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Der Churprinzer Bergwerkskanal und das Halsbrücker Kahnhebehaus, das erste Schiffshebewerk der Welt
(Veröffentlicht in BERGBAU 9/94)
Allgemein bekannt ist, dass in den alten Bergbaurevieren (die sich ja auch oft in den Bergen befanden) das Wasser als Hauptenergielieferant eine große Rolle spielte. Um das Wasser in ausreichender Menge auch möglichst dort zu haben, wo es als Antriebskraft für Wasserräder, Pumpen, Pochwerke etc. benötigt wurde, musste ein umfangreiches Leitungs- und Speichersystem, oder genauer Graben- und Teichsystem, angelegt werden. Das war im Erzgebirge genauso, wie beispielsweise im Harz. Eigentlich war es dann auch nahe liegend, dass zum Teil solche Wasserläufe auch zum Transport von Erzen genutzt wurden, wie es auch tatsächlich sowohl untertage (z. B. Tiefe Wasserstrecke im Oberharzer Revier) [1] als auch übertage geschah. Problematisch wurde es jedoch, wenn die Hauptförderrichtung talaufwärts ging. Solch ein Beispiel soll hier kurz geschildert werden, unter anderem auch deshalb, weil hier das erste Schiffshebewerk der Welt gebaut worden ist.
Eines der reichsten Bergwerke im Freiberger Revier ab etwa Anfang des 18. Jahrhunderts war die Grube „Churprinz Friedrich August Erbstollen“, kurz „Churprinz“ genannt.
Sie lag am nördlichen unteren Ortsrand des Bergdorfes Großschirma auf dem linken Ufer der Freiberger Mulde (Bild 1).

1 Übersicht über einen Teil des alten Bergbaugebietes nördlich von Freiberg
(nach Wagenbreth & Wächtler, 1986)
Das aus der Grube gewonnene Erz musste zur Hütte nach Halsbrücke befördert werden, die zwar nur ca. 5 km entfernt lag, aber leider in südöstlicher Richtung, das heißt talaufwärts auf dem anderen Ufer der Freiberger Mulde. Der Transport mit Pferdefuhrwerken durch das relativ enge Tal war umständlich und zeitraubend und damit teuer.
Neben diesem Erz-Transport-Problem gab es für die Grube auch ein Energieproblem, das hieß damals, ein Mangel an „Aufschlagswasser“. Die Hauptversorgung mit Aufschlagswasser erfolgte vom Waltersbach. Unterhalb der Ortschaft Kleinwaltersdorf begann der Obere Churprinz Kunstgraben, der auch noch einen Zufluss aus dem Münzbachtal erhielt. Als Speicher wurde am Zusammenfluss der zwei Gräben ein Bergwerksteich angelegt (Bild 2). Doch das Wasser reichte bei größer werdenden Förderteufen, besonders in regenarmen Sommern, längst nicht mehr aus.

2 Die Wasserversorgung der Grube Churprinz um 1830 (nach Wagenbreth & Wächtler, 1986)
Detail siehe Abb.3
Der damals im Freiberger Revier zuständige oberste Bergbeamte für diese Probleme war der Kunstmeister Johann Friedrich Mende . Er entwickelte die sogenannte Untere Churprinzer Wasserversorgung, die an der Blockzeichnung (Bild 3) im Bereich der alten Grube „Churprinz“ dargestellt ist.

3 Leicht schematisiertes Raumbild der Tagesanlagen, Schächte und der Energieversorgung der Grube Churprinz (nach Wagenbreth & Wächtler, 1986)
Etwa an der Stelle der Einmündung des Münzbaches in die Freiberger Mulde (und damit an der Stelle, wo die Alte Meißener Straße die Feiberger Mulde überquert und sich auch die berühmte Altväterbrücke befand), hatte Mende 1788 einen Graben von der Mulde abgezweigt und mit nicht ganz einfachem Verlauf, sogar unter Einbau einiger Schleusen, der Grube Churprinz zugeführt (7-7-7 in Abb. 2). Er legte den Graben so breit an, daß er sowohl vom größeren Querschnitt her, als auch der damit bedingten Wasserfließgeschwindigkeit, zum Transport von Erzen per Kahn von der Grube bis zur Freiberger Mulde benutzt werden konnte.
Da die Hütte in Halsbrücke auf der östlichen Muldeseite und über dem Tale lag, baute Mende bei Rothenfurth ein Kahnhebewerk in das Tal der Freiberger Mulde, das als das älteste Schiffshebewerk in die Technikgeschichte eingegangen ist. In diesem Kahnhebehaus wurden die Erzkähne fast 7 m hoch gehoben. Ein Funktionsschema mit Schilderung des Hebevorgangs erklärt Bild 4; desgleichen zeigt es das ursprüngliche Aussehen und den heutigen Zustand des Kahnhebehauses.

(nach Wagenbreth & Wächtler, 1986)
Das Bild 5 zeigt die Grundmauern, wie sie von einer FDJ-Brigade 1986 wieder hergerichtet und als Technisches Denkmal konderviert worden sind. 
Dieser Kanal, einschließlich des Hebehauses, erbaut in den Jahren 1788-1789, von der Halsbrücker Hütte bis zur Grube Churprinz war gut 5 km lang, und der Kahntransport dauerte 4-5 Stunden, dazu kam noch eine weitere Stunde für das Heben und eine weitere für die Fahrt bis zur Hütte.
1791 und 1792 wurde der Kanal in zwei weiteren Etappen bis über Großvoigtsberg hinaus ausgebaut und mit zwei weiteren Kahnhebehäusern versehen, konnte aber aufgrund verschiedener Mängel nie wirtschaftlich betrieben werden (was auch mit daran lag, das sämtliche Arbeiten am Kanal von Bergleuten mit ihrem höheren Lohnniveau durchgeführt wurden).
Bei der Grube Christbescherung in Großvoigtsberg entstand in Verbindung mit dem Kanalbau ein weiteres Kahnhebehaus (das aber wohl nie richtig in Betrieb ging) und dank des zusätzlichen Wasserangebotes durch den Kanal (und größerem Bedarf in der Grube) eine technisch sehr bemerkenswerte Wasserhebeanlage (1787-1789), die als damalige technische Meisterleistung kurz geschildert werden soll.
Wasser aus dem Bergwerkskanal trieb ein unterschlächtiges Wasserrad, das wiederum über ein Kunstgestänge ein Kustgesenk, bestehend aus
2 x 2 parallelen Pumpensätzen und mit je vier übereinander gesetzten Pumpsätzen ein einem extra gebauten Schacht, antrieb. Diese Wasserkunst hob das Kanalwasser immerhin
33 m und speiste es im Oberen Christbescherung-Kunstgraben ein.
Schon gut 30 Jahre nach der Fertigstellung des MENDE schen Kanalsystems, nämlich im Jahre 1822, baute der Nachfolger Mendes, der Maschinendirektor Christian Friedrich Brendel (der auch die erste brauchbare Wassersäulenmaschine im Freiberger Revier baute und 1820 in der Grube „Reicher Bergsegen“ in Erbisdorf installierte) den Kanal in einem etwas höheren Niveau neu (von „Churfürst“ bis Halsbrücke; der Rest verfiel). Durch das Anlegen einer Rösche, „Rösche“ im Erzgebirge bedeutet das gleiche wie „Wasserlauf“ im Harz, nämlich ein unterirdisch geführtes Stück Wassergraben, also ein „Wassertunnel“, der „Rothenfurther Rösche“ konnte der Kanal erheblich verkürzt, Schleusen eingespart und damit die Transportzeiten um rund 1/3 verkürzt werden. Wie der Transport sich abspielte, das ist in Wagenbreth & Wächtler (1986) auf Seite 178 wie folgt beschrieben:
Die etwa 7,75 m langen und bis 1,35 m breiten und 0,7 m hohen Erzkähne wurden in der Nähe des Churprinzer Huthauses in der zum Kunstrad führenden Rösche mit je etwa 2,5 Tonnen aufbereitetem Erz beladen und dann von zwei Mann kanalaufwärts getreidelt, während ein Dritter auf dem Kahn stehend stakte und lenkte. Aus der Rösche am Churprinz heraus und durch die Rösche von Waltersbachtal ins Muldental zog man sich, indem alle drei Mann auf dem Kahn saßen, an einem längs gespannten Seil. An der Altväterbrücke musste die Mulde gequert werden. Dabei wurde von einem Steg aus getreidelt. Nach einer Fahrt auf dem etwa 600 m langen Kanalstück rechts der Mulde gelangte man in den am Kahnhebehaus liegenden „Oberen Wehrteich“, querte diesen, fuhr ins Hebehaus, ließ den Kahn heben und setzte in dem oberen Teil des Bergwerkskanals die Fahrt bis zur Hütte Halsbrücke fort. Die Fahrt vom Churprinz bis zur Halsbrücker Hütte dauerte knapp drei Stunden. (Zitat Ende).[3]
Anzumerken sei noch, das die Kähne von sechs Bergleuten mittels fünffacher Flaschenzüge 7 m hoch gehoben und dann wieder auf das Oberwasser gesetzt wurden. Dieser Vorgang dauerte etwa eine Stunde.
Erst im Jahre 1868 schlug die Todesstunde für diesen- nun wirtschaftlichen- Erztransport. Seit 1844 wurde an dem großen Wasserlösungsstollen des Freiberger Reviers, dem Rothschönberger Stollen, gebaut, der In Freiberg ca. 200 m Teufe unter dem Tiefen Fürstenstollen brachte. Dieser Stollen wurde, ähnlich wie der Ernst-August-Stollen im Harz mit Örtern und Gegenörtern von insgesamt acht Lichtlöchern (=Schächten) vorgetrieben.
In unmittelbarer Nähe des Kahnhebehauses lag das siebte Lichtloch des Rothschönberger Stollens. 1868 wurde ein Großteil des Wassers der Freiberger Mulde zum Betrieb der Maschinen dieses Lichtloches benötigt und der Rest reichte nicht mehr für den Kahntransport. So musste nach etwa 80 Jahren Kanalbetrieb der Erztransport wieder auf die Pferdefuhrwerke zurückverlegt werden.
Verwendete und weiterführende Literatur:
Literatur:
[1] Ruder, J. (Hrsg.) (1989): Der historische Erzbergbau um Freiberg/Sachsen und die Lehrgrube „Alte Elisabeth“. – ca. 100 S., viele Abb.; Führer 25. Exk. RDB.; Hannover
[2] Ruder, H. & Müller, D. (1988): Die Wasserwirtschaft im Oberharzer Bergbau. – bergbau 39, H. 10, S. 462-467 und H. 11, S. 506-511
[3] Wagenbreth, O. & Wächtler, E. (1986): Der Freiberger Bergbau, Technische Denkmale und Geschichte. – 382 S., 315 Abb., Tab.; Leipzig
Die ehemaligen Steinkohlenbergbaureviere von Zwickau und Lungau-Oelsnitz
Ein geologisch-bergbaugeschichtlicher Überblick über die ehemaligen Steinkohlenbergbaureviere von Zwickau und Lungau-Oelsnitz
Anmerkung: Die im Text eingebetteten Bilder lassen sich durch Anklicken vergrößern
publiziert in der Zeitschrift "Bergbau" 8/1998 – Seite 367-380 In den Jahren seit der Wiedervereinigung Deutschlands wird in Bergbau- und Umweltzeitschriften sehr viel über den Braunkohlen- und Uranbergbau in der ehemaligen DDR und den entsprechenden Bergbaufolgeschäden und deren Sanierung berichtet. Manchmal wurde noch der Salzbergbau (Kali- und Steinsalz) erwähnt. Auch das offizielle Organ des RDB, die Fachzeitschrift ,,BERGBAU", machte da keine Ausnahme. Der Leser hat sich einen guten Eindruck und Überblick über die Aktivitäten des Braunkohlenbergbaus und die Sanierung von Bergbaufolgeschäden des Braunkohle- und Uranbergbaus verschaffen können.
Kaum jemals wurde aber über die weiteren Bergbauzweige, wie Metallerzbergbau, Spatbergbau oder den Steinkohlenbergbau berichtet, die alle zu DDR-Zeiten große Bedeutung für die Staatswirtschaft hatten. Inzwischen sind aber alle diese Bergbaubetriebe stillgelegt worden, teils wegen Erschöpfung der Lagerstätte, meist aber wegen unwirtschaftlichkeit.
Nach einem Uberblick über die Steinkohlenvorkommen auf dem Gebiet der neuen Bundesländer, werden hier die mit Abstand größten Steinkohlenbergbaureviere von Zwickau und Lugau-Oelsnitz vorgestellt.
Das römische Tuffbergwerk Meurin bei Kretz
Bericht vom 6. Internationalen Bergbau-Workshop, Oktober 2003, Rescheid (Eifel)
Das römische Tuffbergwerk Meurin bei Kretz liegt dicht an der Abfahrt Kruft der Autobahn A61. Man fährt Richtung Kretz (Ausschilderung Vulkanpark Route blau) und folgt in Kretz der Ausschilderung zum Römerbergwerk.
Die Anlage ist von April bis Oktober Di-Fr 9.00 – 17.00 Uhr und Sa, So und an Feiertagen 11.00 – 18.00 Uhr geöffnet. Von November bis März ist es Di-So für Gruppen und Führungen nach Absprache zugänglich.
Das römische Tuffbergwerk ist Bestandteil des touristischen Konzeptes "Vulkanpark", in dem der Vulkanismus in der Eifel sowie die Nutzung der Gesteine von der Römerzeit bis heute den Besuchern vermittelt werden soll.
Der Vulkanismus der Eifel ist geologisch gesehen sehr jung. Einer der Vulkane ist der Laacher See Vulkan. Sein Ausbruch datiert in das Alleröd-Interstadial. Unter dem heutigen See hatte sich in etwa 3 km Tiefe eine Magmenkammer gebildet. Es hatte phonolithische Zusammensetzung. Im oberen Bereich der Kammer hatte sich das Schmelze stark mit Gasen anreichert. Durch die daraus resultierende geringe Dichte konnte das Magma weiter aufsteigen. Als es in Kontakt mit Grundwasser geriet, kam es vor 12.900 Jahren zu einer gewaltigen Explosion, bei der sich ein trichterförmiger Schlot bildete. Eine klassischen Vulkankegel hat es nicht gegeben. Die Druckentlastung führte zu einer Expansion der im Magma gelösten Gase und damit zu einer Verstärkung der Eruption. Zunächst gab es eine rund 30 km hohe Eruptionssäule. Die Säule kollabierte bei nachlassendem Gasschub schließlich. Im Ergebnis davon rasten etwa 600°C heiße Ascheströme und Glutlawinen mit Geschwindigkeiten bis zu über 100 km/h durch die Täler der Umgebung. Diese Lawinen werden auch als pyroklastische Ströme bezeichnet. Das Magma erstarrte zu Bims, ein glasiges, sehr poröses Gestein. Ursache für die Porosität ist die hohe Konzentration flüchtiger Bestandteile im Magma. Das abgelagerte Material, das als Tephra bezeichnet wird, enthält neben Bimsasche (< 2 mm Korngröße) und Bimslapilli (2 – 64 mm Kormgröße) gelegentlich auch Bimsbomben (> 64 mm) und z.T. viele Fremdgesteinsbruchstücke (Schiefer, Sandstein, Basalte).
Im Bereich des heute zugänglichen römischen Bergwerkes befand sich vor dem Vulkanausbruch das Urtal des Krufter Baches. Zu Beginn der Eruption wurden hier 4 Meter Bims abgelagert, gefolgt von 14 Ascheströmen und Glutlawinen. Insgesamt erreichte die Mächtigkeit der Ablagerungen schließlich 35 Meter. Insgesamt wurden etwa 6 km3 Magma ausgeschleudert. Zur Anzahl der Ausbrüche gibt es unterschiedliche Theorien. Eine geht von einer Eruption aus, eine ander nimmt zwei Ausbrüche im Abstand einiger Jahre an.
Durch die Einwirkung von Grund- und Oberflächenwasser wurde der Bims umgewandelt und mehr oder weniger stark verfestigt. Durch Mineralumwandlungen und -neubildungen enstand so aus dem Bims der Tuff. Eine der verfestigten Tufflagen ist der in römischer Zeit intensiv abgebaute sogenannte Römertuff.
Das "Römerbergwerk Meurin" liegt im Gelände der Firma Meurin, die auch heute noch Tuff abbaut. Ein Teil des Geländes konnte für archäologische Ausgrabungen gesichert werden. Das "Römerberkwerk" ist heute von einer großen, freitragenden Stahl-Glas-Konstruktion mit 55 x 45 Meter Grundfläche überdeckt. Die Halle schützt die Ausgrabung vor Witterungseinflüssen. Die den "Römertuff" und damit auch das Bergwerk bedeckende Tuffschicht wurde durch die Firma Meurin abgebaut. Der Einsatz schwerer Technik führte dazu, dass große Teile der Tuffsteinfirste einstürzten. Damit fehlt großen Bereichen des Bergwerks die Firste. In den Teilen, wo sie noch vorhanden ist, erkennt man noch die Spuren der Bagger- oder Greiferschaufeln. Teile der Bergwerkes sind noch nicht ausgegraben. Zur Zeit des Besuches (Oktober 2003) waren hier noch Arbeiten im Gange. Durch die fehlende oder schwache Firste war es erforderlich, zahlreiche Stützen zu setzen. Hierbei wurde auf Holz oder einfache Baustützen zurückgegriffen. Erfreulich ist, dass hier nicht ein "pseudo-historischer" Ausbau verwendet wurde, denn zu römischer Zeit hat es keinen gegeben. Die rund 4 – 5 Meter mächtige Überdeckung und die Verfüllung abgebauter Bereiche mit Versatz machten keinen Ausbau erforderlich.
Die Besucher durchqueren das Bergwerk auf einer Brücke und auf Stegen. Das ist erforderlich, um das recht weiche Gestein mit den erhaltenen Spuren des römischen Abbaus zu schützen und zu erhalten. Die Besucher erhalten am Einlass ein sehr informatives Heft mit ausführlichen Erklärungen zu Entstehung des Tuffs und zur Technik des römischen Abbaus.
Im Gebiet um Kretz gab es den größten römischen Tuffabbau nördlich der Alpen. Das ursprüngliche Abbaugebiet umfasste 2 – 3 km2. Nur ein kleiner Teil davon ist erhalten. Vieles ist dem rezenten Abbau zum Opfer gefallen und wird ihm noch zum Opfer fallen. Das Bergwerk war wahrscheinlich etwa im 2. oder 3. Jahrhundert in Betrieb. Der Tuff wurde in einzelnen Kammern unter Tage gewonnen, dazwischen wurden Pfeiler stehen gelassen. Es handelt sich also um einen Kammerpfeilerbau. In den Kammern gewann man große Tuffblöcke. Diese Blöcke konnten bis über 2,50 Meter Höhe und 1,60 Meter Breite aufweisen. Zum Abbau der Blöcke schlug man mit einem Beil bis 40 cm tiefe Schrote oben, unten und an einer Seite des zu gewinnenden Steins in den Tuff. In die vierte Seite wurden Keiltaschen geschlagen und eiserne Keile eingesetzt. Die Keiltaschen verliefen leicht schräg in Richtung des gegenüber liegenden Seitenschrotes. Durch gleichmäßiges Schlagen auf die Keile löste sich der Stein auch an der Rückseite. An vielen Stellen in dem ausgegrabenen Bereich sind die Beilspuren, die Schrote und die Keiltaschen gut zu erkennen, so dass sich die Abbautechnik rekonstruieren lässt.
Die gewonnenen Tuffquader wurden auf Rundhölzern zu den Materialschächten transportiert und hier mit Kränen an die Oberfläche gefördert. Große Blöcke wurden auch noch untertage zerteilt. Die Schächte weisen einen runden bis ovalen Querschnitt auf. Der Rest eines derartigen Schachtes ist noch vorhanden, auch wenn der größte Teil heute fehlt. Personen fuhren über Treppenschächte in die Grube ein. Der untere Teil eines Treppenschachtes ist ebenfalls noch erhalten. Das Material wurde als Baustein für Häuser, Brunnen, Grabanlagen, Sarkophage und Altäre benutzt. Weiterhin kam der Tuffstein als hydralisch wirksamer Bestandteil des römischen Betons zur Anwendung, z.B. beim Bau der Eifel-Wasserleitung nach Köln.
Im Mittelalter gab es um das Jahr 1200 noch eine kurze Nachnutzung des Bergwerkes. Dabei wurde der Versatz durchgeklaubt und an einigen Pfeilern die Ecken abgeschlagen. Eine Gewinnung großer Blöcke fand nicht mehr statt.
Bilder:

Kretz01: Ehemaliger Tuffsteinbruch der Firma Meurin in der Nähe des Römischen Bergwerkes.

Kretz02: Das Römerbergwerk Meurin. Im Vordergrund sind Spuren der Baggerschaufel vom rezenten Abbau der Deckschicht zu sehen.

Kretz03: Das Römerbergwerk Meurin. Noch nicht vollständig ausgegrabener Bereich.

Kretz04: Das Römerbergwerk Meurin. Abbaukammern und Sicherheitspfeiler.

Kretz05: Das Römerbergwerk Meurin. Abbaukammern und Sicherheitspfeiler. Hier ist noch ein Teil der Firste erhalten.

Kretz06: Das Römerbergwerk Meurin. Rechts sind Spuren der Baggerschaufel vom rezenten Abbau der Deckschicht zu sehen.

Kretz07: Das Römerbergwerk Meurin. Abbaukammern und Sicherheitspfeiler. Hier ist noch ein Teil der Firste erhalten, die abgestützt werden muss.

Kretz08: Das Römerbergwerk Meurin. Blick in eine Abbaukammer. Hier ist noch ein Teil der Firste erhalten, die abgestützt werden muss.

Kretz09: Das Römerbergwerk Meurin. Blick in eine Abbaukammer. Hier ist noch ein Teil der Firste erhalten, die abgestützt werden muss.

Kretz10: Das Römerbergwerk Meurin. Blick in eine Abbaukammer. Deutlich ist das Seitenschrot eines abgebauten Tuffblockes zu sehen.

Kretz11: Das Römerbergwerk Meurin. Rest eines Treppenschachtes.

Kretz12: Das Römerbergwerk Meurin. Rest eines Treppenschachtes.

Kretz13: Das Römerbergwerk Meurin. Rest eines Treppenschachtes. Die oberen Meter des Schachtes sind nicht mehr erhalten.

Kretz14: Das Römerbergwerk Meurin. Eine Abbaukammer mit Seitenschrot von einem Seitenschrot eines abgebauten Tuffblocks.

Kretz15: Das Römerbergwerk Meurin. Ein Stoß mit Keiltaschen vom Abbau eines Tuffblocks.

Kretz16: Das Römerbergwerk Meurin. Ein Stoß mit Keiltaschen vom Abbau eines Tuffblocks sowie dem Boden- und Seitenschrot von einem weiteren Block.

Kretz17: Das Römerbergwerk Meurin. Ein Stoß mit Keiltaschen und dem Seitenschrott vom Abbau eines Tuffblocks.

Kretz18: Das Römerbergwerk Meurin. Ein Stoß mit Keiltaschen vom Abbau eines Tuffblocks.

Kretz19: Das Römerbergwerk Meurin. Blick in eine Abbaukammer.

Kretz20: Das Römerbergwerk Meurin. Blick von unten in den Rest eines Förderschachts.

Kretz21: Das Römerbergwerk Meurin. Rest eines Förderschachtes. Die oberen Meter des Schachtes sind nicht mehr erhalten.

Kretz22: Das Römerbergwerk Meurin. Querschnitt von einem im Tuff eingeschlossenen Birkenstamm. Links von dem Stamm sind die Entgasungskanäle zu erkennen, durch die die bei der Verkohlung freiwerdenden Gase entwichen sind.
Literatur:
H. Schaaff & P. Ippach (ohne Jahr): Das römische Tuffbergwerk Meurin bei Kretz (MYK).- Informationsschrift Vulkanpark GmbH
R. Schaeffer (2003): Der Bergbau auf Steine und Erden im Eifel-Ardennen-Raum.- Tagungsband 6. Internationaler Bergbau-Workshop 2003 – Rescheid (Eifel), p. 89-93
Alle Fotos: Dr. Thomas Witzke
Zollverein – Gesichter einer schlafenden Zeche
Eigentlich sollte die Seite hier eine Interaktive Reise durch die Zeche Zollverein bei Nacht werden. Zu diesem Zwecke habe ich verschiedene Navigationskonzepte ausprobiert, musste aber immer wieder feststellen, das diese Konzepte entweder den Bildern, der Seite als solches oder der Zeche nicht gerecht werden. Jetzt lagen die Bilder ein knappes Jahr auf meiner Festplatte herum und nichts geschah. Ich finde, dass sie zu schade sind zum nicht zeigen. Daher nun hier. Ohne Text ohne Interaktion. Ohne alles. Nur Bilder.
Die Fotos entstanden auf den Schachtanlagen 1/2/8, 3/7/10 und 12

Schacht 10

Schacht 10

Schacht 12

Schacht 12

Schacht 12

Schacht 12

Blick von Schacht 12 nach Schacht 1 und 2

Blick von Schacht 12 Richtung Kokerei

Blick von Schacht 12 – Wäsche

Blick von Schacht 12 nach Schacht 1 und 2

Schacht 12 vorn Lagerhaus, hinten Kesselhaus

Ersatzseilscheiben von Schacht 12

Blick von Schacht 12 nach Schacht 1 und 2

Schacht 12

Schacht 12 und Wäsche

Teilbereich der Sieberei

Teilbereich der Sieberei

Teilbereich der Sieberei

Schacht 12

Schacht 1 / 2

Schacht 1 / 2

Schacht 12

Schacht 1

Schacht 1 / 2 und Fördermaschinenhaus

Schacht 1 / 2
Dank: Ich danke Karlheinz Rabas sehr herzlich für die überlassenen Unterlagen
Bergschaden in Siegen – Grube Hohe Grete
-Im Aufbau-
Für Fragen, Anmerkungen etc. benutzen Sie bitte unser Diskussionsforum
1. Historisches zur Grube Hohe Grethe bei Siegen
2. Abbauverfahren
André Hellmann im Interview mit der Welt am Sonntag
1. Historisches zur Grube Hohe Grethe bei Siegen
Die Anfänge des Bergbaus auf Hohe Grethe sind unbekannt. Erstmals wird die Grube in einer Forstrechnung aus dem Jahre 1698 unter dem Namen “uf der Hohengreten” genannt [1]. Im Oranien-Nassauischer Hof-Staats und Bergwerks-Kalender für das Schaltjahr 1772 wird das Bergwerk unter den Zubus-Gruben aufgeführt [2].
1789 schreibt Johann Philipp Becher:
“Nächst dieser Grube (Pützhorn) in der Aehl, welchen Namen der Wisegrund [sic] führt, immer an dem nämlichen Abhang, wird das Hohegretchen, ein imposantes Eisensteinwerk, gebaut. Hier möchte wohl wenigstens am Tage, brauner Thonschiefer die herrschende Gesteinsart sein. Man erblickt ihn in der obern Tiefe der Grube und allenthalben am Tage. Der Eisenstein b rich t hier von 4 bis zu 15 Fuß Breite. Nur Schade, daß über dem Stollen alles Weg ist, und die Baue unter der Stollensohle in einer Tiefe von 12 Lachtern geführt werden müssen. Im Jahre 1775 förderte dieses Werk 800 Wagen Eisenstein, welches einen Begrif [sic] von seiner Einträglichkeit gibt. Die folgenden Jahre, und bis hierhin hat es freilich etwas weniger gegeben, allein immer genug, um sich im Rang mit den ersten Eisensteingruben zu erhalten, wobei zu bemerken, daß diese Grube kaum drei viertel Jahres betrieben werden kann; denn außer dieser Zeit fehlen der Kunst die Aufschlagwasser, weil die über ihr, oder höher gelegene Mühle mit dem Hammer vor der Kunst, in Ansehung des Wassers, den Vorzug haben, so daß diese stehen muß, wenn keine überflüssige [sic] Wasser vorhanden sind“ [3].
Die Grube Hohe Grethe geht aus der Konsolidierung der Einzelverleihungen Hohe Grethe, Frische Grethe, Junge Grethe, Christophzeche, Lerche, Schwarzwald, Alter Weiberborn, Hohe Ley, Vorderste Grethe und Mittelste Grethe hervor [4]. Abgebaut wurde ein NS streichender, mit 85° nach E einfallender Sideriterzgang, der in oberen Teufen stark oxidiert ist [5].
1865 erfolgte die Anlage eines saigeren Maschinenschachtes (Blindschacht), der in der Unteren Stollensohle angesetzt wurde [4]. 1870 wurde eine Dampfmaschine zur Förderung und Wasserhaltung in Betrieb genommen [6]. Tiefbausohlen wurden in 42-, und 72m unter der Stollensohle aufgefahren. In der ersten Sohle (1871) wurden in der nördlichen Auffahrung 1871 noch alte Strossenbaue angehauen [4,6]. Nach Süden hin soll der Gang unverritzt angestanden haben. Auf der zweiten Tiefbausohle wurde der Gang auf einer Länge von 158m überfahren. Die Ausfüllungsmasse bestand hier überwiegend aus Spat-, und Brauneisenstein und reichlich Quarz. So war der Gang am Schacht zwar 8,5 m mächtig, jedoch konnte durch die Verrauhung nur ein 1,3m mächtiges Mittel bebaut werden. An beiden Enden der Auffahrung keilte der Gang aus.
Beim Aufschluß der sogenannten Querzeche wurde eine stark wasserführende Kluft angehauen. Daraus resultierende Probleme mit der Wasserhaltung und un-günstige Aufschlußverhältnisse führten zur Stillegung der Grube im Jahre 1876.
Im Jahr der Stillegung wurden noch 1405 t Brauneisenstein und 97 t Spateisenstein gewonnen [4].
1917 und 1924 erfolgten Untersuchungsarbeiten im Bereich der Grube Hohe Grethe.
Im zweiten Weltkrieg wurden Teile der Grube Hohe Grethe im Auftrag des Werkluftschutzes zugänglich gemacht und für die Belegschaftsmitglieder der Firma Bertrams (?) herge rich tet [7]. Zwei weitere Ausgänge wurden im Siegtal geschaffen, und ein alter Tagesschacht oder Überbruch (vormals Esse der Dampfmaschine?) in der Nähe der Erzabbaue wurde mit eisernen Fahrten versehen und über die Abbaue mit dem Oberen Stollen verbunden.
[1] Forneberg, Helmut: “4 Wagen holtz bewilligt aus Gnaden”, Bergbaugeschichte aus alten Siegener Renteirechnungen (1992). In: Eiserfeld- Im grünen Kranz der Berge. S.59- 66.
[2] Anonym. Oranien Nassauischer Hof-Staats und Bergwercks-Calender für das Schaltjahr 1772. Herborn.
[3] Becher, Johann Philipp (1789). Mineralogische Beschreibung der Oranien-Nassauischen Lande.
[4] Hundt, T.; Gerlach, G., Roth, F. und Schmidt, W. (1887). Beschreibung der Berg-reviere Siegen I, Siegen II, Burbach und Müsen. Bonn, bei Adolph Marcus 1887.
[5] Fenchel et. al. (1985). Die Sideriterzgänge im Siegerland-Wied-Distrikt. Geologisches Jahrbuch Reihe D. Heft 77. Hannover 1985.
[6] Anonym. Zeitschrift für das Berg-, Hütten und Salinenwesen in dem Preussischen Staate.Berlin. 1871, 19. Bd. S.84.
[7] Flender, Hans-Martin: Der Raum Siegen im Zweiten Weltkrieg : eine Dokumentation. Siegen 1979.
Erklärungen:
1 Fuß ~ 0.3m
2. Abbauverfahren
Wie aus den historischen Quellen hervorgeht, wurde in vorindustrieller Zeit auf Hohe Grethe Strossenbau betrieben, welcher typischerweise auf den steilstehenden Ganglagerstätten des Siegerland-Types vor Beginn des 19. Jhd. durchgeführt wurde. Aus dem Bericht von Becher (Becher, 1789) geht weiter hervor, dass im Altbergbau auf Hohe Grethe mit Gangmächtigkeiten zwischen 1,2 und 4,5 m gerechnet werden kann. Bei gering mächtigen Gängen mit Mächtigkeiten < 2m wurde im Strossenbau mit Bergekästen, bei Mächtigkeiten von 2-12m im Strossenbau mit Bergfesten und bei noch größeren Mächtigkeiten im Teilsohlenbruchbau mit Bergfesten gearbeitet. Erst im beginnenden 19 Jhd. wurden diese Verfahren nach und nach durch den Firstenbau abgelöst, was eine Änderung der Abbaurichtung bedeutet [8].

Im Fall Hohe Grethe kann daher geschlossen werden, dass im „vorindustriellen“ Zeitalter, d.h. vor der Anlage des Blindschachtes die Abbauverfahren Strossenbau mit Bergekästen und Strossenbau mit Bergfesten zur Anwendung kamen [8, 9].
Bei den Abbauverfahren im Strossenbau wurden in jedem Fall Hohlräume im Berg hinterlassen. Besonders ungünstig für die Befahrbarkeit von Gangstrecken, durch die oftmals auch die Förderung aus anderen Grubenabschnitten erfolgte, ist der Strossenbau mit Bergekästen. Bei diesem Verfahren wurde der Hohlraum treppenartig im Erzgang abgeteuft. Bühnenlöcher wurden im Hangenden und Liegendem des Erzganges in regelmäßigen Abständen eingebracht und mit Holzstempeln versehen, die mit Holzbrettern abgedeckt wurden. Darauf wurde der Versatz, d.h. das als wertlos betrachtete gelöste Material eingebracht. Diese sogenannten Kästen wiederholten sich nun in regelmäßigen Abständen, wobei nach einigen aufeinanderfolgenden Bergekästen eine Gangstrecke offengehalten wurde
Der Versatz hatte eine stützende Funktion und konnte somit in der Grube gelassen werden. Ebenso brauchte er nicht an die Tagesoberfläche gefördert werden.
Es gehört nicht viel an Vorstellungskraft dazu, was passiert wenn diese Hölzer verfaulen. Dies ist übrigens mit ein Grund warum so viele Stollen wo dieses Verfahren zur Anwendung kam im ausgeerzten Gangraum zusammengebrochen sind. Der andere Grund ist, dass viele Stollen so angelegt wurden, dass sie nach kurzer Stollenstrecke im tauben Gestein den Gang erreichten. Durch das steile Einfallen der Gänge tut die Schwerkraft das Übriges dazu.
Eine Chance zur Befahrung in der Gangstrecke besteht meistens dann, wenn der Versatz durch Oxidation versintert wurde, oder der Gebirgsdruck den Versatz zusammengepresst hat. Im ersteren Fall ist es zwingend notwendig, dass mit Gangart verwachsenes Primärerz im Versatz in ausreichender Menge vorhanden, und der Versatz nicht zu trocken ist. Besonders „reaktionsfreudig“ ist Versatz, der sulfidische Erze enthält.
Bei größeren Gangmächtigkeiten kam, wie bereits erwähnt, der Strossenbau mit Bergfesten zur Anwendung. Dabei wurden in bestimmten Abschnitten Erzpfeiler im Gang stehen gelassen. Die Gangstrecken wurden durch sogenannte Schweben, Etagenböden aus Erz offengehalten. Auf diesen Etagenböden wurde ebenso Versatz eingebracht. Nach der Beendigung des Abbaus in einem bestimmten Grubenstockwerk wurden die Erzpfeiler häufig noch abgebaut, was nicht selten den Einsturz der Abbaue nach sich zog (sog. Raubbau, der später bergpolizeilich verboten wurde). Die Schweben wurden durch eine Trockenmauerung ersetzt.
Zusätzliche Hohlräume entstanden auch, wenn später Firstenbau unterhalb dieser alten Anlagen durchgeführt wurde. War nun in den „edleren“ Gangmitteln nicht genügend Versatzmaterial für die entstehenden Hohlräume vorhanden, hat man den Versatz einfach aus alten bereits versetzten Gängen bezogen. Den „Alten Mann springen lassen“ ist eine Redewendung aus der Bergmannssprache, die diesen Vorgang treffend bezeichnet.
[8] Gleichmann, H.-D. (1983). Siegerländer Erzbergbau. Erzmetall 36, S. 136-146.
[9] Quiring, H. (1930). Die Anfänge des Bergbaus im Siegerlande. Siegerland, Blätter des Vereins für Heimatkunde und Heimatschutz im Siegerland. Siegen 1930, S.2-15.
Die Zeche Zollern 2/4, Dortmund – Bilder einer Kathedrale der Arbeit (extern)
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Erkundung und Forschung des Salzstocks Gorleben
25 Jahre Erkundung und Forschung des Salzstocks Gorleben
Bergbau im Dienste der Wissenschaft
– ein Befahrungsbericht-

Förderturm Schacht Gorleben 1
Immer wieder liest man im Zusammenhang mit den Kastortransporten vom geplanten Endlager in Gorleben. Die Frage drängte sich auf, was steckt dahinter und wie weit sind die Arbeiten eigentlich fortgeschritten ?
Nach einigen Recherchen lagen doch zahlreiche Informationen vor und es bot sich die Gelegenheit den „Erkundungsbetrieb“ in Gorleben zu befahren.
Bei herrlichstem Winterwetter machten wir uns am 18. Februar 2004 in das Wendland auf. Nach 70-minütiger Fahrt standen wir, wie geplant, pünktlich um 09:00 Uhr vor dem Werkstor. Vom Betriebsparkplatz bot sich ein Überblick über die Tagesanlagen, welche sich von der Straße her, hinter den Bäumen versteckt halten. Schon im Eingangsbereich der Wache finden sich Aufsteller und Infostände mit umfangreichem Material. Nachdem sich die Befahrermannschaft um Dipl. Geol. Andreas Hincke gesammelt hatte, wurden wir in den Beratungsraum über der Betriebswache gebeten.
Herr Dipl.Geol. Isslinger von der DBE (Deutsche Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe mbH) stellte uns nun den Erkundungsbetrieb im Salzstock Gorleben ausführlich vor.
Beim Salzstock Gorleben handelt es sich um einen Doppelsalzstock, den SW-NO-streichenden Salzstock Gorleben-Rambow. Der Teilsalzstock Rambow wurde bisher nicht in die Vorerkundung einbezogen.
Der Salzstock Gorleben ist einer der größten Salzstöcke in Niedersachsen. Seine Länge beträgt 14 km, welche eine Fläche von ca. 40km 2 umfasst. Er befindet sich unter einem 200-300 m mächtigem sedimentärem Deckgebirge des Tertiärs und des Quartärs, seine Teufe erreicht ca. 3500m. Der Salzspiegel befindet sich heute ca. 280m unter der Rasenkannte.
Die Suche nach einer sicheren Verwahrung für radiaktive Abfälle stellte sich sofort mit der friedlichen Nutzung der Kernenergie. Die Amerikanische Akademie der Wissenschaften hielt bereits 1957, die Salzstöcke für besonders geeignet. Bereits 1963 wurde im Zweiten Deutschen Atomprogramm die Empfehlung für Salz als Endlagermedium ausgesprochen. Daraufhin begannen 1965 im ehemaligen Salzbergwerk „Schachtanlage Asse“ bei Remlingen, im Kreis Wolfenbüttel, die ersten deutschen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zur Endlagerung im Salz.
Die Niedersächsische Landesregierung beauftragte 1976 eine Projektgruppe, um aus den mehr als 200 norddeutschen Salzstöcken geeignete Standorte auszuwählen. Am 22. Februar 1977 wurde der Salstock Gorleben als möglicher Standort einer Endlagerung durch die Landesregierung benannt. Zur sachgerechten Erkundung unter Nutzung bereits vorhandenen Know-how’s aus Forschung und Bergbau wurde 1979 die Deutsche Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe mbH gegründet.

warten auf die nächste Seilfahrt
Die DBE begann noch 1979 mit der übertägigen Erkundung des Salzstockes und konnte die Arbeiten im wesentlichen 1985 abschließen. In den sechs Jahren hatten die Mitarbeiter ein umfangreiches Erkundungsprogrmm ab zu arbeiten. Es wurden im Wesentlichen folgende Arbeiten ausgeführt:
- 322 Pegelbohrungen zur hydrologischen Untersuchung auf ca. 300 km 2
- 4 Brunnenbohrungen für Langzeitpumpversuche
- 549 Tiefsondierungen zur geophysikalischen Messung
- Erstellung von 16 reflexionsseismischen Profilen
- Errichtung und Betrieb eines seismischen Stationsnetzes zur kontinuierlichen Überwachung des Standortes auf lokale Erdbeben
![]() Füllort 840-m-Sohle | Mit dem Übergang zur untertägigen Erkundung 1986 und dem Abteufen des Schächte Gorleben I (1986-1997) und Gorleben II (1989-1995) ergaben sich weitere Erkundungsbohrungen:
Mit dem Aussetzen der Füllörter auf der 840-m-Sohle begann die zweite Phase der untertägigen Erkundung. Am Schacht 1 begannen die Arbeiten am 4. Oktober 1995, Schacht 2 folgte am 18. November . Zunächst wurde die Hauptförderstrecke als Verbindung der Schächte aufgefahren und am 21. Oktober 1996 durchschlägig. |
Danach begann der Vor rich tungsbau für die untertägigen Infrastrukturbereiche mit Werkstätten, Arbeits- und Lagerbuchten. Mit dem Vortrieb der Querschläge 1 West und 1 Ost sowie der nördlichen Richtstrecke begann die Umfahrung des für die Einlagerung vorgesehenen Steinsalzes im Zechstein, als Hauptsalz der Staßfurt-Folge.
Im Rahmen der Auffahrung wurden selbstverständlich die Forschungsarbeiten, neben der detaillierten markscheiderischen Darstellung, durch verschiedenste Erkundungsbohrungen und Geotechnische Bohrungen weiter geführt. Zusätzlich wurden in den Schächten und Strecken, Mess-Stationen für die Deformationsanalyse angelegt.
Seit dem 1. Oktober 2000 sind die Erkundungsarbeiten eingestellt. Es gilt ein Memorandum, wonach in den nächsten 10 Jahren eine Entscheidung über einen Endlagerstandort nach den wissenschaftlichen Kenntnissen gefasst werden soll.
Die Aufgabe der Belegschaft besteht nun in der Verwahrung des Grubengebäudes auf dem heutigen Niveau um im Bedarfsfall die Arbeiten sofort wieder aufnehmen zu können.

Das Gezähe hat Ruh – wie lange noch?
Herr Isslinger begleitete uns auch auf der Befahrung, was mich zunächst etwas in Erstaunen versetzte. Im Gespräch bei der Anfahrt klärte sich dann die Sache. Nachdem unser Führer als Geologe die Erkundungsarbeiten fast von Anfang an begleitete, sind seine Aufgaben mit dem Inkrafttreten des Memorandums sehr minimiert, aus diesem Grunde widmet er sich nun verstärkt der Öffentlichkeitsarbeit. Was für ein Glück für die Besucher, einen kompetenteren Führer wird es wohl nicht geben. Auf die Frage wer denn im Normalfall zu einer Befahrung kommt, gab es die nächste Überraschung. Täglich sind 2 Gruppenbefahrungen möglich, diese sind allerdings meistens für die kommenden 12 Monate ausgebucht ! Es melden sich fast ausschließlich Fachleute aus den Bereichen Bergbau und Abfallwirtschaft, aber auch interessierte Laien an. Natürlich hat auch der Eine oder Andere Atomkraft-Gegner den Weg in das Erkundungsbergwerk gefunden.

Nach einem kurzen Weg über den Zechenhof geht es in die Steigerkaue. Hier bekommt der Besucher vom Kauenwärter die notwendige Sicherheitsbekleidung. Ein roter Overall (rot=Besucher) Sicherheitsschuhe und ein paar Arbeitssocken. Nach dem Umkleiden in der Steigerkaue führt der Weg an der Lampenstube vorbei. Hier bekommt jeder Besucher seinen Helm und natürlich ein Geleucht. Wieder eine Überraschung, ein mir sehr wohl vertrautes Geleucht aus Zwickau wird mir in die Hand gedrückt. Der Lampenwart bemerkt mein Erstaunen und gibt eine kurze Erklärung. Als man mit den untertägigen Arbeiten begann, hatten die bekannten deutschen Lampenhersteller CEAG und Friwo ihre Produktion bereits eingestellt und aus der internationalen Ausschreibung konnte sich die GAZ GmbH behaupten.
Im Treppenhaus sammeln sich nun die Befahrer und erhalten über eine Videopräsentation sowie durch einen der Kauenwärter und den Führer eine Einweisung in die Benutzung der vorgeschriebenen Selbstretter.

Vorschriftsmäßig ausgerüstet geht es nun vor die Tür zum obligatorischen Erinnerungsfoto, um anschließend den Weg zur Rasenhängebank in Angriff zu nehmen. Für die Seilfahrt und die Förderung stehen in der modernen Schachtanlage zwei unabhängige Förderanlagen zur Verfügung. Die Befahrer steigen in einen zugegeben ziemlich engen, zweietagigen Förderkorb. Für die Bergfremden schon eine ungewöhnliche Situation. Nachdem das Sicherheitsgitter geschlossen ist, ertönt ganz klassisch das Anschlagssignal zur Abfahrt. Mit durchschnittlich 6m/s geht es gemächlich der 840-m-Sohle entgegen.
Im Füllort angekommen wird nun auf den Rest der Gruppe gewartet und es gibt die erste Gelegenheit unseren Führer mit Fragen zu bombardieren. Nachdem die Befahrermannschaft komplett ist folgt eine 1,5-stündige, äußerst interessante Befahrung. Neben den bergbautechnischen Informationen gewinnt der Befahrer auch viele Eindrücke über die geologischen und physikalischen Gegebenheiten im Salzstock. Vorbei an einigen interessanten Aufschlüssen geht es durch die Werkstätten bis hin zum letzten Stoß.

An einer Stelle musste kurz vor unserem Eintreffen die Firste nachgerissen werden, eine gute Gelegenheit ein paar „Belegstücke“ von der 840-er zu erhaschen. Während der Befahrung gibt es einen guten Mix aus Informationen rund um das Bergwerk selbst, der Geologie und natürlich um die Einlagerung radioaktiven Materials. Nach einem bequemen Fußweg gelangt man am Ende wieder am Füllort an, um mit der Ausfahrt zu beginnen. Da die Seilfahrt wieder in mehreren Etappen erfolgen muß, ergibt sich erneut die Gelegenheit einige Fragen mit dem Führer zu erörtern. 
Warum nun ausgerechnet ein Salzstock als Endlager ? Es liegt auf der Hand, dass sich Hohlräume im Salz kostengünstiger als jeder andere bergmännisch geschaffene Holraum auffahren lassen. Im Steinsalz wird entstehende Wärme relativ gut abgeleitet und es umschließt Gase, Flüssigkeiten und Festkörper vollständig. Das plastische Verhalten des Steinsalzes ist ein bedeutender Vorteil. Die künstlich erschaffenen Hohlräume schließen sich durch den allseitigen Gebirgsdruck wieder vollständig zu einer Masse. Eingebrachte Fremdstoffe werden durch den darüber eingebrachten Salzversatz vollständig in wieder verfestigtes Steinsalz eingeschlossen.
Nach der Seilfahrt geht es wie üblich zurück in die Kaue. Von der Kaue begleitet uns Herr Isslinger durch eine kleine, sehr interessante Ausstellung, von Bohrkernen und Salzmineralen, wieder in das Empfangsgebäude.
Gegen 14.30 Uhr brechen wir nach einer sehr interessanten Befahrung wieder nach Hause auf.
Quellen:
Dipl.-Geol. A. Hincke -Salzstock Gorleben-
Infomaterial der DBE
weitere Informationen:
http://www.dbe.de

An dieser Stelle gilt ein besonderer Dank Herrn Dipl. Geol. Andre as Hinke für die Organisation und Planung der Befahrung und Herrn Dipl. Geol. Isslinger von der DBE, für eine fachkundige und sehr interessante Führung über- und untertage.
Glück auf !
Die Braunkohlezeche Hirschberg in Hessen
Am 20.12.2002 wurde die Förderung in der Zeche Hirschberg eingestellt. Damit wurde auch die letzte Braunkohle Tiefbaugrube Deutschlands stillgelegt. Die hier vorliegenden Bilder dokumentieren die letzten Stand der Grube.

Pumpensumpf

Wetter und Förderstrecke

Abbaustrecke
Die Förderung erfolgte im Stollenbetrieb mit Gummigurtband. Es wurden immer zwei im Abstand von ca. 30 m parallele Strecken vorgetrieben; eine einziehende Fahr – und eine ausziehende Förderstrecke. Dann wurde die Kohle im Rückbau örter – oder Weitungsweise gewonnen, wobei die Fahr – und Förderstrecke zu Bruch gingen. Versatz hat man nicht verwendet. (Quelle M.Kitzig)

Übergabestelle der Kohle vom Radlader auf das Förderband

Übergabestelle der Kohle vom Radlader auf das Förderband

Übergabestelle

Abbaumaschine

Förderband nach Übertage

Förderband nach Übertage

Übergabestelle von Förderbändern zur Richtungsänderung

Förderstrecke
Man ist auch immer wieder in alte Baue geschlagen; früher hat man nämlich nur die sog. „Steinkohle“ gewonnen; das ist die oberste ca. 30 cm mächtige Lage des Flözes, welche durch den Kontakt mit dem auflagernden heißen Basalt einen höheren Inkohlungsgrad und damit eine wesentlich bessere Qualität hatte. (Quelle M.Kitzig)

Förderstrecke

Vorort mit Kohleflöz

Kohleflöz

Förderstrecke mit Wettertür

Förderstrecke

Verbogener Ausbau durch Gebirgsdruck

Ausbau unter Druck

Gebrochener Stahlausbau

Übergabestelle der Kohle vom Radlader auf das Förderband

Abbaustrecke

Flöz mit Sandeinlagerung

Verbindungstrecke zwischen den beiden Stollenstrecken

Abbau

Förder und Wetterstrecke

Pumpensumpf
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Vortragszusammenfassung: Zeichen, Tafeln, Inschriften und Zeichnungen im Bergbau
Beitrag zum 7. Internationalen Bergbauworkshop, 29.9-2.10 2004, Clausthal-Zellerfeld,
Harz
Zeichen, Tafeln, Inschriften und Zeichnungen im Bergbau
– Ein Workshop zur theoretischen und praktischen montanhistorischen Arbeit.
Maja Bürger, Halsbrücke; Stephan Adlung, Freiberg; Dr. Thomas Witzke,
Aachen; Michael Pfefferkorn, Oettern
Zusammenfassung:
Eingeschlagene oder gemalte Zeichen, Inschriften, Malereien und Tafeln der
verschiedensten Art finden sich relativ häufig im Bergbau. Zum Teil dokumentieren
sie Vortriebsleistungen, Beginn oder Ende von Auffahrungen, dienen der Vermessung,
Markierung oder Abgrenzung von Gruben oder Grubenfeldern, dokumentieren besondere
Ereignisse, zum Teil sagen sie auch nur „ich habe hier gearbeitet“ oder „ich
war hier“. Einige dieser Zeichen und Inschriften sind klein und unscheinbar,
andere sind sehr groß, auffällig, seit langem bekannt und auf Rissen
dokumentiert.
Die theoretische und praktische Arbeit mit diesen „Hinterlassenschaften“ ist
eine der spannendsten und schönsten Beschäftigungsfelder der Montanhistorik.

Abb. 1: Tafeln im Freiberger Revier
Das „grüngraue Schieferbänkchen“ und andere Thüringer Spezialitäten
Bericht zur 1. "Vollversammlung" der GAG vom 07. – 10. September 2001
von Thomas Krassmann, 24.11.2001
— in Memoriam meiner am 24.08.2001 verstorbenen Frau Ute —
Letztes Untertagebild von
Ute, Januar 2001
Vivat, crescat, floreat* – so ist es überraschenderweise unserer erlauchten "Grubenarchäologischen Gesellschaft" in
den letzten Jahren gegangen. Hatte man ursprünglich vielleicht damit gerechnet, das sich die in studentischer Zeit
und unter studentischen Lebensbedingungen in Göttingen entstandene GAG nach Zerstreuung ihrer Gründungsmitglieder in alle Winde allmählich auflösen würde, so stellte man noch Jahre später fest, das es trotz räumlicher Distanz kein Nachlassen
gemeinsamer montanhistorischer Aktivität gab… Mehr als daß hat uns unsere seit 1997 betriebene Präsenz im Internet eine
Reihe von sehr aktiven Neumitgliedern beschert. So willkommen das ist, bringt ein solcher Mitgliederzuwachs auch einige Probleme mit sich. Waren früher sämtliche GAG – Mitglieder bestens miteinander bekannt, so wird dies bei vielen Neueintritten naturgemäß schwieriger. So wurde die Idee geboren, in Thüringen eine Vollversammlung der GAG einzuberufen, auf denen sich Alt- und Neumitglieder miteinander bekannt machen konnten, wo gemeinsame Befahrungen stattfinden sollten und wo das Bier in Strömen… aber lassen wir das !
* für alle Nichtlateiner: etwa "Wachse, blühe und gedeihe !"
Eine Vollversammlung ist es dann leider doch nicht geworden – sehr zum Unmut des Organisators Michael Pfefferkorn – aber dies ist bei einer Größenordnung von derzeit etwa 15 GAG – Mitgliedern mit sehr dezentraler Wohnlage auch kaum mehr zu verwirklichen. Immerhin wurden etwa 2/3 der Mitglieder inclusive einiger im Verlauf der Veranstaltung aufgenommener "Jungfüchse" gesichtet und das ist doch auch schon immerhin etwas…man sollte nicht unzufrieden sein !
