Eine Reise ins goldene Land Rumäniens II – oder „Ein Schein aus Bukarest“
Und es gibt ihn doch, den Schein aus Bukarest.
Zumindest scheinbar, denn gesehen hat ihn bisher keiner von uns.
Der geneigte Leser kann den Grund dafür schon erahnen: Der Schein ist natürlich geheim! Um den "Schein aus Bukarest" betrachten zu dürfen, bedarf es wohl eines Scheines aus Bukarest…
Aber so unsichtbar und geheim der Zettel auch immer sein mochte: Er eröffnete uns grandiose Einblicke in den aktiven Bergbau Rumäniens!
Holger Lausch (OHo) hat das Gesehene und Erlebte aufbereitet und in Wort und Bild hier zusammengefasst. Danke Holger!
An dieser Stelle möchten wir uns auch nochmals ganz herzlich bei allen Freunden und Helfern vor Ort bedanken, die uns bei unserer Reise so tatkräftig unterstützt haben!
Noroc Bun
M.Krumrei
3. Thüringer Altbergbaukolloquium – 2.Zirkular
3. Thüringer Altbergbaukolloquium
vom 21.- 23. April 2006 in Lehesten
Programm:
Freitag, 21. April 2006
16.00 Uhr Besichtigung der Verarbeitung und Gewinnung des Schieferbruches der VTS in Schmiedebach
Ausrüstung: Helm, festes Schuhwerk. Treffpunkt ist der Haupteingang zum Schieferbruch
Schmiedbach.
19.00 Uhr Abendessen in Lehesten
20.30 Uhr Vorführung eines historischen Stummfilmes über die Arbeit im Oertelsbruch Schmiedebach
Samstag, 22. April 2006
8.00 Uhr Frühstück
9.00 Uhr Vortragsprogramm
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Die historische Entwicklung des Thüringer Schieferbergbaus |
Dr. Peter Lange |
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Schieferbergbau – Die Gewinnung über- und untertage |
Werner Liebeskind |
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Schieferbergbau – Die Weiterverarbeitung |
Werner Liebeskind |
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Kaffeepause |
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Schieferbergbau – Lagerstätten, Geologie und Mineralogie |
Dr. Rainer Schubert |
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Schieferbergbau – Naturschutz und Flora, Fauna, Habitus |
Mario Baum |
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Betrachtungen zum Revier Gebersdorf – dem letzten Kapitel der Schmiedefelder Eisenerzbergbau |
Klaus Müller |
13.30 Uhr Mittagessen
14.15 Uhr Abfahrt zu den Exkursionen
Alle drei angeboten Exkursionsziele sind untertägige Befahrungen. Die genauen Orte werden diesmal leider erst zum Kolloquium selber bekannt gegeben, sie stehen aber bereits fest (dies hat organisatorische Gründe).
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Exkursion 1 |
Befahrung eines Stollens. Besichtigung von Kompressorenkammer, Querschlägen und Abbauen, Werkstatt, Bahnhof, Blindschacht etc. |
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Ausrüstung: Helm, bergmännisches Geleucht, festes Schuhwerk |
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Exkursion 2 (Experten Tour) |
Befahrung einer Schiefergrube über 2 Sohlen. Sehr große und beeindruckende Abbaue. |
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Ausrüstung: Helm, bergmännisches Geleucht, mind. Watstiefel (oder Wathose / Neopren). Seilausrüstung ist empfehlenswert, Teilnehmer ohne SRT- Ausrüstung können mitkommen, sehen aber etwas weniger. |
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Exkursion 3 |
Befahrung eines Stollens. Besichtigung von Abbauen, Strecken, Bahnhof, Blindschacht etc. Gute körperliche Verfassung ist empfehlenswert. |
19.00 Uhr Abendessen
danach Abendprogramm
Sonntag, 23. April 2006
8.00 Uhr Frühstück
9.00 Uhr Vortragsprogramm
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Der derzeitige Stand der aktiven Schieferindustrie in Thüringen |
Uwe Egerer |
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Das Lehestener Besucherbergwerk – Chancen für die Zukunft? |
Werner Liebeskind |
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Historische Aufnahmen von Objekten des Altbergbaues erläutert am Beispiel des Pochwerkes der Grube Gottes Geschick / Schwarzenberg |
Julia Schreiter |
11.30 Uhr Mittagessen
12.30 Uhr Befahrung Staatsbruch Lehesten mit Schrämwand, Göbelschachtanlage und historischer
Spalthütte – individuelle Abreise ist möglich.
Tagungsort und Unterkunft:
Hotel „Zur Kaue“
Tel.: 03 66 53 – 26 05 0
Fax: 03 66 53 – 26 05 412
http://www.erholungspark-thueringen.de/
Preis pro Tag / Person im Doppelzimmer 25,00 Euro inkl. Frühstück
Das Hotel hat einen hervorragenden Standart, welcher weit gehobener ist als der Zimmerpreis vermuten lässt.
JEDER TEILNEHMER MUSS, UNABHÄNGIG VON DER ANMELDEUNG ZUM KOLLOQUIUM SEIN ZIMMER IM HOTEL SELBER BUCHEN. HIERFÜR BITTE DAS STICHWORT „ALTBERGBAU-KOLLOQUIUM“ BENUTZEN. Eine kostenlose Stornierung ist bis 12.04.2006 möglich, danach wird 15 Euro Stornierungsgebühr erhoben.
Mittag / Abendessen
Am 21.04.2006 wird das Abendessen in Form eines Buffets im Restaurant „Schieferpark“ eingenommen (Preis pro Person 7,50 Euro).
Am 22.04.2006 wird das Abendbuffet ab 19.00 Uhr im Foyer „Zur Kaue“ (Tagungsraum) eingenommen (Preis pro Person 7,50 Euro).
Für die Veranstaltung bieten wir Ihnen Mittagessen zu einem Preis von 6,50 Euro pro Portion an. Folgende Speisen bieten wir für den Mittagstisch an:
M1: Schweinekammbraten mit Schwarzbiersauce, Apfelrotkohl und Thüringer Klößen
M2: Putengeschnetzeltes „Züricher Art“, mit Röstinchen und Salatteller
M3: Hirschkalbsbraten in Rotweinsauce, Apfelrotkohl und Thüringer Klößen
M4: Gedünstetes Wildlachsfilet auf Gemüse-, Wildreisnest mit Dillbuttersauce
Da wir alle Essen vorbestellen müssen, bitten wir um die Buchung mit der Anmeldung zur Tagung.
Für die Tagung wird ein Unkostenbeitrag von 12 Euro erhoben.
Glück auf!
Das Organisationsteam
Werner Liebeskind / Michael Pfefferkorn / Friedhelm Cario
Arbeitstreffen zur Montanarchäologie des Mittelalters, 9. bis 11. Juni 2006 in Reichelsheim
Worum geht’s ?
Ebenso wie Grabstätten, Werkplätze und
Verarbeitungsorte, Gebäude- und Siedlungsreste, Wege, Straßen und
bestehende Gebäude dokumentieren Altbergbauspuren einen wichtigen Teil
der Kulturgeschichte der Menschheit. Der Wandel der Bergbautechnik, der
sich ändernde Bedarf an Rohstoffen, die wechselvolle Gewinnung von
Buntmetallen zur Wertschöpfung sind eingebettet in die großen
Entwicklungslinien der Menschheitsgeschichte – der Bergbau als
Primärproduktion kann dabei immer als als Spiegel der Zeitgeschichte
gesehen werden, der nahezu zeitgleich auf politische und
gesellschaftliche Veränderungen reagiert oder diese selbst zu
beeinflussen in der Lage ist. Damit sind die Spuren der
Rohstoffgewinnung und der Weiterverarbeitung (Erzverhüttung) wichtige
und schützenswerte Informationsquellen für das Verständnis
wirtschaftlicher und kulturhistorischer Entwicklung.
Gerade der Bergbau des Mittelalters und der frühen
Neuzeit bis zum dramatischen Einschnitt des Dreißigjährigen Krieges
(wir fassen den zeitlichen Rahmen für diesen Workshop bewusst etwas
weiter) birgt dabei noch viele ungeklärte Aspekte, die oftmals wegen
schlechter Urkundenlage nur durch die Verbindung
detaillierter Archivarbeit mit den Erkenntnissen aus der Archäologie
unter Tage aufgedeckt werden können. Montanarchäologie unterscheidet
sich jedoch wesentlich von der klassischen Archäologie durch die
Arbeits- und Dokumentationsmethoden unter Tage. Das Arbeitstreffen soll
einen praxisnahen Erfahrungsaustausch und die Vorstellung verschiedener
Forschungsprojekte und Forschungsrichtungen ermöglichen. Eine offene
Programmgestaltung soll durch reichlich Zeit zur Diskussion den
Ideenaustausch und die gegenseitige Kontaktaufnahme befördern und
Anregung zur interdisziplinären Herangehensweise an archivalische wie
archäologische Fragestellungen bieten.
Glück auf!
Stephan Adlung (Grubenarchäologische Gesellschaft),
Jochen Babist & Reiner Hornig (AG Altbergbau Odenwald),
Wolfgang Kalberlah & Werner Götzinger (Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald),
Jochen Rietdorf (Ansprechpartner Gemeinde Reichelsheim)
Weitere Informationen, Anmeldung etc. unter: http://www.geologisch.com/Workshop-Mittelalterbergbau.htm
Altbergbau-Zwangssanierung auf dem Halsbrücker Spat
Behördenwillkür entmündigt Grundstückseigentümer – gigantischer Fall von Steuermittelverschwendung
Die Überschrift zu diesem Beitrag im Stile einer Boulevardzeitung ist sonst nicht die gebräuchliche Ausdrucksweise der Verfasser. Aber zu einem skandalösen Akt feudalistisch anmutender Behördenwillkür, der derzeit in Halsbrücke, einem Bergbauort ca. 6 km nördlich von Freiberg in Sachsen, stattfindet, durchaus passend. Trotz eines fachlich umfangreich begründeten Widerspruchs eines Grundstückseigentümers findet unter anderem auf seinem Grundstück eine „Sanierungs“-, besser „Kahlschlags“, -Maßnahme auf dem Ausbiß des Halsbrücker Spatganges statt, die sowohl von den Erfolgsaussichten der Sanierung als auch von ihrer Planung und technischen Ausführung hanebüchen ist.
Tagungsheft kann bestellt werden.
Vom Tagungsheft des Thüringer Altbergbaukolloquium sind noch einige wenige Restexemplare übrig.
Wer Interesse an einem (oder mehreren) Exemplar(en) hat, kann diese jetzt bestellen.
Bitte schicken Sie dafür einen mit 1,44 Euro frankierten und adressierten A5-Rückumschlag an:
Michael Pfefferkorn
Im Dorfe 38
99438 Oettern
Pro gewünschtem Exemplar legen Sie bitte 1,44 Euro in Briefmarken bei. Je Bestellung können maximal 4 Hefte versendet werden. Wenn Sie mehr wünschen halten sie bitte vorher Rücksprache (mpfefferkorn@untertage.com).
Das Heft enthält Artikel über die Vortragsthemen des Kolloquiums. Es hat 28 Seiten mit insgesamt 39 s/w Abbildungen.

6. nicht sicher gedeutete Tafeln, Zeichen, Inschriften, Zeichnungen usw.
Einige nicht sicher gedeutete Zeichen oder Tafeln sind schon in anderen Kapiteln vorläufig entsprechend der vorliegenden Vermutungen eingeordnet worden. Weitere Tafeln, Zeichen und Zeichnungen mit unbekannter oder unsicherer Deutung werden hier vorgestellt.
6.1. Bilder ungeklärter Bedeutung
1. Bild ungeklärter Bedeutung
Das folgende eingeschlagene Bild findet sich in einer Grube aus dem 16. Jahrhundert in Dippoldiswalde, östliches Erzgebirge. Es verdeutlicht in gewisser Weise mehrere miteinander verbundene Probleme. Erstens: was sind wirklich absichtlich eingeschlagene Linien und was nur herausgebrochenes Gestein, das etwas vortäuscht, oder Ungeschicklichkeit beim Einschlagen? Zweitens: was ist dargestellt? Drittens: was bedeutet es, welchen Sinn hat das Bild?
Beim Nachzeichnen der Linien spielen zum Teil Erwartung oder Assoziationen des Betrachters mit hinein – aber es sind heutige Erwartungen und Assoziationen. Ein Betrachter vor etwa 500 Jahren konnte durchaus etwas anderes damit verbinden. Man kann in dem Bild ein Gesicht mit einem Kreuz darüber sehen, aber ob es das wirklich darstellt, bleibt offen. Andere Personen haben in dem Bild eine Pflanze gesehen, die aus etwas sprießt. Ebenso ungeklärt ist die Bedeutung des Bildes.
Ein religiöser Hintergrund ist denkbar. Möglicherweise wurde ein Gang an einem bestimmten Tag entdeckt und das Bild verdeutlicht dies oder drückt Dankbarkeit dafür aus, aber andere Deutungen sind ebenso möglich.
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Bild 6.1.01: Eingeschlagenes Bild ungeklärter Bedeutung über einer Schlegelstrecke. 16. Jahrhundert. Dippoldiswalde, Erzgebirge, Sachsen. Foto: anonym (1). |
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Bild 6.1.02: Detailansicht. Foto: anonym (1). |
2. Bild ungeklärter Bedeutung
Das folgende Bild befindet sich an einer Grubenfeldgrenze in der Caestert-Grube bei Petit Lanaye in Belgien, direkt südlich von Maastricht. Es befindet sich an der Firste, heute in mehreren Metern Höhe. Es ist vor 1500 entstanden, vermutet wird eine Entstehung um 1300 (Information Jacquo Silvertant, Maastricht).
Zu erkennen ist eine Person, die ein Kreuz hält oder trägt oder sich darauf stützt (am besten zu erkennen in Bild 6.1.03.). Daneben, relativ gut zu sehen in Bild 6.1.04., ist ein Drachentöter auf einem Pferd. Weiterhin sind zu sehen Pfeil und Bogen. Rad- und Galgendarstellungen als Warnung gegen unerlaubten Kalksteinabbau finden sich auch, sind hier aber nicht so zentral dargestellt wie an anderen Grubenfeldgrenzen. Weiterhin finden sich andere christliche Darstellungen, verschiedene Kreuztypen und ein Schachbrettmuster.
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Bild 6.1.03: Zeichnung unbekannter Bedeutung. Eventuell um 1300. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 6.1.04: Zeichnung unbekannter Bedeutung. Eventuell um 1300. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 6.1.05: Detail, mit christlichen Darstellungen und links ein Galgen als Warnzeichen. Eventuell um 1300. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 6.1.06: Detail, mit Kreuzen und Schachbrettmuster. Eventuell um 1300. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 6.1.07: Detail, mit Kreuzen und christlicher Darstellung. Eventuell um 1300. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke. |
3. Bild ungeklärter Bedeutung
Auch dieses Bild befindet sich an einer Grubenfeldgrenze in der Caestert-Grube bei Petit Lanaye in Belgien. Zu erkennen sind wieder Galgen und Räder sowie die Zeichen der Konzessionsinhaber. Vielleicht ist auch das zentrale Zeichen ein großes, besonders ausgeschmücktes Eigentumszeichen. Daneben finden sich Kreuze und Ornamente.
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Bild 6.1.08: Bild, vor 1500. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 6.1.09: Detail. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke. |
© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}
6.2. Harzer "Zähltafeln"
Die hier als "Zähltafeln" bezeichneten Tafeln sind im Westharz recht weit verbreitet. Verschiedentlich werden sie als "Lachtertafeln" und die Zeichen darauf als "Gedingezeichen" angesehen.
Wenn man sich die Tafeln z.B. in den Röschen um Clausthal ansieht, wird man feststellen, dass die Striche weder Lachter- noch Meter-Angaben darstellen. Andererseits bedeuten wenige Striche einen kurzen Abstand zur nächsten Tafel und viele Striche einen größeren Abstand zur nächsten Tafel. Hier ergibt sich also ein eindeutiger Zusammenhang zur Arbeits- bzw. Vortriebsleistung.
Offenbar ist über einen längeren Zeitraum etwas gezählt worden, und die Zeichen nach und nach der Tafel hinzugefügt worden. Ansonsten hätte man sicher eine einzige Zahl eingeschlagen und nicht z.B. mehr als 10 senkrechte Striche nebeneinander oder z.B. Gruppen von Kreuzen.
Vermutet wird, dass hier Sprengungen (Abschläge), Arbeitstage oder Schichten oder andere Arbeitszeiträume gezählt wurden.
Die Bedeutung der einzelnen Zeichen ist unbekannt. Auch dass wie ein Freiberger Gedingezeichen aussehende Symbol bedeutet sicher kein Gedinge in diesem Sinne. Die Arbeiten könnten natürlich trotzdem im Gedinge ausgeführt worden sein, aber die Zeichen haben hier eine andere bisher nicht geklärte Bedeutung.
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Bild 6.2.01: Zeichen auf Harzer Zähltafeln. |
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Bild 6.2.02: Zähltafel. Tiefer Georgstollen, Clausthal-Zellerfeld, Harz, Niedersachsen. Foto: Michael Pfefferkorn. |
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Bild 6.2.03: Zähltafel. Ernst-August-Stollen, Harz, Niedersachsen. Foto: Michael Pfefferkorn. |
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Bild 6.2.04: Zähltafel. Oberer Hasenbacher Wasserlauf, Clausthal-Zellerfeld, Harz, Niedersachsen. Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 6.2.05: Zähltafel. Prinz Walliser Wasserlauf, Clausthal-Zellerfeld, Harz, Niedersachsen. Foto: Jens Kugler. |
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Bild 6.2.06: Zähltafel mit Jahreszahl. Bad Grund, Harz, Niedersachsen. Foto: anonym (1). |
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Bild 6.2.07: Zähltafel. Knollengrube, Harz, Niedersachsen. Foto: anonym (3). |
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Bild 6.2.08: Zähltafel. Schultestollen, Harz, Niedersachsen. Foto: anonym (3). |
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Bild 6.2.09: Zähltafel. Harz, Niedersachsen. Foto: anonym (4). |
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Bild 6.2.10: Zähltafel. Harz, Niedersachsen. Foto: anonym (4). |
© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}
6.3. Markscheide- und Vortriebszeichen mit unbekannter Bedeutung
Zeichen unbekannter Bedeutung aus einer Grube in Oberscheibe, bei Schwarzenberg, Erzgebirge.
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Bild 6.3.01: Markscheide- oder Vortriebszeichen unbekannter Bedeutung. Oberscheibe bei Marienberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Holger Lausch. |
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Bild 6.3.02: Markscheide- oder Vortriebszeichen unbekannter Bedeutung. Oberscheibe bei Marienberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Holger Lausch. |
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Bild 6.3.03: Markscheide- oder Vortriebszeichen unbekannter Bedeutung. Oberscheibe bei Marienberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Holger Lausch. |
Im Reicher Silbertrost-Stolln bei Geyer, Erzgebirge, finden sich weitere Zeichen unbekannter Bedeutung. Im vorderen Bereich des Stollens sind Schneeberger Gedingezeichen zu sehen, im hinteren, jüngeren Teil Freiberger Gedingezeichen. Die bisher nicht gedeuteten Zeichen – Quadrat, Dreieck, Kreis, zwei doppelkreuzartige Zeichen – treten im hinteren Teil des Stollens auf.
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Bild 6.3.04: Markscheide- oder Vortriebszeichen unbekannter Bedeutung. Reicher Silbertrost-Stolln, Geyer, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Norbert Schüttler. |
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Bild 6.3.05: Markscheide- oder Vortriebszeichen unbekannter Bedeutung. Reicher Silbertrost-Stolln, Geyer, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Norbert Schüttler. |
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Bild 6.3.06: Markscheide- oder Vortriebszeichen unbekannter Bedeutung. Reicher Silbertrost-Stolln, Geyer, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Norbert Schüttler. |
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Bild 6.3.07: Markscheide- oder Vortriebszeichen unbekannter Bedeutung. Reicher Silbertrost-Stolln, Geyer, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Norbert Schüttler. |
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Bild 6.3.08: Markscheide- oder Vortriebszeichen unbekannter Bedeutung. Reicher Silbertrost-Stolln, Geyer, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Norbert Schüttler. |
Unkeklärt ist auch die Bedeutung der folgenden Zeichen (Dreiecke u.a.) aus dem Freiberger Revier, Erzgebirge. Möglicherweise stehen die Dreiecke mit der Höhenmessung (d.h. der Neigung) des Stollens in Zusammenhang.
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Bild 6.3.09: Markscheide- oder Vortriebszeichen (Dreieck) unbekannter Bedeutung neben einem Markscheidekreuz. Grube Himmelfahrt, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 6.3.10: Markscheide- oder Vortriebszeichen (Dreieck) unbekannter Bedeutung in der Bildmitte, rechts oberhalb ein Quartalswinkel. Links eine kurze Auffahrung. Grube Himmelfahrt, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 6.3.11: Markscheidezeichen (?) unbekannter Bedeutung, am Gelobt Land Kunstschacht, Brand-Erbisdorf, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Michael Pfefferkorn. |
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Bild 6.3.12: Markscheidezeichen (?) unbekannter Bedeutung, Molchner Flacher, Brand-Erbisdorf, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Michael Pfefferkorn. |
© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren
5. sonstige Tafeln, Inschriften, Zeichen und Malereien
In diesem Kapitel sollen alle die Tafeln, Inschriften, Zeichen und Malereien zusammengefasst werden, die nicht oder eher randlich mit dem offiziellen Betrieb einer Grube in Zusammenhang stehen. Diese Gruppe ist außerordentlich vielfältig und kann hier nur ansatzweise behandelt werden. Dazu gehören die weitverbreiteten namensinschriften oder Initialen von Bergleuten oder Besuchern der Grube, Warnhinweise, mehr oder weniger sinnvolle Sprüche, Zeichnungen und Karrikaturen, religiöses und diverse Kuriositäten.
5.1. Namen und Initialen
Mit Abstand am häufigsten dürften Namen oder Initialen zu finden sein, oft mit Jahreszahlen versehen. Zum Teil stammen sie von Bergleuten aus der aktiven Zeit der jeweiligen Grube. Speziell in der letzten Schicht oder unmittelbar vor der Verwahrung wurden besonders häufig Namen oder Initialen hinterlassen. Aber auch nach Schließung der Gruben verewigen sich oft Personen, zum Teil bei offiziellen Befahrungen und dann meist mit vollem Namen, und häufiger noch bei inoffiziellen Befahrungen und dann fast immer nur mit den Initialen. Diese Inschriften haben einfach die Bedeutung "ich habe hier gearbeitet" oder "ich war hier" und erfreuen sich seit Ende des Mittelalters bis heute großer Beliebtheit.
Von Bergleuten oder Bergbeamten stammen die folgenden Beispiele:
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Bild 5.1.01: Initialen mit Jahreszahl 1701. Neuhoffnungstollen, Kamsdorf, Thüringen. Foto: Michael Pfefferkorn. |
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Bild 5.1.02: Initialen mit Jahreszahl 1768. Kamsdorf, Thüringen. Foto: Holger Lausch. |
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Bild 5.1.03: Inschrift mit Initialen, von 1866, Füllort Himmelfahrtschacht, Kamsdorf, Thüringen. Foto: Michael Pfefferkorn. |
Am Füllort des Himmelfahrtschachtes in Kamsdorf, Thüringen, finden sich mehrere derartige Initialen mit Jahreszahl sowie Schlegel und Eisen. Dies wurde sicher von den dort arbeitenden Bergleuten hinterlassen. In der Grube Wohlfahrt bei Rescheid in der Eifel findet sich eine Inschrift des Anschlägers der Grube von 1896, neben Zeichnungen von Bergleuten, Schlägel und Eisen und der Inschrift "Glück Auf".
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Bild 5.1.04: Inschrift des Anschlägers, von 1896, Grube Wohlfahrt, Rescheid, Eifel, Nordrhein-Westfalen. Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 5.1.05: Inschrift mit Namen, vom 25.3.1932, in einer Alabastergrube im Südharz. Foto: Thomas Witzke. |
Vermutlich wurde die Inschrift von einem Bergmann bei Schließung der Grube hinterlassen, worauf das zweite Wort in der ersten Zeile hinweist, das wahrscheinlich "aufräumen" heißt.
Eine Reihe schöner Inschriften findet sich in der Elisabeth-Schächter Schlotte bei Wettelrode, die beim Kupferschiefer-Bergbau angefahren wurde. Das helle und weiche Gipsgestein ist zum Anbringen von Inschriften gut geeignet.
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Bild 5.1.06: Inschrift von 1874. Elisabeth-Schächter Schlotte, Wettelrode, Sachsen-Anhalt. Foto: Michael Pfefferkorn. |
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Bild 5.1.07: Inschrift Ernst Busch, Bergschüler, 1878. Elisabeth-Schächter Schlotte, Wettelrode, Sachsen-Anhalt. Foto: Michael Pfefferkorn. |
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Bild 5.1.08: Inschrift Otto Jähne. Elisabeth-Schächter Schlotte, Wettelrode, Sachsen-Anhalt. Foto: Michael Pfefferkorn. |
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Bild 5.1.09: Inschrift Emil Röhrig. Elisabeth-Schächter Schlotte, Wettelrode, Sachsen-Anhalt. Foto: Michael Pfefferkorn. |
In den über 800 Jahre alten Kalksteingruben rund um Maastricht finden sich auf niederländischem und belgischem Gebiet eine Unmenge an Inschriften, die von den Arbeitern und von Besuchern der Gruben stammen. Aus der Fülle sollen hier nur einige wenige Beispiele vorgestellt werden.
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Bild 5.1.10: Inschrift von Lambier, vom 19. August 1468. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke. |
Die Inschrift lautet:
"Lambier le po(n)deur (?)
fut ici l’a(n) M CCCC LXVIII
le XIX(me) jo(ur) d’auost "
Die Inschrift wurde zweifellos von einer sehr schreibkundigen Person angebracht, vermutlich ein Kopist aus einem Kloster. Eine C14-Datierung hat das Alter der Inschrift bestätigt (Information von Jacquo Silvertant, Maastricht). Die Inschrift ist damit zweifellos als authentisch anzusehen.
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Bild 5.1.11: Signum des Bischofs von Maastricht von 1551, darüber Inschrift "Graf v. Kunckowström Gräfin von Kunckowstroem geborene Gräfin von Blumenthal den 22 Xbr (= Dezember) 1816". Gangsystem Zonneberg, am St. Pietersberg, Maastricht, Niederlande. Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 5.1.12: Inschrift von 1644, nördliches Gangsystem, St. Pietersberg, Maastricht, Niederlande. Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 5.1.13: Inschrift von 1814, Gangsystem Zonneberg, am St. Pietersberg, Maastricht, Niederlande. Foto: Thomas Witzke. |
Der Text der Inschrift lautet: "Schönwaldt / Feld Apotheker / in v. Lützows / Frey Corp / aus Elbing / in Preussen / d .. Juny / 1814" und stammt von einem Teilnehmer an den Napoleonischen Befreiungskriegen.
© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}
5.2. Warnzeichen, Warnhinweise, Verbotszeichen
Außerordentlich schöne Beispiele für Warnzeichen finden sich in den alten Kalksteingruben südlich von Maastricht. Die Zeichen stammen aus der Zeit vor etwa 1500 finden sich an den Grubenfeldgrenzen der einzelnen Konzessionsinhaber nahe bei den Eigentumszeichen der Betreiber. Es handelt sich um Darstellungen von Galgen oder Rad. Ihrer Funktion nach handelt es sich um Piktogramme, die leicht verständlich und eindeutig dem benachbarten Konzessionsinhaber bzw. dessen Arbeitern zu verstehen geben, dass ein Abbau von kalkstein über die Feldgrenze hinaus Diebstahl bedeutet und die Todesstrafe zur Folge hat.
Nach etwa 1500 tauchen diese Zeichen nicht mehr auf. Die hat einmal zu tun mit einer weiteren Verbreitung der Kenntnisse in Lesen und Schreiben (die Eigentumszeichen werden durch Inschriften abgelöst), aber vielleicht auch mit einem Konsolidierungsprosess bei den Konzessionen. Dabei werden die zahlreichen Kleinbetriebe aus der Anfangszeit, die in unmittelbarer Nachbarschaft arbeiteten, durch Eigner größerer Grubenfelder abgelöst, so dass Durchschläge oder Konflikte mit Nachbarbetrieben nicht mehr so oft auftraten.
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Bild 5.2.01: Warnzeichen mit Galgen und Rad, vor 1500. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Die Zeichen befinden sich an der Firste in heute mehreren Metern Höhe. Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 5.2.02: Warnzeichen mit Galgen, vor 1500. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Die Zeichen befinden sich an der Firste in heute mehreren Metern Höhe. Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 5.2.03: Warnzeichen mit Galgen und Rad, vor 1500. Rechts oben im Bild ein Eigentumszeichen zur Markierung der Grubenfeldgrenze. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Die Zeichen befinden sich an der Firste in heute mehreren Metern Höhe. Foto: Thomas Witzke. |
Sehr schön bei letzterem Bild ist hier die Darstellung der Räder auf einer Stange und die Leitern daneben. Was die Figur zwischen Galgen und den Rädern bedeutet, ist nicht eindeutig zu sagen. Vermutlich handelt es sich um eine Teufelsdarstellung, auch scheint eine Hand etwas von dem Galgen rechts unten im Bild zu holen. Dies würde dann noch eine Verstärkung der Warnzeichen darstellen, etwa in dem Sinn: der Teufel wird sich die Seelen der Diebe holen, die hier Kalkstein stehlen.
© Thomas Witzke {mospagebreak}
5.3. Zeichnungen
Zeichnungen und Gravuren verschiedener Art finden sich gelegentlich in Bergwerken. Entweder wurden sie von den Bergleuten oder von Besuchern angefertigt. Man findet sowohl schnelle Skizzen als auch sorgfältige Arbeiten. Zum Teil tun diese Zeichnungen irgendwelche Ansichten des Herstellers kund, zum Teil sind es Darstellungen aus dem Arbeits- und Lebensumfeld, zum Teil sind es mehr oder weniger kunstvolle Selbstdarstellungen.
Einen besonderen Reichtum an Zeichnungen weisen die z.T. über 800 Jahre alten Kalksteingruben bei Maastricht auf. Der helle Kalkstein und die glatten, durch den Abbau entstehenden Flächen laden auch dazu ein, hier Zeichnung und Inschriften anzubringen. Die Gruben haben offenbar schon sehr zeitig einen intensiven Grubentourismus erlebt. Recht häufige Zeichnungen von Soldaten und Söldnern weisen darauf hin, dass die Bergwerke während kriegerischer Zeiten als Versteck genutzt wurden und offenbar auch von Soldaten aufgesucht und durchsucht wurden (siehe auch die Inschriften in Kapitel 5.1.).
Die folgenden fünf Zeichnungen befinden sich alle in enger Nachbarschaft in der Caestert-Grube im belgisch-niederländischen Grenzgebiet. Nach Stilistik der Zeichnungen und der Kleidung der dargestellten Personen stammen sie wahrscheinlich aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts. Der Narr trägt eine Kappe mit Eselsohren. Die Narren-Symbolik zur damaligen Zeit ist sehr komplex und unterscheidet sich von der heutigen. Man vergleiche hier z.B. Sebastian Brandt’s "Narrenschiff" von 1494, in dem über 100 Laster, Dummheiten und Verhaltensweisen kritisch und satirisch in Wort und Bild dargestellt werden.
Bemerkenswert ist in der Caestert-Grube die Darstellung eines Narren als Bergmann. Die genauen Zusammenhänge müssten noch untersucht werden. Sicher nicht zutreffend sind primitive Deutungen wie "Bergleute sind Narren" oder "Wer hier Kalkstein heraussägt, ist ein Narr".
Die zweite Narrenfigur trägt einen Narrenstab mit Narrenkopf. Auch ein derartiger Narrenstab findet sich auf Abbildungen im "Narrenschiff" und anderen Werken aus dem 15. Jahrhundert. Der Narrenstab kann hier vielleicht als ein Spiegel gesehen werden, den der Narr jemandem vorhält, oder er kann mit dem Narrenstab wie mit einem zweiten Narren sprechen.
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Bild 5.3.01: Zeichnung eines Narren mit dem typischen Werkzeug der Bergleute, einer großen Säge, der einen Kalksteinblock heraussägt. Wahrscheinlich 2. Hälfte 15. Jahrhundert. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 5.3.02: Zeichnung eines Narren, eines Riesen (?) und eines Königs (?). Wahrscheinlich 2. Hälfte 15. Jahrhundert. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 5.3.03: Zeichnung eines Frau, die ihre Seele an den Teufel verkauft. Wahrscheinlich 2. Hälfte 15. Jahrhundert. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 5.3.04: Zeichnung eines Bergmanns mit Säge, Hacke und Schwert. Die Schrift ist (obwohl in der gleichen Farbe) erheblich jünger und hat mit der Zeichnung nichts zu tun. Das Gesicht des Bergmanns wurde leider vor wenigen Jahren zerstört. Wahrscheinlich 2. Hälfte 15. Jahrhundert. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 5.3.05: Zeichnung der Werkzeuge (Gezähe) der Bergleute, zwei Hacken und eine Säge. Wahrscheinlich 2. Hälfte 15. Jahrhundert. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke. |
Ebenfalls aus der Caestert-Grube stammen die beiden folgenden Darstellung einer Burg mit Reitern und Galgen sowie einer Jagdszene.
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Bild 5.3.06: Zeichnung einer Burg mit bewaffneten Reitern und Galgen. Wahrscheinlich 2. Hälfte 15. Jahrhundert. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 5.3.07: Zeichnung einer Jagdszene mit Hund und Wildschwein. Wahrscheinlich 2. Hälfte 15. Jahrhundert. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke. |
Die folgende, leider undatierte Zeichnung von Iudocus Crossen (der sich noch an anderer Stelle in der Grube am St. Peitersberg, Maastricht, verewigt hat) stammt vermutlich aus der Zeit des 80-jährigen Kriegs in den Niederlanden (1568 bis 1648) und stellt wohl einen deutsch-sprachigen Söldner dar (erkennbar an der Sprechblase mit "WER DA") – möglicherweise ihn selber. Durch den in die Tiefe fortgeschrittenen Abbau im Lauf der Jahrhunderte befindet sich die Zeichnung heute in mehreren Metern Höhe.
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Bild 5.3.08: Zeichnung von Iudocus Crossen. Nördliches Gangsystem, St. Pietersberg, Maastricht, Niederland. Foto: Thomas Witzke. |
Einige Bilder mit Soldaten aus napoleonischer Zeit finden sich in der schon genannten Caestert-Grube bei Petit Lanaye.
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Bild 5.3.09: Zeichnung eines Soldaten aus napoleonischer Zeit, Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien. Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 5.3.10: Zeichnung eines Soldaten aus napoleonischer Zeit, Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien. Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 5.3.12: Zeichnung mit Soldaten auf einem Karussel, aus napoleonischer Zeit, Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien. Foto: Thomas Witzke. |
Man beachte auf den nächsten zwei Bildern die Froschlampen. Eine Zeichnung von einem Herrn Teinisser mit seinen zwei Hunden Pada und Turde von 1726 und eine Zeichnung von 1834.
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Bild 5.3.13: Zeichnung von Herrn Teinisser mit seinen zwei Hunden Pada und Turde, von 1726. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 5.3.14: Zeichnung von 1834. Gangsystem Zonneberg, St. Pietersberg, Maastricht, Niederland. Foto: Thomas Witzke. |
An einem Stoß mit einer glatten, großen Schieferfläche haben in der Grube Wohlfahrt, Rescheid, Eifel, die Bergleute zahlreiche Gravuren und Inschriften hinterlassen. Zu sehen sind mehr oder weniger stilisiert dargestellte Bergleute, aber auch eine Frau und ein Schwein. Die Zeichnungen sind um 1900 entstanden.
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Bild 5.3.15: Zeichnungen (Gravuren) von Bergleuten. Grube Wohlfahrt, Rescheid, Eifel, Nordrhein-Westfalen. Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 5.3.16: Zeichnung (Gravur) eines Bergmanns. Grube Wohlfahrt, Rescheid, Eifel, Nordrhein-Westfalen. Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 5.3.17: Zeichnung (Gravur) eines Schweins, erkennbar an dem Ringelschwanz. Grube Wohlfahrt, Rescheid, Eifel, Nordrhein-Westfalen. Foto: Thomas Witzke. |
© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}
5.4. Erotische bis pornografische Zeichnungen und Inschriften
Nicht ungewöhnlich sind auch erotische bis pornografische Zeichnungen oder Inschriften. Das Spektrum reicht von sorgfältigen Zeichnungen bis hin zu schnellen Schmierereien.
Die erste Zeichnung, vermutlich aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts, zeigt einen Mann, der Sodomie mit einem Hund treibt. Man kann spekulieren, ob der Zeichner eine konkrete Person im Sinn hatte (die dann sicher auch den anderen Arbeitern bekannt war), und die Sodomie eher ein Symbol für die generelle Schlechtigkeit der Person ist, oder ob es einfach bedeutet "der ……. ist ein Schwein und treibt es auch mit Hunden". Eine andere Möglichkeit ist, dass der Zeichner generell ein Symbol für die Verkommenheit der Welt geben wollte.
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Bild 5.4.01: Zeichnung eines Mannes, der Sodomie mit einem Hund treibt. Wahrscheinlich 2. Hälfte 15. Jahrhundert. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 5.4.02: Erotische Zeichnung, vermutlich nach 1900. Apostel-Grube, Maastricht, Niederlamnd. Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 5.4.03: Zeichnung, wahrscheinlich aus den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts. Grube Brefeld, Tarthun bei Staßfurt, Sachsen-Anhalt. Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 5.4.04: Zeichnung. Segen-Gottes-Schlotte, Wettelrode, Sachsen-Anhalt. Foto: Michael Pfefferkorn. |
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Bild 5.4.05: Bild aus dem Molchner Stollen, Pobershau, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Holger Lausch. |
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Bild 5.4.06: Bild aus der Grube Methusalem, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Holger Lausch. |
© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}
5.5. Inschriften und Zeichnungen mit politischem Hintergrund
Hinterlassenschaften aus dieser Kategorie dürften eher die Ausnahme sein. Ein besonders schönes Beispiel aus der Zeit der ersten Jahre der DDR ist in der Kupfergrube Sadisdorf zu sehen.
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Bild 5.5.01: Zeichnung in der Kupfergrube Sadisdorf, Erzgebirge, Sachsen, um 1950. Foto: Thomas Witzke. |
Wahlkampf für die USPD von 1920 findet sich in der Grube Brefeld bei Staßfurt. Wahlkampf-Inschriften sind mir bisher aus keiner weiteren Grube bekannt, deshalb dürfte es sich hier um ein recht bemerkenswertes Dokument handeln. Das verdrehte "S" in der Inschrift USPD ist noch an einer anderen Stelle in der Grube zu finden gewesen.
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Bild 5.5.02: Wahlkampf für die USPD, vom 6.6.1920. Grube Brefeld, Tarthun bei Staßfurt. Grube Brefeld, Tarthun bei Staßfurt, Sachsen-Anhalt. Foto: Thomas Witzke. |
Das im folgenden Bild erkennbare, eingeritzte Zeichen (am Stoß oben, etwas rechts der Bildmitte) soll original aus der Mitte der Dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts stammen. Aber auch wenn es jünger ist, stellt es zweifellos eine politische Meinungsäußerung dar. Auf eine Nennung des Zeichens wird hier verzichtet, um ein Auffinden mittels Suchmaschinen zu verhindern. Um etwaigen Fragen gleich zu vorzubeugen: die Darstellung aus dokumentarischen Gründen ist gesetzlich gestattet und stellt keine Werbung für verfassungsfeindliche Organisationen dar. Die Darstellung steht in keinerlei Zusammenhang mit den persönlichen Ansichten des Autors.
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Bild 5.5.03: Zeichen in der Grube Christbescherung, Großvoigtsberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Michael Pfefferkorn. |
5.6. Inschriften und Zeichnungen mit religiösem Hintergrund
Die drei folgenden Bilder stammen aus einer Kalksteingrube südlich von Maastricht. Sie wurden wahrscheinlich von Mönchen des nahe gelegenen Klosters Slavante im 15. oder 16. Jahrhundert gezeichnet.
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Bild 5.6.01: Zeichnung aus dem 15. oder 16. Jahrhundert in der Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 5.6.02: Zeichnung aus dem 15. oder 16. Jahrhundert in der Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 5.6.03: Weintrauben und der Gekreuzigte, Zeichnung aus dem 15. oder 16. Jahrhundert in der Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 5.6.04: Inschrift "Hoc fecit (= dies hat gemacht) Willem Ejssen Anno 1744". Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke. |
© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}
5.7. sonstige Inschriften, Sinnsprüche, Ermahnungen usw.
Besonders reich mit Sinnsprüchen und Ermahnungen sind die Wände der Kammer für die Fördermaschine des Blindschachtes in der Kupfergrube Sadisdorf im Erzgebirge versehen.
So finden sich hier die Inschriften, die der Maschinist die ganze Zeit vor Augen hatte:
"Aufmerksam u. sauber ist deine Pflicht. Drum, Maschinist, vergiß es nicht.".
"Edel sei der Bergmann hilfreich und gut".
"Es grüne die Tanne, es wachse das Erz. Gott schenk uns Bergleut ein fröhliches Herz.Glück Auf.", und darunter, kaum noch zu entziffern "Fang deine Arbeit munter an, so ist sie auch schon halb getan".
"Bergmannsblut hat frohen Mut" (hier nicht im Bild dargestellt).
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Bild 5.7.01: Inschrift in der Kupfergrube Sadisdorf, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 5.7.02: Inschrift in der Kupfergrube Sadisdorf, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 5.7.03: Inschrift in der Kupfergrube Sadisdorf, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Thomas Witzke. |
Nur schwach und in schwer lesbarer Sütterlin-Schrift um 1900 in einen Stoß mit einer ebenen Schieferfläche gekratzt ist der folgende Spruch aus der Grube Wohlfahrt in Rescheid, Eifel:
"Mensch bedenk du hast Verstand
drum scheiß in die Rösch und nicht
auf den Rand"
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Bild 5.7.04: Inschrift in der Grube Wohlfahrt, Rescheid, Eifel, Nordrhein-Westfalen. Foto: Thomas Witzke. |
Gelegentlich finden sich boshafte, spöttische und ironische Inschriften oder Karikaturen. Ein Beispiel dafür ist in der Grube Reiche Zeche, Freiberg zu sehen. Hier hat jemand Kritik an einer bemerkenswerten Form des Ausbaus geübt:
"Den Berggeist aus den Latschen haut / solcher Fromms wie Osmi baut".
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Bild 5.7.05: Eine boshafte Inschrift. Reiche Zeche, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Thomas Witzke. |
Interessante Begebenheiten abseits des offiziellen Grubenbetriebes dürften sicher recht selten vermerkt worden sein. Bemerkenswert ist hier eine Inschrift in der Kalksteingrube St. Pietersberg, Maastricht, von 1630.
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Bild 5.7.06: Inschrift von 1630, Nördliches Gangsystem, St. Pietersberg, Maastricht. Foto: Thomas Witzke. |
| Die Inschrift lautet:
LE VALEREVX BeLgi SILVIVS eT GHYS EN |
Die Übersetzung lautet:
Die tapferen Belgier Silvius und Ghys, |
Die Grube war rund 800 Jahre in Betrieb. Ein Teil der Grube, in der sich auch die Inschrift befindet, war zeitweise frei zugänglich und hier konnte jeder, der Baumaterial benötigte, gegen ein Entgelt Kalkstein brechen.
Für die Übersetzung sei an dieser Stelle Robert Vercauteren (Brüssel) und Eric Welling (Köln) ganz herzlich gedankt. Zum historischen Hintergrund hat Eric Welling folgendes angemerkt:
"Im historischen Rahmen kann man die Inschrift durchaus als authentisch betrachten. Von 1568 bis 1648 (Frieden von Münster) herrschte in den historischen Niederlanden der 80-jährigen Krieg (vgl. in Deutschland der 30-jährige Krieg). Die nördlichen, protestantischen Holländischen Staaten kämpften gegen die Spanisch-besetzten, katholischen südlichen Niederlanden (etwa Flandern). Auf beiden Seiten kämpften vor allem Söldner, die hauptsächlich aus den Deutschen Ländern (wie etwa Wilhelm von Oranien) und Frankreich kamen. Maastricht (und die direkte Umgebung) war eine Enklave der Holländischen nördlichen Protestanten (Geuzen) in den südlich, Spanisch-besetzten Niederlanden.
Der Text kann sowohl wörtlich, aber auch ironisch gemeint sein.
Maastricht (Fr. Maestricht) hat immer mehr oder weniger an der Sprachgrenze zwischen Holländisch/Flämisch und Französich gelegen. Das ist auch heute noch so. Die Sprachgrenze verlief damals von Maastricht bis etwa nördlich der Normandie.
Carl d’or: Goldene Münze des Kaiser Karl V. Das Geldstück hatte ein Gewicht von 2,91gr, Goldanteil nur 0,583% (14 Karat)."
© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren
weiter zu 6. nicht sicher gedeutete Tafeln, Zeichen, Inschriften, Zeichnungen usw.
4. Tafeln zu bestimmten Ereignissen
4. Tafeln zu bestimmten Ereignissen
In diesem Kapitel sollen Tafeln behandelt werden, die sich mit speziellen Ereignissen, Unfällen, Besuchen hoher Persönlichkeiten, Einführung technischer Neuerungen, Fertigstellung von Einrichtungen usw. beschäftigen.
4.1. Tafeln mit Jahreszahlen
Einfachste Form der "Ereignistafeln" sind Tafeln mit Jahreszahlen. Sie dürfen nicht verwechselt werden mit den Jahrestafeln aus Kapitel 1, da sie nicht den zu dem jeweiligen Jahresende erreichten Vortrieb, sondern die Fertigstellung von Einrichtungen, Gewölbemauern, Ausbau usw. belegen. Sie können zu einem beliebigen Zeitpunkt im Jahr angefertigt worden sein.
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Bild 4.1.01: Tafel mit Jahreszahl 1603. Die 3 ist spiegelverkehrt eingeschlagen. Himmelfahrt Fundgrube, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: anonym (1). |
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Bild 4.1.02: Tafel mit Jahreszahl 1730 und dem Namen Cacob Creitziger in einem Gewölbe. Müdisdorfer Rösche bei Brand-Erbisdorf, Erzgebirge, Sachsen. Foto Thomas Witzke. |
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Bild 4.1.03: Tafel mit Jahreszahl 1797 in einem Gewölbe. Der Stein ist etwa 3 – 4 cm erhaben eingesetzt. Thelersberger Stollen, Brand-Erbisdorf, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn. |
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Bild 4.1.04: Jahreszahl 1849 in einem Gewölbe. Sie dokumentiert die Fertigstellung des Gewölbes. Grube Himmelfahrt, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn. |
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Bild 4.1.05: Tafel mit Jahreszahl 1851 in einem Gewölbe, aus dem Neuhoffnung Stollen, Kamsdorf, Thüringen. Foto Michael Pfefferkorn. |
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Bild 4.1.06: Tafel mit Jahreszahl 1943 – 44 in einer Mauer in der Grube Brefeld, Tarthun bei Staßfurt, Sachsen-Anhalt, errichtet während der Nutzung als Munitionslager. Foto Thomas Witzke. |
Auch wenn die folgende Tafel von 1948 aus der Grube Morgenstern bei Freiberg in ihrer Ausführung den dort üblichen Jahrestafeln (siehe Kapitel 1.2.) entspricht, ist sie sicher nicht als eine solche einzuordnen. Sie stammt aus der Zeit, als die SAG Wismut einen kurzzeitigen Abbau in der Grube betrieb.
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Bild 4.1.07: Tafel mit Jahreszahl 1948. Grube Morgenstern, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Thomas Witzke. |
4.2. Durchschlagstafeln
Die folgende Tafel in der Müdisdorfer Rösche bei Brand-Erbisdorf enthält folgenden Text:
"ANFANG Q(uartal) R(eminiscere) 1787 DURCH Q R 1790 25 La(chter)" und Nameskürzel.
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Bild 4.2.01: Durchschlagstafel. Müdisdorfer Rösche bei Brand-Erbisdorf, Erzgebirge, Sachsen. Foto Thomas Witzke. |
Es gibt im Freiberger Revier auch Durchschlagstafeln, die in der Ausführung den Jahrestafeln entsprechen, und in einer kontinuierlichen Folge von Jahrestafeln aus beiden Richtungen des Vortriebs auftreten.
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Bild 4.2.02: Durchschlagstafel von 1795, aus der Grube Gesegnete Bergmannshoffnung, Obergruna bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Thomas Witzke. |
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Bild 4.2.03: Durchschlagstafel von 1814 aus der Grube Reiche Zeche, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Thomas Witzke. |
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Bild 4.2.04: Durchschlagstafel mit Inschrift "10t AbRIL 1791" , Tiefer Georgstollen, Harz, Niedersachsen. Foto Michael Pfefferkorn. |
Auch aus jüngerer Zeit sind Durchschlagstafeln bekannt. Das folgende Bild zeigt eine derartige Tafel von 1943 aus der Grube Büchenberg, Richtstrecke 50 m-Sohle, zwischen Rothenbergschacht und Gräfenhagensbergschacht.
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Bild 4.2.05: Durchschlagstafel, 31. 8. 1943. Grube Büchenberg, Harz, Sachsen-Anhalt. |
© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}
4.3. Unfalltafeln
Die folgende Tafel aus dem Freiberger Revier (Grube St. Donat, 4. Donater Schacht) soll nur vorläufig hier eingeordnet werden, da ihre Bedeutung nicht geklärt ist. Gegenwärtig gibt es mehrere Deutungen. Eine Erklärung geht von einer Unfalltafel aus. Demnach wäre hier im Jahre 1576 ein Hans Benel (das N im Vor- und Nachnamen ist auf der Tafel nur durch einen Strich angegeben) verunglückt. Dafür würde das Kreuz sprechen, dagegen aber die Tatsache, dass Unfalltafeln im Freiberger Revier unüblich waren. Die zweite Deutung geht von einem reichen Erzanbruch an dieser Stelle aus. Die Grube hat im Zeitraum 1524 – 1591 lediglich von 1575 – 1577 Ausbeute geliefert, danach verschwand sie wieder in der Bedeutungslosigkeit. Das höchste Silberausbringen mit 145 kg wurde 1576 erzielt. Schwierig ist nach dieser Deutung allerdings das Kreuz zu erklären, denkbar ist, dass es ein Symbol für die Dankbarkeit für den Erzanbruch wäre. Weiterhin hat es im Freiberger Revier erheblich größere Erzanbrüche gegeben, die nicht durch Tafeln gewürdigt sind. Eine dritte Deutung wäre ein Durchschlag zu einem Entwässerungsstollen, durch den der Abbau in tieferen Grubenteilen möglich wurde und damit auch die stark gestiegenen Erzlieferungen erklärt werden können. Das Kreuz könnte dann wieder die Dankbarkeit symbolisieren, unklar wäre aber die Bedeutung des Namens.
Die Tafel ist auf mehreren Grubenrissen vermerkt. Angaben zur Person Hans Benel sind bisher nicht bekannt. Zechenregister von St. Donat aus dieser Zeit fehlen. Im Freiberger Bürgerbuch taucht Hans Benel nicht auf, was aber nur bedeutet, dass er kein Hausbesitzer war oder in einer Vorstadt gewohnt haben kann.
In Zusammenhang mit dieser Tafel steht eine vermutlich in der Mitte des 18. bis Anfang des 19. Jahrhunderts entstandene Sage, auf die von KUGLER (1998) näher eingegangen wird. Die Sage handelt von dem armen Bergknecht Hans, der Hilfe von einem Berggeist bekommt, dafür aber Schweigen bewahren muss. Beim reichlich genossenen Bier plaudert er das Geheimnis aus. Dafür wurde er vom Berggeist umgebracht. Die Haspelknechte konnten ihn nur noch tot im Kübel bergen. Armut-Beschenkung-Geheimnisverrat-gewaltsamer Tod ist ein typisches Sagenmotiv. Die konkrete Bedeutung der Tafel war offenbar schon im 18. Jahrhundert nicht mehr bekannt, was Anlass zur Entstehung der Sage gab.
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Bild 4.3.01: Tafel mit Kreuz und Inschrift Hans Benel, Grube St. Donat, Revier Himmelfahrt Fundgrube, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Michael Pfefferkorn. |
Die folgende Tafel ist ebenfalls möglicherweise eine Unfalltafel. Sie befindet sich auf dem Samuel-Spat, Moritz Stollen in Zug, Erzgebirge.
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Bild 4.3.02: Fragliche Unfalltafel, Moritz-Stollen, Zug bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Michael Pfefferkorn. |
4.4. Tafeln zum Besuch hoher Persönlichkeiten
Zwei sehr schön gearbeitete Tafeln zum Besuch von König Friedrich August im Jahr 1852 und König Johann mit Prinz Georg im Jahr 1855 befinden sich im Rothschönberger Stollen in Sachsen. Der Besuch unterstrich auch die Bedeutung des Stollens für das Freiberger Revier.
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Bild 4.4.01: Tafel zum Besuch von König Friedrich August 1852. Rothschönberger Stolln, Sachsen. Foto: Michael Pfefferkorn. |
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Bild 4.4.02: Tafel zum Besuch von König Johann und Prinz Georg 1855. Rothschönberger Stolln, Sachsen. Foto: Michael Pfefferkorn. |
Eine leider recht schlecht erhaltenen Tafel zum Besuch von Prinz Friedrich von England findet sich im Mundlochbereich des Tiefen Georg Stollens im Harz.
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Bild 4.4.03: Tafel zum Besuch von Prinz Friedrich von England. Tiefer Georg Stollen, Bad Grund, Harz, Niedersachsen. Foto: Michael Kitzig. |
Der schwer lesbare Text lautet:
IHRO KÖNIGL. HOHEIT
DER
PRINZ FRIEDRICH
VON ENGLAND
PRINZ BISCHOF
ZU OSNABRÜCK
GERUHETEN
IN HOHER PERSON
DEN TIEFEN GEORG S(TOLLEN)
ZU BEFAHR(EN)
DEN 15TEN JUNIU(S 1781)
(GLÜCK AUF)
Der letzte Teil ist beschädigt bzw. nicht sichtbar.
Literatur: J. KUGLER (1998): "Der Berggeist von St. Donat" – eine Freiberger Sage und ihre Entstehung.- Schriftenreihe: Akten und Berichte vom Sächsischen Bergbau, Heft 10. Jens Kugler Verlag, Kleinvoigtsberg.
© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}
4.5. Tafeln zu sonstigen besonderen Ereignissen
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Bild 4.5.01: Schießtafel, Grube Alte Elisabeth, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Thomas Witzke. |
Diese und die auf dem gegenüberliegenden Stoß befindliche Tafel dokumentieren das Einführen des Schießens aus dem Ganzen 1767 im Freiberger Revier. Die mit viel Text versehene Tafel auf dem gegenüberliegenden Stoß befindet sich (Stand Januar 2002) durch zum Teil abgeblätterte Ausmalung leider in einem Zustand, durch den auf Fotos praktisch nichts von der Schrift zu erkennen ist.
Auf der deshalb hier nicht im Foto dargestellten Tafel ist folgender Text zu lesen:
Auf Hohe
Anordnung Einer Hohen
Revisions Comision, ist un
ter Aufsicht des dermalige
He. Stollgeschw. P.G. Klems ud [= und]
St. Ob. str. [= Stolln-Obersteiger] J.C.H. Heinets QV.
Crv 1767 No. 7 bis ud mit No. 10 W
mit belegung doppelter mannschaft
zu 4 st. die Einrichtung mit schüsen
außn gantzen gemacht ud mit
12 Häuern in 4 S.G. [= Sondergedingen] beÿ 1 lr. Höhe
4 ½ lr. länge vorhero aber durch
6 Häuer in 4 SG beÿ ¾ Lr. Höhe
1 ½ Lr. auf gefahren woden.
A.C. ENGELHARDT.
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Bild 4.5.02: Spundtafel, auf dem Sonne Stehenden, Nähe des Inslerschachtes, Zug bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Michael Pfefferkorn. |
Die Tafel gibt an, dass 1850 auf einer Länge von 218,85 Lachter der Gang verspundet und Gefluterkästen gebaut wurden, um die Wässer abzuleiten. Diese Einbauten haben erhebliche Kosten verursacht und man war zu Recht stolz auf diese Leistung und hat dies deshalb mit einer großen Tafel gewürdigt.
Text auf der Tafel:
Diese Spundstücken von Insler bis Neu
glück Spat, als 57 Paar von 19 ¾ Zoll mere Höhe
u. __Zoll zur Weite, 72 Paar von 16 ¾ Zoll mr. Höhe u.
2_ Zoll zur Weite sind an Quart Cruc. 1850 gelegt
worden. Die sämtl Läge beträgt 218,85 Lachter
Im Rothschönberger Stollen, der das Freiberger Revier entwässert, gibt es zwei Tafeln zu Hochwasserereignissen 1897 und 2002. In beiden Fällen gab es einen Verbruch im Bereich des Halsbrücker Spates und es mussten Umfahrungen angelegt werden.

Bild 4.5.03:
Tafel zu dem Bruch nach dem Hochwasser 1897. Rothschönberger Stollen, Bereich 7.- 8. Lichtloch, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Holger Lausch.
Text auf der Tafel:
Durch das Hochwasser am 30./31. Juli 1897 wurde das
Sandsteingewölbe bei dem übersetzenden Halsbrücker
Spat durchbrochen und der Stolln auf 578 m Länge
bis 2,35 m. Höhe durch Bergmassen verschüttet. Nach
Aufgewältigung dieser Massen wurde dieser Um-
bruch 108 m. lang geschossen, beim übersetzenden Spat
auf 25,5 m. Länge mit Beton und Ziegelgewölbe verwahrt,
der verbrochene Hauptstollnort aber durch zwei 3 m.
starke Ziegelverspünden vermauert.
Diese Arbeiten wurden
begonnen
am 19 / VIII 1897
beendet
am 31. / I 1900
Stephan. Betriebsdirektor.
Lissner. Obersteiger.
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Bild 4.5.04: Tafel zu dem Bruch nach dem Hochwasser 2002. Rothschönberger Stollen, Bereich 7.- 8. Lichtloch, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Holger Lausch. |
Im Ernst-August-Stollen im Harz findet sich eine Tafel "Anfang am 1ten April 1871", die den Ort und den Zeitpunkt des Beginns der Auffahrung des Lautenthaler Flügelorts angibt.
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Bild 4.5.05: Tafel im Ernst-August-Stollen, Harz, Niedersachsen. Foto: Michael Pfefferkorn. |
© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren
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3. Fund- und Gangtafeln, Tafeln zur Orientierung und Bezeichnung
3.1. Fundtafeln
Fundtafeln sind eine Besonderheit des Freiberger Reviers und nur aus der Zeit von 1785 bis etwa 1815 bekannt. Obwohl sie auch markscheiderische Punkte darstellen, sollen sie hier wegen ihrer großen Verbreitung im Freiberger Revier in einem speziellen Kapitel behandelt werden. Gleichzeitig stellen die Fundtafeln auch "Ereignistafeln" (siehe Kapitel 4) dar, da sie das Auffinden eines Ganges belegen. Als Vorläufer der Fundtafeln sind die in Kapitel 2 behandelten Tafeln zu Grubenmittelpunkten zu betrachten.
Das Freiberger Bergamt erließ 1785 im Quartal Reminiscere ein Regulativ, das hier nach Adlung (1999) zitiert werden soll:
"… Künftig hin sollen nach der Bestätigung einer Fdgr. auf einem im Freyen liegenden oder ganz unverliehenem Gang, so wie es in vorigen Zeiten gehalten worden sey, von den Herrn Reviergeschwornen die Fundstätte angehauen werden sollte, wodurch viele Streitigkeiten für die Zukunft verhindert werden können. Es sind dahero die die Herrn Reviergeschwornen angewiesen worden, dass jeder derselben nach jedesmaliger Bestätigung einer Fdgr. auf einem in sr. Revier liegenden Gange die Fundstätte mit dem Signo
benebst den Anfangsbuchstaben von dem Namen der Grube und die Jahreszahl an einem schükl. Orte, und zwar, wenn der Fund in der Grube angegeben worden, im Hangenden oder Liegenden, wenn aber der Fund über Tag angegeben worden, auf den dießfalls zu setzenden Fundstein einhaun, dessen auch in dem nächst darauf einzureuchenden Fahrbögen gedenken und dabey den Ort, wo die Fundstätte eingehauen, oder wie weit der Fundstein ins Hangende oder Liegende des Ganges gesetzt worden genau bestimmen soll. Von jeder solcher dergestalt eingehauenen Fundstätte aber solle den H. Reviergeschwornen, wie schon fast gewöhnlich gewesen, 8 gr. Im Register der Grube passierlich verschrieben werden. …"
Die den Tafeln zugrunde liegende Stufe entspricht dem in Kapitel 2 beschriebenen Verstufungssymbol, dem Doppelkreuz.
Neben der Dokumentation der Ansprüche der Fundgrübner ließen sich die Fundtafeln auch zu markscheiderischen Zwecken verwenden. Deshalb sind in ihnen häufig Bohrlöcher für Holzdübel zu sehen.
Ausführung und Größe der Tafeln ist sehr unterschiedlich, ebenso die Gestaltung der Buchstaben auf den Tafeln. Die Tafeln wurden meist ins anstehende Gestein geschlagen, es finden sich jedoch auch Exemplare, die übertage gefertigt und dann in vorbereitete Nischen eingesetzt wurden. Den Tafeln gemeinsam ist, dass sie die abgekürzte Gangbezeichnung, die Jahreszahl vom Fund sowie das Namenskürzel des Geschworenen tragen.
Nach einer Schätzung von St. Adlung wurdem im Freiberger Revier etwa 250 bis 300 Fundtafeln geschlagen.
In Folgenden sollen einige Beispiele für Fundtafeln aus dem Freiberger Revier vorgestellt werden.
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Bild 3.1.01: Fundtafel in der Grube Alte Hoffnung Gottes, Kleinvoigtsberg bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Bedeutung der Abkürzungen: Friedrich Spat, 1788, Johann Carl Gottlieb Beutel, Geschworner. Beim Schlagen der Kürzel wurde ein Feld zu tief angefangen. Foto Thomas Witzke. |
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Bild 3.1.02: nicht beendete Fundtafel, Grube Alte Hoffnung Gottes, Kleinvoigtsberg bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Bedeutung der Abkürzungen: Friedrich Spat, 1788, Johann Carl Gottlieb Beutel, Geschworner. Foto Thomas Witzke. |
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Bild 3.1.03: Fundtafel, Tiefer Alte Hoffnung Gottes Erbstolln, Kleinvoigtsberg bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Bedeutung der Abkürzungen: Burkhardt Stehender, 1790, K…… Geschworner. Foto Thomas Witzke. |
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Bild 3.1.04: Fundtafel, Grube Reiche Zeche, Freiberg, Sachsen. Bedeutung der Abkürzungen: Jung Elisabeth Stehender, 1789, K….. Geschworner. Foto Thomas Witzke. |
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Bild 3.1.05: Fundtafel, Querschlag zwischen Thurmhofer Hilfsstolln und Hoffnung Schacht, Grube Reiche Zeche, Freiberg, Sachsen. Bedeutung der Abkürzungen: Carolus Stehender, 1809, Unger Geschworner. Foto Thomas Witzke. |
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Bild 3.1.06: Fundtafel, Grube Trau auf Gott Erbstolln, Lichtenberg bei Freiberg, Sachsen. Bedeutung der Abkürzungen: Trau auf Gott Stehender, 1815, N…… Geschworner. Foto Thomas Witzke. |
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Bild 3.1.07: Eingesetzte Fundtafel, Ludwig Flacher, 1793, Gottlob Abraham Klemm, Geschworner. Brand-Erbisdorf bei Freiberg, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn. |
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Bild 3.1.08: Fundtafel, Friedrich Stehender, 1803, N.N. Hensel Geschworner, daneben Jahrestafel von 1802. Brand-Erbisdorf bei Freiberg, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn. |
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Bild 3.1.09: Fundtafel, Alt Molchner Stehender, 1806, David Gottlob Friedrich Braune, Geschworner. Brand-Erbisdorf bei Freiberg, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn. |
Auch aus anderen Revieren sind Fundtafeln bekannt, jedoch in völlig anderer Gestaltung.
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Bild 3.1.10: Fundtafel, Amandus Flacher, Grube Vater Abraham, Marienberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto anonym (1). |
Literatur:
ST. ADLUNG (1999): Markscheiderische Tafeln und Inschriften im sächsischen Erzbergbau.- Schriftenreihe Akten und Berichte vom sächsischen Bergbau, Heft 22. Jens-Kugler-Verlag Kleinvoigtsberg
© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}
3.2. Gangtafeln
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verloren die Fundtafeln im Freiberger Revier ihre Funktion und wurden durch Gangtafeln verdrängt. Die Gangtafeln zeigen üblicherweise nur noch die Gangbezeichnung. Auch diese Tafeln wurden meist in das Gestein geschlagen, aber auch eingesetzte, übertage vorbereitete Tafeln finden sich.
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Bild 3.2.01: Gangtafel, Benjaminspat, Himmelfahrt Fundgrube, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn. |
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Bild 3.2.02: Gangtafel, Glückauf Spat, Himmelfahrt Fundgrube, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn. |
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Bild 3.2.03: Gangtafel, Ernst Morgengang, Himmelfahrt Fundgrube, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn. |
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Bild 3.2.04: Gangtafel, Freundliche Gesellschaft Flacher, Himmelfahrt Fundgrube, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn. |
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Bild 3.2.05: Gangtafel, Krieg und Friede Stehender, Himmelfahrt Fundgrube, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Thomas Witzke. |
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Bild 3.2.06: Gangtafel, Julius Stehende oder Seliger Trost Flacher, Himmelfahrt Fundgrube, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Thomas Witzke. |
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Bild 3.2.07: Gangtafel, Thurmhof Stehender, Himmelfahrt Fundgrube, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Thomas Witzke. |
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Bild 3.2.08: Gangtafel, Wille Gottes Spat, Thelersberger Stollen, Brand-Erbisdorf bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn. |
Bemerkenswert ist die folgende Gangtafel, neben der sich ein Markscheidekreuz mit Bohrloch für den Holzdübel befindet. Sie erinnert damit an die ursprüngliche Bedeutung als Fundtafel und markscheiderischen Vermessungspunkt.
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Bild 3.2.09: Gangtafel mit Markscheidekreuz, Gottlob Morgengang ehem. David Stehender, Davidschacht, Himmelfahrt Fundgrube, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn. |
Eher ungewöhnlich sind weitere Angaben auf Gangtafeln, wie hier in dem Beispiel aus Zug am Mendenschacht vom Leander Stehenden, Tiefer Fürstenstollen, mit Angabe der 71,4 Lachter Teufe unter Tage.
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Bild 3.2.10: Gangtafel mit Teufenangabe, Leander Stehender, Mendenschacht, Zug bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn. |
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Bild 3.2.11: Gangtafel, Hilfe des Herrn Spat und Flacher, mit Angabe 270 Lachter, Thelersberger Stollen, Brand-Erbisdorf bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn. |
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Bild 3.2.12: Gangtafel, Stolln Spat, mit Angabe 27 Lachter bis Endig-Schacht, Thelersberger Stollen, Brand-Erbisdorf bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn. |
Auch aus anderen Revieren sind Gangtafeln bekannt, wenn auch erheblich seltener als im Freiberger Revier und im allgemeinen weniger aufwändig gestaltet. Die folgenden zwei Bilder zeigen Beispiele aus dem Marienberger Revier.
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Bild 3.2.13: Gangtafel, Bauer Morgengang, Marienberger Revier, Erzgebirge, Sachsen. Vermutlich bei späteren Arbeiten (Wismut ?) beschädigt. Foto Jan Münch. |
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Bild 3.2.14: Gangtafel, Elisabeth Flacher, Marienberger Revier, Erzgebirge, Sachsen. Foto Jan Münch. |
© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}
3.3. Tafeln und Zeichen zu bestimmten Stollenniveaus und Schächten bzw. Markierung bestimmter Anlagen, Tafeln zur Orientierung
Im Folgenden werden Tafel oder Zeichen vorgestellt, die bestimmte Stollenniveaus oder Schächte bezeichnen oder untertägige Anlagen markieren. Sie belegen entweder das Erreichen eines bestimmten Ortes oder Niveaus und leiten damit zu den Vortriebs- oder Ereignistafeln über, oder dienen der Orientierung und Kennzeichnung. Auch der Repräsentationsgedanke spielte wohl bei einigen Tafeln eine Rolle.
Hier eine Tafel von 1795 im Gestängeort zum Kunstrad auf der 4. Gezeugstrecke im Beschert Glück Neuer Kunstschacht, Zug bei Freiberg, Sachsen.
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Bild 3.3.01: Tafel auf der 4. Gezeugstrecke, Beschert Glück Neuer Kunstschacht, Zug bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn. |
Von der Ausführung her wie die in Kapitel 3.2. beschriebenen Gangtafeln gestaltet, bezeichnet die folgende Tafel aber keinen Gang, sondern einen Schacht.
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Bild 3.3.02: Tafel am Kindschacht, Revier Himmelfahrt Fundgrube, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn. |
Für Umbrüche gibt es ebenfalls Tafeln im Freiberger Revier. Die Umbrüche sind nummeriert. Auch Lachterangaben sind vorhanden. Bemerkenswert ist die in Bild 3.3.04 dargestellte Tafel von Umbruch Nr. 19 (die Nummer befindet sich außerhalb des Bildausschnittes), auf der Bleistiftnotizen des Markscheiders zu erkennen sind.
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Bild 3.3.03: Tafel an einem Umbruch. Thelersberger Stollen, Brand-Erbisdorf, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn. |
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Bild 3.3.04: Tafel an einem Umbruch, mit Bleistiftnotizen des Markscheiders. Thelersberger Stollen, Brand-Erbisdorf, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn. |
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Bild 3.3.05: Tafel an einem Querschlag, 21 Lachter bis zum Auferstehung Christi Stehenden. Reiche Zeche, Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Robert Brückl. |
© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren
2. Markscheiderische Zeichen, Tafeln und Markierungen, Grubenfeldgrenzen
In diesem Kapitel sollen die Zeichen, Tafeln, Inschriften und Markierungen zusammengefasst werden, die in Folge von markscheiderischen Vermessungen geschlagen oder angebracht und Grenzen bzw. bestimmte Punkte und damit im Zusammenhang stehende Rechtsansprüche markieren, Grubenfeldgrenzen markieren, markscheiderische Vermessungspunkte darstellen oder sonstwie der Markierung oder Orientierung dienen. Die Zeichen oder Inschriften können durch Bergbeamte oder durch den jeweiligen Eigentümer (bzw. in dessen Auftrag) angebracht werden. Eine spezielle Gruppe, die Fund- und Gangtafeln, die auch hier einzuordnen wäre, wird allerdings gesondert in Kapitel 3 vorgestellt.
2.1. Grubenfeldgrenzen
Die Vermessung von Grubenfeldern gehört zu den ältesten rechtlichen Praktiken, die mit dem Bergbau in Zusammenhang stehen. Notwendig wurden solche Vermessungen Übertage, aber auch Untertage, spätestens dann, wenn Gruben miteinander durchschlägig werden. Dann konnte es erforderlich sein, die Übertage festgelegten Grenzen nach Untertage zu übertragen. Abhängig von Zeit und Revier, konnten solche Grenzen dem Einfallen des Ganges nach unten folgen oder senkrecht nach unten verlaufen. Eine einfache und deutliche Möglichkeit, die Grubenfeldgrenzen Untertage darzustellen, ist das Einschlagen von Markierungen. Agricola (1557) schreibt, wie die Markscheider von Übertage gesetzten Steinen bzw. vom Grubenmittelpunkt – praktischerweise der Mittelpunkt des Haspelbaumes – nach unten messen und hier Zeichen einschlagen:
".. tzeigt er [der Markscheider – T.W.] an bey welchen ort / dz margkzeichen oder erbstuffen des stollens oder felorts seye zu schlahen. Es wirtt aber diß eingehauwen in bey sein / beider gschwornen steigern / und schichtmeistern: dann wie zugegen der Bergkmeister / diesen marckpfal in die erden schlecht / so schlecht auch der Marscheider ein streich in die gstein / von wegen der zeichen / die auch darum margkzeichen genandt werden. So er aber in schacht des gangs / der neuwlichen zehauwen ist angfangen / der massen margk setzet / so misset er erstmalen mit den Compaß / oder scheiben die schnür / so herzu gethon / die fleche des schachts / und verzeichnets mitt puncten / darnach alle felort / bis zu disem / in welches gstein die margkzeichen seindt zehauwen / aber alle ecken des felorts / misset er / und nach dem er die schnur in die fläche hatt außgstreckt / so streckt er zugleich / wie ich gsagt hab / die quärschnur / und hauwet ins gestein die zeichen. Wann aber in den margstein und erbzeichen / auch im felort / dz under ihnen ist / ein zeichen zehauwen ist / so hebt der marscheider von den zeichen an zumessen / und zeichnet jede winckell / und zu underst am felort / spandt er ein schnur / über dz selbig ort hinauß / in welches gstein er vermeint / das ein stuffen zuschlahen seye / als bald spannet er auß die schnur / wie ich offtmals gsagt hab auff die fläche. Wiewol aber der gang / im underen felort / anders dann im obern / in welchen das erst margkzeichen in stein gehauwen ist / streichett / so muß man doch gleich wol im underen felortt stracks im gestein ein magkzeichen hauwen. …"
Agricola schreibt nichts über das Aussehen der Stufen. Nach Adlung (1999) ist – zumindest für das Freiberger Revier – bis in das 15. Jahrhundert nichts urkundliches über das Aussehen der Zeichen übermittelt. Erst im Freiberger Bergschiedsbuch von 1525 – 1561 wird erwähnt, dass durch den Bergmeister oder Markscheider ein Kreuz ins Hangende als auch ins Liegende des Ganges geschlagen wurde. Vermutet wird jedoch, dass die Stufen vorher genauso ausgesehen haben.
Adlung (1999) berichtet auch von einem Beispiel aus dem Freiberger Revier, in dem die Kreuze nicht in die gegenüberliegenden Stöße geschlagen wurden, sondern an einem Stoß übereinander, da man auf der einen Seite wegen einem Schacht mit Beschädigungen rechnen musste.
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Bild 2.1.01: Markscheiderische Zeichen, zwei gegenüber liegende Kreuze. Grubenfeldgrenze, in einem Wasserlösungsstollen der durch mehrere Maaßen geht, Marienberger Revier, Sachsen. Foto: anonym (1). |
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Bild 2.1.02: Markscheiderisches Zeichen, Grubenfeldgrenze. Am gegenüber liegenden Stoß befindet sich das zweite Kreuz. Linßgrube, Schönborn-Dreiwerden, Sachsen. Foto Thomas Witzke. |
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Bild 2.1.03: Grubenfeldgrenze als Doppelkreuz. Am gegenüber liegenden Stoß befindet sich ebenfalls in Doppelkreuz (siehe Bild 2.1.04). Grube im Kiesholz, Marienberg, Sachsen. Zweite Hälfte 16. Jahrhundert. Übersichts- und Detailfoto. Foto Michael Pfefferkorn. |
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Bild 2.1.04: Grubenfeldgrenze als Doppelkreuz, gegenüber liegender Stoß zu Bild 2.1.03. Foto Michael Pfefferkorn. |
Auch größere Tafeln mit Abkürzungen der Grubennamen, Kürzeln der Namen der Bergmeister und Geschwornen sowie Jahreszahlen sind bekannt.
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Bild 2.1.05: Grubenfeldgrenze der Gelobt Land Fundgrube zur Donath Fundgrube auf dem Donath Spat. Thelersberger Stollen, Brand-Erbisdorf, Sachsen. Foto: Michael Pfefferkorn. |
Vorläufig hier eingeordnet werden sollen die beiden folgenden Bilder aus einem Flügelort des Treue Gewerken Verbindlichkeit Stollens, ein Entwässerungsstollen im Kamsdorfer Revier, Thüringen. Bei den Stufen wird vermutet, dass es sich um Grubenfeldgrenzen handelt. Die Ausführung und die spezielle Markierung des Bohrlochs für den Holzdübel lassen eine besondere Bedeutung annehmen.
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Bild 2.1.06: Markscheiderisches Zeichen, vermutlich Grubenfeldgrenze, westliches Flügelort Treue Gewerken Verbindlichkeit Stollen, Kamsdorf, Thüringen. Foto Michael Pfefferkorn. |
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Bild 2.1.07: Markscheiderisches Zeichen, vermutlich Grubenfeldgrenze, westliches Flügelort Treue Gewerken Verbindlichkeit Stollen, Kamsdorf, Thüringen. Foto Michael Pfefferkorn. |
In den untertägigen Kalksteingruben bei Maastricht auf niederländischem und belgischem Gebiet finden sich Zeichen oder Inschriften als Grubenfeldmarkierungen. Die Konzessionen zum Bergbau auf Kalkstein wurden im Mittelalter wahrscheinlich vom Fürsten durch einen Bergmeister vergeben (Information Jacquo Silvertant, Maastricht). Die Zeichen befinden sich an der Firste. Durch die Abbautechnologie liegen sie heute meist in 8 – 12 Meter Höhe. Jeder Konzessionsinhaber verwendete ein spezielles Zeichen. Interessant ist, dass die Zeichen für die Konzessionen oft in Verbindung mit Warnzeichen stehen. Bei diesen Warnzeichen handelt es sich um Galgen oder Räder, die die Funktion von Piktogrammen haben und den Inhabern benachbarter Konzessionen verdeutlichen, dass ein Abbau über die Grenze Diebstahl bedeutet und die Todesstrafe zur Folge hat (siehe Kapitel 5.2).
Inschriften, die Eigentum an Grubenfeldern markieren, finden sich an den Stößen bzw. den Sicherheitspfeilern. Der Übergang von Eigentumszeichen zu Inschriften erfolgte etwa um die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert mit zunehmender Verbreitung der Kenntnisse in Lesen und Schreiben. Nach dem Mittelalter erfolgte die Konzessionsvergabe durch den Grundeigentümer.
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Bild 2.1.08: Zeichen zweier benachbarter Konzessionsinhaber zur Markierung der Grubenfeldgrenze. Vor 1500. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Die Zeichen befinden sich an der Firste in mehreren Metern Höhe. Foto Thomas Witzke. |
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Bild 2.1.09: Zeichen eines Konzessionsinhabers zur Markierung der Grubenfeldgrenze, neben Galgen und Rad als Warnung gegen unerlaubten Abbau über die Feldgrenze. Vor 1500. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Die Zeichen befinden sich an der Firste in mehreren Metern Höhe. Foto Thomas Witzke. |
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Bild 2.1.10: Zeichen zweier benachbarter Konzessionsinhaber zur Markierung der Grubenfeldgrenze. Daneben eine "Drachentöter"-Zeichnung mit unbekannter Bedeutung. Vor 1500. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Die Zeichen befinden sich an der Firste in mehreren Metern Höhe. Foto Thomas Witzke. |
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Bild 2.1.11: Zeichen zweier benachbarter Konzessionsinhaber zur Markierung der Grubenfeldgrenze. Daneben ein Galgen als Warnung gegen unerlaubten Abbau über die Feldgrenze. Vor 1500. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Die Zeichen befinden sich an der Firste in mehreren Metern Höhe. Foto Thomas Witzke. |
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Bild 2.1.12: Zeichen zweier benachbarter Konzessionsinhaber zur Markierung der Grubenfeldgrenze. Vor 1500. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Die Zeichen befinden sich an der Firste in mehreren Metern Höhe. Foto Thomas Witzke. |
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Bild 2.1.13: Zeichen eines Konzessionsinhabers (eventuell der Prinzbischof von Lüttich) zur Markierung der Grubenfeldgrenze. Vor 1500. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Die Zeichen befinden sich an der Firste in mehreren Metern Höhe. Foto Thomas Witzke. |
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Bild 2.1.14: Zeichen eines Konzessionsinhabers, der Prinzbischof von Lüttich, zur Markierung der Grubenfeldgrenze. Vor 1500. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Die Zeichen befinden sich an der Firste in mehreren Metern Höhe. Foto Thomas Witzke. |
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Bild 2.1.15: Zeichen (zwei gegenüberliegende Kreuze) eines Konzessionsinhabers zur Markierung der Grubenfeldgrenze. Vor 1500. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Die Zeichen befinden sich an der Firste in mehreren Metern Höhe. Foto Thomas Witzke. |
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Bild 2.1.16: Zeichen zweier benachbarter Konzessionsinhaber zur Markierung der Grubenfeldgrenze. Vor 1500. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Die Zeichen befinden sich an der Firste in mehreren Metern Höhe. Foto Thomas Witzke. |
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Bild 2.1.17: Inschrift von Jan Bossen zur Markierung der Konzession, 16. Jahrhundert. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Die Zeichen befinden sich an der Firste in mehreren Metern Höhe. Foto Thomas Witzke. |
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Bild 2.1.18: Inschrift und Zeichen von Peter Stas zur Markierung der Konzession, von 1584. Grubensystem Zonneberg, Masstricht, Niederlande. Foto Thomas Witzke. |
Tafeln vom Erbbereiten
Das Erbbereiten war eine alte bergmännische Amtshandlung, bei der ein Grubenfeld mit besonderen, unanfechtbaren Bergbaurechten ausgestattet wurde. Voraussetzung war, daß Ausbeute erzielt wurde und Erze anstanden. Das Erbbereiten wurde mit besonderen Zeremonien veranstaltet. Die hohen Kosten gingen zu Lasten der Gewerken. Das Verfahren ist sehr alt, es wird bereits in einem Dokument von 1320 erwähnt. Der Begriff "Erbbereiten" ist wohl auf den Brauch zurückzuführen, das vermessene Feld zu Pferde abzureiten. Beim Erbbereiten werden übertage Lochsteine gesetzt. Ausgehend davon kann das Grubenfeld auch untertage vermessen werden, was z.T. durch Tafeln dokumentiert wird.
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Bild 2.1.19: Tafel zum Erbbereiten von 1750, Milde Hand Gottes, Brand-Erbisdorf, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn. |
| Die Abkürzungen auf der Tafel bedeuten: M(ilde) H(and) G(ottes) F(undgruben) E(nde) 17 + 50 I(ohann) E(manuel) S(tephani) I(ohann) S(amuel) K(öhler) B(erg) M(eister) V(ice) B(erg) M(eister) |
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Bild 2.1.20: Tafel zum Erbbereiten von 1697, Altmolchner Stehender (?), Brand-Erbisdorf, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn. |
| Die Abkürzungen auf der Tafel bedeuten: A(ndreas) S(üß) B(erg) M(eister) I(ohann) A(ndreas) S(üß) V(ice) B(erg) M(eister) A(ugust) B(eyer) M(ark)S(cheider) A(ndreas) T(ränkner) G(eschworner) |
© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}
2.2. Grubenmittelpunkte
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Bild 2.2.01: Grubenmittelpunkt, Milde Hand Gottes, Brand-Erbisdorf, Erzgebirge, Sachsen. Foto: anonym (1). |
2.3. Verstufungen
Beim Vortrieb von Entwässerungsstollen oder Stollenflügeln traten öfter Streitigkeiten mit den Gewerken der Gruben auf, zu denen sie durchschlägig werden sollten. Hier suchte man nach Möglichkeiten, die rechtlichen Probleme zu regeln. Eine Möglichkeit war, bestimmte Stufen an den Grenzen der Einzugsbereiche einzuschlagen. Damit werden auch finanzielle Ansprüche der Stöllner deutlich gemacht.
Eine der hier geschlagenen Stufen ist die sogenannte "Vierte-Pfennig-Stufe". Das Recht auf den Vierten Pfennig diente dazu, die Unkosten der Stöllner zu verringern. Dieses Recht trat bereits während des Vortriebs, sobald der Stollen die Grenze des Grubenfeldes erreichte, noch vor dem Durchschlag mit den Grubenbauen in Kraft. Die Gewerken der Grube zahlten ein Viertel der Unkosten der untertägigen Arbeiten. Es handelt sich um ein sehr altes Recht, welches schon in der Kuttenberger Bergordnung von 1300 erwähnt wird.
Um den Rechtsanspruch deutlich zu machen, schlug man gelegentlich eine Stufe beim Einkommen des Stollens in das Grubenfeld. Die Stufe markiert damit eine Grenze wie die weiter oben genannten Markscheidestufen, wurde jedoch auf Ersuchen der Stöllner geschlagen.
Im Erzgebirge ist die Stufe aus Grubenbauen des 16. Jahrhunderts bekannt, im 17. Jahrhundert kam sie hier außer Gebrauch.
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Bild 2.3.01: Vierte-Pfennig-Stufe. Grube im Kiesholz, Marienberg, Sachsen. Zweite Hälfte 16. Jahrhundert. Foto: Thomas Witzke. |
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Bild 2.3.02: Vierte-Pfennig-Stufe. Grube im Kiesholz, Marienberg, Sachsen. Zweite Hälfte 16. Jahrhundert. Foto Michael Pfefferkorn. |
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Bild 2.3.03: Vermutlich Vierte-Pfennig-Stufe, Treue Gewerken Verbindlichkeit Stollen, Kamsdorf, Thüringen. Foto Michael Pfefferkorn. |
Wenn ein Stollen nicht weiter vorgetrieben bzw. von den Stöllnern aufgegeben wurde, kam ein anderes Zeichen zur Anwendung. Dieses Zeichen (gewöhnlich ein Doppelkreuz), die Verstufung, diente zur Abgrenzung der Rechtsansprüche alter und neuer Stöllner bei Wiederaufnahme. Die alten Stöllner hatten weiterhin Anspruch auf einen Teil des Stollenneuntels, falls der Stollen die Grube erreichte.
Das Verstufungszeichen ist aus dem Erzgebirge seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts bekannt. Es ist bis in die Vogesen verbreitet gewesen, wurde hier jedoch wohl gleich bei der Aufnahme eines Stollens geschlagen.
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Bild 2.3.04: Schwer erkennbares Verstufungszeichen. Treue Gewerken Verbindlichkeit Stollen in Kamsdorf, Thüringen. Foto Michael Pfefferkorn. |
Gelegentlich wird auch ein senkrechter Strich mit drei Querbalken als Verstufungszeichen verwendet. Bekannt sind derartige Zeichen aus Johanngeorgenstadt/Sachsen und Kamsdorf/Thüringen. In Kamsdorf findet sich ein derartiges Verstufungszeichen am Julianestollen (ein bedeutender Entwässerungsstollen), wo der z.T. versetzte Albertgang einkommt, in der Nähe des Albertschachtes.
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Bild 2.3.05: Verstufungszeichen in einem alten Stollen nahe Schacht 120, Johanngeorgenstadt, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn. |
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Bild 2.3.06: Verstufungszeichen, am Julianestollen, Kamsdorf, Thüringen. Foto Thomas Witzke. |
Auch ein einfaches Kreuz ist als Verstufungszeichen bekannt. Etwas ungewöhnlich ist jedoch bei dem folgenden Beispiel, dass die Tafel in die Ortsbrust geschlagen wurde, denn bei einer Neuaufnahme des Stollenvortriebs würde sie verloren gehen.
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Bild 2.3.07: Verstufung des Weistaubner Stollns, Pobershau, Erzgebirge, Sachsen, im Quartal Trinitatis 1835. Foto Michael Pfefferkorn. |
Große Verstufungstafeln sind aus dem Freiberger Revier bekannt. Der fiskalisch vorgetriebene Rothschönberger Stollen, der bedeutendste Entwässerungsstollen des Freiberger Reviers, wurde gegen die von den jeweiligen Gruben aufzufahrenden Bereiche verstuft.
Die wohl schönste und aufwändigste Verstufungstafel überhaupt findet sich im Treue Sachsen Stolln bei Kleinvoigtsberg. Auch sie zeigt ein Doppelkreuz als Verstufungszeichen.
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Bild 2.3.08: Verstufung des Rothschönberger Stollens, Bereich 7. – 8. Lichtloch, Erzgebirge, Sachsen. Foto Holger Lausch. |
Der Text auf der Tafel lautet:
| Fortsetz. d. Rschb. Stolln im Innern d. Freib. Revier v. Cotta Bergr. Beuneman Stollnf Butze Stollnobstgr. |
Fiscal. Rschb. Stolln. verstufft d. 12. April 1877 Müller, Ob-Bergr. Richter, Berginsp. Johst, Bergverw. |
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Bild 2.3.09: Verstufung des Rothschönberger Stollens gegen den Beihilfe Erbstollen, Bereich 7. – 8. Lichtloch, Erzgebirge, Sachsen. Foto Holger Lausch. |

Bild 2.3.10:
Verstufungstafel des Treuer Sachsen Stollen gegen den Tiefe Hilfe Gottes Stollen. Kleinvoigtsberg bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Michael Pfefferkorn.
Der Text auf der Tafel lautet (aus ADLUNG, 1999):
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Bild 2.3.11: Verstufungstafel des Treuer Sachsen Stollen gegen den Tiefe Hilfe Gottes Stollen, daneben die im folgenden Bild dargestellte Tafel. Kleinvoigtsberg bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Michael Pfefferkorn. |
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Bild 2.3.12: Die 4 Meter neben der Verstufungstafel befindliche Tafel, die die Entfernung zum Peter Fundschacht angibt. Kleinvoigtsberg bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto: Michael Pfefferkorn. |
© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}
2.4. Markscheiderische Fixpunkte (Polygonpunkte)
Markscheiderische Fixpunkte (Polygonpunkte) wurden erst mit umfangreichen Vermessungsarbeiten wie sie zur Erstellung von Rissen notwendig sind, erforderlich. Sehr alte Polygonpunkte sind deshalb nicht zu erwarten. Besonders im 16. und 17. Jahrhundert wurde vielfach nur mit an geeigneter Stelle eingeklemmten Holzstöcken gearbeitet. Derartige Vermessungshilfen haben sich gelegentlich bis heute erhalten.
Kompliziertere Vermessungsarbeiten erforderten feste Polygonpunkte, die auch nach einiger Zeit wieder gefunden werden mussten. Dazu schlug man Stufen in Form eines Kreuzes ins Gestein. Häufig weisen sie im Zentrum ein Bohrloch für den Holzdübel auf. An einer Schraube im Dübel konnte dann die Lachterschnur befestigt werden.
Zuweilen sind neben den Kreuzen auch andere Zeichen verwendet worden.
Mit der Einführung des Theodoliten zur Vermessung und dem Wegfall der Lachterschnur kamen diese Zeichen außer Gebrauch und wurden durch aufgehängte Plaketten oder Tafeln ersetzt.
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Bild 2.4.01: Markscheidekreuz mit Bohrloch und Holzdübel. Reiche Zeche, Freiberg, Sachsen. Foto Thomas Witzke. |
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Bild 2.4.02: Markscheidekreuz. Freudenstein Erbstolln, Halsbrücke bei Freiberg, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn. |
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Bild 2.4.03: Markscheidekreuz. Rheinisch Wein, Halsbrücke bei Freiberg, Sachsen. Foto Holger Lausch. |
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Bild 2.4.04: Markscheidekreuz. Neuhoffnung Stollen, Kamsdorf, Thüringen. Foto Thomas Witzke. |
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Bild 2.4.05: Markscheidekreuz und Gedingezeichen. Juliane-Stollen, Kamsdorf, Thüringen. Foto Thomas Witzke. |
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Bild 2.4.06: Markscheidekreuz in der Tiefen Rösche, Thurm Rosenhof, Clausthal, Harz, Niedersachsen. Foto Thomas Witzke. |
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Bild 2.4.07: Markscheidekreuz, 1879. Grube Wohlfahrt, Rescheid, Eifel, Nordrhein-Westfalen. Foto Thomas Witzke. |
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Bild 2.4.08: Markscheidekreuz, wahrscheinlich 16. Jahrhundert. Stüblbau der Goldlagerstätte Schellgaden, Lungau, Salzburg, Österreich. Foto Christian Auer. |
Zeichen zur Höhenmessung oder -markierung ?
Vermutlich zur Höhenmarkierung und -messung könnte das folgende, nur aus einem waagerechten Strich bestehendes Zeichen von etwa 4 x 1 cm Abmessung gedient haben. Es findet sich mehrfach in den Resten des ursprünglichen, aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammenden Teilen der Müdisdorfer Rösche bei Brand-Erbisdorf im Freiberger Revier. Damit könnte das Gefälle in der Rösche festgelegt worden sein. Eine andere Möglichkeit ist, dass es sich um ein Vortriebszeichen handelt.
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Bild 2.4.09: Vermutlich Zeichen zur Höhenmessung und -markierung, Müdisdorfer Rösche, Müdisdorf bei Brand-Erbisdorf, Sachsen. Zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts. Foto Thomas Witzke. |
© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}
2.5. Andere markscheiderische Tafeln und Zeichen
Eine sehr schöne Markscheidetafel findet sich im Bereich des 12. Stollenortes auf dem Tiefen Georg Stollen (getrieben 1777 – 1799) im Oberharz. Bis zur Fertigstellung des Ernst August Stollens war er der wichtigste Erbstollen für den gesamten Oberharz. Die Tafel stammt aus der Zeit um 1779 und zeigt die Krone für den königlichen Stollen und die Nameskürzel der für den Stollenbau bedeutendsten Männer: HCFVRBH = Herr Claus Friedrich Von Reden Berg Hauptmann, sowie HGAST = Herr Georg August Stelzner (Oberbergmeister).
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Bild 2.5.01: Markscheidetafel mit Nameskürzeln. Tiefer Georg Stollen, Harz, Niedersachsen. Foto Michael Kitzig. |
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Bild 2.5.02: Markscheidetafel mit Nameskürzeln (?). Thelersberger Stollen, Brand-Erbisdorf, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn. |
sonstige markscheiderische Zeichen
Das in folgenden Bild dargestellte Zeichen sieht zwar aus wie der in Kapitel 1 beschriebene Quartalswinkel für das Nachreißen der Firste, hat aber hier eine völlig andere Bedeutung. Es findet sich unmittelbar neben einem Wetterüberhauen und markiert dieses zweifellos. Das Zeichen kann als schematische Darstellung des Überhauens gedeutet werden.
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Bild 2.5.03: Zeichen, das ein Wetterüberhauen markiert. Peterstollen, Revier Holzappel, Lahn. Foto Thomas Witzke. |
Eine vermutlich ähnliche Markierungsfunktion hat das sorgfältig in einen Stein geschlagene Zeichen aus dem Schlebuscher Erbstollen, Wetter, Ennepe-Ruhr-Kreis. Es befindet sich am gegenüberliegenden Stoß von Lichtloch 1. Dieses Lichtloch ist eine Treppe, die mit einer Sandsteinplatte abgedeckt ist. Nach einer vorläufigen Deutung symbolisiert der kleine senkrechte Strich das Mundloch, der waagerechte den Stollen und der Schrägstrich die Treppe. Unverständlich mutet jedoch die sorgfältige Ausführung und der Nutzen des Zeichens an.
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Bild 2.5.04: Zeichen, das vermutlich ein Lichtloch markiert. Schlebuscher Erbststollen, Wetter, Nordrhein-Westfalen. Foto Carsten Säckl. |
Im Stüblbau der Goldlagerstätte Schellgaden, Salzburg in Österreich findet sich ein Markscheidezeichen, eine Art Doppelkreuz, an einem geschrämten Aufbruch als Verbindung zu höheren Teilen der Grube. Es ist von dem einfachen Markscheidekreuz abgeleitet und mit einem zusätzlichen Querstrich versehen, um den Aufbruch zu kennzeichnen.
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Bild 2.5.05: Markscheidezeichen, wahrscheinlich 16. Jahrhundert. Stüblbau der Goldlagerstätte Schellgaden, Lungau, Salzburg, Österreich. Foto Christian Auer. |
© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}
2.6. Lachtertafeln, Tafeln mit Entfernungsangaben
Diese Tafeln lassen sich von den Vortriebstafeln zum Teil nicht scharf trennen, und es können sich auch echte Vortriebstafeln unter den Beispielen befinden. Zentrales Element der hier zusammengefassten Tafeln ist jedoch eine Entfernungsangabe.
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Bild 2.6.01: Lachtertafel aus dem Weißtaubner Stolln, Pobershau, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn. |
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Bild 2.6.02: Lachtertafel in einem alten Stollen, nahe Schacht 120, Johanngeorgenstadt, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn. |
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Bild 2.6.03: Lachtertafel "Vom Tage bis Thelersberger Füllort 52,37 Lachter", Thelersberger Stollen, Lade des Bundes Schacht, Brand-Erbisdorf, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn. |
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Bild 2.6.04: Lachtertafel Thelersberger Stollen auf den Dornsträucher Spat, am Mathias Kunst- und Treibeschacht, Brand-Erbisdorf, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn. |
Die im nächsten Bild dargestellte Tafel aus dem Schlebuscher Erbstollen, Wetter, Ennepe-Ruhr-Kreis, vermerkt nicht das Jahr, in dem der Stollen angelegt wurde, sondern das Jahr der Fertigstellung der Gewölbemauerung (1824). Der Pfeil zeigt in Richtung Mundloch. Die zweite Zahl (18 7/8) gibt die Entfernung zum Mundloch in Lachtern an. Ein Lachter entspricht hier etwa 2,09 m. Die Buchstaben sind vermutlich Namenskürzel.
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Bild 2.6.05: Lachtertafel von 1824. Schlebuscher Erbststollen, Wetter, Nordrhein-Westfalen. Foto Carsten Säckl. |
Folgendes Bild zeigt eine moderne "Lachtertafel" aus dem Prinz Walliser Wasserlauf bei Clausthal im Harz. Die Plakette aus Plastik gibt die Entfernung in Metern zum Mundloch an. Rot darunter die Markierung von der eigentlichen Vermessung. Darüber findet sich eine "Zähltafel", die von der Auffahrung der Rösche stammt. Das Vermessungszeichen und die Zähltafel stehen in keiner Beziehung und liegen hier nur zufällig beieinander.
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Bild 2.6.06: Entfernungsangabe zu Mundloch im Prinz Walliser Wasserlauf, Clausthal, Harz, Niedersachsen, darüber eine Zähltafel. Foto Thomas Witzke. |
Auch Tafeln mit Teufenangaben von Schächten sind bekannt. Hier ein Beispiel aus Zug bei Freiberg vom W. Fischer-Schacht mit der Angabe 19,3 Lachter freie Teufe.
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Bild 2.6.07: Tafel mit Teufenangabe, W. Fischer-Schacht, Zug bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Michael Pfefferkorn. |
Die folgende Tafel gibt die Teufe im Tiefen Georgstollen unter der Kirche am Marktplatz von Clausthal im Harz an. Es handelt sich um eine Kopie der originalen Tafel.
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Bild 2.6.08: Tafel (Kopie) mit Teufenangabe unter der Kirche von Clausthal, Tiefer Georgstollen, Harz, Niedersachsen. Foto Michael Pfefferkorn. |
© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren {mospagebreak}
2.7. untertägige Landesgrenzen
Ein kleines Kuriosum dürften Markierungen zu untertägigen Landesgrenzen sein. Bisher liegen zwei Beispiele vor, eines von der belgisch-niederländischen Grenze und eines von der französisch-luxemburgischen Grenze. Leider ist letzteres auf Grund eines abgeschlossenen Gittertores sehr schlecht zu fotografieren, außerdem ist die Inschrift schlecht erhalten und durch Baumaßnahmen für das Gittertor auch stark beschädigt worden.
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Bild 2.7.01: Grenze Belgien-Holland. Grube Caestert, Petit Lanaye, Belgien. Foto Thomas Witzke. |
© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren
weiter zu 3. Fund- und Gangtafeln, Tafeln zur Kennzeichnung und Orientierung


























































































































































































