduktion.
Seit Mitte 1943 wurde mit der Einrichtung derartiger Untertagefabriken begonnen. Neben dem Ausbau vorhandener unterirdischer Räumen wie Höhlen, Bergwerken, Kellern, Kasematten und Tunnelanlagen wurde dabei auch eine Vielzahl gänzlich neuer Anlagen geplant und teilweise auch realisiert.
Erweiterter Vortragstext „Altbergbau in Afrika“
Altbergbau in Afrika
Vortrag von Dr. Thomas Krassmann, Rodenberg
gehalten auf dem 3. Internationalen Bergbauworkshop
in Freiberg / Sachsen im Oktober 2000

Nutzung von Granitblöcken zur Zerkleinerung von Golderzen in Eersteling um 1871
gemalt von Thomas Baines
Einführung:
Altbergbau in Afrika – dieses Thema erscheint offensichtlich zunächst vielen Menschen seltsam oder gar abwegig. Als der Autor gefragt wurde, ob er für den diesjährigen 3. Montanhistorischen Workshop in Freiberg erneut einen Vortrag halten wolle und er das Thema "Altbergbau in Afrika" vorschlug, erntete er zunächst ungläubiges Staunen und dann die Frage "Gibt es denn dort überhaupt alten Bergbau ?". Nun – es gibt ihn an vielerlei Stellen und in vielerlei Form.
Afrika ist nach den heutigen Kenntnissen der paläoanthropologischen Forschungen die Wiege der Menschheit und somit geht jede Form der Rohstoffgewinnung in diesem Kontinent viel weiter in die Vergangenheit zurück als in anderen Erdteilen. Später war Afrika die Heimat verschiedener Hochkulturen, von denen hier nur die ägyptische und die zimbabwesche genannt werden sollen. Noch viel später wurde der afrikanische Boden durch europäische Prospektoren und Kolonialisten nach Erzen, Rohstoffen und edlen Steinen systematisch durchkämmt und viele Bergwerke enstanden in der Folgezeit. Heute noch begründen zahlreiche dieser Bergwerke und ihre Produkte die Wirtschaftskraft ganzer afrikanischer Nationen oder stellen heute das bedeutendste – wenn nicht sogar das einzige – nennenswerte Exportgut eines schwarzafrikanischen Landes dar.
Afrika war und ist ein reicher Kontinent und es hat zu keiner Zeit an Versuchen gefehlt, diese Bodenschätze zu heben und sie zum Wohl ganzer Völker oder auch zum Profit Einzelner zu nutzen. Die postkoloniale politische Verunsicherung in vielen Ländern Afrikas haben zwar zeitweise zu einem Niedergang der Explorations- und Bergbauaktivität in weiten Gebieten Afrikas geführt, jedoch stellt man gerade in den letzten Jahren wieder einen dramatischen Anstieg in den Explorationaaktivitäten in Schwarzafrika fest, wobei auch wieder viele ausländische Bergbaufirmen bereit scheinen, sich langfristig zu engagieren.
Afrika war und ist jedoch auch der "dunkle Kontinent", in dem die schriftliche Überlieferung vergangener Ereignisse rar gesät und vor der Kolonialzeit praktisch nicht existent ist. Obwohl in der kolonialen Epoche eine systematische geologische Aufnahme weiter Landstriche stattfand und hierbei auch viele historische und prähistorische Bergbauaktivitäten dokumentiert wurden, so sind diese meist weder der Wissenschaft und schon gar nicht der interessierten Öffentlichkeit zugänglich. Derartige schriftliche Überlieferungen und Dokumente finden sich heute bis auf ganz geringe Ausnahmen auch nicht in den afrikanischen Ländern selbst, sondern in den Staats- und Firmenarchiven der früheren Kolonialmächte, in denen sicherlich noch manche hochinteressante Notiz und mancher Report über den afrikanischen Altbergbau ungesichtet liegt.
In Afrika selbst findet man wie gesagt dergleichen Notizen kaum. Es gibt dort jedoch vielerorts auch heute noch Gelegenheit zur Beobachtung von Techniken und zur Entdeckung von Technikrelikten, die in Europa schon lange ausgestorben oder abgerissen sind.
Materialien zur Geologie und zum Bergbau des Schaumburger Landes
Materialien zur Geologie und zum Bergbau des Schaumburger Landes
Diese Seite ist der Geologie und der Rohstoffgewinnung in Schaumburg gewidmet, wobei insbesondere auf den Wealdensteinkohlenbergbau in der Schaumburger Mulde und deren Randgebiete eingegangen wird
Das ehemalige Fürstentum Schaumburg liegt im Südwesten Hannovers am weithin bekannten Steinhuder Meer in Norddeutschland. Landschaftlich wird es durch den Abfall der letzten Ausläufer der Mittelgebirge in die norddeutsche Tiefebene geprägt, wobei die Bückeberge bis über 360 m Höhe ansteigen.
In der Vergangenheit stellte neben der Landwirtschaft insbesondere der augedehnte Steinkohlebergbau einen wesentlichen Wirtschaftsfaktor von Schaumburg dar. Zwar erreichte der hiesige nie den Bekanntheitsgrad anderer westdeutscher und ostdeutscher Steinkohlenreviere wie Ruhrgebiet und Sachsen, trotzdem handelte es sich viele jahrhundertelang um ein bedeutendes Revier, das bis zum Anfang der 60er Jahre viele Familien ernährte.
Besuch bei der Bergbauforschungsgruppe Bramberg in Österreich 1996
Österreichische Untertageschmankerl
1996 & 1999
Editorial:
Seit Anfang 1997 war der folgende Bericht über die Jahresexkursion der Bergbauforschungsgruppe Roter Bär in das westliche Österreich auf der alten GAG – Seite abrufbar. Hier ist er wieder, leicht verändert und ergänzt. 1999 fand der 2. internationale montanhistorische Workshop in Bramberg statt, der durch die dortige montanhistorische Forschungsgurppe organisiert wurde. Auch hiervon liegt ein Bericht aus der Taste des Autors vor, der manch Ergänzung zu dem 1996 gesehenen und berichteten enthält. Thomas Krassmann, im Mai 2000
BERGKNAPPEN, GEISTERSPUK UND LOSTAGE
Eine montanhistorische Exkursion durch Salzburg und Tirol vom 8.9 – 14.9.1996 Es ist schon fast gute Tradition geworden : Einmal im Jahr brechen die Mitglieder der Arbeitsgruppe Roter Bär aus ihrer Harzer Höhle auf und besuchen im Zuge eines montanhistorischen Seminares die Bärenhöhlen Gleichgesinnter. Und so war es auch in diesem Jahr. Nachdem lange Zeit sowohl Tirol wie auch das südliche Norwegen im Gespräch waren – beides montanhistorisch gleichermaßen interessante Gebiete – fuhren wir schließlich gen Süden. Wobei wir uns, um es gleich vorneweg zu sagen, ganz überwiegend im österreichischen Bundesland Salzburg und in Südtirol aufhielten, und nur en passant in Tirol. Dennoch war es auch diesmal eine erlebnisreiche Woche und ein Genuss, mal wieder einen ganz anderen und gerade deshalb umso interessanteren Bergbau kennenzulernen. Außer den alteingessessen Bären war diesmal auch ein neues Gesicht dabei, der Schreiber dieser Zeilen ist. Dieser hat leider (?) nicht in Clausthal, sondern in Göttingen studiert und dann auch noch nicht mal Bergbau, sondern "nur" Geologie. So mag dieser Bericht aus der Taste eines "Jungbären" vielleicht etwas anders klingen als der eines altgedienten Bergknappen. Am Vortag des Seminars – Samstag, dem 7.9.96 – trafen wir uns zunächst zum Arbeitseinsatz am Huthaus des "Unverhofften Glückes" in Sankt Andreasberg im schönen Oberharz und stellten hier in den Abendstunden das Betonfundament fertig. Anschließend verfügten wir uns in den Schwalbenherd, wo Wilfried Ließmann uns in Form eines kurzen Referates über das bevorstehende Seminar informierte (Abb.1). Nach frühen Aufbruch am nächsten Morgen wollten wir uns gegen Abend in Mühlbach bei Bramberg im Salzachtal treffen, wo wir von den dortigen Montanfreunden erwartet wurden.
Also geschah es. Am So, dem 8.9.96 krochen wir gegen 05:30 Uhr aus den Schlafsäcken heraus und kamen nach dem üblichen Hin und Her so gegen 7 Uhr tatsächlich los. Das montanhistorische Seminar 1996 der Forschungsgruppe "Roter Bär" hatte begonnen ! Da uns Konvoifahren bei den zu erwartetenden Autobahnverhältnissen wenig empfehlenswert erschien, schlug sich jedes Auto auf eigene Faust durch. Wir, d.h. Reinald Grüning und ich, fuhren dabei über Ulm und Innsbruck, um gleichsam von hinten her über den Gerlospaß hinweg nach Bramberg zu gelangen. Diese Route ist landschaftlich sehr reizvoll, aber zeitmäßig nicht besonders günstig, sodaß wir an den grandiosen Krimmler Wasserfällen vorbei als Schlußlichter das Tagesziel erreichten.

Abb.1 : Geologische Übersichtskarte des westlichen Österreichs mit Eintragung der Lage der befahrenen Besucherbergwerke (große Punkte) (aus : KOSTELKA (1973))
Immerhin hatten wir feststellen können, daß der mit 1507 m recht hohe Gerlospaß, den wir auf unser weiteren Fahrt noch zu überqueren hatten, schon offen war.
Nach einer freundlichen Begrüssung der wohlbehalten Angelangten durch Manfred Strauss und Franz "dem Castner und Holzmeister" und anschließender Quartiervergabe im Haus gegenüber dem ehemaligen Bergamt trafen wir uns zu abendlicher Stunde im Restaurant Kirchner zur geselligen "Instruction oder Verhalt", wie in der eigens für uns gefertigten Programmbroschüre "für die Perkhmännl aus dem Hohen Norden" nachzulesen steht. Im Laufe dieser Instruktion wurde uns allen klar, wieviel Mühe sich der Museumsverein Heimatmuseum Bramberg – Abteilung Bergbauforschung bei der Programmgestaltung gegeben hatte. Ein herzliches Dankeschön dafür ! Am gleichen Abend hörten wir dann noch gebannt den Ausführungen von Klaus Lewandowski über das ehemalige Bergbaurevier Brenntalwald zu, das erstmalig 1425 erwähnt wird und seine Blütezeit im 17. – 18. Jahrhundert hatte. Neben Kupfererzen wurden hier insbesondere Vitriolerze gewonnen und in mehreren Siedehütten versotten. Insbesondere das hier gewonnene Kupfervitriol soll qualitativ ausgezeichnet gewesen und sich großer Beliebtheit erfreut haben. 1863 wurde der gesamte Bergbau stillgelegt und geriet seither – von geringfügigen Bemühungen um 1926 und nach 1945 abgesehen – fast völlig in Vergessenheit
Dieser Sachverhalt erinnert stark an das zu CANCRINUS Zeiten sehr bedeutsame Bielsteiner Kupferrevier bei Bad Sooden – Allendorf mit seinerzeit hochmodernen Wasserkünsten und zahlreichen Stollen, unter anderem einer solchen mit bleiernen Röhren, das nach seiner Stillegung völlig in Vergessenheit geriet und auch heute noch kaum untersucht ist.
Bis in den frühen Morgen hinein klirrten die Becher und jauchzten die Knappen…
Am nächsten Morgen, Mo, dem 10.9.96, ging es dennoch früh raus – allerdings nicht in den nahen Brenntalwald, sondern in das Revier Mühlbach am Hochkönig, wo ein nahezu ununterbrochener Kupfererzbergbau von der Keltenzeit um 1500 vor Christus bis 1976 überliefert ist. Gebaut wurde eine Vielzahl steilstehender Erzgänge, wobei nach wie vor diskutiert wird, ob es sich um hydrothermale Mineralisationen oder um ursprünglich synsedimentäre Erzanreicherungen handelt.
Wir fuhren zum hoch über der Talaue der Salzach gelegenen Arthurstollen, wo uns Herr Dr. Friedrich Moosleitner vom Institut für Frühgeschichte der Uni Salzburg erwartete. Der 1907 auf 5000 m Länge durch den gesamten Einödberg hindurch aufgefahrene Stollen diente zum Aufschluß der drei annähernd parallel streichenden Brander-, Burgschwaig- und Burgsteingangzüge. Zugleich diente er als Transportweg für die Erze aus dem eigentlichen Mühlbacher Revier, die via Arthurstollen und anschließender Drahtseilbahn nach Mitterberghütten zur Schmelze gebracht wurden. 1928 wurde für Hütte und Bergwerk ein Wasserkraftwerk auf Talniveau erbaut und der Stollen zur Überleitung von Wasser aus dem Mühlbacher Tal genutzt. Zu diesem Zwecke dient er auch heute noch.
Während des Stollenvortriebes wurden 1908 in mehr als 400 m Entfernung vom Mundloch bei einer Saigerteufe von mehr als 100 m prähistorische Abbaue gefunden, die gemeinhin als "keltisch" eingestuft werden. Diese gaben Anlaß zu einer umfangreichen archäologischen Untersuchung und Dokumentation, sodaß mittlerweile der auf 3700 Jahre datierte "Mühlbacher Keltenbergbau" in Form von Zeichnungen und Modellen in zahlreichen Museen vertreten ist.
Nach Besichtigung des in seinen Dimensionen beeindruckenden Wasserschlosses, einem am Stollenmundloch errichteten Rückstaubecken zur gleichmässigen Versorgung der im Tal liegenden Turbinen, fuhren wir in das eigentliche Mundloch ein. Dieses wurde in den letzten Jahren wieder freigelegt und restauriert. Der Arthurstollen selbst wird derzeit für Besucherführungen hergerichtet, die im Sommer 1997 beginnen sollen. Hierzu wurde mit erheblichen finanziellen Mitteln die teilweise brüchige Firste gesichert und zahlreiche Bergbauexponate im Stollen aufgestellt. Zu sehen gibt es unter anderem eine komplette Schüttelrutsche sowie das Füllort eines tonnlägigen Blindschachtes zur etwa 30 m tiefer liegenden Gesenksohle ). Höhepunkt der Führung waren zweifellos die "Keltenbaue" etwa 400 m vom Mundloch entfernt. Zwar sind sie größtenteils versetzt, aber sie dokumentieren doch in eindrucksvoller Weise den Wagemut unserer Altvorderen, die hier bei Kienspanbeleuchtung und engsten räumlichen Verhältnissen tief unter der Erde schürften.
Wir befuhren den Stollen auf etwa 1200 m bis in einen alten Maschinenraum, in dem der vornehmlich aus Kupferkies bestehende Erzgang gut aufgeschlossen ist. Mit maximal 50 cm Mächtigkeit und in stark linsig – absetziger Form ausgebildet war er sicherlich kein allzu rentables Abbauobjekt, was dann auch zu der relativ frühen Schließung dieses Revierteiles geführt hat. Aus einem Grubenhunt konnten auch noch ein paar schöne Erzbelege gesammelt werden. Der Arthurstollen selbst verläuft noch etwa 4000 m weiter bis ins Mühlbacher Tal und steht – der guten Bewetterung nach zu schließen – auch noch weitgehend offen.
Nach Ausfahrt und Mittagspause am Wasserschloß mit herrlichen Blick auf das Salzachtal und die dahinterliegenden Berge der Tauerngruppe fuhren wir nach Hüttau – Larzenbach, wo wir die ehemalige Kupfergrube besichtigten. Auch der Bergbau dieser nur kleinen Lagerstätte ist alt und seit dem 14. Jahrhundert belegt. Die Blütezeit der Kupferabbaus währte bis ins 17. Jahrhundert, eine erneute Abbauperiode von 1835 – 1869. In diesem Zeitraum wurde der untere – Georgstollen und der etwa 20 m darüber liegende obere – Barbarastollen aufgefahren, die über zahlreiche Rollöcher und Abbaue miteinander verbunden sind. Gewonnen wurde Kupferkies und antimonhaltiges Fahlerz in örtlich bis zu 3 m mächtigen Gängen.
Seit 1990 wird dieses Bergwerk durch eine Arbeitsgruppe um Rainer Mrazec wieder aufgewältigt, wobei hervorzuheben ist, daß es sich in diesem Fall – im Gegensatz zum Arthurstollen oder dem noch zu beschreibenden Bergwerk "Hochfeld" – um eine reine Privatinitiative ohne staatliche oder sonstige Zuschüsse handelt. Eine Situation also ganz ähnlich jener am Roten Bären.
Umso bemerkenswerter ist es, wieviel bereits durch die montanhistorische Arbeitsgruppe Larzenbach erreicht worden ist. Rainer Mrazec, der die Führung selbst leitete, berichtete von den anfänglichen Schwierigkeiten bei der Stollensuche und den schwierigen Ausbau der ersten Meter. Dies scheint bei der Aufwältigung alpiner Bergbaue ein Hauptproblem zu sein, da sich vor die im Festgestein meist gut erhaltenen Stollensysteme erhebliche Hangrutschmassen legen. Gelegentliche wassergesättigte Schlammlawinen, sogenannte Muren, können dabei die Stollen mitsamt den davor liegenden Halden so gründlich verschütten (vermuren), daß morphologisch praktisch nichts mehr auf ihr einstiges Vorhandensein im Gelände hindeutet. Auch der Mundlochbereich vieler Stollen stand in den lockeren Hangschuttmassen oft über längere Strecken im Holzausbau, sodaß dieser bereits wenige Jahrzehnte nach der Stillegung auf weite Strecken zusammenbrach. Probleme also, wie man sie in deutschen Montanrevieren beim Aufgraben von Stollenmundlöchern nur selten vorfindet.
Die Führung durch das Larzenbacher Kupferbergwerk gestaltete sich ausnehmend interessant, gibt es doch hier auch heute noch anstehende Kupfer – Antimonfahlerze in großer Mächtigkeit und beeindruckender Ausbildung zu sehen. Selbst am Ausgehenden der Lagerstätte, nur wenige Meter vom Mundloch des Barbarastollens entfernt findet sich noch ein anstehender, mächtiger Erzgang. Ganz erstaunlich, daß dieser nicht von den Alten gebaut wurde und somit ein geologisch – lagerstättenkundliches Naturdenkmal allerersten Ranges. Auch ansonsten bestach das Bergwerk durch seine sehr abwechslungsreiche Führungsroute mit handgeschlägelten Strecken, Gesenken, Aufhauen und Weitungen, in denen häufig neben den bereits erwähnten großartigen Erzaufschlüssen bunte Kupfersinter beeindruckten. Und schließlich tat auch Rainer Mrazec das Seine dazu, durch eine gleichermaßen niveauvolle wie tolerante (wir durften nach Herzenslust nach Erzproben im Haufwerk klopfen) Führung die Befahrung zu einem besonderen Erlebnis werden zu lassen. Für mich als Geologen sicherlich eines der Höhepunkte dieser Exkursion.
Nach einem standesgemäßen Steigerschnaps alias Grubenbitter vor dem Mundloch verabschiedeten wir uns herzlich von Rainer Mrazec und kehrten nach diesem ersten erlebnisreichen Seminartag ins Quartier nach Mühlbach zurück, um hier einem abendlichen Vortrag über den Nationalpark Hohe Tauern zu lauschen. Der gelungene Vortrag einer hauptberuflichen Nationalpark – Rangerin stellte neben einigen lokalen Bieren den würdigen Abschluß dieses Tages dar.
Am zweiten Seminartag, Di, dem 11.9.96 wurde es allmählich alpin. Ziel war das Untersulzbachtal, daß mit der sogenannten Knappenwand als Mineralfundstelle für große, sehr ästhetische Epidotkristalle weltbekannt wurde. In seiner mineralogischen Bedeutung steht die Knappenwand dabei in keiner Weise St. Andreasberg nach. So hatten auch wir später Gelegenheit, uns einige prächtige Epidotstufen im Heimatmuseum Bramberg anzuschauen. Umso bedauerlicher, daß wir keine Zeit mehr fanden, uns den den hier umgegangenen Epidotbergbau direkt anzuschauen.
Der Name Knappenwand läßt schon auf Bergbau schließen und tatsächlich gab es am Fuße der Knappenwand einen nachhaltigen Kupferbergbau. Diese Hochfeld – Vererzung und das vor wenigen Monaten neu eröffnete Besucherbergwerk war unser Ziel. Wir parkten am Gasthof Schiedshof und schnürten zum erstenmal unsere Bergstiefel. Sodann ging es auf dem alten Knappensteig am eindrucksvollen Untersulzbachfall vorbei zum Hochfeld empor. Hier am Hieronymus Erbstollen auf 1050 m Seehöhe wurden wir in der nahen Hütte schon von kundigen Führern erwartet. Leider hatte man uns zuvor versichert, daß es a) völlig sauber in dem Bergwerk sei und man daher auf spezielle Kleidung getrost verzichten könne und b) alles prima ausgeleuchtet sei, sodaß auch kein Bedarf für individuelles Geleucht bestehe. So informiert, verzichteten etliche Mitstreiter auf die genannten Utensilien und mußten später häufig im Dunkeln stehen. Und auch so sauber wie angekündigt war es keineswegs und mancher Ockerfleck fand seinen Weg auf die Bekleidung…
Die Befahrung selbst war eine bemerkenswerte und lehrreiche. Die Grube wurde zuerst um 1525 urkundlich erwähnt und wurde von zahlreichen unterschiedlichen Gewerken und seit 1805 vom österreichischen Staat betrieben, wobei der mit Unterbrechungen von 1525 – 1857 betriebene Abbau mit Zeiten des Niedergangs wechselte. 1857 wurde der ärarische Bergbau endgültig eingestellt. Zu erwähnen ist noch das Geschick eines Privatunternehmers, der am Ende des zweiten Weltkrieges für seinen Besitzverlust in der sowjetisch besetzten Zone entschädigt werden sollte. Er hatte die Wahl zwischen einem Hotelbetrieb an einem Alpensee und der Kupfergrube im Hochfeld. Der wenig glückhafte Mensch zog die Kupfergrube vor und verlor hier mit vergeblichen Untersuchungsarbeiten bis 1954 den Rest seines Vermögens.
Nachdem wir uns in zwei Gruppen geteilt hatten, fuhren wir ein. Gleich hinter den hübsch gestalteten Mundloch zieht sich der Hieronymusstollen leicht geschlängelt durch 136 m Hangrutschmassen, die seit 1990 mit großer Anstrengung zunächst in privater Initiative, dann mit starker finanzieller Beteiligung der Gemeinde Neukirchen und des &oulm;sterreichischen Nationalparkfonds wieder aufgewältigt wurden (Abb. 3). An vielen Stellen tropft das Wasser aus der holzverzimmerten Firste – eine der wenigen nassen Stellen, die wir während der Woche im Bergbau sahen. Wie wir immer wieder feststellen konnten, sind die meisten alpinen Gruben trotz reichlicher Niederschläge und großer Schmelzwasseranfälle erstaunlich trocken – weit trockener jedenfalls als die Harzer Durchschnittsgrube.
Auf die Frage, warum man hier denn den nicht sonderlich lange standhaften Holzausbau gewählt hatte, bekamen wir uns allen Neues über die Lostage zu hören. Holz, so hieß es, schlage man nicht irgendwann, sondern an bestimmten Tagen – eben den Lostagen. Und entsprechend der Schlagzeit hätte das Holz dann ganz unterschiedliche Eigenschaften, sei zum Beispiel praktisch unbrennbar oder besonders hart oder aber, wie hier, als Grubenholz besonders lange standfest. Die zum Holzeinschlag günstigen Lostage richteten sich nach dem Lauf des Mondes und der Gestirne, den Jahreszeiten und nach manch anderen Dingen, die aber nur der Eingeweihte kenne.
Das es Lostage in der Wetterkunde geben soll (z.B. Siebenschläfer oder St. Medardustag) ist einigermaßen bekannt, daß diese oder andere Lostage aber auch einen ganz entscheidenden Einfluß auf die Holzeigenschaften haben, war neu und verdient erwähnt zu werden.
Nun, in Österreich hält man anscheinend viel von dieser Methode und es wäre interessant, zu recherchieren, ob es ähnliche Bräuche auch im Harzer Bergbau gegeben hat (oder vielleicht in der Forst sogar heute noch gibt).
Durch das Festgestein mit schön gefalteten Glimmerschiefer – Gneis Wechsellagerungen ging es dann weitere 259 m zum Gesenk mit einer interessanten, "um die Ecke" gebauten Fördermaschine, wo wir einen Blick auf die Tiefbausohle warfen. Hierbei durften wir auch den frisch verzimmerten Schrägschacht herabklettern und hier den sehr schön aufgeschlossenen Erzgang in Augenschein nehmen. Der etwa 30 cm mächtige, schräg einfallende Gang gehört zum Typus der "stratiformen Kiesvererzungen in Grüngesteinen". Dabei ist der Erzgang kein Gang im eigentlichen Sinne, sondern eine Art mit Kupferkies imprägnierter Biotitschieferlage. Durch die teils bräunliche, teils goldige Verwitterungsfarbe hebt er sich hervorragend und farbenprächtig vom umgebenenden hellen Gneis ab.
Wieder auf der Hauptstollensohle angekommen, fuhren wir gen Westen unter dem Untersulzbach hindurch und dann im Gang über zahlreiche neue Fahrteneinbauten auf das Martinstolleniveau herauf. Hinter einem Gitter soll man hier in Bereiche kommen, wo Kupferdrähte aus der Wand wachsen sollen – ein Anblick, der uns aber leider nicht vergönnt war.
Nach der Ausfahrt über den Martinstollen mit einer schwankenden Drahtseilbrücke über die schäumende Aache hinweg besichtigten wir noch die wieder hergerichtete Bergschmiede und das Haspelhäuschen auf dem ebenfalls neu ausgebauten Richtschacht. Fotos wurden gemacht und noch reichlich über den mit 2 – 3 Millionen Mark aufwendigen Ausbaus dieses doch sehr abgelegenen Besucherbergwerkes diskutiert. Aber man ist hier guter Dinge, daß trotz 1 stündigen strammen Fußmarsches hier genug Besucher hinkommen werden. Schließlich sei man hier in Österreich und die Leute das Bergwandern gewohnt.
Nach einer deftigen Brotzeit in der "Zechenkaue" war es dann Zeit für den Rückweg, auf dem noch reichlich versucht wurde, den Untersulzbachtal zu konterfeien.
Auch an diesem Tag stand noch ein zweites Bergwerk auf dem Programm: die Grube Kupferplatte in der Nähe von Kitzbühel. Dieses Besucherbergwerk verdankt seine Entstehung einem ganz merkwürdigen Anlass, die unlösbar mit dem Namen Grander verbunden ist. Herr Grander nämlich, so entnehmen wir seiner Firmenbroschüre, kam nach langen Forschungen über Wasser zu überraschenden Schlüssen. So ist das heutige Grund- und Trinkwasser durch die bekannten Umwelteinflüsse ein totes Wasser, d.h. sein segensreicher natürlicher Informationsgehalt ist verloren gegangen. Es kann jedoch mittels eines von Herrn Grander entwickelten Universalbelebers wiederbelebt werden und vermag dann Erstaunliches zu leisten, z.B. die Gefährlichkeit von Schadstoffen im Wasser zu lindern, die Haltbarkeit des Wassers positiv zu beeinflussen oder durch das Wasser das Gleichgewicht und Wohlbefinden im menschlichen und tierischen Organismus zu verbessern. Das so belebte Wasser wird dann flaschenweise abgefüllt und verkauft. Mehr als das, vermochte Herr Grander dank seines Universalbelebers auch den Dieselverbrauch der chinesischen Eisenbahnen um 6 % (!) zu senken und ähnlich Erstaunliches mehr.
Diese Ausführungen sind hier nur deshalb so interessant, weil das für den konservativen Absolventen der Clausthaler oder Göttinger Hochschulen nicht ganz nachvollziehbare Verfahren unbedingt notwendige Rohwasser aus einem Stollen fliesst. Und dieser Stollen eines ehemals bedeutenden Kupfererzbergbaus wurde seit 1989 als Besucherbergwerk durch die Firma INNUTEC hergerichtet. Und zwar mit ganz besonderem Engagement und Enthusiasmus. So stellt man eigens Mitarbeiter des Betriebes frei und schickt diese auf Hauerlehrgänge an der Bergschule Leoben, damit sie ihrer Aufgabe bei der Herichtung des Bergwerkes gerecht werden können. Und auch der Zechenvorplatz mit seinen zahlreichen Großgeräten und dem Wagenpark macht einem professionellen Bergbauunternehmen alle Ehre.
Das Bergwerk Kupferplatte selbst wird erstmals 1447 erwähnt und hatte – wie auch fast alle anderen in diesem Bericht erwähnten Bergbaue – seine Blütezeit vom 16. – 18. Jahrhundert. Seit 1750 wurde hier bereits Bohr- und Schießtechnik eingesetzt. Der gesamte Bergbau fand dabei fast ausschließlich oberhalb des Erbstollens über Talniveau statt, erst 1915 kam es zur Anlage eines Blindschachtes zur Erschliessung der Teufe. Obwohl 1922 der Untertagebetrieb noch auf Elektrizität und Pressluft umgestellt wurde, mußte die Grube, bedingt durch die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise, am 31.Juli 1926 schließen. Eine nochmalige Bewertung im Jahre 1938 wies zwar beträchtliche Vorräte nach, führte jedoch nicht mehr zur Wiederinbetriebnahme.
Die Vererzung selbst besteht vorwiegend aus Kupferkies, Pyrit, Markasit und Fahlerz, die Gangart aus Quarz mit wenig Ankerit. Bemerkenswert ist das Vorkommen zahlreicher Oxydationsmineralien, so wurden u.a. auch die ansonsten recht seltenen Minerale Botryogen, Brochantit, Devillin und Langit gefunden. Die Entstehung der Lagerstätte ist vermutlich hydrothermal, obwohl nähere Untersuchungen bisher nicht vorliegen.
Wir fuhren mit dem Zug 500 m in den Stollen ein und wurden hier von einer bunten Lichtwoge und einer Stimme empfangen, die uns Perchmännlein im hallenden Baß begrüßte. Man geht mit der Zeit und ist gerade dabei, die Grube optoakustisch nachzurüsten. Die Stimme wies auf eine Inschrift in der schön handgeschlägelten Stollenulme (= östereichisch für Wange) hin. Hier war unter Schlägel und Eisen die Jahreszahl 1653 zu sehen, und gleich darunter noch einmal selbige Zahl in Spiegelschrift !. Dabei handelt es sich, wie wir von der Baßstimme aufgeklärt hatte, um ein Werk des Geisterglaubens. Brauchten so die Berggeister doch nicht extra aus dem Felsgestein herauszutreten, wenn sie die Jahreszahl lesen wollten. Ausgesprochen pfiffig ausgedacht von den Alten !!
Aus dem Zug heraus, befuhren wir den Stollen bis in den erst jüngst wieder aufgewältigten Bereich, wo man gerade kräftig dabei ist, neue Gleise zu verlegen. Vorbei an einem abgesoffenen Blindschacht mit heute leerer Maschinenkammer kamen wir zu einem verbrochenen Aufhauen, in dem reichlich grüne Sekundärminerale zu bewundern waren. Von hier aus will man sich auf die nächst höhere Sohle heraufarbeiten. Auf der Rückfahrt kamen wir dann abermals in den Genuß des neu eingebauten optoakustischen Spektakulums. Zu sehen waren unter anderem die verschiedenen Abbauverfahren vom Feuersetzen des Altertums mit nachempfundenem knisterndem Holzfeuer bis hin zur Simulation einer neuzeitlichen Sprengung, die nach zweimaligen Blasen mit erheblichen Getöse vonstatten geht. All dies vollelektronisch und beliebig häufig reproduzierbar. Man muß aber betonen, daß diese Mineshow – um ein "schönes" neudeutsches Wort zu gebrauchen – fachlich durchaus kompetent aufgebaut ist und dadurch zu bestechen vermag. Uns allen hat es wohl trotz der vielen Elektronik gut gefallen.
Zum Abschluß der Tour erfuhren wir noch, warum der Grubenhunt Hunt heißt. Und zwar deshalb, weil in den engen mittelalterlichen Strecken und Stollen Hunde zum Ziehen der Förderwagen eingesetzt wurden ! Wieder mal eine neue Erklärung für eine häufig gestellte Frage. Nach der Ausfahrt durften wir uns noch das Betriebsgelände anschauen und fanden hier eine reiche Auswahl unterschiedlichster Grubenloks und Hunte vor. Anschließend saßen wir noch etliche Zeit in der Grubenverwaltung zusammen und fachsimpelten, bis es Zeit wurde, nach Bramberg zurückzufahren. Insgesamt gesehen eine sehr interessante und freundliche Befahrung eines Besucherbergwerkes mit einem ganz ungewöhnlichen Finanzierungskonzept. Herzlichen Dank dafür.
Am Abend gab es dann noch einen weiteren montanhistorischen Programmpunkt. Klaus Lewandowski, der Leiter der Bergbauforschungsgruppe Bramberg, informierte mit einer Diashow über die aktuellen Forschungen seiner Gruppe und bereitete uns auf die morgendliche Exkursion vor.
Gleich nach dem Frühstück teilten wir uns am nächsten Morgen, Mittwoch, dem 11.9.96 in zwei Gruppen, von denen eine aus Lahmen und Fußkranken bestand. Dieser Gruppe war es beschieden, auf den Berg zu fahren und von den dort geparkten Autos aus herabzulaufen, während die rüstigere Aufsteigergruppe den Weg bergan beschritt, um die Autos dort abzuholen. Berichterstatter gehörte zur letzteren Gruppe, in der zunächst das Kalte Grübl auf 950 m über NN befahren wurde, einer jener Stollen, die vornehmlich dem einst blühenden Vitriolabbau im Brennwaldrevier dienten. Genauer gesagt, sollte dieser Stollen die höher angesetzten Stollen unterfahren, um zu erkunden, ob und wieweit das Erzlager in die Tiefe reicht. Kurz nach dem 2. Weltkrieg wurde in diesem Stollen dann nochmal Ocker gewonnen, wobei der Stollen in seiner vorderen Hälfte nachgerissen wurde. Wir bewunderten das von der Bergbauforschungsgruppe Bramberg wirklich hübsch rekonstruierte Mundloch und fuhren frohen Mutes in den im teilweise verkarsteten Veitslehener Marmorzug aufgefahrenen Stollen ein. Nach einem scharfen Knick mit einem kleineren Suchort erreichten wir nach 270 m das vorläufige Ende des befahrbaren Teiles. Von hier aus zieht der originale Stollen zwar offen weiter, ist jedoch bis fast zur Firste verockert. Man kann aber noch gut 50 m hineinschauen. Franz meinte, in den letzten Monaten wäre schon viel Ocker herausgeschwemmt worden, sodaß man demnächst wohl eine Befahrung versuchen könne. Schwierig ist dabei wohl besonders, eine geeignete Wendestelle zum Umkehren in dem engen Stollenprofil zu finden.
Vom Kalten Grübl gings zunächst durch den zeitweise im Abbau stehenden Mühlbacher Steinbruch zurück zu den Autos und nach kurzer Fahrt auf Schusters Rappen steil bergan. Zahlreiche verbrochene Stollenmundlöcher folgten, bis wir unterhalb einer steilen Felswand am Luciastollen in 1120 m über NN anlangten. Hier trafen wir auch die fußlahmen Absteiger wieder, die schon kräftig vesperten. Der Stollen selbst ist theoretisch über 1750 m lang und hat über etwa 40 Schächte und Rollen Verbindung zu zahlreichen weiteren Stollen und Abbauen. Leider aber nur theoretisch, da die mit viel Mühe vorangetriebene Aufwältigung durch die Bergbauforschungsgruppe Bramberg immer wieder durch nachrutschende Glimmerschiefermassen ins Stocken gerät. Derzeit sind etwa 30 m befahrbar. An diesem Stollen wurde deutlich, wie schwierig die Aufwältigung solcher Stollen in dem unwegsamen und steilen Gehänge ist, muß doch jedes Stück Ausrüstung hier hoch getragen werden. Die Stempelhölzer indessen werden am Orte selbst durch den bereits eingangs erwähnten Franz, dem "Castner und Holzmeister" geschlagen und entastet. Auch dies ein tüchtiges Stück Arbeit, vor der wir im Vorbeiklettern den Hut zogen.
Höhepunkt der Befahrung des Brenntaler Revieres war "Unsere liebe Frau" auf 1231 m Höhe, eine der wenigene Stollen des Revieres, die bei den Forschungsarbeiten der Bramberger offen vorgefunden wurden. Die liebe Frau erwies sich aber als recht dreckig, speziell in ihrem hinteren Teil. Hier wurden wir einmal mehr mit reichlich Ocker konfrontiert, weshalb uns schon eingangs empfohlen worden war, unbedingt ockerfeste Kleidung mitzunehmen. In der Tat ein nützlicher Rat ! Ganz hinten in der recht engen lieben Frau wurde es dann noch einmal hübsch bunt. Verschiedene Kupfersekundärminerale in blauen und grünen Farben schmückten die Firste und Eisenocker ließ die Wangen (= in diesem Falle Stollenwände) der lieben Frau erröten….
Nachdem wir unseren Sammlertrieb durch Mitnahme einiger blaugrüner Lupenkristalle (wohl im wesentlichen Azurit und Malachit) befriedigt hatten, fuhren auch wir errötet wieder aus und befreiten uns im nahen Bach von all dem Ockerschlamm. Dann setzten wir zum Endspurt an und erreichten nach kurzem Marsch unsere Autos auf etwa 1300 m Seehöhe. Am späteren Nachmittag stand dann noch das Heimatmuseum Bramberg auf dem Programm, in dem zur Zeit eine Sonderausstellung über alpine Minerale gezeigt wurde. Tatsächlich ließen sich hier phantastische Stufen von Smaragd aus dem Habachtal, Epidotkristalle bis 20 cm von der Knappenwand, Sphen und Adular, Granat, Bergkristall und Scheelit und andere mehr bewundern. Eine reiche Auswahl alpiner Mineralschätze, die sich hier ein Stelldichein geben. Sehr lohnend.
Auch der Rest des Museums, durch das wir dankenswerterweise von Herrn Professor Hans Hönigschmid geführt wurden, entpuppte sich als lokales Kleinod, das mit viel Liebe gestaltet worden ist. Nur gerade für die Bergbauabteilung schien uns eine Neubearbeitung notwendig, da die ausgestellten Schautafeln doch zahlreiche Fehler und Ungenauigkeiten bargen. Aber da wird sich in nächster Zukunft wohl einiges tun, wie uns Klaus Lewandowski verriet. Zum Schluß der Führung wurden wir dann noch richtig verwöhnt, in dem einem jeden von uns verschiedene Schriften des Bodeverlages kostenfrei verehrt wurden. Mit einem herzlichen Glück Auf bedankten wir uns und verließen die ebeson sehenswerte wie gastfreundliche Stätte.
Die Stunde des Abschiedes von den Brambergern rückte näher, doch noch stand der Abend bevor. Wilfried Ließmann hatte zu einem Vortrag über den Harz und seinen Bergbau ins Hotel Kirchner geladen. Und etliche der vorgenannten Grubenführer und montanistischen Adepten waren dem Ruf gefolgt. So konnte Wilfried vor fast vollem Saal den Harzer Bergbau auf- und hochleben lassen. Bis tief in die Nacht wurde dann noch diskutiert und um Mitternacht wurden die staunenden Gäste sowie ein mit diesen Bräuchen auch nicht vertrauter Ex – Göttinger Geologiestudent Zeuge des Clausthaler Mitternachtrufes wurde, in der Bocki in wohlgesetzten Worten die Mächte des Berges heraufbeschwor.
Am nächsten Morgen, Donnerstag, dem 12.9.96, hieß es dann endgültig Abschied nehmen und nach vielen schönen Worten des Dankes und der guten Wünsche kamen wir nach einer guten halben Stunde auch tatsächlich los. Nein, ganz im Ernst : Die Bramberger Bergbauforschungsgruppe hat sich sehr viel Zeit für uns genommen und uns einige ebenso ereignisreiche wie unvergessliche Tage beschert. Dafür ein ganz herzliches GLÜCK AUF ! Möge Barbara und alle guten Berggeister ihren Forschungen wohlgesonnen sein und mögen wir uns in nicht allzu langer Zukunft einmal wiedersehen…
Die Fahrt ging über den Gerlospaß hinweg ins Zillertal nach Tirol und hier nach Schwaz. Dieses Kupfer – Silberbergbaurevier ist bekanntlich eines der bedeutendsten des Mittelalters und nimmt für sich in Anspruch, die Mutter aller Bergwerke zu sein !
Ein paar Sätze zur Geologie und zur Bergbaugeschichte dieses Revieres (Abb. 2). Das genetisch höchst komplexe Lagerstättenareal, man unterscheidet etwa 20 verschiedene Vererzungstypen, verdankt seine Bedeutung insbesondere den reichen Silbererzkonzentrationen. Dieses wiederum ist an Fahlerze gebunden, also an hier besonders silberreiche (etwa 0,5 %) Kupfer – Arsensulfide, bzw. Kupfer – Antimonsulfide der Mischreihe Tetraedrit – Tennantit. Der für Schwaz angeblich typische Schwazit, ein besonders quecksilberreiches Fahlerz, tritt dagegen nur lokal in größeren Anreicherungen auf.

Abb. 2: Schematische Darstellung der Geologie und der Erzlagerstätten im Revier Schwaz
In Schwaz sind die den Dolomit durchsetzenden Vererzungen häufig monomineralisch ausgebildet, also entweder Fahlerz oder aber Kupferkies, bzw. ein anderes Erzmineral wie zuweilen reichlich Zinnober oder Kobalt/Nickelarsenide. Berühmt wurde Schwaz auch wegen seiner gelegentlich anzutreffenden schön ausgebildeten Gangarten, wobei insbesondere der in schönen Kristallgarben vorkommende Aragonit (hier Igloit genannt) hervorzuheben ist. Schließlich ist Schwaz auch für Prachtstufen einiger Sekundärminerale bekannt geworden, so für Malachit (häufig in eigenartigen Locken und Spiralen) und Azurit und als Locus typicus für das Calcium – Kupferarsenat Tirolit.
Was für Goslar der Ritter Ram und sein Pferd, ist für Schwaz die Magd Gertrud Kandlerin und ihr Stier, der auf der Weide mit seinen Hörnern das Silbererz erschürfte. So angeblich geschehen im Jahre des Herrn 1409, also etwa 450 Jahre nach der gleichfalls sagenhaften Entdeckung des Rammelsberges. Wie man es auch dreht, die "Mutter aller Bergwerke" kann Schwaz somit nicht sein…
Dennoch führte die unverhoffte Entdeckung der Kandlerin zu einem lauten Perchgeschreyh und "viel fremdes Bergvolk" zog es nach Schwaz. Binnen weniger Jahre stand der Bergbau hier und in der Umgebung in voller Blüte. Etwa 30 mehr oder minder unabhängiger Reviere wurden erschlossen, von denen noch heute jedes, soweit zugänglich, über eine stattliche untertägige Ausdehnung verfügt. Neben dem Revier Falkenstein gelangten dabei auch andere Reviere wie Ringgenwechsel oberhalb Jenbach, Klein – und Großkogel bei St. Gertraudi, der Silberberg bei Geyer und die Eisensteinreviere Schwazer Eisenstein und Schwader Eisenstein große Bedeutung. Die stets hervorgehobene Silbererzproduktion von Schwaz, war dabei aber mit "nur" 3000 Tonnen während des Zeitraumes 1420 – 1957 offensichtlich weit geringer als häufig angenommen. Weisen doch etwa das böhmische Pribram mit 3837 Tonnen oder das Freiberger Revier mit 5500 Tonnen weit höhere Produktionszahlen auf (alle Zahlen nach HANNEBERG & SCHUSTER 1994, vgl. Literaturliste). Dennoch war Schwaz zumindestens zeitweise eines der großen Bergbauzentren Europas und wies im ausgehenden 15. Jahrhundert auch die mit Abstand größte Silberproduktion auf.
Die Geschichte der Schwazer Reviere ist, wie häufig bei größeren Bergrevieren, durch Blütezeiten und Zeiten des Verfalls gekennzeichnet. Bereits 1556 wurde hier das durch seine zeitgenössischen Farbdarstellungen hoch-berühmt gewordene Schwazer Bergbuch verfasst, gleichsam als Werbeschrift für bergbauwillige Gewerken. Somit muß schon damals der Bergbau deutlich zurückgegangen sein, was sicherlich auch an den kurz zuvor entdeckten reichen Silbererzvorkommen Südamerikas lag. Das Schwazer Bergbuch erreichte seinen eigentlichen Zweck jedoch nicht, sondern der Verfall der Bergwerke setzte sich fort und erreichte in der Mitte des 17. Jahrhunderts einen Tiefstand. Unter staatlicher Leitung wurde der Betrieb in einigen Teilrevieren weitergeführt, bis es 1854 zur Gründung des Schwazer Bergwerksvereines kam, der den Bergbau bis 1945 betrieb. Nach dem 2.ten Weltkrieg wurde dann zunächst noch, abermals unter staatlicher Leitung, die Erzgewinnung bis 1957 fortgesetzt. Seit diesem Jahr wird unter der Regie der Montanwerke Brixlegg mit kleiner Belegschaft im Untertagebetrieb Dolomit zur Schottergewinnung abgebaut. Zur Zeit werden mit etwa 14 Bergleuten jährlich 120.000 Tonnen Dolomit gefördert.
In den letzten Jahren fanden am Falkenstein und am Großkogel durch die Montanwerke Brixlegg umfangreiche Explorationsarbeiten auf Baryt und Fahlerz statt. Hierbei fand 1988 ein Probeabbau des Schwerspates am Großkogel statt. Darüberhinaus hat man große unverritzte Fahlerzreserven unterhalb des Wilhelmstollens nachweisen können. Wie verschiedene andere jüngere Explorationsprojekte in Österreich – genannt seien hier die Antimonerze von Stadtschlaining im Burgenland oder die Lithiumerze der Koralpe – wurde jedoch auch hier die Produktion bisher nicht aufgenommen.
Nach etlichen Hin und Her und mehreren Staus infolge (fremder) Verkehrsunfällen trafen die Roten Bären wohlbehalten, wenn auch reichlich verspätet, in Schwaz ein. Frohgemut liefen wir zum "Zechenhaus" herüber, wo wir sogleich von den Volksmassen förmlich erschlagen wurden. Soviel Betrieb hatten wir noch nie in einem Besucherbergwerk erlebt ! Kein Wunder, zählt man doch hier 150.000 Besucher im Jahr. Zunächst war es schwierig, überhaupt jemanden zu finden, der sich zuständig für uns fühlte, dann wurde bedauert, daß wir wegen unserer Verspätung nun leider nur eine ganz normale Touristenführung mitmachen durften. Naja, besser als gar nichts, legt man hier doch auf einen reibungslosen Ablauf des Besucherstromes großen Wert. So zogen wir uns um und gesellten uns in voller Montur zur sichtlich schockiert schauenden Gruppe, die als nächstes einfahren wollte. Man bestieg gemeinsam, dicht aneinander gequetscht, einen Grubenzug mit etwa 1 m Gesamtbreite und fuhr guten Mutes in den bereits 1491 – 1517 auf 2350 m Länge aufgefahrenen Sigismund oder Siegmund Erbstollen ein. Dieser führt heute noch rund 1000 m in kurviger Linienführung in den Berg hinein. Unterwegs bekommt man schon manchen Sinter geboten und auch von oben tropft es stellenweise gehörig. Aufpassen sollte man aber dennoch, sonst geraten die Knie in unsanften Kontakt mit den Stollenwänden. Bei 1000 m ist Endstation und man verläßt etwas steif geworden die unbequemen Sitze. Gleich darauf wird man von einer volltönenden Stimme aus der Konserve mit einem fröhlichen Glück Auf empfangen. Während die normalen Touristen alsbald entschwanden, durften wir uns dankenswerterweise etwas gründlicher umschauen. Nach etlichen Stollenmetern erreichten wir so die berühmten Schwazer Radstuben, in der bereits 1554 durch Bergmeister Lasser die seinerzeit hochmoderne Wasserkunst eingebaut wurde. Diese war auch dringend nötig, hatte man doch zuvor allein zur Wasserhaltung in dem 235 m tiefen Schacht 600 (!) Wasserknechte benötigt.
Leider steht die Radstube heute leer und von den einstigen beeindruckenden Wasserraddimensionen ist nicht mehr viel zu erblicken. Schade eigentlich, hier wäre ein Nachbau sicherlich lohnenswert und würde sich angesichts der Volkesmassen auch gewiß rentieren. Dafür wurde uns der besagte Falkensteiner Schacht vorgeführt, der abgedeckelt in die Teufe führt. Um die Tiefe jedermann zu verdeutlichen, wurden im abgesoffenen Schacht an den Kanten Glühlampen installiert, die die Teufe effektvoll betonen. So weit, so gut. Stutzig wurden wir erst, als der Schreiber dieser Zeilen seine Taschenlampe zu Hilfe nahm, um den Schacht noch etwas genauer auszuleuchten. Da warf plötzlich die Taschenlampe ihren Schein vielfach reflektierend zurück. Erstaunte Gesichter ! Wie das ? Die Lösung des Rätsels verriet uns unser Führer : Der ehemals tatsächlich hier befindliche Schacht ist lange verfüllt. Um ihn mit geringen Aufwand dennoch optisch eindrucksvoll vorführen zu können, hat man einen Holzkasten mit Lampen an jeder Ecke und einem Spiegel an der Unterseite gebaut. Durch die ebenfalls teils getönte, teils reflektierende Oberscheibe wird nun der Eindruck eines fast grundlosen abgesoffenen Schachtes erreicht. Nicht gerade original, aber gewiß fÆr den bergfremdem Besucher sehr beeindruckend….
Auch an anderen Stellen herrschte leider mehr Schein als Sein. Die fehlenden Wasserräder wurden schon angesprochen. Unangenehm fielen aber auch die Spritzbetonausbesserungen in den Weitungen auf, die so einen völlig unmittelalterlichen Eindruck machen. Hier könnte ein wenig Bruchsteinverblendung optische Wunder wirken. Ganz schlimm wurde es aber weiter hinten, wo man völlig ohne Vorbereitung aus den mittelalterlichen Bauen in den hochmodernen Stahlanker – Spritzbetonstollen tritt, um am Ende dieses langen Verbindungsstollens, der offensichtlich als Flucht & Wetterweg für das moderne Dolomitbergwerk dient, wiederum mittelalterliche Kriechstrecken vorzufinden. Hier wäre definitiv ein sanfterer Übergang zu wünschen, der den Besucher durch die einzelnen Zeitepochen des Bergbaus führt.
Nach Befahrung einiger Kriechstrecken – diese wiederum zweifellos ein tolles Erlebnis für alle Kinder – auch die im Manne – ging es durch den langen Stollen wieder zurück zur Bahnstation und von hier gen Mundloch. Es blieb der etwas schale Eindruck zurück, daß man aus dieser historisch sicherlich äußerst bedeutsamen Grube etwas mehr machen könnte – und auch angesichts der hohen Besucherzahlen machen sollte.
Den Rest des Tages verbrachten wir damit, allmählich nach Südtirol ins Ridnauntal zu gelangen. Während ein Teil der Gruppe noch der Bergwerksverwaltung die Aufwartung machte und anschließend die sehenswerte historische Altstadt von Schwaz besuchte, schauten sich ein paar andere die Andre Hellerschen Kristallwelten in Wattens an, wo die Firma Swarowki eine halb unterirdische Bleikristall – Verkaufsausstellung realisieren ließ.
Gegen Abend trafen wir uns wieder im Ridnauntal vor dem Reiterhof Taljörgele, der indessen geschlossen hatte. So übernachteten wir die nächsten Nächte in der nahegelegenen Pension Rainer. Den Abend suchten und fanden wir noch eine Gaststätte in Marein und aßen hier gut und preiswert.
Der nächste Morgen, Freitag, dem 13.9.96 sollte den – zumindestens topographischen – Höhepunkt unserer Reise darstellen. Aber auch ansonsten war die Befahrung des Schneeberger Revieres ein großes Erlebnis. Von der im Dezember 1979 stillgelegten Erzaufbereitung in Maiern auf 1417 m Seehöhe ging es zunächst unter Leitung von Herrn Schölzhorn im Bus entlang der ehemaligen Material- und Personenseilbahn durch das Lazzacher Tal zum Poschhausstollen auf 2000 m Höhe. Hier lag bereits Neuschnee und die Nebelschwaden jagten um die einsamen Zechenhäuser. Wir kleideten uns um und fuhren 3,5 Kilometer mit der Original – Grubenbahn durch den 1968 im Rahmen eines großen Umstrukturierungsprogrammes aufgefahrenen Stollen. Hier liefen wir durch den Erzhorizont hindurch bis zu einem etwa 40o einfallenden Bremsberg, auf dem wir 60 Höhenmeter nach oben stiegen. Links und rechts ging der Blick in großdimensionierte Abbaustrecken des modernen Bergwerkes. Erz in Form von Zinkblende und Bleiglanz steht hier noch reichlich an. Weiter oben, im Niveau des alten Carl – Erbstollens fand sich auch schöner, grob kristallisierter Bleiglanz sowie Granatbiotitschiefer mit gut ausgebildeten Almandingranat. Die enge Bindung des Erzes an diese Schiefer läßt eine ehemals submarin – synsedimentäre Genese des Erzes mit dem umgebenden Tonschiefer vermuten, ein Entstehungsmechanismus also ganz ähnlich jenem am Rammelsberg oder in Meggen. Nur wurden hier die Erze im Zuge der alpidischen Tektonik stark metamorph überprägt, sodaß die Erze umkristallisierten und sich der ehemalige Tonschiefer in Granatbiotitschiefer umwandelte.
Am Ende des modernen Abbaues ging es dann etwas unverhofft über eine kurze Fahrte einige Meter abwärts und wir standen in dem historischen Carlstollen. Dieser wurde von 1660 bis 1750, also in 90 Jahren (!) zur gleichzeitigen Wasserlösung und zur Förderung aufgefahren. Nach dem engen hinteren Teil wurde wurde der Stollen bald bequemer, da man seinen vorderen Teil Anfang dieses Jahrhunderts nachgerissen hat. Am Mundloch auf 2030 m Höhe fuhren wir bei strahlenden Sonnenschein aus und rasteten auf der Halde, umgeben von grandioser Bergwelt, weiß überpuderter Bergwelt. In dieser setzten wir unseren Weg fort über das ehemalige Pochwerk Seemoos auf 2187 und durch eindrucksvolle Haldenlandschaft zur eigentlichen Knappensiedlung St. Martin auf 2355 m Seehöhe, dem höchsten Bergwerk und der höchsten ständig bewohnten Siedlung Europas.
Die Geschichte dieses Revieres St. Martin am Schneeberg ist eine ungemein packende, die zeigt, wie hartnäckig Menschen sein können, wenn es gilt, der Natur ihre Schätze abzuringen. Und ein Ringen war es wirklich, war diese Siedlung doch immer den Unbilden der Natur, insbesondere im Winter, aufs Äußerste ausgesetzt : Schneehöhen bis mehrere Meter, Lawinen, Stürme, Kälte und die monatelange Isolation, zeitweise unzulängliche Versorgung mit Lebensmitteln und, was hier oben noch mehr zählte, Brennstoff, sind nur einige der Schwierigkeiten, die ertragen werden mußten. Und doch haben hier zeitweise bis zu 1000 Knappen gewohnt, mit Frau und Kind, mit Kegelbahn und Kapelle, mit Theater und Gasthaus und vielen anderen Einrichtungen, die das Leben erträglicher gestalteten (Abb.3). Dazu die technischen Einrichtungen, die eigentlichen Zechenhäuser, Pochwerke, Klaubebänke, Haldenstürze und komplexen Erzfördereinrichtungen (die noch zu besprechen sind).

Abb. 3 : Historische Aufnahme der Bergbausiedlung St. Martin am Schneeberg um 1900
Dies alles im Winter verbunden mit Laufstrecken, die unter dem Schnee verliefen und mit Holz ausgebaut waren. Wirklich, es muß eine für Mitteleuropa ganz eigene und einzigartige Gesellschhaft hier oben am Berg gewesen sein. Und, was erstaunlich klingen mag : Hört man die Berichte der Bergleute und der in der Klaubung beschäftigten Frauen, so muß es trotz aller Unbilden damals eine schöne Zeit für die hier oben Lebenden gewesen sein. Erst später, nach dem 1. Weltkrieg und der Übernahme durch italienische Gesellschaften hört man anderes, hört man von den Schwierigkeiten, hinreichend italienischhe Bergleute für diesen ausgesetzten Betrieb zu finden. Und diese Schwierigkeiten, verbunden mit einem Rückgang der Metallgehalte im Roherz auf dieser Seite des Berges und einem – vermutlich letztlich willkommenen – Brand der Knappenunterkunft im Jahre 1967 führten zu einer Aufgabe der Ortschaft und zu einer vollkommenen Umorganisation des Betriebes. Vom der Ridnauner Seite wurde im Lazzacher Tal ein tiefer Stollen angesetzt, der heute von Besuchergruppen mit dem Zug befahrene Poschhausstollen. Gleichzeitig wurde eine Personenseilbahn von der Aufbereitung zum Mundloch des Poschhausstollens gebaut. Von 1968 bis zur Betriebsstillegung wurde das Erz somit über den Poschhausstollen abgefördert und über Erzseilbahn in die Aufbereitung in Maiern transportiert, das dort gewonnene Konzentrat weiter zu italienischen Hüttenbetrieben.
Die Siedlung St. Martin am Schneeberg selber zerfiel nach 1967 und wurde erst seit Anfang der 90er Jahre im Zuge der Ausbaumaßnahmen des Landesbergbaumuseums wieder restauriert. Hierbei wurde neben Gasthaus, großer Schutzhütte, Museumsbau sowie einiger Nebengebäude auch die bereits 1952 abgebrannte Kapelle "Maria Schnee" wieder aufgebaut, sodaß heute St. Martin wieder eine zwar kleine, aber trotzdem in ihrer Lage imponierende Ortschaft bildet.
Auf einen Punkt in der Bergbaugeschichte Schneeberges muß aber noch gesondert eingegangen werden : der Abtransport des Erzes. Der Holzmangel bei den hochalpinen Gruben ermöglichte keine Verhüttung des Erzes vor Ort, es mußte daher notgedrungen zu den Hütten im Tal gebracht werden. Das Schneeberger Erz machte hier keine Ausnahme und wurde daher bis Anfang des 18.ten Jahrhunderts während der Sommermonate mit Saumpferden ins Ridnauner Tal und von hier aus zur Verhüttung der silberreichen Schwazer Erze über den Brenner gebracht. Im Winter bediente man sich wie in ähnlichen Revieren (Rauris am Hohen Goldberg etwa oder im benachbarten Pflerschtal) sogenannter Sackzüge. Hierzu wurde zunächst eine Art Bobbahn ins Tal gebaut. Anschließend füllte man schweinslederne Säcke mit Erz, band diese zu etwa 20 Stück hintereinander und ließ sie, vorne mit einem Lenker und hinten mit einem Bremser versehen, auf der "Bobbahn" zu Tal rutschen. Geht man davon aus, das ein solcher Sack etwa 100 kg Erz faßte, so konnte man mit einem Rutsch – hier im wahrsten Sinne des Wortes zu verstehen – etwa 2 Tonnen Erzkonzentrat ins Tal bringen.
So interessant und aus heutiger Sicht abenteuerlich diese Art des Erztransportes auch sein mag, sie funktionierte nur im Winter und sie konnte das Erz nur in das zunächst benachbarte Tal bringen. Und das angrenzende Passeiertal zieht nach Süden und bedeutete für den Transport Richtung Schwaz einen gewaltigen Umweg. So suchte man schon früh nach Abhilfe und einer ganzjährig sicheren Transportmöglichkeit in das jenseits des Bergkammes gelegene Lazzacher, bzw. Ridnauntal.
Ein erste Lösungsansatz war der das Kaindljoch unterquerende Kaindlstollen auf etwa 2500 m Höhe, der nach 7 Jahren Bauzeit 1727 fertiggestellt wurde. Durch ihn konnten die Saumpferde den größten Teil des Jahres unter Umgehung des klimatisch ungünstigen Bergkammes Erz in Richtung Ridnaun transportieren. Ein zweites Projekt, die Durchörterung des gesamten Berges etwa im Niveau 2000 m durch den Carlstollen, wurde wegen der Härte des Gesteins und den Schwierigkeiten beim dortigen Vortrieb 1750 vorerst aufgegeben.
Eine wahrhaft große Umstrukturierung und Modernisierung des Erzztransportes fand in den Jahren 1871 – 1874 statt. Dabei wurde eine insgesamt 27 Kilometer (!) lange Erzbahn durch das Ridnauner Tal nach Sterzing gebaut. Diese bestand wechselweise aus insgesamt 8 meist steilen Bremsbergen sowie aus dazwischen liegenden, ebenen Pferdebahnabschnitten. Der Kaindlstollen wurde für den Pferdebahntransport ausgebaut, und auf der eigentlichen Schneeberger Seite ein Wassertonnenaufzug für die geförderten Erze gebaut.
1896 wurde schließlich auch die Betriebsabteilung Seemoos mit einem weiteren, steilen Wassertonnenaufzug an das Fördersystem angeschlossen. Ein weitere Modernisierung der Förderanlagen fand schließlich 1925 – 1926 mit dem Bau der Erzaufbereitung in Maiern mit einer der ersten Flotationsanlagen weltweit sowie mit dem Bau einer neuen Erz- und Materialseilbahn zu den Gruben statt. Hierdurch wurde die 50 Jahre alte Bremsberg/Pferdebahnförderung überflüssig und eingestellt. Lediglich der Seemoser Bremsberg und der Kaindlstollen blieben bis 1967 zum Erz-, bzw. Personentransport in Betrieb. 1967/68 schließlich kam es mit der Auffahrung des Poschhaustollens zu der letzten, bereits beschriebenen Umstrukturierungsmaßnahme im Erz- und Personentransport am Schneeberg.
Das in nur 3 jähriger Bauzeit errichtete bergbautechnische Meisterwerk von 1874 stellt die größte Übertageförderanlage Europas dar und vermag mit ihren erhaltenen Bremsbergen und dazwischen geschalteten Erzkästen zur vorübergehenden Speicherung des Erzes auch heute noch ungemein zu beeindrucken. Ein beschilderter Lehrpfad informiert in vorbildlicher Weise über dieses bedeutende kulturtechnische Erbe der Alten.
Nach einer Umschau in dem recht frischen Schneeberg, daß schon Mitte Oktober seinem Namen alle Ehre machte, und einem ausgiebigen Aufwärmen und Mittagessen in der gemütlich restaurierten Gaststätte schauten wir uns noch das neu eröffnete Bergbaumuseum an und traten dann den Rückweg über die Seemoser Halden an. Hier konnten wir nochmals schöne Erzstufen aufsammeln, so typisch gelb anlaufende Zinkblende.
Durch den Karl- und Poschhausstollen ging es dann wieder zurück, wobei wir nochmals einen Blick in die modernen Abbaue werfen durften. Die gesamte beschrieben Exkursionsroute ist übrigens, obwohl man davon bemerkenswert wenig spürt, offizieller Führungsweg und wird derzeit von etwa 2000 Besuchern im Jahr befahren. Wohl eines der großartigsten und einprägsamsten Bergbauerlebnisse, die Normaltouristen in Europa geboten wird.
Nach wohltuend warmer Dusche in der Unterkunft beschlossen wir dann den Abend in der vorbildlich rekonstruierten Maierner Aufbereitung, wo Wilfried Ließmann mit seinem Bericht über die Aktivitäten am Roten Bären aufmerksame Zuhörer fand.
Am Samstag, dem 14.9.96 fand schließlich noch eine eingehende Besichtigung der Maierner Aufbereitung nebst Schaustollen statt, in dem Figurengruppen nach Vorbild des Schwazer Bergbuches mit ihren brennenden (! offene Flammen !) Geleuchten einen sehr realen Eindruck des mittelalterlichen Bergbaus entstehen lassen. Die Aufbereitung selbst zeigt sehr informativ den Weg des Erzes vom Brecher bis zum Trommelscheider, wobei Detailinformationen über die Flotation und die dabei eingesetzten Zusätze erläutert werden.
Auch der Gang durch die sonstigen Ausstellungsräume ließ noch einmal Glanz und Größe dieser bedeutendsten Blei – Zinklagerstätte Tirols aufleuchten. Größe, die sich übrigens nicht allein auf den Bergbau beschränkt. Denn auch die größte Europäerin, die "Riesin" Maria Faßnauer ist in Lebensgröße (2,17 m !) ausgestellt.
Zum Abschied gab es noch etwas Besonderes. Jeder Bär durfte sich eine Münze aus Schneeberger Silber prägen. Und nicht genug damit : zur Wegzehrung gab es ein Knappenbrot – ein Schmalzbrot, auf das mit einer besonderen Apparatur ein Schlägel & Eisensymbol in Paprikaform aufgetragen wurde. So schieden wir mit einem frohen Dank und dem – wie wir überrascht feststellen durften – auch in Schneeberg beheimateten Gruß :
Es grüne die Tanne,
es wachse das Erz,
Gott schenke uns allen ein glückliches Herz !
Ein herzliches GLÜCK AUF, Herr Schölzhorn !
Der Rest ist rasch erzählt. Wegen einsetzenden Neuschnees verzichteten wir auf die von Wilfried angebotene Exkursion in das benachbarte Pflerschtal, wo in den Silberböden ebenfalls lange Jahre der Bergbau auf silberhaltigen Bleiglanz umging. Auch die Idee, noch die nahen Erdpfeiler von Bozen, einer geologischen Rarität und in jedem besseren Geologielehrbuch abgebildet, fand keine rechten Sympathien mehr. Stattdessen beschlossen wir heim zu fahren und dort gelangten wir – durch manchen Stau behindert – auch glücklich wieder an.
Resümee des montanhistorischen Seminares 1996 in einem Satz :
Viel gesehen, viel gelernt, zur Nachahmung unbedingt empfohlen!
Besuch bei der Bergbauforschungsgruppe Bramberg in Österreich 1999
Österreich 1999

Auf dem Weg zum Epidotstollen an der Knappenwand
im Untersulzbachtal
Ein subjektiver Bericht von Thomas Krassmann über den
2.ten Internationalen Bergbau – Workshop in Bramberg
vom Mittwoch,dem 25.8.99 – Dienstag, dem 31.8.99
ausgerichtet durch die Bergbauforschungsggruppe Bramberg, auf deren Seite es auch einen offiziellen Bericht zu diesem Thema gibt.
Seitens der GAG waren zugegen Thomas Krassmann, Jens Naumann und Jürgen Ruder.
Mittwoch, 25.8.99
Anfahrt von München, wo ich bei einem systematischen Mineraliensammler gastierte und nach leicht durchzechter Nacht lang ausschlief über Rosenheim und den Wendelstein mit sehenswerter Bergbahn nach Kitzbühel. Zur Einstimmung in die anstehende montanhistorische Woche suchte ich am südlichen Ortsausgang von Kitzbühel hinter einem Spar – Markt (welche in Österreich reichlich vertreten sind) das Mundloch des St.Josefi Erbstollen, der das berühmte historische Schattbergrevier entwässert. Eine grobe Lokalisierung gelang auch, das Mundloch selbst befindet sich jedoch offensichtlich auf einem Privatgrundstück (s.u.). Danach gings mit leicht überhitztem Motor vorbei am Bergbaumuseum Kupferplatte mit neuem Erweiterungsbau der Firma Innutec Über den Paß Thurn gings weiter nach Bramberg, wo ich nach einiger Suche auch den Innerhofer – Hof und etliche GAG – Mobile vorfand. Netter Abendspaziergang mit Jens, Henning, Jürgen und Barbara, der letzthin in dem mir bereits von unserem 1996- Seminar bekannten Gasthof Kirchner in Mühlbach bei den anderen bereits eingetroffenenen Tagungsteilnehmern endete.
Donnerstag, 26.8.99
Offizielle Eröffnung des. 2. Internationalen Bergbau – Workshops sowie zahlreiche Fachvorträge.

Interessierte Zuhörer im Tagungszentrum Bramberg lauschen einem Referenten beim 2. Internationalen Bergbauworkshop
Am Spätnachmittag Besuch des Bramberger Heimatmuseums unter Führung von Herrn Prof. Hönigschmidt sowie ausgiebige Würdigung des neuen, von Klaus Lewandowski eingerichteten Teiles „Bergbaugeschichte des Mühlbach – Brennwalder Kupferbergbaurevieres. Ausgiebig gewürdigt wurde auch die rustikale Brotzeit, die anschließend gereicht wurde.
Freitag, 27.8.99
Nach dem Vortragsteil, bei dem ich am Vormittag ebenfalls einen solchen zum Thema „Montanhistorische Aktivitäten der GAG mit zahlreichen Beispielen“ zum Besten gab, fuhren wir am frühen Nachmittag ins Untersulzbachtal und wanderten hier über den steilen Knappensteig zum Besucherbergwerk Hochfeld, das bereits beim montanhistorischen Seminar 1996 eingehend geschildert wurde. Jens, Henning, ich sowie der Freiberger Montanforscher Jens Kugler und Freunde schlossen uns indessen nicht der Befahrung an, sondern kletterten heuer weiter bergauf zur klassischen Mineralfundstelle Knappenwand, von der bis zu 50 cm lange, hochglänzende Epidotkristalle bekannt geworden sind. Nach der letzten Bergungskampagne seitens des Naturhistorischen Museums Wien in den 80er Jahren präsentiert sich die Fundstelle als etwa 20 x 10 m großes Stollenportal in der Steilwand, in die man etwa 20 m weit hineinspazieren kann. Fast sämtlicher makroskopisch erkennbarer Epidot ist mittlerweile ausgebaut worden, wobei auf der steilen und abrutschgefährdeten Halde durchaus noch kleinere Kriställchen gefunden werden können. Bemerkenswerterweise gibt es indessen keinen Explorationstollen, der der „Epidotader“ weiter nachgefahren wäre. Lediglich etwas weiter unterhalb gibt es den sogenannten Blauwandstollen unter einem kleinen Wasserfall, den wir etwa 100 m bergwärts bis zur Ortsbrust befuhren.

Eingang des Blauwandstollens (Explorationsstollen auf Epidot ? oder Erz ?)
am Fuße der Knappenwand, Untersulzbachtal
Eine Epidotmineralisation konnten wir in diesem Stollen aber nicht feststellen. Nachdem wir noch die bereits leicht marode Hütte aus der Grabungszeit begutachtet hatten, stiegen wir über die steile Halde wieder bergab zum Knappenhaus am Besucherbergwerk, wo schon heftig gegrillt wurde. Leider mußte man bei dem an sich als „rustikal“ bezeichneten Grillabend jedoch sein Bier selber bezahlen, ganz schön knauserig ! Später liefen wir am hübschen Untersulzbachfall vorbei zu den Autos am Schiedhof zurück, von wo wir abermals nach Bramberg in die Kneipe einfuhren und es uns bei Märzen und Weizen wohl sein liessen.
Samstag, 28.8.99
Exkursion in das berühmte Bergbaurevier Leogang (vgl. LAPIS 9/87) mit Uli Stollwitzer, Jens, Henning, Jens Kugler u.a. Zunächst gings in das dortige Bergbaumuseum, das recht nett ist und unter anderem eine wunderschöne Bergbarte – allerdings aus dem Erzgebirgischen – zeigt. Aber auch die heilige Barbara mitsamt etlichen weiteren montanen Schutzpatronen und -ninnen ist vertreten. Alsdann fuhren wir zu Berge hoch hinauf und erklommen dann per pedes weitere Höhenstufen, bis wir am Kruppstollen des Revieres Nöckelberg anlangten. Hier zeugen zahlreiche Halden vom Fleiss der Knappen, die zuletzt um 1920 hier im Auftrage der bekannten Stahlfirma Kobalt und Nickel gruben. Leider war unser Führer nicht ganz bei der Sache und verschwand hier und da, um Stein- und sonstigen Pilzen nachzuspüren. Dabei kam in unserer Gruppe mancher Unmut auf, da wir letzthin den guten Mann nur noch mit dem lauten Ruf „STEINPILZ“ dazu bewegen konnten, seinen Führungsaufgabe nachzukommen….
Weiter oben gelangten wir durch haldiges Gelände zum ehemaligen Magnesitabbau Inschlagalm – letzteres wohl von „Einschlagalm“ herstammend, da man hier zu Betriebszeiten tüchtig in den Berg „hineingeschlagen“ hat. Dorten wurde auf knapp 1000 m Seehöhe von 1936 bis 1970 Spatmagnesit abgebaut. Die Grube wurden in den 50er Jahren durch die Radentheimer Magnesitwerke großzügig erschlossen und ist Untertage gewiß recht interessant. Leider hatte unser Steinpilz… pardon, Führer keine Lampe dabei und lieh sich diese bei mir. Da ich meine zweite Lampe an eine ebenfalls unbelichtete Dame unserer Gruppe loswurde, blieb mir nur ein lichtschwaches Fünzelchen. Als ich dann noch eine wacklige Blockwerkhalde untertage gewahrte und der Führer wissen ließ, das er hier noch nie Untertage war, verzichtete ich auf eine Befahrung und schaute micht lieber Übertage um, wobei ich einen weiteren sehenswerten Tagebau fand und einen etwa 100 m langen Sprengstofflagerstollen (?) erkundete. Magnesit gibt es hier oben auf jedenfall noch recht reichlich und eine nähere Untertageerkundung der mit Schächten reich gesegneten Anlage wäre zweifellos reizvoll, zumal hier noch sehr hübsche Strontianite und Coelestine gefunden werden können..
Nachdem sich alle wieder trotz mangelhafter Beleuchtung wohlbehalten eingefunden hatten, stiegen wir auf steilen Pfaden wieder ab und erreichten das Grubenrevier Schwarzleo mit dem gleichnamigen Besucherbergwerk. Hier kehrten wir zunächst in der Knappenstube ein und stärkten uns an der mitgebrachten Jause, woraufhin wir bei aufziehenden Gewitter ins Besucherbergwerk einfuhren. Hier blühte unser Führer sichtlich auf und erzählte uns manch Wissenswertes über die Grube, die vom Mittelalter bis 1885 in Betrieb stand, wobei insbesondere Kobalt- und Nickelerze im Blickpunkt des bergbaulichen Interesses standen. Auch erlaubte er uns , manches Gitter zu übersteigen und die dahinter liegenden Bereiche zu explorieren. Insgesamt ein sehr schönes Bergwerk mit vielen hübschen geschlägelten Strecken, imposanten Weitungen und einem durchaus interessant und einprägsam gestalteten Führungsweg, das weiterempfohlen werden kann.
Mit Mühe schafften wir es dann noch rechtzeitig zu den Autos und nach Bramberg zurück, um noch rechtzeitig zum schmackhaften und reichhaltigen abendlichen Bauernbüffett in Mühlbach anzukommen.
Sonntag, 29.8.99:
Besuch des Berg- und Heimatmuseums Jochberg mit einigen sehenswerten Exponaten, darunter durch Kupferlösungen grün gefärbte Schweineknochen – sogenannter Zahntürkis – sowie Resten des ehemaligen Jochberger Pochwerkes und einem schönem Diorama des prähistorischen Bergbaus. Anschließend folgte ein etwas langatmiger Diavortrag über das bis 1926 in Blüte stehende nahe Bergbaurevier Kelchalpe – das fast zeitgleich mit der Kupferplatte seine Pforten schloß. Ein ergänzender Geländebesuch war leider nicht vorgesehen, obwohl er den Diavortrag sicher bereichert hätte.
Sodann gings abermals zum St. Josefi Erbstollen des Schattberg – Revieres, den wir nunmehr unter kundiger Führung auch exakt lokalisieren konnten. Der trotz großer Länge überraschenderweise völlig haldenlose Stollen verfügt über ein noch offenstehendes und vergittertes Mundloch und führt reichlich Wasser. Laut Aussage des gegenüber montanhistorischen Fragestellungen durchaus sehr aufgeschlossenen Grundstücksbesitzers kann man den Stollen per Boot noch mehrere hundert Meter weit befahren, wobei die Wetter gut und das Wasser mehrere Meter tief sei. Er wäre auf jedenfall „damals bei der Befahrung (!)“ auf offener Strecke nach etwa 200 m umgekehrt. Das hört sich ja sehr interessant an und somit sollte einem Befahrungsversuch der legendären und ansonsten schlecht zugänglichen Kitzbüheler Reviere Schattberg und Sinnwell nurmehr wenig im Wege stehen!
Weiter stand heute eine Führung durch die schöne Kitzbüheler Innenstadt auf den Programm, die allerorten montanistische Historie aushaucht, obgleich die Stadt sich heuer dem Wintersport verschrieben hat und nichts mehr von ihrer montanen Vergangenheit wissen möchte. Bedauerlich, bedauerlich – es bleibt nur zu hoffen, das sich diese Vergangenheit nicht ob ihrer Mißachtung gelegentlich einmal wieder nachhaltig zu Wort meldet. Da viele der alten Bergbaureviere rigoros überbaut wurden, könnte das schneller geschehen, als den Bewohnern und den Skisporttreibenden lieb ist….
Nächster Punkt der Tagesordung war eine sehr verregnete Befahrung des berühmten Revieres Röhrerbühel = Rerobichl wenige Kilometer weiter nördlich und an sich schon in der Gemarkung Oberdorf gelegen. Hier wurden bereits im 16. Jhd. sehr tiefe Schächte niedergebracht, von denen der Heilig – Geistschacht , der im Schrifttum meist als „Geisterschacht“ geführt wird, mit 866 m der teufste, pardon tiefste Schacht seiner Zeit gewesen sein soll. Da die markscheiderischen Hilfsmittel zur Teufenmessung damals zweifellos zu wünschen ließen, war die tatsächliche Schachttiefe aufgrund Meßungenauigkeiten (Seildehnung etc.) vermutlich geringer. Trotzdem bestanden hier bereits im vorindustriellen Zeitalter ganz unerhört tiefe Grubenbaue, die angeblich bis 1870 die tiefsten Grubenbaue der Welt darstellten. Erst zu jenem Zeitpunkt wurden die Tiefschächte von Pribram in Böhmen abgeteuft. Leider sieht man von diesem berühmten Bergrevier, das selbst bin in die jüngere Vergangenheit noch manche, u.a. südafrikanische Bergbaufirma zur Exploration angelockt hat, heute nurmehr ein durch und durch duchgewühltes Waldgelände mit reichlich Halden und Pingen. Wo sich nun exakt der Heilig Geistschacht und seine nur wenig flacheren Nachbarschächte befunden haben, bleibt daher leider weitgehend unklar. Auch eine Art sich durch das Gelände schlängelnder montanhistorischer Lehrpfad vermag hier keine Aufklärung zu bringen und mißfällt durch sein schlechtes Deutsch. So verließen wir etwas unbefriedigt – dafür aber gut durchnäßt – diese hochberühmte Stätte frühneuzeitlicher bergbaulicher Tätigkeit.
Letzter Punkt des Tagespogrammes war die erneute Befahrung des Besucherbergwerkes Kupferplatte. In den letzten 3 Jahren hat man sich seitens der Firma INNUTEC im wesentlichen der Sicherung der bestehenden Grubenräume gewidmet sowie der Aufwältigung eines weiter oben am Berg liegenden Tagesstollens als zweiten Ausgang. Offensichtlich sitzt die Berghauptmannschaft den Jochberger Perckmännlein seit den Geschehnissen in Lassing im Sommer 1998 etwas im Nacken, sodaß man seine Aktivitäten auf besagte Sicherungsarbeiten konzentrierte.
Als Highlights der Befahrung erwiesen sich auch diesmal die spiegelverkehrte Jahreszahl am Stollenmeter 500 sowie das optoakustische Spekatukulum mit der simulierten Sprengung, die auch diesmal wieder die Gemüter erregte. Weiteres ist nachzulesen im Bericht über die 1996er Exkursion der Roten Bären nach Bramberg.
Montag, 30.8.99:
Befahrung des Pyrit / Kupferkiesbergbaus Rettenbach bei Bramberg, der bis 1945 in Betrieb stand und seit etwa 2 Jahren von der Bergbauforschungsgruppe Bramberg in vorbildlicherweise Weise als Forschungsbergwerk wieder aufgewältigt wird. Eine sehr detaillierte historische Beschreibung dieses Revieres aus der Taste von Klaus Lewandowksi kann im Netz abgerufen werden.
Im Bergwerk, daß über eine Bauhöhe von etwa 100 m verfügt, stehen mehrere kupferarme Pyritbänder bis 40 cm Mächtigkeit an, die seit dem Mittelalter in Abbau standen. Wir begnügten uns mit der Befahrung der Stollensohle und den Abbauen, da man auf der 2. Sohle Watstiefel benötigte. Zu bestaunen und beklopfen sind geologisch ausgesprochen interessante Aufschlüsse der vermutlich synsedimentär – exhalativen Vererzung. Besonders bemerkenswert die Akkuratesse und Sorgfalt, mit der Stollenmundloch und Fahrungsweg durch die BFB wiederhergestellt werden. Führung durch Uli Stollwitzer (welch passender Name) und Manfred Strauss. Meine Bohrstange, die mir Klaus Lewandowski vor nunmehr anderthalb Jahren entführte und die ich seither schmerzlich vermisse, fand sich trotz gegegnteiliger Beteuerungen leider nicht wieder ein. Als Abschluss des Themas Rettenbach schauten wir uns noch die auf Talsohle gelegene, vor wenigen Jahren hübsch gestaltete Barbarakapelle an, die vermutlich längste Kapelle der Welt,. da sich in ihrer Rückseite der etwa 120 m lange tiefe Förderstollen der Grube Rettenbach auftut. Der Stollen ist gut befahrbar, in seinen hintersten Teilen jedoch stark verockert.
Anschließend fuhr ich mit Jens und Henning ins nahegelegene Felbertal und schauten uns dort den schön gelegenen Hintersee an sowie die Schönwendklamm mit skurillen wasserumstrudelten Naturbögen aus zähem Hornblendefels. Eine Besichtigung des seit etwa 2 Jahren wieder in Förderung stehenden Scheelitbergbaus Mittersill erschöpfte sich in den wenig imposanten Aussenanlagen, Befahrungserlaubnisse sind offensichtlich schwer zu kriegen. Schließlich Fahrt zum Felbertauerntunnel, wo wir ein weiteres Stollenmundloch knapp unterhalb inspizierten, das sich als 7260 m langer Öltunnel herausstellte, in dem eine wichtige Ölpipeline die Alpen quert. Abends letzter Umtrunk der Tagung, wobei diesmal allerdings deutliche Ermüdungserscheinungen aller Teilnehmer beobachtet werden konnten.
Dienstag, 31.8.99:
Bei einem abschließenden Besuch bei einem sichtlich ermatteten Klaus Lewandoswki schauten wir uns noch einen netten Video über das Erlebnisbergwerk Merkers an, indem unter anderem die Schatzsuche der Amis in eben jenem Bergwerk in beeindruckender und durchaus realistischer Art nachgestellt wurde. Dann zerstreute man sich in alle Winde und ich fuhr via Kitzbühel und Wörgl weiter nach Schwaz, wo bereits von ferne der neue Bergsturz am Eibelschrofen zu erkennen ist. Man darf gespannt sein, wie sich die Verhältnisse hier weiterentwickeln. Unterwegs entdeckte ich noch eine Baustelle bei Rattenberg, wo sich ein Erkundungsstollen zum Bau eines Eisenbahntunnels seit dem 15. 4. 1999 in Auffahrung befindet. Ganz zweifellos hat man auch hier mit der Durchfahrung von Altbergbau zu tun. Anschließend gings über den Achensee nach Wildbad Kreuth und weiter über München, Augsburg, Ulm, Stuttgart nach Karlsruhe, endlich über Darmstadt, Frankfurt und Giessen nach Gummersbach, wo ich um 00:15 ankam und alsbald ins Bett sank.
Insgesamt ein sehr gelungener und hochinteressanter 2. Internationaler Montanhistorischer Workshop, zu dem den Organisatoren zu gratulieren ist. Man darf gespannt sein, was von Jens Kugler und seinen Knappenim Herbst 2000 bei dem dann stattfindenden 3. Internationalen Montanhistorischen Workshop in Freiberg / Erzgebirge geboten wird.
allerlei
allerlei ist gemacht wurden:
neue links, neue publikationen, das Gästebuch geht, ein chat ist neu etc. etc. – und immernoch viel zu tun!
Untertägiger Kalkstein-Abbau in Maastricht / Niederlande

Untertägigen Kalkstein-Abbau in der Gegend von Maastricht gibt es seit mehreren hundert Jahren. Der Kalkstein (dort Mergel genannt) wird als Baustein gewonnen. Abgebaut wird ein homogener, körniger Kalkstein aus der Oberkreide.
Um Maastricht gab es rund 450 Gruben, darunter sehr kleine von nur einigen Metern Ausdehnung, aber auch große, viele Quadratkilometer umfassende Abbaufelder. Der Kalkstein wurde in Blöcken mit Hilfe von Sägen und Meißeln gewonnen. Deutlich sind an den Stößen die Abbauspuren und Abbaurichtungen zu erkennen.
Sehr weit verbreitet sind Inschriften und Malereien an den Stößen, angefangen vom Ende des Mittelalters bis rezent, die interessante Zeitdokumente darstellen.
Die Fotos stammen von einer Exkursion nach Maastricht am 10.06.2001 mit Karsten Malcher, Uwe Tegeler und Thomas Witzke (alle Fotos T. Witzke). An dieser Stelle sei Joep Orbons (Maastricht) und seinen Mitstreitern ganz herzlich für die sehr interessante Führung gedankt.
Die Grube Brefeld, Tarthun bei Staßfurt, Sachsen-Anhalt
Die Kali-Grube Brefeld in Tarthun bei Staßfurt im nördlichen Harzvorland wurde im Vergleich zu anderen Gruben am Staßfurter Sattel erst spät angelegt. Bohrungs- und Erkundungsarbeiten dauerten von 1891 – 1894. Am 12.2.1898 erreichte Schacht I bei 205 m Teufe das Kalisalz. Abgebaut wurde zunächst das Kalium-Mineral Kainit, das einen typischen Hut im oberen Teil des Sattels bildet. Der Abbau erfolgte in Kammern mit einer Breite von 26 m, einer Höhe von 6 m und einer Länge von etwa 40 m. Schacht II wurde 1902 abgeteuft. 1906 erreichte er die Endteufe von 508 m. 1908 und 1909 kam es zur Unterbrechung der Förderung nach dem Zutritt brennbarer Gase auf der 400- und 500-m-Sohle. 1919 erfolgte die Konsolidation der Grube mit dem Staatlichen Salzwerken Staßfurt. Auf Grund der schwierigen wirtschaftlichen Situation in Deutschland wurde die Grube 1924 gestundet, die Wasserhaltung blieb jedoch in Betrieb. 1928 übernahm die Preussag die Grube Brefeld, ohne sie jedoch in Betrieb zu setzen. Bereits 1929 fiel die Entscheidung zur Aufgabe der Grube. Da die Wasserzuflüsse unerheblich waren, wurde auch die Wasserhaltung eingestellt. Nach Verwahrungs- und Abbrucharbeiten zog sich die Preussag 1930 von der Grube Brefeld zurück. Bereits 1934, und damit bemerkenswert lange vor Kriegsbeginn, erhielt die Preussag die Aufforderung, die Schächte zur Einlagerung von Munition zur Verfügung zu stellen. 1935 wurde die Grube von der Luftwaffe übernommen. Zusätzlich zu den vorhandenen Kammern wurden in der Folgezeit weitere Kammern zur Einlagerung von Munition aufgefahren. Bis Kriegsende wurde die Grube intensiv als Luftmunitionsanstalt genutzt. Die für eine Grube untypischen Tagesanlagen (Bild 1) aus dickem Stahlbeton wurden offenbar angelegt, um der Luftaufklärung ein gewöhnliches Haus vorzutäuschen und Schäden des Schachtes durch Bombardierungen zu verhindern.
Nach der Niederlage Deutschlands zuerst von den Amerikanern begutachtet. Wenige Monate später folgte durch die sowjetische Militäradministration die Anweisung zur vollständigen Beräumung der Grube, einschließlich der Grubenschwellen. Die Arbeiten wurden 1953 beendet. 1994 wurde die Grube durch das Bergamt und die Ruhrkohle AG geöffnet und befahren, um Aussagen über eventuell notwendige Sicherungsmaßnahmen treffen zu können. In der Folgezeit wurde der Sumpf von Schacht I verfüllt und der tiefe Teil von Schacht II verwahrt.
Der Autor erhielt 1998 und 1999 die Möglichkeit, die Grube Brefeld zu befahren, dabei entstanden auch die Fotos (alle Fotos T. Witzke). Bedanken möchte ich mich bei Georg Brockt (Bergamt Staßfurt), Klaus Zerbe (Hecklingen) und den Mitarbeitern vom Schachtbau Nordhausen.
Das Kalisalz Kainit stellt kein primäres Salzmineral in der üblichen evaporitischen Abfolge dar, sondern ist durch metasomatische Umbildung aus Carnallit in Folge der Einwirkung von komplexen gesättigten Laugensystemen entstanden.
Bei der mineralogischen Untersuchung konnten durch den Autor einige Minerale nachgewiesen werden, die aus dem Staßfurter Sattel bisher noch nicht bekannt waren. Folgende Minerale wurden in der Grube Brefeld gefunden:
Elemente: Schwefel.
Sulfide: Pyrit, Pyrrhotin.
Halide: Halit (Steinsalz), Sylvin, Bischofit, Carnallit, Tachyhydrit.
Oxide: Hämatit.
Borate: Szaibelyit, Hydroboracit, Boracit.
Sulfate: Anhydrit, Gips, Kieserit, Pentahydrit, Hexahydrit, Epsomit, Syngenit, Leonit, Blödit, Picromerit, Polyhalit, Kainit.
Silikate: Amesit.
Literatur:
G. Brockt, K.-J. Fritz, K. Stedingk & T. Witzke (2001) Die ehemalige Kaligrube Brefeld bei Staßfurt – Streiflichter aus einer faszinierenden Welt.- Mineralien-Welt 12(2), 15-27
Bilder
1. Die Tagesanlagen der Grube Brefeld.

2. Zur Befahrung steigt man in eine Tonne, die Tonne wird angehoben, …..

3. …. Klappe auf und es geht abwärts ….

4. …. und weg sind sie.

5. Auf der Plombe in etwa 200 m Tiefe. Der gemauerte Rundschacht hat einen Durchmesser von etwa 8 m.

6. Trockenmauer aus Steinsalz an einer Schachtumfahrung.

7. Verbruch auf der Tiefbausohle zu den Unterwerksbauen.

8. Wahlkampf für die USPD von 1920 in der Grube. Das seitenverkehrte „S“ war noch an anderer Stelle in der Grube zu sehen.

9. Tafel von 1944 aus der Zeit der Nutzung als Luftmunitionsanstalt.

10. Zeichnung auf Steinsalz. Nach stilistischen Vergleichen mit datierten Zeichnungen stammt das Werk aus den 40er Jahren.

11. Russische Inschrift von 1953.

12. Halit-Stalakmiten in einer Strecke.

13. Halit-Stalaktiten in einer Strecke.

14. Halit-Stalaktiten bis 3 m Länge in einer Kammer.

15. Halit-Epsomit-Stalagnaten in einer Kammer.

16. Halit-Epsomit-Stalagnaten in einer Kammer. In der Firste Lagen aus Kainit, Blödit und primärem Epsomit.

17. Epsomit-Stalagnaten bis fast 1 m Länge.

18. Gefaltete Kieserit-Halit-Lagen.

19. Gefaltete Kieserit-Carnallit-Halit-Lagen. Der Kieserit ist hell weiß.

20. Kainit-Lagen.

21. Gelblicher Kainit.

22. Carnallit (rötlich) mit Tachyhydrit (gelb).

23. Gefaltete und zum Teil zerbrochene Polyhalit-Lagen.

Mineralogische Untersuchungen an einer histor. Zementkupfergewinnungsanlage in Freiberg
erschienen in:
Berichte der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft, Beihefte 1 zum European Journal of Mineralogy 9, Seite 393
Mineralogische Untersuchungen an einer historischen Anlage zur Gewinnung von „Zementkupfer“ in Freiberg/Sachsen
WITZKE, T.; KUGLER, J. & SCHUMANN, T.
Einer der bedeutenden Freiberger Erzgänge ist der NNE-SSW streichende, etwa 1 km südöstlich der Freiberger Altstadt vorbeiführende „Thurmhof Stehende“, der bei guter Ausbildung eine Mächtigkeit von 2,5 – 6,0 m erreicht. Er führt u.a. Chalcopyrit, Tetreadrit, Sphalerit und Galenit. Die wichtigste Grube auf diesem Gang war Thurmhof untere 3./4. Maas, die zwischen 1535 und 1610 etwa 37 t Silber und 800 t Kupfer lieferte. 1618 wurde die Förderung eingestellt.
Im Niveau des Tiefen Fürstenstollens (ein Entwässerungsstollen) im Bereich von Turmhof untere 3./4. Maas konnte eine kleine Anlage zur Gewinnung von sogenanntem Zementkupfer aus kupferführenden Grubenwässern entdeckt werden. Eine derartige untertägige Gewinnung von Kupfer ist im Erzgebirge aus Altenberg beschrieben worden. CHARPENTIER (1778) berichtet über eine „Cementquelle, wo […] jährlich etwas präcipitirtes Kupfer, durch Einlegen von altem Eisen“ erhalten wurde. Die Altenberger Anlage lieferte wöchentlich auf 5 kg eingelegtes, ausgeglühtes Eisen etwa 3,5 kg reines Kupfer. Aus dem Freiberger Revier sind bisher keine schriftlichen Quellen über die Gewinnung von Zementkupfer bekannt. Die kleine, durch die Grubenwässer gut konservierte Anlage in Freiberg besteht aus einer Holzkiste mit einem Fassungsvermögen von ca. 20 Liter, in die aus einem Stoß austretende Wässer über Bretter eingeleitet wurden. Wann die Anlage errichtet und betrieben wurde, ist gegenwärtig nicht bekannt.
Der Kasten selbst enthielt keine Eisenteile mehr, in unmittelbarer Nähe des Kastens konnten jedoch einige ehemalige Nägel geborgen werden, deren Substanz vollständig oder fast vollständig durch elementares Kupfer, Allophan und „Grünen Rost“ ersetzt war. Das Kupfer bildet konzentrische Lagen, z.T. alternierend mit Allophan-Lagen, kleine Kristalle und dendritische, in Allophan eingewachsene Aggregate. Der Grüne Rost (Fe2+-Fe3+-Hydroxid-Schichtstruktur mit Sulfat, Hydroxid oder Chlorid in der Zwischenschicht) bildet bis etwa 1 mm große, dünntafelige Kristalle mit hexagonalem Umriß.
Der Stoß unterhalb des Wasseraustrittes war mit grünem, schwach kupferhaltigem Allophan und weißem, kupferfreiem Allophan bedeckt.
Das Wasser wies bei einer Beprobung 1997 einen pH-Wert von 5.5 auf. Der Cu-Gehalt lag bei nur 0.3 ppm, Zn bei 20 ppm, Cd bei 0.2 ppm und Al bei 0.6 ppm. Ein erfolgreicher Betrieb der Anlage bei einem derartigen Cu-Gehalt im Wasser ist nicht möglich. Es ist anzunehmen, daß sich der Wasserchemismus seit der Betrieszeit geändert hat. Der Zn- und Cd-Gehalt weist auf eine Auslaugung von Sphalerit hin.
CHARPENTIER, J.F.W. (1778): Mineralogische Geographie der Chursächsischen Lande.- Leipzig, Siegfried Lebrecht Crusius